Possession - Kritik

Possession

DE/FR · 1981 · Laufzeit 127 Minuten · FSK 18 · Drama, Horrorfilm
  • 9 .5

    Wie lange wollte ich denn schon sehen, bis Arte mir mal den gefallen tat. Ich rechnete mit viel, aber nicht mit so was. Viele die meinten, dass man keinen Hoprrorfilm erwarten sollte liegen ehrlich gesagt absolut daneben. Ich würde sogar sagen, dass es neben Sachen wir Rosemaries Baby einer der wenigen Echten Horrorfilme ist. Denn was ist schon ein größerer Horror als das zerbrechen einer langjährigen Beziehung zueinander?
    Das entfremdet Possession auf eine so eigene Art, dass es mir schwer fallen wird ihn vollends aufzudröseln. Ich weiß nicht mal ob ich dass will? So viele Haken, die der Film schlägt. Will er wie ein Hase vor uns entkommen? Oder führt er uns eher in die Irre? Besonders wenn man den Politischen Hintergrund betrachtet, der Job des Protagonisten, der nicht wirklich klar wird und dieses … Ding? Gott? Vampir? Dämon? Diese Augen, und dieser geschwungene Mund mit den es einen betrachtete. Ich kann die Schauer spüren.
    Possesion ist ein Horrorfilm, wie es ihn öfter geben sollte. Ohne jeden Jumpscara, Atmosphärisch bis zum geht nicht mehr und einfach so durchkomponiert. Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob er nicht fast zu lang ist.
    Possession ist einfach der Horror, Lovecraftscher Tragweite und Lynchiger Verwirrung.

    1
    • 8

      Was ist es? Ehedrama, Horrorfilm, Gottes- und Sinnsuche? Man weiß es nicht. Das macht es auch so interessant. Deutungen ließen sich reichlich finden. Und unser Denkapparat tut auch genau das: Er versucht eine stimmige Deutung zu finden und entdeckt hier und dort einen Beleg für das zurechtgelegte Erklärungsmodell, dann aber wieder etwas dem Widersprechendes.

      Was also tun? Nun, bei so einem Film gilt: Der Weg ist das Ziel. Also umgelegt dann wohl: Der eigene Nachdenkprozess ist das Ziel.

      Wir sehen hier starkes und kraftvolles Overacting der Akteure. So sieht das in Schauspielschulen aus, wenn die Anfänger noch nicht dosiert arbeiten können. Hier ist es aber gewolltes Stilmittel. Und zumeist ist es hilfreich, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, die uns gleich klar macht: Wir sind hier außerhalb des üblichen filmischen Schaffens. Setting, Story und Spiel sind dabei sehr stimmig.

      Wer den etwas anderen unüblichen, enigmatischen Film, der nicht allzu leicht einzuordnen ist, sucht, ist hier wohl richtig. Wenngleich der Streifen ungewöhnlich und vielfach deutbar ist, halte ich ihn im Gegensatz zu anderen, ähnlich gelagerten Filmen keineswegs für eine leere täuschende Hülle, die bloß schreit: "Schaut mich an, ich bin Kunst". Dazu bewegt er emotional doch zu sehr.

      "Possession" ist meines Erachtens durchaus sehenswert; freilich aber nur bedingt für das Blockbusterpublikum. arte sei Dank, dass ich dieses mystische Horrorehedrama nun auch mal sehen konnte.

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      • 5 .5

        überbewertet

        • 8

          Spoiler

          Spärlicher Musikeinsatz, unruhige Kameraführung, viel Geschrei und am Ende Verständnislosigkeit.
          "Possession" ist ein Film, den ich nur sehr schwer einordnen kann.
          Adjani und Neill spielen, nahe am Overacting, ein verdammt kaputtes Paar, schreien sich an, werden handgreiflich. Die Beziehung ist eigentlich am Ende. Neill will das nicht einsehen und auch des gemeinsamen Sohnes wegen, ist eine vollkommene Trennung schwer möglich. Dass die Zwei sich einst liebten, ist nicht mehr zu erkennen. Irgendwann, ich habe nicht ganz mitbekommen wann, vielleicht war Adjani auch schon bei ihrem ersten Auftritt wahnsinnig und mit dem Züchten ihres Monsters zugange, dreht Isabelle durch. Sie ist verschlossen, in sich gekehrt, mal ruhig, mal explosiv (vorallem die Szene in dem U-Bahn-Schacht, wenn auch nur geträumt (oder nicht?!), hat mir echt schwer zugesetzt), und spätestens bei ihrem ersten Mord wirklich furchtenflößend. Das Monster tut in dieser Szene sein Übriges, und verfehlt seine Wirkung kein bisschen. Ein Beziehungsdrama, dass plötzlich so drastisch das Genre switcht und dann wieder zurück zum Beziehungsdrama wandert. Wobei nach dem ersten Mord stets die undurchschaubare, schaurige Stimmung über Allem schwebt. Der spärliche Musikeinsatz jagte mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken und ist wirklich schrecklich-schön. Mit fortlaufender Dauer werden die Handlungen der Figuren immer mekrwürdiger, man bekommt beinahe das Gefühl, dass nun alle Charaktere dem Wahnsinn verfallen und doch verliert der Film nie die Haftung, lässt den Zuschauer nie über das Ges(c)hehene zweifeln.
          Die Kamera ist fast immer in Bewegung (am besten hat mir die Kamerafahrt am Anfang, während der Besprechung, in dem riesigen, weißen Raum gefallen) mal etwas ruhiger, manchmal total entfesselt, als wäre selbst die Kamera verrückt geworden. Gebt einem Epileptiker eine Kamera und es wird ein ähnliches Ergebnis geben (Ich bin Epileptiker, ich darf über sowas Witze machen!).
          Am Ende war ich dann total verwirrt. Explodierende Autos (im Ernst? Das nervt mich ja schon bei Actionfilmen, wenn einfache Crashs zu Explosionen führen, aber bei so einem Film?), Doppelgänger, Schießereien, plötzliche Sinneswandel, Akzeptanz seitens Neill für das Monster?
          Aber ja. Wenn man mal drüber nachdenkt. Der Film schleicht sich leise an und wird von Minute zu Minute abgedrehter, merkwürdiger, verwirrender und mündet in ein grandioses Finale. Die Frage, ob sie sich jemals geliebt haben? Beantwortet, schließlich hat sie kein Monster aufgezogen, sondern ein Abbild ihres Ehemannes, charakterlich vermutlich zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes, auf jeden Fall vor den Ereignissen im Film. Sam Neill möchte seine Frau retten, verständlich, ist er doch bessessen von ihr, möchte ihre Liebe um jeden Preis zurückerobern und was ist besser, als der Frau, die man liebt, in allen Lebenslagen beizustehen. In guten, wie in schlechten Zeiten.
          Die Explodierenden Autos, gut, dazu ist mir noch nichts eingefallen, vielleicht war einfach noch Budget übrig.
          Ich bin geteilter Meinung. Ich möchte "Possession" nochmal sehen. Auf jeden Fall, ein höchstinteressanter Film, der wahrscheinlich mit jeder Sichtung mehr Fragen aufwirft und beantwortet und von Mal zu Mal mehr Preis gibt. Andererseits war ich wirklich ratlos und verstört, kein Film, den man mal nebenbei konsumieren kann. Ein Werk, das lange nachwirkt, Besitz von einem ergreift und einen nicht mehr loslässt. Ein Meisterwerk? Vermutlich, die Frage beantworte ich dann irgendwann später, wenn ich wieder den Mut finde, diesen Horrorfilm erneut zu sichten.

          8
          • 9

            Seitdem ich bei Moviepilot bin und Filme bewertet habe, werden mir eine handvoll Filme immer und immer wieder auf den Profilseiten der User hier empfohlen...einer der prominentesten dieser Filme ist "Possession", den ich dank ARTE nun endlich sehen konnte.

            Ich wusste eigentlich nichts über den Film...Etwas Horror, etwas Drama, 80er LowBudget Eurolook, surrealistisch, soll Kult sein. Da hörte es dann auch schon auf...

            Was ich in diesen zwei Stunden aufgenommen habe, lässt sich schwer in eine Wertung packen und schwer erklären was die Faszination ausmacht...

            Possession ist in seiner extremsten Form die Visualisierung einer gescheiterten Beziehung, eines Verrats, einer Abhängigkeit und einer Suche...

            Den Film über seine Handlung nachzuvollziehen ist eigentlich nicht möglich. Mann muss ihn auf einer emotionalen und metaphorischen Ebene wahrnehmen...
            Mittlerweile gibt es ja viele Filme, dieser Art...aber selbst heute sticht Possession heraus und wirkt radikal.

            Wenn man mich fragt, geht es in dem Film um die Vorstellungen, die man von seinem Partner hat und wie man dieses Bild verändern oder komplett zurück setzen kann.

            Der Film scheint Einfluss auf Barkers Hellraiser gehabt zu haben und auch viel von Lars von Triers Antichrist konnte ich wieder erkennen. Ob bewusst oder nicht...

            Adjanis Schauspiel gleicht einer Performance Art und Neill war nie bedrohlicher...
            Die Kameraarbeit entfacht eine bedrohliche Sogwirkung und der spärliche Einsatz von Musik tut sein übriges....

            Ein Film, der besonders Leute ansprechen wird, die die Sorgen, Ängste und Schmerzen von Beziehungen und Trennungen kennen und abstrakte Filme schätzen. Für den Mainstream ein Horror.
            Große Kunst! Danke "MoviePilot-Empfehlungs-Algorithmus"

            7
            • 4

              Der Film hat nichts zu tun mit Obsession, nichts mit A. S. Byatt. Dafür ist es ein Horrortrip der übelsten Sorte. Er schafft schockierende Verwirrung nicht nur durch seine Spezialeffekte, sondern auch durch die nur schwer nachzuvollziehende Handlung (falls man denn überhaupt so etwas Kohärentes ausmachen kann).
              Die beiden Hauptdarsteller Isabelle Adjani und Sam Neill gehen weit über die zumutbaren physischen Grenzen der Schauspielerei hinaus und zwingen die Zuschauer sich unendlichen Torturen zu unterziehen. Blutig, gewalttätig und schreiend tauchen sie in ihre eigenen Doppelrollen und bespiegeln sich selbst. In der feindseligen Schreierei (s. Untertitel ‘Die Nacht als das Schreien aufhörte‘) ahnt man menschliche Probleme, ein Dreiecksverhältnis das nur nebulös zu fassen ist, weil die Akteure (u.a. Heinz Bennent) völlig unerwartete Aktionen starten.
              Die totale Verwirrung ist wenn dann die Adjani von einem Riesenkraken begattet wird. Horror, Fantasy, Mystery oder Vision?! Da gibt es keine Zeit darüber nachzudenken, denn das Filmende naht mit pyrotechnischen Ausrufezeichen und einem Kugelhagel mit Suizid bevor alles in einem Chaos untergeht.
              Ungeheuer schmerzhaft, mit extremen Nachtmaren, haltloses Weltuntergangsinferno. Das Grauen schlechthin à la Zulawski

              • 8 .5
                JordanBelfort 22.11.2016, 15:07 Geändert 22.11.2016, 15:14

                Ich vermeide ja sonst sowas, aber da ich eher interpretieren kann, als hier objektiv zu bewerten: SPOILER VORAUS!

                'Possession' bedeutet ja für den halbwegs Englischbewanderten Besessenheit. Im Französischen heisst es wiederum schlicht Besitz. Das Ende einer Ehe in den menschenleeren Straßen Westberlins. Wer besitzt wen? Wer ist besessen? Irgendwie ja beide Ehepartner. Der Mann ist besessen von seiner Noch-Frau, also der Liebe, und agiert völlig wahnsinnig in ihrer Nähe, wohingegen er in Gegenwart seines Sohnes oder seiner Arbeitgeber völlig gefasst erscheint. Die Frau flieht in einem Strudel aus Wut und Trauer in eine einsame Wohnung und entwickelt in ihrer Zerissenheit zwischen zwei Männern (der Eine, welcher Gott als eine Krankheit sieht und der Andere, ein religiöser Fanatiker) eine Besessenheit zu Gott. Oder auch Teufel. Alle, die ihr Monster, ihren Gott/Teufel zu Gesicht bekommen, lieben und sterben kurz darauf und werden vor dem Wesen geopfert. Denn Liebe ist nur ein Zufall und Zufall ist die Schwester des Glaubens, quasi ein Teil von ihr? Im Laufe des Films wirft Anna jegliche Konzeptionen der Liebe über Bord, was mit einer Art Entzug der Ehe beginnt, mündet darin, dass sie sich etwas Höherem hingibt, lässt sich sogar schwängern und gebärt den toten Antichrist in einer U-Bahn-Station. Sie entfernt sich in Ihrer Besessenheit von den menschlichen Konstrukten Vater, Mutter, Kind; missbraucht sogar eine ihrer Ballettschülerinnen. Aber es sind immer zwei Schwestern. So hat Anna ihre Doppelgängerin in der Grundschullehrerin, die sich durch Zufall in Marc verliebt und Teil der Familie wird. Der Doppelgänger des besessenen Marc ist besonnen und ruhig, gradezu göttlich und wird vom Zusammenleben mit seiner neuen Familie (Lehrerin und sein Sohn Bob) durch das jüngste Gericht abgehalten. Der Mann mit den pinken Socken ist am Ende auf der Jagd nach den zwei besessenen Individuen, die Polizei soll sie erschießen. Marcs Auftraggeber indentifzieren diesen Mann relativ am Anfang als Marcs Zielperson. Diese Auftraggeber sind westdeutsche Kapitalisten, sie sind der Teufel, das Böse. Der pinksockige Mann ist Gott.
                Während ihr Mann lange Zeit für den Teufel arbeitete, suchte Anna Zuflucht bei einem gottesnahen Mann, der die ganze Welt liebt und welcher auch physisch stärker ist als der teuflische und durch Liebe getriebene Marc. Sie versucht es mit Gott, doch letzten Endes ist es der Teufel (in Form des Monsters), welcher Sie am besten befriedigen kann. Marc nennt das Monster Gott, ist er doch selbst besessen und durch seine Arbeit auf der teuflischen Seite. Das Böse steckt im getrennten Berlin und durchdringt die Beziehung der Beiden; also um auf eine meiner anfänglichen Fragen zurückzukommen: Der Teufel/das Monster besitzt das Paar. Durch Gott werden am Ende Marc und Anna gerichtet und ihre "besseren" Doppelgänger sowie der die ganze Zeit über leidende Sohn erfahren am Ende Erlösung (durch kommunistische Bomben?).

                Soviel zu dem, was ich dazu denke. Ansonsten noch: Schauspiel, welches über jede Norm hinausgeht. Grossartig! Ich freu mich über Kommentare.

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                • superbad1980 22.11.2016, 09:37 Geändert 22.11.2016, 09:39

                  Tja, wie soll ich diesen Film bewerten?
                  Possession entzieht sich jeglicher Konvention und knallt einem die Vision des Regisseurs einfach nur vor den Latz. Verstehen muss man ihn denke ich nicht, Zulawski will daß er gefühlt wird und das schafft er irgendwie.
                  Dennoch hat er mich nicht so richtig mitgenommen. Die Charaktäre sind durch die Bank (das kind ausgenommen) unzugänglich, unsympathisch und total "drüber", sodaß mir fast egal ist was mit ihnen passiert.
                  Insgesamt kann ich eben mit diesem "Kunstfilm" nicht viel anfangen, aber ich will den Wert des Filmes nicht in Abrede stellen.
                  Wer mal was völlig anderes sehen will kommt an diesem Werk nicht vorbei.

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                  • 7 .5
                    kaiserofhorror 22.11.2016, 00:18 Geändert 22.11.2016, 06:28

                    Kaiserofkultur schlägt wieder bei ARTE zu.
                    “Was ein Film“ sagte ich zu mir selbst als der Abspann ins Bild flatterte.
                    Ich denke wichtig ist, nicht im Vorfeld spoilern lassen.
                    Also ab hier Schluss mit lesen ;)
                    Ich wusste nur das es sich um ein Ehedrama handelt, und das reicht, um so überraschter war ich vom “Kranken“ rest.
                    So lass ich mir sogar mal “Kunst“ gefallen.
                    Kurz und bündig, Kunst trifft Trash, und das ist ausnahmsweise nicht negativ gemeint.
                    Obwohl ich noch viel mehr zu schreiben hätte, lass ich's, von Possession muss sich wohl jeder sein eigenes Bild machen.
                    Ps. Obwohl eine sache gibt's noch, Isabelle Adjani ♥♥♥
                    PPs. Gut das ich die Kommentare hier nicht zuvor gelesen habe, hätte mir den Film sonst ziemlich versaut,, da von einigen ohne Wahrung munter das wichtigste gespoilert wird.

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                    • 7

                      Ich weiß nicht wie ich Arthouse-Filme bewerten soll. Sie sind anders als andere. Und das ist gut so. Deswegen liebe ich sie so.

                      Ich finde es erstaunlich was Leute mit wenig Bugdet hinbekommen, und andere mit großem versauen.
                      Detailtreue 1A. Zum Schluß etwas zu viel gezeigt. Aber meist werden interpretierbare Enden ja bevorzugt.

                      • 10

                        habe ich diesen film komplett verstanden? nein.
                        hat er mich wochenlang beschäftigt und fasziniert nach dem ansehen? ja!

                        mehr muss man dazu gar nicht sagen

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                        • 9

                          Horrorctober 2016 #13:

                          Andrzej Zulawskis Meisterwerk unterwandert konsequent alle gestellten Erwartungen und überschreitet ungerührt die Grenzen des guten Geschmacks. Schon nach wenigen Minuten ist der Film dort angekommen, wo viele Zuschauer am liebsten die Reißleine ziehen und den Filmen vorzeitig beenden würden. „Possession“ ist anders, brachial und roh brüllt er dem Zuschauer seine destruktive Weltsicht ins Gesicht und nimmt dabei auf nichts und niemanden Rücksicht. Dass der Film dafür von vielen Seiten Unverständnis und Ablehnung erfährt ist ebenso verständlich wie schade, schlummert unter der provokanten Oberfläche doch ein ebenso vielschichtiger wie auch feinfühliger Kern, den es eher emotional als logisch zu begreifen gilt. In seinen gut zwei Stunden huldigt der Film dem Wahnsinn und der Exzentrik, vollführt eine stetige Ambivalenz zwischen aufrichtiger Authentizität und kompletter Übertreibung und findet immer wieder wirkungsvollste Bilder. Erwähnenswert sind auch die aufopfernden Schauspielleistungen von Isabelle Adjani und Sam Neill, die sich über alle gängigen Regeln der Schauspielkunst hinwegsetzen und ebenso entfesselt wie der restlichen Film agieren. Faktisch natürlich völlig übertrieben wurde selten, wenn nicht sogar nie so leidenschaftlich auf der großen Leinwand geliebt und gelitten. „Possession“ ist im besten Sinne des Wortes einzigartig und sicherlich nicht für jeden geeignet, wendet Zulawski doch einen nicht geringen Aufwand auf, den Zuschauer vor den Kopf zu stoßen. Mich zieht das jedoch nur noch tiefer in den Film, schließlich ist „Possession“ auch ein Werk, welches alle gängigen Grenzen sprengt und eindrucksvoll präsentiert wozu die Kunstform Film fähig ist.

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                          • 9 .5
                            (VincentVega) 02.11.2016, 01:52 Geändert 02.11.2016, 23:50

                            Horrorctober 2016 #6
                            - Possession -

                            Erstmal müsste man sagen, dass "Possession" kein Horrorfilm ist, auch wenn er absolut erschreckend, blutig und verstörend ist.
                            Es ist schwer zu erklären was "Possession" eigentlich ist.
                            Ein höllisch guter Film, mit Sicherheit.
                            Aber die wirkliche Bedeutung des Filmes muss jeder für sich entdecken.
                            Für mich ist es einer der subversivsten Filme aller Zeiten, in dem Zulawski die eigene Trennung von seiner Frau verarbeitet, dies macht er indem er einen surrealistischen Höllenschlund öffnet, der eine maximale Sogwirkung entfaltet.
                            Grandios bebildert, noch grandioser gespielt.
                            Ein intensiver, malträtierender und kaum fassbarer Film über Trennung und Einheit, dargestellt in einer getrennten Stadt die heute vereint ist.
                            Auch wenn der Film die Menschen immer spalten wird, kann ich nur jedem ans Herz legen sich diesen Film einmal anzuschauen.
                            Er ist ein Overkill,
                            Ultrakunst,
                            Hölle und Himmel zugleich.
                            Ein Meisterwerk.

                            Isabelle Adjani ♥♥

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                              Lauren_Bacall 14.10.2016, 19:06 Geändert 15.10.2016, 01:15

                              Für alle Andrzej-Zulawski-Fans oder die, die's noch werden wollen:
                              Am Montag, dem 21.11.2016 sendet ARTE "Possession".
                              Alle, denen die Erstausstrahlung im Nachtprogramm vor drei Jahren zu spät war, können sich jetzt freuen, denn diesmal läuft Zulawskis persönlichster Film schon von 21:55 Uhr bis 23:55 Uhr.

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                                Strackymandias 07.09.2016, 00:06 Geändert 07.09.2016, 00:08

                                "Sex mit Tentakelmonstern! Was halten Sie davon?"

                                Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen. Aber jetzt mal ernsthaft: Holy FUCK! Ich muss fairerweise zugeben, dass ich sehr wenig verstanden habe, aber dennoch war das eine faszinierende, ungemein unangenehme Erfahrung. Possession ist einfach so anders! Die Inszenierung ist wie aus einer anderen Welt, mit erstaunlichen Bildern und einer mördermäßigen Audiokulisse. Dazu kommt, dass Isabelle Adjani vermutlich die physischste Schauspielleistung abliefert, die ich je gesehen habe. Ich weiß nicht, ob ich diesen Film je wieder sehen möchte, aber ich bereue es nicht, die Erfahrung gemacht zu haben.

                                PS: In der Kinovorstellung war außer mir nur noch eine Gruppe von ca 4 Leuten, von denen tatsächlich irgendjemand im letzten Drittel anfing Chips oder ähnliches zu knuspern. Könnt ihr euch das vorstellen? Bei so einem Film? Manche Leute sind seltsam.

                                PPS: Jetzt habe ich glatt vergessen, zu erwähnen, dass der Film auch als Zeitdokument des geteilten Berlins interessant ist.

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                                • Our Daily Free Stream: Andrzej Zulawski - Possession. Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, Zulawskis ehemaliges "Video Nasty" in voller Länge zu sehen und in der Filmkunstbar Fitzcarraldo als Schmuckausgabe des tollen Labels Bildstörung verleihen zu dürfen (der youtube link dient den Schaulustigen, mal einen Eindruck zu bekommen. SEHEN könnt ihr den Film bei uns auf DVD in voller Schönheit!). Ich bin ehrlich begeistert! Früher fuhr ich wegen des Films zum Videodrom, doch die Antwort war jedes Mal negativ. Possession gab es nicht auf VHS. Der Grund: Isabelle Adjanis Kunst. Die mutigste schauspielerische Leistung, die je auf Celluloid gebannt wurde: Adjani im U-Bahnhof Tempelhof, possessiv, hysterisch, grandios! Possession traut sich, uns, die Zuschauer, selbst in einen Zustand der Trance zu bringen. Alles beginnt mit dem Ende einer Ehe. Anna (Isabelle Adjani) eröffnet Mark (Sam Neill), dass sie ihn verlassen wird. Sie muss, versteht aber selbst nicht genau warum. Anna ist verstört, trifft sich mit einem heimlichen Liebhaber und drückt ihre neu gewonnene Freiheit durch Akte der Gewalt aus. Mark stammelt etwas durch das Telefon und krümmt sich allein im Bett zusammen wie ein Fötus. Schon bald beginnt der Kampf. Sie schlagen sich in einem Strassencafe, Anna verstümmelt sich selbst mit einem elektrischen Küchenmesser. Der zweite surreale Akt beginnt mit der wahren Natur von Annas heimlichen Rendez-Vous. In einem verkommenen Apartment in Kreuzberg (übrigens in der Sebastianstrasse Ecke Luckauer in 36. Hier der link, wie es dort heute aussieht: https://www.youtube.com/watch?v=UnleWl52m5s). Bewohnt wird es von einem schleimigen nach Blut und Sex hungernden Monster, in dem Anna ihren neuen Partner findet, den sie nähert. Mark erlebt sein schrecklichstes Trauma als er seine Frau beim Sex mit dem Wurm beobachten muss (Carlo Rambaldi hat die Kreatur geschaffen.) Possession scheint kein Film zu sein, bei dem man reale Ereignisse als Inspiration erwartet - und doch ist genau das der Fall: Zulawski schrieb das Drehbuch nach der Trennung von seiner ersten Frau (die in seinen frühen polnischen Filmen die Hauptrolle spielte). Possession, ein Film über rasende männliche Eifersucht, aber auch über das Risiko persönlicher Freiheit. Zulawski hat seinen Film 1980 im geteilten Berlin inszeniert und macht auffällig oft Gebrauch von Weitwinkeln und Tiefenschärfe. Die erste Einstellung zeigt die Berliner Mauer, im Hintergrund die Wachsoldaten aus Ost-Berlin. Ein Mahnmal der Realität voller Gewalt und den Spannungen zwischen Ost und West (die Zulawski nur allzu gut kennt, da er selbst seine Heimat Polen verlassen musste). Die Trennung von Anna und Mark, im Film wird sie gespiegelt. Possession ist ein Werk von Furcht und tiefer Trauer. Etwas durch und durch Böses bemächtigt sich des Körpers von Anna (ist es diabolisch?). Das gipfelt in der Szene im U-Bahnhof, da Anna etwas zur Welt bringt, das sich auch Zulawski nicht traut, zu definieren. Ein Missverständnis, Zulawskis Kino als blosse Pyrotechnik misszuverstehen. Eine tiefe Beschäftigung mit den Geheimnissen der menschlichen Seele, auseinandergerissen durch ihre brutalen Widersprüche - das ist seine Intention. Zulaswki ist ein ausgesprochen romantischer Regisseur, ein passionierter Forscher dessen, was in uns zerrissen ist. Possession soll uns helfen, diesen Zustand zu überwinden trotz unserer dunklen Sehnsüchte. Tief im Innern ist Zulawskis Werk ein Film über die Suche nach Gnade.

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                                    Meint ihr der Film ist was für mich ? Ich mag Horrorfilme die eigen sind aber ich hasse sinnlose Filme wo die Handlung überhaupt gar kein Sinn ergibt .... Da gibt es ja auch einige Horrorfilme. Nach dem was ich hier so gelesen habe scheint der auch in die Richtung zu gehen, aber im positiven Sinne. Hmm sollte ich dem eine Chance geben, fand den Trailer nämlich extrem Scheisse , aber bei den Kritiken und Wertungen ist er ja vielleicht einen Blick wert.

                                    • 9

                                      Kurz:
                                      Frau betrügt Ehemann mit Oktopus.

                                      Lang:
                                      Am 22. März packten wir die Gelegenheit zusammen mit der Filmstelle der VSETH Zürich den Kultstreifen „Possession“ auf Grossleinwand zu präsentieren. Der Streifen des verstorbenen polnischen Regisseurs Andrzej Zulawski gehört unserer Meinung nach zu den besten subversiven und surrealistischen Filmen aller Zeiten.

                                      Artverwandt mit Werken eines David Lynch (Blue Velvet, Mulholland Drive), eines Lars von Trier (Antichrist, Nymphomaniac) und eines David Cronenberg (Crash, Naked Lunch) schaffte es Zulawski 1981 einen cineastischen Höllentrip auf Zelluloid zu brennen. Besonders Antichrist Triers weisst erstaunlich viele Parallelen zu „Possession“ auf. So handelt auch der 28 Jahre früher erschienene Possession von der Entfremdung eines Ehepaares und der Sehnsucht nach körperlicher und seelischer Befriedigung.

                                      „Possession“ könnte auch der hässliche, von Crystal Meth gezeichnete Bruder des thematisch ähnlich angelegten „Kramer vs Kramer (1979)“ sein. Nur dass hier beim Thema Sorgerechtsstreit die Betonung laut und deutlich auf „Streit“ liegt. Ring frei! Es duellieren sich Isabelle Adjani und Sam Neill. Beide Schauspieler, zu gleichen Teilen grandios und nahe am Nervenzusammenbruch, balancieren gekonnt auf der Grenze zum Overacting. Während sich Neill hauptsächlich mit einem Jack-Nicholson-Joker-Grinsen und weit aufgerissenen Augen um sich selbst dreht, ist es Adjani, die eine schauspielerische Tour-De-Force abliefert. Obwohl „Possession“ beim Release nur von einem kleinen Publikum gesehen wurde, brachte ihr der Streifen den ersten César und an Filmfestspielen von Cannes den Darstellerpreis für die „beste weibliche Hauptrolle“ ein. Verdientermassen.

                                      Der Streifen fängt gewöhnlich an, um dann langsam aber stetig den Pfad des konventionellen Erzählkinos zu verlassen. Und so entwickelt sich aus dem rohen Rosenkrieg ein Horrorthriller mit gehörigen WTF-Momenten. Einer der grössten davon ist selbstverständlich die Sexszene von Adjani mit dem vermeintlichen schleimigen Lover aka Oktopus-Man. Es wäre aber töricht, den Streifen nur auf diese – unbestritten eindrückliche – Szene zu reduzieren, dient sie doch ohnehin nur als Metapher für Sehnsucht. (Glaube ich jedenfalls zu meinen.)

                                      „Possession“ ist ein erstaunlich kurzweiliges Filmerlebnis und von der ersten bis zur letzten Minute extrem intensiv. Was den Streifen besonders auszeichnet ist seine gekonnte Balance zwischen WTF-Momenten, typischen 80er-Horror-Elementen, eindrücklichem Drama und humoristischen Einlagen. Besonders Heinz Bennent als vermeintlicher Lover Heinrich unterhält mit seinem grenzenlosen Hedonismus prächtig. Glücklicherweise gibt es ab und an auch eine kleine Aufmunterung zu geniessen, denn der einzige, kleine Kritikpunkt meinerseits: in „Possession“ fliegen die Fetzen fast durchgehend, was den Zuschauern mit der Zeit alles abverlangt und manchmal sogar nervt. Ansonsten gibt es bei diesem Streifen nichts auszusetzen. Schauspielerisch top, dramaturgisch stringent, verstörend und berauschend und sogar technisch seiner Zeit voraus. A Must See.

                                      Fazit:
                                      „Possession“ ist und bleibt ein zeitloser Klassiker. Das schizoide Monster (duh!) von einem Film ist ein Fest. Für Filmliebhaber surrealistischen Horrors ein absoluter Pflichtkauf.

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                                      • Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, Zulawskis ehemaliges "Video Nasty" in voller Länge zu sehen! Ich bin ehrlich begeistert! Früher fuhr ich wegen des Films zum Videodrome, doch die Antwort war jedes Mal negativ. Possession gab es nicht auf VHS. Der Grund: Isabelle Adjanis Kunst. Die mutigste schauspielerische Leistung, die je auf Celluloid gebannt wurde: Adjani im U-Bahnhof Tempelhof, possessiv, hysterisch, grandios! Possession traut sich, uns, die Zuschauer, selbst in einen Zustand der Trance zu bringen. Alles beginnt mit dem Ende einer Ehe. Anna (Isabelle Adjani) eröffnet Mark (Sam Neill), dass sie ihn verlassen wird. Sie muss, versteht aber selbst nicht genau warum. Anna ist verstört, trifft sich mit einem heimlichen Liebhaber und drückt ihre neu gewonnene Freiheit durch Akte der Gewalt aus. Mark stammelt etwas durch das Telefon und krümmt sich allein im Bett zusammen wie ein Fötus. Schon bald beginnt der Kampf. Sie schlagen sich in einem Strassencafe, Anna verstümmelt sich selbst mit einem elektrischen Küchenmesser. Der zweite surreale Akt beginnt mit der wahren Natur von Annas heimlichen Rendez-Vous. In einem verkommenen Apartment in Kreuzberg, bewohnt von einem schleimigen nach Blut und Sex hungernden Monster, findet Anna ihren neuen Partner, den sie nähert. Mark erlebt sein schrecklichstes Trauma als er seine Frau beim Sex mit dem Wurm erwischt. (Carlo Rambaldi hat die Kreatur geschaffen.) Possession scheint kein Film zu sein, bei dem man reale Ereignisse als Inspiration erwartet - und doch ist genau das der Fall: Zulawski schrieb das Drehbuch nach der Trennung von seiner ersten Frau (die in seinen frühen polnischen Filmen die Hauptrolle spielte). Possession ist ein Film über rasende männliche Eifersucht, aber auch über das Risiko persönlicher Freiheit. Zulawski hat seinen Film 1980 im geteilten Berlin inszeniert und macht auffällig oft Gebrauch von Weitwinkeln und Tiefenschärfe. Die erste Einstellung zeigt die Berliner Mauer, im Hintergrund die Wachsoldaten aus Ost-Berlin. Ein Mahnmal der Realität voller Gewalt und den Spannungen zwischen Ost und West (die Zulawski nur allzu gut kennt, da er selbst seine Heimat Polen verlassen musste). Die Trennung von Anna und Mark, im Film wird sie gespiegelt. Possession ist ein Werk von Furcht und tiefer Trauer. Etwas durch und durch Böses bemächtigt sich des Körpers von Anna (ist es diabolisch?). Das gipfelt in der Szene im U-Bahnhof, da Anna etwas zur Welt bringt, das sich auch Zulawski nicht traut, zu definieren. Ein Missverständnis, Zulawskis Kino als blosse Pyrotechnik misszuverstehen. Eine tiefe Beschäftigung mit den Geheimnissen der menschlichen Seele, auseinandergerissen durch ihre brutalen Widersprüche, das ist seine Intention. Zulaswki ist ein ausgesprochen romantischer Regisseur, ein passionierter Forscher dessen, was in uns zerrissen ist. Possession soll uns helfen, diesen Zustand zu überwinden trotz unserer dunklen Sehnsüchte. Tief im Innern ist Zulawskis Werk ein Film über die Suche nach Gnade.

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                                          POSSESSION spaltet mal arg. Die einen sagen der ist so, andere sagen, dass er eher so ist. Ich sehe das auch eher so.
                                          Andererseits muss gesagt werden, dass Filme eben manchmal so sind weil sie eben dafür gemacht wurden genau so zu sein. Ohne viel um den heißen Brei herumzureden: POSSESSION ist eben so wie er ist und das ist relativ gut so. Finde zumindest ich so.

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                                          • 9 .5

                                            Wie eine entfesselte Naturgewalt, wie 10 Atombomben, oder 7 Kernschmelzen..dieser Film fordert jede einzelne Sekunde und macht mit dem Wahnsinn auch dort nicht halt wo anderweitig gnädig schwarz abgeblendet wird..nicht ein einziger Mensch scheint bei Sinnen zu sein..Adjani und Neill liefern Höchstleistung..(ob man nach so nem Job wohl erstmal in die Klappse muss? just thinking..)

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                                              Caturae 31.05.2015, 00:56 Geändert 31.05.2015, 18:06

                                              Schade, dass Adjani bei vielen hier so schlecht abschneidet. Ihr monströses Spiel in "Possession" empfand ich wesentlich fecettenreicher, als viele hier kritisieren und gehört zu dem besten, was ich seit langem gesehen habe.
                                              Andrzej Zulawski's Fim selbst ist eine von Pessimismus erfüllte, ungemütliche, beklemmende Einsicht in die Krater zweier menschlichen Psychen und ein phänomenal inszeniertes Bravourstück.
                                              Wahnsinnig empfehlenswert !

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                                                Ich bin ausgelaugt, erschöpft, komplett am Ende.
                                                Meine ich das im negativen Sinne? Mitnichten.
                                                Denn diesmal wurde ich bei einem Film einfach so sehr mitgerissen, meine Nerven so sehr strapaziert, wie selten zuvor. Ein verrückter Trip, aus dem es kein Entkommen gab.
                                                Wenn ich ein Werk nennen müsste, welches mich bisher am meisten erschüttert hat, würde ich nicht 'Eraserhead' an erster Stelle nennen - nein, seit gestern wäre es wohl 'Possession'. Und das aus dem Munde eines totalen Lynch-Fanatikers - es gibt schon seltsame Dinge auf dieser Welt. Aber das ist auch gut so.
                                                Diesen Film empfehle ich gleichzeitig einem jeden und keinem - denn nur wer es wirklich wirklich ertragen kann, einen Psychothriller in Reinform, gepaart mit Horrorelementen, anzuschauen, ist auch wirklich geeignet diesen Film zu 'genießen'. Mehr geht einfach nicht. Mehr kann man einfach nicht rausholen. Ich bin einfach nur sprachlos.
                                                Ich dachte eigentlich am Anfang, dass ich lediglich einen sehr gut bewerteten Horrorfilm sehen werde. Jetzt weiß ich, dass ich einfach einen verdammt geilen Film gesehen habe, der mich überrollt und ratlos zurückgelassen hat.
                                                Völlig zurecht reiht sich 'Possession' somit in meinen persönlichen Filmolymp ein und wird von nun an von dort nur sehr schwer zu verdrängen sein. Kino, wie man es leider viel zu selten zu sehen bekommt.

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                                                  Hagen Hagen 28.03.2015, 10:36 Geändert 21.04.2015, 16:43

                                                  Für mich gehört diese Theaterschauspielerei nicht ins Kino, so mit "Oh" und "Ah". Ich kann mir aber vorstellen, dass Isabelle Adjani ne Menge Spaß beim Spielen hatte.
                                                  Als Berlin-wie's-mal-war-Film sehr interessant.

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                                                    inceptionfan 26.03.2015, 19:11 Geändert 26.03.2015, 19:14

                                                    Filmbewertung #600
                                                    Wenn man die nächsten 100 Filmbewertungen voll hat, sucht man sich ja meistens einen echten Kracher aus und ich persönlich habe mich kurzentschlossen für diesen Kultfilm des Psychohorror entschieden, der ja teilweise als "DER Berlinfilm" beschrieben wird. Beginnen möchte ich mit den Schauspielern, die mich wirklich extrem überrascht haben. Ich kann mich nicht daran erinnern, Sam Neil jemals in einer besseren Rolle gesehen zu haben und vor allem Isabelle Adjani (hier sogar in einer Doppelrolle), von der ich vorher noch nie gehört hatte, spielt sich hier regelrecht die Seele aus dem Leib. Auf der einen Seite rutscht das ständige psychopathische Gekreische schon teilweise ziemlich in Overacting ab, auf der anderen Seite jagt einem aber besonders Frau Adjani in einigen Nahaufnahmen (bekommt von mir direkt den "Norman Bates-Gedächtnispreis") oder der verstörenden U-Bahn-Szene deftig Angst ein. Ob das hier jetzt DER Berlinfilm ist, ist strittig, Fakt ist aber, dass die leergefegten Straßen der Stadt eine stimmungsvolle und beklemmende Kulisse ergeben.Bei der Story kann man definitiv nie sagen, in welche Richtung sie sich entwickeln wird. Angefangen bei einem Beziehungsdrama, wechselt der Film zum Psychohorror und lässt sich irgendwann gegen Ende hin in gar kein Genre mehr einordnen, weil die Story immer surrealer und verwirrender wird, sodass man als Zuschauer besonders bei der Endszene etwas vor den Kopf gestoßen wird und ich persönlich auch noch zu keiner wirklich sinnvollen Interpretation gelangt bin, weshalb mich der Film doch noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Dass "Possession" in den 80ern als Skandalfilm galt, kann man schon verstehen. Schließlich ist der Film äußerst brutal, stark sexuell aufgeladen und die ein oder andere Ekelszene (mit starkem Make Up!) ist auch heute noch ziemlich verstörend. Generell würde ich hier aber empfehlen, den Film völlig unvoreingenommen und ohne vorherige Spoiler anzuschauen, denn nur dann zünden die besagten Szenen komplett! Handwerklich ist "Possession" mit einer starken Kameraführung und teils befremdlichem Schnitt ebenfalls hervorragend. Erwähnen müsste man auch noch den ungewöhnlichen, aber doch stimmungsvollen, berühmten Soundtrack, den sicherlich jeder schon einmal irgendwo unbewusst gehört hat. Bei all dem Lob muss ich aber auch sagen, dass "Possession" in meinen Augen nicht perfekt ist. Der Film braucht zum Beispiel ziemlich lang, um in Fahrt zu kommen und die Spannungskurve funktioniert meiner Meinung nach nicht so wirklich, weil sich der Film zwischen den verstörenden Szenen immer wieder selbst ausbremst und ich als Zuschauer nie wirklich mit den Figuren mitgefühlt habe, weil es sich eigentlich fast ausschließlich um gestörte Gestalten handelt. Da muss ich ehrlich sagen, dass der Film ruhig hätte 20 Minuten kürzer sein können, weil das Schicksal einiger Figuren dann doch etwas vorhersehbar und zu sehr in die Länge gezogen ausfällt.
                                                    Fazit: "Possession" ist ein Film, der die Lager enorm spaltet (man sollte übrigens auf gar keinen Fall einen gewöhnlichen Horrorfilm erwarten!) und auch ich war mir lange Zeit nicht sicher, wie ich ihn den nun bewerten soll. Für mich war während des Sehens leider nur recht schnell klar, dass es dieses Mal anders als bei der 500. Bewertung ("Interstellar") keine 10 Punkte werden, obwohl das auch wieder Kritik auf hohem Niveau ist, denn "Possession" ist trotzdem für Freunde außergewöhnlicher, rätselhafter Filme eine absolute Empfehlung und ein handwerklich großartig gemachter Film!

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