Reservoir Dogs - Kritik

Reservoir Dogs

US · 1992 · Laufzeit 99 Minuten · FSK 18 · Thriller, Drama · Kinostart
Du
  • 10
    FrancisYorkMorgan 20.07.2017, 07:51 Geändert 20.07.2017, 09:19

    Mit den eisenharten Fans von Tarantiono über Zusammenhänge, Philosophie, Schattenseiten, Metaebenen und die Genialität in den Werken des Meisters zu diskutieren, kann schlimm werden, Online wie Offline. Selbst wenn die Fans oft so tun, als lägen riesige Welten zwischen all seinen Werken, ist es doch erstaunlich wie treu sich Tarantino über all die Jahre blieb. Kein Werk gleicht dem nächsten, selbst innerhalb eines vermeintlichen Zweiteilers (KILL BILL), der so viele Details anders angeht als der andere Teil, kann Tarantino seine kratzbürstige Handschrift nie leugnen. Seien es die göttlichen Ansprachen, die oftmals köstlichen, ewig nachhallenden Dialoge, seine punktierten Gewaltexzesse und die unverwechselbare Ästhetik...hier könnte man wirklich ewig ausholen, was genau Tarantino auszeichnet und was eben nicht.

    Für viele ist PULP FCITION sein Magnum Opus, eine verfeinerte, exzessiv aufgebohrte und vielseitige Vollendung dessen, was Tarantino mit RESERVOIR DOGS los trat. Es sind, zumindest für mich, auch die beiden Filme, die am dichtesten beieinander liegen. Ich habe meine Schwierigkeiten mit dem elegisch galanten JACKIE BROWN, mit dem etwas zu redseligen DEATH PROOF und möchte sie dennoch nicht missen, wackelnde Punktevergabe hin oder her, das sind für mich nur Details. Selbst nach zig Interviews, Making-Of's und anderen Extras, bleibe ich dabei, dass RESERVOIR DOGS sein stärkster Film ist. Ein Film, der vor allem die nicht chronologischen Szenen mit einer Klasse verstrickt, die in PULP FICTION hin und wieder ein paar schwächere Episoden kaschiert, was in RESERVOIR DOGS ein einziger Sturm an großen Momenten, unvergesslichen Worten und fantastischer Musik ist. Das darf jeder gerne anders sehen, aber Tarantino verlässt hier nie die Fäden dieses Banküberfalls und bleibt am Ball wie in keinem zweiten Film von ihm. Konsequent und ohne ausgewalzte Lacher strickt, webt und fädelt der Autor und Regisseur seine Figuren, Metaphern und Beweggründe ineinander, brüllt und beruhigt, schießt auf Leiber und schneidet an Ohren herum.

    Neben der selbstbewussten Regie, der einmaligen Bildsprache, der famosen Songauswahl und dem konsequenten Schnitt, sind es Drehbuch und Darsteller, die verblüffen, egal wie oft ich den Film schon gesehen habe. Lasse ich das sehr amüsante, aber unvollständige Debut (MY BEST FRIEND'S BIRTHDAY, auf Youtube verfügbar) mal auf der Seite, liegt es für mich wohl daran, dass RESERVOIR DOGS der kürzeste Spielfilm von Tarantino ist. Keine 100 Minuten, ohne Fett, ohne Knorpel und auf den Punkt durch. Knapp 1,2 Millionen Dollar Budget - der Film sieht viel teurer aus -, große Schauspieler wie Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen und Steve Buscemi laufen zur Hochform durch das Überscript , runden den gerechtfertigten Kult. PULP FICTION hat sicher die größere, buntere und abwechslungsreichere Bühne, einzelne Momente, die über seine restliche Vita fliegen, aber RESERVOIR DOGS, der durch und durch Theaterqualitäten aufweist, ist Tarantino in seiner reinsten und stechendsten Form. Daran dürfte sich für mich nie etwas ändern. Platin in Filmform.

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    • 8

      ich formuliere es mal so wie es focus.de machen würde...5 jahre hat diese person den film nicht gesehen dann fällt ihn eine sache auf...

      der film rockt!!!

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      • 7 .5

        Für mich ganz klar der beste Film von Tarantino. Der Film ist auch nicht in die Länge gezogen wie die anderen Filme von ihm. Bei "Reservoir Dogs" kommt keine Langeweile auf. Die Handlung naja es ist ein Tarantino Film sagt ja schon alles. Die Charakteren und Dialogen stehen im Vordergrund. Das positive ist das mir alle Charakteren im Film gefallen jeder hat was das mich zum Lachen bringt. Der Film ist sehr einfach gestrickt und das ist auch sehr löblich, der Film kommt immer zur Sache und ist ein guter Gangster-Film. Die Schauspieler agieren sehr gut miteinander und machen den Film auch aus. Ich lobe die Leistung von Michael Madson,Chris Penn, Harvey Keitel und besonders die von Tim Roth.

        Sehenswert

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        • 9

          Ein Klassiker für alle Tarantino-Fans, man merkt wieviel Herzensblut in dem Film steckt!

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            Hiptronic 12.05.2017, 13:12 Geändert 12.05.2017, 15:25

            Nachdem ich bereits einige Tarantino-Filme gesichtet habe, nun den Erstling und der steht wirklich plakativ für den neuen Stil, den der Regisseur in die Filmwelt gebracht hat: Geschichten, ganz anders erzählt, die Szenen nicht chronologisch sondern nach Relevanz sortiert, heftiger Splatter immer im Dienst der Story, die den Menschen so zeigt, wie er ist: Abgründig eben und das kommt hier zur Geltung. Die ganze Tumbheit von Gangstern, welche die meiste Zeit damit beschäftigt sind anderen Leuten zu zeigen, was nicht der Fall ist, nämlich das mit ihnen was los ist, wird authentisch an einschlägigen Dialogen dargestellt. Wer so redet, der taugt halt nur zum Wackersteine schleppen oder nimmt lieber 'ne Knarre in die Hand - damit sieht er zwar auch nicht intelligenter aus, aber es traut sich wenigstens keiner mehr ihm das zu sagen. Genial auch die Szene mit Mr.Orange und seinem Gesprächspartner im Restaurant, bei dem konsequent nur der linke, bzw. der rechte Arm für die Gestik eingesetzt wird. Wer will, der kann das gern einmal ausprobieren um selbst zu erleben, wie blöd das wirkt! Entsprechend kommt nichts dabei 'raus, wenn eine solche Truppe zusammen ein Ding drehen soll, das ganze stinkt von Anfang an und geht am Ende peinlichst tragisch aus. Ausgezeichnetes Kino, da gibt es absolut nix zu meckern, also die Chicken-Wings mit der scharfen TexMex-Salsa in die eine Wange schieben, die Nachos mit Cheese in die andere, mit einem guten Schluck gekühltem "Desperados" oder "XXX" 'runterspülen und Zugucken! Kauen nicht vergessen!

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              Genial. Nach Django der beste Tarantino den ich kenne. Viele werden wohl meinen Pulp Fiction wäre besser, aber ich finde diesen Film besser. Er hat eine interessantere Handlung und bessere Charaktere. Ein Meisterwerk.

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              • 7 .5

                Als Tarantino noch neu, jung und cool war... (ohne danach spätestens nach Jackie Brown immer wieder ähnliches in "uncooler" abzuliefern). Mit Reservoir Dogs fing alles an, der Hype war spätestens mit Pulp Fiction damals berechtigt, mit Jackie Brown lieferte er sein reifstes Werk ab, danach ging es für mich nur noch Berg ab (wobei Death Proof und Django für mich positive Ausnahmen waren). Der Film hat coole Szenen und coole Charaktere, war für mich aber nie der Superhit. Habe ihn auch (wie wahrscheinlich viele damals) erst nach Pulp Fiction gesichtet. Trotzdem: Für mich war Tarantino von Reservoir Dogs bis Jackie Brown prägend und wunderbar.

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                  BenAffenleck 11.01.2017, 20:47 Geändert 26.01.2017, 21:05

                  Quentin Tarantino und BenAffenleck . . . zwischen Herzen, Höhepunkten und Mittelmäßigkeiten.

                  Vor 2 Jahren bekam ich die Tarantino BluRay Box 20 YEARS OF FILMMAKING geschenkt, die nun endlich mal vom Cellophan befreit wurde. Da bot sich gleich eine etwas umfangreichere Werkschau an, die auch den ein oder anderen Seitenschritt des grandiosen Filmemachers einbezieht. Zwei der Filme sehe ich zum ersten Mal, andere zum x-ten Mal.

                  Teil 01/12 >> RESERVOIR DOGS (1992) <<

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                  Diese ewig coole Gangster Klamotte über einen missglückten Juwelenraub verliert einfach nichts von ihrer Genialität und ist ohne Zweifel einer der besten Debüt-Filme überhaupt. Themen wie Vertrauen und Verrat paaren sich hier mit drastischer Gewalt, schwarzem Humor und unglaublicher Coolness. Das Drehbuch erzählt eine simple Geschichte, springt jedoch vor und zurück und lässt sich dabei so gerne streicheln wie ein tollwütiger Hund. RESERVOIR DOGS, dieses alte Biest hat sich den ranzigen Titel ‘Kultfilm’ redlich verdient.

                  Anfänglich war Tarantinos erster Spielfilm kein Erfolg, zog aber durch Mundpropaganda immer mehr die ‘Children of the Night’ an. Ähnlich muss es auch Harvey Keitel gegangen sein, als dieser das Drehbuch in die Hände bekam und fortan Tarantino und dessen rechte Hand (und Produzent) Lawrence Bender mit Geld und den nötigen Connections versorgte. Somit konnten die beiden Freunde durch eine Menge Glück und frischen künstlerischen Visionen einen hervorragenden Cast mobilisieren, der sich schauspielerisch nichts schenkte. Dieses glückliche Händchen für einen genialen, oft auch überraschenden Cast, zeichnete auch folgende Tarantino Filme aus.

                  Um die Produktionskosten möglichst gering zu halten, spielt der Großteil von RESERVOIR DOGS in einem leerstehenden Lagerhaus und verzichtet auf große Action-Momente. Hier packt dann das begeisternde Drehbuch mit vielen frischen Ideen zu und versorgt den Film-Fan mit teils genialen Dialogen aller Charaktere über alltägliche Banalitäten. Das Gequatsche über Madonnas °°Like A Virgin°° und die Philosophie des Trinkgeldes, während die Kamera elegant den Tisch im Diner umkreist. Wirklich großartig, genau wie die episodenhafte und nicht lineare Erzählstruktur. Erst im Laufe des Films erfährt man, was genau bei dem Coup eigentlich schief ging und was für Figuren sich im Hunderudel tollen. Diese Art des Erzählens konnte Tarantino schon 2 Jahre später in PULP FICTION nahezu perfektionieren. Das Gespür für unpassenderweise passende Songs in seinen Filmen, dieses feine Händchen für eine vorzügliche Musikwahl besaß er schon hier in vollem Umfang. °°Stuck In The Middle°° bekommt man wieder tagelang nicht aus den Ohren. Sofern man noch beide hat...

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                  Hier geht's zur Liste ::: http://www.moviepilot.de/liste/benaffenleck-guckt-tarantino-benaffenleck

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                  • 7

                    "Reservoir Dogs" beweist, dass es möglich ist, trotz verhältnismäßig geringer Mittel und geringem Bekanntheitsgrad, mit der nötigen (tarantino'schen) Initiative ein wirklich großartiges Debüt auf die Beine zu stellen, wenn man die passenden Supporter findet. Schon hier lässt sich Tarantinos Stil eindeutig erkennen und weiß zu begeistern. Allerdings kann "Reservoir Dogs" nicht mit einem "Django Unchained" oder "Pulp Fiction" mithalten. Zu träge scheint die Handlung in der Mitte an mancher Stelle, jedoch wissen die Dialoge ausnahmslos zu überzeugen. Die Eröffnungsszene spielt diesem Umstand aber auch direkt in die Hände, da sie einfach der absolute Wahnsinn ist und keine Szene im Film damit mithalten kann. Das Ende hat mich übrigens tatsächlich irgendwie emotional berührt und der Cast war auch großartig. "Reservoir Dogs" ist ein absolut gelungener Streifen über Vertrauen und Verrat und eine Bande skurriler Typen mit Farb-Decknamen, die es mächtig verkacken. Meine Empfehlung hat sich auch Tarantinos Erstlingswerk verdient.

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                    • 7 .5
                      Tetze89 26.12.2016, 00:48 Geändert 26.12.2016, 00:49

                      Sicherlich sehenswert, aber an die Djangos und Basterds dieser Zeit reicht er einfach nicht (mehr) heran.
                      Darstellermäßig gibt es auch nichts zu meckern. Den kann man sich schon ab und an mal reinziehen.
                      Zudem gibt es ein sehr schönes Steelbook aus der Mondo Selection.

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                      • 10

                        Stark inszeniert , großartiges Schauspiel und gefüttert mit klasse Dialogen punktet Tarantinos "Opener" in allen Bereichen ! Diese Erzählweise ( Rückblicke )gepaart mit fiesen , lustigen Sprüchen ist einfach genial ! Ein Filmdiamant der an Intensität und auch zeitweise Brutalität seines gleichen sucht ! Muss ich mir alle paar Jahre unbedingt erneut ansehen , sonst fehlt mir etwas .

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                        • 8 .5

                          Exzellenter Karriere-Start mit einem großartigen Kammerspiel der Superlative!

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                          • 10

                            Seine Erstlingswerke sind definitiv Tarantinos beste Filme!

                            "Reservoir Dogs" ist ein unterhaltsames Kammerspiel, wobei man hier eher von "Lagerhausspiel" sprechen könnte^^ Wie gewohnt ein ziemlich dialoglastiger Streifen, allein durch seine ruhige Inszenierung sowie den Einsatz der Schauspieler erschafft Tarantino eine eindrucksvolle Atmosphäre. So wurde z.B. die Anfangsszene absolut genial umgesetzt. Hier werden alle wichtigen Charaktere vorgestellt, sie führen eine interessante und spaßige Unterhaltung. Dies geschieht aber mit so einer Normalität/Selbstverständlichkeit, dass man als Zuschauer quasi ebenfalls dort am Tisch sitzt.

                            Ungewöhnlich für Tarantino ist die Tatsache, dass der Film bis auf diese Anfangssequenz nahezu ohne Humor auskommt. Dies tut der Qualität des Films aber keinen Abbruch, statt eine Gangster-Komödie wie Pulp Fiction sieht man hier eher ein Gangster-Drama. Sechs Jungs sollen einen Diamant-Laden hochnehmen, doch irgendwas läuft schief, sie geraten in eine Schießerei mit der Polizei. Als Zuschauer begibt man sich an die Seite von Mr. White (Harvey Keitel), Mr. Orange (Tim Roth) und Mr. Pink (Steve Buscemi) und stellt sich Fragen wie "Was genau ist schiefgelaufen?" oder "Was ist aus den anderen Jungs geworden?" Hilflosigkeit, Frust und Verzweiflung kommen auf, Tarantino beleuchtet hier eine andere Seite des Gangster-Daseins. Als Drama funktioniert der Film deshalb so außerordentlich gut, da die Charaktere auf großartigen Schauspielerleistungen fußen. Das bezieht sich jetzt nicht nur auf die drei oben genannten Schauspieler sondern auf den Cast allgemein. Nach und nach löst Tarantino die Handlung auf und gibt Informationen, indem er Flashbacks einsetzt. Schlussendlich entläd sich der Film dann in einem überraschenden Höhepunkt.

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                              Harvejurco 08.10.2016, 11:04 Geändert 08.10.2016, 11:05

                              Definitiv seiner Zeit voraus! Großes Kino, muss Anfang der 90er das Nonplusultra gewesen sein

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                                Für damalige Verhältnisse seiner Zeit meilenweit voraus......
                                Bei erneuter Sichtung muss ich sagen das der Film immer noch eine Menge Charme versprüht. Ziemlich brutal, aber wenn Tarantino draufsteht weiß man ja worauf man sich einlässt. Ich mache das immer wieder gerne und wurde vom guten Quentin auch noch nicht enttäuscht. Die Darsteller sind schon spitze, der Plot ist gut in Szene gesetzt und auch sonst gibt es viel positives zu berichten. Spannung bleibt aufgrund der verschachtelten Erzählweise dauerhaft erhalten ( was heißt verschachtelte erzählweise, aber ein paar Rückblenden sind vorhanden). Tarantino hat auch eine kleine Gastrolle die er wie immer nicht ganz so überzeugend rüber bringt, aber er weiß an welcher Stelle er sich zurückhalten sollte. Auch aus heutiger Sicht haben wir hier noch einen echt spannenden Heist Krimi der wie in gewohnter Tarantino Manier mit gelegentlichen Gewaltspitzen aufwartet.

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                                • 9

                                  Direkt nach "Pulp Fiction" immer noch das beste was Tarantino geschaffen hat.

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                                  • 9

                                    Der Spätfilm beginnt seine Tarantino-Reihe mit Reservoir Dogs.

                                    "I don’t tip because society says I have to"

                                    Ich persönlich vergesse immer wieder, wie gut dieser Film schon ist. Dass er eben viel mehr darstellt, als nur ein Proto-Pulp-Fiction zu sein.

                                    Traditionsgemäß legen wir ausführlich die Produktionsumstände dar: Die schwierige Finanzierung und das Arbeiten mit knappen Budget. Garniert mit jeder Menge überlieferten Originalzitaten, wie:

                                    Keitel: ‘Well, how the hell did you come to write this?’
                                    Tarantino: ‘I watch movies.’

                                    Wir analysieren die Hypermännlichkeit, die Gewalt, das Postmoderne an diesem Film mit seinen Zeitsprüngen, seiner Relativierung von Moral und Wahrheit, seinen Zitaten & Referenzen und seiner Suche nach Erlösung. Wir gehen aber auch auf Kritik gründlich ein und entdecken eine wunderschöne Madonnen-Klammer um den Film.

                                    Abschließend kommt auch die Rezeptionsgeschichte nicht zu kurz. Wusstet ihr etwa, dass Wes *Fucking* Craven das Kino verließ, weil ihm der Film zu hart war?!

                                    • 7 .5

                                      Für seine erste Regiearbeit, macht Tarantino hier einen richtig guten Job.
                                      Von der Story her reicht er zwar nicht an Pulp Fiction, Django der Hateful 8 heran, er ist aber trotzdem ein sehr sehenswerter Film.
                                      Schauspieler wissen zu überzeugen und der Soundtrack ist sowas von Klasse.

                                      • Our Daily Free Stream: quentin Tarantino - Reservoir Dogs. Tarantino beginnt mit dem Dreh an Kill Bill 3! Deshalb gibts heut seinen Erstling. - Quentin Tarantino war einer der talentiertesten Autoren der frühen 90er. Reservoir Dogs schliesslich seine erste eigene Regie-Arbeit, die wie eine Stilübung daherkommt. Wer Reservoir Dogs sieht, möchte meinen: Nicht schlecht und als nächstes mal einen richtig guten Film! Reservoir Dogs bietet einen Besetzungs-Coup! Angeführt von Lawrence Tierney, der nicht nur im Film gerade aus dem Knast kommt. Vermutlich klingt er deshalb so authentisch! Tierney gibt Joe Cabot, einen Gangster, der ein Team für einen Raubüberfall zusammengestellt hat. Der Schlüssel zum Erfolg: Niemand kennt den Anderen und deshalb nennen sie sich Mr. White, Mr. Blonde oder Mr. Orange. Pink ist unzufrieden mit seinem Namen. "You're lucky you ain't Mr. Yellow"; wird er zurechtgestutzt. Die Eröffnungsszene findet statt in einem Coffee Shop, in dem alle Beteiligten an einem langen Tisch sitzen. Sie stecken ihre Zigaretten an und trinken Kaffee, während die Kamera ganz langsam um die Gruppe fährt. Nach einer ausgiebigen und albernen Diskussion (die das Herzstück von Reservoir Dogs ist und zum ersten Mal Gangster zeigt, die aber wie Jungs um die Ecke daherquatschen), verlassen sie den Raum. Jeder darf direkt in die Kamera blicken beim Hinausgehen und alle haben starke Gesichter: Tim Roth, Michael Madsen, Steve Buscemi, Chris Penn und Harvey Keitel, dessen Präsenz wie die Genehmigung wirkt, überhaupt einen Gangsterfilm zu produzieren. Tarantino vertraut ganz auf ihre Gesichter, an keiner der Figuren zeigt er einen tiefer liegendes Interesse. Er baut ganz auf seinen Plot und den treibt er voran. Seine Grundidee: All diese Typen - ausser Tierney und dem durchgeknallten Madsen - bluffen. In Extremsituationen können sie nicht bestehen. In Rückblenden erleben wir den verpfuschten Überfall. Tarantino beweist ein gutes Händchen, wie er seine Action Sequenzen inszeniert: Wie die Männer die Strasse herunter rennen, Schusswechsel, Blut und Schreie. Schliesslich mündet das Geschehen in einem Warenhaus. Der derangierte Madsen verdächtigt einen von ihnen, ein Cop zu sein. Wir dürfen nun Zeuge einer fast poetischen Rachehandlung werden... Als ich Reservoir Dogs zum ersten Mal sah, war vor allem Michael Madsen die Überraschung des Films. Ein Schauspieler, dessen Gesicht man aus billigen Filmen kannte und der hier aufspielte wie einer der Grössten! Tarantino selbst empfielt sich als Schauspieler durchgedrehter Bösewichter. Ich mochte Reservoir Dogs und mag ihn immer noch. Damals wollte ich aber mehr! Man las, wie er selbst diese Low Budget Produktion vorantrieb und wie unzufrieden er mit der bisherigen Verfilmung seiner Drehbücher war. Für das, was ein guter Gangsterfilm braucht, ist viel Geld nun aber gar nicht von Nöten. Ich hätte mir gewünscht, die einzelnen Typen etwas besser, ja tiefer kennenzulernen. Tarantino lässt sie zwar sehr viel reden, aber im Grunde wenig offenbaren. Erst sein nächster Film sollte genau das Kunststück vollbringen!

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                                          sachsenkrieger 14.06.2016, 13:43 Geändert 14.06.2016, 13:43


                                          St. Quentin und die Bekehrung des heidnischen Sachsen - Lange Jahre standen der von vielen fast kultisch verehrte Hohepriester aus Knoxville/Tennessee und der Sachse aus Hildesiaheim/Ostfalen auf Kriegsfuß, wenngleich ersterer wohl nichts davon wusste. Und wenn er davon gewusst hätte, wäre es ihm wohl vollkommen zu Recht, auch völlig scheißegal gewesen. Woran das lag? Daran, das ich ein Mensch bin und, ebenso wie die meisten von uns, weniger tolerant, als ich es mir manchmal einzubilden versuche. Nach den beiden KILL BILL war für mich erstmal Sendepause. Als ich dann mit INGLOURIOUS BASTERDS einen Neueinstieg wagen wollte, weil der weltbeste Mime dort einen Lieutenant spielte, schaltete ich das Teil bereits nach 15 Minuten wieder ab, weil mir das mit dem Baseballschläger einfach tierisch gegen den Strich ging. Irgendwo sind die Grenzen des guten Geschmacks überschritten, dachte ich damals noch. Dann bekam ich noch ein Video zu sehen von Tarantinos peinlichem Auftritt bei einer Premiere des Films, und das rostfreie Kriegsbeil war wieder ausgegraben. Aber mit der Zeit kommt normalerweise die Einsicht, das nicht alles das ist, was es zu sein scheint. Das man selbst nicht der ist, der man zu sein glaubt. Das man es, wenn auch mit Mühe ertragen kann, wenn in einem Film Juden wie Schlachtvieh in die Gaskammer geführt werden, es aber nicht ertragen kann, wenn ein Wehrmachtssoldat von einem Juden mit einer Basie totgeknüppelt wird. Da musste ich mich irgendwann selbst fragen, warum das eigentlich so ist. Ob aus irgendeinem für mich nicht erkennbaren Grund, zumindest mehr von einem Nazi in mir steckt, als von einem Juden. Ob das jetzt dazu geführt hat, das ich mich recht spontan für eine Fast-Sichtung des tarntinoischen Werkes entschied? Keine Ahnung! Was würde Quentin dazu vermutlich sagen? Fuck you!

                                          RESERVOIR DOGS ist einer dieser Spitzen-Debütfilme, wie ihn etliche Regisseure erschufen. Wenn die kreative Macht noch mit ihnen ist, wenn die Ideen aus dem Boden sprießen, wie Löwenzahn aus dem Asphalt. Wenn noch revolutionäre Gedanken gehegt werden, es der ganzen weiten (Film)-Welt zu zeigen. Roh, brutal, unangepasst, straight auf den Punkt, der irgendwo zwischen Stirn und Kinn liegt ... und doch auch ein Kunstwerk, das nicht einmal ein Banause wie ich übersehen oder überhören kann. Die Erzählweise in Rückblenden, unpassend-passende Musik, endlose Dialoge, denen man sich aber nicht entziehen kann und nicht zuletzt, mit der Story um die ausgedachte Story des verdeckten Ermittlers Mr. Orange, eine dieser denkwürdigen Sequenzen der Filmgeschichte. Eine insgesamt 23-minütige Episode, die wohl nicht nur mir ein Strahlen der Bewunderung aufs Gesicht zauberte. Dazu ein ganzer Haufen handverlesener und erlesener Darsteller, die allesamt einen verdammt guten Job machen.

                                          Tja, wer ist Quentin Tarantino jetzt? Ein nerdiger Blender, der Gewalt verherrlicht, auf alles scheißt und Tod predigt? Ein göttlich genialer Tausendsassa, dem kein anderer Regisseur dieser Welt, auch nur annähernd das Wasser reichen kann? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Für mich ist er weder das eine und das andere und ich sehe weder einen Sinn darin, mich wie ein 15-jähriger, mit einer Figur wie Vincent/Vic Vega zu identifizieren, noch darin, mir mit dem Verzicht auf seine Filme, eine ganze Menge beschissenen Spaß entgehen zu lassen. Man kann aus seinen Filmen, je nach Bedarf, entweder das ein oder andere für sich mitnehmen ... oder einfach nur die geile Show genießen. RESERVOIR DOGS ist ein würdiger Opener eines Regisseurs, der sich aufmachte, die Filmwelt als Autodidakt, ein wenig bunter zu machen ... und in dieser Hinsicht auf gar keinen Fall versagt hat...

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                                          • 9 .5

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                                            Ein Diamatenraub geht sowas von in die Hose.

                                            Lang:
                                            Nachdem „The Hateful Eight“ uns alles andere als begeisterte, musste ich meine verschrobenen Tarantino-Eindrücke wieder ist richtige Licht rücken und habe mir nach zig Jahren wieder mal „Reservoir Dogs“ reingezogen.

                                            Das Erstlingswerk Quentin Tarantinos erschien vor 24 (!) Jahren und ist trotz unbestrittenen Klassikern wie „Pulp Fiction“ und „Kill Bill“ sein bester Film. „Reservoir Dogs“ ist im Vergleich zu allen anderen Outputs der rohste Streifen des selbsterklärten B-Movie-Fans. Da ein Großteil des Films in einer verlassenen Fabrikhalle spielt, unterstreicht dies die kühle Atmosphäre und – guter Nebeneffekt – konnten damit auch die Produktionskosten tief gehalten werden. Tarantino suchte nämlich lange vergebliche nach Investoren für „Reservoir Dogs“ und wollte den Film dann sogar aus der eigenen Tasche berappen. Glücklicherweise wurde Schauspieler Harvey Keitel das Skript in die Hände gespielt, worauf er dann dem Projekt seine finanzielle Unterstützung zusicherte und auch für einen Bruchteil seiner normalen Gage eine der Hauptrollen übernahm. Der Rest ist Geschichte.

                                            Wie in jedem Tarantino-Streifen war schon in „Reservoir Dogs“ das Schauspieler-Ensemble die halbe Miete. Dabei ist Keitel ist nur einer der vielen Schauspieler, welche in „Reservoir Dogs“ brillieren. Bevor sich Samuel L. Jackson zwei Jahre später zum unverzichtbaren Tarantino-Inventar spielt, glänzt in „Reservor Dogs“ ein unwiderstehlicher Cast rund um Keitel (Pulp Fiction), Tim Roth (Pulp Fiction, Four Rooms, Hateful Eight), Michael Madsen (Kill Bill, Hateful Eight) und Steve Buscemi (Pulp Fiction).

                                            Die Dialoge, ein weiteres Hauptmerkmal aller Tarantino-Filme, waren schon 1992 originell, geschliffen scharf und – Achtung Kritik – plump („Like A Virgin“). Tarantinos Füller-Stories, welche den Plot in keiner Art und Weise vorwärts bringen, überzeugen in „Reservoir Dogs“ dennoch mehrheitlich und können gütigerweise auch der Charakterzeichnung zugeschrieben werden. (Es hilft sicherlich, dass „Reservoir Dogs“ „nur“ knapp 100 Minuten dauert, denn beim einem 3-Stunden-Epos wie „The Hateful Eight“ ist dann auch mal zuviel des Nonsense-Geschafels.)

                                            Nebst den Schauspielern und dem Drehbuch überzeugt in „Reservoir Dogs“ vor allem die Struktur des Films. So sind die Szenen selten chronologisch angeordnet und die einzelnen Charaktere werden erst im Verlaufe des Film durch Rückblenden mehrschichtig. Besonders die Figur Tim Roths wird so wunderschön Schritt um Schritt entpackt und bildet schlussendlich auch den dramatischen Anker des Films.

                                            Eine weitere, eminent wichtige Zutat in den Tarantino-Filmen ist die Filmmusik. In „Reservoir Dogs“ ist der Sound nicht nur präsent, er hält den Streifen sogar zusammen. Vorhang auf für „K-Billy’s Super Sounds of the Seventies Weekend“¨. Die fiktive Radioshow liefert einen catchy 70er-Songs nach dem anderen. Die Ohrwürmer flankieren einzelne Szenen dermassen gekonnt, dass Sound und Bild auch Jahrzehnte später nicht mehr auseinander gehalten werden können. Eine erstaunliche Leistung wie wir finden.

                                            Fazit:
                                            „Reservoir Dogs“ ist das Meisterwerk eines eigenständigen und einzigartigen Regisseurs. Furios inszeniert, brutal pessimistisch und auf mehreren Ebenen nachhaltig, brennt der Streifen mit ikonischen Szenen und gefeilten Dialogen ein dreckiges, unübersehbares Brandloch in die Kinogeschichte.

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                                            • 10

                                              Heute gibt es mal wieder einen absoluten Lieblingsfilm von mir. Und von wem könnte er sein? Natürlich vom Großmeister und Künstler Quentin Tarantino. Reservoir Dogs ist sein erster Kinofilm und schon der ist ein atemberaubendes Meisterwerk und ein Meilenstein der Filmgeschichte. Schon damals wurde deutlich, dass Tarantino nicht nur ein brillanter Regisseur ist, sondern auch mit die besten Drehbücher schreibt. Reservoir Dogs ist ein total minimalistisch gedrehter Arthouse Film, der aber nicht gerade mit Gewalt spart.

                                              Es sollte eigentlich der beste Diamantenraub überhaupt werden. Mr. White, Mr. Orange, Mr. Blonde, Mr. Blue, Mr. Brown und Mr. Pink hatten alles im Griff, doch aus irgendeinem Grund wusste die Polizei Bescheid und hat die Diebesbande überrascht. Das war natürlich so nicht geplant und so endet dieses Vorhaben in einer blutigen Schießerei. Einige verlieren ihr Leben, andere, wie zum Beispiel Mr. Orange, werden schwer verwundet. Ein paar der Gauner verstecken sich in einem Lagerhaus und versuchen zu entschlüsseln, was schief gegangen ist. Schnell wird der Verdacht klar, dass unter ihnen ein Verräter ist.

                                              Wie das für frühere Tarantino Filme typisch war, weiß man zu Beginn erst mal gar nicht, worum es überhaupt geht und wer was für ein Spiel spielt. Der Film läuft nicht ganz chronologisch ab, allerdings ist es hier noch nicht so kompliziert wie bei Pulp Fiction, bei dem man den Film mehrfach sehen muss, um alles 100%ig zu verstehen. Bei Reservoir Dogs weiß man nach dem blutigen Schlussakt eigentlich über alles Bescheid und keine Fragen bleiben mehr offen. Tarantino beweist hier auch, dass er, wie kein zweiter, gewaltsame Szenen perfekt platzieren kann. Hinzu kommen die grandiosen Dialoge und die perfekt ausgearbeitete Story, die von vorne bis hinten grandios durchdacht ist und keinerlei Schwächen hat.

                                              Harvey Keitel, der eigentlich immer erstklassig spielt, verkörpert als Mr. White wahrscheinlich die beste Rolle seiner Karriere. Obwohl er einen üblen Gangster spielt, hat er trotzdem was sympathisches an sich und irgendwie auch was väterliches. Tim Roth, hier noch sehr jung, sehen wir zu 80% nur verletzt und blutend am Boden liegend und trotzdem verkörpert er hier eine unglaublich intensive Person, die sehr wichtig für die Hauptstory ist. Michael Madsen spielt einen puren Sadisten, bei dem man kaum fassen kann, das Madsen seine Rolle zu brutal fand. Er verkörpert so eine Person, vor der man richtig Angst haben muss. Steve Buscemi als Mr. Pink ist ebenfalls hervorragend und von allen Charakteren, ist er wohl derjenige, den man am wenigsten durchschauen kann. Der inzwischen verstorbene Chris Penn, Bruder von Sean Penn, haut als Netter Eddie auch einige unglaubliche Szenen raus, die noch lange in Gedächtnis bleiben. Auch Quentin Tarantino selbst hat einen wunderbaren Auftritt als Mr. Brown, der einen tollen Monolog über Madonna führt. Ganz im besten Tarantino Stil.

                                              Fazit : Reservoir Dogs ist ein brillantes Meisterwerk, welches meiner Meinung nach keine Schwächen hat. Alles, jedes kleinstes Detail, ist perfekt ausgearbeitet und der Film gehört mit zu den besten Werken, die ich jemals gesehen habe. Tarantino hat schon früh bewiesen, was für ein Ausnahmetalent er ist und bei kaum einem anderen Regisseur und Autor merkt man die Liebe zum Film so sehr wie bei ihm. Ich könnte über Reservoir Dogs noch so viel schreiben, aber letzten Endes zählt eigentlich nur eins für mich : Er ist perfekt für mich.

                                              10/10

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                                              JokerReviews Hauptseite auf Instagram : https://www.instagram.com/joker_reviews/

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                                              • 8 .5

                                                Heftig ! Spannend ! Super Idee und toll umgesetzt. Ich sag es immer wieder, Tarantino weiß einfach wie man Filme macht. Auch sein erster Film ist keineswegs schlechter als seine nächsten. Es ist ein Film der zum Nachdenken anregen kann, aber er macht auch einfach richtig viel Spaß. Die Zeit vergeht wie im Flug. Es gibt auch ein paar sehr brutale Szenen aber das ist halt Tarantino. Super Film !

                                                • 10

                                                  Kratzt ein Filmfreund ein paar tausend Dollar zusammen und dreht damit ein kleines Meisterwerk – die schier unglaubliche Geschichte von Reservoir Dogs. Schande über mich: Ich bin erst 24 Jahre nach dem Erscheinen dieser Perle dazu gekommen, sie mir mal anzusehen. Das Positive an dieser traurigen Geschichte ist, dass ich den Film vor wenigen Jahren vielleicht noch nicht gleich hätte schätzen können wie jetzt.

                                                  Zum Film selbst muss nach einem Vierteljahrhundert eifrigen Kommentierens im Neuland wohl nicht mehr viel geschrieben werden, aber ich wüsste zu gerne, wie der Film damals bei Filmfreunden eingeschlagen hat. Er muss etwas völlig Neues gewesen sein, vorgeblich ein «gewöhnlicher» Heist-Streifen, aber extrem dialoglastig, mit sich um anscheinende Belanglosigkeiten drehenden Dialogen, einer anachronistischen Erzählweise und einem (wohl budgetbedingt minimalen) Soundtrack, der sogar Nicht-Musik-Geniesser vom Sessel fegen dürfte. Ach, Quentin, was du da der grossen Masse vor den Latz geknallt hast, ist einfach nur allererste Sahne!

                                                  So genial ich die Eröffnungsszene von Jackie Brown fand, die Eröffnungsszene von Reservoir Dogs hält locker mit! Mr. Browns Interpretation von Madonnas Song «Like a Virgin», gepaart mir parallel laufenden Dialogen, die Interaktion zwischen den verschiedenen Mr. Farben, die minutenlange Diskussion über sowas anscheinend Belangloses wie ein «automatisches Trinkgeld» löst fast schon eine Art Reizüberflutung aus. Dann laufen die Gangster – cool as fuck – in den Sonnenaufgang, relaxt, selbstsicher, Profis durch und durch … Nur um einen Schnitt später blutüberströmt, winselnd und schreiend auf dem Rücksitz eines Wagens zu liegen. Bääämmmm! Mittendrin statt nur dabei. Die Erwartungshaltung des Zuschauers, der sich auf einen grossartig inszenierten Raubüberfall eingestellt hat, wird nicht enttäuscht, nein, sie wird mit Füssen getreten. Gleichzeitig stellen sich Fragen wie: Was ist passiert, wie ist es dazu gekommen, wo sind die anderen?

                                                  Zuerst erfährt man anhand weitschweifiger Dialoge ein wenig über den offenbar gründlich schief gegangenen Überfall. Offenbar ist Mr. Blonde (von Joe «the Thing» Cabot in einer Rückblende herzlich mit: «Vic Vega» begrüsst, seufz) völlig durchgedreht, hat alle erschossen, kaltblütig hingerichtet. Nach einer kammerspielartigen hitzigen Diskussion zwischen Mr. White und Mr. Pink (Mensch, ich liebe den Kerl einfach! Steve «ich habe die Zähne schön» Buscemi ist einfach nur abartig cool), in der das alles auf den Tisch kommt, geht die Türe auf – und herein spaziert Mr. Blonde, cooler als der King of Cool himself, völlig relaxt, gutgelaunt, eine Coke schlürfend. Erwartet hätte man einen ausgewachsenen Mad Man, der wild um sich ballert.

                                                  So geht es weiter und weiter, die Interaktionen werden mit zunehmender Anzahl von (wieder) auftretenden Charakteren verworrener und komplizierter, die an sich wichtigste Frage: Gibt es einen Verräter? wird schnell nebenbei beantwortet, weil wichtiger sind die Vertiefung der Charaktere und ihres Zusammenwirkens sowie die parallel laufenden Handlungsstränge. So sehr man dem Film das tiefe Budget anmerkt, kann nicht bestritten werden, dass dem Zuschauer hier was Erstklassiges, Herausragendes aufgetischt wird. Die Schauspieler geben alles, die Geschichte ist clever umgesetzt, die Effekte und die Musik werden gekonnt eingesetzt, die Dialoge spielen eh in einer ganz anderen Liga und am Ende wird alles äusserst nett zusammen- und einem shakespearesken Finale entgegengeführt. Schnitt, fertig, verdau das erstmal, Zuschauer! Mit einem Paukenschlag und einem weiteren grossartigen Song endet das Erstlingswerk von Tarantino, ein Instant-Kult-Klassiker und die Begründung eines ausgewachsenen Film-Mythos.

                                                  Von nebenan fragt die Ehefrau, die mal kurz vorbeigeschaut und einigen Charakteren beim Verbluten zugeschaut hat, ob die blutenden Kerle nun tot seien. Durch und durch entspannt, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht kann ich, während ich den Schlusssong geniesse, antworten: …

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                                                    Wasabitapir 08.04.2016, 17:43 Geändert 12.04.2016, 18:15

                                                    Die 8 ist neben der 0 wahrscheinlich die vollkommenste (unmöglicher Superlativ, ich weiß…) Zahl. Anlässlich seines neuen Films, erkennt man, dass das Werk von Quentin Tarantino, eine runde Sache ergibt. Es ist eine klare Stimme, die hier von Anfang an spricht: Geht es in allen acht Filmen doch vor allem wohl um die Möglichkeiten des Materials Film. Hier ist der Regisseur als Cineast gefragt, und er scheint sie alle zu kennen, ohne sie je zu erschöpfen. Das Ergebnis: Das, was wir mittels dieses Mediums bisher als unmöglich erachtet haben, strahlt plötzlich in ganz neuem Licht. Deshalb ja auch die offensichtlichen Parallelen zwischen „Reservoir Dogs“ – Tarantinos Erstem („My best friend’s Birthday“ mal außen vor) – und „The Hateful Eight“ – Tarantinos bisher Letztem. Alles wiederholt sich, nur mit anderen Gesichtern. In beiden Streifen geben sich acht dubiose Figuren die Ehre, spielen mit Rollenklischees, trennen schönen Schein von ubiquitärer Hässlichkeit – wir sind wieder da, wo die Reise losgegangen ist, alles ist altbekannt, und doch spannend wie eh. Ja, „Reservoir Dogs“ hat sich sicherlich von „City on Fire“ inspirieren lassen, aber dadurch erhält Friedrich Nietzsches Idee der ewigen Wiederkunft immerhin eine ganz neue Dimension. Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie dieser Ouroboros-Gedanke unverbesserlich und doch behände (möglicher Superlativ, obwohl keine Komparation vonnöten) in das Phänomen Film transportiert wird. Die Frage wirkt in diesem Debüt sicher noch nicht so rund, wie in „Pulp Fiction“ oder „Inglorious Basterds“, dennoch wird sie bereits hier gestellt: Was kann sein, was ist Humbug? Sich damit angemessen zu beschäftigen, ist wahrscheinlich die Kunst.

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