Reservoir Dogs - Kritik

Reservoir Dogs

US · 1992 · Laufzeit 99 Minuten · FSK 18 · Drama, Thriller · Kinostart
  • Our Daily Free Stream: quentin Tarantino - Reservoir Dogs. Tarantino beginnt mit dem Dreh an Kill Bill 3! Deshalb gibts heut seinen Erstling. - Quentin Tarantino war einer der talentiertesten Autoren der frühen 90er. Reservoir Dogs schliesslich seine erste eigene Regie-Arbeit, die wie eine Stilübung daherkommt. Wer Reservoir Dogs sieht, möchte meinen: Nicht schlecht und als nächstes mal einen richtig guten Film! Reservoir Dogs bietet einen Besetzungs-Coup! Angeführt von Lawrence Tierney, der nicht nur im Film gerade aus dem Knast kommt. Vermutlich klingt er deshalb so authentisch! Tierney gibt Joe Cabot, einen Gangster, der ein Team für einen Raubüberfall zusammengestellt hat. Der Schlüssel zum Erfolg: Niemand kennt den Anderen und deshalb nennen sie sich Mr. White, Mr. Blonde oder Mr. Orange. Pink ist unzufrieden mit seinem Namen. "You're lucky you ain't Mr. Yellow"; wird er zurechtgestutzt. Die Eröffnungsszene findet statt in einem Coffee Shop, in dem alle Beteiligten an einem langen Tisch sitzen. Sie stecken ihre Zigaretten an und trinken Kaffee, während die Kamera ganz langsam um die Gruppe fährt. Nach einer ausgiebigen und albernen Diskussion (die das Herzstück von Reservoir Dogs ist und zum ersten Mal Gangster zeigt, die aber wie Jungs um die Ecke daherquatschen), verlassen sie den Raum. Jeder darf direkt in die Kamera blicken beim Hinausgehen und alle haben starke Gesichter: Tim Roth, Michael Madsen, Steve Buscemi, Chris Penn und Harvey Keitel, dessen Präsenz wie die Genehmigung wirkt, überhaupt einen Gangsterfilm zu produzieren. Tarantino vertraut ganz auf ihre Gesichter, an keiner der Figuren zeigt er einen tiefer liegendes Interesse. Er baut ganz auf seinen Plot und den treibt er voran. Seine Grundidee: All diese Typen - ausser Tierney und dem durchgeknallten Madsen - bluffen. In Extremsituationen können sie nicht bestehen. In Rückblenden erleben wir den verpfuschten Überfall. Tarantino beweist ein gutes Händchen, wie er seine Action Sequenzen inszeniert: Wie die Männer die Strasse herunter rennen, Schusswechsel, Blut und Schreie. Schliesslich mündet das Geschehen in einem Warenhaus. Der derangierte Madsen verdächtigt einen von ihnen, ein Cop zu sein. Wir dürfen nun Zeuge einer fast poetischen Rachehandlung werden... Als ich Reservoir Dogs zum ersten Mal sah, war vor allem Michael Madsen die Überraschung des Films. Ein Schauspieler, dessen Gesicht man aus billigen Filmen kannte und der hier aufspielte wie einer der Grössten! Tarantino selbst empfielt sich als Schauspieler durchgedrehter Bösewichter. Ich mochte Reservoir Dogs und mag ihn immer noch. Damals wollte ich aber mehr! Man las, wie er selbst diese Low Budget Produktion vorantrieb und wie unzufrieden er mit der bisherigen Verfilmung seiner Drehbücher war. Für das, was ein guter Gangsterfilm braucht, ist viel Geld nun aber gar nicht von Nöten. Ich hätte mir gewünscht, die einzelnen Typen etwas besser, ja tiefer kennenzulernen. Tarantino lässt sie zwar sehr viel reden, aber im Grunde wenig offenbaren. Erst sein nächster Film sollte genau das Kunststück vollbringen!

    • 8 .5
      sachsenkrieger 14.06.2016, 13:43 Geändert 14.06.2016, 13:43


      St. Quentin und die Bekehrung des heidnischen Sachsen - Lange Jahre standen der von vielen fast kultisch verehrte Hohepriester aus Knoxville/Tennessee und der Sachse aus Hildesiaheim/Ostfalen auf Kriegsfuß, wenngleich ersterer wohl nichts davon wusste. Und wenn er davon gewusst hätte, wäre es ihm wohl vollkommen zu Recht, auch völlig scheißegal gewesen. Woran das lag? Daran, das ich ein Mensch bin und, ebenso wie die meisten von uns, weniger tolerant, als ich es mir manchmal einzubilden versuche. Nach den beiden KILL BILL war für mich erstmal Sendepause. Als ich dann mit INGLOURIOUS BASTERDS einen Neueinstieg wagen wollte, weil der weltbeste Mime dort einen Lieutenant spielte, schaltete ich das Teil bereits nach 15 Minuten wieder ab, weil mir das mit dem Baseballschläger einfach tierisch gegen den Strich ging. Irgendwo sind die Grenzen des guten Geschmacks überschritten, dachte ich damals noch. Dann bekam ich noch ein Video zu sehen von Tarantinos peinlichem Auftritt bei einer Premiere des Films, und das rostfreie Kriegsbeil war wieder ausgegraben. Aber mit der Zeit kommt normalerweise die Einsicht, das nicht alles das ist, was es zu sein scheint. Das man selbst nicht der ist, der man zu sein glaubt. Das man es, wenn auch mit Mühe ertragen kann, wenn in einem Film Juden wie Schlachtvieh in die Gaskammer geführt werden, es aber nicht ertragen kann, wenn ein Wehrmachtssoldat von einem Juden mit einer Basie totgeknüppelt wird. Da musste ich mich irgendwann selbst fragen, warum das eigentlich so ist. Ob aus irgendeinem für mich nicht erkennbaren Grund, zumindest mehr von einem Nazi in mir steckt, als von einem Juden. Ob das jetzt dazu geführt hat, das ich mich recht spontan für eine Fast-Sichtung des tarntinoischen Werkes entschied? Keine Ahnung! Was würde Quentin dazu vermutlich sagen? Fuck you!

      RESERVOIR DOGS ist einer dieser Spitzen-Debütfilme, wie ihn etliche Regisseure erschufen. Wenn die kreative Macht noch mit ihnen ist, wenn die Ideen aus dem Boden sprießen, wie Löwenzahn aus dem Asphalt. Wenn noch revolutionäre Gedanken gehegt werden, es der ganzen weiten (Film)-Welt zu zeigen. Roh, brutal, unangepasst, straight auf den Punkt, der irgendwo zwischen Stirn und Kinn liegt ... und doch auch ein Kunstwerk, das nicht einmal ein Banause wie ich übersehen oder überhören kann. Die Erzählweise in Rückblenden, unpassend-passende Musik, endlose Dialoge, denen man sich aber nicht entziehen kann und nicht zuletzt, mit der Story um die ausgedachte Story des verdeckten Ermittlers Mr. Orange, eine dieser denkwürdigen Sequenzen der Filmgeschichte. Eine insgesamt 23-minütige Episode, die wohl nicht nur mir ein Strahlen der Bewunderung aufs Gesicht zauberte. Dazu ein ganzer Haufen handverlesener und erlesener Darsteller, die allesamt einen verdammt guten Job machen.

      Tja, wer ist Quentin Tarantino jetzt? Ein nerdiger Blender, der Gewalt verherrlicht, auf alles scheißt und Tod predigt? Ein göttlich genialer Tausendsassa, dem kein anderer Regisseur dieser Welt, auch nur annähernd das Wasser reichen kann? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Für mich ist er weder das eine und das andere und ich sehe weder einen Sinn darin, mich wie ein 15-jähriger, mit einer Figur wie Vincent/Vic Vega zu identifizieren, noch darin, mir mit dem Verzicht auf seine Filme, eine ganze Menge beschissenen Spaß entgehen zu lassen. Man kann aus seinen Filmen, je nach Bedarf, entweder das ein oder andere für sich mitnehmen ... oder einfach nur die geile Show genießen. RESERVOIR DOGS ist ein würdiger Opener eines Regisseurs, der sich aufmachte, die Filmwelt als Autodidakt, ein wenig bunter zu machen ... und in dieser Hinsicht auf gar keinen Fall versagt hat...

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      • 9 .5

        Kurz:
        Ein Diamatenraub geht sowas von in die Hose.

        Lang:
        Nachdem „The Hateful Eight“ uns alles andere als begeisterte, musste ich meine verschrobenen Tarantino-Eindrücke wieder ist richtige Licht rücken und habe mir nach zig Jahren wieder mal „Reservoir Dogs“ reingezogen.

        Das Erstlingswerk Quentin Tarantinos erschien vor 24 (!) Jahren und ist trotz unbestrittenen Klassikern wie „Pulp Fiction“ und „Kill Bill“ sein bester Film. „Reservoir Dogs“ ist im Vergleich zu allen anderen Outputs der rohste Streifen des selbsterklärten B-Movie-Fans. Da ein Großteil des Films in einer verlassenen Fabrikhalle spielt, unterstreicht dies die kühle Atmosphäre und – guter Nebeneffekt – konnten damit auch die Produktionskosten tief gehalten werden. Tarantino suchte nämlich lange vergebliche nach Investoren für „Reservoir Dogs“ und wollte den Film dann sogar aus der eigenen Tasche berappen. Glücklicherweise wurde Schauspieler Harvey Keitel das Skript in die Hände gespielt, worauf er dann dem Projekt seine finanzielle Unterstützung zusicherte und auch für einen Bruchteil seiner normalen Gage eine der Hauptrollen übernahm. Der Rest ist Geschichte.

        Wie in jedem Tarantino-Streifen war schon in „Reservoir Dogs“ das Schauspieler-Ensemble die halbe Miete. Dabei ist Keitel ist nur einer der vielen Schauspieler, welche in „Reservoir Dogs“ brillieren. Bevor sich Samuel L. Jackson zwei Jahre später zum unverzichtbaren Tarantino-Inventar spielt, glänzt in „Reservor Dogs“ ein unwiderstehlicher Cast rund um Keitel (Pulp Fiction), Tim Roth (Pulp Fiction, Four Rooms, Hateful Eight), Michael Madsen (Kill Bill, Hateful Eight) und Steve Buscemi (Pulp Fiction).

        Die Dialoge, ein weiteres Hauptmerkmal aller Tarantino-Filme, waren schon 1992 originell, geschliffen scharf und – Achtung Kritik – plump („Like A Virgin“). Tarantinos Füller-Stories, welche den Plot in keiner Art und Weise vorwärts bringen, überzeugen in „Reservoir Dogs“ dennoch mehrheitlich und können gütigerweise auch der Charakterzeichnung zugeschrieben werden. (Es hilft sicherlich, dass „Reservoir Dogs“ „nur“ knapp 100 Minuten dauert, denn beim einem 3-Stunden-Epos wie „The Hateful Eight“ ist dann auch mal zuviel des Nonsense-Geschafels.)

        Nebst den Schauspielern und dem Drehbuch überzeugt in „Reservoir Dogs“ vor allem die Struktur des Films. So sind die Szenen selten chronologisch angeordnet und die einzelnen Charaktere werden erst im Verlaufe des Film durch Rückblenden mehrschichtig. Besonders die Figur Tim Roths wird so wunderschön Schritt um Schritt entpackt und bildet schlussendlich auch den dramatischen Anker des Films.

        Eine weitere, eminent wichtige Zutat in den Tarantino-Filmen ist die Filmmusik. In „Reservoir Dogs“ ist der Sound nicht nur präsent, er hält den Streifen sogar zusammen. Vorhang auf für „K-Billy’s Super Sounds of the Seventies Weekend“¨. Die fiktive Radioshow liefert einen catchy 70er-Songs nach dem anderen. Die Ohrwürmer flankieren einzelne Szenen dermassen gekonnt, dass Sound und Bild auch Jahrzehnte später nicht mehr auseinander gehalten werden können. Eine erstaunliche Leistung wie wir finden.

        Fazit:
        „Reservoir Dogs“ ist das Meisterwerk eines eigenständigen und einzigartigen Regisseurs. Furios inszeniert, brutal pessimistisch und auf mehreren Ebenen nachhaltig, brennt der Streifen mit ikonischen Szenen und gefeilten Dialogen ein dreckiges, unübersehbares Brandloch in die Kinogeschichte.

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        • 10

          Heute gibt es mal wieder einen absoluten Lieblingsfilm von mir. Und von wem könnte er sein? Natürlich vom Großmeister und Künstler Quentin Tarantino. Reservoir Dogs ist sein erster Kinofilm und schon der ist ein atemberaubendes Meisterwerk und ein Meilenstein der Filmgeschichte. Schon damals wurde deutlich, dass Tarantino nicht nur ein brillanter Regisseur ist, sondern auch mit die besten Drehbücher schreibt. Reservoir Dogs ist ein total minimalistisch gedrehter Arthouse Film, der aber nicht gerade mit Gewalt spart.

          Es sollte eigentlich der beste Diamantenraub überhaupt werden. Mr. White, Mr. Orange, Mr. Blonde, Mr. Blue, Mr. Brown und Mr. Pink hatten alles im Griff, doch aus irgendeinem Grund wusste die Polizei Bescheid und hat die Diebesbande überrascht. Das war natürlich so nicht geplant und so endet dieses Vorhaben in einer blutigen Schießerei. Einige verlieren ihr Leben, andere, wie zum Beispiel Mr. Orange, werden schwer verwundet. Ein paar der Gauner verstecken sich in einem Lagerhaus und versuchen zu entschlüsseln, was schief gegangen ist. Schnell wird der Verdacht klar, dass unter ihnen ein Verräter ist.

          Wie das für frühere Tarantino Filme typisch war, weiß man zu Beginn erst mal gar nicht, worum es überhaupt geht und wer was für ein Spiel spielt. Der Film läuft nicht ganz chronologisch ab, allerdings ist es hier noch nicht so kompliziert wie bei Pulp Fiction, bei dem man den Film mehrfach sehen muss, um alles 100%ig zu verstehen. Bei Reservoir Dogs weiß man nach dem blutigen Schlussakt eigentlich über alles Bescheid und keine Fragen bleiben mehr offen. Tarantino beweist hier auch, dass er, wie kein zweiter, gewaltsame Szenen perfekt platzieren kann. Hinzu kommen die grandiosen Dialoge und die perfekt ausgearbeitete Story, die von vorne bis hinten grandios durchdacht ist und keinerlei Schwächen hat.

          Harvey Keitel, der eigentlich immer erstklassig spielt, verkörpert als Mr. White wahrscheinlich die beste Rolle seiner Karriere. Obwohl er einen üblen Gangster spielt, hat er trotzdem was sympathisches an sich und irgendwie auch was väterliches. Tim Roth, hier noch sehr jung, sehen wir zu 80% nur verletzt und blutend am Boden liegend und trotzdem verkörpert er hier eine unglaublich intensive Person, die sehr wichtig für die Hauptstory ist. Michael Madsen spielt einen puren Sadisten, bei dem man kaum fassen kann, das Madsen seine Rolle zu brutal fand. Er verkörpert so eine Person, vor der man richtig Angst haben muss. Steve Buscemi als Mr. Pink ist ebenfalls hervorragend und von allen Charakteren, ist er wohl derjenige, den man am wenigsten durchschauen kann. Der inzwischen verstorbene Chris Penn, Bruder von Sean Penn, haut als Netter Eddie auch einige unglaubliche Szenen raus, die noch lange in Gedächtnis bleiben. Auch Quentin Tarantino selbst hat einen wunderbaren Auftritt als Mr. Brown, der einen tollen Monolog über Madonna führt. Ganz im besten Tarantino Stil.

          Fazit : Reservoir Dogs ist ein brillantes Meisterwerk, welches meiner Meinung nach keine Schwächen hat. Alles, jedes kleinstes Detail, ist perfekt ausgearbeitet und der Film gehört mit zu den besten Werken, die ich jemals gesehen habe. Tarantino hat schon früh bewiesen, was für ein Ausnahmetalent er ist und bei kaum einem anderen Regisseur und Autor merkt man die Liebe zum Film so sehr wie bei ihm. Ich könnte über Reservoir Dogs noch so viel schreiben, aber letzten Endes zählt eigentlich nur eins für mich : Er ist perfekt für mich.

          10/10

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          • 8 .5

            Heftig ! Spannend ! Super Idee und toll umgesetzt. Ich sag es immer wieder, Tarantino weiß einfach wie man Filme macht. Auch sein erster Film ist keineswegs schlechter als seine nächsten. Es ist ein Film der zum Nachdenken anregen kann, aber er macht auch einfach richtig viel Spaß. Die Zeit vergeht wie im Flug. Es gibt auch ein paar sehr brutale Szenen aber das ist halt Tarantino. Super Film !

            • 10
              Jomida 27.04.2016, 13:32 Geändert 01.05.2016, 09:31

              Furioses, brutales, hervorragend gespieltes Gangsterdrama um Ehre und Verrat. Quentin Tarantinos ("Pulp Fiction", "Inglourious Basterds") erster Geniestreich löste seinerzeit eine heftige Diskussion über Gewaltdarstellung im Kino aus und ist definitiv nichts für Kinder!

              • 10

                Kratzt ein Filmfreund ein paar tausend Dollar zusammen und dreht damit ein kleines Meisterwerk – die schier unglaubliche Geschichte von Reservoir Dogs. Schande über mich: Ich bin erst 24 Jahre nach dem Erscheinen dieser Perle dazu gekommen, sie mir mal anzusehen. Das Positive an dieser traurigen Geschichte ist, dass ich den Film vor wenigen Jahren vielleicht noch nicht gleich hätte schätzen können wie jetzt.

                Zum Film selbst muss nach einem Vierteljahrhundert eifrigen Kommentierens im Neuland wohl nicht mehr viel geschrieben werden, aber ich wüsste zu gerne, wie der Film damals bei Filmfreunden eingeschlagen hat. Er muss etwas völlig Neues gewesen sein, vorgeblich ein «gewöhnlicher» Heist-Streifen, aber extrem dialoglastig, mit sich um anscheinende Belanglosigkeiten drehenden Dialogen, einer anachronistischen Erzählweise und einem (wohl budgetbedingt minimalen) Soundtrack, der sogar Nicht-Musik-Geniesser vom Sessel fegen dürfte. Ach, Quentin, was du da der grossen Masse vor den Latz geknallt hast, ist einfach nur allererste Sahne!

                So genial ich die Eröffnungsszene von Jackie Brown fand, die Eröffnungsszene von Reservoir Dogs hält locker mit! Mr. Browns Interpretation von Madonnas Song «Like a Virgin», gepaart mir parallel laufenden Dialogen, die Interaktion zwischen den verschiedenen Mr. Farben, die minutenlange Diskussion über sowas anscheinend Belangloses wie ein «automatisches Trinkgeld» löst fast schon eine Art Reizüberflutung aus. Dann laufen die Gangster – cool as fuck – in den Sonnenaufgang, relaxt, selbstsicher, Profis durch und durch … Nur um einen Schnitt später blutüberströmt, winselnd und schreiend auf dem Rücksitz eines Wagens zu liegen. Bääämmmm! Mittendrin statt nur dabei. Die Erwartungshaltung des Zuschauers, der sich auf einen grossartig inszenierten Raubüberfall eingestellt hat, wird nicht enttäuscht, nein, sie wird mit Füssen getreten. Gleichzeitig stellen sich Fragen wie: Was ist passiert, wie ist es dazu gekommen, wo sind die anderen?

                Zuerst erfährt man anhand weitschweifiger Dialoge ein wenig über den offenbar gründlich schief gegangenen Überfall. Offenbar ist Mr. Blonde (von Joe «the Thing» Cabot in einer Rückblende herzlich mit: «Vic Vega» begrüsst, seufz) völlig durchgedreht, hat alle erschossen, kaltblütig hingerichtet. Nach einer kammerspielartigen hitzigen Diskussion zwischen Mr. White und Mr. Pink (Mensch, ich liebe den Kerl einfach! Steve «ich habe die Zähne schön» Buscemi ist einfach nur abartig cool), in der das alles auf den Tisch kommt, geht die Türe auf – und herein spaziert Mr. Blonde, cooler als der King of Cool himself, völlig relaxt, gutgelaunt, eine Coke schlürfend. Erwartet hätte man einen ausgewachsenen Mad Man, der wild um sich ballert.

                So geht es weiter und weiter, die Interaktionen werden mit zunehmender Anzahl von (wieder) auftretenden Charakteren verworrener und komplizierter, die an sich wichtigste Frage: Gibt es einen Verräter? wird schnell nebenbei beantwortet, weil wichtiger sind die Vertiefung der Charaktere und ihres Zusammenwirkens sowie die parallel laufenden Handlungsstränge. So sehr man dem Film das tiefe Budget anmerkt, kann nicht bestritten werden, dass dem Zuschauer hier was Erstklassiges, Herausragendes aufgetischt wird. Die Schauspieler geben alles, die Geschichte ist clever umgesetzt, die Effekte und die Musik werden gekonnt eingesetzt, die Dialoge spielen eh in einer ganz anderen Liga und am Ende wird alles äusserst nett zusammen- und einem shakespearesken Finale entgegengeführt. Schnitt, fertig, verdau das erstmal, Zuschauer! Mit einem Paukenschlag und einem weiteren grossartigen Song endet das Erstlingswerk von Tarantino, ein Instant-Kult-Klassiker und die Begründung eines ausgewachsenen Film-Mythos.

                Von nebenan fragt die Ehefrau, die mal kurz vorbeigeschaut und einigen Charakteren beim Verbluten zugeschaut hat, ob die blutenden Kerle nun tot seien. Durch und durch entspannt, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht kann ich, während ich den Schlusssong geniesse, antworten: …

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                  Wasabitapir 08.04.2016, 17:43 Geändert 12.04.2016, 18:15

                  Die 8 ist neben der 0 wahrscheinlich die vollkommenste (unmöglicher Superlativ, ich weiß…) Zahl. Anlässlich seines neuen Films, erkennt man, dass das Werk von Quentin Tarantino, eine runde Sache ergibt. Es ist eine klare Stimme, die hier von Anfang an spricht: Geht es in allen acht Filmen doch vor allem wohl um die Möglichkeiten des Materials Film. Hier ist der Regisseur als Cineast gefragt, und er scheint sie alle zu kennen, ohne sie je zu erschöpfen. Das Ergebnis: Das, was wir mittels dieses Mediums bisher als unmöglich erachtet haben, strahlt plötzlich in ganz neuem Licht. Deshalb ja auch die offensichtlichen Parallelen zwischen „Reservoir Dogs“ – Tarantinos Erstem („My best friend’s Birthday“ mal außen vor) – und „The Hateful Eight“ – Tarantinos bisher Letztem. Alles wiederholt sich, nur mit anderen Gesichtern. In beiden Streifen geben sich acht dubiose Figuren die Ehre, spielen mit Rollenklischees, trennen schönen Schein von ubiquitärer Hässlichkeit – wir sind wieder da, wo die Reise losgegangen ist, alles ist altbekannt, und doch spannend wie eh. Ja, „Reservoir Dogs“ hat sich sicherlich von „City on Fire“ inspirieren lassen, aber dadurch erhält Friedrich Nietzsches Idee der ewigen Wiederkunft immerhin eine ganz neue Dimension. Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie dieser Ouroboros-Gedanke unverbesserlich und doch behände (möglicher Superlativ, obwohl keine Komparation vonnöten) in das Phänomen Film transportiert wird. Die Frage wirkt in diesem Debüt sicher noch nicht so rund, wie in „Pulp Fiction“ oder „Inglorious Basterds“, dennoch wird sie bereits hier gestellt: Was kann sein, was ist Humbug? Sich damit angemessen zu beschäftigen, ist wahrscheinlich die Kunst.

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                  • 8

                    Kult und für mich absolut sehenswert. Tarantino ..the beginning :-)

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                      Amarawish 03.04.2016, 11:52 Geändert 19.04.2016, 08:03

                      Hier sind wir wieder mit K-Billy’s Super Hitparade der 70er Jahre. Bevor wir den nächsten Song anspielen, kurz zu unserem monatlichen Gewinnspiel: Wir verlosen noch bis Montag Flugtickets für zwei Personen nach Mauritius. Hotel nicht inbegriffen. Die Gewinnfrage wird gleich nach dem Song gestellt. Also bleibt dran und genießt mit mir „Lucky Man“ von Emerson, Lake & Palmer. Mitsingen ist erlaubt, ich tu’s auch.

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                      Da ging der Überfall den Bach runter, welch ein Genuss für einen meist stillen Beobachter wie mich. Wenn ich mich im Sinne der Namensverteilung vorstellen darf: Mein Name ist Mr. Green. Ich werde dafür sorgen, dass der Überfall noch etwas...prekärer endet.

                      ….

                      Da ist er einfach durchgedreht der Blondie. Das war vielleicht göttliches Scheitern im großen Stil. Wie ich von einem Kumpel, der vor kurzem auch erst aus dem Knast entlassen wurde vernommen habe, dürfte ihm die Zeit da drin nicht gerade wohl bekommen sein. Da ist ne Sicherung durchgebrannt. Hat anscheinend den Psychopathen in ihm erweckt, aber vermutlich war er das schon immer. Konnte es einfach bisher gut verbergen, wie auch immer er das angestellt hat. Aber der hatte sowieso ne Schraube locker. Ich verrat euch ein Geheimnis: Ich habe dafür gesorgt, dass er mit K-Billys Sohn, "Silly Willy" zusammen gelegt wird, der bricht jeden Mann. Ja, genau der Sohnemann vom Radiotyp! Warum meint ihr läuft gerade „Lucky Man“? Ja, Quellen bedeuten alles.

                      Sie alle nennen sich Profis und doch haben sie alle bitter versagt. Dafür war nur ein Querulant notwendig und schon ist Chaos vorprogrammiert. Peng, Peng, Peng. Das Cop-Bürschen hat sich etwas überschätzt, White hat sich erweichen lassen, Cabot war unvorsichtig und das Söhnchen macht sowieso was Daddy sagt. Also bleiben noch die Toten, Blue und Brown und natürlich Pinky Boy. Der Typ hat’s richtig gemacht. Auch wenn ich an seiner Stelle schon viel früher Reiß aus genommen hätte, war er am nächsten am Profi dran. Jammerschade, dass keiner von denen mich bemerkt hatte. Tja, ich verstehe was von meiner Arbeit. Es macht mir nichts aus Stunden der Beschattung tot zu schlagen, wenn ich mir sicher sein kann, alle Schwächen der Beteiligten zu kennen und wie ich bei einem Desaster zu reagieren habe. Hmm, hätte Pink Boy auch einen Deal anbieten können. Aber, naja hat auch so geklappt. Als ich die Schüsse aus der Halle vernommen habe, war mir klar, dass ich nicht mehr viel zu tun hatte. Ich musste nur warten. Warten, bis Pink rauskommt, um mit den Diamanten zu verschwinden. Das war mein Stichwort. Ein Schuss, ein Treffer. Ein blutender Pinky Boy auf dem Boden. Tot. Nein, auch du hattest keine Chance Pinky Boy. Die nehme ich mir die zukünftigen Glitzersteinchen. Schöne Grüße von einem schießwütigen Niger, du Schwuchtel.

                      ....

                      Ein wohl bekanntes, triumphales Lachen, das uns immer wieder zum Grinsen animiert ertönt, als die letzten Sekunden von „Lucky Man“ ausklingen.

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                      • 10
                        Showgod 20.03.2016, 17:30 Geändert 20.03.2016, 18:41

                        Ich will jetzt nicht behaupten, das dies der coolste Film aller Zeiten ist (doch eigentlich schon, neinnnnnnnnnnn lass es). Denn es gibt ja noch Pulp Fiction und True Romance...

                        Auf jeden Fall ist Tarantino's eigener Debüt-Film ganz großes Dialogkino und die ''Mutter'' einer ganzen Generation von Drehbuchautoren, die versuchen so cool zu schreiben wie Quentin.

                        Bereits in der ersten Szene sind die Dialoge so dermaßen cool, dass man sich den aufgestellten Theorien, nicht entziehen kann. Man denkt darüber nach, bis man bemerkt, das man sich mit beinahe jeder Rolle identifizieren kann oder wenn das nicht gelingt zumindest zugeben muss, die aufgestellten Theorien sind nachvollziehbar bis überzeugend. Fast so als würde man seinen Eltern beim Streit zuschauen und kann beide verstehen. Bis auf die Psychopathen -selbst die lässt Tarantino teilweise ganz normal & sympathisch wirken- versteht man jeden Blickwinkel der Protagonisten. Das ganze so ausgedrückt, das ich persönlich immer nur denke, ''fuck...ist das geil:-D''

                        Also geil geil geil...Tarantino Style!!!!!!!!!!!!!!

                        Allen Akteuren (Madsen/Buscemi/Keitel/Roth/Penn und der dicke mit der Glatze aus Fantastic Four...:) merkt man ihre Spielfreude an. Vermutlich haben sie alle das große Potenzial und die absolute Cleverness beim lesen von Tarantino's Script gesehen.

                        Ein weiterer Aspekt, warum Tarantino zu den besten Regisseuren/Autoren unserer Zeit gehört, ist das Gespür für die richtige Auswahl der Musik. Der Radiosender mit Liedern aus den (Achtung ich sags nochma) ''coolen'' Musik der 70er Jahre, wird perfekt ins Geschehen integriert.

                        Neben cool probiere ich mal ein anderes Wort in dem Zusammenhang mit Reservoir Dogs, welches den Film zusammenfassend ganz gut beschreibt. Ebenso wie cool vier Buchstaben...

                        ... ratet mal...

                        K__T!

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                          Big_Kahuna 11.03.2016, 09:54 Geändert 11.03.2016, 09:55

                          Trivia:

                          Madonna - who is the main topic of the opening conversation - really liked the film but refuted Quentin Tarantino's interpretation of her song 'Like a Virgin'. She gave him a copy of her 'Erotica' album, signed "To Quentin. It's not about dick, it's about love. Madonna."

                          Neben dem Fakt, dass Harvey Keitel Tarantino persönlich bei seinem Regiedebut finanziell unterstützt hat, indem er, nachdem er das Skript gelesen hatte, unbedingt als Produzent einsteigen wollte, und damit aus einer 30000$-Produktion einen 1,2Millionen Dollar-Heist-Reißer mit guten Schauspielern (unter anderem auch er selbst) machte und nebenbei einem der besten Regiedebüts aller Zeiten auf die Beine half, hat er ähnlich wie Mr. Wolf Cleverness bewiesen und ist mit Schuld, dass es solche Madonna-Anekdoten zu Filmen gibt, die einem das Schmunzeln ins Gesicht treiben.

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                            Tarantinos bester Film.

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                              Schönes Debüt! Spannend, brutal, dialogreich... Tarantino eben ;)

                              • 5

                                Meiner Meinung nach total langweilig. Ich kann mich mit diesem Film einfach nicht anfreunden.

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                                • 7

                                  Eigentlich liebe ich Tarantino - aber mit seinem Regie-Debut kann ich leider herzlich wenig anfangen. Natürlich blitzt hier und da schon das Können dieses großartigen Regisseurs heraus - besonders die geschliffenen Dialoge zu Beginn des Films, die für mich immer noch zu den Besten der 90er Jahre gehören (und man endlich erfährt, warum Madonna in ihrem Lied "Like a Virgin" singt...) oder die geniale Folter-Tanz-Szene mit Michael Madsen.
                                  Doch mit der rudimentären Handlung, den oberflächlichen Charakterzeichnungen und vor allem der viel zu frühen Vorwegnahme des Plot Twists tut sich Tarantino keinen Gefallen. Klar, das ist alles gut gespielt, aber das viel beschworene Meister-Debut kann ich hier auch nach der zweiten Sichtung nicht erkennen. Das ist auch nicht weiter schlimm, unterm Strich gesehen ist sein Erstling immer noch beachtlich.
                                  Sicherlich hat Tarantino aus seine Fehlern gelernt - siehe "Pulp Fiction": hier sind die Dialoge noch geschliffener, v.a. aber gehen die Charaktere mehr zu Herzen und die Story ist auch tatsächlich eine Story.

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                                    Brujan8 01.02.2016, 17:58 Geändert 02.02.2016, 16:16

                                    Wahnsinns Film von Tarantino. Geile Geschichte über einen geplanten Überfall und die Folgen für alle Beteiligten.
                                    Überragende Schauspieler und Dialoge.

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                                      Schon bei seinem ersten Film zeigt Tarantino, dass er als Regisseur/Autor eine geniale Mischung abgibt.
                                      Die Story von "Reservoir Dogs" ist ebenso minimalistisch wie mitreißend und spannend. Dazu die durchweg herausragenden Darsteller, die aus ihren Figuren und deren Dialogen das Maximum herausholen.

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                                        [...] Ein derart gelungenes Regiedebüt findet man in der Filmgeschichte nur selten, zwar ist es durchaus üblich, dass sich spätere Markenzeichen schon im Erstling eines Regisseurs herauskristallisieren, im Fall von „Reservoir Dogs“ lassen sich diese jedoch nicht nur erahnen, sondern kommen bereits in perfektionierter Form zum Einsatz. Nicht chronologisches Erzählen, Ausschweifende Gewalt und coole Dialoge sind nur einige Stichwörter, die in diesem Zusammenhang regelmäßig fallen und dabei wird Tarantino auch immer wieder Unrecht getan, indem er auf diese Überbegriffe reduziert wird. Hinter seinen Figuren und Dialogen steckt deutlich mehr als nur oberflächliche Coolness, sie folgen einem klaren Konzept und auch wenn sie sich augenscheinlich um völlig losgelöste Themen drehen, schwingt darin immer ein Stück weit inhaltliche Relevanz mit. [...] Es gehört einiges dazu die Interaktion und das Aufeinandertreffen der Figuren so willkürlich wirken zu lassen und dem Zuschauer dadurch vorzugaukeln all diese scheinbar vom Zufall ausgelösten Momente lassen sich auf nichts weiter als eine (un)glückliche Fügung des Schicksals zurückführen. Hinter all diesen Momenten steckt Kalkül, was von Tarantino jedoch so sorgfältig verborgen wird, dass es beim Betrachten des Films niemals als solche wirkt. Denn genau hier liegt die große Kunst, die Expertise, die so viele Tarantino Rip-Offs durch ihre Nichtexistenz gnadenlos vorführt. Der entscheidende Kniff, der ein dermaßen durchkonstruiertes Skript so herrlich willkürlich und zufällig erscheinen lässt. [...]

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                                          Wow. Einfach genial! Dieser Film trifft mein Genre in etwa haargenau und weist mal wieder auf, dass Tarantino der beste Regisseur aller Zeiten ist.

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                                            Spoony 11.01.2016, 19:24 Geändert 25.01.2016, 01:05

                                            Quentin Tarantino's Regiedebüt schafft es das geringe Budget mit cleveren Dialogen, einem sehr speziellen Soundtrack, guten Schauspieleistungen und einer Menge Gewalt zu umgehen.
                                            Ich habe den Film wohl etwas zu spät geguckt um den ganzen Kult darum zu verstehen, da ich schon die glänzenderen und verbesserten späteren Werke vorher gesehen hatte. Auch stören mich ein paar Kleinigkeiten wie der Filmfehler in der letzten Schießerei. Und egal wie toll er auch als Regisseur zu sein ist, Tarantinos eigene Schauspielerei ist vor allem hier einfach miserabel.
                                            Reservoir Dogs ist zwar nicht mein Lieblings-Tarantinofilm, doch trotzdem hat der Film immer noch sehr viel Stil mit dieser nicht linearen Geschichte und zeigte was später seine Filme auszeichnete.

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                                              RealMagnum 26.12.2015, 23:58 Geändert 27.12.2015, 00:09

                                              Hier war schon erkennbar, was Tarantino später groß gemacht hat. Die Trivialisierung des Gangster Charakters. Da wird nicht nur ständig ernst geschaut und gehandelt ala der Pate oder Goodfellas, nein es werden Späße gemacht, Zoten gerissen und beim Foltern getanzt. Die Dialoge nehmen viel Raum ein und sind immer wieder für einen Lacher gut.

                                              Der Storyverlauf ist bereits bei Tarantino's Erstlingswerk nicht linear, es gibt immer wieder Rückblicke, die erklären, wie die Gangster zum Job kamen.

                                              Der Großteil der Handlung spielt in einer Lagerhalle, in der sich die Gangster nach einem misslungenen Überfall treffen wollen. man vermutet einen Verräter in den eigenen Reihen und möchte diesem auf die Spur kommen. Es sind bereits alle Zutaten enthalten, die Pulp Fiction später groß gemacht haben, sie werden allerdings noch nicht so ausgereift eingesetzt.

                                              Die Szenen des Überfalls und der persönlichen Rückblicke wirken wie eingeflicktes Stückwerk, sie fügen sich noch nicht so organisch in den verlauf des Filmes ein, wie ddas später mit den Episoden in Pulp Fiction der Fall sein wird. Einige Kamerashots wirken suboptimal und atypisch im Film (low angle shot bei White's und Orange's Flucht), da fehlt es etwas an Konsistenz an der Kamera).

                                              Insgesamt viele vielversprechende Ansätze mit einigen Schwächen, insgesamt aber empfehlenswert.

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                                                Socratez 21.12.2015, 18:33 Geändert 21.12.2015, 19:27

                                                Mit "Reservoir Dogs" brachte der Kult-Regisseur Quentin Tarantino 1992 sein Regie-Debüt heraus. Damals noch unbekannt, heute einer der bedeutensten und einflussreichsten Regisseure Hollywoods. Doch ist sein Erstlingswerk wirklich so gut, wie viele behaupten, oder wird es nur nachträglich gefeiert, weil es von Quentin Tarantino ist und man das als Zuschauer ganz genau weiß?
                                                Dieser Frage stelle ich mich nun. Doch warum sollte ich eine Antwort auf diese Frage haben? Nun ja, mit "Reservoir Dogs" sah ich meinen ersten »Tarantino-Streifen«, sodass ich natürlich überhaupt nicht vorbelastet in den Film hineingegangen bin. Ich kannte weder "Pulp Fiction" noch "Inglourious Basterds" oder sonstige Filme von Quentin Tarantino.
                                                Um aber noch einmal auf die Frage zurückzukommen: Ja, der Film ist gut!
                                                Bei dieser (doch recht platten) Antwort möchte ich es jedoch nicht belassen. In den folgenden Ausschweifungen werde ich den Film einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen, und erklären, was mir so gut an ihm gefällt.

                                                In "Reservoir Dogs" folgen wir einer Gruppe von Gangstern, die sich nach einem Überfall auf einen Juwelier, der allerdings nicht ganz geglückt ist, auf die Suche nach einem Verräter in den eigenen Reihen macht.

                                                "Reservoir Dogs" ist im Grunde ein Heist-Movie, allerdings kein gewöhnlicher. Wenn man ihn mit anderen »Genre-Genossen« vergleicht, wie beispielsweise mit "Heat", dann fällt auf, dass man vom eigentlichen Raubüberfall (der ja namensgebend für den Heist-Movie ist) wenig mitbekommt. Es gibt sowieso recht wenige Action-Szenen im Film, doch die, welche es gibt haben es dafür in sich!
                                                Der Film ist sehr episodisch erzählt, allerdings nicht in chronologischer Abfolge, denn es gibt immer wieder Zeitsprünge und Rückblenden, die "Reservoir Dogs" sehr dynamisch und lebendig erscheinen lassen.
                                                Hauptsächlich lebt der Film aber von seinen Dialogen, die allesamt toll geschrieben und fesselnd inszeniert sind. Das ist ja auch eines von Tarantinos filmischen Merkmalen, das sich durch fast alle seine Filme zieht. Wenn man ihm diese vielen Dialoge negativ anhängen möchte, könnte man auch sagen: "Es wird gelabert, gelabert und nochmals gelabert."
                                                In der Tat handelt es sich auch nicht immer um bedeutende Gespräche, was es aber auch interessant und vor allen Dingen natürlich macht. Im echten Leben unterhalten wir Menschen uns auch nicht nur um die weltbewegenden und wichtigen Dinge, nein wir reden auch mal 10 Minuten über ein Lied, einen Film oder einen Burger.
                                                Aber auch die schauspielerischen Leistungen möchte ich noch einmal loben, da wirklich alle einen super Job machen und ihren jeweiligen Charakter sehr überzeugend und konsequent spielen.

                                                Alles in allem war ich einfach nur geplättet von "Reservoir Dogs", der mich mit seinen fesselnden Dialogen, seinen interessanten Charakteren und seiner dezent platzierten, dennoch wuchtigen Action begeistert hat. Als kleinen Kritikpunkt habe ich nur, dass es hier und da minimale Längen gab, aber das ist wirklich meckern auf sehr hohem Niveau.
                                                Um zuletzt noch einmal auf meine Frage vom Anfang zurückzukommen: "Reservoir Dogs" ist in der Tat ein sehr gelungener Film und das nicht nur, weil Quentin Tarantino später sehr erfolgreich wurde. Klar wuchs die Aufmerksamkeit für den Film mit der Popularität des Regisseurs, doch seine Qualität lässt sich einfach nicht leugnen.

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                                                  Kultregisseur Quentin Tarantino legt mit "Reservoir Dogs" ein tolles Debüt hin. Aberwitzige Dialoge, kompromisslose Härte und eine interessante Inszenierung machen dieses Werk absolut sehenswert. Des Weiteren wie für Tarantino üblich ein cooler Soundtrack und ein super Cast.
                                                  Abzüge gibt es für eine etwas zu lang geratene Laufzeit und die daraus resultierenden gelegentlichen Längen. Das jedoch nur Jammern auf hohem Niveau, sehr empfehlenswert.

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                                                    Dieser kleine aber feiner Film von Quentin Tarantino glänzt mit genialen Dialogen, genialen Hauptdarstellern und einem interessanten Aufbau der Handlung.

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