Rico, Oskar und die Tieferschatten - Kritik

Rico, Oskar und die Tieferschatten

DE · 2014 · Laufzeit 96 Minuten · FSK 0 · Abenteuerfilm, Komödie · Kinostart
Du
  • Was für ein wundervoller Kinderfilm! Die beiden Jungs sind super gecastet und spielen (großteils) überzeugend. Die Geschichte selbst ist ebenso schön und schrullig wie all diese wunderbaren Figuren. Und: Karoline Herfurth <3

    • 9

      „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ ist ein Kinderfilm, ja. Aber nicht jeder Kinderfilm ist auch tatsächlich nur für Kinder. Hier haben wir ein Exemplar, an dem die ganze Familie, egal ob jung oder alt, Spaß haben kann. Der auf dem gleichnamigen Buch von Andreas Steinhöfel basierende Film erzählt dabei eine tolle Geschichte über Freundschaft und Anderssein, wobei auch eine wahrlich spannende Kriminalgeschichte nicht fehlen darf.

      In den Hauptrollen haben wir zwei Jungen, die ihre Sache für ihr Alter extrem gut machen. Anton Petzold spielt Rico. Der ist zehn Jahre alt und „tiefbegabt“. Er verbindet Bauernschläue mit einer großen Portion Einfältigkeit oder anders ausgedrückt: Denken kann und tut er viel, nur wirbeln seine Gedanken in seinem Kopf umher wie die Kugeln bei Bingo, wobei er, auch wenn es nie genannt wird, wohl auch als ADS-Kind bezeichnet werden kann. Dafür ist er ein liebenswertes und aufgewecktes Kerlchen, das am liebsten die ganze Welt entdecken will und einen riesigen Wissensdurst hat. Ihm zur Seite steht Oskar, gespielt von Juri Winkler. Er ist acht Jahre, hochbegabt, bringt mit seinen geschliffenen Sprüchen so manchen Erwachsenen zum Staunen und sein besonderes Markenzeichen ist ein Helm, den er stets auf dem Kopf trägt. Beide zusammen sind ein so sympathisches Duo, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. In den erwachsenen Nebenrollen hat sich die deutsche Schauspielelite versammelt. Karoline Herfurth mit frechem Berlin-Dialekt, Axel Prahl mit dichtem Rauschebart und Milan Peschel mit einer Brille, die Puck der Stubenfliege Konkurrenz macht, sind nur drei von zahlreichen hier vertretenen Stars des deutschen Films.

      Der Film selbst wartet mit einigen interessanten und verspielten Sequenzen auf. So sehen wir immer wieder kleine gezeichnete Einschübe im Comic-Stil, die als Übergänge zwischen einzelnen Szenen oder als bildhafte Erklärung für Ricos Gedanken dienen. Auch im Intro wird dieses Element verwendet, unterlegt mit moderner, deutschsprachiger Popmusik, die aber gut in den Film hineinpasst und auch textlich den Film stark unterstützt und so nicht aufdringlich wirkt. Die Überforderung des „kleinen Mannes“ Rico wird mit schnellen Schnitten, verschwommenen Bildern, Zeitraffer und vielen anderen Spielereien auch optisch hervorragend deutlich gemacht. Die Titelgebenden Tieferschatten werden sehr originell eingebaut und die Farben des Films sind sehr intensiv, ohne aber zu grell zu sein, was ebenfalls ein sehr warmes, harmonisches Gefühl vermittelt. Auch Humor gibt es viel, sei es durch Missverständnisse, Entlarvung der Dummheit der auf die beiden Jungs herabschauenden Erwachsenen, Verwechslungen oder einfach durch fast schon slapstickartige Situationen.

      Was besonders angenehm ist: Regisseurin Neele Leana Vollmar lässt Klischees fast komplett beiseite und schafft es so, den beiden Hauptfiguren eine realistische und vor allem tiefgründige Persönlichkeit zu verleihen. Sie zeigt sehr angenehm und doch eindrucksvoll, dass man Kinder und ihre Probleme ernst nehmen sollte, indem sie eben genau dies tut – sie nimmt ihre Figuren ernst, behandelt sie als vollwertige Menschen. Dazu nimmt sie die Sichtweise der Kinder ein, rätselt über manch komische Aussagen, will merkwürdigen Dingen auf den Grund gehen, hinterfragt und geht auf Spurensuche und erklärt dabei wunderbar verständlich so manche Phänomene und Verhaltensweisen, ohne jedoch den berühmten Zeigefinger zu heben. Dadurch kommt neben den vielen sympathischen und lustigen Momenten auch die richtige Dosis Ernsthaftigkeit in den Film. Die Kriminalgeschichte ist zwar spannend, hat aber noch einen weiteren Effekt. Sie ist Auslöser für so einige zwischenmenschliche Konflikte und ist somit auch mehr als lediglich für Unterhaltungszwecke verwendbar.

      Spannung, Humor, Tragik und Moral, der Film hat tatsächlich alles, was ein Kinderfilm haben muss. Dazu zeigt er, dass es egal ist, ob man nun hoch- oder tiefbegabt ist, gerade weil auch unter den Erwachsenen viele schrullige Figuren rumlaufen und jeder seine Marotten hat. Solange man Freunde hat, auf die man sich verlassen kann, kann man alle Klippen umschiffen und dann ist es auch egal, wenn man vielleicht ein klein wenig anders ist. Die beiden Hauptdarsteller verkörpern dies so sympathisch, dass man sich nur auf die Fortsetzung dieses Films freuen kann. Und die soll bereits dieses Jahr in die Kinos kommen.

      16
      • 8

        Die besten Kritiker für Kinderfilme sind Kinder. Wer hat nicht schon einmal als Erwachsener einen Film für die Kleinen gesehen und konnte mit dem Dargebotenen wenig anfangen? „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ ist allerdings auch für Zuschauer mit Haarwuchs unter den Achseln eine Empfehlung […]

        Durch seine […] Darstellung von Oskars Welt, die im eigentlichen Sinne nur aus dem Mehrfamilienhaus sowie ein paar Straßenzügen besteht, wirkt der blonde Junge schon etwas schräg. Der Film lässt ihn dabei gewähren, urteilt nicht über ihn und stilisiert ihn letztlich als Helden, was natürlich auch als Botschaft für die kleinen Zuschauer zu verstehen ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Kinderfilmproduktionen trichtert „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ dies seinem Publikum aber mit großer Freude am Anderssein ein und verrät dazu, dass die Welt der Erwachsenen auch im Prinzip nur aus seltsamen Gestalten besteht: Die einen sind liebenswert, die anderen unausstehlich. So gesehen sind Oskar und Riko keine Außenseiter, sondern gehören mit zu diesem Kollektiv des Menschseins dazu. Anders gesagt: Die Welt ist bunt und vielfältig […]

        12
        • 9

          Unter der Hand von Regisseurin Neele Leana Vollmar und mit einem Drehbuch von Andreas Bradler, Klaus Döring und Christian Lerch bleibt der Film seiner Quelle so treu wie nur irgend denkbar und ist doch, so ein Glück, ganz eigenständig und orientiert sich ganz an dem, was filmisch möglich und sinnvoll ist.

          1
          • 8 .5

            In einem Kinderfilm war selten so viel Ernsthaftigkeit kombiniert mit schlagfertigem Humor. Jedem Charakter gebührt seine ganz eigene Sympathie, und es ist der Regisseurin gelungen, nicht mit plakativen Stereotypen zu arbeiten, denen wir so häufig in Kinderfilmen begegnen.

            • 9

              Mit kleinen Animationen von Peter Schössow [...], prägnanten Regieeinfällen, viel Sprachwitz dicht an der Buchvorlage und nicht zuletzt mit einem brillanten Cast zeichnet der Film unaufgeregt einen schillernden Mikrokosmos, der das Berlin der kleinen Leute ebenso aufs Korn nimmt wie ihm die Liebe erklärt.

              • 8

                Rico, Oskar und die Tieferschatten ist ein gelungener Kinderfilm, weil er das Herz am rechten Fleck hat. Dank überzeugenden Darstellern, einem Nervfaktor auf dem Minimum und einer gefälligen Inszenierung ist der Film von Neele Leana Vollmar ein Zeichen, dass auch die Deutschen fähig sind, überzeugende Unterhaltung für die Kleinen und deren Begleiter zu inszenieren.

                1
                • 8

                  Die Verfilmung von Neele Leana Vollmar [bietet] Unterhaltung für Große wie Kleine [...], weil der Film vor allem eine tolle Typenrevue ist [und] die Regisseurin ihre bekannten Darsteller als spielfreudiges Ensemble vorführt.

                  • 9

                    Aus dem wunderbaren Buch wird hier ein genauso wunderbarer Film – mit origineller Erzählperspektive, lustig und spannend zugleich. Ideal ab 8 aufwärts.

                    • 9

                      Mit-Drehbuchautorin und Regisseurin Neele Leana Vollmar gelingt es, den gleichnamigen Roman von Andreas Steinhöfel zu einem Film zu adaptieren, der nicht zuletzt wegen des herausragenden Schauspieler-Ensembles gleichermaßen Kinder und Erwachsene überzeugt. Die insgesamt unauffällige Kameraführung von Torsten Breuer schafft es auch, Ricos phantasievolle Gedankenwelt in bewegte Bilder umzusetzen – so etwa wenn sich in seinem Kopf die Bingokugeln drehen. Stets aus kindlicher Perspektive erzählt, hält „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ perfekt die Balance zwischen lustigen und ernsthaften Augenblicken, ohne dafür auf Slapstickeinlagen oder aber auf übermäßig sentimentale Momente zurückgreifen zu müssen.

                      Interview mit Regisseurin Neele Leana Vollmar und Darstellerin Karoline Herfurth zum Film „Rico, Oskar und die Tieferschatten“: s. www.textezumfilm.de

                      • 8

                        "Rico, Oskar und die Tieferschatten" ist ein Film, der das Kunststück schafft die eigentliche Zielgruppe - also Kinder und Jugendliche - sowie Erwachsene gleichermaßen zu unterhalten. In der ersten Hälfte des Films wird vor allem Ricos Leben gezeigt. [...] Obwohl Rico manchmal etwas langsam im Kopf ist, lacht man mit ihm, nicht über ihn. Das Ganze macht "Rico, Oskar und die Tieferschatten" zu einem sehr charmanten, kurzweiligen Film. Die zweite Hälfte, in der es um die Entführung von Oskar durch Mr. 2000 geht, ist für Erwachsene dann nicht mehr ganz so spannend, da dieser Krimi-Teil kindgerecht aufgezogen wird. Das ändert aber nichts daran, dass der Film insgesamt ein gelungener Spaß für Groß und Klein ist.