Rosas Höllenfahrt

Rosas Höllenfahrt (2009), DE
Laufzeit 90 Minuten, Dokumentarfilm, Kinostart 01.11.2009

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Rosas Höllenfahrt - Bild 2363673
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von Rosa Von Praunheim, mit Eva-Maria Kurz und Hamze Bytyci

Rosa von Praunheim hat einen langen Dokumentarfilm zur Geschichte der Hölle gedreht. Es ist seine persönliche Suche nach den Ursprüngen der Seele, nach der Findung von Religionen und den Konzepten der Vergeltung im Jenseits. Rosa von Praunheim ist katholisch aufgewachsen, war Messdiener und hat die Androhung einer grausamen Hölle für den Todsünder von strengen Priestern in den fünfziger Jahren erlebt. Jetzt als älterer Mann will er sich noch einmal auf die Suche nach der Hölle machen. Er befragt Theologen, Kulturwissenschaftler, Fundamentalisten und Religionskritiker. Er findet auch in anderen Religionen grausame Höllenvorstellungen, wie im Islam, bei den Hinduisten und selbst bei den Buddhisten gibt es acht kalte und acht heiße Höllen. Die ersten Berichte einer Unterwelt haben wir schon im Gilgamesch Epos bei den Sumerern, in der Odyssee bei den Griechen, die wiederum die jüdische Nachwelt beeinflusst haben und diese die Christlichen Vorstellungen. Die bekanntesten und grausamsten Höllendarstellungen finden wir im Mittelalterbei dem Maler Hieronymus Bosch und dem Dichter Dante, der in seiner Göttlichen Komödie detailliert eine Höllenfahrt beschreibt. Seit der Aufklärung trat der Schreckensbegriff der Hölle in den Hintergrund. Trotzdem finden wir im katholischen Katechismus von heute die Androhung einer ewigen Hölle mit Feuerstrafen. Die bibeltreuen Evangelisten malen die Hölle in den schrecklichsten Farben aus. In der modernen Vorstellung der Menschen ist die Hölle durch Weltkriege und Holocaust längst auf der Erde angekommen. Auf der anderen Seite sind Höllenbilder in der Popkultur zum großen modischen Spaß geworden, in der Musikszene wie Black Metal zu einer scharfen Kritik an der christlichen Kirche. Interessant ist, dass modernes Denken die Religion nicht verdrängt hat, im Gegenteil. Das Bedürfnis sich unsterblich zu machen, die Schwierigkeit sich mit dem Tod nicht abzufinden zu können und die Suche nach einer ausgleichenden Gerechtigkeit scheint den Menschen vom Tier zu unterscheiden. Vielleicht ist es der Traum, der uns befähigt unserer Fantasie freien Lauf zu lassen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben für uns selbst und ein schlechteres für unsere Feinde.


Cast & Crew


Kritiken (2) — Film: Rosas Höllenfahrt

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7.0Sehenswert

Gibt es eine Hölle? Wie sieht sie aus? Wer kommt nach dem Tod dorthin? Es sind diese Fragen, die den Berliner Filmemacher Rosa von Praunheim auf seine alten Tage beschäftigen. Mit gutem Grund. Nach dem Katechismus der katholischen Kirche ist Homosexualität eine Todsünde, auch wenn sie heute eine weitaus größere Akzeptanz genießt als noch in den fünfziger Jahren, als von Praunheim als Messdiener Androhungen grausamster Höllendarstellungen über sich ergehen lassen musste. Aus der Kirche ist er zwar längst ausgetreten, aber sicher ist sicher.

Der 67-Jährige hat ausgiebig recherchiert, Hunderte von Menschen befragt, Theologen unterschiedlichster Glaubensrichtungen, Kulturwissenschaftler, Psychologen, Fundamentalisten, Passanten, junge und alte, kluge und skurrile Gestalten. Er ist auch weit gereist: nach Israel, zum Katholikentag in Osnabrück, nach Amerika und Holland. Der immense Aufwand hat sich gelohnt, denn herausgekommen ist eine Reportage, die damit überrascht, dass das moderne Denken die Religion offenbar nicht verdrängt hat, im Gegenteil: Das Bedürfnis nach einer gerechten Strafe lässt offenbar viele Menschen an geradezu kindlichen Vorstellungen festhalten, an wüsten Szenarien mit heiß lodernden Flammen, Teufelsgestalten, Schlangen, Würmern und Henkern.

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Felix von Boehm: critic.de

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Vielleicht stecken in der panoramatischen Zusammenstellung der unterschiedlichen Höllenvorstellungen einfach zu viele Informationen, die das einzelne Fundstück oder Dokument neben den anderen eher anekdotenhaft erscheinen lassen. Schade, denn so wirkt Rosas Höllenfahrt eher wie eine Kaffeefahrt auf dem Styx – nur dass wir den Kerberos nicht sehen dürfen.

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Joe Gillis

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Bewertung3.0Schwach

Rosa von Praunheim geht stramm auf die siebzig und fragt sich, was der unaufhaltsam herannahende Tod für ihn bereit hält. Wird er – als vom Glauben abgefallener Katholik und praktizierender Homosexueller – zur Hölle fahren? Ausgehend von dieser brennenden Frage, stellt der Nestor der deutschen Schwulenbewegung ein Potpourri von Meinungen und Thesen zum Thema zusammen, als da u. a. wären: Ja, es gibt die Hölle, und es ist die Hölle; ja, es gibt die Hölle, aber sie dauert nicht ewig, sondern nur so ein, zwei Jahre; wir wissen, nicht ob es eine Hölle gibt, schließlich ist noch keiner zurückgekommen; nein, es gibt keine Hölle, alles nur papistische Horrorshow. So weit, so vorhersehbar. Verstörend wird es lediglich, wenn von Praunheim in seinem zu diesem Zweck mit Molton und Plastikfolie ausgekleideten Wohnzimmer den Orkus nachspielen läßt. Das ist eine echte Höllenfahrt... jedenfalls filmisch.

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