Schöne tote Mädchen

Fine mrtve djevojke (2002), HR
Laufzeit 80 Minuten, FSK 16, Thriller, Drama, Kinostart 10.06.2004

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von Dalibor Matanic, mit Olga Pakalovic und Nina Violic

Die lesbisch veranlagten Frauen Mare und Iva ziehen in eine neue, kleine Wohnung. In dem Haus wohnen etliche bizzare Gestalten: ein Mann, der seine tote Frau mumifiziert im Lehnstuhl aufbewahrt oder ein Gynäkologie, der von illegalen Abtreibungen lebt. Die Situation wird zunehmend gewalttätiger und bedrohlicher. Schließlich eskaliert es in Mord und Totschlag.

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Muffin Man

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Da scheint jemand "Mulholland Drive", der nicht lange vor „Fine mrtve djevojke“ erschienen ist, studiert zu haben: Die Kamera, die langsam um die Ecken des Apartments, das einen farblich an Tante Ruths Haus erinnert und in dem die beiden lesbischen (!) Frauen logieren, fährt, der blaue Blitz, die Musik, die mitsamt dem bedrohlichen, wabernden Bass stark an Badalamenti erinnert und in einer Szene, in der das rote Licht eines Bahnsignals im Bild ist, einem beinahe das Gefühl vermittelt, dass Zagreb das neue Twin Peaks ist – formal scheint Regisseur Dalibor Matanić sein Vorbild gefunden zu haben und verwendet dessen Stilmittel gekonnt in seinem Werk. Inhaltlich geht „Fine mrtve djevojke“ als intensives Psychodrama seine Wege. In dem Wohnhaus, in das Iva und Marija ziehen, entwickelt sich ein Geflecht aus zwischenmenschlichen Beziehungen, das die beiden Hauptcharakterinnen je länger, desto stärker ihres Friedens beraubt und sie einschnürt, bis es zur Katastrophe kommt. Die Figuren sind kauzig; besonders hervorzuheben ist hier der gewalttätige, aber leicht depperte Nationalist, der im Krieg war, jeden Morgen eine Flagge Kroatiens aus dem Fenster hängt und mit der Schrotflinte in die Luft ballert, wenn ein Vogel drauf scheisst; der einmal wöchentlich nachts überlaut nationalistische Lieder laufen lässt, worauf der Vermieter den Strom im Haus abstellen muss (was aber nur solange funktioniert, bis jener sich einen Ghettoblaster besorgt), und der sogar ein bisschen wie der kroatische Sänger Marko Perković „Thompson“ aussieht, einfach korpulenter. Hier zeigt sich „Fine mrtve djevojke“ von seiner wohltuend entlarvenden und zynischen Seite.
Der Film funktioniert als Darstellung einer Gruppe Menschen, die eigentlich alles über einander wissen, auch das Abstossende, Niederträchtige, denen es aber völlig egal ist, die wegschauen, die Brutalität, Homophobie und Hass erdulden, bis sich zuletzt in der Eskalation alles entlädt.
„Fine mrtve djevojke“ ist letztlich handwerklich ausgezeichnetes und inhaltlich starkes, modernes kroatisches Kino.

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