Li Mei repräsentiert eine Generation junger Chinesinnen, die den Fesseln der bäuerlichen Traditionen entfliehen wollen und den fragwürdigen Verheißungen des Westens erliegen. Von einer Emanzipationsgeschichte kann dabei nicht die Rede sein, kämpft doch die Heldin bis zum Schluss nicht für ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben. Vor allem zeichnet sich auch keinerlei Entwicklung ab. Es mutet schon paradox an, dass sich Mei nach den Schrecken einer Vergewaltigung immerfort Männern an den Hals wirft, die sie unterdrücken.
Das ist mitunter schwer erträglich, zumal Regisseurin Guo Xiaolu psychologisch nichts erklärt.
Durch (die) Hauptfigur – es bleibt dahingestellt, ob ihre Rolle so einseitig geschrieben oder so ideenlos gespielt ist – geht dem Film eine Unmenge an Potential verloren. Die starken Moment (sowohl in den Eomotionen als auch in der Bildsprache) stehen alleingelassen im Gesamtkontext.
Als Projektionsfläche fremder Begehren bleibt Mei äußerst eindimensional. Sie redet nicht, sieht niemandem in die Augen und hat eigentlich überhaupt keine Persönlichkeit. Die chinesische Popmoderne, als deren Ausdruck man diese Ausdruckslosigkeit wohl sehen soll, ist zumindest in Guo Xiaolus Version eine ziemlich ermüdende Angelegenheit.
Vergewaltigung, Triadengangsterei, Scheinehe, dann sogar noch Begegnung mit einem Proto-Islamisten. Ein wenig wird hier auch ein Themenkatalog abgehakt. Dass der Film daran nicht schweren Schaden nimmt, liegt aber genau daran, dass es ihm auf das Gleiten der Figur viel eher ankommt als auf die Milieus, in die sie gerät, durch die sie fließt. [...]
Über einzelne Dinge hat "She, a Chinese" - generisch ist schon der Titel - nichts Besonderes zu erzählen. Nur so aber gelingt dieses Experiment: Gerade in der Sprunghaftigkeit seines Erzählens, in der psychologischen Neutralisierung der Hauptfigur und im Generischen, das ihr widerfährt, gewinnt der Film seine Richtigkeit.
Die Disparatheit der vielen Elemente nimmt dieser Geschichte einer Selbstfindung viel von ihrer Glaubwürdigkeit, zumal die eindimensionale, auf wenige Gesten und Gesichtsausdrücke beschränkte Darstellung von Huang Lu nicht zur Identifikation einlädt. Zu sehr verweist die Inszenierung auf sich selbst, zu selbstgefällig gibt sie sich. Trotzdem wurde „She, A Chinese“ bei den Filmfestspielen von Locarno mit dem „Goldenen Leoparden“ ausgezeichnet. Ein Skandal ist die deutsche Synchronisation des Films: Sie nivelliert mit ihrem fehlerfreien Hochdeutsch alle Kulturunterschiede und trägt auch Meis Bemühungen, Englisch zu lernen, keine Rechnung.
Es ist eine größtenteils trübsinnige, vereinzelt komische, insgesamt etwas eintönige Coming-of-Age-Odyssee, die Autorin und Regisseurin Xiaolu Guo in ihrem Spielfilmdebüt entwirft. [...] Trotz einiger plumper Stilmittel, der wenig originellen Ästhetik und den Schwächen des Drehbuchs vermag She, a Chinese zu fesseln. Meis Abfolge persönlicher und beruflicher Abhängigkeiten und Ausbeutungen wirkt auf Dauer zwar zu eindimensional und lässt die Geschichte schließlich auf der Stelle treten, ihre wortkarge Undurchsichtigkeit und stoische Stehaufmännchenmentalität machen sie aber zu einem eigenwilligen und spannenden Charakter, der im Gegensatz zu manchen Nebenfiguren keinen nationalen oder religiösen Stereotyp darstellt.
In der Sneak gesehen und um die 4 Euro Eintritt geweint. Unerträglich in die Länge gezogenes Drama, das einen nicht auch nur ansatzweise mitzureißen vermag.
She, A Chinese - Kritik
FR/DE/GB 2009 Laufzeit 102 Minuten, FSK 0, Drama, Kinostart 04.02.2010
Kritiken (6) — Film: She, A Chinese
Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...
Kommentar löschenLi Mei repräsentiert eine Generation junger Chinesinnen, die den Fesseln der bäuerlichen Traditionen entfliehen wollen und den fragwürdigen Verheißungen des Westens erliegen. Von einer Emanzipationsgeschichte kann dabei nicht die Rede sein, kämpft doch die Heldin bis zum Schluss nicht für ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben. Vor allem zeichnet sich auch keinerlei Entwicklung ab. Es mutet schon paradox an, dass sich Mei nach den Schrecken einer Vergewaltigung immerfort Männern an den Hals wirft, die sie unterdrücken.
Das ist mitunter schwer erträglich, zumal Regisseurin Guo Xiaolu psychologisch nichts erklärt.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
Gerrit Booms: Schnitt Gerrit Booms: Schnitt
Kommentar löschenDurch (die) Hauptfigur – es bleibt dahingestellt, ob ihre Rolle so einseitig geschrieben oder so ideenlos gespielt ist – geht dem Film eine Unmenge an Potential verloren. Die starken Moment (sowohl in den Eomotionen als auch in der Bildsprache) stehen alleingelassen im Gesamtkontext.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
Philipp Bühler: Berliner Zeitung, fluter Philipp Bühler: Berliner Zeitung, fluter
Kommentar löschenAls Projektionsfläche fremder Begehren bleibt Mei äußerst eindimensional. Sie redet nicht, sieht niemandem in die Augen und hat eigentlich überhaupt keine Persönlichkeit. Die chinesische Popmoderne, als deren Ausdruck man diese Ausdruckslosigkeit wohl sehen soll, ist zumindest in Guo Xiaolus Version eine ziemlich ermüdende Angelegenheit.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film
Kommentar löschenVergewaltigung, Triadengangsterei, Scheinehe, dann sogar noch Begegnung mit einem Proto-Islamisten. Ein wenig wird hier auch ein Themenkatalog abgehakt. Dass der Film daran nicht schweren Schaden nimmt, liegt aber genau daran, dass es ihm auf das Gleiten der Figur viel eher ankommt als auf die Milieus, in die sie gerät, durch die sie fließt. [...]
Über einzelne Dinge hat "She, a Chinese" - generisch ist schon der Titel - nichts Besonderes zu erzählen. Nur so aber gelingt dieses Experiment: Gerade in der Sprunghaftigkeit seines Erzählens, in der psychologischen Neutralisierung der Hauptfigur und im Generischen, das ihr widerfährt, gewinnt der Film seine Richtigkeit.
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Michael Ranze: film-dienst Michael Ranze: film-dienst
Kommentar löschenDie Disparatheit der vielen Elemente nimmt dieser Geschichte einer Selbstfindung viel von ihrer Glaubwürdigkeit, zumal die eindimensionale, auf wenige Gesten und Gesichtsausdrücke beschränkte Darstellung von Huang Lu nicht zur Identifikation einlädt. Zu sehr verweist die Inszenierung auf sich selbst, zu selbstgefällig gibt sie sich. Trotzdem wurde „She, A Chinese“ bei den Filmfestspielen von Locarno mit dem „Goldenen Leoparden“ ausgezeichnet. Ein Skandal ist die deutsche Synchronisation des Films: Sie nivelliert mit ihrem fehlerfreien Hochdeutsch alle Kulturunterschiede und trägt auch Meis Bemühungen, Englisch zu lernen, keine Rechnung.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
Birte Luedeking: critic.de
Kommentar löschenEs ist eine größtenteils trübsinnige, vereinzelt komische, insgesamt etwas eintönige Coming-of-Age-Odyssee, die Autorin und Regisseurin Xiaolu Guo in ihrem Spielfilmdebüt entwirft. [...] Trotz einiger plumper Stilmittel, der wenig originellen Ästhetik und den Schwächen des Drehbuchs vermag She, a Chinese zu fesseln. Meis Abfolge persönlicher und beruflicher Abhängigkeiten und Ausbeutungen wirkt auf Dauer zwar zu eindimensional und lässt die Geschichte schließlich auf der Stelle treten, ihre wortkarge Undurchsichtigkeit und stoische Stehaufmännchenmentalität machen sie aber zu einem eigenwilligen und spannenden Charakter, der im Gegensatz zu manchen Nebenfiguren keinen nationalen oder religiösen Stereotyp darstellt.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
Kommentare (2) — Film: She, A Chinese
Kommentar schreibenFrank Farmer 2011/09/06 08:04:17
Kommentar löschenRaus aus den Zwängen des Lebens. Immer auf der Suche. Nach Liebe und Freiheit. Die Sehnsucht steht in ihrem Gesicht geschrieben.
Kommentar gefällt mir Antworten
Bibabiest 2011/08/11 22:34:54
Kommentar löschenIn der Sneak gesehen und um die 4 Euro Eintritt geweint. Unerträglich in die Länge gezogenes Drama, das einen nicht auch nur ansatzweise mitzureißen vermag.
Kommentar gefällt mir Antworten
Bitte logge dich ein She, A Chinese
Bitte logge dich ein oder registriere dich um einen Kommentar zu schreiben.
Deine Meinung zum Film She, A Chinese