Shine a Light - Kritik

Shine a Light

US · 2008 · Laufzeit 122 Minuten · FSK 0 · Musikfilm, Dokumentarfilm · Kinostart
Du
  • 4

    Was in "Shine a Light" als eingelöstes Versprechen imponiert, sind die angewinkelten und kantigen Körperverkrampfungen Mick Jaggers, der quer über die Bühne (nach Keith Richards der so titulierte Ort des Erwachens) stolpert, tänzelt, ekstatisch flitzt. The Rolling Stones, auch im fortgeschrittenen Alter besingen sie energetisch die Apokalypse des Selbst und den Gegenentwurf einer fröhlichen Lebensbejahung, besingen sie den Sturm in rauen, schmetternden, eingängig tönenden Vokalen, als hätten sie ihre Rebellion nie aufgegeben. Alt gewordene Leichen, die partout nicht abtransportiert werden wollen. Aber Scorsese ohne "Gimme Shelter"? "Goodfellas", "Casino", "The Departed", ohne "Gimme Shelter" würden sie einen Sturm behaupten, aber nicht fundamentieren. "Shine a Light", bei dem Scorsese seine Lieblingsband in prunkvolles, mystisches Scheinwerferlicht zerrt, verzichtet auf "Gimme Shelter". Offenkundig spiegelt der Rückzieher Scorseses, sein musikalisches Markenzeichen beiseite zu legen, die Schwächen dieses ideologisch umstrittenen Konzertmitschnitts: Kein Sturm wütet über "Shine a Light", keine echte Power, kein amüsanter Zufall. Willfährig montierte, dokumentarisch gehaltlose Interview-Schnipsel, ein durch die Vorbereitungen eitel Anweisungen erteilender Regisseur und die hofierten Clintons in Ehrenlogen (!) zeugen von einem künstlerischen Missverständnis. Keiner weiß, was Scorsese erzählen, erreichen, würdigen wollte. Besser ist es dann, wenn die Stones brennend "As Tears Go By" schmachten. Sich einfach auf das Ungekünstelte besinnen.

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    • 3

      Ein interessanter Einstieg, eine witzige Idee zum Schluss, dazwischen ein Konzertmitschnitt und ein paar gelegentlich eingefädelte Aufnahmen aus Interviews u.ä. Ich hab nichts gegen die Stones, aber die Musik im Film war nicht besonders gut und die Herren Jagger& Co. rocken einfach nicht mehr so, wie sie es vielleicht einmal taten. Die Chance, ein paar neue, interessante, kritische oder wie auch immer anders gelagerte Seiten der Stones zu zeigen, hat Scorsese jedenfalls nicht genutzt. So mag der Film vielleicht was für Fans sein, als Musik-Dokumentation versagt er jedenfalls total. Schade.

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      • 5 .5

        In Kenntnis der anderen Musikfilme von Martin Scorsese wie "The Last Waltz" (1978), "The Blues: Feel Like Going Home" (2003) und "No Direction Home: Bob Dylan" (2005) wird man auch von dem Rolling-Stones-Konzertfilm "Shine A Light" keine allzu großen Wunder erwarten dürfen. Hat Scorsese Musiker vor der Kamera, verwandelt sich der große Filmvisionär augenblicklich in einen aufmerksamen Fan. Allein sein Musikvideo zu Michael Jacksons "Bad" bewies eine gewisse visuelle Kraft, wahrscheinlich weil es eine Auftragsarbeit war und Jackson ihn nicht weiter interessierte.

        • 3

          Scheußliche Musik wird nicht besser, wenn man sie sieht. Scorsese kennt keine Gnade, das zeichnet alle seine Filme aus. Das Schlimme ist auf keinen Fall, dass alte Leute hier Musik machen, im Gegenteil: Alte Leute machen ganz toll Musik, sie machen ja schon sehr lange Musik. Aber diese hier haben gar kein Vergnügen an der Musik, sonst würden sie mehr damit anstellen. Die Rolling Stones sind ihre eigene Cover-Band, sie entwickeln sich nicht. Das zentrale Moment der Musik, das Spiel, das findet bei ihnen nicht statt. Die Bildregie haut in diese Kerbe.

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          • 8

            Nach dem Oscar-Gewinn für "Departed - Unter Feinden" schwenkt Regisseur Martin Scorsese die Kameras auf die erfolgreichste Rockband der Welt: Die Rolling Stones...

            • 8

              Heraus gekommen ist ein ebenso grandioses wie intensives Konzerterlebnis, bei dem man den Eindruck hat, mitten im Publikum stehend dabei zu sein, während die Stones direkt vor der eigenen Nase das Haus rocken. Und während die Stones ungeniert ihre von zuviel Sex, Drogen und Rock’n’Roll zerfurchten Gesichter in die grellen Scheinwerfer halten, versucht Martin Scorsese sich selbst(ironisch?) ebenfalls ins rechte Licht zu rücken, was immer ein wenig eitel bis peinlich wirkt. Interessanter wäre es gewesen, Scorsese hätte seine Idee vom Filmbeginn weiter verfolgt und nicht nur einen reinen Konzertfilm gedreht, sondern zugleich eine Dokumentation über das Produzieren eines Konzertfilms, was sicherlich noch ein wenig spannender gewesen wäre. Vor allem für jene Menschen, die nicht nur wegen der Stones ins Kino pilgern wollen. Denn so werden hier in erster Linie Freunde des gepflegten Konzertfilms und natürlich Stones-Fans bedient. Dies jedoch auf allerhöchstem Niveau mit echtem Rock’n’Roll-Kino!

              • 6

                Eine dreifache Strategie konnte, durfte man sich versprechen: die Stones auf der Bühne, backstage – und die Stones von damals, aus Archivmaterial zusammengepuzzelt. Doch der Blick hinter die Bühne beschränkt sich auf wenige Minuten, die Ausschnitte von einst ergeben kein neues Bild, keine andere Sicht. Sieben Achtel des Films sind ein bloßer, reiner Konzertmitschnitt. In dem die Stones immerhin neben leidlich Bekanntem auch Titel spielen, die sie lange nicht oder noch nie live vorgetragen haben.

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