Shutter Island - Kritik

US 2010 Laufzeit 138 Minuten, FSK 16, Thriller, Drama, Kinostart 25.02.2010

  • 9

    Ich räume ein, dass ich den Film gesehen habe, als ich noch viel zu jung war, oder wenigstens zu unerfahren. DiCaprio, Ruffalo, Kingsley, Scorsese... alles Namen, die mir kaum etwas sagten. Um was es ging, war mir eigentlich auch erstmal nicht so wichtig. Ich bin aufgrund einer Empfehlung einfach mal nach langer Verzögerung an den Film gegangen.

    Mittlerweile habe ich den Film zweimal gesehen. Unbestreitbar ein Film, bei dem die Spoiler-Nihilisten toben würden, wenn sie gespoilert werden würden; würden sie den Film kennen, denn andernfalls wüssten sie ja nichts von der gewaltigen Handlung des Films, aber dann könnte man sie auch nicht spoilern. Hm, wie auch immer. Jedenfalls sind Shutter Island-Spoiler nicht cool.

    Aber schon früh erkennt man, dass das hier kein konventioneller Film wird. Einen Film unkonventionell zu nennen, mag seltsam oder falsch erscheinen, aber ich finde, bei Scorsese trifft das oftmals zu. Denn der Mann mit dem coolen Nachnamen zaubert immer wieder Meisterwerke wie kaum ein Zweiter hervor, auch bei Verfilmungen.

    Die Atmosphäre des Films ist nämlich schon zu Beginn so intensiv, dass man sich zurecht fragen kann, ob da jemand das Prinzip des Spannungsaufbaus nicht so ganz verstanden hat. Aber es gehört schon etwas dazu, einen Film von der ersten Minute an interessant oder besser spannend zu machen. Gut, Spannung ist am Anfang noch nicht so da, da man noch nicht weiß, was auf einen zukommt außer dieser... ja... normalen Psychohandlung, aber was man weiß, ist: Die Atmosphäre ist unschlagbar, die Schauspieler umwerfend.

    Die Charaktere, die beiden Marshals Ruffalo und DiCaprio, scheinen anfangs jedoch keine sonderlich tiefgründigen Charakter zu besitzen, sondern einfach nur die klugen Figuren in einem ausgeklügelten Thriller / Krimi zu werden. Das zu denken, ist allerdings ein fataler Fehler.

    Denn neben perfekt gewählten Sätzen verspricht der Film eines schon sehr früh: Fragen. Fragen, die man sich bei Thrillern häufig stellt oder stellen sollte. Was geschieht als nächstes? Stimmt das jetzt? Wer ist nun der böse Drahtzieher?

    Schauspielerisches Können ist in diesem Film genauso präsent wie die an einem nagende atmosphärische Spannung, die fast die gesamte Länge über gehalten wird. Nach dem Film kann man nicht umhin, weiter über den Film nachzudenken.

    Wichtig ist, dass man den Film aufmerksam schaut, sonst versteht man das eine oder andere Detail nicht, und Details sind in diesem Film wichtig. Beim zweiten Ansehen war für mich allerdings dieses eindringliche Gefühl der hilflosen Sorge um die Schicksale der Charaktere und die wandelnden Emotionen (insbesondere zu den einzelnen Charakteren) nicht mehr so präsent, weil ich eben genau wusste, was geschieht. Bei diesem Film allerdings nicht unbedingt ein Makel, denn die Atmosphäre sorgt immer für einen Bann, und als Freund von Psychothrillers kann ich hier ohne mit der Wimper zu zucken sagen, dass das hier der oder wenigstens einer der besten Filme seines Genres ist.

    10
    • 9 .5

      Mega Streifen der keine Längen hat und auch hervorragende Schauspieler Leistung darbietet.(vor allem von di Cabrio ).der Wiederholungsfaktor ist hier auch Groß.

      1
      • 7 .5
        jeffcostello 17.04.2015, 15:16 Geändert 17.04.2015, 18:45

        "Shutter Island" ist eine kalte Schönheit von Film, ein schauerromantischer Film über das Kino selbst. Kino als krankhaftes Festhalten an der Vergangenheit, Kino als obsessive, endlose Wiederholung der Vergangenheit, Kino als Trauma. Am finalen Twist ist "Shutter Island" herrlich desinteressiert, verrät ihn sogar ganz explizit nach der ersten Hälfte. Dafür führt Scorsese den Zuschauer auf ganz andere Weise an der Nase herum, wenn die Erinnerungsfetzen über die Befreiung von Dachau das wahre Trauma von DiCaprios Figur verschleiern. Erinnerung ist für Scorsese hier ein Flickenteppich, und so filmt er "Shutter Island" als löchriges Mosaik aus Rückblenden und Traumszenen. Scorseses Figuren waren oft Gefangene: Gefangene ihres Ehrgeizes, ihrer Gangster-Welt, ihrer Lebensumstände. In "Shutter Island" fängt er sie diesmal auch räumlich, in einem ganz klassischen, herrlich inszenierten Insel-Königreich mit einem fantastischen Max von Sydow als bösem König. Definitiv ein Höhepunkt im Scorsese-Spätwerk.

        15
        • 7 .5

          Shutter Island ist ein ausgezeichneter Film, der während des Films sein Niveau stetig halten kann und am Ende durch eine sehr gute Auflösung den Zuschauer noch einmal mehr stark überzeugen kann.
          Die Atmosphäre, die düstere Musik und die Drehorte passen hervorragend zum Film so wie auch die schauspielerische Leistung der Protagonisten.
          Der Film ist inhaltlich sehr anspruchsvoll und lässt am Ende mehrere Interpretationsmöglichkeiten offen- finde ich gut.
          Dieser Psychothriller überzeugt durch und durch und sollte unbedingt von allen gesehen werden.

          1
          • 7 .5

            Und wie immer ergiesse ich mich in Ahhhhs und Ohhhhhs wenn die Szene mit der süssen Rattenarmee kommt. Wie kann man so viele gut gepflegte, fett gefütterte Schmuseratten, die offensichtlich wenig Muse haben nass zu werden als olle Kanalratten verkaufen wollen? Ich will sie knuddeln, jede einzelne.

            1
            • 10

              Mich hat "Shutter Island" richtig begeistert!
              Der Film hat so eine unglaublich fiese Atmosphäre, die Optik sieht ziemlich anders aus als man es gewohnt ist, der Soundtrack passt. Dazu noch die grandiosen Schauspielleistungen der Schauspieler, u.a. von einem wie immer großartigen DiCabrio in der Hauptrolle, Mark Ruffalo und Ben Kingsley, der in "Shutter Island" wirklich unheimlich daherkommt.
              Alleine die Location auf der sich die Handlung abspielt, eine psychiatrische Anstalt für kriminelle Geisteskranke, flößt dem Zuschauer Respekt ein- unheimliche Patienten, geheimnissvolle Ärzte und gruselige Orte inklusive.

              (Spoiler!)
              Abgerundet wird dieses wirklich nervenbeanspruchende Meisterwerk Scorseses noch mit einem der genialsten Twists überhaupt. Mich hat es einfach umgehauen, wie sich nach und nach die Schlinge um Daniels Hals scheint zusammenzuziehen, um etwas später den Zuschauer ins Leere laufen zu lassen. Ich war, wie der Protagonist, fest davon überzeugt, dass auf dieser Insel etwas fürchterliches im Gang ist, aber dann...Booom... ist halt doch nicht so. Einfach stark!
              Die Rückblenden, die immer wieder auftauchen, sind einfach sehr gut in Szene gesetzt und werden gegen Ende des Films schließlich sehr gut aufgelöst.
              Die vielleicht stärkste Szene des Films ist die Rückblende, in der der Protagonist zuhause ankommt und sieht, dass seine Frau ihre Kinder umgebracht hat und wie er noch versucht sie zu retten. Eine unglaublich intensive Szene!
              (Spoiler zuende)

              Fazit: Ein, meiner Meinung nach, perfekter Thriller, der unberechenbar und äußerst spannend ist und grandiose Bilder liefert. Unbedingt anschauen!

              1
              • 9

                *Ding* Plot Twist

                • 9

                  Einer der besten von Regisseur und Hauptdarsteller.

                  2
                  • 10
                    mars294 27.03.2015, 01:17 Geändert 27.03.2015, 01:23

                    Obwohl ich den Film schon drei Mal gesehen habe sind mir viele Dinge noch nie so sehr ins Auge gesprungen wie bei der vierten Sichtung und jetzt frage ich mich ernsthaft: "Wie zum Teufel konnte ich nur 9,5 Punkte vergeben?!"
                    Neben der unbeschreiblich guten Story bietet der Film so viel mehr. Die musikalische Untermalung ist einfach brillant und erzeugt auf den Punkt die nötige Spannung. Besser geht's nicht! Die gleiche Art des Spannungsaufbaus wurde auch in Kubrick's Klassiker aus dem Jahr 1980 verwendet und hat damals schon seine Wirkung erzielt.
                    Dann noch diese ganzen versteckten Andeutungen und Hinweise, die ich bei den ersten Sichtungen des Films überhaupt nicht richtig wahrgenommen bzw. ihnen keine Bedeutung beigemessen habe. Auch wenn ich die Story und den Ausgang des Films kannte überrascht mich der Film immer noch. Es gibt einfach so viel zu entdecken. Wie können manche Leute nur der Meinung sein der Film würde nach dem ersten oder zweiten Gucken langweilig werden, da man das Ende bereits kennt?!? Für mich wirklich unverständlich, denn eben diese ganzen Feinheiten machen den Film für mich zu einem ganz besonderen und niemals langweilig wirkenden Meisterwerk!

                    Eigentlich versuche ich SPOILERN immer zu vermeiden aber an dieser Stelle muss ich einfach auf einen ganzen Haufen von Szenen eingehen und meine Deutungen darlegen. Also jeder der den Film noch nicht gesehen hat sollte
                    AB HIER KEINESFALLS WEITERLESEN!!!

                    (Diese Zeile musste nur eingefügt werden, damit der Rest des Textes nicht auf Anhieb zu sehen ist :-P)

                    Die Inszenierung:
                    Es gibt viele Hinweise, dass die Personen nicht sind wer sie zu sein scheinen. Ok, jeder der den Film bereits gesehen hat, weiß ja wer wer ist, aber man erfährt es im Grunde nicht erst am Ende des Films. Dem aufmerksamen Auge/Gehör fallen im Verlauf ein Haufen versteckter Hinweise auf, wodurch man das Ende erahnen kann. Ich habe ja bereits gesagt, dass ich den Film zuvor schon dreimal gesehen habe, ohne viele dieser Hinweise wirklich wahrzunehmen bzw. mich an sie zu erinnern, somit waren meine Sinne wohl nicht sonderlich aufmerksam :-D
                    Also kommen wir nun zu einigen der Hinweise.
                    - Direkt am Anfang als die beiden US Marshals Teddy und Chuck die Insel betreten bemerkt Teddy, dass die Wärter alle bewaffnet sind und nervös wirken. Woran könnte das nur liegen? Naja sie alle wissen wer 'Marshal' Teddy wirklich ist und deshalb auf alles gewappnet sein wollen.
                    - Als sie dann am Tor des Ashecliffe Hospitals ankommen (die Musik auf der Fahrt dorthin ist nebenbei bemerkt so ein Beispiel für die perfekte Untermalung und beschert mir jedes Mal eine Gänsehaut) und ihre Waffen und Marken an die Wärter übergeben sollen braucht Chuck verdächtig lange um seine Waffe vom Gürtel zu lösen. Ein US Marshal sollte damit eigentlich kein Problem haben, daher ist es naheliegend, dass er das zum ersten Mal macht. Und genau so ist es auch. Schließlich handelt es sich um den Psychiater Dr. Sheeren und nicht um einen US Marshal. Der genervte Blick von Wärter McPherson rührt somit wahrscheinlich daher, dass er befürchtet, dass das Schauspiel auffliegen könnte.
                    - Dann die Suche nach Rachel Solando. Die Wärter wirken geradezu lustlos und gelangweilt. Verständlich, da die Suche inszeniert ist. Es gibt schließlich keine entflohene Inhaftierte.
                    - Das Verhör von Peter Breene: Als er sagt "Rachel Solando?! Wussten sie, dass sie ihre eigenen Kinder ertränkt hat? [...] Wissen sie was, die sollte man vergasen! [...] Gleich vergasen die Schlampe!" Daraufhin wird Teddy sauer und kritzelt wie wild mit seinem Bleistift herum... Es gefällt ihm offensichtlich gar nicht, dass Breene etwas Schlechtes über Mütter die ihre Kinder töten sagt, ebenso wenig das Wort Vergasen, welches eine gewisse Bedeutung (Befreiung KZ Dachau) für ihn hat.
                    - Dann als Mrs. Kearns verhört wird. Sie beschreibt Rachel genau so, wie es Dr. Cawley zuvor gemacht hat. Sie benutzt nur Stichworte, also ist zu vermuten, dass ihr diese Beschreibung in den Mund gelegt wurde. Sobald es um Dr. Sheehan geht ist sie beschämt zu sagen, dass er "was für's Auge sei" und muss immer wieder zu Teddys Partner Chuck gucken... Na warum wohl?! Es ist nunmal Dr. Sheehan höchst selbst. Als Teddy sie auf Andrew Laeddis anspricht wird sie völlig panisch, blickt zu den Pflegern, sagt "Noch nie gehört" und geht weg. Auf diese Frage wurde sie scheinbar von Dr. Cawley nicht vorbereitet und wusste nicht wie sie antworten soll. Immerhin sitzt eben jener Laeddis ihr genau gegenüber.
                    - Bei der Besprechung des Vorstands/der Leitung von Ashecliffe errechnet Teddy sich anhand der Aussagen der beiden Doktoren, dass es nur 66 Patienten gibt und verweist auf die Notiz "Wer ist Nr. 67?", also scheint ein Patient zu fehlen. Natürlich er selbst, Andrew Laeddis.
                    - Als Rachel Solando (Emily Mortimer) gefunden wurde und von Teddy und Chuck verhört wird, fällt ihnen auf, dass sie keine Kratzer an den Füßen hat und das obwohl sie barfuß geflohen sein soll. Ein Indiz, dass sie niemals das Hospital verlassen hat. Kein Wunder, sie ist ja auch die Krankenschwester, die man am Ende an Laeddis' Bett sieht. "Jeder hier nimmt eine Rolle ein. Nachbar, Milchmann, Lieferanten". Hält man sich diese Aussage im Hinterkopf, wird klar, dass die Krankenschwester, welche ständig in Laeddis' Nähe ist, ebenfalls eine Rolle einnehmen muss. Sie wird also Rachel Solando. Bei der Befragung sagt Rachel: "... dann habe ich Jim's Essen eingepackt und er ist gegangen. Die Kinder sind los in die Schule...", dann überlegt sie kurz und fährt fort "Und dann ging ich in den See und bin sehr lange geschwommen." Bei dieser Aussage guckt Teddy sehr betrübt und verwirrt. Kein Wunder, denn die Schlagworte "Schule" und "See" kommen ihm doch sehr bekannt vor. Immerhin hat Rachel soeben den Hergang für die Ermordung seiner Kinder beschrieben. Man merkt hier und auch an anderen Stellen, dass immer wieder versucht wird die Taktik zu ändern und Aussagen zu treffen, welche vielleicht für das erwünschte Aha-Erlebnis bei Teddy sorgen und er sich seiner selbst und der Wahrheit besinnt.
                    - Schließlich noch eine der wichtigsten Szenen des ganzen Films: Das Gespräch zwischen Teddy und George Noyce als auf Station C das Chaos herrscht. Noyce sagt: "Es geht nicht um die Wahrheit [...]. Es geht um dich! Und Laeddis. Es ist immer nur darum gegangen." Die Betonung von Laeddis enthält eine gewisse Ironie, denn Teddy und Laeddis sind schließlich ein und dieselbe Person.
                    Als Teddy ihn fragt, wer ihm die Verletzungen zugefügt hat sagt Noyce "Na du!". Noyce sagt ihm auch, dass alles inszeniert wurde und es ein Spiel ist und Teddy hier gar nichts untersucht. Außerdem wird Teddy von ihm immer wieder darauf hingewiesen, dass er die Wahrheit niemals erfahren und von der Insel kommen wird, wenn er seine Frau nicht gehen lässt. Guckt man sich den Film das erste Mal an, schreibt man diesem Gespräch anfangs keine große Bedeutung zu und glaubt eher, dass Noyce geistig etwas verwirrt ist. Erinnert man sich am Ende des Films allerdings an diese Szene, macht es direkt 'Klick'.

                    Neben diesen 'paar' genannten Szenen gibt es noch etliche weitere, die ich allerdings nicht mehr erwähnen möchte. Ich glaube ich habe jetzt schon etwas übertrieben :-D

                    Die Feuer/Wasser-Gegenüberstellung:
                    Im gesamten Film tauchen immer wieder die beiden Elemente Feuer und Wasser auf und untermalen gewisse Szenen und Aussagen. Somit geben sie auch Aufschluss darüber, was real und was fiktiv ist. Wasser verkörpert die Wahrheit/Realität und Feuer steht für die Einbildung/Fiktion. Diese Deutung lässt sich anhand 'einiger' beispielhafter Szenen verdeutlichen:
                    -Als Teddy das erste Mal träumt (ca. 27. Min) fragt ihn seine Frau, ob er eigentlich überhaupt nochmal nüchtern ist. Als Begründung für seine Alkoholsucht sagt Teddy: "Ich habe viele Menschen im Krieg getötet." Diese Aussage ist falsch, denn der wahre Grund für seine Sucht ist seine irre Frau! Aufgrund seiner Verdrängung, dass es an Letzterem liegt regnet es Asche (Feuer = fiktiv).
                    Aber gänzlich fiktiv ist der Traum nicht. Kurz darauf sagt seine Frau: "Sie (Rachel) ist noch da. Sie ist nie weg gewesen" Diese Aussage ist wahr, denn Rachel ist die Krankenschwester die ständig um ihn herum ist. Für eine wahre Aussage steht das Wasser, welches beim Blick aus dem Fenster durch den See wiedergespiegelt wird. Als seine Frau, in Erinnerung an das Haus an diesem See, sagt: "Wir waren [dort] so glücklich" sieht man ihm seine Zweifel allerdings an und im Hintergrund hört man leise das Knistern eines lodernden Feuers. Zudem hat seine Frau in dieser Szene einen verbrannten Rücken. Man kann also annehmen, dass es an diesem Ort also gar nicht so schön war, wie sie es sagt.
                    Als er sie kurz drauf umarmt und sagt "Ich werde auf keinen Fall gehen. Ich liebe dich so sehr" schwenkt die Kamera auf seine Hände die auf ihrem Bauch liegen und dieser fängt an zu bluten. Sobald die Kamera wieder hochschwenkt haben beide nasse Haare. Dies entspricht also der Wahrheit und gibt einen Hinweis auf den Bauchschuss an dem sie gestorben ist.
                    Und dann das Gespräch: "Ich werd nicht gehen denn du bist hier." "Nein bin ich nicht. Akzeptier das endlich. Aber sie ist hier (vermutlich ist Rachel gemeint) und er auch!" "Wer?" "LAEDDIS!!" ... "Teddy du musst mich gehen lassen." "Ich kann nicht." Und im nächsten Moment zerfällt sie zu Asche und das Zimmer steht in Flammen. Aber statt der Asche seiner Frau hat er Wasser in der Hand.
                    Anhand des parallelen Auftretens von Feuer und Wasser lässt sich also sagen, dass eine Vermischung von Realität und Fiktion vorliegt. In diesem Moment wird er wach und es stellt sich heraus, dass das Wasser an seinen Händen von der tropfenden Kellerdecke kam. Für mich ist der Übergang von Fiktion (Feuer) zur Realität (Wasser) wirklich perfekt gelungen.
                    -Als Mrs. Kearns in ihrem Verhör um ein Glas Wasser bittet und Dr. Sheehan alias Chuck aufsteht um es ihr zu holen schreibt Mrs. Kearns auf Teddy's Notizblock "RUN". Das Stichwort "Wasser" ist also wieder gefallen und sie weist Teddy auf die einzige Möglichkeit hin, von der Insel zu kommen. Nicht etwa im Sinne von 'davonlaufen' sondern eher im Sinne von "Gehen Sie! Und lassen sie das hier auf sich beruhen." Zumindest deute ich es so. Als Dr. Sheehan ihr das Glas Wasser reicht, bedankt sie sich mit folgenden Worten: "Danke Marshal" und muss bei dem letzten Wort die Augen verdrehen. Hm...?! Und als sie 'trinkt' hat sie überhaupt kein Glas in der Hand. Wie ist das zu erklären? Das Wasser, was für die Wahrheit steht, verschwindet plötzlich als Mrs. Kearns die unwahre Titulierung "Marshal" zu Dr. Sheehan sagt.
                    - Im Gespräch darauf erzählt Teddy seinem Partner Chuck wer Andrew Laeddis ist. "Er war der Hausmeister in dem Mietshaus in dem meine Frau und ich damals gewohnt haben. Außerdem war er ein Feuerteufel. Andrew Laeddis hat den Brand gelegt in dem meine Frau umkam." Eine Geschichte, versehen mit dem Stichwort Feuer. Also eine fiktive Geschichte! Als Teddy Laeddis' Gesicht beschreibt, mit einer riesigen Narbe und zwei unterschiedlich farbigen Augen fällt wieder das Stichwort Feuer: "Er hat eine Schule abgefackelt..." Diese Geschichte ist also auch erfunden. Dann berichtet er, wie Laeddis gefasst wurde und nach Shutter Island kam, wo er dann "[...] verschwand als hätte er nie existiert, ohne jede Spur. Auf Station A ist er nicht, also vielleicht auf Station C." Na wenn das mal nicht richtig nah an der Wirklichkeit ist. Es schüttet schließlich nicht zufällig wie aus Eimern ;-)
                    - In Minute 57 trifft Teddy im Kaminzimmer von Dr. Cawley's Villa auf Laeddis - sitzend im Sessel vor dem lodernden Feuer und mit Streichhölzern am Zündeln. Die Nahaufnahme von Teddy und dessen Blick, als Laeddis ihm mit einem dieser Streichhölzer die Zigarette anzündet finde ich einfach großartig. Die hierdurch erzeugte Atmosphäre ist bedrohlich und die Luft knistert geradezu vor Spannung. Die Musik im Hintergrund beschränkt sich nur noch auf wenige aber laute Schläge einzelner Tasten des Klaviers, die Szene dauert gefühlt eine Ewigkeit, mein Herzschlag ist kaum noch zu bremsen und mir schießt eine Frage durch den Kopf: Was wird nun geschehen? Und plötzlich - Ein Schnitt, die Kamera zeigt einen höhnisch grinsenden Laeddis, in der Musik setzen die Streicher ein und die beinahe versteinerte Miene von Teddy rührt sich wieder. Die Spannung fällt wieder etwas ab, sein Blick allerdings bleibt der selbe. Voller Hass und Zweifel. Besonders der Zweifel steht ihm ins Gesicht geschrieben als Laeddis ihm einen Schluck aus seinem Flachmann anbietet und noch mehr, als plötzlich Chuck an Stelle von Laeddis vor ihm steht. UND BUMM! Ein Schrei! Teddy blickt zur Seite und vor ihm steht Rachel. Blutverschmiert, mit den Leichen ihrer Kinder vor sich liegend. Die Spannung kocht erneut über! Und Rachel fragt ihn mit einem Lächeln auf den Lippen "Hilfst du mir kurz?". Zwischen ihnen liegt der Rauch der Zigarette und vernebelt das Geschehen. Die freudige Mimik von Rachel, und im direkten Gegenzug der geschockte Anblick von Teddy sorgen für Gänsehaut pur. Als er sich einigermaßen gesammelt hat antwortet er auf ihre Frage, dass er Ärger bekommen könnte, bückt sich allerdings nach dem kleinen Mädchen um sie aufzuheben. Einsatz der Musik - Pulsierende, tiefe Hörner. Ganz im Stile des Films. Das Blut gefriert einem bereits in den Adern und dann - fängt das tote Mädchen auch noch an mit zu reden und hält ihm vor "Ich bin tot. Warum hast du mich nicht gerettet?!". Verängstigt und bedauernd stammelt er vor sich hin "Es tut mir so leid. Ich hab's versucht. Ich wollte, aber als ich da war, war's zu spät." Unter der immer lauter werdenden, bedrohlichen Musik trägt er sie aus der Villa, ist plötzlich am See und legt ihren leblosen Körper im Wasser nieder. Rachel steht neben ihm, die Hörner donnern, sein Gesicht ist vor Trauer und Reue zerfressen und während das Mädchen im Wasser versinkt sagt Rachel "Siehst du. Sind sie nicht wunderschön?". Im nächsten Moment schreckt er allerdings auf und merkt, dass es nur ein Traum war. An seiner Stelle hätte ich das Laken in dieser Situation ordentlich durch geschwitzt. Alleine vom Zuschauen überkam mich eine Beklommenheit, aber durch die erzeugte Stimmung wird man als Zuschauer förmlich in das Geschehen und Teddy's Emotionen mit hinein gerissen. Für mich eine der schönsten und gleichzeitig grauenvollsten Szenen im gesamten Film. Oh, jetzt hätte ich vor lauter Begeisterung beinahe vergessen worauf ich eigentlich hinaus wollte :-D Das Wasser. Es deutet auf seine Erlebnisse, also die Realität hin. Besonders der Übergang im Traum von der reinen Fiktion (anfangs Feuer und das Gespräch mit Laeddis) zu einem gewissermaßen realen Erlebnis ist ganz großes Kino und ein Paradebeispiel für die Machart dieses Films. Wahrheit und Fiktion verschwimmen zu einem nebulösen Einheitsbrei, aus dem weder der Zuschauer, noch der Protagonist selbst schlau werden.
                    Aber die Szene erfährt noch längst keinen Abbruch. Man hört den peitschende Regen an den Fensterscheiben des Kellers und im nächsten Moment öffnet sich die Außentür und eine triefnasse Frau kommt herein. Teddy's Frau. Bei ihrem Anblick erstrahlt sein Gesicht für einen kurzen Moment, im nächsten Augenblick schaut er aber völlig ungläubig und sagt "Du bist ja ganz nass". Sie steht vor ihm und fängt an zu sprechen "Laeddis ist nicht tot. Er ist nicht weg. Er ist noch hier. [...] Du musst ihn finden und ihn umbringen." woraufhin Teddy verhalten nickt. Wieder einmal unterstreicht das Wasser die Wahrheit. Aber mehr noch. Seine verwunderte Aussage "Du bist ja ganz nass" hat eine ganz besondere Bedeutung. Denn genau diese Worte hat er damals auch zu ihr gesagt, als sie ihre Kinder ertränkt hat. Man merkt also, dass die Realität immer weiter zu ihm durchsickert. Im nächsten Moment wird er durch die Gespräche der aufgebrachten Pfleger tatsächlich geweckt. Diese immer wiederkehrenden Träume, besonders von seiner Tochter, zeigen, dass er sich selber für den Tod seiner Kinder verantwortlich macht. Ganz besonders das oben erwähnte Gespräch mit seiner Tochter beim Hinaustragen aus der Villa spiegelt diese Vorwürfe wieder.
                    - Zuletzt noch der Leuchtturm. Dieser steht in der Szene, in der die Wärter und die beiden Marshals Rachel suchen oben auf der Klippe. In allen anderen Szenen steht er auf einem kleinen Felsvorsprung im Wasser, wodurch er in Teddy's Augen unerreichbar scheint. Es scheint also so, als müsse er sich ins Wasser stürzen, sich völlig davon umspülen lassen, um die Wahrheit zu erfahren. Dass er tatsächlich dorthin schwimmen muss, halte ich allerdings für so unwahrscheinlich, sondern sehe diese Darstellung rein metaphorisch an. Dass der Leuchtturm in Wahrheit natürlich nicht mitten im Wasser steht eigentlich jedem klar sein. Der Zweck eines Leuchtturms ist es schließlich, von weit her gesehen zu werden um Schiffe auf die nahende Küste hinzuweisen und dazu ist es natürlich nicht sinnvoll, den Leuchtturm nur knapp über dem Meeresspiegel zu errichten. Ganz besonders nicht, wenn die Wellen aufgrund der starken Winde und den Klippen meterhoch in den Himmel ragen. Ich habe letztens eine für mich sehr amüsante Deutung genießen dürfen, in der von einem Tunnel von der Anstalt bis hin zum tatsächlich im Wasser liegenden Leuchtturm die Rede war :-)

                    Ein weiterer wichtiger Punkt im Film sind die immer wieder auftauchenden Kopfschmerzen, gekoppelt mit Lichtempfindlichkeit und Übelkeit von Teddy. Direkt am Anfang auf dem Schiff muss er sich übergeben und sagt "Mir bekommt so viel Wasser nur nicht". Verständlich, die Wirkung seiner Medikamente lässt nach und er beginnt aus seiner erdachten Rolle des US Marshals heraus zu fallen. Zudem befindet er sich auf dem Schiff, sprich mitten im/auf dem Wasser. Die Wahrheit prasselt also förmlich auf ihn ein. Im späteren Verlauf des Films bekommt er in diesen Situationen immer 'Aspirin' von Dr. Cawley, die Symptome verschwinden, es geht ihm besser und er ist wieder in der Rolle des US Marshal Teddy Daniels.

                    Ich glaube ich hab den Sinn dieser Feuer/Wasser-Szenen früher nie so recht verstanden und hab sie für zu abgedreht und unwirklich empfunden, wobei genau das den Film ja ausmacht! Wahrscheinlich kam daher die etwas schlechtere Bewertung von 'nur' 9,5 Punkten. Nach dieser erneuten Sichtung ist SHUTTER ISLAND zu einem meiner Lieblingsfilme aufgestiegen und ich bin gespannt was mir beim nächsten Mal noch so alles auffallen wird :-)

                    9
                    • 10

                      Guter film

                      • 10

                        So einen genialen Thriller, der dieses Wort wahrscheinlich wie kaum ein anderer Film verdient, mit so einem Twist (/Twists) gibt es wohl kein zweites mal.

                        • Ich hab mal eine frage an alle, die den film gesehen haben: wie viel horror ist da drin und kann man den sehen wenn man ,,eine zarte Seele" ist?

                          • 8 .5

                            Eine klasse Wendung zum Schluss!

                            • 9

                              richtig düsterer mind-fuck film mit tollen schauspielern alles top!
                              ein muss!

                              2
                              • 9

                                Super. Richtig geiler Filmtwistfaktor.

                                1
                                • 10

                                  Top!

                                  • 10

                                    Alle reden immer nur von Leonardo DiCaprio. Ich erhöhe auf Mark Ruffalo!

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                                    • 7 .5

                                      Der Film ist sehr düster und hat ein großes Geheimnis, dass er geschickt versteckt hält und so den Zuschauer an seinen eigenen Sinnen zweifeln lässt. Die Auflösung ist bewegend. Auch interessante Musik.

                                      • 10

                                        Einer der besten Filme überhaupt.

                                        1
                                        • 10

                                          ich liebe diese filme, die sich irgendwann komplett drehen und eine ganz andere wendung nehmen als man dachte.und wo man bis zum schluss nicht so recht weiss woran man da wirklich ist.
                                          ausserdem spielt leonardo di caprio hervorragend.
                                          man kann sich in die situation hineinversetzen und möchte keinesfalls mit ihm tauschen.: (
                                          mitreissend,sehr spannend,verwirrend und tief bewegend-so empfand ich shutter island.

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                                            sugacube 16.02.2015, 12:39 Geändert 16.02.2015, 12:56

                                            Wunderbar spannende Atmosphäre von Anfang bis Ende. Wenn man Silent Hill 2 gespielt hat wird man einige Parallelen entdecken können. Sowohl das Ende als auch der Soundtrack und Kameraeinstellungen - will aber nicht sagen das der Film dort abgekupfert hat. Das Ende ist dann genauso überraschend, irgendwo aber auch fast noch unrealistischer als das worauf der Film zuerst hinaus will.

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                                              Inspector.Columbo 15.02.2015, 22:47 Geändert 15.02.2015, 22:50

                                              Spannend und perfekt inszenierter Psychothriller, wieder einmal mit dem Duo Scorsese/Di Caprio. Di Caprio läuft zu Hochform auf, ist aber leider wieder einmal leer ausgegangen. Dazu kommt die gelungene Optik und die hervorragende Kameraarbeit. "Shutter Island" hält zudem ein recht überraschendes Ende parat, dass den Zuschauer zwingt, sich nochmal einige Gedanken zu machen. Viele Details des Films fallen einem erst bei einer merfachen Sichtung auf.

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                                                Ein grandioser Film! Spannung bis zum Ende!
                                                Ein überragender Leonardo DiCaprio!

                                                Hab mich lange gefragt was denn nun die Wahrheit ist. Musste auch am nächsten Tag noch lange über diesen Film nachdenken.

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                                                  Der Film hat bei mir das Interesse für Psychothriller geweckt und weil man ihn sogar mehrmals ohne Probleme anschauen kann, steht er auch weiterhin ganz oben auf meiner Liste.
                                                  Unbedingt zu empfehlen!

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                                                    oliver.roth.5059 25.01.2015, 16:02 Geändert 25.01.2015, 16:09

                                                    Ein insgesamt bemühter, aber etwas schwächerer Scorsese. Klar, ein tolles Setting, viele gute Schauspieler und eine eigentlich auch eine gute Story. Trotzdem ist alles etwas dick aufgetragen, vollgestopft mit üblichen Psychothriller-Versatzstücken und irgendwann recht vorhersehbar. Ein insgesamt atmosphärisch dicht inszeniertes Movie mit einem guten DiCaprio in einem soliden aber nicht herausstechenden Thriller.

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