Gut gespielt und in aseptisch-kalte Bilder gekleidet, schafft es der Film von Atom Egoyan leider nicht die Zuschauer den Figuren tatsächlich näher zu bringen. Die Lehrerin, wohl als tragische Figur gedacht, wirkt wie eine geistesgestörte, verantwortungslose Stalkerin. Simon selbst bleibt als Figur blass, er hat keinen echten Charakter. Der Darsteller kann sich noch so bemühen, aber das Drehbuch gibt ihm leider zu wenig Fleisch um Simon zu einer Person mit Ecken und Kanten und nicht nur zu einer Schachbrettfigur in Egoyans intellektuellem Konstrukt werden zu lassen. Das der Film seine Hauptfigur auf der Hälfte des Films im Stich lässt um sich auf die Lehrerin zu konzentrieren, hilft ebenfalls nicht, das gewagte Konstrukt, das große Themen aufgreift und erschreckend banal abhandelt, zu einem befriedigenden Ganzen zu vermengen. Holocaust, Internetgruppendynamik, Terror, Einsamkeit, Fanatismus und der ganze Reigen großer moralischer Fragen werden eher als Gimmicks hervorgeholt, als tatsächlich über dem Niveau gängiger Partyphilosophie behandelt zu werden. Das symbolüberladende Ende, in dem Simon sein altes Leben ins Feuer wirft, ist in seiner Bedeutungsschwere dann fast schon unfreiwillig komisch.
Die Bilder des Films sind wunderschön. Manche Szenen, in denen Simon alleine unterwegs ist und die im Haus am See seiner Familie sind ohne Dialog, aber seine Taten, auch die symbolischen, sprechen Bände. Während der Film mehreren Zwecken dient - und dabei immer unterhalten muss - ist es eine seiner höchsten Funktionen zu erleuchten und Einkehr anzuregen.
„Als ich die Geschichte letzte Woche hier im Unterricht hörte kamen die Bilder wieder hoch.“
Simon, 15 Jahre jung, steht vor seiner Klasse und liest etwas vor aus seinem Leben. Draußen sinkt der Schnee leise gen Boden. Die Geschichte, die der introvertierte Junge erzählt, ist weitaus weniger sanft. Sein Vater war ein Terrorist, der seine Frau samt Kind
(Simon) in ein Flugzeug schicken und sie dort in die Luft jagen wollte. Laut posaunt Simon es überall heraus, bald weiß die halbe Welt über seinen Vater Bescheid und über seine Tat. Doch wie viel Wahrheit steckt überhaupt in Simons Worten und was hat Simons Lehrerin Sabine damit zu tun ?
„Sie spielen Spielchen mit Menschen,“ so lautet der Vorwurf. Doch spielt sie wirklich Spielchen ? Ist sie in Wahrheit nicht vielleicht eine Art Engel ? Wer ist sie wirklich ?
Und wer ist Simons Onkel ? So in sich gekehrt, mit voller Wut auf seinen Vater, Simons Opa. Was hat es sich mit diesem Hass auf sich ? Was treibt Onkel Tom, bei dem Simon wohnt, an ?
Und wer war eigentlich dieser Opa ? Der seinem Enkel am Krankenbett noch einiges mit auf den Weg gibt und so spöttisch wie eben möglich über seine Kinder herzieht.
Wie sah es mit Simons Vater aus. War er echt der, für den er von allen gehalten wurde ?
Atom Egoyans „Simons Geheimnis“ ist kleines „Zweite Reihe“-Filmchen, ein wahres Wunderwerk, als welches es zurecht auf dem Cover bezeichnet wird, übers Vergessen und übers Trauern. Über Illusion und Wirklichkeit. Über Hass, Vergebung, Schuld, Unschuld, schmerzliche Erinnern. Über Mut, Feigeheit und über innere Explosionen. Ein Werk, dass vor allem von seinen geheimnisvollen Figuren profitiert. Ruhig zieht Egoyan hier viele Fäden auf, erschafft viele Handlungsstränge um sie am Ende geschmeidig zu einem gesamten, stimmigen Paket zusammen zu schnüren. Dabei überfordert er uns nie, er fordert nur. Die Geschichte mag komplex sein, aber nie unüberschaubar oder gar verwirrend. So sanft und seicht er nach und nach die Geheimnisse der einzelnen Charaktere lüftet, so intensiv und packend ist der Rest. Insgeheim gehen wir auch unseren tiefsten Geheimnissen auf den Grund. Geheimnisse, die jeder hat aber die wir alle verdrängen. Wir begeben uns auf die Suche nach dem Inneren. Nach den verstaubten Wahrheiten, die irgendwo in der hintersten Ecke unseres Kopfes lungern. Eine Suche nach uns selbst. Zwar nicht offensichtlich, doch tief verborgen in uns drin tun wir es.
Ein Film, wie geschaffen für denkende Menschen. Ein Film, wie geschaffen für Leute die sich auch mit langsameren Inszenierungen auseinandersetzen können.
Ein Film für die Rätsler unter euch. Ein Film auch für dich ?
Drum schau dich geschwind um nach der DVD. Vielleicht verzaubert der Film auch dich mit dieser unbändigen, tiefen, verborgenen Kraft, die er ausstrahlt.
„Unschuld lässt sich nur schwer beschreiben, sie ist wie ein Geruch.“
Hehe. Freut mich und auch sofort vorgemerkt. :)
Also bei dem Film gibts zwei Möglichkeiten:
Entweder entwickelt es sich zum größten Langeweile der Dekade oder wirklich zu einem riesigen Tiefgründer. Ein Blick hinein ist nicht allzu verkehrt. ;)
Oh, den wollt ich mir so gerne ansehen und dachte der wird toll. "Das süße Jenseits" und "Felicia, mein Engel" fand ich großartig. Du hast deinen Comment nochmal nach unten korrigiert oder? Das heißt nichts gutes.
Spannendes Drama von Atom Egoyan, das sich mit dem Thema Wahrheiten nach dem 11. September beschäftigt. Am besten man weiß fast gar nichts über den Film, bevor man ihn sich anschaut.
Simons Geheimnis - Kritik
CA 2008 Laufzeit 101 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 21.05.2009
Kritiken (2) — Film: Simons Geheimnis
Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde
Kommentar löschenGut gespielt und in aseptisch-kalte Bilder gekleidet, schafft es der Film von Atom Egoyan leider nicht die Zuschauer den Figuren tatsächlich näher zu bringen. Die Lehrerin, wohl als tragische Figur gedacht, wirkt wie eine geistesgestörte, verantwortungslose Stalkerin. Simon selbst bleibt als Figur blass, er hat keinen echten Charakter. Der Darsteller kann sich noch so bemühen, aber das Drehbuch gibt ihm leider zu wenig Fleisch um Simon zu einer Person mit Ecken und Kanten und nicht nur zu einer Schachbrettfigur in Egoyans intellektuellem Konstrukt werden zu lassen. Das der Film seine Hauptfigur auf der Hälfte des Films im Stich lässt um sich auf die Lehrerin zu konzentrieren, hilft ebenfalls nicht, das gewagte Konstrukt, das große Themen aufgreift und erschreckend banal abhandelt, zu einem befriedigenden Ganzen zu vermengen. Holocaust, Internetgruppendynamik, Terror, Einsamkeit, Fanatismus und der ganze Reigen großer moralischer Fragen werden eher als Gimmicks hervorgeholt, als tatsächlich über dem Niveau gängiger Partyphilosophie behandelt zu werden. Das symbolüberladende Ende, in dem Simon sein altes Leben ins Feuer wirft, ist in seiner Bedeutungsschwere dann fast schon unfreiwillig komisch.
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Claudia Puig: USA Today Claudia Puig: USA Today
Kommentar löschenDie Bilder des Films sind wunderschön. Manche Szenen, in denen Simon alleine unterwegs ist und die im Haus am See seiner Familie sind ohne Dialog, aber seine Taten, auch die symbolischen, sprechen Bände. Während der Film mehreren Zwecken dient - und dabei immer unterhalten muss - ist es eine seiner höchsten Funktionen zu erleuchten und Einkehr anzuregen.
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Kommentare (3) — Film: Simons Geheimnis
Kommentar schreibenfabel 2010/11/28 18:19:23
Kommentar löschen„Als ich die Geschichte letzte Woche hier im Unterricht hörte kamen die Bilder wieder hoch.“
Simon, 15 Jahre jung, steht vor seiner Klasse und liest etwas vor aus seinem Leben. Draußen sinkt der Schnee leise gen Boden. Die Geschichte, die der introvertierte Junge erzählt, ist weitaus weniger sanft. Sein Vater war ein Terrorist, der seine Frau samt Kind
(Simon) in ein Flugzeug schicken und sie dort in die Luft jagen wollte. Laut posaunt Simon es überall heraus, bald weiß die halbe Welt über seinen Vater Bescheid und über seine Tat. Doch wie viel Wahrheit steckt überhaupt in Simons Worten und was hat Simons Lehrerin Sabine damit zu tun ?
„Sie spielen Spielchen mit Menschen,“ so lautet der Vorwurf. Doch spielt sie wirklich Spielchen ? Ist sie in Wahrheit nicht vielleicht eine Art Engel ? Wer ist sie wirklich ?
Und wer ist Simons Onkel ? So in sich gekehrt, mit voller Wut auf seinen Vater, Simons Opa. Was hat es sich mit diesem Hass auf sich ? Was treibt Onkel Tom, bei dem Simon wohnt, an ?
Und wer war eigentlich dieser Opa ? Der seinem Enkel am Krankenbett noch einiges mit auf den Weg gibt und so spöttisch wie eben möglich über seine Kinder herzieht.
Wie sah es mit Simons Vater aus. War er echt der, für den er von allen gehalten wurde ?
Atom Egoyans „Simons Geheimnis“ ist kleines „Zweite Reihe“-Filmchen, ein wahres Wunderwerk, als welches es zurecht auf dem Cover bezeichnet wird, übers Vergessen und übers Trauern. Über Illusion und Wirklichkeit. Über Hass, Vergebung, Schuld, Unschuld, schmerzliche Erinnern. Über Mut, Feigeheit und über innere Explosionen. Ein Werk, dass vor allem von seinen geheimnisvollen Figuren profitiert. Ruhig zieht Egoyan hier viele Fäden auf, erschafft viele Handlungsstränge um sie am Ende geschmeidig zu einem gesamten, stimmigen Paket zusammen zu schnüren. Dabei überfordert er uns nie, er fordert nur. Die Geschichte mag komplex sein, aber nie unüberschaubar oder gar verwirrend. So sanft und seicht er nach und nach die Geheimnisse der einzelnen Charaktere lüftet, so intensiv und packend ist der Rest. Insgeheim gehen wir auch unseren tiefsten Geheimnissen auf den Grund. Geheimnisse, die jeder hat aber die wir alle verdrängen. Wir begeben uns auf die Suche nach dem Inneren. Nach den verstaubten Wahrheiten, die irgendwo in der hintersten Ecke unseres Kopfes lungern. Eine Suche nach uns selbst. Zwar nicht offensichtlich, doch tief verborgen in uns drin tun wir es.
Ein Film, wie geschaffen für denkende Menschen. Ein Film, wie geschaffen für Leute die sich auch mit langsameren Inszenierungen auseinandersetzen können.
Ein Film für die Rätsler unter euch. Ein Film auch für dich ?
Drum schau dich geschwind um nach der DVD. Vielleicht verzaubert der Film auch dich mit dieser unbändigen, tiefen, verborgenen Kraft, die er ausstrahlt.
„Unschuld lässt sich nur schwer beschreiben, sie ist wie ein Geruch.“
6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 3 Antworten
JackoXL 2010/11/28 18:31:04
Antwort löschenKlingt gut, vorgemerkt.
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Imran 2010/11/28 18:57:45
Antwort löschenKlingt fabelhaft.
fabel 2010/11/28 19:04:55
Antwort löschenHehe. Freut mich und auch sofort vorgemerkt. :)
Also bei dem Film gibts zwei Möglichkeiten:
Entweder entwickelt es sich zum größten Langeweile der Dekade oder wirklich zu einem riesigen Tiefgründer. Ein Blick hinein ist nicht allzu verkehrt. ;)
Schlegel 2010/03/27 21:55:14
Kommentar löschenVerschachteltes Thesenkino, nicht uninteressant, aber völlig konstruiert. In seiner papiernen Geschwätzigkeit letztlich auch zu platt.
1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir 3 Antworten
Kubrick_obscura 2010/03/28 12:51:44
Antwort löschenOh, den wollt ich mir so gerne ansehen und dachte der wird toll. "Das süße Jenseits" und "Felicia, mein Engel" fand ich großartig. Du hast deinen Comment nochmal nach unten korrigiert oder? Das heißt nichts gutes.
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Schlegel 2010/03/28 13:00:25
Antwort löschenHm, ich bin mir fast sicher, dass er dir nicht gefallen wird. Aber wer weiß. Ohne Egoyan-Bonus hätte ich den Film jedenfalls nicht durchgehalten
Kubrick_obscura 2010/03/28 13:18:59
Antwort löschenEine Feldstudie wäre angebracht!
annaberlin 2009/04/07 15:40:39
Kommentar löschenSpannendes Drama von Atom Egoyan, das sich mit dem Thema Wahrheiten nach dem 11. September beschäftigt. Am besten man weiß fast gar nichts über den Film, bevor man ihn sich anschaut.
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