Songs From the Second Floor

Sånger från andra våningen (2000), NO/DK/SE
Laufzeit 100 Minuten, FSK 16, Komödie, Drama, Kinostart 18.04.2002

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7.6 Kritiker
8 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.4 Community
104 Bewertungen
6 Kommentare
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von Roy Andersson, mit Per Jörnelius und Peter Roth

In einer kleinen Stadt weit im Norden geschehen seltsame Dinge: ein Magier verzaubert sich, ein Einwanderer wird auf der Straße brutal zusammengeschlagen, und Karl steht voller Ruß mitten in seienm Möbelladen, den er angezündet hat, um an die Versicherungssumme zu kommen …

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Kommentare (6) — Film: Songs From the Second Floor

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Jenny von T

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Bewertung9.0Herausragend

Roy Andersson: Trotz Cannes-Erfolg ein offenbar übersehenes Juwel im großen Pool skandinavischer Genies - zumindest legt dies die doch dürftige Anzahl von gerade einmal 102 Community-Bewertungen für diesen Film nahe. Zeit für ein bisschen Werbung.
Wie das wohl bekanntere später erschienene "jüngste Gewitter" untermauern sollte, versteht es Andersson meisterlich, Einzelschicksale episodenartig zu beleuchten und gleichzeitig ein großes Ganzes zu erschaffen, was aber erst zum Ende hin deutlich wird. Bis dahin erscheinen einzelne Dialoge oder sogar ganze Einstellungen oftmals dadaesk und sinnlos, aber keine Sorge, der Mann hat nicht umsonst zehn Jahre lang an dieser Perle gefeilt.
Andersson liebt die Totale, die Kamera und der Blau-Grau-Filter sind dabei so still und steril wie die Dystopie (?), die der Schwede erschafft: Menschen und ihre großen und kleinen Probleme, von denen allein sie eingenommen sind, während die Welt um sie herum irgendwo zwischen Überfluss und nichts, jedenfalls aber ohne Visionen und ohne Glauben vor die Hunde geht, wobei dies zu verschmerzen wäre, würde sich doch wenigstens noch ein Geschäft mit Jesus und dem Kreuz machen lassen. Der Mensch als Zombie (tatsächlich angedeutet durch bleich geschminkte Gesichter), der an seinem eigenen Kreuz zugrunde geht, nämlich an alledem, was er selbst erschaffen hat, ironischerweise sogar an seiner Kunst; nicht einmal Betrug und List führen mehr zum Ziel und auch jede Möglichkeit zur Flucht hat man sich selbst verbaut (grandios: Eine gefühlt endlose Szene gegen Ende des Films in einer Flughafenhalle, in der es die Menschen mit ihrem enormen Gepäck nicht einmal mehr zum Schalter schaffen).
"Songs from the Second Floor" ist ein bildsprachlich distanziertes, aber inhaltlich eindringliches, rabenschwarzes Zeugnis individueller und gesellschaftlicher Resignation gespickt mit Metaphern und groteskem Humor, das Eindruck hinterlässt, oder auch eine Apokalypse, wie sie so noch nicht gezeigt wurde. Meisterwerk!

bedenklich? 11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten

Jenny von T

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NICHT gut, mein Lieber. Andersson ist zwar eigenwillig, aber zumindest antesten sollte ihn JEDER.


Jack_Torrance

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Zumal sich Das jüngste Gewitter sehr interessant anhört.


Mimuschka

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

die gesichter sind weiß geschminkt, sehen aus wie totenmasken, doch die personen dahinter leben noch, trotten wie lebende tote durch eine vom zerfall gezeichnete welt. eine welt in der beziehungen zerbrechen, unternehmen bankrott anmelden, karrieren enden. wo verzweiflung und hoffnungslosigkeit regiert, wo keine erlösung am horizont wartet. es scheint als ob das ende der welt naht, die menschen spüren es, zu hunderten verlassen sie die stadt, die straßen sind mit autos verstopft, es gibt kein vor noch zurück. am flughafen werden endlose schlangen von riesigen gepäckwagen richtung schalter geschoben ohne wirklich anzukommen.
als letzte rettung wird ein perfider plan ausgeheckt: ein menschenopfer wird es richten! unter vielen kandidaten wird ein kleines mädchen auserkoren und in einer groß-angelegten zeremonie von einem felsen gestoßen. zum wohle der gemeinschaft. doch dann: nichts geschieht, alles beim alten, die apokalypse scheint unausweichlich...

eine identifikation mit dem geschehen wird sorgsam vermieden. durch das schon oben angesprochene makeup bleiben die charaktere fremdartig. auch gibt es keine nahaufnahmen, der gesamte film wird fast vollständig in totalen kameraeinstellungen gedreht, komplett ohne kamerabewegungen (mit einer kleinen ausnahme). alles ist bis aufs minimung reduziert, karg, kalt und trostlos. ein paar szenen verstehen es allerdings durch ihre absurdität einen gewissen schwarzen witz zu erzeugen, galgenhumor.

alles in allem ein wirklich außergewöhnlicher und sehenswerter film in einem sehr eingeständigen und ungewöhnlichen stil. viele skurille einfälle, schwarzer humor und ein totaler abgesang auf die moderne gesellschaft.

interessant an dieser stelle ist auch, dass regisseur roy andersson in 40 jahren nur 4 filme gedreht hat. wahrlich ein ausnahme-talent. ich bin gespannt was da noch kommt.

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Anoirja

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Ach, unterschiedlicher Meinung sind wir ja nicht zum ersten Mal und das ist auch alles andere als grauenhaft. Den letzten Satz hatte ich eigentlich nur in Erstaunen darüber geschrieben, weil du "Du levande" subtiler und grimmiger gefunden hast. Egal - bei mir gibt's jetzt erst mal ein Glas Wein, auch wenn ich gerade gar nichts ersäufen muss. Cheers!


Mimuschka

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ja, ich weiß, sollte auch nur eine art scherz sein ;-)


frau voragend

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Die Dänen habens einfach drauf!
Roy Andersson hat einen herausfordernden und in jeder Hinsicht beeindruckenden Film gemacht, der einen verletzenden und bitteren Blick auf das wirft, was unsere menschliche Existenz im Innersten ausmacht. Wer ihn gesehen hat, wird seine Bilder nicht wieder vergessen.

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spanky

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Roy Andersson ist für mich der Gary Larson der Filmkunst. Man kann sich über die Quelle solchen Ideenreichtums und hintersinnigen Humors nur wundern. Und dazu diese unglaubliche Bildkomposition. Einfach unfassbar.

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pfeffer

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Nichts, was ich die letzten 10 Jahre zu sehen bekommen habe, hat mich ähnlich verstört, betört & fasziniert. Deshalb folgerichtig: Lieblingsfilm.


spanky

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Ich muss ja sogar gestehen, dass mir "Das jüngste Gewitter" noch besser zugesagt hat. Aber was der Andersson macht, ist auf jeden fall völlig eigen und wahrscheinlich das beste, was im Moment aus ganz Skandinavien in puncto Film produziert wird.


adamant

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Verstörende Charaktere, trostlose Endzeitatmosphäre, nicht enden wollende statische Kameraeinstellungen, absurde Dialoge, fieser Sarkasmus - da fühlte ich mich als alter Jodorowsky- und Lynch-Fan natürlich sofort zuhause. Trotz der Dramatik ein äußerst ruhiger und langsamer Film (nur eine einzige Kamerafahrt) in kühlen Farben, dennoch mangelt es nicht an bildgewaltigen und im Gedächtnis bleibenden Szenen.
Roy Andersson drehte über 4 Jahre lang an dem Film, der 2000 in Cannes mit dem Jurypreis ausgezeichnet wurde. Und der ehemalige Werbefilmer hat m.E. einen wirklich unkonventionellen und absurden Film abgeliefert, der zwar nicht ganz die Klasse eines Lynch/Jodorowsky/Bunuel etc. erreicht, aber trotzdem für Freunde des Grotesken und Absurden ein Leckerbissen ist. Stellenweise erinnerte mich der Film in der Kälte und Trostlosigkeit der Bilder etwas an Seidls "Import/Export", in seiner Absurdität bisweilen an Bunuel. Allerdings wird "Songs from the second floor" in der Mitte schon etwas langatmig, bevor er am Ende wieder Fahrt aufnimmt. Eine Kürzung um ca. 20 Minuten und etwas Feinschliff hätten da aus dem tollen Film wohl noch einen genialen Film machen können, doch auch so ist es wie ich finde eine Empfehlung wert.

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donfelipe

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Bewertung4.5Uninteressant

Ich musste mich mit dem Film mal in der Uni befassen. Mein Resumee hatte dann so einen Titel wie "Die unmögliche Flucht des Individuums vor der Dekadenz der Gesellschaft". Kann mich aber nicht erinnern, dass mich der Film irgendwie berührt hat.

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