Soy Nero - Kritik

Soy Nero / AT: Soy Negro

DE/FR/US/MX · 2016 · Laufzeit 117 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 7

    Der britisch-iranische Filmschaffende Rafi Pitts („Zeit des Zorns“, 2010) steuert mit „Soy Nero“ einen klugen Kommentar zur seit langer Zeit laufenden Diskussion um die Einbürgerung mexikanischer Einwanderer bei – speziell um die Behandlung solcher, die als illegal gelten. (...) Solche Stellungnahmen wie die von Rafi Pitts sind im „Land of the Free“ dringend vonnöten.

    Ausführlich bei vnicornis.

    • 7

      Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen brachte den Gedanken neulich ins Gespräch: die Öffnung der Armee für Legionäre, für Ausländer.
      Die Inspiration dazu kommt aus den USA: Dort können Zugewanderte schneller die US-Staatsbürgerschaft erlangen, wenn sie in die Armee eintreten. Denn wer überall Militäreinsätze fährt, der braucht auch kundiges und kräftiges Fachpersonal. Und andersherum: Wer Kopf und Kragen riskiert, wird bevorzugt. Wenn auch vielleicht zu einem hohen Preis, denn den Pass, das beliebte Dokument, erhält man womöglich nur als Toter.

      Wie es ist, ein Greencard-Soldier zu sein, spielt Regisseur Rafi Pitts in seinem Film "Soy Nero" durch: Der junge Nero ist Mexikaner aus Los Angeles. Irgendwann haben ihn die Behörden abgeschoben; nun ist er aber wieder da und hört sich die Erfolgsstory des Bruders in dessen Protz-Villa an.

      Ganz so stimmt dessen Geschichte aber nicht, der Reichtum gehört anderen. Und so muss sich Nero alsbald als Wachtposten im irakischen Kriegsgebiet verdingen.
      Der Film mit vielen überraschenden Wendungen und eindrucksvoller Bildarbeit war dieses Jahr für den Amnesty-Filmpreis auf der Berlinale nominiert. Kein Wunder: Die Filmgroteske spiegelt an mehr als ein paar Stellen die absurde Wirklichkeit. Eindrucksvoll etwa die sportlichen Szenen am Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA: Der dient mitunter als - sehr hohes - Volleyballnetz.

      • 7

        [...]
        Wie auch der erste Teil des Films nimmt sich der Film viel Zeit für Randdetails, er retardiert die Handlung immer wieder, will Autorenfilm sein und gleichzeitig geht es “Soy Nero” auch um eine Coolness. Was sich nach einer Schwäche anhört, einer ästhetischen Unentschlossenheit, ist eigentlich der große Trumpf des Films. Tatsächlich hält die erzählerische Form, die in zwei kaum verbundene und streng linear herunter erzählte Teile separiert ist, den Zuschauer am Ball. [...] Der Autorenfilm sollte sich vor Humor und jugendlichem Impetus nicht verschließen. Denn genau diese Sprache ist eine vorherrschende in den gesellschaftlichen Schichten, die unterprivilegiert sind und ausgebeutet werden. “Soy Nero” ist der Gegenentwurf zum von der Kritik hochgeliebten “Things To Come” von Mia Hansen-Løve. Er ist auf eine ganz ähnliche Weise gelungen wie auch Spike Lees Rap-Musical “Chiraq”. Gerade wegen fehlender Verblümung der schönen Subtilität macht “Soy Nero” den Mund auf für die Schwachen, mit ihrer eigenen Sprache.

        1
        • 8

          In kraftvollen Bilder schildert [der Regisseur] das realistische Schicksal eines Jungen, der von einem besseren Leben träumt, vom Land seiner Träume aber gejagt und verheizt wird. [Lars Tuncay]

          • 7 .5

            Die Unterschiedlichkeit der Episoden macht ihren Reiz aus, zumal sich immer wieder kleine Gemeinsamkeiten ausmachen lassen. [Michael Ranze]

            • 8

              In der Hoffnung, nach dem Militärdienst die amerikanische Staatsbürgerschaft erlangen zu können, reist ein junger Mexikaner illegal in die USA ein. Rafi Pitts inszeniert seinen Fall als reduziertes Kammerspiel. [Frank Arnold]

              • 7

                Schwer auszuhalten sind die harten Bilder vom sinnlosen Töten in der Wüste, der Regisseur lässt nichts von der irrwitzigen und brutalen Realität aus [und] auch die Dialoge des alltäglichen Rassismus in der Armee treffen. [Luitgard Koch]

                • 9

                  Die harsche Coming-of-Age-Story Soy Nero filtert durch das konzentrierte Auge der Kamera den Zynismus der amerikanischen Grenzpolitik heraus und zeigt den verzweifelten Kampf des Hauptcharakters als aussichtslose Jagd innerhalb eines Teufelskreises. [Lida Bach]

                  • 7

                    Soy Nero besteht aus zwei Teilen. [...] Die beiden Hälften sind hier fast als zwei separate Erzählungen zu sehen, die einander spiegeln, anstatt die Handlung fortzuführen. [Swantje Oppermann]