Stammheim

Stammheim (1986), DE
Laufzeit 107 Minuten, FSK 16, Drama, Dokumentarfilm, Kinostart 30.01.1986

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7.2 Kritiker
8 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.3 Community
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von Reinhard Hauff, mit Ulrich Pleitgen und Therese Affolter

Sieben Jahre hielt die Baader-Meinhof-Gruppe die Bundesrepublik in Atem. 1975 wurde ihnen der Prozeß gemacht. Der Film zeichnet die Geschichte des Stammheimer Prozesses gegen Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe nach. Der Prozeß dauerte zwei Jahre – 192 Prozeßtage. Szenen und Dia-loge des Films beruhen auf wirklichen Texten und Ereignissen. Die Auseinandersetzungen der Gefangenen untereinander sind aus authentischen Briefen und Zellenzirkularen rekonstruiert.


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Stammheim

Ulrich Behrens

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10.0Herausragend

Hauff zeigt in beängstigenden Bildern die isolierte Situation der Angeklagten - hervorgerufen durch ihre eigenen Handlungen und die Reaktion der politisch Verantwortlichen. Er zeigt, wie verloren beide Seiten den Prozess "gestalten", obwohl von Anfang an klar ist, welches juristische Ergebnis die Verhandlung haben würde. Und er zeigt vor allem - und dies meinte ich mit "Die Vergangenheit holt die Beteiligten" ein -, wie eine Atmosphäre des Stillstands, der Gewalt entstehen kann.

Die Minimalisierung des Geschehenen auf den Prozess, auf die beengte und beängstigende Situation des Gerichtssaals, die Zellen und den Hochsicherheitstrakt ermöglicht eine Konzentration auf wesentliche Punkte. Tatsächlich fragt man sich am Ende des Films und vor dem Hintergrund zumindest einiger Kenntnisse der in Frage kommenden Jahre, wie ein solcher Verlust an Kommunikation, Menschlichkeit z.B. entstehen konnte, während zugleich "draußen" eine Periode der Verfolgung Intellektueller, eine Hysterie sondergleichen herrschte. In diese Zeit fallen auch die Äußerungen des damaligen CSU-Vorsitzenden Strauß von den "roten Ratten", gemünzt auf alle, die irgendwie links von oder sogar in der SPD standen.

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Kommentare (3) — Film: Stammheim

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alter.native

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Worte, nichts als Worte, in öder Kulisse mit guten Schauspielern und nem klugen Schnitt ergeben (für den, den's interessiert) einen ziemlich guten Film zu einem außerordentlich unrühmlichen Kapitel bundesdeutscher Gerichtsbarkeit.

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BigDi

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Eine kühle Dokumentation einer grandiosen Realsatire. Ein kleines Häufchen Menschen, die jahrelang den ganzen Staat von hinten durchnehmen und als dieser die Terroristen endlich in seinen Fängen hat, beisst er sich dabei selbst in den Hintern. Die gegenseitigen Anklagen sind jenseits von Gut und Böse - hier zählen Parolen und Lügen, je lauter, desto besser. Doch Verbrecher, die lügen, sind nichts Ungewöhnliches - verschweigt der Staat dagegen wichtige Tatsachen, ist irgendetwas nicht in Ordnung. Der Prozess ist eine Farce, wie sie sich Kafka nicht besser vorstellen könnte, er ist ein Wechsel von Beschimpfungen und Rauswürfen, das Publikum amüsiert sich mal wie bei einer Komödie, mal ist es laut und aufgeregd wie im Fußballstadion. Die RAF mag im Gefängnis sein, doch ihre laute Stimme dringt nach wie vor bis ins Knochenmark und ihre Opferposition macht ihre nicht besonders tiefgründige und verhetzende Aussagen oftmals nahezu sympathisch. Man muss sagen, das Publikum amüsiert sich zurecht: Beide Seiten verstricken sich immer mehr in ihren Aussagen, lügen, verraten, verschweigen und schreien, schreien, schreien. Ein Chaos, welches seine Erlösung im Tod findet.

Ein Staat bekommt immer die Verbrecher, die er verdient. Diese beiden Seiten haben sich verdient, wie zwei Schlangen, die sich gegenseitig fressen.

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doctorgonzo

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Kammerspielhafte Aufarbeitung der RAF Prozesse mit stellenweise fast dokumentarischem Charakter. Deutlich weniger reißerisch als "Der Baader-Meinhoff Komplex", dafür brilliant gespielt und (ein gewisses geschichtliches Interesse vorausgesetzt) beeindruckend inszeniert. Er läßt die Hintergründe der RAF Tätigkeiten ganz gewollt außen vor, sondern beschränkt sich auf die Wirkung des Ganzen auf die deutsche Justiz im Allgemeinen und auf die Beteiligten im Besonderen. Tukur und Pleitgen sind aus dem starken Ensemble besonders hervorzuheben in einem Werk, das fast zehn Jahre nach dem (mittlerweile erwiesenen) Selbstmord der Angeklagten nochmals für heftige Kontroversen sorgte.

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