Storytelling

Storytelling (2001), US
Laufzeit 87 Minuten, FSK 16, Komödie, Drama

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7.6 Kritiker
5 Bewertungen
Skala 0 bis 10
6.7 Community
87 Bewertungen
4 Kommentare
Storytelling - Bild 4504457
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von Todd Solondz, mit Selma Blair und Robert Wisdom

“Storytelling” erzählt zwei unabhängige Geschichten über die Ängste und Frustration der heutigen Jugend. Da ist einmal Vi (Selma Blair), eine junge Schülerin, die mit jedem anderen Schüler und sogar ihrem Literaturprofessor in die Kiste springt, nur um sich so inspirieren zu lassen. Der andere Part handelt von dem erfolglosen Regisseur Toby (Paul Giamatti), der gerne ein berühmter Dokumentarfilmer werden möchte. In dem spleenigen Scooby (Mark Webber) findet er seinen Hauptdarsteller.


Cast & Crew


Kommentare (4) — Film: Storytelling

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Kreaexo

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Bewertung7.0Sehenswert

'Storytelling' aus dem Jahre 2001 wirft einen kritischen Blick auf die amerikanische Gesellschaft, mit all ihren Facetten und Ungereimtheiten.
Der Film ist in zwei Abschnitte unterteilt: ''Fiction'' und ''Non-fiction''. Die zwar inhaltlich nichts miteinander zu tun haben und standortunabhängig sind, zusammen aber doch ein drastisches Gesamtwerk bilden.

„Sag: ‚Nigger fick mich!‘“
In dem ersten Teil geht es um Vi (Selma Blair), eine Highschoolschülerin, die eine Beziehung mit einem körperlich behinderten Mitschüler hat. Diese aber abrupt zerbricht, als er seine kürzlich geschriebene Kurzgeschichte in der Klasse vorliest, welche vom Lehrer zerrissen wird. Da Vi ihn nicht unterstützt unterstellt er ihr, dass sie, wie „alle weißen Mösen“, doch nur mit dem schwarzen Literaturdozenten in die Kiste springen will.

„Das Leben ist nicht fair!“
Der zweite Teil beginnt mit einem Telefonat, welches der erfolglose Dokumentarfilmemacher Toby (Paul Giamatti), der schon viele berufliche Stationen hinter sich gebracht hat und mit seinem Leben recht unzufrieden ist, mit seiner Highschoolfreundin Pam führt. Hier erwähnt er sein nächstes Projekt: Er will seinen nächsten Dokumentarfilm über Teenager drehen, um eine Art soziologische Studie über die Folgen des Massakers von Columbine durchzuführen. Deswegen stellt er den Schüler Scooby in den Mittelpunkt seines Films, da er alle Eigenschaften präsentiert, die er gesucht hat; teilweise Desillusionierung, teilweise Hoffnung. Toby folgt ihn und seiner spießigen Familie deswegen auf Schritt und Tritt.

Der Film ist, wie es scheint, in Deutschland recht unbekannt. Ob zu Recht oder zu Unrecht kann und will ich nicht sagen. Es liegt wahrscheinlich einfach daran, dass sich außerhalb der USA kaum jemand für das Thema zu interessieren scheint. Und selbst ich dachte, dass es bei 'Storytelling' um etwas völlig anderes ginge. Da ich es bevorzuge, Filme 'blind' zu sehen, also mich im Vorfeld nicht darüber zu informieren, war ich hier sehr überrascht. Was aber keineswegs schädlich ist und mir sehr zugesagt hat.

Regisseur und Drehbuchautor Todd Solondz hat mit diesem Film und seiner hier dargebotenen, rauen Darstellung meinen Nerv getroffen. Manche mögen diese wohl für übertrieben halten, ich find es richtig. Wenn man solche Missstände schon aufzeigen will, dann bitte auch genau, kritisch und einprägsam.
Angefangen von dem oben bereits geschriebenen Zitat „Nigger, fuck me hard!“ und den Zusammenhängen, bis hin zum Arschlochkind Mikey aus dem 2. Teil. Arschlochkind erscheint mir jetzt vielleicht doch etwas zu hart. Hm… aber, mir fehlt eine andere Formulierung für ihn. Denn seine Art und das, was er indirekt der Haushälterin Consuelo antut ist verhunzt und bitterböse. Der Jungschauspieler Jonathan Osser spielt unter Einbeziehung dieses Aspekts hervorragend, weil er genau das erreicht, was er mit seiner Darstellung beabsichtigt. Schauspielgröße John Goodman hat mir als strikt christlicher Vater von Scooby, der keine negativen Bemerkungen am Abendbrottisch duldet sehr zugesagt, da er das Spießertum gänzlich verkörpert. Leider fällt es mir schwer, aus dem ersten Teil außer Leo Fitzpatrick, welcher den Behinderten Marcus verkörpert, irgendwelche Schauspieler heraus zu picken, die mich mit ihrer Darstellung überzeugt haben. Das liegt vor allem auch daran, dass 'Fiction' deutlich kürzer ist als 'Non-fiction'. Außerdem hätte ich gerne die 3. Geschichte, die in der Rohfassung des Films noch vorhanden war gesehen. Diese wurde aber aus unbekannten Gründen vollständig aus der fertigen Version herausgeschnitten.

Ich lege 'Storytelling' jedem, der einen schonungslosen Blick auf die sozialen Zustände der amerikanischen Gesellschaft werfen will, nahe.

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Sonse

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Bewertung6.0Ganz gut

Die rote Box. :)
Was ist die rote Box?
Der interessanteste Aspekt dieses Films. Mehr dazu gleich.

"Storytelling" besteht aus zwei voneinander relativ unabhängigen Stories, die sich mit dem Geschichten erzählen im allgemeinen sowie dem problematischen Leben als US-High School oder College-Kid auseinandersetzen, und sich dabei mit Sexualität, Rassismus, Missbrauch, Berühmtheit, Medien etc. beschäftigen - möglichst selbstreferentiell versteht sich.

Im wesentlich kürzeren Teil "Fiction" schreibt die Studentin eines "Creative Writing"-Kurses über eine Nummer mit ihrem Tutor, die der Zuschauer miterleben durfte. Ihre wahre Geschichte wird daraufhin von ihren Mitstudenten verrissen: "Why do people have to write about such ugly characters?" - "Its earnestness is a little embarrassing."

Clever, ein bisschen zu clever, Mr Solondz. All das kann man dem Regisseur, den ich durchaus schätze, auch stets vorwerfen. Was natürlich nicht hilft, denn in seinen misanthropischen Filmen sucht er oftmals ausschließlich den Tabubruch, die Wahrheit hinter der politisch korrekten Fassade und dazu sind diese Kritikpunkte der direkteste Weg. Obgleich er sich durchweg über seine Figuren lustig macht, über ihr Leid und ihre Armseligkeit. Die Absicht, damit auch sein Publikum bloßzustellen, rechtfertigt dies nur bedingt. Solondz' Humor findet nicht jeder lustig, aber darum geht es auch nicht.

In "Nonfiction" werden ein Slacker, der gerne berühmt sein möchte, und seine "schrecklich nette Familie" von einem lausigen Dokumentarfilmer ausgenutzt. Dieser Abschnitt ist nicht nur umfangreicher, sondern auch gehaltvoller als sein Vorgänger, bei dem man letztlich das Gefühl nicht los wird, er wäre nur hinzugefügt worden, damit gerade so Filmlänge erreicht wird. Denn beide Teile ergänzen sich nur geringfügig und können mühelos für sich allein stehen.

Inhaltlich schreckt Solondz auch in "Storytelling" vor seinen üblichen Themen nicht zurück, dennoch geraten sie handzahmer als noch in "Welcome to the Dollhouse" oder seinem besten Werk "Happiness", vielleicht aus Gewohnheit, denn überraschen kann der Regisseur nicht mehr und mit seinem "Fuck me hard, nigger" außerhalb den USA wohl auch nicht schocken.

Zur roten Box also, für diese Solondz dann doch noch einen Sympathiepunkt erringt, obwohl ich sie selbst während des Films gar nicht zu Gesicht bekam, da sie in der internationalen Version glücklicherweise nicht existiert. Um in den USA ein R-Rating statt des gefürchteten NC-17 von der MPAA (der US-FSK) zu erhalten, sollte Solondz die Sexszene zwischen Tutor und Studentin aus "Fiction" entfernen (in der man nebenbei nicht sonderlich viel sieht, sondern eher hört). Damit hätte er die gesamte Geschichte entfernen müssen. Er setzte durch, die Personen stattdessen durch einen großen roten (Signalfarbe) Kasten zu verdecken, damit der Zuschauer genau weiß, was er nicht sehen darf. Finde ich eine gute Wahl, das schafft Transparenz und zieht diese behördliche Entscheidung zurecht ins Lächerliche.

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spanky

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Todd Solondzs Erzählweise funktioniert wie der Hammer eines Hufschmieds und mit gleicher Präzision haut er die Nägel immer da rein, wo's weh tut. Ich liebe diesen Mini-Hitler, der die Latino-Haushaltshilfe terrorisiert und seinen Vater hypnotisiert, um sich so zum Lieblingssohn zu machen. Einfach unerreicht!

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herr.moebius

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Bewertung5.0Geht so

Der Film ist unterteil in zwei Kapitel: Fiction und True stories.
Im Kapitel "Fiction" nimmt die Collegestudentin Selma Blair mit ihren körperlich behinderten Freund an einem "creative writing" Seminar teil, in der der Dozent regelmäßig alle Geschichten der Teilnehmer bis aufs Unbarmherzigste verreißt. Selma Blairs Freund ist über seinen Veriss so unglücklich, dass er sich schlussendlich von ihr trennt. Sie begibt sich in die Arme ihres Professors, der sie auf ziemlich rabiate Art und Weise, man kann es nicht anders sagen, durchfickt. Als sie am nächsten Tag im Seminar ihre neue Geschichte vorliest, ist diese die Begebenheit des voherigen Abends. Sie schildert, wie sie von einem afro-amerikanischer Mann vergewaltigt wird, sie es aber erduldet, wenngleich angewidert und in ihrer Würde gebrochen nur Hass für diesen Mann empfindet. Der Zuschauer und der Professor wissen, dass dies die Wahrheit ist. Dennoch wird ihre Geschichte als pures Klischee verrissen, als unglaubwürdig und unpointiert. Hier erscheint der Zwischentitel "True stories". Diese zweite Episode beginnt mit einem scheinbar desillusionierten Teilnehmer der Generation X, der nicht weiß, was er aus seinem Leben machen soll, von seiner Familie und der Schule für Schwul gehalten wird, da er kein Fleisch isst, Elton John hört und beim Studienberater auf die Frage "Was wollen Sie in ihrem Leben erreichen?" nur antwortet: "Ich will berühmt werden. Irgendwie im Fernsehen was machen". Als nächster Charakter wird Paul Giamatti eingeführt, ein gescheiterter Schauspieler und Schriftsteller und nun Schuhhändeler, der einen Dokumentarfilm über die weiße Jugend des "Suburbia" drehen möchte, über die desillusionierte Jugend, ein aufrüttelndes Ausrufezeichen, um die Nation aufmerksam darauf zu machen, was aus der Jugend der einst so vielversprechenden Nation geworden ist. Er findet in der High-School den phlegmatischen, aber eigentlich nur sehr verträumten Schüler, der zuvor eingeführt wurde. Er entdeckt in ihm das perfekte Objekt für seine Studie und dieser überzeugt schlussendlich seine Eltern zuzusagen. Der Junge und dessen Familie werden nun in allen möglichen Situationen gezeigt und es geschieht sogar das, wovon jeder Dokumentarfilmer wohl nur träumen kann: unvorhersehbar dramatische Ereignisse. Der Regisseur jedoch wirft ziemlich schnell seinen Ansatz nach Authenzität und Wahrhaftigkeit über den Haufen und denkt nur noch ans Publikum. Und auch wenn er kontinuierlich behauptet, sich mit den potraitierten Menschen zu identifizieren und sie zu lieben, macht er sich doch zunehmend nur lustig über sie.
Der Film steigert sich wie auch andere Solondz Filme in eine überaus tragisch-dramatische Höhe, verläßt das Geschehen jedoch dann abrupt und bleibt so auf Distanz, dass man keinen der Charaktere als einnehmend und gar positiv-besetzt betrachten könnte. Solondz geht wie ein Chirug ans Werk, schlitzt alles und jeden auf und wenig Gutes bleibt, wenn überhaupt etwas übrig bleibt. Sein Talent ist jedoch seine Beobachtungsgabe: er hat das richtige Auge für diese Art Filme. Er potraitiert, mit einer gehörigen Portion Verachtung aber dennoch nicht von oben herab, seine Figuren und kreiert für diese wunderbare - im Sinne von sehr auf dem Punkt gebrachte und in ihrer Durchschlagskraft schwer zu entkräftende Kritikpunkte - Situationen. Im Gegensatz zu Filmen wie "Happiness" oder "Palindromes" schafft er es hier jedoch den Zuschauer mit der Handlung nur zu verwirren. Ist der hier erzählend und beobachtend-kritisch wie seine anderen, oder einfach nur eine Meditation über Erzählformen und deren Manipulationen und vielleicht gar der Unmöglichkeit einer Unmittelbarkeit. Denkt man an Filme wie "Melinda und Melinda" von Woody Allen, der dort ähnliches versuchte, geht dieser Film leider nicht auf, da Solondz es nicht schafft, Form und Geschichte überzeugend miteinander sinnvoll zu verbinden. Die Geschichte leidet unter der Form und während man im zweiten Kapitel dies für kurz vergißt und sich doch in der Handlung verliert, setzt er dies einem abrupten Ende, um wieder einen bestimmten Effekt zuerreichen - welchen auch immer. Am Ende fragt man sich, was man da gerade gesehen hat und wieso da einer sein Talent nicht vollends ausgenutzt hat. Schade.

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