Süt

Süt (2008), FR/DE/TR
Laufzeit 103 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 14.01.2010

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von Semih Kaplanoglu, mit Melih Selcuk und Basak Köklükaya

Fatma und ihr Sohn Yusuf leben von ihren beiden Kühen und den Milchprodukten, die sie herstellen und auf dem Markt in der nahegelegenen Stadt anbieten. Als die ersten “europäischen” Supermärkte in ihrer anatolischen Kleinstadt eröffnen, verlieren sie ihre Existenzgrundlage. Welche Konflikte im traditionell geprägten Rollenverständnis zwischen Mutter und Sohn aufbrechen, davon erzählt “Süt – Milk” in einer Momentaufnahme der Türkei im Prozess der Annäherung an Europa.

HandlungYusuf, Anfang 20, lebt bei seiner Mutter Zehra am Rande einer anatolischen Kleinstadt.

Gemeinsam verkaufen sie selbst hergestellte Milchprodukte ihrer beiden Kühe auf dem lokalen Markt, eine harte Arbeit, die wenig einbringt. Die Geschäfte gehen immer schlechter, denn mit der zunehmenden Industrialisierung und der Entstehung von Neubauvierteln gehen immer mehr Menschen in die neuen Supermärkte.

Zehra verlangt von Yusuf, durch geregelte Arbeit zum gemeinsamen Lebensunterhalt beizutragen. Aber Yusuf kann diesen traditionellen Erwartungen als männliches Familienoberhaupt nicht gerecht werden, da er sich lieber in Tagträumen und Literatur verliert. Als eines seiner Gedichte in einer Literaturzeitschrift veröffentlicht wird, wächst in ihm der Wunsch nach künstlerischer Selbstverwirklichung und Anerkennung.

Zehra verliebt sich in den örtlichen Bahnhofsvorsteher und entdeckt ihre Weiblichkeit wieder. Plötzlich ist Yusuf nicht mehr der einzige Mann in ihrem Leben, und weder die Gedichte noch die Milch, deren Verkauf von Tag zu Tag weniger einbringt, können ihm jetzt weiterhelfen, sein Leben zu meistern. Soll er sich nun an den Mustern der traditionellen patriarchalen Kultur orientieren, oder den modernen Strömungen folgend, eine eigene Haltung entwickeln? Er steht vor Entscheidungen, die sein Leben verändern, ein neues Leben einleiten werden.

Einen Ausweg scheint der Einberufungsbescheid des Militärs anzubieten. Für die Musterung muss Yusuf in die Großstadt fahren. Dort lernt er Semra kennen, die sich auch für Lyrik interessiert. Aber bevor es zur Romanze kommt, wird Yusuf als untauglich ausgemustert. Er kehrt desillusioniert in sein Dorf zurück – und muss seinen Weg finden.

HintergrundDer Regisseur und Drehbuchautor Semih Kaplanoglu gehört zu den Hauptvertretern eines neuen türkischen Kinos, das die Befindlichkeit des türkischen Staates auf künstlerisch hohem Niveau reflektiert. SÜT („Milch“) ist der zweite Teil eines Zyklus, der mit YUMURTA („Ei“) begann und mit BAL („Honig“) abgeschlossen wird.

QuellenMîtosfilm

Weiterführende Informationen
Süt Pressespiegel auf film-zeit.de
Süt Trailer auf film-zeit.de
Süt auf moviepilot.de
Süt – Trailer auf moviepilot.de


Cast & Crew


Kritiken (7) — Film: Süt

Lukas Foerster: taz / cargo / perlentaucher...

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6.5Ganz gut

Mehr ist dieser Film nicht als: eine kleine Studie in Dunkelheit und Unschärfe. Mehr will er auch nicht sein und das ist gut so.

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Bernd Buder: film-dienst Bernd Buder: film-dienst

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7.0Sehenswert

Während die Kamera zärtlich die kleinen Gesten und Blicke einfängt, mit denen Mutter und Sohn – oftmals aneinander vorbei, aber immer mit der notwendigen Restwärme – ins Gespräch zu kommen versuchen...um das Nebeneinander von Tradition und Moderne einzufangen, ohne eine Wertung vorzunehmen. Der Ablösungsprozess, so die Botschaft der ruhigen, subtil melancholischen Parabel über das doppelte Erwachsenwerden von Mutter und Sohn, findet in allen Epochen statt. Heutzutage ist es nur etwas schwieriger, aber auch freier geworden.

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M.Steinhoff: Schnitt M.Steinhoff: Schnitt

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5.0Geht so

Ruhigen Alltagsbeobachtungen ohne viel Dialog folgen surreale Ereignisse, die bedeutungsschwer einen Metakommentar zum Themenkomplex von Süt bilden, aber direkte Bezüge vermissen lassen. So kann man sich an der strengen Schönheit der Bildkompositionen erfreuen, weniger aber funktioniert die Anteilnahme an der emotionalen Entwicklung Yusufs und der seiner Mutter – ihr jeweiliger Kampf um erwachende Männlichkeit und wiederentdeckte Weiblichkeit bleibt merkwürdig leidenschaftslos, und so verharrt Süt etwas zu sehr an der bildlichen Oberfläche, ohne wirklich Einblicke in seine Figuren zu gewähren.

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Michael Meyns: programmkino.de Michael Meyns: programmkino.de

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5.5Geht so

Worin die große Schwierigkeit dieser Art von Filmen liegt, die kaum Handlung haben, die mehr das Innenleben einer Figur beschreiben, als eine äußere Geschichte erzählen. Doch trotz dieser Schwäche bleibt „Süt“ ein bemerkenswerter Film, der Semih Kaplanoglu endgültig als einen viel versprechenden Regisseur des europäischen Autorenkinos etabliert.

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Susanne Gupta: fluter Susanne Gupta: fluter

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5.0Geht so

Einige rätselhafte Momente hat Semih Kaplanoğlu eingebaut, in denen der Realismus ins Fabelhafte kippt. Am Ende hat Yusuf seinen schönen Traum vom Dichter-Dasein begraben. "Süt" (Milch) ist nach "Yumurta" (Ei) der zweite Film einer Trilogie, in der der Filmemacher dokumentiert, wie der Wandel durch die Industrialisierung in Zentral-Anatolien die Lebensweise und das Lebensgefühl der Menschen stark verändert.

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Manfred Riepe: epd Film Manfred Riepe: epd Film

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7.5Sehenswert

Kaplanoglu archaisch-moderne Geschichte über Schlangen und Mütter beschreibt nicht nur die türkische Kultur. Dennoch erfordert sein Film die Geduld des zweiten Blicks. Wer sich darauf einlässt, wird etwas entdecken.

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Thorsten Funke: critic.de

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Die meditative Ruhe, die sich beim Betrachten einstellt, wird manchmal fast überstrapaziert. Und dennoch gelingt es, den Blick zu lenken auf die mal zärtlichen, mal ungeduldigen Gesten zwischen Yussuf und seiner Mutter. Dieser Realismus reibt sich fruchtbar an den traumhaft-symbolischen Einzelteilen von Süt. Semih Kaplanoğlu will dazu bewegen, in aller Ruhe einen Traum zu beobachten, in völliger Wachheit. Wem es bei dem extrem langsamen Rhythmus des Films gelingt, nicht einzuschlafen, der wird darin vieles finden.

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