Tatort: Das Ende des Schweigens

Tatort: Das Ende des Schweigens (2007), DE
Laufzeit 90 Minuten, Kriminalfilm, Drama

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von Buddy Giovinazzo, mit Thomas Heinze und Thomas Kügel

Ein leeres Segelboot wird auf offener See gefunden – an Bord Jacke, Schuhe und Handtasche von Silke Rohweder. Von ihr selbst keine Spur. Alles sieht nach Selbstmord aus. Borowski kommt das komisch vor. Der Eindruck verstärkt sich, als er Silke Rohweders Wohnung untersucht. Die Wohnung ist blitzsauber, es riecht nach Putzmittel. An den Wänden fehlen ein paar Fotos, die offensichtlich heruntergerissen wurden. Hat Silke ihre Wohnung noch einmal so richtig saubergemacht, bevor sie mit dem Boot raus gefahren ist um sich umzubringen? Wozu? Und wer war auf den fehlenden Bildern? Die Nachbarn erzählen Borowski, dass Silke seit kurzem einen Freund hatte. Sie können ihn aber nicht richtig beschreiben, da sie ihn nur flüchtig zu Gesicht bekommen haben. Die Überprüfung eines Rezepts in Silkes Handtasche fördert eine weiter Neuigkeit zu Tage: Silke war schwanger. Und Silkes Mutter bestätigt, dass sich Silke auf das Kind gefreut hat. Warum also der Selbstmord? Immer mehr Indizien bringen Borowski zu der Überzeugung, dass es kein Selbstmord war. Silkes 19-jährige Schwester Maxie verhält sich sehr seltsam. Nachdem sie durch Borowski vom Tod ihrer Schwester erfährt, geht sie in eine Kneipe und zettelt eine Prügelei an, bei der sie krankenhausreif geschlagen wird. Was weiß sie vom Tod ihrer Schwester, dass sie der Polizei nicht mitteilen will? Hat sie vielleicht sogar etwas mit der Tod der Schwester zu tun und die Prügelei war so etwas wie eine Selbstbestrafung? Doch Maxie schweigt und auch Psychologin Frieda Jung kommt bei ihr nicht weiter. Noch bevor Borowski etwas brauchbares von Maxie erfahren kann, flüchtet die junge Frau aus dem Krankenhaus. Borowskis Suche konzentriert sich auf das Phantom von Silkes Freund. Silkes Mutter berichtet, dass der Mann Sandor Kovac heißt und angeblich, zumindest hat er das Silke erzählt, für den Geheimdienst arbeitet. Die Spur führt zu einem toten Uhrmacher mit dem gleichen Namen, der vor einiger Zeit in seinem Auto einem Herzschlag erlag. Offensichtlich benutzt Silkes Freund die Papiere des Toten, die ihm gestohlen wurden und bedient sich seiner Identität. Aber warum? Borowski befragt die Polizisten, die damals die ersten bei dem toten Kovac waren. Einer von ihnen war Claes Möller, der Kovac erstaunlich ähnlich sieht. Eine Tatsache, die seine Kollegen damals auch festgestellt haben. Es verdichten sich die Vermutungen, dass Möller damals Kovacs Papiere gestohlen hat, um sich der Identität des Toten zu bedienen. Es stellt sich heraus, dass Möller tatsächlich Silkes gesuchter Freund ist. Und die falsche Identität hat er sich zugelegt, weil er verheiratet ist? Hat er Silke ermordet, nachdem sie ihm von der Schwangerschaft erzählt hat? Oder weil sie ihm auf die Schliche gekommen war? Im Hause Möller eröffnet sich den Polizisten ein weiteres Familiendrama.


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peter-pit-liebmann

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Bewertung10.0Herausragend

Moin moin mal wieder aus Flensburg.
Ein Leckerbissen für Schleswig-Holstein und diejenigen denen Namen, Begebenheiten und Symbolschlüssel im Zusammenhang bekannt sind.

Das Ende des Schweigens – der Anfang des Redens – der König wollte seine Dame schützen, zerbrach selbst daran und die Mörderin ging in die Wanne.

Heute ziehe ich das Finale in der Badewanne als Symbolschlüssel kurz vor. Badewannenleichen lassen gerade in Kiel das Barschelbild entstehen. Wenn also die Hintergrundstory in diese Richtung läuft, fällt zuerst der Name Rohweder auf, und das ist einer der HDW-Bosse, der auch im damaligen Blaupausenskandal schon eine Kernrolle im Zusammenhang mit dem Vollinvolvierten, Norbert Gansel spielt.

Gansel, einst MdB und Rüstungsexperte in Bonn, im SPD-Vorstand und später OB in Kiel, wollte gerne Engholm beerben und stellte diesem gemeinsam mit Günter Grass am 11. Oktober 1987 nach der Genfer Mordnacht sein Haus in Meimersdorf für Engholms Alibi zur Verfügung. Engholm traf Barschel nämlich in Genf als der geheimnisvolle Rober Roloff.

Zum Film: Nun brachte sich der alte Marineoffizier Rohweder damals um. Die Marine spielt im U-Boot-Deal und in einer Bombardierungsmodell-Recherche mit dem MAD eine Kernrolle. Per Zufall lernt Silke den Polizisten Möller, alias Kowac kennen, der unter Geheimdienstlegende agierte. Hier treffen also 2 getrennte Geschichten zusammen, wobei man sich fragen muss, ob die Kennlernszene nicht doch von ihm forciert war. So nämlich macht die Story erst richtig Sinn, weil mit diesem Hintergrund bei Silke etwas vermutet wird, was für den MAD wichtig ist und in dem die Polizei eine Rolle spielt!

Wen verkörpert Maxi in der Realität? Diese Frage zu der temperamentvollen Pippi Langstrumpf ergibt sich aus dem Geschehen.

In der realen Welt existiert sehr wohl ein Polizist, der als Wirtschafts-K-Leiter im U-Boot-Deal ermittelte, gleichzeitig ein längeres aktives Liebesverhältnis zur Ehefrau des in Flensburg Hauptbeschuldigten unterhielt und in Konkurrenz zu einem Sonderermittler stand.

Hier in Flensburg wurde Anfang der 80er der Reeder Jacob vermisst. Seine Yacht „EUMEL“ wurde bei Langballig leer an Land getrieben. Am selben Wochenende stürzte sein bester Freund Heitmann in Flensburg mit seiner Zweimotorigen ab. Ein Attentat, welches im LSV als Unfall gedeckt wurde. Zeitgleich flog der falsche Flensburger Amtsarzt Dr. Dr. Bartholdy auf, der in den Kieler-Affären später im Zusammenhang mit der U-Boot Affäre und dem Mord an Barschel mit Pfeiffer und Engholm agierte.
Jacob und Heitmann hingen beide im U-Boot-Deal mit Südafrika und Lateinamerika. Also eingangs die Yacht und am Ende die Badewanne, laden zum Spekulieren ein – was geschah dazwischen?

Fehlende Bilder sind dann die verschwundenen Fotos aus der Genfer Akte, die einen Zusammenhang zwischen U-Boot-Deal und dem Mord an Barschel beinhaltet. Die Szenen am Portal vom Städtischen Krankenhaus zeigen auch dort einmal wieder auf Gansel, der unter Verdacht steht, dort eine unliebsame Person liquidieren gewollt zu haben. Diese Person ist ein alter Freund vom im Mord in Genf ermittelnden Leitenden der StA Lübeck, Heinrich Wille. Krankenhaus und Altenheim sind schon immer bevorzugte stellen für Liquidierungsoperationen gewesen, was hier zur Realität und in die Story passt. Als aktuelles Bindeglied sticht das besonders hervorgehobene Medikament FOLINSÄURE (Formyl-Derivat der Tetrahydrofolsäure) hervor.

Unter dem hochaktuellen SEGEBERGER KLINIK SKANDAL (Kalkberg-Syndrom) spielen ebenfalls im Gesamtzusammenhang Vitamin B12 und Folsäure eine Zentralrolle. Man mordet hier nicht mit Toxinen, sondern durch Unterlassung von lebensnotwendigen Beigaben dieser Substanzen, durch das ein unbequemer Wissensträger liquidiert werden sollte. Derzeit läuft wieder ein Prozess in der Gesamtsache, allerdings ohne öffentlichen Wirbel.
Der Tod von Uhrmacher Kowac lieferte Möller für den Fall der Fälle eine Rückzugsfreikarte, die eigentlich hier keine wesentliche Rolle spielt, aber die Doppelrolle zum Weg ins Eingemachte verdeutlicht.

Möller wird von Maxi unter Druck gesetzt, doch von wem und in welcher Sache wirklich? Ein Monat vorm Platzen der Schubladenaffäre lief ein Brandbrief an Sozialminister Günter Jansen auch bei seinem StS Claus Möller ein. Es ging um die Ankündigung der Schubladenbombe, die Möller zu entschärfen hatte.

In diesem großen Politdeal ist liegt der Schlüssel beim späteren Finanzminister Claus Möller unter Heide Simonis.
Engholm sollte geschützt werden, der im Grunde über Pfeiffers Erpressung wegen dessen Rolle in Genf stolperte, was aber mit der „SCHUBLADEN-AFFÄRE“ legendisiert werden sollte.
Die Doppelrolle von Claus Möller, der ebenfalls in den Mordversuch im Krankenhaus eine ministerielle Position erfüllt, zeigt hier die andere Seite des Braven, der auch in der Story Geld besorgen musste, der nämlich nicht für den MAD oder BND, sondern fürs MfS gearbeitet hat, und auch noch heute in den ROSENHOLZ/SIRA-Dateien erfasst ist.
Die gemeinsame Leiche Silke wurde direkt dort vergraben, wo man es am wenigsten vermutet. Vor ihrem Haus – symbolisch dem Landeshaus, wo Barschel-Mörder und Heide-Mörder unauffällig ein und ausgingen, womit nur Björn Engholm und Ralf Stegner gemeint sein können.
Stegner und Engholm werden von Möller in der Spielfigur eingenommen.

Die Uhrmacherei zeigt eine konzentriert arbeitende Frau (Pippi Langstrumpf), die eher beiläufig und mit subtilem Humor den Weg zum Landeshaus-Friedhof weist. Wieso ist diese Szene so wichtig? Das ist der Fingerzeig in eine Feinwerkbude – die in der Realität eine fast unscheinbare Sonderwerkstatt ist. Die SONDERERMITTLUNGEN laufen aus dieser Art Villa Kunterbunt, als stiller Hinweis in eine 4-seitige TITANIC-Titelstory von 9/95 über die Kiel-Genfer Verbindungen „Spitzenwissen über die Gesamtverquickung – aus den Unterlagen eines Privatdetektivs“.

Frau Greve, die Oma, erinnert an die Kieler Großwäscherei Greve, bei der die „echte“ Pippi Langstrumpf Anfang der 60er noch Jahre Wäsche mit dem gelben Kastenfahrrad ausgefahren hatte.
Der Grabstein von Jule Möller, immer auch ein Symbol in der Story, dass der Weg in den Anfang eines vermeintlichen Endes gefunden ist. Was also wird über Genf und Möllers Rolle im Kontaxt zum TATORT und meiner Nachinterpretation noch auffliegen? Der letzte Satz aus dem Off „…der Zug fährt…“, bedeutet: Aussteigen ist nicht mehr drin – was wäre ein Bahnhof ohne Uhr, und Leute die Uhren kennen und reparieren können?

Peter (pit111) Liebmann aus Flensburg/Kiel am 12.02.2007 um 21:14:
Nachsatz: Der Titel trägt die Schlüsselbotschaft, dass der Gesamtfall der Kieler-Affären noch längst nicht vorbei ist, sondern wieder richtig aufgerollt wird - neuerdings läuft diese Affäre auch unter "Engholm-Spiegel-Affäre" und unter "Kalkberg-Syndrom". Zumindest ist damit diese Coverstory richtig rund. Heide Simonis starb letztendlich mehrfach, einmal durch den Heidemörder und danach im UNICEF-Skandal und auf dem viel zu glatten Tangoboden, auf dem schon G+J mit Tietgen und Werner Kalinka ihren Halt verspielten. Dieser TATORT mag womöglich ursächlich für Heide Simonis späteres Statement sein, in dem einige Blätter sie zitierend titelten: „Ich will nicht wie Uwe Barschel in der Wanne enden!“.
Fast gleichlautend titelte die Welt am 14.09.2007 „Björn Engholm wollte nicht wie Barschel enden“.

Das Ende des Schweigens – der Anfang des Redens – der König wollte seine Dame schützen, zerbrach selbst daran und die Mörderin ging in die Wanne.
Die Schwangerschaft hätte alles ans Licht gebracht – die Schwangerschaft symbolisiert den Gesamtfall Kieler-Affären und der Mord an Silke ist dann die Schubladenlegende mit Heide Simonis als Badeleiche – jetzt ist noch das Schicksal des „Heide-Mörders“ offen…

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nico78

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Bewertung9.0Herausragend

große klasse. gute story. rührend. spannend. gute schauspieler. und wann immer frau jung das wort "liebe" in den mund nimmt, werde ich schwach.

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