Wieder so ein Film, den scheinbar alle toll finden. "The Artist" ist sehr ansehnlich gemacht und die Stummfilmmasche verleiht ihm dazu den nötigen "cineastischen" Anspruch. Leider halten Story und Charaktere nicht im mindesten, was der ästhetische Rahmen verspricht.
George Valentin ist eine Art schmieriger Actionheld der Stummfilmzeit. Privat wird er als Egomane dargestellt, der bestenfalls seinen Hund wirklich mag. Er ignoriert seine Mitschauspieler ebenso wie sein Frau und scheint keinen einzigen Freund zu haben (außer vielleicht seinen Butler/Chauffeur). Als Love-Interest und Antagonistin steht ihm Peppy Miller gegenüber, die den aufstrebenden Tonfilmstar verkörpert. (Ab hier SPOILER). Wir dürfen nun Georges unaufhaltsamen Ab- und ihren gleichzeitigen Aufstieg mitverfolgen, ehe sie ihn am Ende vor dem Selbstmord bewahren muss, damit die beiden endlich doch noch ein Paar werden können (beruflich wie privat). Das ist auch schon die ganze Handlung; eine Charakterentwicklung findet nicht statt, von ernsthaftem Konflikt (außer dem des "Künstlers" mit dem eigenen Ego) keine Spur. Nun ja, am Schluss erfahren wir allerdings noch, weshalb George sich so gegen den Tonfilm gesträubt hat: Durch seinen starken französischen Akzent wäre ihm eine Karriere dort eigentlich verwehrt gewesen.
Im Gegensatz zu tatsächlichen Stummfilmklassikern hat dieser optisch und schauspielerisch durchaus gelungene Film einfach zu wenig zu erzählen. Bis auf den Schlussgag scheint das Medium des Stummfilms eher beliebig gewählt zu sein, und der preisgekrönte Score war für mich eher zu viel des Guten, da er einfach pausenlos dudelt.
Mir fällt da zum Vergleich der argentinische Stummfilm "La Antena" aus dem Jahr 2007 ein, der das Medium nutzt, um eine dystopische Geschichte aus einer Stadt zu erzählen, in der die Menschen ihre Stimme verloren haben. Dort ist das Medium angemessener Ausdruck des Inhalts UND wird intelligent durchbrochen.
"The Artist" wagt in dieser Hinsicht zu wenig (lediglich bei Traumsequenz und Ende) und bleibt so leider weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Sid P. Gini Sun, 22 Jul 2012 18:01:43 -0000
Kommentar löschenWieder so ein Film, den scheinbar alle toll finden. "The Artist" ist sehr ansehnlich gemacht und die Stummfilmmasche verleiht ihm dazu den nötigen "cineastischen" Anspruch. Leider halten Story und Charaktere nicht im mindesten, was der ästhetische Rahmen verspricht.
George Valentin ist eine Art schmieriger Actionheld der Stummfilmzeit. Privat wird er als Egomane dargestellt, der bestenfalls seinen Hund wirklich mag. Er ignoriert seine Mitschauspieler ebenso wie sein Frau und scheint keinen einzigen Freund zu haben (außer vielleicht seinen Butler/Chauffeur). Als Love-Interest und Antagonistin steht ihm Peppy Miller gegenüber, die den aufstrebenden Tonfilmstar verkörpert. (Ab hier SPOILER). Wir dürfen nun Georges unaufhaltsamen Ab- und ihren gleichzeitigen Aufstieg mitverfolgen, ehe sie ihn am Ende vor dem Selbstmord bewahren muss, damit die beiden endlich doch noch ein Paar werden können (beruflich wie privat). Das ist auch schon die ganze Handlung; eine Charakterentwicklung findet nicht statt, von ernsthaftem Konflikt (außer dem des "Künstlers" mit dem eigenen Ego) keine Spur. Nun ja, am Schluss erfahren wir allerdings noch, weshalb George sich so gegen den Tonfilm gesträubt hat: Durch seinen starken französischen Akzent wäre ihm eine Karriere dort eigentlich verwehrt gewesen.
Im Gegensatz zu tatsächlichen Stummfilmklassikern hat dieser optisch und schauspielerisch durchaus gelungene Film einfach zu wenig zu erzählen. Bis auf den Schlussgag scheint das Medium des Stummfilms eher beliebig gewählt zu sein, und der preisgekrönte Score war für mich eher zu viel des Guten, da er einfach pausenlos dudelt.
Mir fällt da zum Vergleich der argentinische Stummfilm "La Antena" aus dem Jahr 2007 ein, der das Medium nutzt, um eine dystopische Geschichte aus einer Stadt zu erzählen, in der die Menschen ihre Stimme verloren haben. Dort ist das Medium angemessener Ausdruck des Inhalts UND wird intelligent durchbrochen.
"The Artist" wagt in dieser Hinsicht zu wenig (lediglich bei Traumsequenz und Ende) und bleibt so leider weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
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