[...]John Maddens „The Best Exotic Marigold Hotel“ ist eine mirakulöse Ode an die Generation Ü60 und wie sie sich zurecht zu finden versucht, als allein die Anzahl der gelebten Tage aus dem folgenden ein ganz anderes Leben machen kann. The Best Escapistic Feel Good Movie findet jederzeit einen herrlichen, leichten, wehmütigen, bewegenden, dramatischen, witzigen, bedauernden, hoffnungsvollen, einfach immer den richtigen Ton, um die Gruppe der altersgefrusteten Pensionäre auszuverhandeln. Ganz ohne Furzwitze und jene Art welt- und zeitfremder Absonderlichkeit und Fremdscham, in der der alte Mensch an sich sonst so als schrullige Randfigur in Filmen abgetan wird. Zwar thematisiert auch „The Best Exotic Marigold Hotel“ mal Verdauungsprobleme, aber dem ebenfalls über sechzigjährigen Madden gelingt insgesamt ein ungemein frischer, aufrichtiger und wahrhaftiger Umgang mit dem finalen Lebensabschnitt, der für viele geprägt ist vom Gefühl der Vereinsamung, des nicht mehr gewollt Seins in einer Welt, die in ihrer ganzen Entwicklung längst an einem vorbei gerast ist und immer nur noch mehr Gas gibt.[...]
[...]„The Best Exotic Marigold Hotel“ ist ein aus vollem Herzen menschlicher Film, der environmentale Aspekt des Handlungsortes Indien beschränkt sich weitenteils auf seine Auswirkung auf die Entwicklung der Figuren. So wie ein anderer großer britischer Ensemblefilm, Richard Curtis‘ „Love Actually“, trotz seines Kingdom vs. USA-Subplots kein aufschlussreiches Abbild vom Zwist zweier Großmächte und von Volkesstimmung gegenüber einer hörigen Regierung war, so ist „The Best Exotic Marigold Hotel“ keine Aufarbeitung des Verhältnisses zwischen Indern und der ehemaligen Kolonialmacht Großbritanien, keine breitfächrige Problemanalyse und –anklage des Subkontinents und in seiner simplifizierten Darstellung kein Lösungsmodell dafür – was ja alles nicht bedeutet, dass diese Werke überhaupt nichts von Wert zu sagen hätten. Ein Film wie „The Best Exotic Marigold Hotel“ muss keine großen Fragen stellen, die er eh nicht beantworten kann und darf statt dessen von kleineren Dingen und persönlichen Schicksalen erzählen, denn wer sich für die zu wichtig nimmt, der hat zu den großen Themen sowieso nichts zu sagen.[...]
[...]Doch selbst wenn die Geschichten durch die Bank weniger gelungen, weniger ehrlich wären und wenn der Film sie allzu sahnig und kirschgekrönt servieren würde, dann gäbe es da ja immer noch dieses wundervolle Ensemble. Namen wie Judi Dench, Bill Nighy, Maggie Smith oder Tom Wilkinson holen sich die dicken Produktionen wie Bond, „Pirates of the Caribbean“, die „Potter“-Reihe oder Nolans „Batman Begins“ zur Zierde hinzu, phänomenale, ausdrucksstarke Charakterdarsteller, die die Schleife um’s Paket binden und in „The Best Exotic Marigold Hotel“ nun zugleich beschenkt werden und selbst Geschenke verteilen. Die Vier genannten und außerdem Penelope Wilton, das Ridley Scott-Double Ronald Pickup und Celia Imrie bekommen einen Film, der nicht auf faltenfreien Jugendwahn setzt und sie alle liefern eingängliche Leistungen, britisch-trocken, ohne falsches zur Schau stellen gefühlvoll, auch mal voll tiefem Kummer und Verbitterung und dann wieder voller Leben aufblühend. Insgesamt ist „The Best Exotic Marigold Hotel“ einer dieser Film, der gerne noch eine Stunde länger laufen, seinen tollen Darstellern und den wunderbaren Geschichten ihrer Figuren gerne noch mehr Zeit schenken dürfte, nicht nur, um diese und manche Entwicklungen noch ein bißchen runder wirken zu lassen.[...]
ChristiansFoyer Fri, 15 Jun 2012 17:43:37 -0000
Kommentar löschen[...]John Maddens „The Best Exotic Marigold Hotel“ ist eine mirakulöse Ode an die Generation Ü60 und wie sie sich zurecht zu finden versucht, als allein die Anzahl der gelebten Tage aus dem folgenden ein ganz anderes Leben machen kann. The Best Escapistic Feel Good Movie findet jederzeit einen herrlichen, leichten, wehmütigen, bewegenden, dramatischen, witzigen, bedauernden, hoffnungsvollen, einfach immer den richtigen Ton, um die Gruppe der altersgefrusteten Pensionäre auszuverhandeln. Ganz ohne Furzwitze und jene Art welt- und zeitfremder Absonderlichkeit und Fremdscham, in der der alte Mensch an sich sonst so als schrullige Randfigur in Filmen abgetan wird. Zwar thematisiert auch „The Best Exotic Marigold Hotel“ mal Verdauungsprobleme, aber dem ebenfalls über sechzigjährigen Madden gelingt insgesamt ein ungemein frischer, aufrichtiger und wahrhaftiger Umgang mit dem finalen Lebensabschnitt, der für viele geprägt ist vom Gefühl der Vereinsamung, des nicht mehr gewollt Seins in einer Welt, die in ihrer ganzen Entwicklung längst an einem vorbei gerast ist und immer nur noch mehr Gas gibt.[...]
[...]„The Best Exotic Marigold Hotel“ ist ein aus vollem Herzen menschlicher Film, der environmentale Aspekt des Handlungsortes Indien beschränkt sich weitenteils auf seine Auswirkung auf die Entwicklung der Figuren. So wie ein anderer großer britischer Ensemblefilm, Richard Curtis‘ „Love Actually“, trotz seines Kingdom vs. USA-Subplots kein aufschlussreiches Abbild vom Zwist zweier Großmächte und von Volkesstimmung gegenüber einer hörigen Regierung war, so ist „The Best Exotic Marigold Hotel“ keine Aufarbeitung des Verhältnisses zwischen Indern und der ehemaligen Kolonialmacht Großbritanien, keine breitfächrige Problemanalyse und –anklage des Subkontinents und in seiner simplifizierten Darstellung kein Lösungsmodell dafür – was ja alles nicht bedeutet, dass diese Werke überhaupt nichts von Wert zu sagen hätten. Ein Film wie „The Best Exotic Marigold Hotel“ muss keine großen Fragen stellen, die er eh nicht beantworten kann und darf statt dessen von kleineren Dingen und persönlichen Schicksalen erzählen, denn wer sich für die zu wichtig nimmt, der hat zu den großen Themen sowieso nichts zu sagen.[...]
[...]Doch selbst wenn die Geschichten durch die Bank weniger gelungen, weniger ehrlich wären und wenn der Film sie allzu sahnig und kirschgekrönt servieren würde, dann gäbe es da ja immer noch dieses wundervolle Ensemble. Namen wie Judi Dench, Bill Nighy, Maggie Smith oder Tom Wilkinson holen sich die dicken Produktionen wie Bond, „Pirates of the Caribbean“, die „Potter“-Reihe oder Nolans „Batman Begins“ zur Zierde hinzu, phänomenale, ausdrucksstarke Charakterdarsteller, die die Schleife um’s Paket binden und in „The Best Exotic Marigold Hotel“ nun zugleich beschenkt werden und selbst Geschenke verteilen. Die Vier genannten und außerdem Penelope Wilton, das Ridley Scott-Double Ronald Pickup und Celia Imrie bekommen einen Film, der nicht auf faltenfreien Jugendwahn setzt und sie alle liefern eingängliche Leistungen, britisch-trocken, ohne falsches zur Schau stellen gefühlvoll, auch mal voll tiefem Kummer und Verbitterung und dann wieder voller Leben aufblühend. Insgesamt ist „The Best Exotic Marigold Hotel“ einer dieser Film, der gerne noch eine Stunde länger laufen, seinen tollen Darstellern und den wunderbaren Geschichten ihrer Figuren gerne noch mehr Zeit schenken dürfte, nicht nur, um diese und manche Entwicklungen noch ein bißchen runder wirken zu lassen.[...]
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