The Hidden Blade - Kritik

Kakushi ken oni no tsume

JP · 2004 · Laufzeit 132 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
  • 8 .5
    SamRamJam 21.11.2016, 17:50 Geändert 21.11.2016, 17:54

    Leichte Spoiler

    Yôji Yamada inszeniert unaufgeregt ein berührendes, weil glaubwürdiges, Bild eines Provinzsamurais, der in der Meiji- Ära¹ nach seinem Platz im Leben sucht, zwischen Pflicht und Liebe, Stand und Ehre. Dieser Film lohnt sich vor allem für eine Zweit- und auch Mehrfachsichtung, da hier viele Geschichtchen am Rande erzählt werden. Die Liebesgeschichte zwischen einem Adligen und einer Bediensteten ist süß, aber ein alter Hut. Der "Bruderkampf" am Ende auch, zumal dieser so wenig Platz einnimmt, dass man diesen ohnehin schnell übersehen kann. Urplötzlich soll der Typ, der am Anfang für eine Minute kurz zu sehen war und mit einem Boot Richtung Sonstwohin geschippert ist, der große Endgegner sein?! Aha.

    Seine volle Kraft entfaltet der Film in seinen vielen kurzen Episoden - die ich hier gar nicht alle aufzählen kann, auch wenn ich gern möchte - die nicht nur wie so oft einen Werte- und Traditionsverlust hinterherweinen, sondern gerade diesen auch immer wieder hinterfragen, seine Brüchigkeit wird im korrupten Lehnsherren ebenso gezeigt, wie seine Widersprüchlichkeit in der Liebe zwischen den Ständen. Wie kann echte Liebe geächtet werden wo schneller Sex (der zudem mit einer Lüge um die Begnadigung des Ehemannes einherging) erlaubt ist?

    Geehrte Provinzsamurais, die letzlich nur Befehle befolgen und nicht die moderne Kriegsführung verstehen, selbst sogar nie an einem Krieg beteiligt waren, gegen verstossene Ronin aus der heiligen Hauptstadt, die sehr wohl wissen, was es bedeutet, zu töten. Licht und Schatten, Glanz und Schmutz.

    Ich gebe zu, der Film ist sehr zäh, und gerade in der ersten Hälfte glaubt man, nur einer altbekannten Liebesmär im japanisch- historischem Gewand zuzusehen. Es braucht schon etwas Sitzfleisch, um bis zum Ende die Zusammenfügung der einzelnen Fäden zu erleben. Und eine erneute Sicht wird wohl auch auf sich warten lassen. Aber diesen Film alle paar Jahre aus dem Schrank zu kramen lohnt sich.

    Meiner Meinung nach einer dieser Filme, die man nach der Erstsicht gar nicht bewerten sollte, sondern erst nach der Zweitsicht. Selbst wenn ein bis zwei Jahre dazwischen liegen. Denn dieser Film ist nicht reißerisch², er ist auch nicht schlau³. Er ist weise.

    ¹= politische Öffnung Japans und damit einhergehende Modernisierung der Armee, was zum Ständeverlust der Samurai führte, und somit natürlich zum Verlust ihrer Vorrechte, sowie, gemessen an dem späteren Gehalt eines Offiziers, auch ihres Reichtums. Wogegen die Samurai dann auch ursprünglich in den Kampf zogen. Und nicht, weil sie Ehre so geil fanden und sie gerne Kirschblüten an Bäumen zählten, wie in diesem Schrottfilm "Last Samurai" dargestellt. Wie ich diesen Film nicht ausstehen kann, würg!
    ²= Tatsächlich bekommt man im gesamten Film nicht eine Samurai- Rüstung zu sehen. Ich meide an dieser Stelle mal das Wort "realistisch", denn wer kann schon sagen was früher wirklich war, aber in der angenommenen Realitätsnähe, ist er schon sehr glaubwürdig. Hier werden Samurai vor allem auch als Hausherren gezeigt, und nicht nur als reine Krieger.
    ³= Dieser Film ist der zweite Teil von Yamadas "Samurai- Trilogie". Den dritten, Love and Honor, kenne ich noch nicht. Aber der erste, Twilight Samurai, dürfte in seiner Ausrichtung für ein breiteres Publikum gefälliger sein. Rein unterhaltungstechnisch gefällt mir Twilight Samurai auch mehr, auch wenn er sicherlich plakativer ans Werk geht als der hier vorliegende Hidden Blade.

    10
    • 7 .5

      "Yoji Yamada hat mit dem weltweit gefeierten „The Twilight Samurai – Krieger der Dämmerung“ ein ganz schönes Pfund hingelegt. Zwar war der Film nicht frei von Fehlern, er zeichnete aber ein reales Bild vom Leben als Samurai. Damit hat er die Messlatte für sein Nachfolgewerk „The Hidden Blade – Das verborgene Schwert“ sehr hoch gelegt, zumal es im gleichen Genre angesiedelt ist [...]
      Viel mehr im Mittelpunkt steht der langsame Verfall der alten Samurai-Werte. Am besten ist das in den Szenen zu sehen, in der die Dorf-Samurai von einem Abgesandten aus der Hauptstadt Edo unterrichtet werden [...]
      Yamada versucht anscheinend, den Erfolg von „The Twilight Samurai – Krieger der Dämmerung“ zu wiederholen, indem er einfach noch einmal das Gleiche zeigt. Dabei fehlt allerdings der Überraschungseffekt: Das Leben von Munezo ist nicht annähernd so aufregend und anstrengend wie das von Seibei Iguchi [...]
      Yamada hätte mit „The Hidden Blade – Das verborgene Schwert“ einen Film schaffen können, der seinen bereits guten Vorgänger übertrumpft [...]"

      1
      • 7 .5

        Sehenswertes Samurai Epos Romanze. Mit einer bildhübschen Kie (Takako Matsu)und einem wahrhaftig Gutmütigen Samurai.

        1
        • 10

          Weniger ein bloßer Samurai- Film als vielmehr ein umfassendes Portrait der, sich im Umbruch befindenden, japanischen Gesellschaft, zeigt dieser großartige Film die Spannungen zwischen den Zwängen der Tradition und den Möglichkeiten der Moderne anhand des Samurai Katagiri auf. Der Film erzählt seine Geschichte in ruhigen Bildern und trotz der Tragik der Ereignisse stets mit einer gewissen Leichtfüßigkeit und in teils heiterem Ton. Niemals hat man das Gefühl, daß der Film den mahnenden Zeigefinger schwingt. Umgekehrt wird die Zeit damals aber auch nicht romantisiert, geschweige denn glorifiziert. Im Gegenteil: Gerade am Schicksal der weiblichen Hauptfigur Kie, wird deutlich wie sehr, gerade Frauen, den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen ausgeliefert waren. Auch Katagiri erscheint als Spielball der Mächtigen und als Charakter der mit sich selbst und seiner Rolle als Samurai im Unreinen ist. Einerseits verachtet er das alte Ständesystem und die Bigotterie und den Hochmut der Eliten, andererseits hält er hohe Stücke auf die ehrenvollen Ideale der Samurai und einzig sein Stand ermöglicht es ihm, zu Anfang des Filmes, ohne große Schwierigkeiten bei der Händlerfamilie einzudringen und sein geliebtes Dienstmädchen Kie aus den Klauen ihrer garstigen Schwiegermutter zu befreien.
          Bei aller Kritik am alten Ständesystem behält es sich Regisseur Yoji Yamada nicht vor aufzuzeigen, daß die Moderne in vielerlei Hinsicht auch nicht viel besser ist. Das geschieht durch die wiederkehrende, effiziente Einspielung von Truppenübungs- Szenen, in denen zu sehen ist wie aus traditionellen japanischen Heeren, eine Armee nach westlichem Vorblid geschaffen werden soll. Vorläufer der sich am Horizont abzeichnenden Meiji- Restauration, der Wehrpflicht und der Entmachtung der Samurai.
          Das traditionelle System des Tötens, das noch den Kampf Mann gegen Mann vorsah, in gegenseitigem Respekt und Anerkennung, soll also durch ein mechanisiertes System der anonymen Massentötungen über große Distanz ersetzt werden. Moderne Kriegsführung eben.

          So hält sich der Film im Hinblick auf Urteile über dies oder jenes vornehm zurück und endet konsequent mit einem positiven Ausblick auf die Zukunft der Protagonisten.

          4
          • 8 .5

            "Kakushi Ken - Das verborgene Schwert" ist ein ruhiger Film über das Leben eines Samurai. Wie in "Last Samurai" mit Tom Cruise geht es um die Öffnung zur westlichen Welt.
            Doch anders als im Cruise Film ist ein realistischer Film entstanden, der in leisen Tönen und mit ausdrucksstarken Darstellern (besonders Masatoshi Nagase als Samurai Munezo Katagiri und Takako Matsu als Kie) diese aufwühlende Zeit darstellt.
            Zwei Freunde müssen auf Leben und Tod miteiander kämpfen. Es geht um Ehre, verlorene Unschuld und Moral, einen unehrenhaften Lehnsherren, Schuld und Sühne. Große Themen, die einfühlsam und in ausdrucksvollen Bildern vermittelt werden, ohne zu überfrachtet zu werden oder zu schwülstig oder kitschig gespielt zu werden.
            Ganz großes Kino, absolut empfehlenswert, nur muss man sich auf einen ruhigen Film mit intelligenten Dialogen und wenig Action (trotz der an sich spannenden Handlung) einlassen können.

            3
            • 7 .5

              Kann den Vorkommentatoren nur beipflichten, in ruhigen Bildern wird eine realistische Geschichte erzählt, wer einen Actionfilm erwartet, sollte sich was anderes anschauen wie den wesentlich reisserischen aber schlechteren" The last Samurai mit Tom Cruise".

              • 7

                "Das verborgene Schwert" ist ein wirklich interessanter und schöner Film.

                Ich möchte allerdings zunächst erwähnen, dass ich normalerweise kein großer Freund von Samurai-Filmen bin. Aber da ich die Filme von Yamada Yōji wirklich sehr mag (vorallem "Kabei - Our Mother" und "Otōto"), habe ich mir auch "Samurai der Dämmerung" und eben "Kakushi Ken - Das verborgene Schwert" angesehen. Ich persönlich finde, dass Yamadas Filme die besten Werke im Samurai-Genre sind (zumindest von denen, die ich kenne). Sie gefallen mir auch mehr als die von Kurosawa Akira.

                "Kakushi Ken - Das verborgene Schwert" thematisiert unterschiedliche Geschehnisse im Leben der Samurai aus der Zeit, als sich Japan gegenüber ausländischen Einflüssen langsam öffnet. Der Film zeigt in wunderschönen und ruhigen Bilder eine Welt im Wandel und zeichnet ein realistischeres Bild der Samurai, die ein eher weniger heroisches Leben führen. Vielmehr sind sie wegen ihrer Stellung und ihres Kodexes in vielen Dingen des Lebens eher eingeschränkt und sind gezwungen, selbst unliebsame Entscheidungen zu treffen. Zusätzlich leben sie eher in verhältnismäßiger Armut ohne Aussicht auf Verbesserung solange sie im Stande des Samurai verbleiben.

                Veranschaulicht werden diese Themen am Beispiel des Samurais Katagiri. Diese Rolle wird von Nagase Masatoshi verkörpert, den man zum Beispiel aus einer Rolle in Jim Jarmuschs "Mystery Train" kennt. Katagiri steht vor mehreren persönlichen Problemen. Er hat in seinem Leben bisher noch nie sein Schwert einsetzen müssen und ist jetzt gezwungen gegen einen Freund zu kämpfen. Zusätzlich ist er insgeheim in das Dienstmädchen Kie verliebt, das er aus einer unglücklichen Heirat befreit, allerdings jedoch nicht heiraten kann, da diese aus einem niederen Stande ist.

                Besonders stark merkt man Yamadas Filmen ein Mitgefühl für Frauen an. Das zeichnet ihn sehr aus.

                Fazit: "Das verborgene Schwert" ist selbst für Leute empfehlenswert, die sich nicht für Samurais interessieren.

                5
                • 7 .5

                  Ein junger Samurai steht im Zwiespalt zwichen Tradition und Moderne. Er selbst denkt eigentlich fortschittlich was ihm einiges an Ärger einbringt. Dies ist eigentlich das Grundthema des Films, der sehr fesselnd erzählt wird. Auch der Schwertkampf ist perfekt in Szene gesetzt.
                  Spannender und glaubhafter Samuraifilm, der in einem sich wandelnden Japan spielt.

                  1
                  • 5 .5

                    Die Story erinnert stark an die literarischen Ergüsse von Rosamunde Pilcher: im Japan des 19. Jahrhunderts herrschen allmächtige Clans, es gibt strenge Standesunterschiede und die Ehre des Samurai steht über allem. Da ist für die Liebe zwischen einer Hausmagd und einem Adligen kein Platz. Doch das allein wäre Regisseur Yamada zu einfach. Er fügt noch einen Bruderkampf hinzu mit Verrat und Hinterlist. Als Rahmen - und das entbehrt nicht einer gewissen Komik - dient der Gegensatz von Tradition und Fortschritt. Der Kampf mit dem Samuraischwert oder dem Gewehr. Und beides wird im finalen Showdown als Entscheidungsmittel eingesetzt. Auch andere allzu menschliche Bedürfnisse bieten Anlass für Heiterkeit. Man erfährt viel über den Alltag im alten Japan, der sich allerdings durch den fernöstlichen Charme von dem in Europa der damaligen Zeit wesentlich unterscheidet. Und wie immer bei Yamada hat der Titel eine doppelbödige Bedeutung, die erst zum Schluss erklärt wird.

                    1
                    • 8 .5

                      Hart und gut gemacht, wenn man es mag!
                      I love it !
                      Billy

                      • 8

                        The Hidden Blade ist ein realistisches Samuraidrama, das viele Parallelen zu "Twilight Samurai" aufweist. Sehenswerter Film besonders für Freunde des Genres.

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