Der Feind in meinem Herzen
L'intrus (2004), FR Laufzeit 120 Minuten, Drama
1 Bewertungen
Skala 0 bis 10
13 Bewertungen
4 Kommentare
Keine
von Claire Denis, mit Michel Subor und Grégoire Colin
In einer einfachen Hütte in der Wildnis des französischen Juras lebt Louis Trebor ein Eremitenleben. Einsam durchstreift er mit seinen zwei Hunden die bewaldeten Berge. Oft fühlt er, als würden die Schatten seiner Vergangenheit ihn verfolgen. Trebors Körper ist robust, allein sein Herz will nicht mehr richtig schlagen. Die Beziehung zu seinem Sohn Sydney, der eine Grenzbeamtin geheiratet hat, ist erkaltet. Trebor entschließt sich zu einer Herztransplantation. Er lässt die Gegenwart hinter sich, seine Heimat und seinen Sohn, und bricht auf in Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen. Er macht sich auf die Reise von Nord nach Süd – von den Bergen des französischen Juras, in die Schweiz, über Südkorea in die Südsee. Der Anfang von einem besseren Leben, freier, schöner und frei von Schuld. Trebor kehrt zurück nach Polynesien – einst war er als junger Mann in der Südsee an Land gegangen und hatte dort einen Sohn gezeugt. Sein alter einheimischer Freund Henri hilft ihm, sich in seiner früheren Wohnstätte wieder einzurichten. Trebor erkrankt erneut, Henri bemüht sich, den verlorenen Sohn zu finden. Am Ende von Trebors Reise wird sich der Kreis schließen, Schuld wird gesühnt und Gleiches mit Gleichem vergolten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Nord und Süd werden eins.
Cast & Crew
- Genre
- Drama





















Kommentare (4) — Film: Der Feind in meinem Herzen
Weltenkind Sat, 25 Aug 2012 10:52:30 -0000
Kommentar löschenDie einfachste Definition von Kunst: Schönheit.
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Sigrun Sat, 30 Jun 2012 14:02:37 -0000
Kommentar löschenAuf den ersten Blick erkannte ich nicht, wie unendlich reich dieser Film ist. Auf den zweiten, dritten, nächsten ... lerne ich sehen.
"Der Feind in meinem Herzen" heißt im Original besser, nämlich "L'Intrus" und ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jean-Luc Nancy, seines Zeichens französischer Dekonstruktivist und einer der bekanntesten Schüler Derridas. Nancy hatte - wie der Protagonist des Films - 1991 eine Herztransplantation und das Buch handelt vom Herz als Eindringling, das für den Patienten bedrohlich und lebensspendend zugleich ist. Hieran schließen sich weitere Überlegungen hinsichtlich Grenzen jedweder Art (auch politischen, auch persönlichen, auch zwischenmenschlichen, auch unausgesprochenen, schließlich auch jenen der filmischen Wahrnehmung) an.
Claire Denis' Film ist mehr als gelungen. Extrem schwer und äußerst leicht zugänglich in gleichem Maße - klingt paradox, aber sobald man sich ein wenig auf die Suche nach Anknüpfungspunkten in der dekontruktivistischen Literatur macht, sprudeln die Ideen. Zu mir hat am meisten das Gleichnis vom verlorenenen (und vom zurückgelassenen) Sohn gesprochen, auch wenn ich da noch längst nicht jedes Rätsel gelöst habe ...
Da "L'Intrus" derzeit in der deutschen Übersetzung nicht lieferbar ist, hier ein Zitat von Nancy: "Ich bin die Krankheit und die Medizin, ich bin die kanzeröse Zelle und das verpflanzte Herz, ich bin die das Immunsystem schwächende Kraft. Ich bin die Enden der eisernen Fäden, die meinen Brustkorb zusammenhalten und die Einspritzöffnung, die für den Rest meines Lebens unterhalb meines Schlüsselbeins angebracht ist, so wie ich früher bereits die Schrauben in meiner Hüfte und die Platte in meinem After war. Ich verwandle mich in einen Androiden der Science-Fiction oder in einen Scheintoten."
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Sigrun Sat, 30 Jun 2012 14:14:08 -0000
Antwort löschenIn diesem Sinne: Ich bin der Beginn unserer offline-Ferien und verfüge mich hiermit in die Wildnis bzw. was davon noch übrig ist :o)
Tyler__Durden Sat, 30 Jun 2012 14:43:38 -0000
Antwort löschenDann haste dir aber den perfekten Film ausgesucht um dich in den Urlaub zu verabschieden. :)
Sigrun Tue, 03 Jul 2012 08:39:11 -0000
Antwort löschenSehr schön beobachtet und gesagt! Bin leider ein bisschen aufgehalten worden und versuch den Aufbruch jetzt noch mal :)
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Tyler__Durden Tue, 03 Jul 2012 09:14:54 -0000
Antwort löschenNa dann schöne Bräunung.:)
Sigrun Tue, 03 Jul 2012 10:12:29 -0000
Antwort löschenMerci! Bin aber eher der Typ für Mückenstiche ;-)
Ich_mache_Seife Thu, 02 Feb 2012 13:23:24 -0000
Kommentar löschenFaszination. Nur ein einziges Wort und doch beschreibt es mein Empfinden, was diesen Film betrifft, am allerbesten. Tief beeindruckt bin ich von der Sprache, dem Wesen und der Form, die Claire Denis diesem Werk verliehen hat. "L'Intrus" hat zu jeder Sekunde die Züge eines Fiebertraums, der meine Gedanken gefangen nahm und in jedem Fall nach weiteren Sichtungen ruft. Ihrem Bilderfluss wohnt eine bewundernswerte Kraft und Sensibilität inne wie ich sie nicht oft erfahren habe. Ähnlich wie in "Trouble every day" war für mich das vollkommene Verstehen der inhaltlichen Ebene nicht von Bedeutung, gereicht doch ein Begreifen dessen, was Kino zu vollbringen im stande ist, um hier in seinen zahlreichen, virtuos komponierten Momenten es ein ums andere mal zu spüren. Zu spüren wie groß ein Film sein kann.
Eines der überragendsten Werke des 21. Jahrhundert und eine Demonstration der überwältigenden Möglichkeit der visuellen Erzählung.
Claire Denis - meine Grande Dame des Kinos - nicht nur des französischen!
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Tyler__Durden Thu, 02 Feb 2012 13:30:29 -0000
Antwort löschenJa!Ja!Ja!Ja!Ja!
Ich_mache_Seife Thu, 02 Feb 2012 13:33:34 -0000
Antwort löschenDa muss ich dir allerdings noch danken, denn dein Kommentar hat mich erst aufmerksam gemacht! :-)
Tyler__Durden Thu, 02 Feb 2012 14:10:33 -0000
Antwort löschenDeshalb habe ich ihn auch geschrieben. Dann hat es also ja doch was gebracht. :)
Tyler__Durden Thu, 02 Feb 2012 23:38:13 -0000
Antwort löschenPS: http://www.youtube.com/watch?v=3ah6pnHx91M
nini_paga Fri, 03 Feb 2012 01:33:22 -0000
Antwort löschenWow! Hört sich vielversprechend an!
Ich_mache_Seife Fri, 03 Feb 2012 08:24:54 -0000
Antwort löschen@Tyler
Vielen Dank für den Link. Da möchte man gleich wieder in den Genuss des Eintauchens in den Film kommen. Vielleicht wird ihm sogar noch die Ehre zuteil auf meiner Herzliste ein Plätzchen zu ergattern, nah dran wie fast kein anderer ist er jedenfalls.
@nini
Bin zwar immer vorsichtig mit Prognosen, glaube allerdings, dass du sehr angetan von ihm sein könntest.
Trouble every day scheint dich ja auch mehr als überzeugt zu haben. :-)
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nini_paga Mon, 06 Feb 2012 12:29:04 -0000
Antwort löschenDa hast du ja echt nicht zu viel versprochen! Ihre Filmsprache und die Einbeziehung der Natur ins Bild, ist echt einzigartig und absolut poetisch!
Ich_mache_Seife Mon, 06 Feb 2012 14:04:39 -0000
Antwort löschenSchön zu lesen, dass er dir so gut gefallen hat.
Tyler__Durden Mon, 19 Dec 2011 19:50:47 -0000
Kommentar löschenEs gibt diverse Arten einen Film zu machen. Etwas zu erzählen. Etwas uns fühlen oder uns denken zu lassen. Gibt es doch nicht nur eine Sprache des Filmes sondern diverse. Zahlreiche sogar, alle mit ihrer eigenen Kraft und Daseinsberechtigung. Das diese Tatsache für Zuschauer sowie zahlreiche Filmschaffende immer noch eine unbekannte zu sein scheint ist traurig, keine Frage. Speziell wenn man eine spezifische Grammatik irgendwann so sehr beherrscht das alles was sich ihrer bemächtigt nur noch träge und lustlos aufgenommen wird von dem der eigentlich ein aktiver Partizipant in der Kreation des Kunstwerks sein soll. Stimulation, sei es die des Geistes oder des Herzens, ist dann lange schon ein Fremdwort geworden. Doch macht diese Abstinenz von wahrlicher Innovation in der Kunst, diese vollkommene leere in der Ausreizung dieser individuellen Sprache es nur noch mystischer und frischer wenn jemand auf ein mal kommt und in einer vollkommen neuen Sprache mit einem redet. Claire Denis erreicht in diesem Film nun endlich eine für sie neue Ebene der filmischen Sprache. Eine welche sich über mehrere Filme selbst zu entwickeln versuchte. Es erfordert also vollste und ungebrochene Aufmerksamkeit um zu hören und zu sehen. Um zu verstehen was sie sagt. Es ist Neuland von ihr, unerklärtes Neuland welches man betritt. Keine Exposition, außer in den temporären Gesten, den Körpern und ihrer Platzierung im Raum. Erinnerung in einer rissigen Zentrifuge. Vermischt und getrennt in Zeit und Realität. Das einzige was bleibt sind Bilder und Töne um zu verstehen. Um sie zusammen zu halten. Sie in einem Schnitt aber wieder zu zersplittern. Es ist eine Existenz so verloren in sich selbst wie die des Charakters welchem wir folgen, in welch ungreifbares inneres wir eintauchen und und in welch Wahrnehmung wir uns verlieren. Wiederholtes betrachten ist hier notwendig zur Kommunikation! Denn was Claire Denis hier gemacht hat ist unglaublich unbekannt und fordernd da, obgleich tatsächlich für das geschulte Auge grammatikalische Ähnlichkeiten in filmischer Sicht zu anderen Filmen erkennbar sind (hauptsächlich Yoshidas Heroic Purgatory und Manns Miami Vice), L'intrus trotz alledem durch und durch singulär in seiner Sprache ist. Eine wahrliche Evolution, und kaum einer hat es bemerkt.
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Schlegel Wed, 27 Jun 2012 10:28:03 -0000
Antwort löschenJetzt sollte ich wohl "Miami Vice" gucken.
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Tyler__Durden Wed, 27 Jun 2012 13:12:01 -0000
Antwort löschenJa solltest du.
Tyler__Durden Sun, 01 Jul 2012 18:25:13 -0000
Antwort löschenWie fandest du den hier eigentlich? Die Wertung ist ja positiv aber eben nur eine Zahl, hast du denn auch ein paar Worte für den Film?