The Sessions - Wenn Worte berühren - Kritik

The Sessions

US · 2012 · Laufzeit 96 Minuten · FSK 12 · Drama, Komödie · Kinostart
  • 7
    Deusfantasy 05.02.2016, 13:30 Geändert 05.02.2016, 14:01

    Sexualität bei Behinderung ist bei Filmemachern ein leider viel zu häufig tabuisiertes Thema. Nicht viele trauen sich an einen solch heiklen Stoff heran, da es nur allzu leicht in eine peinliche Richtung und somit danebengehen kann. Erfreulicherweise hat sich Regisseur Ben Lewin mit "The Sessions", der auf einer wahren Geschichte basiert, diesem heiklen Unterfangen jedoch angenommen. Dabei geht er das Thema auf eine völlig unverblümte und humorvolle Weise an, wodurch ein sehr intimer, ehrlicher und zutiefst menschlicher Film entstanden ist.
    Sex wird hier sachlich und detailliert gezeigt, weshalb der Akt als solches, trotz komplett nackter Tatsachen, niemals schlüpfrig oder prüde wirkt. Natürlich kann die Sache nur glaubhaft rüberkommen, wenn auch die Schauspieler funktionieren. Helen Hunt, die - leider mit sichtbar viel Botox im Gesicht - vollen Körpereinsatz zeigt, ist stets einfühlsam und harmoniert sehr gut mit John Hawkes. Dieser wiederum liefert hier als komplett gelähmter Mark O'Brien eine famose Performance ab. Er schafft es nur anhand seines Gesichts und dessen Mimik seine ganze Gefühlswelt zu offenbaren.
    Es bleibt jedoch äußerst schade, dass sein Charakter doch recht eindimensional gezeichnet ist, denn dieser Mark O'Brien war im wirklichen Leben ein zutiefst faszinierender Mensch. Im Film dreht sich für ihn stattdessen fast alles nur um Liebe und Sex. Auch scheint er in Anbetracht der Umstände ein unglaublich positiver Mensch zu sein. Woher diese Einstellung herkommt, vermag der Film nicht zu beantworten. Ein wenig mehr Hintergrund seiner Lebensgeschichte hätte dem Film hier sichtlich gut getan.
    Der Humor dagegen sitzt zwar meistens, gerade die Gespräche zwischen Mark und Pater Brendan, der von William H. Macy verkörpert wird, sind durch die Komik die entsteht, wenn Religion auf Sex trifft, sehr unterhaltsam. Doch kommt die Tragik der Thematik dadurch klar zu kurz. Hier kämpft niemand gegen Verzweiflung und Sinnlosigkeit, sondern will einfach nur seine Jungfräulichkeit verlieren. So gibt es beispielsweise erst kurz vor Ende eine wirklich dramatische Situation, die sich dann auch noch in Wohlgefallen auflöst. Das ist schade, da man merkt, der Zuschauer soll den Film unbedingt mit einem Lächeln und positivem Gefühl verlassen. Das hat „The Sessions“ auch bei mir geschafft, wodurch ich dem Film letzten Endes auch trotz einiger Makel sehr wohlgesonnen gegenüberstehe. Denn egal wie viel man nun am Ende hier und da auch kritisieren mag, letztlich ist es sehr gut, dass es diesen Film überhaupt gibt und er sich mit diesem Thema auseinander setzt. Schließlich haben auch behinderte Menschen sexuelle Bedürfnisse.

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    • 7 .5

      Es ist doch große Kunst, wenn jemand das unmögliche in Wort fasst. Geschweigedenn, wir Anteil an etwas haben zu können, vor dem wir sonst zurückschrecken würden. Dieses Etwas ist im Fall von "The Sessions" die Intimität zwischen zwei Menschen. Und nicht, dass wir moralische Kindsköpfe davor ekeln würden. Nein, wir fühlen uns vielleicht befremdet beim Gedanken, den durch Polio gelähmten Mark dabei zu beobachten, wie er sich seinen Traum von körperlicher Zweisamkeit endlich erfüllen sucht. Sex, ja, es ist ein Film über Sex. "The Sessions" ist zugleich auch ein ruhiger, gefühlbetonter Film über das Finden der Liebe. Und witzig ist er auch noch. Es mag nicht jedem gefallen. Mancher wird meinen, schon Besseres gesehen zu haben. Mir recht. Ich nominiere "The Sessions" hiermit dennoch für den Titel "Bester Beitrag im ARD-Sommer-Kino 2015". Bitte sehr oft mehr davon und weniger deutsche Wurst-Titel.

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      • 8

        Kino kann so schön sein!!!

        • 7 .5

          diese perfekte dosierung humor verpackt in einer starken und wahren geschichte macht den film zu ein kleinen juwel...

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          • 8

            Ein poliokranker Mann will nicht als Jungfrau sterben: Ben Lewin macht aus der wahren Geschichte eine Komödie, die zutiefst berührt und dabei das Thema Sex ernst nimmt wie nie. [Barbara Schweizerhof]

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            • 8 .5
              cycloo77 31.12.2014, 19:51 Geändert 01.01.2015, 00:44

              Ein unglaublich tief berührender und fantastischer Film mitten aus dem Leben,mit gigantisch guten Hauptdarstellern (Helen Hunt & John Hawks) und einer herzergreifenden menschlichen Story.
              Kino so sollst du öfters sein!!!

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              • 7

                The Sessions ist ein kleiner sympathischer Film, der sehr unverkrampft, offenherzig und humorvoll mit dem Thema Sex und Behinderung umgeht. Der Film ist zudem sehr gut besetzt - insbesondere habe ich mich darüber gefreut William H. Macy mal wieder zu sehen. Seine Darbietung des toleranten, aber stets nach passenden Worten ringenden Pastors war für mich das Highlight des Films :)
                Da der Film auf einer wahren Geschichte beruht, habe ich Mark O`Brien gegoogelt und bin dabei auch auf seinen Artikel "On seeing a sex surrogate" gestoßen, auf dem der Film basiert. Hier der Link dazu:
                http://thesunmagazine.org/issues/174/on_seeing_a_sex_surrogate
                Aber Achtung! Den Artikel ist bei weitem nicht so humorvoll, schlagfertig und locker-leicht wie die Verfilmung, hier hat Hollywood, im Gegensatz zum wahren Leben, wohl doch noch eine Schippe Wohlfühlhumor oben drauf gepackt...

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                • 7

                  Lange nichts mehr von Helen Hunt gesehen und dann so ein starkes Drama. (Vgkm.03.07.13)

                  1
                  • 8

                    Hier wird ein sehr heikles Thema auf überaus subtile und beeindruckende Weise dargestellt.
                    Herausgekommen ist nicht zuletzt dank der hervorragenden schauspielerischen Umsetzung aller Beteiligten ein sehr sympathischer und humorvoller Film, der nicht nur zu berühren weiss, sondern durchaus auch seine nachdenklichen Momente hat.
                    Die Gradwanderung zwischen Humor und Ernsthaftigkeit ist ausgezeichnet gelungen, was gerade beim Thema Behinderung und Sexualität auch hätte schief gehen können.
                    Das einzige was mich zuweilen etwas gestört hat, waren die pathetischen Momente, die ab und an etwas durchblitzten. Sie halten sich aber zum Glück in erträglichen Grenzen und können den Gesamteindruck kaum beeinträchtigen...

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                    • 8 .5

                      Eine überraschend freizügige Helen Hunt ,was für den Film aber unumgänglich ist. Natürlicher ungeschminkter Film über das Bedürfnis nach Sex mal aus einem anderen Standpunkt gesehen.

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                      • 6

                        "The Sessions" ist wohl vor allem deswegen ein Publikumsliebling in Cannes gewesen, weil er absolut nichts tut, was irgendwie die Nachtruhe stören könnte. Ein nettes kleines Geschichtchen ohne große Konflikte. Sogar der Mann der Sexualtherapeutin entschuldigt sich gleich nach 5 Minuten, als er mal ein winziges bisschen eifersüchtig wird. Da wird das Konzept des Feel-Good-Movie auf die Spitze getrieben, und wer sowas mag, für den ist es sicherlich klasse. Wer ein bisschen Spannung, Emotionen oder Humor sucht, der wird aber hier nur begrenzt fündig.

                        • 6

                          Interessantes, ungewöhnliches Thema, dem man sich hier auf sehr sympathische Art widmet. Was bei mir den extrem schalen Beigschmack bewirkt hat, war die recht unprofessionelle Sex-Therapeutin, ob hier nun Hollywood eine dramatischere Geschichte wollte oder Mark O'Brian selbst (auf dessem Artikel über "Seeing a sex surrogate" das Drehbuch basiert) da etwas ausschmückender war, kann ich nicht sagen, aber ich fand ihr Vorgehen an mehreren Stellen unangemessen und war überrascht, wie überfordert sie zu Beginn mit der Situation schien, denn ist das nicht ihr Job, die schwierigen Fälle zu bearbeiten?
                          Dennoch toll besetzt, vor allem Hawkes und Macy haben mir gut gefallen; der Film ist schon nett, das Ende bittersüß. Irgendwie scheint mir, da wäre noch etwas mehr drin gewesen und er hatte doch auch eine Schicht zu viel Kitsch, ich weiß auch nicht, hier und da hätte ich es gerne etwas ernster und realistischer gesehen.

                          • 10

                            Was für ein Kontrastprogramm zu den Feuchtgebieten unserer Zeit... die (Wieder)Entdeckung der sexuellen Langsamkeit!
                            Eine fantastische schauspielerische Tour de Force für John Hawkes ("Lincoln") und Helen Hunt, die nach ihrem Gewinn für "Besser geht's nicht" hier für ihren Mut zur Nacktheit "nur" mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde.
                            Für eine erst zweite Regie-Arbeit: Hut ab!

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                            • 8

                              Netter kleiner Indiefilm, in dem es mehr um Sex geht, als man von den Amis gewohnt ist.

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                              • 8

                                Körperlicher Liebesfilm der berührt...

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                                • 5 .5

                                  Muss man nicht gesehen habe. Das ganze Plätchert so dahin. Es fehlte doch einfach die Spannung und die Komik war auch sehr Sparsam. Helen Hunt hatte auch nicht ihren besten Tag fand ich. Mehr gedarstellert als geschauspielert.

                                  • 8

                                    „Aber dann dachte ich, ist es mir wichtiger, was die Leute von meinem Körper halten, oder ist es mir wichtiger, Teil einer Geschichte zu sein, die Schönheit besitzt und Menschen etwas gibt? Am Ende war mir Letzteres wichtiger.“

                                    Helen Hunt gibt Menschen die rein äußerlich fixiert sind damit zu verstehen, dass sie
                                    oberflächlich sind bzw. ihnen die nötige Reife fehlt um in das Wesentliche der Geschichte
                                    einzutauchen. In The Sessions geht es auch nicht um den subjektiven Teilaspekt der Ästhetik der sich Schönheit nennt, sondern es geht um Sinnlichkeit, etwas das stark an die Reife gebunden ist. Seelische Reife ist also eine wichtige Bedingungen für den Genuss von The Sessions.

                                    Wer diesen Film unansehlich hält, weil er Helen Hunts Körper nicht sehen will, der in seiner vollen Nacktheit gezeigt wird, wie in keinem anderen amerikanischen Film, der hat noch nicht Wolke 9 gesehen, in dem zwei faltige 80 jährige zügellosen Spass beim Sex haben und das bei viel nackter Haut. http://www.moviepilot.de/movies/wolke-9

                                    Ein interessanter Aspekt ist die Besetzung der Priesterrolle mit William H. Macy, bei dessen Anblick im Priesterkostüm ich sofort glaubte hier kommt eine Komödie. Aber weit gefehlt. Mit einem Augenzwinkern geht es hier viel tiefgründiger um Menschlichkeit oder die Frage: was unterscheidet die Prostituierte von einer Sexualsurrogatin?

                                    Ein Thema das Spannung erzeugt ist das Verhältnis der Sexualtherapeutin gegenüber ihrem Mann und ihrem Sohn. Wie kann sie Familie und Beruf in einer Sache abgrenzen, die so esentiell für Partnerschaft ist?

                                    Darüber hinaus ist wohl die wichtigste Frage des Films: Was hat Mark von der Sexualtherapie?

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                                    • 8 .5

                                      Auch wenn der deutsche Titelzusatz eher nach Zucker-Surrogat klingt, ist die Geschichte vom körperlich Versehrten, der ein ganz Mensch sein will und dafür die Dienste eines sogenannten Sex-Surrogats in Anspruch nimmt, durchaus sehr berührend und zu Herzen gehend.

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                                      • 8 .5

                                        Wunderbare und berührende Story über Mark O'Brien, der aufgrund einer Polio-Erkrankung nahezu bewegungslos ist. Mark möchte seine Unschuld verlieren und nimmt Kontakt zur Sextherapeutin Cheryl auf. Die großartige und mutige Helen Hunt wurde zurecht für den Oscar nominiert (was John Hawkes auch verdient hätte). Die schauspielerischen Leistungen insgesamt sind sehr gut, das Drehbuch ist hervorragend und geht mit dem Thema sensibel, aber trotzdem sehr offen und relaxed um. Vielleicht ein wenig viel "Gutmenschentum", aber trotzdem ist "The Sessions - Wenn Worte berühren" anspruchsvolle und gute Unterhaltung.

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                                        • 8

                                          angenehmer spritziger Humor trotz des verklemmten und nicht so leichten thema´s.
                                          john hawkes spielt wirklich klasse und vermittelt einen beschwingten und gelösten marc o brien, trotz seiner ja eigentlich beklemmenden lage.
                                          und absolut beneidenswert und tolle leistung, helen hunt und ihr mutiger umgang mit der nacktheit. kann sich sehen lassen für ihr alter.

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                                          • 7

                                            Schöne Geschichte, passender Humor, berührender Soundtrack, ein toller John Hawkes, ein pfiffiger William H. Macy, und eine (leider zu sehr verbotoxte, aber dennoch) reizende Helen Hunt. Wenn Filme berühren. Sehr angenehm.

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                                            • 6 .5

                                              4. Kinofilm gesehen, 196 to go ( http://qatthemovies.com/ ).
                                              Ein kleiner und teilweise sehr süßer Film. Viele der Nebencharaktere fand ich sehr sympathisch (asiatische Pflegerin, Priester) aber wenn es um die beiden Hauptcharaktere ging... ich mochte die beiden einfach nicht und das hat mich wahrscheinlich daran gehindert den Film richtig gut zu finden. Den Daumen nach oben gibts aber noch einmal für das Ende, das hat mir durchaus gefallen.

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                                              • 8

                                                Was The Sessions - Wenn Worte berühren so sehenswert macht, ist die große Genauigkeit, mit der hier zu Werke gegangen wird: Genauigkeit in der Entwicklung der Charaktere und in der Darstellung der Therapiesitzungen sowie der sich langsam ausbreitenden Intimität zwischen O'Brien und Cheryl.

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                                                • 7 .5

                                                  Manchesmal ein bisschen zu glatt, aber sehr sehenswert. Ein Film der bewegt und sich mit einem schwierigen Thema ohne allzu große Betroffenheit auseinandersetzt.

                                                  • 9

                                                    The Sessions - Wenn Worte berühren ist ein warmherziger und entwaffnender Film, der sich völlig und ausschließlich auf die Geschichte konzentriert, um die es geht, und auf die Figuren, deren Leben sie ist.