Tisch und Bett
Domicile conjugal, IT, FR 1970
- Genre
- Romantische Komödie, Ehedrama, Drama
- Inhalt
Antoine Doinel hat inzwischen seine Jugendliebe, die Geigerin Christine Darbon geheiratet. Da er kein festes Einkommen hat, hält er sich mit teils abstrusen Jobs wie beispielsweise dem Verkauf selbst gefärbter Blumen über Wasser. Christine, die ein… — Mehr
Antoine Doinel hat inzwischen seine Jugendliebe, die Geigerin Christine Darbon geheiratet. Da er kein festes Einkommen hat, hält er sich mit teils abstrusen Jobs wie beispielsweise dem Verkauf selbst gefärbter Blumen über Wasser. Christine, die ein Baby erwartet, gibt Geigenunterricht. Als Antoine dank einer Verwechslung bei einem amerikanischen Hydraulik-Unternehmen eine Stelle bekommt, ist zumindest das Einkommen sicher, doch eine gewisse Monotonie lässt sich der neuen Arbeit, die sich im Dirigieren ferngesteuerter Schiffe an einem künstlichen See erschöpft, nicht aberkennen. Immerhin lernt Doinel dabei die Japanerin Kyoko kennen und verliebt sich in die fernöstliche Schönheit. Der Einschnitt hinterlässt auch im Schlafzimmer seine Spuren, wo sich die Partner lesend im Ehebett arrangieren. Als Christine, inzwischen stolze Mutter von Alphonse, die Affäre bemerkt, wirft sie Antoine aus der gemeinsamen Wohnung
- Cast
- Jean-Pierre Léaud, Claude Jade, Hiroko Berghauer, Barbara Laage, Danièle Girard, Daniel Ceccaldi, Claire Duhamel — Mehr
- Regisseure
- François Truffaut
- Autoren
- François Truffaut, Claude de Givray, Bernard Revon
- Laufzeit
- 93 Minuten
- Zeit
- 1970er Jahre
- Ort
- Paris
- Handlung
- Affäre, Alltag, Bordell, Ehebruch, Ehekrise, Ehepaar, Fetisch, Geige, Japaner, Job-Hopping, Lebensgefühl, Musiklehrer, Routine, Scheidung, Schwangerschaft, Seitensprung, Teures Restaurant, Vernachlässigung in der Ehe, Zerrüttete Beziehung
Über diesen Film
Handlung
Antoine (Jean-Pierre Léaud) und Christine (Claude Jade) sind nun schon seit einiger Zeit verheiratet. Sie wohnen in geselliger Nachbarschaft in einem alten Wohnhaus, in dem Christine privaten Violinenunterricht erteilt und in de… — Mehr
Handlung
Antoine (Jean-Pierre Léaud) und Christine (Claude Jade) sind nun schon seit einiger Zeit verheiratet. Sie wohnen in geselliger Nachbarschaft in einem alten Wohnhaus, in dem Christine privaten Violinenunterricht erteilt und in dessen Hof Antoine Blumen verkauft. Ab und an sind sie bei Christines Eltern zum Essen eingeladen und ansonsten geht ihr Eheleben seinen gewohnten Lauf.
Eines Tages wird Antoine durch Glück bei einer amerikanischen Firma angestellt. Dort soll er fortan die ferngesteuerten Schiffchen auf dem Teich im Vorgarten der Firma betreuen. Antoine, der keine großen Ansprüche ans Leben stellt, nimmt freudig an und muss nun jeden Tag in Vollzeit arbeiten. Als Christine schwanger wird, freut sich Antoine auf seinen Sohn, aus dem er später einmal einen Schriftsteller machen möchte. Die Geburt verpasst er zwar, kommt dann aber noch rechtzeitg, um seinen Sohn auf dem Amt als “Alphonse Doinel” anzumelden, obwohl Christine ihn gerne “Ghislain” genannt hätte.
Nach einiger Zeit lernt Antoine die Japanerin Kyoko (Hiroko Berghauer) kennen, die mit einer Gruppe Japaner die Arbeitsstelle Antoines besichtigt, wobei ihr ein Armband ins Wasser fällt. Antoine beobachtet dies, fischt den Schmuck aus dem Wasser und bringt ihn zu ihr nach Hause. Die junge hübsche Japanerin scheint genau zu wissen, was sie möchte. Kurzerhand wirft sie ihre Mitbewohnerin aus der Wohnung und nutzt die freie Wohnung, um mit Antoine eine Affäre zu beginnen.
Die Affäre dauert an und Christine wird immer misstrauischer. Eines Tages schickt Kyoko Antoine Blumen ins Büro, in denen gefaltete Liebeserklärungen stecken. Der tollpatschige Antoine wirft diese im Hof des gemeinsamen Wohnhauses weg und bemerkt nicht, wie der Nachbarsjunge Christophe die Blumen aufliest und hinauf zu Christine bringt. Beim Füttern des Babys fallen die Zettel aus den Blumen… Als Antoine heimkommt, erwartet Christine ihn sitzend – im Kimono, das Gesicht wie eine Geisha geschminkt. Eine Träne rollt ihr über die Wange. Nach einigen Auseinandersetzungen zieht der trotzige Antoine ins Hotel.
Als der Ehestreit andauert und sich eine längerfristige, wenn nicht gar endgültige Trennung ankündigt, wird Antoine nervös. Während Christine wieder beginnt auszugehen und ihm die Versöhnung anbietet, weiß Antoine nichts mit sich anzufangen und geht ins Bordell. Mit Kyoko scheint es auch nicht mehr gut zu laufen. Aus dem Restaurant, in dem er mit Kyoko speist, ruft er dreimal Christine an, um sich bei ihr über Kyoko zu beschweren und ihr zu sagen, dass er sie vermisse. Nach dem dritten Telefonat hat diese ohne ihn das Restaurant verlassen und ihm eine Notiz mit Trennungsabsicht hinterlassen.
Ein Jahr später sind Antoine und Christine zwar gute Freunde, streiten sich aber nach wie vor. Sie scheinen angekommen in der kleinbürgerlichen Welt, die Antoine nicht mochte. Die Nachbarin meint angesichts des Paares “Jetzt lieben sich die beiden wirklich”.
Wissenswertes
- Woody Allen bediente sich für seinen Der Stadtneurotiker vor allem an jener Szenenfolge, in der sich Claude Jade mit ihrer Nachbarin Silvana und Doinel mit seiner Kollegin Monique über ihre Ehe unterhalten. Die Gegenschnitte als ironische Verweise zur überlappenden Schilderung des Partners, die Woody Allen nutzt, greift François Truffaut wiederum in Liebe auf der Flucht, vor allem in der Schlußszene zwischen Christine und Colette wieder auf.
- In einer Szene tritt die Figur des Monsieur Hulot auf.
Weiterführende Informationen
- Die Rezeption des Films
- Der Antoine-Doinel-Zyklus
- Die filmische Bewegung der Nouvelle Vague
- Der erste Teil des Antoine-Doinel-Zyklus Sie küssten und sie schlugen ihn
- Der zweite Teil des Antoine-Doinel-Zyklus Antoine et Colette
- Der dritte Teil des Antoine-Doinel-Zyklus Geraubte Küsse
- Der fünfte Teil des Antoine-Doinel-Zyklus Liebe auf der Flucht
Quelle
- Domicile Conjugal in der Wikipedia (frz.)
Poster und Merchandise zum Film im Fanshop
Kommentare — Ausgezeichnet 8.1
Der Film Tisch und Bett wurde von 7 Mitgliedern bewertet.
sknoke 2009/07/09 14:14:00
Felixco 2009/06/10 01:44:11
Zauberhaft hell und leicht. Truffaut setzt konsequent zeitlos die "gestohlenen Küsse" fort, bittersüß und die Poesie der Prosa vorziehend: Claude Jade und Jean-Pierre Léaud, seine 1968 lebendig gewordenen Lebensabbildungen idealisierter Entwürfe und zugleich seine vorläufig beständigen Prognosen, versuchen sich hier in der bürgerlichen Ehe. Der Zauberer Truffaut liefert zwei Jahre nach dem Pariser Mai in einem skurrilen und bei aller Ironie stets zärtlichem Panoptikum ein Lösungsmodell; es ist hier das [zumeist komische] Gespenst der rettenden Flucht in die bürgerliche Ehe.
Caude Jade, seine hier eindeutige Heldin und den Anachronismus Antoine Doinel verdrängende Muse, verweist bereits zu Beginn die Marktverkäufer darauf, dass sie nicht mehr als Mademoiselle sondern als Madame angesprochen werden will und ihr Mann färbt im Hinterhof Blumen auf der Suche nach dem absoluten Rot; weiße Nelken, von denen eine immer ihre ursprüngliche Farbe behält, bis sie bei einem Experiment verbrennen. Nach etlichen (Ehe)alltags-Miniaturen kommt nach dem absoluten Rot [die Farbe, die Christine schon im Vorgängerfilm trug] die Farbe Gelb ins Spiel in Gestalt einer nie lächelnden Mademoiselle Butterfly ("kyoko ist keine andere Frau, Kyoko das ist...ein anderer Kontinent"). Und als ihr Vater ihrem Mann eine gelbe Badeente schenkt, weiß Christine, dass Antoine für leblose Dinge nichts übrig hat obgleich er überhaupt nichts gegen die Farbe Gelb hat.
Was macht nun Claude Jade, die Frau mit den laut New York Times schönsten Augen des Jahres 1970, in einem Akt der verzweifelten Annäherung zur wahren Butterfly? Sie steckt sich lange Stäbe ins Haar, zieht sich einen Kimono an und schminkt sich als Geisha. Dabei will Antoine vielleicht nur, dass sie nach der Bettlektüre im Schlaf ihre Brille aufbehält.
Großes Kino und für jeden, der am Kino interessiert ist oder sich sogar cinephil [kinobegeistert] nennt, bleibt "Tisch und Bett" auch über die folgenden Jahrhunderte für alle Zeiten Pflicht und Kür zugleich.
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Bennilein 2009/03/22 23:23:31
Hinreißendes Kino - in seiner reinsten Form. Ein Film, an dem sich nahezu alle anderen messen lassen MÜSSEN.
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Der Film Tisch und Bett gehört zum Genre Romantische Komödie, Ehedrama. Regie führte François Truffaut.
Gestern stürzte ich mich auf Truffauts "Domicile conjugal". Ich ahnte noch nicht, dass ich mich verlieben würde, doch das einmalige Kinogespann um Truffaut, Léaud und Claude Jade vollbrachte es innerhalb von Minuten den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Das Schwarz-Weiß aus "Les quatre cents coups" ist dem strahlenden Eastmancolor gewichen und lässt allen Ballast zurück. Dieser Film ist die vollendete Leichtigkeit. Wie ein Kind tobt sich Truffaut hier aus und erzählt in einer fast episodenhaften Struktur von Antoines (Jean-Pierre Léaud) Leben als jungem Erwachsenen. Dieser, mittlerweile verheiratet mit seiner Jugendliebe, der bildhübschen Christine (Claude Jade), ist noch immer ganz der Träumer, der nicht weiß, wohin ihn das Leben treibt, der sich nicht anpasst, der zitiert, dichtet und so gedankenverloren ist, wie der Film selbst.
Ein Film, wie der naive Tagtraum eines jungen Verliebten, den Truffaut mit den langen Beinen seiner Hauptdarstellerin beginnt. Er weiß genau, was für die Kamera bestimmt ist und erhält dabei doch den Eindruck, alles passiere ganz von alleine, so als müssten wir uns glücklich schätzen genau in diesem Augenblick zuzuschauen. Ginge es nur um die Handlung, Antoine betrügt Christine mit einer Japanerin, so könnte man einige Momente sicherlich streichen, doch zum Glück ist "Domicile conjugal" mehr als eine Reise von A nach B, er ist mehr wie ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben und das verläuft in den seltensten Fällen nach einem klaren Schema.
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