Toni Erdmann - Kritik

Toni Erdmann

AT/DE · 2016 · Laufzeit 162 Minuten · FSK 12 · Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • 7 .5

    Schlimm, ein gelungener und durchweg gut unterhaltener Film ist gleichmal die Sensation. Aber immerhin gute Promotion für einen kleinen Film.
    Ach und es ist Arthaus, da treten nackte Menschen auf und man wird nicht geil.

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    • Luke Nightingale 20.03.2017, 16:52 Geändert 20.03.2017, 16:53

      Wie oft muss das deutsche Kino eigentlich noch gerettet werden? Und wer wird den Job dieses Jahr übernehmen?

      12
      • 5 .5

        Mit 2,5 Stunden ist TE schon lang, aber richtig langweilig zum Glück nicht. Die großen Lobgesänge kann ich leider nicht mitsingen; dafür war mir der Film insgesamt zu uninterssant.

        Die Geschichte wirkt zwar recht "echt" (wenn man das überhaupt sagen kann), hat aber für mich keine Aussage oder Abschluss. Viele Elemente in dem Film sind einfach wie sie sind (z.B. Winfrieds Verkleidungs-Faible, Spitzname, Geburtstagsgeschenk, Beziehungen, Drogen, im Wald k4cken gehen, Whitney Schnuck usw.), scheinen aber für die Story ohne Belang. Am Schluss war ich leider genau so schlau wie vorher. Ines auch. Winfried auch.

        In zwei Jahren werde ich mich nur noch an die Szene mit dem Kuchen-(Nicht-)Sex erinnern - mutig und irre zugleich :-).

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        • 3

          Hätte man Tarkowski gebeten eine leichte Komödie zu inszenieren wäre Toni Erdmann dabei herausgekommen. Träge, langweilig, in weiten Teilen völlig unlustig, Der Film schleppt sich über die Zeit, zu irgendwelchen Erkenntnissen findet man nicht. Es ist jetzt nicht so das Toni Erdmann der schlechteste deutsche Film seit Jahren wäre, denn eigentlich ist es gar kein Film sondern eher abgefilmtes Experimental Fernsehen das aussieht wie Video.

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          • 8
            Tobi Lo 13.03.2017, 09:33 Geändert 13.03.2017, 11:08

            +++ Bel­le­t­ris­tische Review dieses Films +++

            „Hast du denn in deinem Leben noch etwas anderes vor, außer Leuten Furzkissen unterzuschieben?“ – Der deutsche Film „Toni Erdmann“ gilt als eine der größten Überraschungen des internationalen Kinos im Jahr 2016, was sich unter anderem dadurch manifestiert, dass er nicht nur für die Goldene Palme in Cannes nominiert wurde, sondern einige Zeit später auch für den besten fremdsprachigen Film bei den Academy Awards. In den renommierten Filmmagazinen „Sight & Sound“ und „Cahiers du cinéma“ wurde „Toni Erdmann“ gar zum besten Film im Jahre 2016 auserkoren.

            Die große Überraschung ergibt sich aus einem Zusammenspiel der unterschiedlichsten Faktoren: Maren Ade steht noch am Anfang ihrer Karriere als Regisseurin, deutsche Filme sind in den letzten Jahren mehrheitlich im Sumpf der Tristesse versunken, das grobumrissene Leitthema einer Vater-Tochter-Beziehung ist alles andere als innovativ, sehr ungewöhnlich jedoch in seiner ausgiebigen Entfaltungszeit von über 160 Minuten. Aber als besonders bedeutsamer Faktor entpuppt sich vor allem einer: „Toni Erdmann“ ist eine Komödie. Das, was auf den ersten Blick lapidar klingt, ist eigentlich der Kern der Überraschung. Denn grundsätzlich ist es eine zutiefst ermüdende Idee, Zeitungen wie „Sight & Sound“ oder „Cahiers du cinéma“ durchzublättern, wenn man auf der Suche nach einer gepriesenen, hochplatzierten Komödie ist. Vielleicht würde man nach längerem Seitenwälzen im letzten oder vorletzten Jahrzehnt Coen-Brüder-Filme ausfindig machen, oder aber gar erst in verstaubten 70er-Jahre-Zeitschriften fündig, der Zeit also, als eine gewisse britische Komikertruppe namens Monty Python Killer-Kaninchen erfand, die selbst den seriösesten Filmkritikern ihre Bitterkeit aus dem Hirn fraßen. Da diese Kritiker jedoch mittlerweile – vielleicht als Nach- oder Nebenwirkung – ausgestorben sind, sitzt eine neue Generation am Arbeitstisch, ergötzt sich an der im besten Fall wunderbar eingefangenen Dramatik des Lebens und hämmert ihre größtmögliche Ernsthaftigkeit in die Tastatur.
            Maren Ades Geschöpfe sind zwar längst nicht so gefräßig und kompromisslos wie einstige Killer-Kaninchen, sie provozierten keine Läsionen des Kritiker-Gehirns, aber ihre Absurdität scheint die eine oder andere erfrischende Schwindelreaktion ausgelöst zu haben.

            Die Geschöpfe verkleiden sich mal als fellige Riesen (Vater), mal treffen sie sich nackt (Tochter), mal essen sie Sperma-Küchlein (Tochter) und mal, nunja, machen sie Furzkissen-Späße (Vater). Doch die zu diesem Text einleitende Frage, ob Furzkissen-Späße die Zukunft des eigenen Lebens sein mögen, birgt eben nicht nur das knatternde Wort „Furzkissen“, sondern ebenso die mächtigen Worte „etwas im Leben vorhaben“. Der Psychoanalytiker Irvin Yalom schrieb einmal, dass er Menschen, die mit ihrem Leben nicht im Reinen sind, oft fragen würde, was sie im Moment vermehrt tun, und ob sie das so kurz und knapp zusammenfassen könnten, dass man es in Großbuchstaben auf ihren eigenen Grabstein schreiben könnte. Wären sie damit einverstanden, was dort viele Jahre stehen würde? Für Alt-Hippie Winfried Conradi (oder später: „Toni Erdmann“) wäre dementsprechend der Satz „Hatte Spaß mit Furzkissen“ prädestiniert, für seine Tochter Ines dagegen vielleicht „War eine erfolgreiche Unternehmerin“ oder „Hat der männerdominierten Unternehmenswelt gezeigt, dass auch Frauen bestehen können“.

            Das Absurde wird in Maren Ades Film somit eingebettet in ein Geflecht aus Fragen, die sich um die unsicheren eigenen Lebensperspektiven drehen. So wertvoll an „Toni Erdmanns“ Absurdität ist, dass sie dadurch nicht standfest und selbstüberzeugt wirkt, sondern, dass sie ihre Existenz aus Unsicherheit und Ungewissheit zu schöpfen scheint. Manchmal vermag die Absurdität nicht einmal lustig zu sein, sondern erscheint lediglich als ein Ausdruck von Hilflosigkeit, ein Mittel, um das Verhalten von anderen Menschen besser zu verstehen, in dem man selbst sich nicht so präsentiert, wie es erwartbar wäre und die Konsequenzen genau inspiziert. Winfried Conradi alias „Toni Erdmann“ – der seine viel beschäftigte Tochter unangekündigt in Bukarest besucht – erscheint dabei als der vielleicht hilfloseste Rebell der Filmgeschichte, ein Rebell ohne wirklich klar ersichtlichen Grund, ein Rebell, der selbst nicht weiß, was genau er eigentlich vom Leben erwartet, der selbst wahrscheinlich keine Antwort auf eine mögliche Yalom-Frage wüsste. Aber irgendwas, das er nicht benennen mag, scheint er sich in der Welt seiner Tochter anders vorgestellt zu haben. Und nur darum wirft er sich in diese ihm irgendwie suspekte Welt, bewaffnet mit Spaßartikeln aller Art und beobachtet die Reaktion der seriösen Wirtschaftswelt, die seine Tochter längst einverleibt hat.

            Der Versuch durch diese Form von Absurdität die Maschinerie des alltäglichen (Wirtschafts)-Lebens zu durchdringen, ist definitiv zum Scheitern verurteilt. Es ist viel mehr ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein, der verpufft wie der lauteste und längste Furz. Aber wie der Tropfen, so der Furz... er war da! Und wie der Furz, so die großartige deutsche Komödie, die zig Filmpreise und doch vergleichsweise wenig Zuschauer generiert(e)... sie war da!

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              eewee 10.03.2017, 23:33 Geändert 10.03.2017, 23:33

              der appell des erdmanns, eine traurige ermutigung "bewusst" zu leben, wiederholte sich permanent - was mich schnell ermüdete

              das Leben ist sinnlos

              weltschmerz kills

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              • 7 .5

                Zielgruppe ist eindeutig die Akademikerschicht, vor allem die deutschsprachige. Denn die allermeisten aus den Schichten darunter können sich nicht vorstellen, einen solch sonderbaren Vater zu haben. Mit so einem makaber-trockenem und intelligenten Humor. Auch nicht vorstellbar, dass sich die Familie so sehr daran gewöhnt und sein störendes Verhalten einfach so hinnimmt. Für die bitterböse Sezierung der hochrangigen Consulter-Welt, braucht es auch einen gewissen Intellekt. Genauso für die Masken-Metaphern.
                Schauspieler, vor allem Peter Simonischek, sind alle gut und überzeugen in ihrer Rolle. Auch die soziale Komponente überzeugt. Die Menschen um die es bei dem Business eigentlich geht, werden nicht rührselig sondern respektvoll eingespielt.
                Die humorvollen Szenen sind teilweise sehr gelungen, teilweise nicht so. Es ist ja auch keine schlichte Komödie sondern eine tragische Komödie mit stark depressiven Tendenzen.

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                • 8

                  Saugut geschrieben. Saugute Momente.

                  • 5

                    Äh...Oscarnominierung? Nee, oder?
                    Rest siehe @dbeutner

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                    • 6

                      Tja .... hatte im Umfeld vorher von "bester Film aller Zeiten" bis "Finger weg" alles gehört, lande selbst aber irgendwo in der Mitte. Als Tragik-Komödie funktioniert er ganz gut, allerdings ist vieles wahnsinnig langatmig und effekt-heischerisch. Letztlich war ich ganz froh, als es durch war.

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                      • 5
                        RoboMaus 06.03.2017, 10:09 Geändert 06.03.2017, 19:21

                        'Toni Erdmann' spielt in Bukarest vor einem rumänischen kulturellen Hintergrund - eigentlich ein Heimspiel, denn ich bin oft dort und verstehe auch das nicht übersetzte Rumänisch im Film. Die Aussage, dass Rumänien ein wunderbares, verkanntes Land im Herzen Europas ist, kann ich nur unterstreichen. Doch nicht einmal das kann diesen Film aus der "geht so"-Zone führen. Warum?

                        Die Aussagen zu Verlust und Wiedergewinnung von Menschlichkeit sind glasklar formuliert und inhaltlich überzeugend. Das so wichtige Geschäftsleben der Tochter eines "alten Spinners" macht aus ihr einen Karriere-Zombie, der alle anderen Werte aus seinem Leben verdrängt hat. Dadurch wirkt sie extrem unsympathisch - die Sorte von Frau, um die ich schon von Weitem einen Bogen mache. Der Vater ist das genaue Gegenteil und versucht sie mit seinen unpassenden Späßchen zu erreichen, was in ihrem Geschäftsumfeld Peinlichkeiten verursacht....... welch eine Eröffnung von Potential!

                        Doch die Umsetzung - die ganze erste Stunde fragte ich mich, was denn nun zäher ist: meine Schuhsohlen oder der Plot? Warum müssen im deutschsprachigen Film durchaus interessante Inhalte immer wieder mit dem Spreizer gedehnt werden, bis sie wie ein alter, brüchiger Gummi schlaff in der Gegend hängen? Auf eine Stunde wird die Einführung der Charaktere gezogen - das Essentielle beginnt erst mit der genialen Szene (SPOILER), worin die Tochter bei Geschäftskollegen in der Bar über den Vater herzieht, ohne zu wissen, dass er mithört, und wonach er sich bemerkbar macht *Schluck* (SPOILER ENDE).

                        Leider kommen solche guten Ideen viel zu selten. Mit erschreckender Routine verfällt der Plot über weite Strecken wieder in seine zähe Gangart und opfert zum Ende auch noch die inhaltliche Konsequenz mit einer abstrusen Aktion der Tochter, wobei sie ihr Geschäftsumfeld vor den Kopf stößt. Hauptsache, mal wieder ein paar Geschlechtsteile inszeniert - das gehört im Arthaus einfach dazu.

                        Dramaturgisch ist 'Toni Erdmann' das totale Versagen, ein Ausdruck intellektueller Überambition, die gute Inhalte in höchster Ignoranz einem breiten Publikum gegenüber so unverdaulich wie möglich präsentiert. Vielleicht muss das so sein, um das Selbstwertgefühl der Macher aufrechtzuerhalten, doch anscheinend haben sich auch ein paar Leute der Oscar-Jury gelangweilt.......

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                        • 6 .5

                          Ein sehr spezieller und schwierig zu bewertender Film, der sich trotz konventionell klingender Familiengeschichte strikt den Konventionen des reinen Unterhaltungskinos verweigert und vllt. gerade deswegen so gefeiert wird.. aber auch gerade deswegen so sperrig und langatmig ist..
                          Die Schauspieler sind ohne Frage großartig, der Humor ist dezent treffend wobei der melancholische Grundton überwiegt (den Meinungen "Witzigster Film des Jahres" kann ich auch deswegen nicht zustimmen) und das Gezeigte fühlt sich insgesamt sehr realistisch und natürlich an...
                          Die lange Laufzeit schreckt sicherlich einige ab.. ich empfand es gerade noch ok, denn "Toni Erdmann" ist unvorhersehbar, einige Szenen gingen in eine ganz andere Richtung als ich dachte, im Guten wie im Schlechten. z.b. die Nacktparty war im Ansatz gut, wird dann aber leider etwas vorschnell "abgewürgt".

                          • 8 .5

                            Erst mal war ich von dem Film ain bisschen enttäuscht. Aus meiner Sicht ist er nicht das Meisterwerk für das ihn viele halten. ABER trotzdem ein toller Film.Mir war beim Schauen, trotz der langen Laufzeit, nicht eine Sekunde langweilig. Hier kriegen wir nichts eingetrichtert, hier wird nichts groß und breit erklärt. Und genau das macht den Film so stark. Gerade die peinlichen, beklemmenden Elemente enden meist in Schweigen. Bei diesem Thema habe ich das noch nicht gesehen. Entweder es wurde dann alles ins Lustige/Lächerliche gezogen, oder eine Person war der starke Charakter oder eine Person entschuldigt sich und gut ist. Da ist Toni Erdmann einfach ehrlicher, realitätsnäher. Es gibt halt kein richtiges Happy End. Schließlich kommen sich Tochter und Vater nur in Verkleidung wieder näher.
                            Eine konkrete Botschaft aus dem Film mitzunehmen ist daher schwierig und meiner Meinung nach unmöglich. Es gibt viele Ansätze, aber der Film belehrt eben nicht.
                            Und übrigens würde ich den Film nicht als Komödie sehen. Gags gibt es zwar hin und wieder, aber das ist hier eher Beiwerk (nicht im negativen Sinne).

                            • 4 .5

                              Trotz ambitioniertem Anliegen und schauspielerischem schon gutem Acting konnte mich der Film nicht packen. Die Gags zu vorhersehbar, die Reduzierung auf die Differenz zwischen Manager-Tochter und peinlichem Alt-68er (Letztgenannte böten auch jede Menge Material für eine Aufarbeitung), die glückliche Wiedervereinigung - das alles wirkte durchinszeniert und durchgestylt. Die Kraft des Streitens verkommt zu plumpen Anschuldigungsszenerien, nur ab und zu dürfen die eigentlichen Konflikte, die im Unterbewusstsein hausen, aufblitzen. Vom vorhersehbarem Ende will ich erst gar nicht anfangen.

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                              • 6

                                Ach Toni es hätte alles so schön sein können. Kein Oscar keine Handlung und ne Menge Untertitel. Die Message is klar nur die Umsetzung befriedigt nicht. Schade schade Toni.

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                                • 2

                                  Der Film beginnt vielversprechend, wird dann aber im Verlauf seiner 162 Minuten gegen Ende hin leider von Minute zu Minute immer unerträglicher. Das liegt in erster Linie am Drehbuch. Die Hauptfiguren sind die erste Hürde in diesem Film:

                                  Winfried Conradi
                                  Ein pensionierter, gelangweilter alter Mann, der sich überall anwanzt. Der sich in alles reinzeckt, was er findet. Überall seine Späßchen macht, und meint, er wäre jetzt der ultimative Popstar, während die Beteiligten eher genervt sind. Diejenigen, die im Kino über diesen "Kauz" lachen, können sich sich vermutlich nicht vorstellen, dass es solche Menschen tatsächlich gibt. Und dass sie einem ganz gewaltig auf den Senkel gehen können. Außerhalb der Comfort Zone des Kinos.

                                  Ines Conradi
                                  Seine Tochter versprüht den Charme einer Gefängnisaufseherin und hat das Gemüt eines Fleischerwolfes. So dermaßen zurückgezogen in ihr eigenes Ich und ohne jeglichen Funken Humor macht es für mich immens schwierig, Empathie für sie zu empfinden. Sympathie ohnehin nicht.

                                  Maren Ade schickt die beiden Figuren von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Die Message ist eigentlich schon nach einer halben Stunde mehr als klar, aber Ade schmückt die ganze Tristesse gerne aus. Hier kommt keiner ungeschoren davon. Schon gar nicht der Zuschauer. Die Kamera ist oft so nah dran am Geschehen, dass es schmerzt. Es gibt keinen Freiraum für Assoziationen, Gedanken. Hier ist alles in Stein gemeißelt, kein Entkommen. Immer auf die Fresse.

                                  "Kannst mir Spaghetti kochen, hab eingekauft."

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                                  • 7

                                    Hätte nie gedacht das er mir gefällt, hab auf Amazon mal rein geschaut und war sehr überrascht, hat was der Film! Hätte ihm den Oscar gegönnt.

                                    • 0

                                      Selten habe ich mich so durch einen Film gequält wie bei Toni Erdmann. Von schmerzhaftem Fremdschämen, grauslicher Sexszene bis Langeweile ist alles dabei, was einen überlangen Film völlig uninteressant macht. Was ist der Sinn? Was ist die tiefere Aussage? Als Filmvielseher bin ich einiges gewohnt, sehe auch äusserst intelligente Herausforderungen sehr gerne. Doch hier steige ich aus.

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                                      • 9 .5

                                        Schade :(

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                                        • 7 .5

                                          Das Abnehmen aller Masken in einer Maskenwelt enthält die größte Intimität. Die Tarnung und das Verstecken hinter Uniformen, formalisierten Vokabeln und Ritualen reibt die Menschen derart auf, dass sie in völliger Selbstvergessenheit zergehen. Annäherungen vollziehen sich immer schwieriger, seltener und weniger intensiv. Erst über die subversive Imitation kann die soziale Zementierung und mechanisierte Sozialisation gelockert werden, wenngleich die völlige Lösung gleichsam niemals erfolgen kann, weil Individuation an Kapitalakkumulation gekoppelt ist. Deshalb hat dieser Film kein Happy End. Er ist voller Zynismus, Peinlichkeiten, Dissonanzen, die in der Leere verstummen. Gar nichts ist gut und nichts wird gut. Die Rumpf- und Stümmelmenschen verstecken sich hinter dem Lärm der polit-ökonomischen Maschinerie, die sie selbst antreiben, um unerkannt für sich und andere zu bleiben. Es ist ein aufrichtiger Film, der sich die Zeit für diese Grob- und Feinheiten nimmt, die ansonsten gerade im deutschen Kino gern unter den Tisch fallen gelassen werden, wie in der Unternehmensberatung oder Geschäftswelt generell.

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                                          • 2
                                            dreamlandnoize 27.02.2017, 23:58 Geändert 28.02.2017, 14:35

                                            Kein Wunder, dass "Toni Erdmann" keinen Oscar für den besten "fremd"-sprachigen Film bekommen hat - schließlich wird im Film locker ein Drittel der Laufzeit Englisch gesprochen, was mich ziemlich abgefuckt hat. Aber was ist Toni Erdmann? Drama? Komödie? Keine Ahnung. Ich weiß es nicht, er hat von gar keinem Genre irgendwas. Dieser Film fühlt sich an wie ein Biopic von einer uninteressanten Person, der Zeit mit seiner deutschen Tochter in Bukarest verbringt, die dort in der High Society als Frau bestehen will. Hinzu kommen neben dem langweiligen Plot noch eine Sexszene und eine Nackedei-Geburtstagsparty, die in Filme wie beispielsweise Ex-Drummer gut reinpassen, aber hier einfach nur widerlich wirken. Das interessanteste an diesem Film sind aber zweifelsfrei die Kritiken und Kommentare. Wahnsinn, was die Leute in diesen langweiligen Film alles hineininterpretieren können.

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                                            • 6 .5

                                              da amazon prime den jetzt reingestellt hat hab ich spontan play gedrückt...der film hat was das kann ich sagen etwas schräg etwas warmherziges und es vermischt sich recht gut---jetzt bin ich auf ein remake noch mehr gespannt weil das könnten die voll verasauen oder einige sachen besser machen letsteres wäre wünschenswert

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                                                Mr. Laurel 27.02.2017, 09:34 Geändert 28.02.2017, 05:53

                                                Ist Maren Ade ein Genie oder ein Scharlatan? Ich kann es wirklich nicht sagen. Der Film hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen, auch wenn er viel zu lang war und es viele verpasste Chancen gab (der Nacktempfang hätte ein echtes Spaßfeuerwerk werden können). Wenn Hollywood wirklich ein Remake dreht, so kann der Streifen nur besser werden, weil kommerzielle Interessen bzw. Eingehen auf Zuschauerbedürfnisse und das Erreichen vieler Zuschauer nicht unbedingt schlecht sind.

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                                                • 7 .5

                                                  Da sind nun zwei streitende Seelen in meiner Brust, ich könnte den Film ebenso verreißen wie loben. Nun ja, im Folgenden der schwierige Versuch von beidem:

                                                  Die beiden Hauptdarsteller Sandra Hüller und Peter Simonischek liefern hier freilich ein sehr gut gelungenes Stück Rollenverkörperungsarbeit ab, das steht außer Frage. Das Können von Simonischek kann in dieser Rolle meines Erachtens allerdings nur etwas eingeschränkt zur Geltung kommen, das liegt auch an der nicht so besonderen TV-Film-mäßigen Kameraarbeit mit den oftmals fehlenden Naheinstellungen, sodass die Gesichtsmimik von Simonischek unter Bart und Langhaar meist bloß zu erahnen ist. Aber nicht bloß Closeups sind Mangelware, auch der Ton ist einige Male wirklich äußerst mangelhaft bis schlecht, passagenweise sind die Dialoge bei den Hintergrundgeräuschen, z.B. im Auto, kaum verständlich. Bei den Technikabteilungen hat man also gespart. Vielleicht kommt es deshalb auch zu ungewöhnlich langen Einstellungen, oftmals meines Erachtens nach einfach viel zu lange und auch an Stellen, wo gar keine Emotion ausschwingen müsste, derentwegen man das Bild überhaupt nachklingen lassen würde.

                                                  Ich bin mir sicher, dass die Amerikaner in dieser Hinsicht doch ein weit besseres Remake hinkriegen werden. Man kann vieles an Hollyweird und Hellywood kritisieren, aber man muss dennoch zugestehen, die können solche Geschichten erzählen und sind dabei zumeist ohne solche Längen oder gar technische Aussetzer am Punkt.

                                                  Allgemein kann man sagen, dass die sich in Folge all der Hochjubelei einstellenden hohen Erwartungen natürlich einfach nicht erfüllt werden können. Es ist aber freilich schwer, sich das wegzudenken, wenn man aus Medien und Freundeskreis laufend mit Lobeshymnen über den Film gefüttert wird und noch schwerer, möglichst unvoreingenommen an den Streifen heranzugehen, wo doch gerade der Hype es ist, der einen zum Film führt.

                                                  Der Film ist leise und langsam, sehr langsam. Ich hätte mir mehr Konflikt, mehr Zusammenbruch, mehr Katharsis gewünscht. Dennoch ist er durchaus sehenswert und bringt freilich Sachverhalte aufs Tapet, die es wert sind, betrachtet zu werden. Das ist zuvorderst mal die Businesswelt mit ihren Fachtermini, den vielen hohlen Phrasen, der Unterwerfung unter ausbeuterische Prinzipien, bei denen das Menschliche und Menschelnde oftmals auf der Strecke bleibt und sich alles dem Erfolg unterzuordnen hat. All das ist schön kredenzt, sodass auch der Hinterletzte noch mitbekommt, wie skurril das Affentheater im Grunde genommen ist, weit skurriler als Toni Erdmann mit schlecht sitzender Perücke und falschen Zähnen.

                                                  Vater und Tochter, die etwas entfremdet sind, stoßen hier also aufeinander. Der Alte erkennt dabei die Vergänglichkeit des Lebens, die Junge in ihrer Businesswelt aber noch nicht. Und bloß mit schlauen Sprüchen a la "Geld ist nicht so wichtig im Leben" lässt sich nun vom Weiseren wohl auch kaum etwas über die Essenz des Lebens vermitteln. Es braucht eben die eigene Erfahrung, das ist nicht delegierbar und Erfahrungen sind nun mal auch nicht von anderen übertragbar. Das bekannte "Wer nicht hören will, muss fühlen" stimmt hier also tatsächlich. Und im Laufe des Films beginnt das Töchterchen nun auch zu fühlen, in welcher Situation sie sich da eigentlich befindet.

                                                  Schön fand ich übrigens die Coachingszene, in der ihr via Notebook herbeigerufener Rhetorikcoach ihr letztlich nochmals einhämmert, dass sie nicht den Fehler begehen soll, den Gesprächspartnern tatsächlich zuzuhören, sondern bloß so zu tun als ob und eigentlich robotermäßig bei ihrer Message zu bleiben. Das ist schon sehr zynisch, in manch einer Person aber genau so gelebte Realität. Wie also kann man seine Ich-AG so perfektionieren und verbiegen und ihr jegliches Menschsein austreiben, sodass dann Erfolge möglich sind, die ohne solch eine seelische Selbstverstümmelung nicht möglich wären?

                                                  SPOILER:
                                                  Nachdem sie erkennt, dass sich trotz größter Anstrengungen ihre beruflichen Träume nicht realisieren lassen und die Vereinbarungen mit ihrem Chef nicht halten werden, schüttelt sie ihre innere wie äußere Businessrüstung endlich ab und zwar letztlich zur Gänze und steht dann gar pudelnackt da, wieder als verletzlicher Mensch jenseits von Anzug und Visitenkartentitel; eine Verschiebung vom alles verschlingenden Ego zum einfach nur seienden Selbst. Viele halten diese Nacktpartyszene für unrealistisch und klamaukhaft, ich wiederum halte im Gegensatz dazu ihre innere Transformation hier im außen für sehr anschaulich dargestellt. Es gibt eben - oftmals am Ende eines Entwicklungsprozesses - diese "Jetzt ist eh schon alles wurst" Situationen im Leben, wo etwas eskaliert und einen überwältigt, sodass man sich dann irgendwann an einem bestimmten Punkt einfach in die Situation einfügt und es halt laufen lässt. Und oft läuft es ja gerade dann, wenn man es zulässt und ohne Gegenwehr fließen lässt, erst so richtig gut. Könnte das nicht eine Message sein?

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                                                  • 8 .5

                                                    Liebevoll, witzig, traurig, skurril, nachdenklich, ehrlich, melancholisch, kritisch, frech, vielseitig, erstaunlich, manchmal aber auch etwas sperrig und lang. Das sind Adjektive die mir zu dem Film "Toni Erdmann" in den Kopf schiessen. Alles in allem überwiegt aber das positive und witzige. Darum von mir ehrliche, liebevolle 8.5 Punkte.

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                                                    ?a=5541&i=2&e=1&c=4048272&c0=movpa krit