Toni Erdmann - Kritik

Toni Erdmann

DE/AT · 2016 · Laufzeit 162 Minuten · FSK 12 · Komödie, Drama · Kinostart
Du
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    Interessant, wie man bei manchen Filmen anderer Meinung ist. Der Film ist zweigeteilt. Für Teil eins gibt es 8 Punkte, für Teil 2 nur 3 Punkte, macht 5 Punkte. Ich habe hier natürlich die Vater-Tochter-Beziehung gesehen, aber auch die Kritik am Business-Alltag.

    • 5 .5

      Toni Erdmann - da wird fast jeder schon von gehört haben. Endlich wieder ein Film aus Deutschland, der die Filmlandschaft weltweit umkrempelt.
      Für mich war das ganze eher ein anstrengendes Erlebnis, es gab einzelne schöne Szenen, und im Abgang noch viele Sachen zum länger drüber nachdenken, auch das eigene Leben.
      Dann war der Film vorbei, und ich hatte das Gefühl, er wurde nur für den Song im Abspann gedreht, der mich noch länger im Sessel verharren ließ.

      Und jetzt noch ein Hollywood Remake. Was wird das wohl aus dem Film machen? Ein paar mehr Schenkelklopfer einbauen?

      Alles in allem ein recht philosophischer Film, den ich so nicht unbedingt gebraucht hätte.

      • 7 .5

        Der Film hat sich gelohnt. Er ist allerdings sehr traurig, weil er das Elend der Reichen zeigt wie kaum ein zweiter. Zu lachen gibt es jedenfalls nichts. Der Hype um den Film ist etwas verwunderlich, aber auch beruhigend. Er kommt wohl einfach zur richtigen Zeit, wo praktisch jeder den baldigen Zusammenbruch des kapitalistischen Systems zu ahnen scheint.
        An einer Stelle rätsele ich noch: Wie _kam_ es denn nun eigentlich zur Nacktparty? Ist das enge Kleid der Heldin beim Schuhe anziehen kaputt gegangen oder kam sie aus _modischen_ Gründen plötzlich auf die Idee, ein anderes anziehen zu wollen und das scheiterte dann? Man helfe mir bitte bei der Interpretation, denn das versehentliche Entstehen der Nacktparty ist, so glaube ich, der Höhepunkt des Films.

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        • 6 .5

          Ich war zwar skeptisch, ob ich mir den Film aufgrund seiner Thematik und seiner Laufzeit ansehen soll, aber ich habe es nun doch nicht bereut ihn gesehen zu haben.
          Die ersten Zwei - Drittel des Films haben mir wirklich sehr gut gefallen (bis auf zwei Szenen :-)). Mir gefiel die Charakter-Einführung, der subtile Humor, die Kulissen und auch die ruhige Inszenierung. Ebenso konnte ich die Motive der Hauptfiguren nachvollziehen. Aber im letzten Drittel hat mich der Film immer mehr verloren. Besonders die letzte halbe Stunde fand ich unglaublich zäh und teilweise befremdlich.

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          • 4

            Fängt gut und interessant an, wie er das "normale" Leben eines alternden Vaters, der nur noch sporadischen Kontakt zu seiner viel arbeitenden Tochter hat, darstellt, verläuft sich dann aber etwas in Belanglosigkeit und Langatmigkeit, zeigt im letzten Drittel Szenen, die mehr oder minder völlig an den Haaren herbei gezogen wirken und lässt den Zuschauer am Ende eher mit einem "Was habe ich da eben für ca. 2,5 Stunden geschaut?" Fragezeichen zurück, als dass er wirklich großen Unterhaltungsfaktor hatte.

            Er schafft in den ersten rund 30-45 min den Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit eines "normalen" Lebens ganz gut. Das kann er eben nur nicht über die ganze Laufzeit transportieren, was bei einem Film mit einem nicht auf Spannung und interessante Wendungen ausgelegten Film aber immens wichtig gewesen wäre, um ihn über eine so lange Laufzeit interessant zu halten.

            So bleibt am Ende bei mir persönlich keine große Verwunderung, wieso es nicht zum Oscar gereicht hat. Der z.B. in der gleichen Kategorie nominierte und stilistisch ähnliche "Ein Mann namens Ove" gefiel mir deutlich besser. Toni Erdmann ist keinesfalls ein Rohrkrepierer, aber eben schon speziell und nicht für jedermann.

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              AlexanderDeLarge 15.05.2017, 14:35 Geändert 15.05.2017, 14:43

              Vergib mir Vater, aber du hast doch keine Ahnung. Du mit deinem Beamtenjob, deinem Eigenheim, deinen Rentenbezügen... da wäre ich auch schön entspannt. Aber das mit den üppigen Rentenbezügen hat sich bald, du weißt ja, Generation X! Jeder Zweite, der 2030 in Rente geht, wird in Altersarmut leben. Was deine Beamtenpension damit zu tun hat? Das weißt du nur zu gut!

              Und ein Eigenheim? Meine Güte, für uns einfach unerreichbar. In jeder Großstadt bezahlt man bald horrende Mieten für ein Kellerloch; Gentrifizierung und so. Glaubst du ich liebe mein Smartphone? Glaubst du etwa ich bekäme ohne Handy einen Job? Immer erreichbar sein, immer mobil, das ist die Devise. Und wenn es auch keinen gesetzlichen Handyzwang gibt, oder den Zwang unbezahlte Überstunden zu leisten: Der Markt regelt das schon!

              Wir haben keine Zeit etwas für die Schwachen zu tun, wir haben Bachelor und Master. Wer hat sich das ausgedacht, wir? Nein ihr, die ihr 20 Semester Philosophie studiert habt (Andrea Nahles)! Sogar unser Freundeskreis heißt jetzt soziales Netzwerk. Wir investieren in Freunde, wir sind nicht beisammen, wir betreiben Teambuilding.

              Du bist in der Erde verwurzelt, Toni Erdmann. Wir sind froh, wenn wir nach dem fünften unbezahlten Praktikum (bald zahlen wir schon drauf) einen Zeitvertrag bekommen, und wenn wir dafür nach Bukarest oder Shanghai müssen.

              Du fragst, ob ich glücklich bin? Nein. Siehst du denn nicht wie fragil ich bin? Aber wir haben den Traum vom Glück aufgegeben. Wir wollen nur das Schlimmste verhüten, den Abstieg. Wenn ich sie nicht entlasse, tut es ein anderer. Und ich? Ich schrubbe Toiletten, putze Tische, räum den Müll weg, und den letzten beißen die Hunde... wäre dir das lieber?

              Nicht ich bin herzlos, mein Job ist herzlos und die Uniform, die ich tragen muss. Aber ihr, ihr psychologisiert mal wieder fleißig und pathologisiert. Wenn ich krank bin, wieso passe ich dann so verdammt gut in diese Gesellschaft?

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              • 2 .5
                Dr.Hasenbein 08.05.2017, 20:07 Geändert 10.05.2017, 19:38

                Hm, was soll ich sagen? Oder besser gesagt, schreiben?
                Eigendlich würde ich dem Film lieber "keine Wertung" geben.
                Denn Toni Erdmann, der mit allen erdenklichen Preisen überhäufte und zugeschmissene Film, der alle Kritiker rund um den Globus entzückt aufschreien ließ, der kurz nach Kinostart grünes Licht für ein US Remake mit dem extra dafür zurückkehrenden Jack Nicholson bekommen hat und darüber hinaus auch noch das "normale" Puplikum überzeugen konnte,
                konnte mich nicht abholen, mich nicht überzeugen, mich micht unterhalten und kam mir weniger wie ein Film, sondern eher wie ein Experiment vor.
                Fast drei Stunden sehen wir dabei zu wie ein Vater versucht den doch sehr unterkühlten Kontakt zu seiner (scheinbar) Gefühlskalten Tochter wieder aufzubauen und dabei immer wieder in die Humortrickkiste inklusive altem Ego "Toni Erdmann" greift.
                Leider ist das ganze so langatmig, träge, trist (ähnlich eben wie das Gemüt der Tochter), langweilig, unsympathisch und zähflüssig erzählt dass ich keine Verbindung zu den Figuren und ihren Problemen aufbauen konnte.
                Es war mir schlicht egal was mit ihnen passiert, ob sie sich wieder annähern oder nicht.
                Irgendwann habe ich nur noch gehofft dass es einfach schnell vorbei ist.
                Aber diesen Gefallen hat mir "Toni Ermann" nicht getan.
                Die Thematik habe ich durchaus verstanden. Warum muß man diese bis zum ermüden unnötig in die quälende Länge ziehen?
                Ja, die ein oder andere Idee fand ich natürlich gut und amüsant,
                aber die Umsetzung und diese ständige Lahmarschigkeit haben meine Geduld ganz schön auf die Probe gestellt.
                Jetzt bin ich aber auch kein Filmabbrecher und kann einen Film nur richtig beurteilen wenn ich ihn auch bis zum Ende gesehen habe.
                Im Fall von Toni Erdmann hat mich das (fast) ähnlich angestrengt wie es sonst eigendlich nur bei Filmen wie "Fack ju Göhte", Kindsköpfe" oder "Transformers" der Fall war.
                Und eigendlich habe ich mich richtig auf den Film gefreut.
                Im Vorfeld war ich sogar richtig entzückt dass ein kleiner Arthouse Streifen aus Deutschland so viel nationale wie auch internationale Aufmerksamkeit bekommen hat.
                Denn ja, diese ständigen dummen und immer gleichen Comedy/Romantik Streifen von Schweiger, Schweighöfer und Co, die seit jahren die Kinos blockieren und die dummen Massen scharenweise in die Lichtspielhäuser ziehen,
                gehen mir so richtig auf den Zeiger.
                Hm, aber vielleicht bin ich ja insgesamt auch nicht viel besser wie der gewöhnliche Durchschnittsdeutsche und will mich auch einfach nur von bequemen und unterhaltsamen 08/15 Fast Food Filmen ohne Ecken und Kanten berieseln lassen...
                Ich weiß es nicht. Toni Erdmann war jedenfalls nichts für mich.
                Soll ich mich jetzt eigendlich dafür schämen dass der umjubelste deutsche Film der letzten Jahre, der endlich mal von der normalen Schiene abschweift und sooo viele Preise gewonnen hat mir nicht gefallen hat?
                Vielleicht versuche ich mich ja doch nochmal an Fack ju Göhte, der für mich anstrengenste Film der letzten Jahre. Geschmäcker ändern sich ja schließlich mit der Zeit!

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                • 6

                  Eigentlich ein guter Film, leider zieht sich das ganze so. Hätte man locker um eine halbe Stunde kürzen können...

                  • 10

                    Toni Erdmann - oder öfter mal nackt sein

                    Zu Beginn des Films fragt man sich, wie kann die nur so sein. Diese Tochter, die für ein Consulting-Unternehmen daran arbeitet, weite Teile der Beschäftigten einer rumänischen Erdölfirma „outzusourcen“. Erdölkonzern und Rationalisierung, Inbegriffe kapitalistisch berechnender Kälte, die über Leichen geht. Augen, die entweder streng oder seltsam beschämt nach unten schauen, kaum wirklich Blickkontakt aufnehmen. Gespräche, die ausschließlich nach der Nützlichkeit von Informationen gefiltert werden, die einem irgendwo demnächst einen Vorteil verschaffen könnten. Die Tochter, die kurz zu Hause vorbeikommt und nur am Telefon hängt. Schnell beginnt man zu ahnen, dass der Vater, ein verschroben, aber liebenswürdig daherkommender Liebhaber unterschiedlichster Verkleidungen und schräger Rollen nicht so unrecht haben kann, wenn er zu seiner geschiedenen Frau sagt: „Da haben wir was falsch gemacht“. Der Besuch ist knapp, die Verabschiedung auch, der Vater wird aufs Skypen vertröstet – vielleicht mag aus der Distanz heraus irgendeine Art von Beziehungsaufnahme besser gelingen.

                    Als sein Hund stirbt, macht er sich auf den Weg nach Bukarest, um Kontakt zu seiner Tochter zu suchen. Eine Beziehungsaufnahme gelingt trotz des Bemühens um gemeinsam verbrachte Zeit nicht. Eine krampfige Umarmung zum Abschied, die als Höflichkeitsfloskel ausgeführt jede Berührung zu vermeiden versucht. Auf dem Balkon winkt sie ihrem Vater hinterher und Tränen schießen ihr in die Augen. Ist sie also doch ein Mensch.

                    Doch er scheint nicht aufgeben zu wollen, in Gestalt von Toni Erdmann - ‚Coach and Consultant‘ mit schreiend unecht wirkender Langhaarperücke und vorstehendem Gebiss nähert er sich seiner Tochter und ihrer Businesswelt, deren Maskenhaftigkeit und Leere hinter den glanzvollen Hüllen dieser merkwürdige Kauz durch seine Maskerade so zauberhaft karikiert. Zunächst wütend über sein Eindringen, lässt sie sich doch mehr und mehr auf sein Spiel ein, lässt sich hier und da gar ein echtes Schmunzeln abringen und spannt ihn schließlich sogar als Statisten für ihre Zwecke ein. Beim Besuch einer Baustelle verweist er als vermeintlicher russischer Bauherr beim fröhlichen Handschlag auf die ölverschmierten Hände eines rumänischen Angestellten: „not good“, was sofort einen nachdrücklichen Verweis auf die Sicherheitsstandards und die erbarmungslose Entlassung des Manns zur Folge hat. Da hilft auch das flehentliche „No, please don‘t fire him, it was just a joke!“ nicht weiter. Die Szene macht deutlich, wie Herr Erdmann um leichtfüßige Begegnungen bemüht, das Leben als einzigen großen Scherz betrachtet und doch die tragischen Auswirkungen seiner Unbedarftheit nicht kontrollieren kann, weder beim rumänischen Bauarbeiter noch bei der eigenen Tochter. Dieser kommt selbst dann ihre Contenance nicht gänzlich abhanden, als sie in der ihr vom Vater kurzerhand übergeholfenen Rolle als Sekretärin des angeblichen deutschen Botschafters, der tatsächlich zu einer Party erscheint, deren Einladung nur der Etikette wegen ausgesprochen worden war, einen Whitney Houston Song schmettert, während ihr Vater die ewig gleichen drei kitschigen Akkorde am Keyboard dazu klimpert. Er muss es wohl gewesen sein, der ihr das Gefühl vermittelte, auf ihn, auf niemanden sei eigentlich wirklich Verlass und daher die Selbstliebe - „the greatest love of all“. Doch der Grat zur Selbstüberhöhung in einer narzisstisch vulnerablen Gesellschaft ist schmal.

                    Danach hält sie es nicht mehr aus in der viel zu engen Hülle, die sie nicht atmen lässt und entschließt sich kurzerhand, ihre Gäste beim Geburtstagsbrunch nackt zu empfangen. Ob sie es ist, die danach endlich kündigt oder entlassen wird, weil man sich danach nicht mehr unter die Augen treten kann wie zuvor, ist eigentlich kaum von Belang. Nur ihr Vater erscheint verhüllter denn je, in Gestalt eines mächtigen, Gorilla-ähnlichen Kostüms, das sogar sein Gesicht vollständig verbirgt. Erst hier, unter größtmöglicher Fellpanzerung wird eine ehrliche Umarmung möglich.

                    Am Schluss stirbt nicht er an Herzversagen, sondern seine Mutter. Deren Kühle und den forcierten Gegenentwurf einer Generation in Abgrenzung zur vorherigen belässt der Film in Andeutungen. In einem Moment im Garten, in dem endlich die ersehnte unverhüllte Begegnung zwischen Vater und Tochter zustande zu kommen scheint, schnappt sie sich die falschen Zähne aus seiner Hemdtasche und verwandelt sich in eine ihm mindestens ebenbürtige Witzfigur. Während sie aussteigt statt ihm zu antworten, sind sich die beiden in diesem Moment auf ihre ganz eigene Art irgendwie doch nahe.

                    Erfreulich, dass so viele Tatort-Verdorbene und ein Publikum, das die leider viel zu oft viel zu direkte bis platte Emotionalität deutscher Filme gewohnt ist, diesen international hoch gelobten Film angemessen zu würdigen wussten. Ein wenig erschreckend ist es aber zugleich, dass sich viele in dem Abkämpfen der Figuren an ihrer Beziehungslosigkeit, dem ambitionierten Verdecken des inneren Mangels durch berufliches und soziales Vorankommen und den hoffnungsvollen Momenten dazwischen zumindest ein bisschen wiedergefunden haben müssen. Wie wäre es also mit einem ‚öfter mal nackt sein‘ als Vornahme fürs neue Jahr?

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                    • 7

                      Wenn ein Film sowohl von den verbeamteten Kunstbeauftragten Europas als auch den kommerziellen Unterhalungsprofis in Hollywood gefeiert wird, dann weiß man gar nicht so recht, was man da erwarten soll - wird das jetzt langatmige Tiefsinnigkeit für die Cannes-Juroren oder vielleicht doch ein amerikanisch inspirierter Spaß für die ganze Familie?

                      Die ersten beiden Minuten, in denen ein bemitleidenswerter Paketbote auf eine fast nicht existente Pointe wartet, lassen Schlimmstes befürchten, aber eigentlich sitzt "Toni Erdmann" an einem hübschen Sweet Spot zwischen den beiden transkontinentalen Extremen. Da quillt zwar einerseits der Wille zum Hochtrabenden aus allen Poren, aber andererseits hat Maren Ade genug erzählerisches Talent, dass die eigentlich nicht notwendige Überlänge gar nicht besonders auffällt.

                      Wenn das Muster Exzentriker-zeigt-Workoholic-das-gute-Leben nicht so plattgetreten wäre und der Film sich ein bisschen mehr Bodenhaftung zutrauen würde, statt sich ununterbrochen ins leicht Absurde zu retten, würde ich glatt verstehen, warum es dafür so viele Preise und Nominierungen geregnet hat.

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                      • 7 .5

                        Hinter der satirischen Darstellung des Unternehmensberatertums, den schlechten Zähnen und der Zottelperücke des Toni Erdmann, hinter den Absurditäten, Nacktszenen und Irritationen, den zähen, unangenehm zerfließenden Dialog- oder besser noch Schweigeszenen steckt im Grunde ein trauriges Vater-Tochter-Drama, in dem sich nicht nur die beiden Personen selbst verloren haben, sondern vor allem auch ihre Beziehung zueinander.

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                        • 7 .5

                          Endlich mal wieder ein solider deutscher Film. Toni Erdmann ist sehr merkwürdig, gerade weil er so deutsch ist und sich somit stark von ausländischen Werken unterscheidet (ich möchte jetzt nicht genauer erläutern, was es für mich bedeutet, wenn ein Film "deutsch" ist). Den Film sollte man sich ansehen, wenn man bereit ist die übertrieben lange Laufzeit zu ertragen. Es erwarten den Zuschauer einige geniale Szenen. Doch neben den wirklich guten und auch oft sehr dramatisch komischen Szenen, finden sich leider auch solche die zu lang und etwas unnötig zu sein scheinen. Der Film ist für meinen Geschmack etwas zu sehr "Arthaus", etwas mehr "Struktur" hätte sicher nicht geschadet.

                          • 4 .5

                            Nach über 2 Std. in denen eigentlich nicht viel passiert ist, frage ich mich: Hatten die auch ein Drehbuch oder haben die einfach nur spontan nach dem morgendlichem Joint drauflos gefilmt ??

                            Oder Toni Erdmann ist - wie viele andere Beispiele - einfach nur zu hoch, passiert mir oft, wenn ein Film hochgelobt wird und mein Intellekt nicht reicht, das dann nachzuvollziehen....

                            Es gab zwei, vielleicht drei gute Szenen, das kann aber einen "Werk" - und vor allem in dieser Länge - nicht retten.

                            4,5/10

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                            • 5 .5

                              Puh...Es ist zwar schön, dass so ein sperriger Film eine so große Aufmerksamkeit bekommt, ob er sie dann wirklich verdient hat, steht aber auf einem anderen Blatt. Der Effekt, dass soziale Interaktionen immer bis ins Unangenehme langezogen werden und nicht durch Schnitte in einen Fluss gebracht werden, den die Realität nie bietet, ist zwar zunächst nett, nutzt sich aber auch schnell ab. Nach dem zwei Stunden lang nichts passiert ist, was man nicht in 30 Minuten hätte erzählen können, muss man sich doch fragen, ob dieses mutige Experiment nicht eher relativ schief gegangen ist. Begeistert hat mich Toni Erdmann absolut nicht. Ein Totalausfall ist er aber auch nicht, dazu sind einige Dialoge zu gut geschrieben und die Schauspieler zu gut. Aber für tragische Kunst fehlt hier einfach der doppelte Boden und der Mehrwert und für eine Komödie die Stringenz und der Humor.

                              Zynisch könnte man sagen, hier bekommt man knapp 3 Stunden unsympatische Menschen zu sehen, die uninteressante Dinge und dabei immer sehr schlecht drauf sind. Klasse.
                              Man kann es aber auch so sehen, dass man hier ein langes und interessantes Experiment serviert bekommt, dass man so sicher noch nicht allzu häufig gesehen hat.
                              Das ist wohl einfach Ansichtssache. Als mehrteilige Serie hätte Toni Erdmann in meinen Augen vielleicht sogar wirklich richtig funktioniert.

                              • 7 .5

                                Schlimm, ein gelungener und durchweg gut unterhaltener Film ist gleichmal die Sensation. Aber immerhin gute Promotion für einen kleinen Film.
                                Ach und es ist Arthaus, da treten nackte Menschen auf und man wird nicht geil.

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                                • Luke Nightingale 20.03.2017, 16:52 Geändert 20.03.2017, 16:53

                                  Wie oft muss das deutsche Kino eigentlich noch gerettet werden? Und wer wird den Job dieses Jahr übernehmen?

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                                  • 5 .5

                                    Mit 2,5 Stunden ist TE schon lang, aber richtig langweilig zum Glück nicht. Die großen Lobgesänge kann ich leider nicht mitsingen; dafür war mir der Film insgesamt zu uninterssant.

                                    Die Geschichte wirkt zwar recht "echt" (wenn man das überhaupt sagen kann), hat aber für mich keine Aussage oder Abschluss. Viele Elemente in dem Film sind einfach wie sie sind (z.B. Winfrieds Verkleidungs-Faible, Spitzname, Geburtstagsgeschenk, Beziehungen, Drogen, im Wald k4cken gehen, Whitney Schnuck usw.), scheinen aber für die Story ohne Belang. Am Schluss war ich leider genau so schlau wie vorher. Ines auch. Winfried auch.

                                    In zwei Jahren werde ich mich nur noch an die Szene mit dem Kuchen-(Nicht-)Sex erinnern - mutig und irre zugleich :-).

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                                    • 3

                                      Hätte man Tarkowski gebeten eine leichte Komödie zu inszenieren wäre Toni Erdmann dabei herausgekommen. Träge, langweilig, in weiten Teilen völlig unlustig, Der Film schleppt sich über die Zeit, zu irgendwelchen Erkenntnissen findet man nicht. Es ist jetzt nicht so das Toni Erdmann der schlechteste deutsche Film seit Jahren wäre, denn eigentlich ist es gar kein Film sondern eher abgefilmtes Experimental Fernsehen das aussieht wie Video.

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                                      • 8
                                        Tobi Lo 13.03.2017, 09:33 Geändert 13.03.2017, 11:08

                                        +++ Bel­le­t­ris­tische Review dieses Films +++

                                        „Hast du denn in deinem Leben noch etwas anderes vor, außer Leuten Furzkissen unterzuschieben?“ – Der deutsche Film „Toni Erdmann“ gilt als eine der größten Überraschungen des internationalen Kinos im Jahr 2016, was sich unter anderem dadurch manifestiert, dass er nicht nur für die Goldene Palme in Cannes nominiert wurde, sondern einige Zeit später auch für den besten fremdsprachigen Film bei den Academy Awards. In den renommierten Filmmagazinen „Sight & Sound“ und „Cahiers du cinéma“ wurde „Toni Erdmann“ gar zum besten Film im Jahre 2016 auserkoren.

                                        Die große Überraschung ergibt sich aus einem Zusammenspiel der unterschiedlichsten Faktoren: Maren Ade steht noch am Anfang ihrer Karriere als Regisseurin, deutsche Filme sind in den letzten Jahren mehrheitlich im Sumpf der Tristesse versunken, das grobumrissene Leitthema einer Vater-Tochter-Beziehung ist alles andere als innovativ, sehr ungewöhnlich jedoch in seiner ausgiebigen Entfaltungszeit von über 160 Minuten. Aber als besonders bedeutsamer Faktor entpuppt sich vor allem einer: „Toni Erdmann“ ist eine Komödie. Das, was auf den ersten Blick lapidar klingt, ist eigentlich der Kern der Überraschung. Denn grundsätzlich ist es eine zutiefst ermüdende Idee, Zeitungen wie „Sight & Sound“ oder „Cahiers du cinéma“ durchzublättern, wenn man auf der Suche nach einer gepriesenen, hochplatzierten Komödie ist. Vielleicht würde man nach längerem Seitenwälzen im letzten oder vorletzten Jahrzehnt Coen-Brüder-Filme ausfindig machen, oder aber gar erst in verstaubten 70er-Jahre-Zeitschriften fündig, der Zeit also, als eine gewisse britische Komikertruppe namens Monty Python Killer-Kaninchen erfand, die selbst den seriösesten Filmkritikern ihre Bitterkeit aus dem Hirn fraßen. Da diese Kritiker jedoch mittlerweile – vielleicht als Nach- oder Nebenwirkung – ausgestorben sind, sitzt eine neue Generation am Arbeitstisch, ergötzt sich an der im besten Fall wunderbar eingefangenen Dramatik des Lebens und hämmert ihre größtmögliche Ernsthaftigkeit in die Tastatur.
                                        Maren Ades Geschöpfe sind zwar längst nicht so gefräßig und kompromisslos wie einstige Killer-Kaninchen, sie provozierten keine Läsionen des Kritiker-Gehirns, aber ihre Absurdität scheint die eine oder andere erfrischende Schwindelreaktion ausgelöst zu haben.

                                        Die Geschöpfe verkleiden sich mal als fellige Riesen (Vater), mal treffen sie sich nackt (Tochter), mal essen sie Sperma-Küchlein (Tochter) und mal, nunja, machen sie Furzkissen-Späße (Vater). Doch die zu diesem Text einleitende Frage, ob Furzkissen-Späße die Zukunft des eigenen Lebens sein mögen, birgt eben nicht nur das knatternde Wort „Furzkissen“, sondern ebenso die mächtigen Worte „etwas im Leben vorhaben“. Der Psychoanalytiker Irvin Yalom schrieb einmal, dass er Menschen, die mit ihrem Leben nicht im Reinen sind, oft fragen würde, was sie im Moment vermehrt tun, und ob sie das so kurz und knapp zusammenfassen könnten, dass man es in Großbuchstaben auf ihren eigenen Grabstein schreiben könnte. Wären sie damit einverstanden, was dort viele Jahre stehen würde? Für Alt-Hippie Winfried Conradi (oder später: „Toni Erdmann“) wäre dementsprechend der Satz „Hatte Spaß mit Furzkissen“ prädestiniert, für seine Tochter Ines dagegen vielleicht „War eine erfolgreiche Unternehmerin“ oder „Hat der männerdominierten Unternehmenswelt gezeigt, dass auch Frauen bestehen können“.

                                        Das Absurde wird in Maren Ades Film somit eingebettet in ein Geflecht aus Fragen, die sich um die unsicheren eigenen Lebensperspektiven drehen. So wertvoll an „Toni Erdmanns“ Absurdität ist, dass sie dadurch nicht standfest und selbstüberzeugt wirkt, sondern, dass sie ihre Existenz aus Unsicherheit und Ungewissheit zu schöpfen scheint. Manchmal vermag die Absurdität nicht einmal lustig zu sein, sondern erscheint lediglich als ein Ausdruck von Hilflosigkeit, ein Mittel, um das Verhalten von anderen Menschen besser zu verstehen, in dem man selbst sich nicht so präsentiert, wie es erwartbar wäre und die Konsequenzen genau inspiziert. Winfried Conradi alias „Toni Erdmann“ – der seine viel beschäftigte Tochter unangekündigt in Bukarest besucht – erscheint dabei als der vielleicht hilfloseste Rebell der Filmgeschichte, ein Rebell ohne wirklich klar ersichtlichen Grund, ein Rebell, der selbst nicht weiß, was genau er eigentlich vom Leben erwartet, der selbst wahrscheinlich keine Antwort auf eine mögliche Yalom-Frage wüsste. Aber irgendwas, das er nicht benennen mag, scheint er sich in der Welt seiner Tochter anders vorgestellt zu haben. Und nur darum wirft er sich in diese ihm irgendwie suspekte Welt, bewaffnet mit Spaßartikeln aller Art und beobachtet die Reaktion der seriösen Wirtschaftswelt, die seine Tochter längst einverleibt hat.

                                        Der Versuch durch diese Form von Absurdität die Maschinerie des alltäglichen (Wirtschafts)-Lebens zu durchdringen, ist definitiv zum Scheitern verurteilt. Es ist viel mehr ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein, der verpufft wie der lauteste und längste Furz. Aber wie der Tropfen, so der Furz... er war da! Und wie der Furz, so die großartige deutsche Komödie, die zig Filmpreise und doch vergleichsweise wenig Zuschauer generiert(e)... sie war da!

                                        • 7 .5

                                          Zielgruppe ist eindeutig die Akademikerschicht, vor allem die deutschsprachige. Denn die allermeisten aus den Schichten darunter können sich nicht vorstellen, einen solch sonderbaren Vater zu haben. Mit so einem makaber-trockenem und intelligenten Humor. Auch nicht vorstellbar, dass sich die Familie so sehr daran gewöhnt und sein störendes Verhalten einfach so hinnimmt. Für die bitterböse Sezierung der hochrangigen Consulter-Welt, braucht es auch einen gewissen Intellekt. Genauso für die Masken-Metaphern.
                                          Schauspieler, vor allem Peter Simonischek, sind alle gut und überzeugen in ihrer Rolle. Auch die soziale Komponente überzeugt. Die Menschen um die es bei dem Business eigentlich geht, werden nicht rührselig sondern respektvoll eingespielt.
                                          Die humorvollen Szenen sind teilweise sehr gelungen, teilweise nicht so. Es ist ja auch keine schlichte Komödie sondern eine tragische Komödie mit stark depressiven Tendenzen.

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                                          • 8

                                            Saugut geschrieben. Saugute Momente.

                                            • 5

                                              Äh...Oscarnominierung? Nee, oder?
                                              Rest siehe @dbeutner

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                                              • 6

                                                Tja .... hatte im Umfeld vorher von "bester Film aller Zeiten" bis "Finger weg" alles gehört, lande selbst aber irgendwo in der Mitte. Als Tragik-Komödie funktioniert er ganz gut, allerdings ist vieles wahnsinnig langatmig und effekt-heischerisch. Letztlich war ich ganz froh, als es durch war.

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                                                • 5
                                                  RoboMaus 06.03.2017, 10:09 Geändert 06.03.2017, 19:21

                                                  'Toni Erdmann' spielt in Bukarest vor einem rumänischen kulturellen Hintergrund - eigentlich ein Heimspiel, denn ich bin oft dort und verstehe auch das nicht übersetzte Rumänisch im Film. Die Aussage, dass Rumänien ein wunderbares, verkanntes Land im Herzen Europas ist, kann ich nur unterstreichen. Doch nicht einmal das kann diesen Film aus der "geht so"-Zone führen. Warum?

                                                  Die Aussagen zu Verlust und Wiedergewinnung von Menschlichkeit sind glasklar formuliert und inhaltlich überzeugend. Das so wichtige Geschäftsleben der Tochter eines "alten Spinners" macht aus ihr einen Karriere-Zombie, der alle anderen Werte aus seinem Leben verdrängt hat. Dadurch wirkt sie extrem unsympathisch - die Sorte von Frau, um die ich schon von Weitem einen Bogen mache. Der Vater ist das genaue Gegenteil und versucht sie mit seinen unpassenden Späßchen zu erreichen, was in ihrem Geschäftsumfeld Peinlichkeiten verursacht....... welch eine Eröffnung von Potential!

                                                  Doch die Umsetzung - die ganze erste Stunde fragte ich mich, was denn nun zäher ist: meine Schuhsohlen oder der Plot? Warum müssen im deutschsprachigen Film durchaus interessante Inhalte immer wieder mit dem Spreizer gedehnt werden, bis sie wie ein alter, brüchiger Gummi schlaff in der Gegend hängen? Auf eine Stunde wird die Einführung der Charaktere gezogen - das Essentielle beginnt erst mit der genialen Szene (SPOILER), worin die Tochter bei Geschäftskollegen in der Bar über den Vater herzieht, ohne zu wissen, dass er mithört, und wonach er sich bemerkbar macht *Schluck* (SPOILER ENDE).

                                                  Leider kommen solche guten Ideen viel zu selten. Mit erschreckender Routine verfällt der Plot über weite Strecken wieder in seine zähe Gangart und opfert zum Ende auch noch die inhaltliche Konsequenz mit einer abstrusen Aktion der Tochter, wobei sie ihr Geschäftsumfeld vor den Kopf stößt. Hauptsache, mal wieder ein paar Geschlechtsteile inszeniert - das gehört im Arthaus einfach dazu.

                                                  Dramaturgisch ist 'Toni Erdmann' das totale Versagen, ein Ausdruck intellektueller Überambition, die gute Inhalte in höchster Ignoranz einem breiten Publikum gegenüber so unverdaulich wie möglich präsentiert. Vielleicht muss das so sein, um das Selbstwertgefühl der Macher aufrechtzuerhalten, doch anscheinend haben sich auch ein paar Leute der Oscar-Jury gelangweilt.......

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                                                  • 6 .5

                                                    Ein sehr spezieller und schwierig zu bewertender Film, der sich trotz konventionell klingender Familiengeschichte strikt den Konventionen des reinen Unterhaltungskinos verweigert und vllt. gerade deswegen so gefeiert wird.. aber auch gerade deswegen so sperrig und langatmig ist..
                                                    Die Schauspieler sind ohne Frage großartig, der Humor ist dezent treffend wobei der melancholische Grundton überwiegt (den Meinungen "Witzigster Film des Jahres" kann ich auch deswegen nicht zustimmen) und das Gezeigte fühlt sich insgesamt sehr realistisch und natürlich an...
                                                    Die lange Laufzeit schreckt sicherlich einige ab.. ich empfand es gerade noch ok, denn "Toni Erdmann" ist unvorhersehbar, einige Szenen gingen in eine ganz andere Richtung als ich dachte, im Guten wie im Schlechten. z.b. die Nacktparty war im Ansatz gut, wird dann aber leider etwas vorschnell "abgewürgt".