Ugetsu - Erzählungen unter dem Regenmond

Ugetsu monogatari (1953), JP
Laufzeit 96 Minuten, FSK 16, Thriller, Drama, Kinostart 13.11.1959

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- Kritiker
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von Kenji Mizoguchi, mit Masayuki Mori und Machiko Kyô

In seinem Meisterwerk “Ugetsu monogatari” schildert der Japaner Kenji Mizoguchi die Geschichte von Genjuro, einem Töpfer, und seinem Schwager, dem Bauern Tobei. Die beiden leben mit ihren Frauen in einem kleinen Dorf, das inmitten eines von Kriegswirren umtosten Gebietes gelegen ist. Und sie haben Ambitionen, die sich die Kriegswirren zunutze machen. Genjuro möchte mit seinen Töpfen in die Stadt fahren und möglichst rasch viel Geld verdienen. Tobei will als Samurai zu Ruhm und Ehre kommen. Beide setzen alles aufs Spiel: und verlieren. Das Streben nach Geld und Ruhm, macht Mizoguchi hier deutlich, birgt zwangsläufig den Verlust von inneren Werten mit sich. Genjuro und Tobei machen sich auf einen Weg, der sie immer weiter wegführt von sich selber, der Wunschträumen und Phantomen folgt und nicht den Spuren der Wirklichkeit. Unterwegs, auf jener grandiosen Bootspassage, treibt der Tod phantomartig an ihnen vorbei – sie verstehen es nicht, das Zeichen richtig zu deuten. Und so wird der Tod Wirklichkeit. Genjuro rennt später einer Liebe nach, die er für echter und stärker hält als jene zu seiner eigenen, daheimgelassenen Frau. Die Liebe aber, sie entpuppt sich als Phantom als Geist einer längst verblichenen Prinzessin.


Cast & Crew


Kommentare (3) — Film: Ugetsu - Erzählungen unter dem Regenmond

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BigDi

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Mizoguchi, zum Zweiten

Es beginnt mit großen Ambitionen, welche schnell von Kriegswirren überrollt werden, und die Bilder des ländlichen Chaos sind die ersten, die sich einprägen (später sollen noch andere Einstellungen folgen, die sich unerbittlich ins Gedächtnis einbrennen). Es folgt Hoffnung, auf Reichtum und sozialen Aufstieg, denn zwei Männer wollen mit dem Verkauf von Krügen und Töpfen ein gutes Geschäft machen: Der eine will endlich ein reicher Mann sein, der andere sich eine Rüstung kaufen und zum Samurai werden. Dass ihre Frauen sie vor den Gefahren warnen, ist ihnen egal, und so siegt hier der menschliche Drang nach Aufstieg mal wieder über die Angst vor dem möglichen Fall. Die Konsequenzen der Taten werden den Männern noch bewusst werden, aber dann wird es hier und da schon zu spät sein...

"Ugetsu" ist ein unsteter Film, so unstet wie die Geschichten seiner Figuren, doch dies ist nicht als Nachteil zu werten: Der Wechsel zwischen den Stimmungen ist so fließend wie im echten Leben und selbst die übernatürlichen Anklänge werden so bodenständig wie nur möglich serviert - so bodenständig, dass man sie zunächst gar nicht als solche erkennt. Um die Genrewechsel spinnt Mizoguchi zutiefst menschliche, oftmals bedrückende und schmerzhafte Geschichten um (Selbst-)Verführung und Verrat, Verzweiflung und Verfall, Verurteilung und Vergebung. Der Film schreckt nicht vor verstörenden Momenten zurück, einerseits Momenten, in denen den Figuren die Konsequenzen ihres Handelns bewusst werden, andererseits Momenten, welche die Auswirkungen von Krieg zwar kurz, aber abstoßend prägnant in Bilder und Geräusche bannen. Und doch gibt es auch wirklich Passagen voller Schönheit, beinahe hypnotisch, und auch dem Schluss liegt eine gewisse Wärme, eine gewisse Versöhnlichkeit zugrunde. Die letzte Einstellung scheint, nach all den Wirren der letzten Zeit, ganz schlicht und ruhig festzustellen: Was auch passiert, irgendwie müssen wir alle weitermachen.

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Billmaik

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Bewertung10.0Herausragend

Welch ein großartiges Filmerlebnis. Kenjo Mizoguchi war wahrlich ein Meister seines Fachs und ist neben Kurosawa und Ozu einer der ganz Großen des japanischen Kinos. Brilliant wie feinfühlig die verschiedenen Storyelemente miteinander verwoben werden. So funktioniert der Film gleichermaßen als historisches Porträt der japanischen Gesellschaft im 16. Jahrhundert, wie auch als Familiendrama und trotz zahlreicher amüsanter Momente auch als düstere, bedeutungsschwere Geistergeschichte. Selten hat mich ein derartig "wilder" Genremix mehr überzeugt. Noch bemerkenswerter als die faszinierende und spannende Story ist jedoch Mizoguchis brilliante, absorbierende Kameraarbeit. Jede Einstellung ist ein Kunstwerk für sich, sein "fließender" Stil steht Ozu's "ruhender" Kamera in ihrer Schönheit in nichts nach. Wie auch Ozu beherrscht er die heute im Zeitalter von Transformers & Co leider fast vergessene Kunstfertigkeit Einstellungen nur sehr spärlich durch lästige Schnitte zu malträtieren.

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the traveler

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Faszinierendes Drama, sehr ruhig und gemächlich erzählt, was aber auf jeden Fall zur Gesamtstimmung von "Ugetsu monogatari" passt.
Fantasyelemente und Geistergeschichte spielen sich eher am Rande ab, der Großteil der Handlung ist in einer natürlichen Realität verankert. "Ugetsu" ist daher nicht sehr mystisch, Übernatürliches durchdringt die Realität nur, formt sie jedoch nicht. Aber vielleicht liegt auch darin seine Stärke, da er den Zuschauer sehr intensiv dazu bewegt, seine eigene Vorstellung vom Leben zu hinterfragen. Das Ende ist überragend.
Keineswegs unnachvollziehbar, dass Roger Ebert "Ugetsu" als einen der besten Filme überhaupt bezeichnet.

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