[...] Stanley Kubricks wohl umstrittenste Regiearbeit aus der Blütezeit seiner mittlerweile schon legendär gewordenen Karriere ist kaum zu beschreiben: Bedeutsam und wuchtig, seltsam und verstörend, vielsagend und gleichzeitig schwer zu fassen. Ungestüm klagt er ein großes Ganzes an und greift gleichermaßen nahezu unzählige Facetten eines brisanten Themenkomplexes auf, dessen scheinbar banal-plakative Message sich als tief in der Seele unserer Zivilisation verwurzelt und trotz aller vordergründig abgehobenen Realitätsferne voller Wahrheit steckend entpuppt: „Gewalt erzeugt Gegengewalt“. Kubrick sei Dank macht es „A Clockwork Orange“ sich und dem Zuschauer die Sache nicht ganz so einfach, und dabei ist es gerade die Stilisierung der expliziten Gewalt, die als Hauptaugenmerk vieler Kritiker Kubrick den Vorwurf der Gewaltverherrlichung und sogar der Menschenverachtung einbrachte, welche den Film so ungemütlich macht und viele Fragen aufwirft, ohne befriedigende Antworten zu liefern, die den Zuschauer aus seinem Schock befreien und wieder wohlig in Watte packen würden. [...]
Clockwork Orange ist sicher ein Film aus der zweiten Reihe, wenngleich Kubrick hier die Abgründe in der menschlichen Psyche am extremsten und auf's schmerzlichste darbietet - und der Film deshalb auch nur knapp der Zensur entkam. Der Film fasziniert auf unangenehme Weise, zumal Kubrick es schafft eine groteske, ja sogar komikhafte Szenerie zu schaffen, die nicht zuletzt durch hervorragend kontrapunktierte Musik erzeugt wird.
Aus heutiger Sicht verliert die Kernaussage allerdings an Wirkungskraft, da Gewalt in den meisten unserer Medien stets allumfassend präsent ist, sollten alle Menschen von ihrer inneren Gewaltbereitschaft geheilt sein.
„Uhrwerk Orange“ ist Kubricks schwierigster, weil undurchsichtigster Film. Er stellt so viele Fragen über menschliches Verhalten, Moral, Psychologie, Politik und die Gesellschaft, dass er es geradezu darauf anlegt, falsch verstanden zu werden. Viel Kontroverse – und daraus resultierend auch ein Kult – ergab sich durch die vermeintliche Verharmlosung von Gewalt, wie sie im Film durch Zeitlupen, Fröhlichkeit und klassische Musik erreicht wird. Das macht einfach neugierig und bescherte „Uhrwerk Orange“ seinen hohen Status in der Filmgeschichte. Doch so zweifelhaft, wie der Inhalt dieser Romanverfilmung bleibt, so klar auf der Hand liegt Stanley Kubricks fantastisches Gespür für inspirierte Bilder. [...]
Wenn man mal von 15jährigen Alkopop-Kids an der Tankstelle absieht, dann gibt es ja generell wenig Menschen, die sich wünschen würden wesentlich älter zu sein, als sie es momentan sind. Ich muss gestehen, für knapp drei Stunden wäre ich gerne 40 Jahre gereifter gewesen - und das nur deshalb um bei der Premiere von "Clockwork Orange" irgendwo im Kino zu sitzen. Denn obwohl der Film auch heute noch ein Potpourrie aus Sex, Gewalt, grellen Farben und klassischer Musik ist - diese einhundertprozentige Faszination und/oder Abscheu die er damals zu Zeiten seiner Uraufführung ausgelöst hat, die kann er heute nicht mehr transportieren. Das liegt weniger am Film selber - die Werke von Kubrick sind in vielen Punkten zeitlos (das muss ich sogar für den mir verhassten "2001" zugeben) - sondern viel eher an den veränderten Sehgewohnheiten von heute und die Gewöhnung an Dinge, die damals noch für einen Aufschrei gesorgt haben. Man könnte glatt sagen, die Realität hat…
Wenn man mal von 15jährigen Alkopop-Kids an der Tankstelle absieht, dann gibt es ja generell wenig Menschen, die sich wünschen würden wesentlich älter zu sein, als sie es momentan sind. Ich muss gestehen, für knapp drei Stunden wäre ich gerne 40 Jahre gereifter gewesen - und das nur deshalb um bei der Premiere von "Clockwork Orange" irgendwo im Kino zu sitzen. Denn obwohl der Film auch heute noch ein Potpourrie aus Sex, Gewalt, grellen Farben und klassischer Musik ist - diese einhundertprozentige Faszination und/oder Abscheu die er damals zu Zeiten seiner Uraufführung ausgelöst hat, die kann er heute nicht mehr transportieren. Das liegt weniger am Film selber - die Werke von Kubrick sind in vielen Punkten zeitlos (das muss ich sogar für den mir verhassten "2001" zugeben) - sondern viel eher an den veränderten Sehgewohnheiten von heute und die Gewöhnung an Dinge, die damals noch für einen Aufschrei gesorgt haben. Man könnte glatt sagen, die Realität hat Kubricks medienkritischen Ansatz um ein vielfaches überboten. Interessant aus heutiger Sicht ist auch das Setting als solches: Das heimelige Pril-Blumen-Wohnzimmer im 70th-Style sieht nicht minder surrealistischer aus als die Korova Milk Bar.
Sicherlich, viele Aspekte die man an Kubrick kritisieren kann, treffen auch auf "Clockwork Orange" zu, jedoch sind sie hier schöner im Gesamtkonstrukt verpackt - was nicht zuletzt daran liegt, dass sich Kubrick hier dazu herablässt, seinem surrealen Bilderreigen wirklich so etwas wie eine in sich geschlossene Geschichte beizumischen. Über diese Handlung kann man nicht viel sagen, es gibt zuviele Ansätze und Sichtweisen, die jeder für sich selber feststellen muss - "Clockwork Orange" funktioniert auf vielen Ebenen, von trivial bis überinterpretiert. Die Charaktere innerhalb des Handlungsgerüstes - auch so ein altbekanntes Kubrick-Problem - sind nach wie vor nicht mehr als platte Abziehbilder, funktionieren aber hier als plakative Mittel zum Zweck hervorragend.
Ich persönlich habe ja so meine Probleme mit solchen Klassifizierungen wie "Kult" und ähnlichem, komme aber nicht umhin zu sagen: Alex und seine Droogs sind kultig - nicht zuletzt wegen der zahlreichen Referenzen in der Popkultur.
Genauso hätte ich die Kritik zu Clockwork Orange geschrieben ... wenn ich es könnte. Versteht sich. ;)
Obwohl dieser Film von dir als "Lieblingsfilm" eingestuft wird, ist deine Kritik statt von purer Begeisterung mit negativ klingenden, nicht negativ gemeinten, Kritikpunkten durchzogen.
Lieber Hitmanski, ich habe den Verdacht, dass du mit Kubrick echt zu kämpfen hast.
:D
Du kannst das - glaub an dich; gibt doch schon ´ne ganze Reihe lesenswerter Sachen von dir - mit Ausnahme des "Antichrist"-Textes, der zwar nett geschrieben, aber leider vollkommen falsch ist :D
Aber du hast Recht, ich hab so meine Probleme mit Kubrick (der ja auch einfach überbewertet ist ;) ), und von allen Lieblingsfilmen, die ich mein Eigen nenne, ist "Clockwork" sicherlich derjenige, dem ich den größten Respekt, aber auch den wenigsten Enthusiasmus entgegenbringen kann.
Eher eine Liebe, die über den Kopf, als über das Herz funktioniert - aber auch sowas muss es ja ab und an geben ;)
Was für eine kalte Liebe - und ein Wunder, dass sie Bestand hat.
Apropos kalt: Antichrist ist Schrott. Nein, warte. "Schrott" trifft es noch nicht ganz genau ... sChROtT!
Eines muss ich ihm aber lassen: Ich habe lange (sehr sehr lange) grübeln müssen, wie ich den Film überhaupt fand.
Ich glaube, wir streichen das "van Trier VS. Kubrick fanatische-Anhänger-Schlamm-Catchen" auf irgendwann oder niemals, da deine Pokemons "Gehirnwäsche" einsetzen, während meine nur "Euphorie" perfektioniert haben. Wir beide würden auch so glücklich werden. Denn im Großen und Ganzen fressen unsere Filmgeschmäcker das gleiche grüne Gras.
Und: Mir ist die angeblich allgemeine Beliebtheit von Kubrick noch niemals begegnet. In meinem Umfeld stoße ich eindeutig vielmehr auf Abneigung bei seinen Filmen. Ich bin nur etwas über das "überbewertet" erstaunt. Ich dachte immer, dass jeder sich der Kunst und dem Kult (bei Clockwork Orange auch "coolness") bewusst ist, aber man es eigentlich scheiße findet.
Was für eine Bildersprache - Pokemons und ein Filmgeschmack der Gras frisst. Du bist schon näher bei vonTrier, als du glaubst ;)
Im übrigen möchte ich anmerken, dass es unglaublich ungerecht zugeht auf dieser Welt, wenn du hier ungestraft "Antichrist" als sChROtT! bezeichnen darfst, während mir hier seit zwei Tagen der Posteingang zugespammt wird, weil ich den öden "Oldboy" als Blödsinn bezeichnet habe. Wollt´ich nur einmal gesagt haben!
Ich beneide dich um deinen Freundeskreis; meiner palavert ständig von Kubrick, und kein Videoabend vergeht, an dem ich nicht gezwungen werde, einen seiner langatmigen Filme anschauen zu müssen - und das sind ja nun eine ganze Menge ;)
Ja, die Welt ist ungerecht. Ich werde dich zwar im oldboy-Attentat nicht unterstützen können, aber von mir aus kannst du den Film zerreißen und zerhacken wie du willst, solange du die Coen Brothers nicht als belangl...
...
...
VERBRENNT IHN ZWEIMAL!
(Irgendwann, wenn mir eine Kritik von dir inhaltlich nicht gefällt, schreibe ich einfach "Das ist der Typ, der Oldboy schlecht findet" darunter! ;)
Gute Besserung von all den Ohrfeigen. Jede davon resultierte aus Verzweiflung. :)
Ein zwiespältiges Experiment: Als gesellschaftliche Utopie über Entfremdung, Faschismus und Medienverfall lesbar, ergötzt sich der Film an seiner verzerrten Ästhetik und unterzieht den Zuschauer jener Manipulation, die auch dem jungen Alex in der Handlung widerfährt. Ein zum Klassiker verklärtes, menschenfeindliches Faszinosum.
"Ein zum Klassiker verklärtes menschenfeindliches Faszinosum", das ist schon arger Schmarrn, nichts an diesem Film ist menschenfeindlich, genausowenig wie Shakespeare oder griechische Tragödien, wenn du was Menschenfeindliches sehen willst, schalt halt mal den Fernseher an.
Und den Begriff "verzerrte Ästhetik" müsstest du dann auch noch erklären, oder zumindest als Gegenbeispiel eine "unverzerrte" oder "gesunde" Ästhetik anführen.
Und 3. muss es Dystopie heißen und nicht Utopie. Aber es reicht eben nicht, keinen klaren Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, ihn zu formulieren, gell?
Der Film ist ein gutes Beispiel dafür, dass es
in der Kunst, wie z.B. auch in der Musik,
in erster Linie nicht, sogar manchmal gar nicht,
um Geschmack geht.
Hier wird gefragt, wo kommt er her unser Geschmack und wenn's mir nicht schmeckt?
Geschmack entsteht durch Erwartungshaltungen. Erwartungshaltungen entstehen durch frühere Rezeptionserfahrungen. Was innerhalb des bekannten Rahmens bleibt, erscheint vielleicht gefällig, aber anspruchslos bis trivial. Was weit jenseits der Erwartungshaltung liegt, wird als hässlich, sinnlos oder sogar empörend empfunden. Ein großes Kunstwerk wird man immer dann zu erkennen glauben, wenn die eigenen Erwartungshaltungen durchbrochen werden, aber nur ein bisschen.
Insofern: Ja, alles Geschmackssache.
Übrigens meinte ich natürlich gar nicht Deinen Kommentar, sondern "Vincent Vegas" ursprüngliche Kritik :)
ahh, das is' noch'n bug in den Benachrichtigungen der Threads hier
(mal wech machen ;-)
Trotzdem liegst du was Geschmacks-Beurteilung angeht falsch.
Es gibt einfach 'ne Menge Dinge, die sich nicht nur subjektiv einordnen
lassen. Daher auch die Einsicht (war's Einstein?):
"Ich weiß, dass ich nichts weiß!"
(Woher weiß ich das? Wie kann ich das einschätzen?)
Weniger philosophisch gesagt, mal ein eigenes Beispiel:
Früher konnte ich mit Goehte nichts anfangen.
Später laß ich mit einem Goehte-Experten zusammen den Faust.
Danach habe ich die Faszination an der Person Goehte verstanden,
aber noch lange nicht sein Gesamt-Werk erfasst, d.h. ein kleiner
Ausschnitt hat meine Ansicht komplett auf den Kopf gestellt.
Meinung hin Meinung her. Der Film ist einfach ein Lobgesang auf die sinnlos Gewahlt. Das kann man gut finden (nicht umsonst ist das ein Kultstreifen der Hooligan- und Skinheadszene) oder auch schlecht. Ich finde es schlecht und deshalb finde ich die Bewertung von 4.5 vollkommen berechtigt. Der Film ist von Handwerklichen echt gut (bin eigentlich auch ein Kubrick Fan) aber der ganze Film huldigt der Gewalt in einer Form die ich persönlich als pervers empfinde. Natürlich kann man es als Interpretation sehen, zum Widerstand der Obrigkeit und des sich Eingliedernts. Dieses Argument zieht aber nicht bei mir. Was soll sinnlose Gewalt gegen Obdachlose aussagen. Sehe da eigentlich keinen Sinn darin. Das sind für mich faschistoide Gedanken die da von einen Meister der Filmkunst auf die Leinwand gebannt werden, der eigentlich darüber stehen sollte. Und jedewr der diesen Film eine gute Wertung gibt sollte sich dessen auch bewusst sein.
Inwiefern ist der Film denn gewaltverherrlichend ? Mag sein, dass das eine mögliche Leseart ist (jeder erschafft sich seinen eigenen Film), aber wie kommst Du darauf ?
Naja, zunächst ist da mal die sinnlose Gewalt von Alex und seiner Gang,die durch Kameraeinstellungen und klassischer Musikuntermalung "cool" in Szene gesetzt wird. Die Gewalt ist dabei reiner Selbstzweck.
Alex übt Gewalt gegenüber seiner Umwelt aus weil er es kann. Ein anderer verständlicher Grund wird weder genannt noch ist er ersichtlich.
Ein weiterer Punkt der die Gewaltverherrlichung für mich deutlich macht ist dass Alex ab dem Moment wo er keinen mehr Schaden zufügen kann und auch will, selber Opfer der Gewalt wird.
Natürlich wird dabei eine durchaus interresant Frage aufgeworfen. Ist es etisch korrekt eine Person gegen ihren willen zur Ordnung(wie sie sich die Gesellschaft vorstellt) zu Zwingen? Das Gute im Menschen mit bösen Mittel zu schaffen? Eben einen Menschen wie ein Uhrwerk aufzuziehen.
Ich will den Roman und damit auch den Film nicht absprechen das da eine Aussage dahinter steckt aber das ist vielleicht auch mein großes Problem. So ist der Film eben kein sinnlose Gewaltorgie sondern hat seine Botschaft.
Nur ist meine Auffassung das diese Botschaft lautet: Mach dein Ding auch wenn es anderen Schadet!
Man muss aber dazu auch sagen, dass der Roman ein etwas versöhnlicheres Ende hat.
Da lässt nämlich Alex aus eigenen Wille von der Gewalt ab.
Dieses Ende fehlt aber in der amerikanischen Ausgabe und wahrscheinlich deshalb auch im Kubric Film.
Hoffe ich konnte dir meinen Standpunkt klar machen.
Danke für Deine ausführliche Antwort.
Da aber wie gesagt jeder seinen eigenen Film sieht, möchte ich entgegnen, wie ich den Film wahrgenommen/verstanden habe.
- "Naja, zunächst ist da mal die sinnlose Gewalt von Alex und seiner Gang,die durch Kameraeinstellungen und klassischer Musikuntermalung "cool" in Szene gesetzt wird.Die Gewalt ist dabei reiner Selbstzweck. "
- Die Gewalt ist in gewisser Weise stilisiert, sicherlich. Stilisierte Gewalt, die ihre eigene Ästhetik entfaltet (Stichwort z.B. Matrix/Kill Bill) ist keine Seltenheit in Filmen, und ich gestehe, dass ich diese Art von Ästhetik (im Sinne von: Anmut/Dynamik/Dramaturgie) mag. Dies ist eine Ästhetik des Kampfes, die man zumeist durchaus als "cool inszeniert" bezeichnen kann.
Was mir aber im Traum nicht einfiele, über die Art von Gewalt zu sagen, die in Clockwork Orange zu sehen ist, da es sich hierbei zumeist um Gewalt gegenüber Wehrlosen handelt, die sich bis hin zu Vergewaltigungen und Totschlag steigert. Die eingespielte klassiche Musik im Hintergrund würde ich als Mittel begreifen, die Gewaltszenen aus der Sicht von Alex´ zu zeigen, für den Gewalt nunmal etwas positives ist.
Dies hat aber (jedenfalls für mich) niemals den Effekt gehabt, die gezeigte Gewalt als in irgendeiner Weise positiv oder "cool" aufzufassen, im Gegenteil: Auf mich wirkt der Kontrast klassische ("schöne") Musik und extreme Gewalt nochmals verstörender. Und ich denke, dass dies auch die intendierte Wirkung Kubricks war. (Wobei man auch miteinbeziehen müsste, aus welchem Jahr der Film stammt und was man damals und heute als "cool" bzw. "verstörend" empfunden hätte. Wäre der Film aus diesem Jahrzehnt, würden die Gewaltszenen vermutlich ohne Musik daherkommen. Vermute ich jetzt mal.)
- "Nur ist meine Auffassung das diese Botschaft lautet: Mach dein Ding auch wenn es anderen Schadet!"
- Habe ich komplett anders verstanden - für mich hat der Film nämlich überhaupt keine "Handle-So-und-So-Botschaft", er stellt für mich nur eine Frage auf, nämlich:
Was ist perverser: Ein Gewalttäter und Vergewaltiger, der aus reiner Langeweile und Selbstzweck böse ist (und sich im gesamten Film moralisch KEINEN DEUT bessert - was ich als Handlungselement persönlich auch gut fand) oder die gezeigten Institutionen, die eben aus Menschen Uhrwerken machen - und das eben NICHT aus altruistischen und ethischen Gründen - sondern (wie im Film ziemlich deutlich gezeigt) alleine zum Zwecke der funktionalen und finanziellen Effizienz.
Da muss ich sagen, dass ich das genauso sehe wie snake charmer.
Die Gewaltszenen sollten in der Hinsicht verstörend sein, dass man sich wirklich einmal hinsetzt und darüber nachdenkt, was da eigentlich gerade vor sich geht. Die "zeitvertreibende" Gewaltausführung von Alex wirkte für mich abschreckend, und das wurde durch die klassische Musik unterstützt: Diese Musik wird ja allgemein eher mit etwas ruhigen, entspannten und nachdenklichen in Verbindung gebracht und sollte für mich deutlich herrausstellen, für wie selbstverständlich und normal es Alex hielt "einfach mal drauf los zu schlagen". Bei mir rief dieses Zusammenspiel stets Fragen auf wie: Was geht in ihm eigentlich vor? Denkt er denn überhaupt nicht darüber nach, was er da macht? Weiß er dies eigentlich? oder auch einfach : was soll der Scheiß? (um es mal auf deutsch zu sagen ^^)
Am Ende zeigt der Film wirklich die Unklarheit, wer denn nun eigentlich das Opfer ist : zuerst sind es noch die durch Alex geschädigten Menschen, im Verlauf wird aber auch Alex zu einem Opfer, und zwar von genau der Gesellschaft, die sich eigentlich als "korrekt" bezeichnet und demnach genau wissen sollte, was wie behandelt werden muss. Jedoch greifen auch sie zu Mitteln, die denen Alex's ähneln, auch wenn sie "für einen guten Zweck" dienen sollen. Die Frage ist nun: Sind sie wirklich die Guten, obwohl sie "das Gute" mit den falschen Mitteln durchsetzen? Kann man so tatsächlich auch nur die geringste Änderung in der Gesellschaft vollziehen, wenn diese selbst inkorrekt handelt und ein schlechtes Beispiel abliefert?
Und natürlich, was bereits snake charmer erwähnte: Ist nun der Gewalttätige "perverser", welcher sich stets bewusst ist, was er tut, auch wenn er dieses Handeln fälschlicherweise für Gut hält, oder die "Institutionen", welche sich selbst als die Guten schimpfen und ebenfalls mit Gewalt und Terror handeln, sich jedoch anscheinend nicht über diesen Fakt bewusst sind?
(Ich hoffe ich habe verständlich geschrieben und nicht nur widerholt, was eh schon geschrieben wurde ;))
Man Man, es gibt Leute, die einfach nicht tief genug in einen Film "hineinsehen" können, denn oberflächlich betrachtet, ist "Clockwork Orange" gewaltverherrlichender Müll. Wenn man jedoch Kubricks Intension dahinter sehen kann, oder sich nicht zwanghaft davor verschließt, ist es ein absolutes Meisterwerk und einer der wichtigsten Filme, auch heute noch!, die jemals produziert wurden!
....übrigens stimme ich Annika91 vollkommen zu! Geschmackssache hin oder her, eigentlich sollte jeder, der so nicht sehen kann, sich nicht als "kritiker" schimpfen lassen...
Was dir zu dem Film einfällt lieber Vincent ist belanglos und keine Erklärung dafür warum der Film nun den nicht gut sein soll. Sondern dein Kommentar besteht eher aus ein paar Schlagwärter mit denen sich der Film auseinader setzt. Wo da jetz die Kritik an dem Film ist bleibt mir verborgen. Viel Gewalt ist zu sehen, aber ich hatte keine Sekunde das Gefühl das der Film diese verherlicht.
genau. der ist bestimmt schwul und schwule tikken doch nicht richtig^^ bwahahaha geil, dass hier fans eines filmes der sich kritisch mit faschismus auseinandersetz, diesen verteidigen wollen, in dem sie SELBST faschistisch argumentieren HAHAHA geil ich liebe moviepilot, jeder denkt er wär kritiker und gott.
ich find uhrwerk orange scheiße und titanic erst recht. der eine zu alt und der andere zu kitschig. ich komm aus der pokemon generation und ich will verdammte laserstrahlen aus monstermündern schießen und in der karibik kämpfende piraten sehen. star wars ist auch scheiße:D
und jetzt? ich mag euch alle und respektier euren geschmack guckt doch was ihr wollt, aber lasst mich in ruhe mit eurer drecksmeinung^^ wenn jemand seine meinung abgibt, dann greift ihn gefälligst nicht persönlich an, es geht hier um FILME und die lieben wir doch ALLE, obwohl es im grunde genommen vollkommen ARMSELIG ist, in die glotze zu starren und ANDERE etwas erleben zu lassen, dass in wahrheit nie passiert ist und uns im NACHHINEIN noch in der realität mit menschen zu STREITEN:D ihr tickt ALLE nicht richtig. inklusiver mir:P
tja bin seit vorgestern oder so angemeldet, sorry, dass ich nicht wie du bin, tut mir echt leid. guck mal weiter clockworld orange und denk, du hättest IRGENDWAS kapiert^^ aber ist okay, du musst keine menschen akzeptieren die wenig kommentiert haben und ich muss keine menschen akzeptieren, die homophob sind.
Ein Meisterwerk. Brutal, zynisch, ironisch. Unterlegt von großartiger Musik (hier sticht insbesondere der 2. Satz von Beethovens 9. Symphonie heraus). Was als Tour de Force harter Gewalt beginnt, entwickelt sich zum einem gesellschaftskritischen Monstrum von Film. Kultig: die 70er-Ausstattung des Films, der vom russischen inspierierte Jugendslang und die Kostüme von Alex und seinen Droogs. Nach dem Film bleibt erstmal der Mund offen: So einen Streifen hat man noch nie gesehen. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich liebe ihn. Danke, Malcom McDowell. Danke, Stanley Kubrick
Sehr brutal, eigensinnig - schlicht genial – Kubrick-Box [3/7]
Die Geschichte über Alex, wird von einem neutralen Standpunkt aus erzählt. Zu neutral für einige Zuschauer damals, was einiges an Gesprächsstoff erzeugt hat. Stückweise sympathisiert man gar mit dem Hauptprotagonisten, vom Ende mal ganz zu schweigen. Die witzige Komponente kommt in diesem Werk auch nicht zu kurz – aber es ist Humor von der schwärzesten Sorte und für Kinder/Jugendliche auf keinen Fall geeignet.
Für alle Kinofans bleibt sein Film, der verstört und brutale Szenen beinhaltet, wie ich sie selten gesehen habe.
Das war nun meine zweite Sichtung des Films. Dieses mal in HD. Der Film ist auf jeden Fall besser als "Eyes Wide Shut" Alex wird mittels Gehirnwäsche zum guten Bürger um dann die Rache seiner noch lebenden Opfer zu erfahren. Sehr gut gemacht.
"Das hier bin ich, Alex, und meine drei Droogs Pete Georgie und Doofie. Wir hockten in der Korva-Milchbar und überlegten, was wir mit disem Abend anfangen sollten."
A Clockwork Orange ist die wohl bösartigste Vision die jemals gedreht worden ist. Für mich war dies Kubricks Meisterwerk, und A Clockwork Orange sein absolout kreativ Höhepunkt.
Der Film u nterscheidet sich in einer vielzahl von Punkten von allen anden, allen voran die exessive Gewaltdarstellung, die viele nackte Haut, und die Sprache, die im Film verwendet wird.
"Der Durango 95 schnurrte nur so los, richtig Horrorshow, und ein warmes Vibrato verbreitete sich in unserem Bauch. Und bald, meine Brüder gab"s überhaupt nur noch Bäume und Dunkelheit, die im Schwarz der Landnacht zusammenflossen"
Kubrick hat sich geschickterwise den genialsten Roman ausgewählt, der je geschrieben worden ist.
Das geniale ist der Charakter Alex. Man empfindet ein Abstoßen gegen ihn, veabscheut ihn Regelrecht, als er die Frau beim Einbruch in "HOME" vergewaltigt, und doch kann sich jeder mit ihm identifizieren, da Gewalt eine Phase im Leben ist. Jeder durchlebt sie, aber jeder wächst aus ihr heraus. Burgess (Autor von 'A Clockwork Orange') schaffte es schon in seinem Roman einzigartig, den Leser mit so einem fiesen Charakter wie Alex zu verbinden, Kubrick gelingt dies genauso gut. Durch das gezielte Ansprechen des Zuschauers (Alex nennt die Zuschauer öfters seine Freunde), wird ein Verhältnis mit Alex aufgebaut, wie es nie zuvor dagewesen ist.
Ein oft kritisierter Aspekt an Kubricks Meisterwerk ist die exessive Darstellung der Gewalt. Hierzu könnte man meinen, dass Kubrick sich über sie lustig macht, Alex singt zum Beispiel das ziemlich fröhlich daherkommende Lied 'I'm singing in the Rain' während er eine Frau vergewaltigt.
Dies ist jedoch komplett falssch verstanden, Kubrick verlangt vom Zuschauer, zwischen den Zeilen zu lesen und mehr in dem Film zu sehen. So gilt die Musik die die Gewaltszenen unterlegt eher als Distanzierung, und soll keineswegs eine verherlichung der Gewalt andeuten.
Doch wenn man sich den Film mal genauer ansieht, sind das Beängstigende nicht die Gewaltszenen die ihn so beängstigend machen, sondern das Zukunftszenario, in dem der Staat zurückschlägt. Das Gefängnis hilft nicht gegen die Kriminalität und die Aggressionen der Gefangenen (Dies ist auch wunderbar in King's 'Die Verurteilten' zu sehen), sondern Verstärkt den Drang zur Gewalt und dem 'Ultrabrutalem' nur noch. Also wendet der Staat andere Mittel an, da es anscheinend keinen anderen Ausweg gibt, wendet er sogar etisch nicht korrekte Maßnahmen an. Alex ist davon betroffen, der Staat macht ihn zu einer Uhrwerk Orange. Er lebt, kann sich jedoch nicht wehren und hat keinen Freien willen, ihm werden bei falschen Gedanken sofort physische Schmerzen hinzugefügt. So kommt es dann, das aufeinmal Alex, der am Anfang mit seinen Droogs einen Penner zusammengeschlagen hat, sich auf einmal von dem Penner und seinen ehemaligen Droogs Georgie und Dim zusammenschlagen lässt ohne sich zu wehren, nur um die Schmerzen nicht wieder aufleben zu lassen. Der Film macht deutlich, dass jeder Mensch ein Individuum ist, und jeder Mensch den freien Willen braucht, egal was er für ein Mensch ist! Dies sieht am Ende auch die Regierung ein, da Alex in seiner Verzweiflung einen Selbstmordversuch begeht.
A Clockwork Orange ist so schockierend und zeitlos wie kein ander Film, und das ist auch der Grund, warum er zu meinen absolouten Lieblingsfilmen gehört.
Ein Meisterwerk wie 'A Clockwork Orange' es ist könnte man in der heutigen Zeit einfach nicht mehr drehen, und wehe dem Fecken der Versucht ein Remake draus zu machen!
„Der Durango 95 schnurrte nur so los, richtig Horrorshow, und ein warmes Vibrato verbreitete sich in unserem Bauch. Und bald, meine Brüder gab's überhaupt nur noch Bäume und Dunkelheit, die im Schwarz der Landnacht zusammenflossen.“
Stanley Kubrick. Ein Name der aus der Filmwelt nicht mehr wegzudenken wäre. Ein Regie-Titan der die Filmwelt mit seinen Filmen nicht nur bereicherte sondern auch ungemein prägte. Er hat uns kunstreiche und philosophische Welten eröffnet die uns heute noch berühren und beeindrucken wie am ersten Tag. Mit seiner visionären Gewalt-Odyssee 'Uhrwerk Orange' von 1971 erschuf Kubrick eine meisterhafte, brutale und zeitlose Zukunftsvision aktueller denn je.
Alex stiehlt, schändet und mordet wie ein gewissenloses Raubtier. Man verhaftet ihn und sperrt ihn ein. Er wird einem grausamen Verfahren unterzogen, das ihn wieder "gesellschaftsfähig" machen soll. Ohne Makel nach außen funktionierend, im inneren jedoch verkrüppelt und völlig zerrissen. Was kann aber die Gesellschaft noch für oder gegen ihn tun, nachdem seine "Kur" ihn völlig verteidigungsfähig gemacht hat und er neuen Gewaltanschlägen völlig ausgeliefert ist.
'Uhrwerk Orange' ist ein Bilderrausch sondergleichen. Seine futuristische und gleichzeitig dreckig-gegenwärtige Welt wird von John Alcott in unglaublich kräftigen aber auch erschreckend düsteren Bildern festgehalten. Eine visuelle Achterbahnfahrt durch jegliche Höhen und Tiefen. Die grandiose musikalische Untermalung findet der Film vor allem durch klassische Klänge. Dominierend durch den Helden des Hauptdarstellers Ludwig van Beethoven, der Alex in andere Dimensionen bläst. Selten hat ein Film eine derart befremdliche und erschreckend anziehende Atmosphäre besessen die den Zuschauer immer wieder aufs Neue fesselt.
Malcolm McDowell spielt Alex und ist somit der wichtigste Akteur der Geschichte. Eigentlich sogar der einzig erwähnenswerte, denn die anderen sind nur Randfiguren oder dienen als Mittel zum Zweck. McDowell bringt eine großartige Leistung, seine wohl beste Karriereleistung. Er meistert den gewissenlosen Alex und den umerzogenen Musterbürger mit grandiosem Facettenreichtum und wächst mit der Laufzeit des Films. Den großen Durchbruch konnte Dowell mit dem Film dennoch nicht schaffen, den schaffte aber auch leider irgendwie nie. In der Filmwelt war er zwar immer anwesend, hält sich aber eher im Hintergrund auf. Ein typischer Nebendarsteller. Was umso tragischer ist, denn hier hat Dowell direkt bewiesen zu was er in der Lage ist.
Gewalt ist überall. Gewalt ist in jeden von uns und wird so auch immer ein Teil von uns bleiben. Manche befriedigen sich durch die unbändige Brutalität die sie ausleben. Andere verschaffen sich Respekt dadurch, zwar einen fragwürdigen, aber dennoch Respekt. Wieder andere gebrauchen es um ihre Meinungen kundzutun. Um den nötigen Wind zu entfachen der einen gefährlichen Ruf schafft. Nutzlos ist sie genaugenommen schon, aber in manchen Fällen der einzige Ausweg, denn genauso effektiv ist sie eben auch. Auch die Formen der Gewalt sind variabel angesiedelt. Ist sie rein körperlich, ein Moment des Schmerzes. Ein Moment den man aber im besten Fall aber wieder auskurieren kann. Handelt es sich aber um psychische Gewalt, die noch brutaler als die physische ist, kann sie einen Menschen grundlegend verändern und schwerwiegende Auswirkungen auf das restliche Leben haben. In 'Uhrwerk Orange' treffen alle Aspekte ein und werden verquirlt zu einer Explosion aus Zorn und Ehrfurcht.
Mit Alex bekommen wir einen durch und durch verdorbenen Charakter. Sein Leben wird von Gewalt bestimmt. Auch die sexuelle Gewalt spielt hier ihre wichtige Rolle. Vergewaltigung, Prügeleien und Diebstahl bestimmen sein Leben. Ein Leben das er so verehrt. Ohne jegliche führende Hand im Leben, auch nicht durch die Eltern, lebt er jede Nacht sein Verlangen aus und stürzt sich von einem Rausch in den nächsten. Ohne Rücksicht und ohne Gewissen wütet er durch seine eigenkreierte Horrorshow. Sein eigener Wahnsinn wird dabei immer von Beethoven unterlegt, der ihn in unbeschreibliche Ektasen verfrachtet. Nachdem der eiskalte Gang-Anführer Alex von seiner Crew ein Bein gestellt bekommt, kommt er ins Gefängnis. Hier wird er ausgewählt und zu einem Experiment überredet, dass ihn schneller aus dem Gefängnis bringt. Alex muss sich einer Gehirnwäsche unterziehen. Die Gewalt, die Alex lebte wird ihn durch erschreckendes Filmmaterial ausgetrieben. Mit technischer Dornenkrone und Augenklammern versehen kann er sich dem Übel zu keiner Zeit entziehen. Das was ihn ausgemacht hat wird sein größtes Verhängnis. Er wird vom gnadenlosen Raufbold zum zahmen Gutmenschen. Jeder Gedanke an Sex oder Gewalt löst in ihm einen Strudel aus grober Übelkeit und blankem Schmerz aus. Auf freiem Fuß wird er mit den Menschen konfrontiert die er misshandelt hat und muss bezahlen. Die Gewalt die ihm ausgetrieben wurde, erlebt er nun am eigenen Körper. Doch die Gewalt selbst kennt noch andere Wege...
'Uhrwerk Orange' ist die einmalige Charakterstudie über einen Menschen der Gewalt in jedem Ausmaß auslebt, erlebt und erfährt. Aber es ist auch eine Studie und eine Beleuchtung der Gewalt selbst und über ihre unbegrenzten Auswirkungsmöglichkeiten. Was dabei aber nie als Gewaltverherrlichend dargestellt wird. Dabei bleibt sich Kubrick, wie gewohnt, durchgehend treu und zeigt die Gewalt in schonungslosen und abstoßenden Bildern die durch seine perfekte Inszenierung immer wieder philosophisch, unglaublich Gesellschaftskritisch und beeindruckend Visionär erscheinen.
„Wir fühlten uns ein wenig schlaff und abgefuckt, denn schließlich, oh meine Brüder, war es doch ein Abend mit einem gewissen Energieverbrauch.“
Fazit: 'Uhrwerk Orange' ist einer der besten und bedeutungsvollsten Filme der Filmgeschichte. Seiner Zeit lang voraus, verstörend, faszinierend, künstlerisch und absolut genial. Gesegnet mit einer grandiosen Bildersprache, provokativen Musikwahl, bizarren Dialogen und einem hervorragenden Malcolm McDowell. All das macht 'Uhrwerk Orange' zu einem Film den jeder gesehen haben sollte, aber sicher nicht jedem gefallen wird. Ein typischer Kubrick - unvergesslich.
„Nichts ist grauenhafter als Brutalität! Genau das lernen Sie hier… Ihr Körper lernt es!“
Stanley Kubrick steht für mich für Szenen die bis zur Perfektion gedreht wurden, für geniale Film Musik welche die Stimmung perfekt untermalt und wiedergibt , für die tiefe Symbolik . In einem Kubrick Film müssen die Schauspieler bis an ihre Physischen und Psychischen Grenzen gehen. Seine Filme sind Kunst , auf die man sich einlassen sollte. Vor allem bei Clockwork Orange sollte man diese Genialität beachten, was vielen wegen der grausamen Gewalt Darstellung und den verstörenden Szenen schwer fällt.
Die Leinwand ist ein magisches Medium. Es gelingt ihr, unser Interesse zu halten, während sie uns Gefühle und Stimmungen auf eine Art vermittelt, zu der keine andere Kunstform fähig währe- Stanley Kubrick
Ich habe auch viel gelacht. Vor allem in der ersten Hälfte des Films.
Nicht über die Gewalt, aber über alles dazwischen. Für mich kam der Film rüber wie eine (wenn auch schwärmerische) Parodie der männlichen Jugend.
Der kleine Teenie ist laut, triebgesteuert, die Gewaltexzesse scheinen die ein odere andere Machtphantasie eines kleinen, pickligen 13-Jährigen zu zeigen. Die Phantasiebegriffe zeigen das Rätsel der Jugendsprache, die gleichzeitig wie eine Babysprache wirkt. Er hängt in einer supercoolen, chauvinistischen Männerbar rum und trinkt.... *trommelwirbel* - Milch! Und zwar noch von Mutters Brust :D
Sexismus vereinigt sich so total zu dem, was es oft ist : kindisch.
Die zweite Hälfte des Films spricht dann etwas anderes an. Dann geht es um Moral, um die Frage nach dem Überwachen und dem Strafen. Hier interessiert der Teenie nicht mehr, sondern die, die ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Und wie sie ihn immer weiter (ver)formen, nach ihren, nicht nach seinen Interessen.
Auf einmal ist der Freigeist gar nicht mehr frei, sondern zeigt sich als das, was er von Anfang an war - das Produkt einer leuchtenden, selbstgefälligen, den Zeigefinger hebenden, brutalen und chauvinistischen Gesellschaft.
Abgesehen davon, der Film war seiner Zeit nicht voraus. Alles was er zeigt, gibt es nicht erst seit dem neuen Jahrtausend. Die Jugend ist auch schon in den letzten Jahrtausenden so gewesen.
Der Film hat einen tiefsinnigen Humor eine Story bei der jede Ecke zur Konstruktion passt...gute Kamera...mehrdimensionales Thema...hinterfragt ethische Dinge...zeigt wie schön Sex und Gewalt sein kann.
Ein Film über die Neue Weltordnung. In der VIPs immer noch Krimminelle gebären.
Im jahre 1969 hielt Dr Day ein Vortrag vor 80 Ärzten. Er war ein Insider der großen verschwörung. Er hat über Pläne referiert die zur endgültigen neuen Weltordnung führen sollen. Interessant dass seine Aussagen dem Inhalt des Filmes ähneln:
- schrittweise Einführung von Sex, Obszönitäten und Gewalt in Filmen
- Kriminelle in Krankenhäusern wie in Gefägnissen halten
- die Musik soll extra schlechter werden
- reduktion der Menschheit (auffälig wie wenig Menschen in seinen Filmen sind)
- Codesprache
- Gedankenkotrolle
Im Film wird nur 5% von dem Inhalt des Dr Day gezeigt aber jetzt versteht man den Film! So sehen die Obersten der Wirtschaftspyramide die normalen Menschen. Sie müssen "geheilt" werden.
Wenn jemand der die ganze Zeit nur die extra schlechte Musik gehört klassische Musik hört, oder mit klassischer Musik nur grausames assoziiert und man spielt die klassische Musik ab wird ein stark betroffener wie Alex nach dem Asschalten der Musik schreien und sich den Tod wünschen. Andernfalls platzt der Kopf wie in Mars Attacks wenn Schallplatten zur Belämpfung der Aliens eingesetzt wird.
Tja, weiß nicht was ich sagen soll. Eigentlich mag ich diese Art von Filmen überhaupt nicht, bin aber hin und hergerissen. Der Film ist schon ziemlich strange und schwer zugänglich, finde ich, weil er so philosophisch daherkommt. Habe mir bisher nur FULL METAL JACKET von Kubick angesehn und den fand ich eher langweilig. Am Anfang hat mich die Musik etwas gestört, nach einer Weile hab ich mich aber dran gewöhnt. Die Sprache fand ich absolut grauenhaft. In der deutschen Synchro werden viele Redewendungen nicht übersetzt, um den Originaltext nicht zu sehr zu verfälschen, aber „alright“, „fine fine“ oder „well“ hört sich in der deutschen Synchro eben total bescheuert an. Empfehle den Film also auf Englisch zu schauen. McDowell's schauspielerische Leistung fand ich dagegen genial. Das Drehbuch ist intelligent und gut durchdacht.
Manchmal eilt einem Film sein Ruf derartig voraus, dass das Bilden einer eigenen Meinung etwas schwer fällt. So ging es mir vor etlichen Jahren, als ich "Clockwork Orange" zum ersten Mal sah. Zu sehr wurden mir von allen Seiten die Worte Klassiker, Kultfilm und Meisterwerk eingetrichtert. Nicht zuletzt von meinem damaligen Lehrer (Werte und Normen), der uns zu unserem Thema, der menschlichen Psyche, immer wieder vorhielt, wie genial dieser Film sei (den Mut, ihn vor der Klasse zu zeigen, hatte er aber scheinbar nicht). Aufgrund dieser Vorschußlorbeeren wurde mein Urteilsvermögen leider beeinträchtigt, warum genau kann ich gar nicht mehr sagen. Die Qualität des Films war offensichtlich, ich wurde aber nicht richtig warm damit.
Hat lange gedauert, ehe ich ihn wieder an einem Stück gesehen habe, aber der Abstand war scheinbar groß genug, wodurch ich jetzt mit voller Überzeugung sagen kann: Ja, "Clockwork Orange" ist ein Meisterwerk, seiner Zeit weit voraus und bis heute mit praktisch nichts vergleichbar.
Stanley Kubrick entführt uns in eine bizarre, futuristische Welt, wodurch der Film allerdings keinen Science-Fiction-Anstrich bekommt. Es scheint mehr wie ein sureales, verzerrtes Spiegelbild der Realität, mit einem merkwürdig enthemmten Umgang mit Sexualität. In dieser Welt wütet der von Malcolm McDowell grandios gespielte Alex. Brutal, rücksichtslos, unbarmherzig, hoch intelligent. Ein Monster, der Alptraum einer jeden Gesellschaft. Nachdem ihn seine Taten endlich hinter Gitter gebracht haben, stellt er sich freiwillig einem Experiement zur Verfügung, um möglichst schnell wieder in Freiheit zu gelangen. Ab dem Punkt zeigt Kubrick, wie sehr sich der menschliche Geist manipulieren lässt, wie er sich durch Konditionierung brechen lässt und was passiert, wenn der Mensch des eigenen Willen beraubt wird.
Man entwickelt dadurch fast Mitleid mit Alex, der danach wie ein angeschossenes Reh durch die Welt irrt, die er zuvor wie ein Raubtier dominiert hat. Nun ist er die Beute, hilflos der Vergeltung seine ehemaligen Opfer ausgeliefert.
Kubrick's Inszenierung ist brilliant, selbst nach 40 Jahren hat der Film kein bißchen Intensität eingebüßt. Seine berüchtigte Gewaltdarstellung ist nach heutigen Maßstäben natürlich nicht mehr skandalös, viel explizieter geht es heute zu. Seine eindrucksvolle Wirkung, poetische Erzählweise, bissige Gesellschaftskritik und seine Einzigartigkeit ist aber etwas, was wohl nie überholt werden wird.
Sollte ich heute zufällig meinem damaligen Lehrer über den Weg laufen, ich würde ihm auf die Schulter klopfen und sagen: "Clockwork Orange, genial, righty right!"
Der grausame Weg des Unvermeidlichen, gegangen von einem Opfer seiner selbst, vor allem aber der Gesellschaft, die ebenso grausam und kaltblütig ihre geheuchelten moralischen Prinzipien wie Vergebung und das Recht auf eine zweite Chance gegen die Maxime "Auge um Auge" eintauscht.
Ein wahres Meisterwerk in Sprache und Geist, welches vor allem in der zweiten Hälfte gerade durch seine Unausweichlichkeit beim Zuschauer ein gewisses Unbehagen und einen Anflug von Übelkeit verursacht.
In jedem Fall ein einmaliges, geniales und ebenso unausweichliches Stück Filmgeschichte, welches man keinesfalls links liegen lassen sollte.
Hi, hi, hi, meine Brüder! Nach einem erfrischenden Glas Molocko-Plus fühlte sich euer ergebener Erzähler nun dazu geneigt, seinen Zuhörern ein wenig von einer ultrabrutalen Horrorshow namens „Clockwork Orange“ zu berichten. Die hat ihm so richtig das Hirn verknotet und ist härter als das ewige Rein-Raus-Spielchen, genüsslicher als jeder Zuckerphallus und aufregender als eine wilde Fahrt mit einem Durango 95 vorbei an den Bäumen in das tiefe Schwarz der Nacht.
Welly, welly, well, alles dreht sich um den Beethovenfan Alex DeLarge, der ganz und gar kein gewöhnlicher Maltschik ist, denn wenn er mit seinen Droogs loszieht, endet das nicht in den üblichen Alkohol- und Drogenexzessen, sondern in Ultrabrutalem, Vergewaltigungen von Dewotschkas und Tollschocks, wonach dem fantastischen Abend mit einem Gläschen Zitzenmilch in der Korova-Milchbar das Krönchen aufgesetzt wird. Bei dieser scheinbar so sinnlosen Gewalt, mit der die vier in den Farben der Unschuld gekleideten Bandenmitglieder ein Menschenleben nach dem anderen ruinieren nur um etwas Spaß zu haben, sollte eurem Erzähler eigentlich rasende, intolerable Schmerzen in den Gulliver schießen, doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Unterlegt mit der Neunten des göttlichen Ludwig Van wirkt Stanley Kubricks stilisiertes Haudrauf auf ihn faszinierend, lässt seine Bodyhärchen aufstehen und so zu einem von Alex‘ Komplizen werden.
Nicht, dass euer Freund und ergebener Erzähler ein Befürworter des Ultrabrutalem wäre, doch wird hier ein Spielchen mit ihm getrieben, das zur Folge hat, dass in ihm neben der enormen Abscheu für die grauenvollen Taten ein unangenehmes Rauschgefühl entsteht, dem er sich, so seltsam es klingen mag, nur schwer entziehen kann. Schläge in die Eggiwex sind in bester Musicalmanier inszeniert, lauthals wird „Singing in the Rain“ geträllert und dazu getanzt, was die Gewalt so unwirklich und surreal erscheinen lässt, dass sie schon fast als neue Art der Kunst durchgehen könnte. Oh, meine Brüder, es sind Szenen, die wie Spiegel sind, die die innere dunkle Seite eines Jeden nach außen kehren, deren Existenz sich vielleicht gar nicht jeder bewusst ist und auch wenn man es sich nicht eingestehen will, sie ist da, righty right?
Die Droogs lassen also so richtig schön die Kuh fliegen. Doch woher kommt all die Lust nach all dem Tschipoke? Die Welt, in der Alex lebt, ist gewiss keine, in der es ihm unmöglich ist, ein erfülltes Leben zu genießen. Er hat seine Kumpanen, seine Musik, Frauen und Eltern, die sich um ihn kümmern. Nur eines fehlt und das ist die freie Verwirklichung seines Selbst, nach dem sich Alex in diesem Spießbürgertum sehnt, woraus er unbedingt ausbrechen möchte. Auf die Spitze getrieben wird dieses Thema natürlich dann, wenn Alex zur Behandlung der Ludovico-Therapie unterzogen wird, nach der er nicht mehr fähig ist, irgendeine moralische Entscheidung zu treffen. Der Staat nimmt ihm diese ab und führt ihn dazu, alles in dessen Sinne Richtige zu tun und ergreift somit jegliche Kontrolle über seine Opfer wie ein Marionettenspieler.
So entpuppt sich auch der wahre Übeltäter, der der Menschheit die Möglichkeit des freien Willens raubt und so zu einem funktionierenden Uhrwerk umprogrammiert, das ganz genau so tickt, wie es eben eingestellt wird. Das ist die wahre Gewalt, welche den einzelnen zwar zu einem Schoßhündchen transformiert, deren Folge es jedoch ist, dass lediglich mehr Gewalt entsteht und nur Opfer und Täter ihre Rollen tauschen. Es sei denn, der Staat manipuliert all seine Bürger auf diese Art, doch kann dann noch von einer lebenden Gemeinschaft gesprochen werden, deren Tun von einem anderen bestimmt wird? Ein System ohne Leid und Schmerz kann in einer Gesellschaft nicht existieren, solange wir Menschen darin involviert sind, denn der Sinn nach Rache und bösen Gelüsten ist in uns allen tief verankert. Maltschiks mit düsteren Gedanken gehören einfach dazu, so wie das Rein zum Raus oder das Plus in das Glas Molocko.
Das ist zwar alles andere als gut, aber immerhin besser, als sich nicht selbstständig für das Gute oder Böse entscheiden zu können. So muss ein Wechsel der Fronten ebenfalls durch den freien Willen und Überzeugung erfolgen, denn die Nebenwirkungen werden heftig sein. Dies verdeutlicht in diesem Beispiel, dass Alex nach seiner Behandlung fortan nicht mehr in der Lage ist seine innig geliebte Neunte des gottesgleichen Ludwig Van zu hören.
Well, nach über zwei Stunden Horrorshow war euer Erzähler einerseits von einem heftigen Gefühl der Euphorie gepackt, da sie ein unvergleichbares Festmahl für seine Glotzies war, doch anderseits konnte er es kaum glauben, von einem Mörder fasziniert zu sein und ihm später sogar noch Mitleid entgegenbringen zu können. Kubrick zauberte aus Burgess‘ Vorlage einen Film auf den Screen, der so wunderbar manipulativ ist wie die Behandlungsmethode, die an Alex ausprobiert wird. Ebenso wie ihm wurde uns durch die perfekte Inszenierung die Entscheidung abgenommen, zu welcher Seite wir uns hingezogen fühlen. Sollte es nach dem Abspann jemanden danach gelüsten, selbst ein Droogy zu werden und mit Alex einen grausamen Rachefeldzug starten zu wollen, dann hat Kubrick sein Ziel erreicht und alles richtig gemacht, alright?
@ Jack: Danke!
@ tee: Auch ein Danke an dich! Die Doku kenne ich nicht, werde aber mal schauen, ob ich die vielleicht irgendwo auftreiben kann. :)
@ pat: Macht doch nix. Deinen Geschmack finde ich trotzdem noch gut. ;D
das ist ein absolut genialer und verstörender Film. Wertung zurecht gegeben. aber humorvoll find ich den jetzt auch nicht gerade. hat zwar optisch ein zwinkerndes Auge, aber bei der bedrückenden Atmo kam bei mir nicht ein Lacher raus.
nee nee nee :) die ganze gesellschaftsproblematik und philosophie kam schon an. teilweise wird das ja ganz direkt in den dialogen/monologen verhandelt. war die ganze zeit beschäftigt damit zwischen den zeilen mitzulesen... nur in der weisheit/menschenkenntnis/geneuen beobachtung liegt eben der humor und viele situationen/szenen waren für mich tief humoristisch, wohl weil alles so überzogen/karrikiert/symbolisch dargestellt ist. und ja, ich mußte öfter laut lachen :)
Ursprünglich hatte ich A Clockwork Orange als Hassfilm eingestuft. Jetzt hat er eine zweite Chance bekommen und es immerhin auf ein 'uninteressant' geschafft. Wer weiß, in zehn Jahren gefällt mir der Film vielleicht sogar. Beginnen werde ich einfach damit was mich am allermeisten stört. Ich hasse den Protagonisten so sehr, dass ich am liebsten ins Bild springen und ihn abknallen würde. Was unter anderem aber auch an der großartigen Schauspielleistung von Malcolm McDowell liegen könnte und damit wiederum einen kleinen Pluspunkt als Ausgleich darstellt. Kommen wir zum zweit schlimmsten - dem Slang. Er ist einfach unbeschreiblich nervig und teilweise verachtenswert (Rein-Raus-Spiel als Synonym für Vergewaltigung). Drittens, klassische Musik in Ehren aber hier ebenfalls unbeschreiblich nervig. An mehr als einer Stelle bewirkt sie sogar eine Verharmlosung der Gewalt (Bsp: Alex wird unter Wasser gehalten und dabei geschlagen. Die Schläge wirken auf mich so als seien sie nicht gefährlich. Ist sicherlich Ansichtssache.) Viertens, dieser furchtbare britische 70er Jahre Stil schmerzt in den Augen. Fünftens, kann ich kein Mitgefühl für den Protagonisten aufbringen. Alles was ihm während der Behandlung und danach passiert, entbehrt nicht einer gewissen Gerechtigkeit. Ich halte es für Schwachsinn dass ihm der freie Wille genommen wurde. Er ist nach der Behandlung noch genauso psychopathisch und triebgesteuert wie vorher. Ihm wurde die Entscheidung zum 'Bösen' auch nicht abgenommen. Den Willen Gewalttaten zu begehen hat er ja immernoch auch wenn er sie nicht ausführen kann. Alex wird zwar von allen möglichen Seiten dazu genutzt für die eigene Sache Stimmung zu machen, doch kommt er mir viel zu gut weg als dass ich groß auf die Gesellschafts-, Wissenschafts- und Staatskritik anspringen könnte. Wenn ich einen moralischen, ethischen oder sonstigen Schluss aus A Clockwork Orange ziehen soll, erwarte ich auch ein dementsprechendes Ende. Glücklich könnte ich nur sein mit der Gewissheit dass Alex für den Rest seines Lebens in einer Zelle bei Wasser und Brot vergammelt oder schlimmeres.
Mein Fazit: Es handelt sich hier um einen in die Jahre gekommenen und hoch gehypten 'Kult'-Film, alright?
In wie fern? Seine Gesellschaftskritik ist doch mehr Vorwand für eine Handlung, statt dessen Inhalt zu sein. Sollte es um die Verharmlosung durch klassische Musik gehen, habt ihr sicherlich recht. Doch ein Ziel Kubricks ist es auch dass einem der Film gefällt. Hätte ich nur 'Meisterwerk' wie viele andere geschrieben, würde sich keiner daran stören. Wieso wird hier ein äußerst fragwürdiger Film so konsequent verteidigt? Ohne jemandem etwas vorwerfen zu wollen, werde ich das Gefühl nicht los, dass ein Haufen Schafe das Schaf-Sein verteidigen, ähnlich Tarantinos Filme die teils aus Prinzip als 'herausragend' aufgenommen werden.
Nun, ich habe nicht grossartig verteidigt sondern eine Vermutung angestellt. Kubrick selber kann man ja nicht mehr fragen.
Du hast natürlich recht den Film als fragwürdig zu bezeichnen, denn Gewalt in den Medien ist immer fragwürdig.
Leider habe ich den Anfang der Diskussion gestern nicht mitbekommen und so ist natürlich die Gefahr gegeben, dass ich Argumente wiederhole.
Ich persönlich kann eigentlich nur sagen, dass mir im Film weder Alex noch seine Gang sonderlich sympathisch waren. Auch finde ich seine Bestrafung wiederwärtig. Ich kann da nichts entdecken was cool, hip oder sonstwas ist. Auch wird, meiner Meinung nach da nichts verharmlost, sondern die Gewalt wird als das dargestellt was sie ist: einfach nur Hässlich.
Es wird das Bild einer Gesellschaft gezeichnet, in der sich jeder selbst der nächste ist und Gnadenlosigkeit das Grundprinzip ist.
Wie wir es aufhalten können, in solch eine Gesellschaft zu kommen bleibt uns selbst überlassen, diese Lösung also die Katharsis verweigert uns Kubrick.
Das ist es, was diesen Film zum Meisterwerk macht. Und heh! Wir disktutieren immer noch darüber! Fast 40 Jahre später. Und drüber sprechen ist immer besser als sich schlagen.
@crab1973, ok das ist eine Meinung die ich akzeptieren kann, auch wenn ich den Film selbst etwas anders sehe. Was die Gewalt angeht: Vergewaltigung wird hier als Verbrechen doch ziemlich relativiert in dem sie es als Spiel bezeichnen. Oder dass diejenige sich umgebracht hat, wird auch nicht gezeigt, sondern nur 'erwähnt'.
Zwar sitzt der Mann dann im Rollstuhl, wird aber selbst wieder als ein Täter dargestellt, der Alex für seine Zwecke einsetzen will, ohne dabei sein Vorgehen wenigstens als Konsequenz der an ihm verübten Gewalt darzustellen und damit außer Acht zu lassen. Sinnbildlich für das was ich zu sagen versuche sind praktisch die 2. Weltkriegsszenen die mit klassischer Musik unterlegt wurden. Ich sage nicht dass eine Ästhetisierung beabsichtigt wurde, aber doch als ein Nebenprodukt dabei heraus kam.
@crab1973: einfach den Kommentar von Verlah lesen, da nahm das Ganze seinen Anfang.
@Azazil: ein Film mit derart kontroversem Potential wird auch immer Fans generieren, die von gewissen Details begeistert sind, aber nicht mehr als die vielzitierten Löcher im Käse dabei sehen. Ist ja bei Tarantino oft nicht anders. Diese Fans können dann tatsächlich maximal Meisterwerk brüllen. Das klappt aber auch umgekehrt. Kubrick und Tarantino beispielsweise wohnen Stärken inne, die gewisse Grenzen persönlicher Geschmäcker überwinden können. Deshalb käme ein Cameron Film bei mir auch nie auf glatte 0 Punkte. Aber solche Dinge werden gern übersehen.
Absolut okay.
Übrigens hast Du in einem anderen Punkt auch Recht. Kubrick wollte immer Filme drehen, die dem Publikum gefallen und war selber sehr schockiert über die Wirkung die "A Clockwork Orange" hatte.
Sagt jedenfalls seine Witwe in der sehr sehenswerten Doku: "Stanley Kubrick - A Life in Pictures"
@doctorgonzo, ich muss dir in den Punkten zustimmen, dass der Film keine 0 Punkte verdient hat und dass dieses 'Meisterwerk'-Gebrülle manchmal leider auch anders herum stattfindet.
@crab1973, die Doku muss ich mir mal anschauen, da ich ansonsten Kubricks Filme für überaus sehenswert halte, Full Metal Jacket allen voran.
Uhrwerk Orange - Kritik
GB 1971 Laufzeit 137 Minuten, FSK 16, Drama, Komödie, Kinostart 23.03.1972
Kritiken (5) — Film: Uhrwerk Orange
SiameseMax: SiameseMovies
Kommentar löschen[...] Stanley Kubricks wohl umstrittenste Regiearbeit aus der Blütezeit seiner mittlerweile schon legendär gewordenen Karriere ist kaum zu beschreiben: Bedeutsam und wuchtig, seltsam und verstörend, vielsagend und gleichzeitig schwer zu fassen. Ungestüm klagt er ein großes Ganzes an und greift gleichermaßen nahezu unzählige Facetten eines brisanten Themenkomplexes auf, dessen scheinbar banal-plakative Message sich als tief in der Seele unserer Zivilisation verwurzelt und trotz aller vordergründig abgehobenen Realitätsferne voller Wahrheit steckend entpuppt: „Gewalt erzeugt Gegengewalt“. Kubrick sei Dank macht es „A Clockwork Orange“ sich und dem Zuschauer die Sache nicht ganz so einfach, und dabei ist es gerade die Stilisierung der expliziten Gewalt, die als Hauptaugenmerk vieler Kritiker Kubrick den Vorwurf der Gewaltverherrlichung und sogar der Menschenverachtung einbrachte, welche den Film so ungemütlich macht und viele Fragen aufwirft, ohne befriedigende Antworten zu liefern, die den Zuschauer aus seinem Schock befreien und wieder wohlig in Watte packen würden. [...]
Kritik im Original 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
C. Friedrich: aka Filmclub (a.D.)
Kommentar löschenClockwork Orange ist sicher ein Film aus der zweiten Reihe, wenngleich Kubrick hier die Abgründe in der menschlichen Psyche am extremsten und auf's schmerzlichste darbietet - und der Film deshalb auch nur knapp der Zensur entkam. Der Film fasziniert auf unangenehme Weise, zumal Kubrick es schafft eine groteske, ja sogar komikhafte Szenerie zu schaffen, die nicht zuletzt durch hervorragend kontrapunktierte Musik erzeugt wird.
Aus heutiger Sicht verliert die Kernaussage allerdings an Wirkungskraft, da Gewalt in den meisten unserer Medien stets allumfassend präsent ist, sollten alle Menschen von ihrer inneren Gewaltbereitschaft geheilt sein.
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Flibbo: wieistderfilm.de
Kommentar löschen„Uhrwerk Orange“ ist Kubricks schwierigster, weil undurchsichtigster Film. Er stellt so viele Fragen über menschliches Verhalten, Moral, Psychologie, Politik und die Gesellschaft, dass er es geradezu darauf anlegt, falsch verstanden zu werden. Viel Kontroverse – und daraus resultierend auch ein Kult – ergab sich durch die vermeintliche Verharmlosung von Gewalt, wie sie im Film durch Zeitlupen, Fröhlichkeit und klassische Musik erreicht wird. Das macht einfach neugierig und bescherte „Uhrwerk Orange“ seinen hohen Status in der Filmgeschichte. Doch so zweifelhaft, wie der Inhalt dieser Romanverfilmung bleibt, so klar auf der Hand liegt Stanley Kubricks fantastisches Gespür für inspirierte Bilder. [...]
Kritik im Original 9 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten
Imran 2011/02/26 18:15:36
Antwort löschenFast so schön wie ich der Film.
Hitmanski: Reihe Sieben / MehrFilm / I...
Kommentar löschenWenn man mal von 15jährigen Alkopop-Kids an der Tankstelle absieht, dann gibt es ja generell wenig Menschen, die sich wünschen würden wesentlich älter zu sein, als sie es momentan sind. Ich muss gestehen, für knapp drei Stunden wäre ich gerne 40 Jahre gereifter gewesen - und das nur deshalb um bei der Premiere von "Clockwork Orange" irgendwo im Kino zu sitzen. Denn obwohl der Film auch heute noch ein Potpourrie aus Sex, Gewalt, grellen Farben und klassischer Musik ist - diese einhundertprozentige Faszination und/oder Abscheu die er damals zu Zeiten seiner Uraufführung ausgelöst hat, die kann er heute nicht mehr transportieren. Das liegt weniger am Film selber - die Werke von Kubrick sind in vielen Punkten zeitlos (das muss ich sogar für den mir verhassten "2001" zugeben) - sondern viel eher an den veränderten Sehgewohnheiten von heute und die Gewöhnung an Dinge, die damals noch für einen Aufschrei gesorgt haben. Man könnte glatt sagen, die Realität hat…
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Floyd B. 2010/11/13 23:46:24
Antwort löschenGenauso hätte ich die Kritik zu Clockwork Orange geschrieben ... wenn ich es könnte. Versteht sich. ;)
Obwohl dieser Film von dir als "Lieblingsfilm" eingestuft wird, ist deine Kritik statt von purer Begeisterung mit negativ klingenden, nicht negativ gemeinten, Kritikpunkten durchzogen.
Lieber Hitmanski, ich habe den Verdacht, dass du mit Kubrick echt zu kämpfen hast.
:D
Hitmanski 2010/11/13 23:56:01
Antwort löschenDu kannst das - glaub an dich; gibt doch schon ´ne ganze Reihe lesenswerter Sachen von dir - mit Ausnahme des "Antichrist"-Textes, der zwar nett geschrieben, aber leider vollkommen falsch ist :D
Aber du hast Recht, ich hab so meine Probleme mit Kubrick (der ja auch einfach überbewertet ist ;) ), und von allen Lieblingsfilmen, die ich mein Eigen nenne, ist "Clockwork" sicherlich derjenige, dem ich den größten Respekt, aber auch den wenigsten Enthusiasmus entgegenbringen kann.
Eher eine Liebe, die über den Kopf, als über das Herz funktioniert - aber auch sowas muss es ja ab und an geben ;)
Floyd B. 2010/11/14 01:02:30
Antwort löschenWas für eine kalte Liebe - und ein Wunder, dass sie Bestand hat.
Apropos kalt: Antichrist ist Schrott. Nein, warte. "Schrott" trifft es noch nicht ganz genau ... sChROtT!
Eines muss ich ihm aber lassen: Ich habe lange (sehr sehr lange) grübeln müssen, wie ich den Film überhaupt fand.
Ich glaube, wir streichen das "van Trier VS. Kubrick fanatische-Anhänger-Schlamm-Catchen" auf irgendwann oder niemals, da deine Pokemons "Gehirnwäsche" einsetzen, während meine nur "Euphorie" perfektioniert haben. Wir beide würden auch so glücklich werden. Denn im Großen und Ganzen fressen unsere Filmgeschmäcker das gleiche grüne Gras.
Und: Mir ist die angeblich allgemeine Beliebtheit von Kubrick noch niemals begegnet. In meinem Umfeld stoße ich eindeutig vielmehr auf Abneigung bei seinen Filmen. Ich bin nur etwas über das "überbewertet" erstaunt. Ich dachte immer, dass jeder sich der Kunst und dem Kult (bei Clockwork Orange auch "coolness") bewusst ist, aber man es eigentlich scheiße findet.
Hitmanski 2010/11/14 20:52:33
Antwort löschenWas für eine Bildersprache - Pokemons und ein Filmgeschmack der Gras frisst. Du bist schon näher bei vonTrier, als du glaubst ;)
Im übrigen möchte ich anmerken, dass es unglaublich ungerecht zugeht auf dieser Welt, wenn du hier ungestraft "Antichrist" als sChROtT! bezeichnen darfst, während mir hier seit zwei Tagen der Posteingang zugespammt wird, weil ich den öden "Oldboy" als Blödsinn bezeichnet habe. Wollt´ich nur einmal gesagt haben!
Ich beneide dich um deinen Freundeskreis; meiner palavert ständig von Kubrick, und kein Videoabend vergeht, an dem ich nicht gezwungen werde, einen seiner langatmigen Filme anschauen zu müssen - und das sind ja nun eine ganze Menge ;)
Alle 6 Antworten zeigen
Floyd B. 2010/11/15 00:17:46
Antwort löschen...
...
...!
VERBRENNT IHN! XD
Ja, die Welt ist ungerecht. Ich werde dich zwar im oldboy-Attentat nicht unterstützen können, aber von mir aus kannst du den Film zerreißen und zerhacken wie du willst, solange du die Coen Brothers nicht als belangl...
...
...
VERBRENNT IHN ZWEIMAL!
(Irgendwann, wenn mir eine Kritik von dir inhaltlich nicht gefällt, schreibe ich einfach "Das ist der Typ, der Oldboy schlecht findet" darunter! ;)
Gute Besserung von all den Ohrfeigen. Jede davon resultierte aus Verzweiflung. :)
Horrorshow!
TheJoker 2011/02/09 00:14:10
Antwort löschenxD hat echt Spaß gemacht, eure kleine "Auseinandersetzung" mit-zu-verfolgen ;-)
Mr Vincent Vega: Fünf Filmfreunde, gamona, D...
Kommentar löschenEin zwiespältiges Experiment: Als gesellschaftliche Utopie über Entfremdung, Faschismus und Medienverfall lesbar, ergötzt sich der Film an seiner verzerrten Ästhetik und unterzieht den Zuschauer jener Manipulation, die auch dem jungen Alex in der Handlung widerfährt. Ein zum Klassiker verklärtes, menschenfeindliches Faszinosum.
8 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 25 Antworten
Julio Sacchi 2009/08/05 14:45:29
Antwort löschenJetzt vergreifst Du Dich auch schon an unbestrittenen Großtaten der Filmgeschichte...? Quo Vadis, Vinnie?
HauntedSaint 2009/09/26 17:16:53
Antwort löschen4.5??
Das solltest du aber ein bisschen genauer begründen
Greenz 2009/10/01 15:37:02
Antwort löschen4.5 punkte für clockwork orange,und titanic fast die höchstpunktzahl da kann doch was mit deinen bewertungen nicht stimmen
brenton 2009/10/10 20:42:03
Antwort löschen"Ein zum Klassiker verklärtes menschenfeindliches Faszinosum", das ist schon arger Schmarrn, nichts an diesem Film ist menschenfeindlich, genausowenig wie Shakespeare oder griechische Tragödien, wenn du was Menschenfeindliches sehen willst, schalt halt mal den Fernseher an.
Und den Begriff "verzerrte Ästhetik" müsstest du dann auch noch erklären, oder zumindest als Gegenbeispiel eine "unverzerrte" oder "gesunde" Ästhetik anführen.
Und 3. muss es Dystopie heißen und nicht Utopie. Aber es reicht eben nicht, keinen klaren Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, ihn zu formulieren, gell?
Kill_Diether 2009/11/18 22:53:23
Antwort löschenDer Film ist ein gutes Beispiel dafür, dass es
in der Kunst, wie z.B. auch in der Musik,
in erster Linie nicht, sogar manchmal gar nicht,
um Geschmack geht.
Hier wird gefragt, wo kommt er her unser Geschmack und wenn's mir nicht schmeckt?
strangelet 2010/01/29 13:41:44
Antwort löschenKommentare wie diese sind der Grund, warum ich die "Kritiker" hier nicht ernst nehmen kann. Die Ärmsten müssen halt immer möglichst originell sein...
Kill_Diether 2010/02/01 11:43:50
Antwort löschenGlaubst du denn, dass alles Geschmacksache ist?
Beispielsweise ist Schlagermusik und klassische Musik
reine Geschmacksache?
strangelet 2010/02/01 12:04:36
Antwort löschenGeschmack entsteht durch Erwartungshaltungen. Erwartungshaltungen entstehen durch frühere Rezeptionserfahrungen. Was innerhalb des bekannten Rahmens bleibt, erscheint vielleicht gefällig, aber anspruchslos bis trivial. Was weit jenseits der Erwartungshaltung liegt, wird als hässlich, sinnlos oder sogar empörend empfunden. Ein großes Kunstwerk wird man immer dann zu erkennen glauben, wenn die eigenen Erwartungshaltungen durchbrochen werden, aber nur ein bisschen.
Insofern: Ja, alles Geschmackssache.
Übrigens meinte ich natürlich gar nicht Deinen Kommentar, sondern "Vincent Vegas" ursprüngliche Kritik :)
Kill_Diether 2010/02/01 12:27:58
Antwort löschenahh, das is' noch'n bug in den Benachrichtigungen der Threads hier
(mal wech machen ;-)
Trotzdem liegst du was Geschmacks-Beurteilung angeht falsch.
Es gibt einfach 'ne Menge Dinge, die sich nicht nur subjektiv einordnen
lassen. Daher auch die Einsicht (war's Einstein?):
"Ich weiß, dass ich nichts weiß!"
(Woher weiß ich das? Wie kann ich das einschätzen?)
Weniger philosophisch gesagt, mal ein eigenes Beispiel:
Früher konnte ich mit Goehte nichts anfangen.
Später laß ich mit einem Goehte-Experten zusammen den Faust.
Danach habe ich die Faszination an der Person Goehte verstanden,
aber noch lange nicht sein Gesamt-Werk erfasst, d.h. ein kleiner
Ausschnitt hat meine Ansicht komplett auf den Kopf gestellt.
Kill_Diether 2010/02/01 12:32:50
Antwort löschenp.s. deine Abneigung bez. solcher "Kritiken" kann ich gut
nachvollziehen. Holzig, gelle :)
Kill_Diether 2010/02/09 01:06:10
Antwort löschenAhh stimmt. Hat sich aber Einstein nicht auch darauf berufen,
was er mit seinem Zunge raus strecken sagen will?
Kurono 2010/05/29 05:10:10
Antwort löschenMeinung hin Meinung her. Der Film ist einfach ein Lobgesang auf die sinnlos Gewahlt. Das kann man gut finden (nicht umsonst ist das ein Kultstreifen der Hooligan- und Skinheadszene) oder auch schlecht. Ich finde es schlecht und deshalb finde ich die Bewertung von 4.5 vollkommen berechtigt. Der Film ist von Handwerklichen echt gut (bin eigentlich auch ein Kubrick Fan) aber der ganze Film huldigt der Gewalt in einer Form die ich persönlich als pervers empfinde. Natürlich kann man es als Interpretation sehen, zum Widerstand der Obrigkeit und des sich Eingliedernts. Dieses Argument zieht aber nicht bei mir. Was soll sinnlose Gewalt gegen Obdachlose aussagen. Sehe da eigentlich keinen Sinn darin. Das sind für mich faschistoide Gedanken die da von einen Meister der Filmkunst auf die Leinwand gebannt werden, der eigentlich darüber stehen sollte. Und jedewr der diesen Film eine gute Wertung gibt sollte sich dessen auch bewusst sein.
Snake Charmer 2010/06/18 00:19:53
Antwort löschenInwiefern ist der Film denn gewaltverherrlichend ? Mag sein, dass das eine mögliche Leseart ist (jeder erschafft sich seinen eigenen Film), aber wie kommst Du darauf ?
Kurono 2010/06/22 01:57:49
Antwort löschenNaja, zunächst ist da mal die sinnlose Gewalt von Alex und seiner Gang,die durch Kameraeinstellungen und klassischer Musikuntermalung "cool" in Szene gesetzt wird. Die Gewalt ist dabei reiner Selbstzweck.
Alex übt Gewalt gegenüber seiner Umwelt aus weil er es kann. Ein anderer verständlicher Grund wird weder genannt noch ist er ersichtlich.
Ein weiterer Punkt der die Gewaltverherrlichung für mich deutlich macht ist dass Alex ab dem Moment wo er keinen mehr Schaden zufügen kann und auch will, selber Opfer der Gewalt wird.
Natürlich wird dabei eine durchaus interresant Frage aufgeworfen. Ist es etisch korrekt eine Person gegen ihren willen zur Ordnung(wie sie sich die Gesellschaft vorstellt) zu Zwingen? Das Gute im Menschen mit bösen Mittel zu schaffen? Eben einen Menschen wie ein Uhrwerk aufzuziehen.
Ich will den Roman und damit auch den Film nicht absprechen das da eine Aussage dahinter steckt aber das ist vielleicht auch mein großes Problem. So ist der Film eben kein sinnlose Gewaltorgie sondern hat seine Botschaft.
Nur ist meine Auffassung das diese Botschaft lautet: Mach dein Ding auch wenn es anderen Schadet!
Man muss aber dazu auch sagen, dass der Roman ein etwas versöhnlicheres Ende hat.
Da lässt nämlich Alex aus eigenen Wille von der Gewalt ab.
Dieses Ende fehlt aber in der amerikanischen Ausgabe und wahrscheinlich deshalb auch im Kubric Film.
Hoffe ich konnte dir meinen Standpunkt klar machen.
Snake Charmer 2010/06/22 10:19:39
Antwort löschenDanke für Deine ausführliche Antwort.
Da aber wie gesagt jeder seinen eigenen Film sieht, möchte ich entgegnen, wie ich den Film wahrgenommen/verstanden habe.
- "Naja, zunächst ist da mal die sinnlose Gewalt von Alex und seiner Gang,die durch Kameraeinstellungen und klassischer Musikuntermalung "cool" in Szene gesetzt wird.Die Gewalt ist dabei reiner Selbstzweck. "
- Die Gewalt ist in gewisser Weise stilisiert, sicherlich. Stilisierte Gewalt, die ihre eigene Ästhetik entfaltet (Stichwort z.B. Matrix/Kill Bill) ist keine Seltenheit in Filmen, und ich gestehe, dass ich diese Art von Ästhetik (im Sinne von: Anmut/Dynamik/Dramaturgie) mag. Dies ist eine Ästhetik des Kampfes, die man zumeist durchaus als "cool inszeniert" bezeichnen kann.
Was mir aber im Traum nicht einfiele, über die Art von Gewalt zu sagen, die in Clockwork Orange zu sehen ist, da es sich hierbei zumeist um Gewalt gegenüber Wehrlosen handelt, die sich bis hin zu Vergewaltigungen und Totschlag steigert. Die eingespielte klassiche Musik im Hintergrund würde ich als Mittel begreifen, die Gewaltszenen aus der Sicht von Alex´ zu zeigen, für den Gewalt nunmal etwas positives ist.
Dies hat aber (jedenfalls für mich) niemals den Effekt gehabt, die gezeigte Gewalt als in irgendeiner Weise positiv oder "cool" aufzufassen, im Gegenteil: Auf mich wirkt der Kontrast klassische ("schöne") Musik und extreme Gewalt nochmals verstörender. Und ich denke, dass dies auch die intendierte Wirkung Kubricks war. (Wobei man auch miteinbeziehen müsste, aus welchem Jahr der Film stammt und was man damals und heute als "cool" bzw. "verstörend" empfunden hätte. Wäre der Film aus diesem Jahrzehnt, würden die Gewaltszenen vermutlich ohne Musik daherkommen. Vermute ich jetzt mal.)
- "Nur ist meine Auffassung das diese Botschaft lautet: Mach dein Ding auch wenn es anderen Schadet!"
- Habe ich komplett anders verstanden - für mich hat der Film nämlich überhaupt keine "Handle-So-und-So-Botschaft", er stellt für mich nur eine Frage auf, nämlich:
Was ist perverser: Ein Gewalttäter und Vergewaltiger, der aus reiner Langeweile und Selbstzweck böse ist (und sich im gesamten Film moralisch KEINEN DEUT bessert - was ich als Handlungselement persönlich auch gut fand) oder die gezeigten Institutionen, die eben aus Menschen Uhrwerken machen - und das eben NICHT aus altruistischen und ethischen Gründen - sondern (wie im Film ziemlich deutlich gezeigt) alleine zum Zwecke der funktionalen und finanziellen Effizienz.
Annika91 2010/07/09 22:34:41
Antwort löschenDa muss ich sagen, dass ich das genauso sehe wie snake charmer.
Die Gewaltszenen sollten in der Hinsicht verstörend sein, dass man sich wirklich einmal hinsetzt und darüber nachdenkt, was da eigentlich gerade vor sich geht. Die "zeitvertreibende" Gewaltausführung von Alex wirkte für mich abschreckend, und das wurde durch die klassische Musik unterstützt: Diese Musik wird ja allgemein eher mit etwas ruhigen, entspannten und nachdenklichen in Verbindung gebracht und sollte für mich deutlich herrausstellen, für wie selbstverständlich und normal es Alex hielt "einfach mal drauf los zu schlagen". Bei mir rief dieses Zusammenspiel stets Fragen auf wie: Was geht in ihm eigentlich vor? Denkt er denn überhaupt nicht darüber nach, was er da macht? Weiß er dies eigentlich? oder auch einfach : was soll der Scheiß? (um es mal auf deutsch zu sagen ^^)
Am Ende zeigt der Film wirklich die Unklarheit, wer denn nun eigentlich das Opfer ist : zuerst sind es noch die durch Alex geschädigten Menschen, im Verlauf wird aber auch Alex zu einem Opfer, und zwar von genau der Gesellschaft, die sich eigentlich als "korrekt" bezeichnet und demnach genau wissen sollte, was wie behandelt werden muss. Jedoch greifen auch sie zu Mitteln, die denen Alex's ähneln, auch wenn sie "für einen guten Zweck" dienen sollen. Die Frage ist nun: Sind sie wirklich die Guten, obwohl sie "das Gute" mit den falschen Mitteln durchsetzen? Kann man so tatsächlich auch nur die geringste Änderung in der Gesellschaft vollziehen, wenn diese selbst inkorrekt handelt und ein schlechtes Beispiel abliefert?
Und natürlich, was bereits snake charmer erwähnte: Ist nun der Gewalttätige "perverser", welcher sich stets bewusst ist, was er tut, auch wenn er dieses Handeln fälschlicherweise für Gut hält, oder die "Institutionen", welche sich selbst als die Guten schimpfen und ebenfalls mit Gewalt und Terror handeln, sich jedoch anscheinend nicht über diesen Fakt bewusst sind?
(Ich hoffe ich habe verständlich geschrieben und nicht nur widerholt, was eh schon geschrieben wurde ;))
TheJoker 2011/02/09 00:18:44
Antwort löschenMan Man, es gibt Leute, die einfach nicht tief genug in einen Film "hineinsehen" können, denn oberflächlich betrachtet, ist "Clockwork Orange" gewaltverherrlichender Müll. Wenn man jedoch Kubricks Intension dahinter sehen kann, oder sich nicht zwanghaft davor verschließt, ist es ein absolutes Meisterwerk und einer der wichtigsten Filme, auch heute noch!, die jemals produziert wurden!
TheJoker 2011/02/09 00:21:23
Antwort löschen....übrigens stimme ich Annika91 vollkommen zu! Geschmackssache hin oder her, eigentlich sollte jeder, der so nicht sehen kann, sich nicht als "kritiker" schimpfen lassen...
MurderSquad 2011/03/06 20:39:58
Antwort löschenWie in allen seiner sog. Kritiken taucht das Wort Faschismus auf.^^
Sitzpinkler...
emp6 2011/04/06 00:15:49
Antwort löschenIrrelevante Aneinanderreihung von Schlagwörtern, wer Aufmerksamkeit braucht..gern, hier bitte :D
RaekOne 2011/06/02 23:07:54
Antwort löschenWas dir zu dem Film einfällt lieber Vincent ist belanglos und keine Erklärung dafür warum der Film nun den nicht gut sein soll. Sondern dein Kommentar besteht eher aus ein paar Schlagwärter mit denen sich der Film auseinader setzt. Wo da jetz die Kritik an dem Film ist bleibt mir verborgen. Viel Gewalt ist zu sehen, aber ich hatte keine Sekunde das Gefühl das der Film diese verherlicht.
Forrester030 2011/06/05 17:25:36
Antwort löschengenau. der ist bestimmt schwul und schwule tikken doch nicht richtig^^ bwahahaha geil, dass hier fans eines filmes der sich kritisch mit faschismus auseinandersetz, diesen verteidigen wollen, in dem sie SELBST faschistisch argumentieren HAHAHA geil ich liebe moviepilot, jeder denkt er wär kritiker und gott.
ich find uhrwerk orange scheiße und titanic erst recht. der eine zu alt und der andere zu kitschig. ich komm aus der pokemon generation und ich will verdammte laserstrahlen aus monstermündern schießen und in der karibik kämpfende piraten sehen. star wars ist auch scheiße:D
und jetzt? ich mag euch alle und respektier euren geschmack guckt doch was ihr wollt, aber lasst mich in ruhe mit eurer drecksmeinung^^ wenn jemand seine meinung abgibt, dann greift ihn gefälligst nicht persönlich an, es geht hier um FILME und die lieben wir doch ALLE, obwohl es im grunde genommen vollkommen ARMSELIG ist, in die glotze zu starren und ANDERE etwas erleben zu lassen, dass in wahrheit nie passiert ist und uns im NACHHINEIN noch in der realität mit menschen zu STREITEN:D ihr tickt ALLE nicht richtig. inklusiver mir:P
peace leudddeee
Forrester030 2011/06/06 09:46:27
Antwort löschentja bin seit vorgestern oder so angemeldet, sorry, dass ich nicht wie du bin, tut mir echt leid. guck mal weiter clockworld orange und denk, du hättest IRGENDWAS kapiert^^ aber ist okay, du musst keine menschen akzeptieren die wenig kommentiert haben und ich muss keine menschen akzeptieren, die homophob sind.
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MikeC. 2011/07/01 23:57:51
Antwort löschenLieber Mr. Vincent Vega, Ich werde deine Kritiken niemals verstehen.
HulktopF 2012/01/28 20:24:26
Antwort löscheneigentlich wurd alles gesagt zu der kritik ö.ö
Kommentare (174) — Film: Uhrwerk Orange
Kommentar schreibenÄndy 2012/02/10 18:30:46
Kommentar löschenEin Meisterwerk. Brutal, zynisch, ironisch. Unterlegt von großartiger Musik (hier sticht insbesondere der 2. Satz von Beethovens 9. Symphonie heraus). Was als Tour de Force harter Gewalt beginnt, entwickelt sich zum einem gesellschaftskritischen Monstrum von Film. Kultig: die 70er-Ausstattung des Films, der vom russischen inspierierte Jugendslang und die Kostüme von Alex und seinen Droogs. Nach dem Film bleibt erstmal der Mund offen: So einen Streifen hat man noch nie gesehen. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich liebe ihn. Danke, Malcom McDowell. Danke, Stanley Kubrick
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based_god 2012/02/06 16:53:56
Kommentar löschenSehr brutal, eigensinnig - schlicht genial – Kubrick-Box [3/7]
Die Geschichte über Alex, wird von einem neutralen Standpunkt aus erzählt. Zu neutral für einige Zuschauer damals, was einiges an Gesprächsstoff erzeugt hat. Stückweise sympathisiert man gar mit dem Hauptprotagonisten, vom Ende mal ganz zu schweigen. Die witzige Komponente kommt in diesem Werk auch nicht zu kurz – aber es ist Humor von der schwärzesten Sorte und für Kinder/Jugendliche auf keinen Fall geeignet.
Für alle Kinofans bleibt sein Film, der verstört und brutale Szenen beinhaltet, wie ich sie selten gesehen habe.
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Oliver0403 2012/02/06 10:57:07
Kommentar löschenDas war nun meine zweite Sichtung des Films. Dieses mal in HD. Der Film ist auf jeden Fall besser als "Eyes Wide Shut" Alex wird mittels Gehirnwäsche zum guten Bürger um dann die Rache seiner noch lebenden Opfer zu erfahren. Sehr gut gemacht.
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Jeff Lebowski 2012/02/04 13:08:55
Kommentar löschenMonotone Stimme, ruhig, gelassen:
"Das hier bin ich, Alex, und meine drei Droogs Pete Georgie und Doofie. Wir hockten in der Korva-Milchbar und überlegten, was wir mit disem Abend anfangen sollten."
A Clockwork Orange ist die wohl bösartigste Vision die jemals gedreht worden ist. Für mich war dies Kubricks Meisterwerk, und A Clockwork Orange sein absolout kreativ Höhepunkt.
Der Film u nterscheidet sich in einer vielzahl von Punkten von allen anden, allen voran die exessive Gewaltdarstellung, die viele nackte Haut, und die Sprache, die im Film verwendet wird.
"Der Durango 95 schnurrte nur so los, richtig Horrorshow, und ein warmes Vibrato verbreitete sich in unserem Bauch. Und bald, meine Brüder gab"s überhaupt nur noch Bäume und Dunkelheit, die im Schwarz der Landnacht zusammenflossen"
Kubrick hat sich geschickterwise den genialsten Roman ausgewählt, der je geschrieben worden ist.
Das geniale ist der Charakter Alex. Man empfindet ein Abstoßen gegen ihn, veabscheut ihn Regelrecht, als er die Frau beim Einbruch in "HOME" vergewaltigt, und doch kann sich jeder mit ihm identifizieren, da Gewalt eine Phase im Leben ist. Jeder durchlebt sie, aber jeder wächst aus ihr heraus. Burgess (Autor von 'A Clockwork Orange') schaffte es schon in seinem Roman einzigartig, den Leser mit so einem fiesen Charakter wie Alex zu verbinden, Kubrick gelingt dies genauso gut. Durch das gezielte Ansprechen des Zuschauers (Alex nennt die Zuschauer öfters seine Freunde), wird ein Verhältnis mit Alex aufgebaut, wie es nie zuvor dagewesen ist.
Ein oft kritisierter Aspekt an Kubricks Meisterwerk ist die exessive Darstellung der Gewalt. Hierzu könnte man meinen, dass Kubrick sich über sie lustig macht, Alex singt zum Beispiel das ziemlich fröhlich daherkommende Lied 'I'm singing in the Rain' während er eine Frau vergewaltigt.
Dies ist jedoch komplett falssch verstanden, Kubrick verlangt vom Zuschauer, zwischen den Zeilen zu lesen und mehr in dem Film zu sehen. So gilt die Musik die die Gewaltszenen unterlegt eher als Distanzierung, und soll keineswegs eine verherlichung der Gewalt andeuten.
Doch wenn man sich den Film mal genauer ansieht, sind das Beängstigende nicht die Gewaltszenen die ihn so beängstigend machen, sondern das Zukunftszenario, in dem der Staat zurückschlägt. Das Gefängnis hilft nicht gegen die Kriminalität und die Aggressionen der Gefangenen (Dies ist auch wunderbar in King's 'Die Verurteilten' zu sehen), sondern Verstärkt den Drang zur Gewalt und dem 'Ultrabrutalem' nur noch. Also wendet der Staat andere Mittel an, da es anscheinend keinen anderen Ausweg gibt, wendet er sogar etisch nicht korrekte Maßnahmen an. Alex ist davon betroffen, der Staat macht ihn zu einer Uhrwerk Orange. Er lebt, kann sich jedoch nicht wehren und hat keinen Freien willen, ihm werden bei falschen Gedanken sofort physische Schmerzen hinzugefügt. So kommt es dann, das aufeinmal Alex, der am Anfang mit seinen Droogs einen Penner zusammengeschlagen hat, sich auf einmal von dem Penner und seinen ehemaligen Droogs Georgie und Dim zusammenschlagen lässt ohne sich zu wehren, nur um die Schmerzen nicht wieder aufleben zu lassen. Der Film macht deutlich, dass jeder Mensch ein Individuum ist, und jeder Mensch den freien Willen braucht, egal was er für ein Mensch ist! Dies sieht am Ende auch die Regierung ein, da Alex in seiner Verzweiflung einen Selbstmordversuch begeht.
A Clockwork Orange ist so schockierend und zeitlos wie kein ander Film, und das ist auch der Grund, warum er zu meinen absolouten Lieblingsfilmen gehört.
Ein Meisterwerk wie 'A Clockwork Orange' es ist könnte man in der heutigen Zeit einfach nicht mehr drehen, und wehe dem Fecken der Versucht ein Remake draus zu machen!
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dippy 2012/02/02 22:45:36
Kommentar löschenGroßartig
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HulktopF 2012/01/28 20:13:12
Kommentar löschenwenn der täter zum opfer wird..
unglaublich bizarrer film der zum ende hin schon fast sympathie für den "helden" aufkommen lässt.
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J!GS4W 2012/01/28 21:03:09
Antwort löschen2.5 Punkte mehr darf man schon springen lassen!
HulktopF 2012/01/28 22:46:23
Antwort löschennaja dafür hätte der film konsequenter sein müssen.
oder auch nicht, find ihn halt sehenswert :)
für mehr ist er mir noch zu bunt.
SoulReaver 2012/01/16 13:17:04
Kommentar löschen„Der Durango 95 schnurrte nur so los, richtig Horrorshow, und ein warmes Vibrato verbreitete sich in unserem Bauch. Und bald, meine Brüder gab's überhaupt nur noch Bäume und Dunkelheit, die im Schwarz der Landnacht zusammenflossen.“
Stanley Kubrick. Ein Name der aus der Filmwelt nicht mehr wegzudenken wäre. Ein Regie-Titan der die Filmwelt mit seinen Filmen nicht nur bereicherte sondern auch ungemein prägte. Er hat uns kunstreiche und philosophische Welten eröffnet die uns heute noch berühren und beeindrucken wie am ersten Tag. Mit seiner visionären Gewalt-Odyssee 'Uhrwerk Orange' von 1971 erschuf Kubrick eine meisterhafte, brutale und zeitlose Zukunftsvision aktueller denn je.
Alex stiehlt, schändet und mordet wie ein gewissenloses Raubtier. Man verhaftet ihn und sperrt ihn ein. Er wird einem grausamen Verfahren unterzogen, das ihn wieder "gesellschaftsfähig" machen soll. Ohne Makel nach außen funktionierend, im inneren jedoch verkrüppelt und völlig zerrissen. Was kann aber die Gesellschaft noch für oder gegen ihn tun, nachdem seine "Kur" ihn völlig verteidigungsfähig gemacht hat und er neuen Gewaltanschlägen völlig ausgeliefert ist.
'Uhrwerk Orange' ist ein Bilderrausch sondergleichen. Seine futuristische und gleichzeitig dreckig-gegenwärtige Welt wird von John Alcott in unglaublich kräftigen aber auch erschreckend düsteren Bildern festgehalten. Eine visuelle Achterbahnfahrt durch jegliche Höhen und Tiefen. Die grandiose musikalische Untermalung findet der Film vor allem durch klassische Klänge. Dominierend durch den Helden des Hauptdarstellers Ludwig van Beethoven, der Alex in andere Dimensionen bläst. Selten hat ein Film eine derart befremdliche und erschreckend anziehende Atmosphäre besessen die den Zuschauer immer wieder aufs Neue fesselt.
Malcolm McDowell spielt Alex und ist somit der wichtigste Akteur der Geschichte. Eigentlich sogar der einzig erwähnenswerte, denn die anderen sind nur Randfiguren oder dienen als Mittel zum Zweck. McDowell bringt eine großartige Leistung, seine wohl beste Karriereleistung. Er meistert den gewissenlosen Alex und den umerzogenen Musterbürger mit grandiosem Facettenreichtum und wächst mit der Laufzeit des Films. Den großen Durchbruch konnte Dowell mit dem Film dennoch nicht schaffen, den schaffte aber auch leider irgendwie nie. In der Filmwelt war er zwar immer anwesend, hält sich aber eher im Hintergrund auf. Ein typischer Nebendarsteller. Was umso tragischer ist, denn hier hat Dowell direkt bewiesen zu was er in der Lage ist.
Gewalt ist überall. Gewalt ist in jeden von uns und wird so auch immer ein Teil von uns bleiben. Manche befriedigen sich durch die unbändige Brutalität die sie ausleben. Andere verschaffen sich Respekt dadurch, zwar einen fragwürdigen, aber dennoch Respekt. Wieder andere gebrauchen es um ihre Meinungen kundzutun. Um den nötigen Wind zu entfachen der einen gefährlichen Ruf schafft. Nutzlos ist sie genaugenommen schon, aber in manchen Fällen der einzige Ausweg, denn genauso effektiv ist sie eben auch. Auch die Formen der Gewalt sind variabel angesiedelt. Ist sie rein körperlich, ein Moment des Schmerzes. Ein Moment den man aber im besten Fall aber wieder auskurieren kann. Handelt es sich aber um psychische Gewalt, die noch brutaler als die physische ist, kann sie einen Menschen grundlegend verändern und schwerwiegende Auswirkungen auf das restliche Leben haben. In 'Uhrwerk Orange' treffen alle Aspekte ein und werden verquirlt zu einer Explosion aus Zorn und Ehrfurcht.
Mit Alex bekommen wir einen durch und durch verdorbenen Charakter. Sein Leben wird von Gewalt bestimmt. Auch die sexuelle Gewalt spielt hier ihre wichtige Rolle. Vergewaltigung, Prügeleien und Diebstahl bestimmen sein Leben. Ein Leben das er so verehrt. Ohne jegliche führende Hand im Leben, auch nicht durch die Eltern, lebt er jede Nacht sein Verlangen aus und stürzt sich von einem Rausch in den nächsten. Ohne Rücksicht und ohne Gewissen wütet er durch seine eigenkreierte Horrorshow. Sein eigener Wahnsinn wird dabei immer von Beethoven unterlegt, der ihn in unbeschreibliche Ektasen verfrachtet. Nachdem der eiskalte Gang-Anführer Alex von seiner Crew ein Bein gestellt bekommt, kommt er ins Gefängnis. Hier wird er ausgewählt und zu einem Experiment überredet, dass ihn schneller aus dem Gefängnis bringt. Alex muss sich einer Gehirnwäsche unterziehen. Die Gewalt, die Alex lebte wird ihn durch erschreckendes Filmmaterial ausgetrieben. Mit technischer Dornenkrone und Augenklammern versehen kann er sich dem Übel zu keiner Zeit entziehen. Das was ihn ausgemacht hat wird sein größtes Verhängnis. Er wird vom gnadenlosen Raufbold zum zahmen Gutmenschen. Jeder Gedanke an Sex oder Gewalt löst in ihm einen Strudel aus grober Übelkeit und blankem Schmerz aus. Auf freiem Fuß wird er mit den Menschen konfrontiert die er misshandelt hat und muss bezahlen. Die Gewalt die ihm ausgetrieben wurde, erlebt er nun am eigenen Körper. Doch die Gewalt selbst kennt noch andere Wege...
'Uhrwerk Orange' ist die einmalige Charakterstudie über einen Menschen der Gewalt in jedem Ausmaß auslebt, erlebt und erfährt. Aber es ist auch eine Studie und eine Beleuchtung der Gewalt selbst und über ihre unbegrenzten Auswirkungsmöglichkeiten. Was dabei aber nie als Gewaltverherrlichend dargestellt wird. Dabei bleibt sich Kubrick, wie gewohnt, durchgehend treu und zeigt die Gewalt in schonungslosen und abstoßenden Bildern die durch seine perfekte Inszenierung immer wieder philosophisch, unglaublich Gesellschaftskritisch und beeindruckend Visionär erscheinen.
„Wir fühlten uns ein wenig schlaff und abgefuckt, denn schließlich, oh meine Brüder, war es doch ein Abend mit einem gewissen Energieverbrauch.“
Fazit: 'Uhrwerk Orange' ist einer der besten und bedeutungsvollsten Filme der Filmgeschichte. Seiner Zeit lang voraus, verstörend, faszinierend, künstlerisch und absolut genial. Gesegnet mit einer grandiosen Bildersprache, provokativen Musikwahl, bizarren Dialogen und einem hervorragenden Malcolm McDowell. All das macht 'Uhrwerk Orange' zu einem Film den jeder gesehen haben sollte, aber sicher nicht jedem gefallen wird. Ein typischer Kubrick - unvergesslich.
„Nichts ist grauenhafter als Brutalität! Genau das lernen Sie hier… Ihr Körper lernt es!“
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Haschbeutel 2012/01/16 13:31:14
Antwort löschenSchön. Der liegt seit über 2 Jahren bei mir rum. Habe mich bis heute nicht dran getraut. :(
SoulReaver 2012/01/16 13:32:28
Antwort löschenEin MUSS, Haschi :)
Joeyjoejoe17 2012/01/16 13:40:59
Antwort löschenGerade der letzte Absatz spricht reinste Wahrheit! So ist es leider mit allen Meisterwerken, nicht jeder weiß sie zu schätzen.
Kreaexo 2012/01/16 17:26:28
Antwort löschen21 Personen gefällt das ... zu wenige! Der Kommentar hat gut das dreifache verdient. :)
SoulReaver 2012/01/16 22:32:39
Antwort löschen@Joey Jip, leider.
@Max Ach, danke :)
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ZaZa 2012/01/23 05:38:48
Antwort löschenBeste Filmanalyse seit Langem :)
Wobei man sagen muss das der Film im ersten Akt über eine gewisse langatmigkeit verfügt.
SoulReaver 2012/01/23 13:44:42
Antwort löschenDanke :) Fand ich gar nicht, Uhrwerk Orange ist so ein Film der mich ab der ersten Einstellung direkt gepackt hat.
Cowboy&NoGuns 2012/01/10 22:20:13
Kommentar löschenStanley Kubrick steht für mich für Szenen die bis zur Perfektion gedreht wurden, für geniale Film Musik welche die Stimmung perfekt untermalt und wiedergibt , für die tiefe Symbolik . In einem Kubrick Film müssen die Schauspieler bis an ihre Physischen und Psychischen Grenzen gehen. Seine Filme sind Kunst , auf die man sich einlassen sollte. Vor allem bei Clockwork Orange sollte man diese Genialität beachten, was vielen wegen der grausamen Gewalt Darstellung und den verstörenden Szenen schwer fällt.
Die Leinwand ist ein magisches Medium. Es gelingt ihr, unser Interesse zu halten, während sie uns Gefühle und Stimmungen auf eine Art vermittelt, zu der keine andere Kunstform fähig währe- Stanley Kubrick
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Pepilotta 2011/12/20 15:08:54
Kommentar löschenIch habe auch viel gelacht. Vor allem in der ersten Hälfte des Films.
Nicht über die Gewalt, aber über alles dazwischen. Für mich kam der Film rüber wie eine (wenn auch schwärmerische) Parodie der männlichen Jugend.
Der kleine Teenie ist laut, triebgesteuert, die Gewaltexzesse scheinen die ein odere andere Machtphantasie eines kleinen, pickligen 13-Jährigen zu zeigen. Die Phantasiebegriffe zeigen das Rätsel der Jugendsprache, die gleichzeitig wie eine Babysprache wirkt. Er hängt in einer supercoolen, chauvinistischen Männerbar rum und trinkt.... *trommelwirbel* - Milch! Und zwar noch von Mutters Brust :D
Sexismus vereinigt sich so total zu dem, was es oft ist : kindisch.
Die zweite Hälfte des Films spricht dann etwas anderes an. Dann geht es um Moral, um die Frage nach dem Überwachen und dem Strafen. Hier interessiert der Teenie nicht mehr, sondern die, die ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Und wie sie ihn immer weiter (ver)formen, nach ihren, nicht nach seinen Interessen.
Auf einmal ist der Freigeist gar nicht mehr frei, sondern zeigt sich als das, was er von Anfang an war - das Produkt einer leuchtenden, selbstgefälligen, den Zeigefinger hebenden, brutalen und chauvinistischen Gesellschaft.
Abgesehen davon, der Film war seiner Zeit nicht voraus. Alles was er zeigt, gibt es nicht erst seit dem neuen Jahrtausend. Die Jugend ist auch schon in den letzten Jahrtausenden so gewesen.
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NWO@Movie 2011/12/12 23:19:16
Kommentar löschenDer Film hat einen tiefsinnigen Humor eine Story bei der jede Ecke zur Konstruktion passt...gute Kamera...mehrdimensionales Thema...hinterfragt ethische Dinge...zeigt wie schön Sex und Gewalt sein kann.
Ein Film über die Neue Weltordnung. In der VIPs immer noch Krimminelle gebären.
Im jahre 1969 hielt Dr Day ein Vortrag vor 80 Ärzten. Er war ein Insider der großen verschwörung. Er hat über Pläne referiert die zur endgültigen neuen Weltordnung führen sollen. Interessant dass seine Aussagen dem Inhalt des Filmes ähneln:
- schrittweise Einführung von Sex, Obszönitäten und Gewalt in Filmen
- Kriminelle in Krankenhäusern wie in Gefägnissen halten
- die Musik soll extra schlechter werden
- reduktion der Menschheit (auffälig wie wenig Menschen in seinen Filmen sind)
- Codesprache
- Gedankenkotrolle
Im Film wird nur 5% von dem Inhalt des Dr Day gezeigt aber jetzt versteht man den Film! So sehen die Obersten der Wirtschaftspyramide die normalen Menschen. Sie müssen "geheilt" werden.
Wenn jemand der die ganze Zeit nur die extra schlechte Musik gehört klassische Musik hört, oder mit klassischer Musik nur grausames assoziiert und man spielt die klassische Musik ab wird ein stark betroffener wie Alex nach dem Asschalten der Musik schreien und sich den Tod wünschen. Andernfalls platzt der Kopf wie in Mars Attacks wenn Schallplatten zur Belämpfung der Aliens eingesetzt wird.
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Trimalchio 2011/12/12 23:22:31
Antwort löschenSeriöslich. Was?
NWO@Movie 2011/12/12 23:59:30
Antwort löschenWie was was? Konkrete Fragen bitte^^
Canis Majoris 2011/12/12 16:45:32
Kommentar löschenEin wahnsinniger Film, der für mich das Normalste am menschlichen Wesen zeigt.
Brillant gespielt von McDowell.
[Außerdem gibt's hier ja auch Darth Vader ohne Maske zu sehen...]
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11MATZE99 2011/12/08 00:51:16
Kommentar löschenEin Film der seiner zeit weit voraus gewesen ist.Zartbesaiteten Leuten ist von diesem Film aber abzuraten.
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dub127 2011/11/26 16:11:41
Kommentar löschenTja, weiß nicht was ich sagen soll. Eigentlich mag ich diese Art von Filmen überhaupt nicht, bin aber hin und hergerissen. Der Film ist schon ziemlich strange und schwer zugänglich, finde ich, weil er so philosophisch daherkommt. Habe mir bisher nur FULL METAL JACKET von Kubick angesehn und den fand ich eher langweilig. Am Anfang hat mich die Musik etwas gestört, nach einer Weile hab ich mich aber dran gewöhnt. Die Sprache fand ich absolut grauenhaft. In der deutschen Synchro werden viele Redewendungen nicht übersetzt, um den Originaltext nicht zu sehr zu verfälschen, aber „alright“, „fine fine“ oder „well“ hört sich in der deutschen Synchro eben total bescheuert an. Empfehle den Film also auf Englisch zu schauen. McDowell's schauspielerische Leistung fand ich dagegen genial. Das Drehbuch ist intelligent und gut durchdacht.
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Wing- 2011/11/23 15:10:22
Kommentar löschenoverhyped.
geht mir garnicht gut reyn
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JackoXL 2011/11/21 12:15:10
Kommentar löschenManchmal eilt einem Film sein Ruf derartig voraus, dass das Bilden einer eigenen Meinung etwas schwer fällt. So ging es mir vor etlichen Jahren, als ich "Clockwork Orange" zum ersten Mal sah. Zu sehr wurden mir von allen Seiten die Worte Klassiker, Kultfilm und Meisterwerk eingetrichtert. Nicht zuletzt von meinem damaligen Lehrer (Werte und Normen), der uns zu unserem Thema, der menschlichen Psyche, immer wieder vorhielt, wie genial dieser Film sei (den Mut, ihn vor der Klasse zu zeigen, hatte er aber scheinbar nicht). Aufgrund dieser Vorschußlorbeeren wurde mein Urteilsvermögen leider beeinträchtigt, warum genau kann ich gar nicht mehr sagen. Die Qualität des Films war offensichtlich, ich wurde aber nicht richtig warm damit.
Hat lange gedauert, ehe ich ihn wieder an einem Stück gesehen habe, aber der Abstand war scheinbar groß genug, wodurch ich jetzt mit voller Überzeugung sagen kann: Ja, "Clockwork Orange" ist ein Meisterwerk, seiner Zeit weit voraus und bis heute mit praktisch nichts vergleichbar.
Stanley Kubrick entführt uns in eine bizarre, futuristische Welt, wodurch der Film allerdings keinen Science-Fiction-Anstrich bekommt. Es scheint mehr wie ein sureales, verzerrtes Spiegelbild der Realität, mit einem merkwürdig enthemmten Umgang mit Sexualität. In dieser Welt wütet der von Malcolm McDowell grandios gespielte Alex. Brutal, rücksichtslos, unbarmherzig, hoch intelligent. Ein Monster, der Alptraum einer jeden Gesellschaft. Nachdem ihn seine Taten endlich hinter Gitter gebracht haben, stellt er sich freiwillig einem Experiement zur Verfügung, um möglichst schnell wieder in Freiheit zu gelangen. Ab dem Punkt zeigt Kubrick, wie sehr sich der menschliche Geist manipulieren lässt, wie er sich durch Konditionierung brechen lässt und was passiert, wenn der Mensch des eigenen Willen beraubt wird.
Man entwickelt dadurch fast Mitleid mit Alex, der danach wie ein angeschossenes Reh durch die Welt irrt, die er zuvor wie ein Raubtier dominiert hat. Nun ist er die Beute, hilflos der Vergeltung seine ehemaligen Opfer ausgeliefert.
Kubrick's Inszenierung ist brilliant, selbst nach 40 Jahren hat der Film kein bißchen Intensität eingebüßt. Seine berüchtigte Gewaltdarstellung ist nach heutigen Maßstäben natürlich nicht mehr skandalös, viel explizieter geht es heute zu. Seine eindrucksvolle Wirkung, poetische Erzählweise, bissige Gesellschaftskritik und seine Einzigartigkeit ist aber etwas, was wohl nie überholt werden wird.
Sollte ich heute zufällig meinem damaligen Lehrer über den Weg laufen, ich würde ihm auf die Schulter klopfen und sagen: "Clockwork Orange, genial, righty right!"
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KonTaicho 2011/10/24 22:03:21
Kommentar löschenDer grausame Weg des Unvermeidlichen, gegangen von einem Opfer seiner selbst, vor allem aber der Gesellschaft, die ebenso grausam und kaltblütig ihre geheuchelten moralischen Prinzipien wie Vergebung und das Recht auf eine zweite Chance gegen die Maxime "Auge um Auge" eintauscht.
Ein wahres Meisterwerk in Sprache und Geist, welches vor allem in der zweiten Hälfte gerade durch seine Unausweichlichkeit beim Zuschauer ein gewisses Unbehagen und einen Anflug von Übelkeit verursacht.
In jedem Fall ein einmaliges, geniales und ebenso unausweichliches Stück Filmgeschichte, welches man keinesfalls links liegen lassen sollte.
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eXonic 2011/10/19 18:15:53
Kommentar löschenHi, hi, hi, meine Brüder! Nach einem erfrischenden Glas Molocko-Plus fühlte sich euer ergebener Erzähler nun dazu geneigt, seinen Zuhörern ein wenig von einer ultrabrutalen Horrorshow namens „Clockwork Orange“ zu berichten. Die hat ihm so richtig das Hirn verknotet und ist härter als das ewige Rein-Raus-Spielchen, genüsslicher als jeder Zuckerphallus und aufregender als eine wilde Fahrt mit einem Durango 95 vorbei an den Bäumen in das tiefe Schwarz der Nacht.
Welly, welly, well, alles dreht sich um den Beethovenfan Alex DeLarge, der ganz und gar kein gewöhnlicher Maltschik ist, denn wenn er mit seinen Droogs loszieht, endet das nicht in den üblichen Alkohol- und Drogenexzessen, sondern in Ultrabrutalem, Vergewaltigungen von Dewotschkas und Tollschocks, wonach dem fantastischen Abend mit einem Gläschen Zitzenmilch in der Korova-Milchbar das Krönchen aufgesetzt wird. Bei dieser scheinbar so sinnlosen Gewalt, mit der die vier in den Farben der Unschuld gekleideten Bandenmitglieder ein Menschenleben nach dem anderen ruinieren nur um etwas Spaß zu haben, sollte eurem Erzähler eigentlich rasende, intolerable Schmerzen in den Gulliver schießen, doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Unterlegt mit der Neunten des göttlichen Ludwig Van wirkt Stanley Kubricks stilisiertes Haudrauf auf ihn faszinierend, lässt seine Bodyhärchen aufstehen und so zu einem von Alex‘ Komplizen werden.
Nicht, dass euer Freund und ergebener Erzähler ein Befürworter des Ultrabrutalem wäre, doch wird hier ein Spielchen mit ihm getrieben, das zur Folge hat, dass in ihm neben der enormen Abscheu für die grauenvollen Taten ein unangenehmes Rauschgefühl entsteht, dem er sich, so seltsam es klingen mag, nur schwer entziehen kann. Schläge in die Eggiwex sind in bester Musicalmanier inszeniert, lauthals wird „Singing in the Rain“ geträllert und dazu getanzt, was die Gewalt so unwirklich und surreal erscheinen lässt, dass sie schon fast als neue Art der Kunst durchgehen könnte. Oh, meine Brüder, es sind Szenen, die wie Spiegel sind, die die innere dunkle Seite eines Jeden nach außen kehren, deren Existenz sich vielleicht gar nicht jeder bewusst ist und auch wenn man es sich nicht eingestehen will, sie ist da, righty right?
Die Droogs lassen also so richtig schön die Kuh fliegen. Doch woher kommt all die Lust nach all dem Tschipoke? Die Welt, in der Alex lebt, ist gewiss keine, in der es ihm unmöglich ist, ein erfülltes Leben zu genießen. Er hat seine Kumpanen, seine Musik, Frauen und Eltern, die sich um ihn kümmern. Nur eines fehlt und das ist die freie Verwirklichung seines Selbst, nach dem sich Alex in diesem Spießbürgertum sehnt, woraus er unbedingt ausbrechen möchte. Auf die Spitze getrieben wird dieses Thema natürlich dann, wenn Alex zur Behandlung der Ludovico-Therapie unterzogen wird, nach der er nicht mehr fähig ist, irgendeine moralische Entscheidung zu treffen. Der Staat nimmt ihm diese ab und führt ihn dazu, alles in dessen Sinne Richtige zu tun und ergreift somit jegliche Kontrolle über seine Opfer wie ein Marionettenspieler.
So entpuppt sich auch der wahre Übeltäter, der der Menschheit die Möglichkeit des freien Willens raubt und so zu einem funktionierenden Uhrwerk umprogrammiert, das ganz genau so tickt, wie es eben eingestellt wird. Das ist die wahre Gewalt, welche den einzelnen zwar zu einem Schoßhündchen transformiert, deren Folge es jedoch ist, dass lediglich mehr Gewalt entsteht und nur Opfer und Täter ihre Rollen tauschen. Es sei denn, der Staat manipuliert all seine Bürger auf diese Art, doch kann dann noch von einer lebenden Gemeinschaft gesprochen werden, deren Tun von einem anderen bestimmt wird? Ein System ohne Leid und Schmerz kann in einer Gesellschaft nicht existieren, solange wir Menschen darin involviert sind, denn der Sinn nach Rache und bösen Gelüsten ist in uns allen tief verankert. Maltschiks mit düsteren Gedanken gehören einfach dazu, so wie das Rein zum Raus oder das Plus in das Glas Molocko.
Das ist zwar alles andere als gut, aber immerhin besser, als sich nicht selbstständig für das Gute oder Böse entscheiden zu können. So muss ein Wechsel der Fronten ebenfalls durch den freien Willen und Überzeugung erfolgen, denn die Nebenwirkungen werden heftig sein. Dies verdeutlicht in diesem Beispiel, dass Alex nach seiner Behandlung fortan nicht mehr in der Lage ist seine innig geliebte Neunte des gottesgleichen Ludwig Van zu hören.
Well, nach über zwei Stunden Horrorshow war euer Erzähler einerseits von einem heftigen Gefühl der Euphorie gepackt, da sie ein unvergleichbares Festmahl für seine Glotzies war, doch anderseits konnte er es kaum glauben, von einem Mörder fasziniert zu sein und ihm später sogar noch Mitleid entgegenbringen zu können. Kubrick zauberte aus Burgess‘ Vorlage einen Film auf den Screen, der so wunderbar manipulativ ist wie die Behandlungsmethode, die an Alex ausprobiert wird. Ebenso wie ihm wurde uns durch die perfekte Inszenierung die Entscheidung abgenommen, zu welcher Seite wir uns hingezogen fühlen. Sollte es nach dem Abspann jemanden danach gelüsten, selbst ein Droogy zu werden und mit Alex einen grausamen Rachefeldzug starten zu wollen, dann hat Kubrick sein Ziel erreicht und alles richtig gemacht, alright?
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Jack_Torrance 2011/10/19 18:53:33
Antwort löschenWunderbar auf den Punkt gebracht !
lieber_tee 2011/10/19 20:38:52
Antwort löschenMeisterlicher Text für ein Meisterwerk.
lieber_tee 2011/10/19 20:40:45
Antwort löschenKennst du die sehenswerte Doku "Es war einmal... Uhrwerk Orange" (TV-Arte 2011) ?
patcharisma 2011/10/19 22:35:10
Antwort löschenJa mit genug Alk & vielen Drogen-Cocktails ist das überschätzte Ding vielleicht noch erträglich! I'm sorry...
lieber_tee 2011/10/19 22:57:06
Antwort löschenÜberschätzt nein, mit Alk und Drogen ja...:)
eXonic 2011/10/20 16:15:35
Antwort löschen@ Jack: Danke!
@ tee: Auch ein Danke an dich! Die Doku kenne ich nicht, werde aber mal schauen, ob ich die vielleicht irgendwo auftreiben kann. :)
@ pat: Macht doch nix. Deinen Geschmack finde ich trotzdem noch gut. ;D
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Prechtl 2011/11/08 21:12:12
Antwort löschenSuper geschrieben!! :)
eXonic 2011/11/08 22:30:41
Antwort löschenDanke. :)
mellowtree 2011/10/07 23:33:55
Kommentar löschenwow, was für ein film! der abspann läuft noch und ich kann noch nix intelligentes sagen. aber was für eine komik! so viel ist sicher.
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 5 Antworten
Trimalchio 2011/10/07 23:45:50
Antwort löschenSoll das heißen, du fandest den Film witzig?
J4KOB 2011/10/08 00:28:24
Antwort löschendas letzte was "Clockwork Orange" ist, ist lustig.
Joeyjoejoe17 2011/10/08 00:47:18
Antwort löschendas ist ein absolut genialer und verstörender Film. Wertung zurecht gegeben. aber humorvoll find ich den jetzt auch nicht gerade. hat zwar optisch ein zwinkerndes Auge, aber bei der bedrückenden Atmo kam bei mir nicht ein Lacher raus.
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J4KOB 2011/10/08 00:50:46
Antwort löschenJo, die Bewertung wird dem Film gerecht. Doch ich hab des Gefühl, die kam duch Missverständissen zu stande ^^
mellowtree 2011/10/08 09:44:32
Antwort löschennee nee nee :) die ganze gesellschaftsproblematik und philosophie kam schon an. teilweise wird das ja ganz direkt in den dialogen/monologen verhandelt. war die ganze zeit beschäftigt damit zwischen den zeilen mitzulesen... nur in der weisheit/menschenkenntnis/geneuen beobachtung liegt eben der humor und viele situationen/szenen waren für mich tief humoristisch, wohl weil alles so überzogen/karrikiert/symbolisch dargestellt ist. und ja, ich mußte öfter laut lachen :)
Donzaffi 2011/10/04 17:49:43
Kommentar löschenWer von euch die den Film mit "Kritiken" zerreißen hat das Buch gelesen ? Oder weiß das ein Buch existiert ?
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Azazil 2011/09/26 15:34:09
Kommentar löschenUrsprünglich hatte ich A Clockwork Orange als Hassfilm eingestuft. Jetzt hat er eine zweite Chance bekommen und es immerhin auf ein 'uninteressant' geschafft. Wer weiß, in zehn Jahren gefällt mir der Film vielleicht sogar. Beginnen werde ich einfach damit was mich am allermeisten stört. Ich hasse den Protagonisten so sehr, dass ich am liebsten ins Bild springen und ihn abknallen würde. Was unter anderem aber auch an der großartigen Schauspielleistung von Malcolm McDowell liegen könnte und damit wiederum einen kleinen Pluspunkt als Ausgleich darstellt. Kommen wir zum zweit schlimmsten - dem Slang. Er ist einfach unbeschreiblich nervig und teilweise verachtenswert (Rein-Raus-Spiel als Synonym für Vergewaltigung). Drittens, klassische Musik in Ehren aber hier ebenfalls unbeschreiblich nervig. An mehr als einer Stelle bewirkt sie sogar eine Verharmlosung der Gewalt (Bsp: Alex wird unter Wasser gehalten und dabei geschlagen. Die Schläge wirken auf mich so als seien sie nicht gefährlich. Ist sicherlich Ansichtssache.) Viertens, dieser furchtbare britische 70er Jahre Stil schmerzt in den Augen. Fünftens, kann ich kein Mitgefühl für den Protagonisten aufbringen. Alles was ihm während der Behandlung und danach passiert, entbehrt nicht einer gewissen Gerechtigkeit. Ich halte es für Schwachsinn dass ihm der freie Wille genommen wurde. Er ist nach der Behandlung noch genauso psychopathisch und triebgesteuert wie vorher. Ihm wurde die Entscheidung zum 'Bösen' auch nicht abgenommen. Den Willen Gewalttaten zu begehen hat er ja immernoch auch wenn er sie nicht ausführen kann. Alex wird zwar von allen möglichen Seiten dazu genutzt für die eigene Sache Stimmung zu machen, doch kommt er mir viel zu gut weg als dass ich groß auf die Gesellschafts-, Wissenschafts- und Staatskritik anspringen könnte. Wenn ich einen moralischen, ethischen oder sonstigen Schluss aus A Clockwork Orange ziehen soll, erwarte ich auch ein dementsprechendes Ende. Glücklich könnte ich nur sein mit der Gewissheit dass Alex für den Rest seines Lebens in einer Zelle bei Wasser und Brot vergammelt oder schlimmeres.
Mein Fazit: Es handelt sich hier um einen in die Jahre gekommenen und hoch gehypten 'Kult'-Film, alright?
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crab1973 2011/09/26 15:38:44
Antwort löschenIch glaube genau diese Wirkung wollte Stanley Kubrick erzielen.
FumerTue 2011/09/26 15:48:42
Antwort löschendito @crab1973!
Azazil 2011/09/26 16:08:10
Antwort löschenIn wie fern? Seine Gesellschaftskritik ist doch mehr Vorwand für eine Handlung, statt dessen Inhalt zu sein. Sollte es um die Verharmlosung durch klassische Musik gehen, habt ihr sicherlich recht. Doch ein Ziel Kubricks ist es auch dass einem der Film gefällt. Hätte ich nur 'Meisterwerk' wie viele andere geschrieben, würde sich keiner daran stören. Wieso wird hier ein äußerst fragwürdiger Film so konsequent verteidigt? Ohne jemandem etwas vorwerfen zu wollen, werde ich das Gefühl nicht los, dass ein Haufen Schafe das Schaf-Sein verteidigen, ähnlich Tarantinos Filme die teils aus Prinzip als 'herausragend' aufgenommen werden.
crab1973 2011/09/26 16:40:48
Antwort löschenNun, ich habe nicht grossartig verteidigt sondern eine Vermutung angestellt. Kubrick selber kann man ja nicht mehr fragen.
Du hast natürlich recht den Film als fragwürdig zu bezeichnen, denn Gewalt in den Medien ist immer fragwürdig.
Leider habe ich den Anfang der Diskussion gestern nicht mitbekommen und so ist natürlich die Gefahr gegeben, dass ich Argumente wiederhole.
Ich persönlich kann eigentlich nur sagen, dass mir im Film weder Alex noch seine Gang sonderlich sympathisch waren. Auch finde ich seine Bestrafung wiederwärtig. Ich kann da nichts entdecken was cool, hip oder sonstwas ist. Auch wird, meiner Meinung nach da nichts verharmlost, sondern die Gewalt wird als das dargestellt was sie ist: einfach nur Hässlich.
Es wird das Bild einer Gesellschaft gezeichnet, in der sich jeder selbst der nächste ist und Gnadenlosigkeit das Grundprinzip ist.
Wie wir es aufhalten können, in solch eine Gesellschaft zu kommen bleibt uns selbst überlassen, diese Lösung also die Katharsis verweigert uns Kubrick.
Das ist es, was diesen Film zum Meisterwerk macht. Und heh! Wir disktutieren immer noch darüber! Fast 40 Jahre später. Und drüber sprechen ist immer besser als sich schlagen.
Azazil 2011/09/26 17:13:27
Antwort löschen@crab1973, ok das ist eine Meinung die ich akzeptieren kann, auch wenn ich den Film selbst etwas anders sehe. Was die Gewalt angeht: Vergewaltigung wird hier als Verbrechen doch ziemlich relativiert in dem sie es als Spiel bezeichnen. Oder dass diejenige sich umgebracht hat, wird auch nicht gezeigt, sondern nur 'erwähnt'.
Zwar sitzt der Mann dann im Rollstuhl, wird aber selbst wieder als ein Täter dargestellt, der Alex für seine Zwecke einsetzen will, ohne dabei sein Vorgehen wenigstens als Konsequenz der an ihm verübten Gewalt darzustellen und damit außer Acht zu lassen. Sinnbildlich für das was ich zu sagen versuche sind praktisch die 2. Weltkriegsszenen die mit klassischer Musik unterlegt wurden. Ich sage nicht dass eine Ästhetisierung beabsichtigt wurde, aber doch als ein Nebenprodukt dabei heraus kam.
Azazil 2011/09/26 17:17:17
Antwort löschenkurz gesagt: Mich stört das was gezeigt wurde weniger, als das was nicht gezeigt wurde.
doctorgonzo 2011/09/26 17:25:04
Antwort löschen@crab1973: einfach den Kommentar von Verlah lesen, da nahm das Ganze seinen Anfang.
@Azazil: ein Film mit derart kontroversem Potential wird auch immer Fans generieren, die von gewissen Details begeistert sind, aber nicht mehr als die vielzitierten Löcher im Käse dabei sehen. Ist ja bei Tarantino oft nicht anders. Diese Fans können dann tatsächlich maximal Meisterwerk brüllen. Das klappt aber auch umgekehrt. Kubrick und Tarantino beispielsweise wohnen Stärken inne, die gewisse Grenzen persönlicher Geschmäcker überwinden können. Deshalb käme ein Cameron Film bei mir auch nie auf glatte 0 Punkte. Aber solche Dinge werden gern übersehen.
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crab1973 2011/09/26 17:36:42
Antwort löschenAbsolut okay.
Übrigens hast Du in einem anderen Punkt auch Recht. Kubrick wollte immer Filme drehen, die dem Publikum gefallen und war selber sehr schockiert über die Wirkung die "A Clockwork Orange" hatte.
Sagt jedenfalls seine Witwe in der sehr sehenswerten Doku: "Stanley Kubrick - A Life in Pictures"
Azazil 2011/09/26 17:50:55
Antwort löschen@doctorgonzo, ich muss dir in den Punkten zustimmen, dass der Film keine 0 Punkte verdient hat und dass dieses 'Meisterwerk'-Gebrülle manchmal leider auch anders herum stattfindet.
@crab1973, die Doku muss ich mir mal anschauen, da ich ansonsten Kubricks Filme für überaus sehenswert halte, Full Metal Jacket allen voran.
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