Und täglich grüßt das Murmeltier - Kritik

Groundhog Day

US · 1993 · Laufzeit 101 Minuten · FSK 6 · Komödie, Science Fiction-Film · Kinostart
  • 10

    SPOILER

    Auf den Weltfrieden.
    Ja, ich halte den Film tatsächlich für ein Meisterwerk. Ich bin mir bewusst, dass ich den Pfad des geringen Widerstandes gerade verlasse, aber beschmeißt mich ruhig mit Tomaten des Zweifels. In seiner Konzeption und im Verhältnis des Anspruches zu seiner daraus resultierenden Erfüllung ist der Film ein einzigartiges Beispiel einer perfekt gelungenen Komödie: Scheinbar sinnbefreit, hält sie doch jeder ernsthaften Diskussion stand und bietet mehr als ausreichend Stoff für philosophische Diskurse. Der Film ist voller Herzenswärme für die in ihr agierenden Figuren, ist angefüllt mit Liebe, Klugheit, Unsinn und Blödsinn. Er brennt sich ein ins Zwerchfell des Zuschauers und wird dort aufs Nachdrücklichste ihren Platz gegen alle nachfolgenden Komödien verteidigen. Und er ist eben nicht nur als Beiwerk unfassbar lustig, sondern zu allererst - und diese Komik transportiert die Allegorie auf das Leben, nicht etwa umgekehrt. Der Film stellt die Sinn-Frage nach der Erkenntnis, dass das Leben komisch ist. Was also fangen wir damit an?
    Bill Murray spielt den Meteorologen Phil Connors, einen Menschenfeind und Zyniker, der lustlos seiner Arbeit nachgeht, bis er plötzlich in eine Zeitschleife gerät. Ausgerechnet den Tag, den er am meisten hasst ihm Jahr, weil er für ihn eine langweilige Geschäftsreise bedeutet, den Murmeltier-Tag in Punxsutawney, Pennsylvania, erlebt er immer und immer wieder. Pünktlich um sechs Uhr weckt ihn jeden Morgen der 60er Jahre-Hit I Got You, Babe von Sonny und Cher im Radio. Und jeden Tag muss er immer wieder vom Murmeltier berichten, und darüber, so will es der Brauch, ob der weitere Wintertage oder ein schnellen Frühling voraussagt. Natürlich sind es die Wintertage.
    „Ever have Deja-Vu, Mrs. Lancester?“ fragt er aufgrund der gleichen Abläufe am sich zum ersten Mal wiederholenden Morgen die Pensionswirtin. „I don ́t think so, but I could check with the kitchen“, antwortet sie und Phil, sichtlich irritiert, macht sich auf zu seinem zweiten Arbeitstag. Und spätestens, als am nächsten Morgen ein von ihm am Vorabend zerbrochener Bleistift wieder heil auf seinem Nachttisch liegt, begreift er, dass die Dinge nicht mehr den Naturgesetzen gehorchen. Warum er sich in einer Zeitschleife befindet? Welches kosmische Phänomen dafür verantwortlich ist? Es ist eine der vielen Klugheiten des Drehbuchs, diese Fragen nicht zu beantworten. Phil Connors ist einfach ein in der Zeit Gefangener, ohne jede Erklärung. Und will man dennoch darauf eine Antwort, so könnte es folgende sein: Es musste einen Zyniker treffen und es musste der Tag sein, den er am meisten hasst. Eine höhere Macht, will man in diesen Sphären denken, könnte so eine Person wieder auf den rechten Weg bringen wollen, in dem sie ihn inne halten, ihn über den Umweg der Unendlichkeit eines Tages wieder zu sich finden lässt: einem Sterblichen, der seine Zeit nutzen soll. Phil Connors steht für den Typus Mensch, der ziellos und ohne jede Moral sein Dasein fristet und es ist kein Zufall, das fast alle Religionsgemeinschaften sich in diesem Film gespiegelt sahen. Die Läuterung, die Phil durchmacht, verhilft im schließlich aus der Zeit-Hölle und führt ihn zu einem moralischen Leben.
    Will man sich dem Film etwas physikalischer nähern, so nimmt man den sich wiederholenden Tag als Symbol für den Alltagstrott, der uns einen Tag wie den anderen erscheinen lässt. Nur wir selbst können uns aus diesem Trott befreien, indem wir etwas aus unserem Leben machen, die Tage begehen, um Schönes und Nützliches zu tun.
    Zuerst nutzt Phil seine Wiederholungen ganz egoistisch: Er fragt eine Frau über ihre Vergangenheit aus, um sie am nächsten Tag zu verführen. Er vergnügt sich an seinem Wissen, mit seinem Wissen, verschafft sich Geld, betrinkt sich, feiert. Als er versucht, mit der erprobten Taktik, dem Erlernen von Vorlieben, Träumen und Wünschen, seine Arbeitskollegin Rita (eine bezaubernde Andie MacDowell) zu verführen, muss er bald erkennen, dass Liebe nicht planbar ist: Immer wieder, jeden Tag aufs Neue, durchschaut sie sein Spiel und seine Unehrlichkeit. In einer unglaublich komischen Sequenz sehen wir den Armen, wie er sich Schnitt für Schnitt eine Ohrfeige Ritas abholt. Für Phil beginnt bald die depressive Phase, er begeht mehrere Selbstmorde, einer absurd tragischer als der andere; und all der Aufwand nur, um doch immer wieder am nächsten, also gleichen Morgen zu erwachen. Phil begreift schließlich, dass nichtleben sinnloser ist als leben, und kann sich langsam aus seiner Melancholie befreien. Er fängt an, sich Rita jeden Tag neu anzuvertrauen, sein Wissen für andere zu nutzen, die Unendlichkeit als Chance zu begreifen, um Sinnvolles für sich zu tun: Er lernt das Klavierspielen, wechselt alten Damen das platte Autorad („It ́s nothing, I had the tire and the jack.“), fängt einen vom Baum fallenden Jungen auf („You have never thanked me!“), rettet einem Erstickenden das Leben. Nur einem alten Mann, den er auf jede erdenklich Weise versucht, das Leben zu retten, kann er nicht helfen: Jeden Tag stirbt der alte Mann ihm unter seinen Händen weg - dem Tod kommt man, genau wie der Liebe, nicht bei.
    Und dann, nach einem Tag voller Heldentaten, die Phil ehrlich und aufrichtig begeht, kommen er und Rita sich nahe und auch sie verliebt sich in ihn. Und diese Liebe wird ihn endlich retten - und es ist für Phil die größte Erlösung, am tatsächlich nächsten Tag mit Rita im Arm zu erwachen und wieder ein Sterblicher zu sein.
    Regisseur Harold Ramis hat mit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (Groundhog Day, 1993) einen Klassiker des Genres geschaffen. Urkomische Szenenfolgen reihen sich aneinander. Da wäre zum Beispiel noch Ned Ryerson, Phils alter Schulkamerad, der nervtötend jeden Morgen auf den Bestraften zugestürmt kommt. Schauspieler Stephen Tobolowsky liefert ganz unglaubliches Overacting. Oder, in einer anderen Szene, kauft sich Phil als Clint Eastwood verkleidet und einer Eroberung im Arm eine Kinokarte und sagt zu der Kartenverkäuferin: „One adult and...“, und blickt fragend zu der Frau an seiner Seite. In der Zeit-Hölle darf man alles.
    Zum Schluss möchte ich aus einer der vielen Lobeshymnen über den Film zitieren, weil mir die Formulierung so gelungen scheint: „Groundhog Day präsentiert uns einen Charakter, der aus dem normalen Leben herausgenommen werden muss, damit er entdecken kann, dass er sein Leben abseits von sich selbst geführt hat.“

    2
    • 7 .5

      TMs Wunschkonzert 5.2: Und täglich grüßt das Murmeltier

      Thema: Bill Murray

      Dieser Kommentar ist unserm allseits beliebten Horrorfilm-Fan Maniac gewidmet. Immer, wenn ich mal wieder auf der Suche nach einer kleinen Horror-Perle bin, schaue ich auf seinem Profil vorbei und werde relativ schnell etwas finden.
      Auch davon abgesehen ist er ein netter Geselle, der mit tollen Kommentar und angeregten Diskussionen auftrumpfen kann.

      Schön, dass es dich hier gibt!

      Und nun zum Film...

      Alltagstrott. Jeder kennt ihn.
      Wecker klingelt.
      Aufstehen.
      Zähne putzen.
      Zur Schule oder Arbeit zwingen.
      Feierabend.
      Müde ins Bett fallen.
      Alles wieder von vorne.

      Doch Ramis Streifen treibt dies in seiner Prämisse nochmals auf die Spitze, denn hier geht es nicht um einen Tag nach dem Schema F, sondern um einen, der sich tatsächlich jedes Mal aufs Neue wiederholt.
      Der zynische und negative Phil Connors erlebt immer durch mysteriöse Umstände immer wieder denselben Tag, wobei nur er sich daran erinnert, dass der Tag bereits einmal vergangen ist.
      Diese sehr simple Prämisse bringt auf jeden Fall schon mal eine Menge Komik mit sich, die dem Zuschauer auch über die komplette Lauflänge hinweg erhalten bleibt.
      Neben dem kultigen Feeling, dem großartigen Acting und der schönen Charakterzeichnung ist es aber vor allem die inhaltliche Ebene, die mich vollends zu überzeugen wusste.
      Und täglich grüßt das Murmeltier ist nämlich in meinen Augen erheblich mehr als "nur" eine Komödie, sondern mehr ein Appell an die Menschen, jeden Moment ihres Lebens-so banal er auch zu scheinen vermag-zu genießen und zu verwerten.
      Hier ist es die Liebe, die der Protagonist durch die sich ewig wiederholenden Tage kennen lernt.
      Sie ist es, die ihn befreit, die ihn aus seiner harten Kruste aus emotionaler Verkrüppelung befreit, ihn auftauen und letztlich auch glücklich werden lässt.

      Jeder Mensch ist schön.
      Die Liebe ist schön.
      Das Leben ist schön.

      Und täglich grüßt das Murmeltier-Ein Feel-Good-Movie im eigentlichen Sinne.

      16
      • 8 .5

        Diesen Film schau ich mir schon seit Monaten jeden Tag wieder an...

        • 6

          Argh! Verdammte Ideologie-Kritik! Aber es hilft alles nichts: Wie so viele Filme seiner Dekade durchzieht "Groundhog Day" nicht nur auf der Subtext-Ebene stetig latenter Alltagsfaschismus. Dicke, Alte und Hässliche sind Weirdos, ausschließlich zu Erfüllungsgehilfen der Gags reduziert, cartoon'esk verzerrt und in einer letzten, krönenden Erniedrigung gar auf der buchstäblichen Bühne vorgeführt. Kameramann Larry (gespielt von Strange-guy-Abonnoment Chris Elliott) will keiner haben außer den ausgetrockneten, alten Damen, die ihn für günstig Geld erstanden haben. In solchen Momenten bricht sich ein ganzes Studiosystem Bahn und wie es Menschen sieht und kategorisiert - und Ramis' mangelnde Ambition aus der Prämisse über eine irritierend bieder inszenierte Klamotte irgendetwas herauszuholen. Zweimal verbaut er grässliche Autoverfolgungsjagden zur Streckung, kein einziges Mal scheint er die psychologischen Dimensionen zu erahnen, die hinter allem stehen könnten. Nichts ginge uns doch näher als die alltägliche Kommunikation und die Mechanismen, die uns beherrschen und die ein Laie Tag ein Tag aus für sich studieren könnte. Nichts wäre doch spannender als einem Egoisten dabei zu folgen, wie er nach und nach einen Blick an die Seite wagt und wie sich die Welt plötzlich Fragment für Fragment zu vergrößern beginnt - mit jedem Menschen, den er plötzlich zu sehen beginnt. "Groundhog Day" aber begnügt sich mit dem urkomischen Murray und einer Prämisse, die alle Grenzen zu sprengen vermag, es aber einfach nicht tut. "I always drink to world-peace."

          3
          • 8

            Lakonisch-humorige, kluge, berührende und herrlich gespielte Spaßfantasy allererster Güte.

            • 8

              Ein typischer Bill Murray Film der so richtig Laune macht und einem den Zeitschleifenartigen Alltagstrott versüßt. Wieso ich den erst jetzt bewertet habe... ich weiß es einfach nicht.
              Naja: eine Empfehlung an alle die mal etwas grummigen Humor brauchen.

              • 9
                Marcy123 18.04.2016, 09:16 Geändert 18.04.2016, 09:17

                Kultfilm und Murrays beste Rolle!
                Pflichtprogramm

                • 7 .5

                  Sehr cool. Kann ich mir immer wieder ansehen.

                  • 7

                    Und komisch und komisch und komisch ...... und vielleicht eine Botschaft?

                    • 7 .5

                      Murray unterhält bestens, Harold Ramis hat die Komödie zudem dankbarerweise noch im 80er Jahre-Stil gedreht (was 1993 noch problemlos möglich war). Klar ist das hier prinzipiell eine One Man-Show, doch Murray ist einer, der sowas stemmen kann. Die Idee ist toll umgesetzt, das Drehbuch stimmig, die Gags sitzen und der gesamte Film einfach sympathisch.

                      • 9
                        Mystery-Fan77 02.02.2016, 22:02 Geändert 03.02.2016, 21:41

                        "Und täglich grüßt das Murmeltier" ist definitiv ein Klassiker unter den Komödien, von denen es heutzutage leider wenige zu sehen gibt. Bill Murray spielt die Rolle des unsympathischen Wettermanns Phil unheimlich gut und letztendlich hofft man eigentlich nur, dass alles gutgehen wird.

                        2
                        • 7

                          Ohne Frage steckt UND TÄGLICH GRÜßT DAS MURMELTIER voller guter Ideen und Gags, allerdings ist die Zeitschleife nur Mittel zum Zweck. Bill Murray spielt die Wandlung vom genervten Unsympath zum liebenswerten Trottel glaubhaft und gut. Man gönnt seiner Figur nach der ganzen Odysee, die eine Zeitschleife mit sich bringt, einfach das Happy End.

                          • 4 .5
                            kid charlemagne 19.01.2016, 06:49 Geändert 21.01.2016, 02:29

                            Es gibt zwei Sorten von Zynikern. Die einen glauben nicht an die Menschen (das sind die gefährlichen), die anderen nicht an das, was die Menschen sagen (das sind die wertvollen).
                            Hier wird ein Zyniker gezeigt, der von einer Sekte von funktionierenden, notorisch aufrichtigen Positivdenkern gemobbt, trainiert und umgedreht wird. Doch wer hat hier eigentlich die Probleme? UND TÄGLICH GRÜSST DAS KUSCHELTIER war in seinem Missionierungseifer für das gute Leben, bzw. der korrekten Einstellung dazu, ziemlich nervend. Phil Connors (Bill Murray) kam mir vor wie der letze, wenn auch unsympathische, Überlebende in einer Gemeinde von Bodysnatchern.
                            Anderer Film, selbes Thema : Läuterung. Aber viel besser, BESSER GEHT`S NICHT.

                            • 10

                              G E N I A L !

                              Dieser Film ist ein Vollblut Film, hier werden Komödie und Drama auf wundervoll liebenswerte und Federleichte Art und Weise vorgetragen.

                              Bill Murray ist einfach Grandios, was er aus der Rolle des Zynikers Phil Connors macht ist für mich ein Stück Filmgeschichte, die ich mir einmal im Jahr ansehen muss, sonst fehlt mir Cineastisch eine große Ecke.

                              Phil Conners ein Mann der sich selbst im Weg steht, wird auf wundersame Weise auf den Richtigen Weg geschuppst. Was er dabei alles erleben darf/muß ist außergwöhnlich groß!

                              Mich grüßt Jährlich dieses MURMELTIER!

                              Ein Klassiker!

                              10
                              • 8

                                Einfach toll, wie gut dieser Film auf verschiedenen Eben funktioniert. Kurzweiliger Klamauk und echter Tiefgang reichen sich die Hand.
                                Der Film lädt zum nachdenken ein und liefert in den gut anderthalb Stunden eine perfekte Schnittmenge von dem ab, was es wohl mit einem Menschen machen würde, der immer und immer wieder ein und den selben Tag durchleben würde.

                                • 8 .5

                                  Dachte zunächst, der Film würde ein Riesen-Klamauk werden - aber da hatte ich Bill Murray völlig falsch eingeschätzt. Eine wirklich witzige und liebevolle Komödie. Eine geniale Drehbuchidee, aus der man auch wirklich viel rausgeholt hat - ich sehe da durchaus Parallelen zur "Truman Show"... Eine aberwitzige Situation, in der man sich sofort in die Lage des Protagonisten hineinversetzt.

                                  • 10

                                    Einer meiner absoluten Lieblingsfilme ich finde diese Idee einen einzigen Tag immer und immer wieder zu erleben einfach genial. Und ich glaube jede Person die diesen Film gesehen hat, hat sich schon einmal überlegt was sie in dieser Situation tuen würde. Toller Film <3

                                    • 9
                                      MichaelJ 11.10.2015, 12:56 Geändert 11.10.2015, 12:57

                                      Morgen klingelt bei mir der Wecker zwar nicht um 6.00h, aber immerhin um 5.45h. Er ist wieder da, der vermaledeite Montag.

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                                      • 8 .5

                                        Sooo cool!

                                        1
                                        • 9 .5

                                          So witzig, sarkastisch, ideenreich... ich liebe diesen Film und man kann ihn einfach nur genießen!

                                          • 9 .5

                                            Einfach zurücklehnen und geniessen ! ;-)

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                                            • 8

                                              Ein Klassiker, den man sich immer wieder anschauen kann. Sehr schön!

                                              • 10

                                                Und täglich grüßt das Murmeltier ist witzig, liebevoll und hat eine durchdachte Geschichte. Großartiger Film

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                                                • 9

                                                  Is´ n´ Hit!! :D

                                                  • 10

                                                    "Das ist erbärmlich, Leute. Circa tausend oder mehr Menschen frieren wie die Blöden und warten auf die Anbetung einer Ratte! Welch ein Quatsch. Dabei hat der Murmeltier-Tag hier wirklich mal was bedeutet. Man hat den Nager rausgezogen und ihn verspachtelt. IHR SEID VERDAMMTE HEUCHLER! IHR ALLE!"
                                                    --Bill Fucking Murray

                                                    Ich liebe diesen Film einfach. Alle Dialoge dieses Meisterwerks sind es wert, zitiert zu werden!

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