Unsere Welt war eine schöne Lüge

Imaginary Crimes (1994), US
Laufzeit 107 Minuten, FSK 6, Drama, Kinostart 25.05.1995

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von Anthony Drazan, mit Harvey Keitel und Kelly Lynch

Als Rays Frau stirbt, versucht er für seine beiden Töchter den starken Daddy zu spielen. Aber leider ist er nur ein krimineller Spinner und Trinker. Der kleine Trickbetrüger stürzt seine ganze Familie ins Unglück.

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Kommentare (2) — Film: Unsere Welt war eine schöne Lüge

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8martin

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Bewertung7.0Sehenswert

Im Mittelpunkt steht das schmerzhafte Erwachsenwerden von Tochter Sonya, (Fairuza-Valmont-Balk) die mit ihrem Vater (Harvey Keitel) und einer kleineren Schwester aufwächst. Der Witwer ist nicht nur ein Träumer und Loser, manche würden ihn einen Blender nennen, sondern auch ein Lügner und Krimineller. Das wird gefühlvoll in dunklen Bildern erzählt. Besonders die Entwicklung, in der Sonya das wahre Gesicht ihres Vaters erkennen muss, wird eindrucksvoll bis an die Tränengrenze geschildert. In ständigen Auseinandersetzungen wirft Sonya ihrem Vater Egoismus und Verlogenheit vor und zwingt ihn am Ende sogar zu einer gewissen Selbsterkenntnis. Der Vater wird sukzessive demontiert und auf seine Mittelmäßigkeit reduziert. Keitel schafft es, ihm seine Würde zu lassen und Balk schwankt gekonnt zwischen der Liebe zum Vater und der sich rasant ändernden Welt, in der er lebt, hin und her. Der Off-Kommentar lehnt sich eng an die autobiographische Vorlage von Sheila Ballantyne an und verleiht den überzeugenden Darstellern eine zusätzliche Qualität. Sonya ist inzwischen literarisch tätig. Von ihr wird die Frage gestellt, ob ein Schwindler zu echter Liebe fähig ist oder nicht? Und über ihren Vater meint sie ‘Er beobachtet seine Träume und sieht, wie sie sich auflösen‘.
Ernst, ernsthaft und nachdenkenswert.

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JackoXL

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Bewertung7.0Sehenswert

"Nie hat sich ein Mann so sehr darum bemüht ein Vater zu sein, der so wenig geeignet dafür ist, ein Vater zu sein".
Sehr schönes Zitat aus diesem kleinen und ganz offensichtlich unbekannten Films, der mir aufgrund seines holperigen deutschen Titels normalerweise auch nicht aufgefallen wäre. Der Name Harvey Keitel weckte Interesse, der Mann hat in den 90ern gedreht wie ein Wahnsinniger, dabei fast nur Qualität. Auch hier hat er ein glückliches Händchen bewiesen. Rührend, emotional, dabei aber nicht kitschig, wird die Geschichte eines Witwers erzählt, der mit seinem Leben und dem seiner beiden Töchter hoffnungslos überfordert ist. Der von Keitel gespielte Ray ist so was wie ein Überlebenskünstler, oder besser ein Überlebenskünstlerversager. Nie um eine Geschäftsidee verlegen, dabei dauernd bei allen in der Kreide und bekommt nie etwas auf die Kette. So schummelt er sich durchs Leben, auch auf Kosten seiner Kinder, bis das Ende der Fahnenstange irgendwann erreicht ist.
Der Film ist schön erzählt, hat einige wunderbare Momente und besticht besonders durch seinen Cast. Keitel spielt einfach klasse, neben ihm sind u.a. auch Fairuza Balk, Kelly Lynch, Vincent D'Onofrio, Seymour Cassel und Chris Penn dabei. Geschichte und Dramaturgie hätten durchaus noch etwas besser sein können, die Umsetzung ist aber wirklich sehenswert. Insgesamt ein gelungenes, liebevoll gemachtes Independentdrama.

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