Vaterlandsverräter

Vaterlandsverräter (2011), DE
Laufzeit 103 Minuten, FSK 0, Dokumentarfilm, Kinostart 20.10.2011

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6.8 Kritiker
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Skala 0 bis 10
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von Annekatrin Hendel, mit Paul Gratzik

Der größte Feind im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. Diesen Spruch seiner Mutter hatte der Schriftsteller Paul Gratzik, von dem Vaterlandsverräter erzählt, immer im Ohr. Aus einfachen Verhältnissen ist er in den 1970ern zu einem gefeierten Vertreter der DDR-Literaturszene emporgestiegen. Trotzdem war er 20 Jahre lang Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes, schrieb Berichte über Freunde und Förderer wie Heiner Müller, Steffie Spira und Ernstgeorg Hering. Anfang der 1980er stieg Gratzik aus, enttarnte sich selbst und wurde seinerseits zum Objekt der Stasi-Beobachtung. Vaterlandsverräter ist das filmische Porträt eines vom Kommunismus überzeugten Mannes “mit lautem Wesen”, dessen Leben ein Zickzack zwischen den Extremen war. Eine Geschichte, wie sie so, mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR, noch nicht erzählt worden ist.

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Kritiken (6) — Film: Vaterlandsverräter

Markus Raska

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7.0Sehenswert

Im Mittelpunkt dieses bemerkenswerten Dokumentarfilms steht der 1935 geborene Schriftsteller Paul Gratzik. [...] Der Regisseurin Annekatrin Hendel, ebenfalls in der DDR sozialisiert und lange mit Gratzik bekannt, geht es in ihrem Film nicht um Urteile oder um die Bewertung eines Lebens voller Brüche und Widersprüche. Sie begibt sich auf die Suche einer möglichen Wahrheit und lässt dabei Gratzik, aber auch seine Kinder, ihm damals nahe stehende Wegbegleiter oder den Führungsoffizier Wenzel zu Wort kommen.
Der Film glänzt durch großartige Szenen wie zu Anfang in einem Ruderboot, als Gratziks ganze Zerrissenheit in wenigen Augenblicken deutlich wird.

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Matthias Dell: Der Freitag Matthias Dell: Der Freitag

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6.0Ganz gut

Unpassend wirkt an dem Film in manchen Momenten das Fragen der Regisseurin. Gratzik ist dadurch zwar gezwungen, sich zu erklären in hübschen Sätzen. Aber die naive Aufrichtigkeit Hendels ist schon deshalb falsch, weil der Film selbst zeigt, wie schnell man Leute verraten kann an den Effekt [...]

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Ingrid Beerbaum: fluter Ingrid Beerbaum: fluter

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8.0Ausgezeichnet

Sensibel zeichnet sie Gratziks aus vielen Brüchen bestehendes Leben nach und beschönigt nichts. So ist ihr ein bewegendes Psychogramm eines zerrissenen DDR-Intellektuellen und seiner komplexen Persönlichkeit gelungen, ohne falsche Betroffenheit und Besserwisserei.

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Ulrich Kriest: film-dienst Ulrich Kriest: film-dienst

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7.0Sehenswert

Der leidenschaftliche Dokumentarfilm arbeitet vielschichtig die Pole Kunst und Politik ab und zeichnet das Bild eines Mannes, der aus der Welt gefallen zu sein scheint; dabei lassen Gespräche mit Weggefährten, Bekannten und Opfern Gratziks das Leben des Egomanen in all seinen Widersprüchen aufscheinen. Über das Einzelschicksal hinaus überzeugt er als Rückblick auf ein Land und das in ihm herrschende Lebensgefühl.

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R. Schenk: Berliner Zeitung R. Schenk: Berliner Zeitung

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7.0Sehenswert

Schuld und Verantwortung werden in diesem unaufgeregten, intensiven, fast kammerspielhaften Film nicht an die Obrigkeit delegiert; die Regisseurin hätte es als zu banal empfunden, Lehrer, Parteisekretäre oder Stasileute als Sündenböcke zu zeichnen. Der moralische Diskurs über Verstrickung, so lautet ihr Credo, muss breiter angelegt sein.

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Michael Meyns: programmkino.de Michael Meyns: programmkino.de

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6.0Ganz gut

Ein Film über Paul Gratzik, Schriftsteller, Dramaturg, Dissident und Stasi-Spitzel. Einen überaus streitbaren, in vielerlei Hinsicht zerrissenen Mann stellt Annekatrin Hendel in den Mittelpunkt ihrer Dokumentation, die ein eindrucksvoll komplexes Bild des Lebens in einem Überwachungsstaat zeigt, dabei aber selbst nicht immer ganz frei von problematischem Handeln ist. Ein höchst spannender, in vielerlei Hinsicht zwiespältiger Dokumentarfilm.

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Kommentare (2) — Film: Vaterlandsverräter

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Janus Winter

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wow. die leni riefenstahl der ddr.

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alter.native

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Was für ein Typ! Und was für ein Leben! Man muss jetzt nicht darüber richten, was richtig und was falsch gelaufen ist im Leben von Paul Gratzik. Seine Biografie ist eine schwindelerregende Achterbahnfahrt durch eine Epoche, die mit großer Aufbruchstimmung nach dem zweiten Weltkrieg begann und in den Widersprüchen der untergehenden DDR noch kein Ende gefunden hat. Ob er die aktuellen Widersprüche noch in eine Literaturform bekommt, weiß Paul Gratzik nicht, er ist ein langsamer Arbeiter und ein alter Mann. Aber den klug gemachten Film bis hierher anzuschauen lohnt allemal und ist ein großes Vergnügen.

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