Vielleicht lieber morgen - Kritik

The Perks of Being a Wallflower

US · 2012 · Laufzeit 103 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 8

    Zwischen authentischem 90er-Jahre Zeitkolorit und berührendem Coming-of-Age gelingt Stephen Chbosky das kleine Wunder einer so tiefgründigen wie charmanten Verfilmung. [Anke Sterneborg]

    • 7 .5

      Beeindruckend wie sehr Chbosky seine eigene Geschichte beschneidet, Figuren zurückstellt und ganze Handlungsverläufe fallen lässt, um sein wunderbares Buch emotional auch Medium-übergreifend zugänglich zu machen. Die Darsteller sind bis in die kleinste Nebenrolle exzellent besetzt, jede Szene hat ihren Sinn und ihren Platz und „The Perks of Being A Wallflower (was für ein Titel) zieht die richtigen Schlüsse: wer wahrgenommen werden möchte, muss lernen auf andere zuzugehen. Eine Botschaft, aus der eine der schönsten Szenen der vergangenen Kinojahre geboren wird.

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      • 8 .5

        Flüchtige Filmempfehlungen von Freunden sind gefährlich. Attestiert zudem die »Internet Movie Database« [kurz: IMDb] eine sagenumwobene 8.1/10 bei knapp 150000 Bewertungen, pocht mein Interesse hellhörig gegen mein filmisches Lustzentrum. Und fast gleichzeitig tönen die Alarmglocken! Originaltitel: »The Perks of Being a Wallflower« – das klingt nach Mauerblümchen-Kitsch mit Romanzenrosette. Nach nostalgischem Schwank mit rückwärtsgewandtem Blick auf eine längst vergangene, natürlich viel bessere Zeit. Nach Wie-ich-mich-endlich-traute-meine-Traumfrau-anzusprechen. Nach Songs, die mein Leben veränderten. Nach halt genau dem Zeug, wodurch sich ach so viele Leute ach so viel besser fühlen – nach einem Film mit derart breitflächigem Identifikationspotential, das ausnahmslos jeder Geschmack bedient wird und damit jeder gefälligst zufrieden sein muss. Das klingt urplötzlich nach »Eternal Sunshine of the Spotless Mind« (IMDb: 8.4 bei über 400000 Bewertungen), der einen ebenso dumpf klingenden, keck andeutenden deutschen Verleihtitel erhielt wie heutiger, abendfüllender Kandidat.
        Es klingt wie damals einfach zu gut. »Vergiss mein nicht« verhob sich seinerzeit am leidigen Thema mit der Liebe, indem er die andersartige Frage der bedingungslosen Ehrlichkeit verdrängte, nur um verkitscht ewig wiederkehrendes Verliebtsein zu schwadronieren. Die Erinnerung ist ein so kostbares Gut, das nur allzu leicht beschönigt werden kann, idealisiert werden kann, der eigenen Imagination überlassen ist. Traum und Wunsch fügen sich zu einer vermeintlich unumstößlichen Wahrheit und verleiten zum romantisierten Schwank und zum Suhlen im eigenen bittersüßen Liebes- oder Trennungssaft. Das alles nur um über die eigene Bedeutungslosigkeit hinwegzutäuschen …
        Naja, trotz allem mangelte es natürlich nach wie vor keineswegs an Neugier. Der weitere Weg führte daher über Regisseur Stephen Chbosky, der keine nennenswerten Produktionen auswies – doch nur vier Klicks später bestätigt sich die Annahme, dass er der Autor des 1999 erschienenen, gleichnamigen Romans ist. Spätestens jetzt schrillten meine imaginierten Trotzsirenen ohrenbetäubend: »Mach’ Dich auf Off-Kommentar gefasst! Wie sollen die tollen Weisheiten aus dem Buch auch sonst dargestellt werden?«.
        Gestattete Frage: Woher die übertriebene Skepsis, diese nervtötende, bewusste Antipathie? Es ist wie eine zu überwindende Mauer, derer sich hochgelobte, augenscheinig existentielle Filme widersetzen müssen. Eine Masse zu begeistern ist schwer und einfach zugleich. Es gibt dafür schmierige Mittel, Tricks und Kniffe, die ausgespielt Effekte erhaschen. Diese Filme folgen einem ureigenen Kalkül, das es jedem von Natur aus schwer macht, sich zu widersetzen. Diese Effekte hindern am Hinterfragen der Situation, des Kontextes. Für sie zählt der Moment und nichts als der Moment, um audiovisuell zu beeindrucken. Das Spiel der Emotionen ist ein dreckiges, das aber auch – und jetzt kommt es – grundehrlich sein kann.
        »The Perks of Being a Wallflower« hat da ein kleines Kunststück vollbracht. All jene Klangfloskeln von oben treffen weitestgehend zu, und t r o t z d e m bewältigt der Film ein ergreifendes Schicksal, das Freundschaft und Liebe auf eine Stufe hebt. Idealisierung hin oder her, Charlie als mauergeblümter Protagonist erfüllt auf liebenswert andersartige Weise den Stereotyp und wächst damit zum eigenständigen Charakter. Ihn und den ganzen Film begleitet ein Trauma, das die Spannung hält und erklärt. Selbst der Off-Kommenter ist maßgeschneidert und sinnvoll verankert in ein Netz aus Träumen, die rückblickend das Ziel der Traumabewältigung ermöglichen. Logan Lerman gelingt in der Rolle des Charlie ein rührender Wandel ohne Extreme, und doch mit Hang zum Besonderen.
        Gestatten, eingelullt und froh dabei.

        10
        • 8

          Irgendwann verlor mich der Film, da dachte ich fast schon, dass dieser Strauch Wallflowers an mir vorbei geht, doch glücklicherweise raffte sich der Film wieder auf. Klar, auch diese Coming-of-Age-Geschichte verläuft nach bekannten dramaturgischen Rezepten, aber er wirkt dennoch eigenständig, warm, liebenswert und wahrhaftig. So wahrhaftig dass ich mich auch nach dem Film danach sehne solche Erfahrungen zu sammeln. Vielleicht habe ich das ja? Vielleicht habe ich sie aber auch verpasst? Hach, ich liebe es wenn ein Film zeitgleich ein Lächeln und eine Träne bei mir erzeugt.

          31
          • 8 .5

            [...] Coming-of-Age-Geschichten haben bei mir ja oft schon per se einen Stein im Brett und nicht wirklich anders verhält es sich bei Vielleicht lieber morgen, der Verfilmung des im Original deutlich passender betitelten The Perks of Being a Wallflower aus der Feder von Stephen Chbosky, der sich auch bemüßigt hat, die Drehbuchfassung zu seiner Romanadaption zu verfassen. Inwieweit er dabei seiner eigenen Vorlage treu geblieben ist und wo er hat Abstriche machen müssen, vermag ich in Unkenntnis der Vorlage nicht zu beurteilen, doch merkt man durchaus an der einen oder anderen Stelle, dass hier deutlich mehr hätte erzählt werden können oder sollen, wenngleich ich nie das Gefühl hatte, dem Film würde es an Stringenz oder einem roten Faden mangeln, der allerdings zugegebenermaßen mehr im Verborgenen gewoben wird, während wir uns mit Charly durch dessen erstes Jahr an der Highschool bewegen. [...]

            • 7 .5

              [...] So einfühlsam, liebevoll und berührend, wie „Vielleicht lieber morgen“ seine Charaktere behandelt, so einfach ist es auch für den Zuschauer, sich in dieser Geschichte zu verlieren und der Implementierung von gängigen Klischees einfach mal unkritisch in die Augen zu blicken, einfach weil es passt, weil die Rechnung am Ende aufgeht, das unnötige Drücken auf die Tränendrüse vermieden wurde und sich „Vielleicht lieber morgen“ dadurch zu einem echten Jahreshighlight herauskristallisierte.

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              • 7 .5

                [...] Zum einen zeichnet „Vielleicht lieber morgen“ ein arg romantisiertes Bild der (alternativen) Jugendlichen, die einen viel zu coolen, unglaubwürdigen Retromusikgeschmack haben (selbst für eine Handlung, die im Jahr 1991 spielt). Andererseits muss man zugeben, dass dieser Stil funktioniert und wirklich zu berühren weiß. Im Kern steckt ja viel Wahrheit. Das familiäre Trauma des Protagonisten harmoniert dabei nicht so recht mit dem Rest der Geschichte. Auch ohne diese tiefere Ebene ist „Vielleicht lieber morgen“ einfach ein schöner Coming-of-Age-Film.

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                • 7 .5

                  Jedes Jahr braucht zumindest einen guten Coming of Age-Film und nach "Submarine" im letzten Jahr, ist dies für 2012 wohl unzweifelhaft "The Perks of being a Wallflower" dessen gruseligen deutschen Verleihtitel (der nach Julimond o.ä. klingt) wohl mit dafür verantwortlich sein dürfte, dass ihn keine Sau gesehen hat.

                  Was schade ist, denn er ist überaus charmant und variiert die üblichen Marksteine des Genres sehr gekonnt und punktet vor allem mit der gelungenen Besetzung. Ezra Miller darf einmal mehr den schwulen Teenager geben und vergessen machen, wie creepy er in "We need to talk about Kevin" war, Emma Watson behauptet sich souverän jenseits von Hermione und überzeugt als aufgedrehte und doch unsichere Sam - und überraschend ist sogar Logan Lehrman wirklich gut. Auch wenn er für ein Mauerblümchen viel zu gut aussieht, schafft er es tatsächlich seine unsicherheit aber auch Ambivalenz fühlbar zu machen.

                  Stephen Chbosky, der seine eigene Buchvorlage umsetzte, findet immer den richtigen Tonfall und inszeniert solide, mit beeindruckender Schauspielführung ohne dabei das Rad neu erfinden zu wollen. Was auch schwierig ist, in diesem Genre das schon so oft beackert wurde und natürlich gibts im Bereich erste Liebe, erster Sex, Freunde finden und erwachsen werden keine wirklich neuen Dinge mehr zu sagen. Doch das macht nichts, denn wie in Submarine wird hier einfach schön erzählt und an ein paar Stellen stimmt die Einheit aus Soundtrack, Bildern und Lebensgefühl und macht diese ansonsten recht brave Mischung aus "Mysterious Skin" und "Nick & Norahs Infinite Playlist" zu einem sympathisch, nostalgischen Stück Jugenderinnerung und Reminiszenz an die frühen 90er.

                  12
                  • 8 .5

                    Eines mal vorweg genommen. Wer auch immer für den absolut dämlichen deutschen Titel „Vielleicht lieber morgen“ verantwortlich ist, gehört gefeuert.
                    Der Titel lässt nämlich auf eine lahme RomCom schließen, die sich nicht von den vielen Vertretern seiner Art unterscheidet. Was unheimlich schade ist und wohl auch der Grund, wieso ich der einzige männliche Vertreter im Publikum war.
                    Dabei ist „The Perks Of Being A Wallflower” vielmehr ein liebevoll inszeniertes Drama rund um einen introvertierten Einzelgänger, der gerade seine High School – Laufbahn anstrebt.
                    Klar, auch das gab es schön häufig zu begutachten. Aber selten vorher schaffte es ein Film sich derart unbeschwert, leichtfüßig und doch bodenständig an Themen wie Homosexualität, Erste Liebe, Außenseiterdasein, Missbrauch und dem Erwachsenwerden heran zu fühlen.
                    Das ist mal ein Coming-of –Age- Film, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient.
                    Logan Lerman in der Hauptrolle spielt Charlie, ein Junge, der keine Freunde hat, psychisch etwas angeknackst wirkt und auch sonst nicht viel zu sagen hat. Lerman ist dabei so dermaßen fantastisch, dass es mich wundert – wird er doch sonst in langweiligen Fantasyschinken verheizt. Der Typ hat tatsächlich Talent! Öfter mal einen kleinen, aber feinen Film wie diesen tut ihm sichtlich gut.
                    Seine Figur ist anfangs so allein gelassen, unbeholfen und hilflos, dass das Zusehen fast weh tut. Dies ändert sich jedoch Gott sei Dank, wenn er Emma Watson und Co. kennen lernt. . Ihre Darstellung ist dermaßen wild, ehrlich, schonungslos und herzergreifend, dass auch sie zum Gelingen des Filmes gehörig beiträgt. Ab diesem Moment wandelt sich der Film vom Außenseiterdrama zu einer Geschichte rund ums Erwachsenwerden und Traumabewältigung. Überhaupt Emma Watson. Dabei besitzt der Film so dermaßen viele eindringliche und glaubwürdige Momente, dass sämtliche Charaktere wie aus dem wirklichen Leben entsprungen wirken. Ein großes Lob hierbei an den Regisseur und Drehbuchautor Stephen Chbosky. Er nimmt seine Figuren ernst, deren Gefühle und Handlungen sind nachvollziehbar und realistisch.
                    Zusammen mit der wunderbaren Kamera und dem hypnotischen Soundtrack ergibt sich mit „The Perks Of Being A Wallflower“ ein kleiner, aber feiner Film, der berührt, fasziniert und gleichzeitig Spaß macht. Zwar das meiste nicht wirklich neu, aber endlich einmal realitätsnah umgesetzt. Wurde auch mal Zeit.

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                    • 8 .5

                      Aber längst stimmt hier schon alles, das Schauspiel der bekannten und weniger bekannten Jung-Darsteller, das Buch, die zurückhaltende Regie.

                      • 7 .5

                        Buchautor Stephen Chbosky übernahm selbst die Inszenierung, [macht] alles richtig und legte [schon] einen in die Tiefe gehenden, einfühlsamen filmischen Entwicklungsroman vor, der sich für seine Figuren und deren Probleme auch wirklich interessiert.

                        • 8

                          Man muss aber auch nicht jung sein, nicht im Alter jener Charaktere, um an diesem Film etwas zu finden. Dafür sorgt das Flair der frühen Neunziger, in denen die popkulturell aufgeladene Handlung angesiedelt ist.

                          • 6

                            [Einiges fühlt sich] an, als hätte man es schon zu oft gesehen. Die Figuren sind angerissen stimmig, aber nicht konsequent zu Ende geführt. Man kann hier seinen Spaß haben, oder aber auch genervt wieder aus dem Kino gehen. Es ist alles möglich.

                            • 7 .5

                              Für einen Teenie-Film ist Vielleicht lieber morgen ein selten intelligentes Stück Kino geworden, das ernsthaftes Interesse an seinen Helden hat und sie nicht als die genreüblichen Halbdeppen darstellt.

                              • 8

                                Schon in seinem Briefroman bewies Chbosky eine große Sensibilität für die Sorgen, Nöte und Gefühle derer, die sich in dieser verwirrenden Phase zwischen Kindsein und Erwachsenwerden befinden.

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                                • 7 .5

                                  Ein sensibel gestalteter Film über einen wichtigen Lebensabschnitt.

                                  • 8 .5

                                    Die Ehrlichkeit ind 'Vielleicht lieber Morgen' bestärkt den Film genau da, wo er hätte abrutschen können.

                                    • 4

                                      Man kann förmlich sehen, wie Chboskys Herzensblut in der ganzen Sache steckt, das ändert jedoch nichts an der Botschaft ändern, die man schon tausendmal gesehen hat.

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                                      • 8 .5

                                        'Vielleicht lieber morgen' gibt einem Autor die seltene Freude sein eigenes Werk zu verfilmen und es auch noch gut zu machen. Niemand, der das Buch liebt, wird sich über den Film beschweren, schon gar nicht über das perfekte Cast.

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                                        • 8

                                          Der Film ist ein ernstzunehmendes, und großherzige Hommage an Freunde, die einander unterstützen.

                                          • 8 .5

                                            'Vielleicht lieber morgen' tut weh. Der Film tut weh, weil er die Einsamkeit, die Angst und das allgemeine Chaos des Erwachsenwerdens zeigt.

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                                            • 9

                                              Ich bewundere 'Vielleicht Lieber Morgen' für die ehrliche und unsentimentale Darstellung, die zwar gegen Ende ein wenig breit getreten wird, was das Gesamtbild jedoch nicht zerstört.

                                              • 9 .5

                                                Vielleicht lieber morgen ist ein reizvolles und betörendes Drama, das die bekannten Muster üblicher Highschool-Filme auf den Kopf stellt.

                                                • 5

                                                  Chbosky verfilmt den gängigen CW-Serienstoff und stellt ihn mit größtmöglichem Ernst dar. Die Probleme der Teenies erwecken den Anschein, als hätte niemand niemals zuvor ähnliche Schwierigkeiten gehabt. Hier wird eine bedrückende Grundstimmung beibehalten, sodass dem Zuschauer durchweg die Tränen kommen mögen.

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                                                  • 7

                                                    Der Regisseur ist genau wie der Protagonist von Vielleicht lieber morgen ein wenig unsicher. Aber dank der Stars ist der Film - genau wie das Buch - ein gut beobachtete Studie eines geplagten Teenager, der sein erstes Jahr an der High School erlebt.