Watchmen - Die Wächter - Kritik

Watchmen

US · 2009 · Laufzeit 158 Minuten · FSK 16 · Actionfilm, Science Fiction-Film · Kinostart
Du
  • 7 .5
    Matty 16.05.2017, 18:35 Geändert 18.05.2017, 20:33

    Auch ohne den Ultimate Cut hat der Film schon eine beachtliche Lauflänge.
    Auch wenn er nach der Eröffnungssequenz etwas braucht bis er in die Gänge kommt, wird es nicht langweilig.
    Gute Songauswahl beim Soundtrack.
    Spoiler:
    MAGIC MOMENT:
    Rorschach´s Tagebuch in der letzten Einstellung.

    1
    • 9

      Wer viel Geduld mitbringt, wird mit einer grandiosen Story belohnt. Action, Drama, Krimi und Thriller paaren sich mit bunten Bildern, wie man sie aus Comics kennt. Ich kenne keine Marvel-Verfilmung, die dieser Tiefe auch nur im Ansatz das Wasser reichen könnte. Statt eine Million Fortsetzungen zu produzieren, hat man hier eine Geschichte von Anfang bis Ende so schön erzählt, dass man schon an Poesie denken kann....so schön war das.
      Als aufmerksamer Zuschauer fand ich das Tempo angemessen. Die Dynamik dieses wurde sehr gut auf die Stränge aufgeteilt, so dass man nie das Gefühl hatte, es würde gerade auf der Leinwand zäh daher fließen. Die Spannung blieb fast konstant, konnte aber schon am Anfang ein Niveau erreichen, um mich anzufixen und am Ball zu bleiben.
      Am Ende bleibt die Gretchenfrage einen selbst im Halse stecken, welcher Moral man folgen würde. Bei mir hat das eingschlagen.

      3
      • 5

        hmmmm...naja...etwas lang und recht anzweifelnder Moral und Ethik, die speziell am Ende doch sehr fragwürdig ausfällt und ich dann nur traurig den kopf schütteln konnte:)
        aber der film ist gut gemacht, typisches Zack Snyder filmchen. eine stunde kürzer und die verfehlte moralvorstellung weglassen...und es wäre richtig gutes popcorn-kino:)

        • 8
          sachsenkrieger 25.04.2017, 10:26 Geändert 25.04.2017, 19:20


          Dreieinhalb Stunden Ultimate Cut ... und die Tastatur will keine Buchstaben rausrücken. Vielleicht liegt es daran, das ich seit 40 Jahren keine Comics mehr angefasst habe und mir da irgendwas entgangen ist. Vielleicht muss man die Schuld auch einfach mal bei anderen suchen. Letztendlich kann ich also nur die filmische Umsetzung der WATCHMEN bewerten und die hat mich über weite Strecken sehr gut unterhalten, hat mich zum Nachdenken animiert, mich lachen lassen, mich selbst fragen lassen, warum explizite Gewaltdarstellungen mich nicht abschrecken ... und wer bewacht eigentlich die Wächter? Zack Snyder hat einen Film kreiert, der in Teilen liebevoll daherkommt, visuell berauschend, mit dem Auge fürs Detail, wunderbaren Bildern, einer Story über abgeschmackte Heldenfiguren, die in der Vergangenheit leben, aufgegeben haben, sich an der eigenen Heldenhaftigkeit berauschen, sich anmaßend geben, innerlich zerrissen, äußerlich zu Witzfiguren verkommen, die sich von der Regierung als Minute Men einsetzen lassen, verkommenen Idealen treu, an die sie früher zu glauben glaubten ... so wie wir alle. Abgesang und Hommage, um mal eine klischeehafte Formulierung zu verwenden. Einzig und allein einer von ihnen, der von sich selbst sagt, das er Erkenntnis erlangt hat, hinter die Fassaden gesehen hat, den Rorschachtest bestanden hat, kämpft noch an der ersten Frontlinie, an der es niemals enden wird, egal wie sehr wie viele von uns versuchen werden, auch nur einen Menschen zu ändern. Rorschach ist die zentrale Figur des Films ... mit ihm steht und fällt alles, der tragische Held so vieler Geschichten, der am Ende fallen muss, damit sich irgendwo ein anderer erheben kann über den schönen Schein, mit dem wir verzweifelt versuchen, unserem anscheinend grundlosen und nichtigen Dasein, einen Sinn zu verleihen ... Hallelujah...

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          • 8 .5
            Heckenritter 24.04.2017, 21:39 Geändert 24.04.2017, 23:32

            Einer Beziehung mit freudigen Höhen und tiefen Enttäuschungen
            entspricht dieser Film für mich. Mit zwölf schon wurden die ach so
            gefeierten Superheldenheftchen fürchterlich langweilig mit ihren
            immer gleichen Barbie und Kent Motiven. Zu albern und sich ewiglich
            quietschbunt wiederholend in ausgelutschten Klischees mit dem
            Tiefgang eines Kaugummis aus dem Automaten, die mit ihrer 20
            Pfennig Glückseligkeitsmasche noch an jeder Ecke standen. Der
            Geschmack verflog nach zwei Minuten. Die Ansprüche an fesselnde
            Bilderstories steigerten sich mit jedem Jahr der Alterung. Alles
            änderte sich mit der Revolution die Alan Moore in sechs Bänden
            einleitete, jeder Blick auf die stetig voranschreitende Atomuhr in den
            Ecken der Illustrationen ließ den realen Wahnsinn aus den Nachrichten
            nur umso realer werden. Ein Comic? Ja, das werden die Watchmen
            immer sein, nur selbst nach 30 Jahren markiert die Verarbeitung von
            reaktionärer Realpolitik, Umweltzerstörung und gesellschaftsrelevanten
            Themen einen nicht zu herausreißenden Meilenstein nicht nur für die
            Schublade der Superhelden, sondern für das gesamte Medium
            Comics. Sie wurden nicht länger belächelt und als Kinderkram abgetan,
            Alan Moore ist der große Pionier der mit nie vorher dagewesenen
            tiefschürfenden Figuren einer Romanklasse und mit philosophischen
            Ansätzen in ihrer schlüssigen Ausarbeitung eine neue Qualitätsstufe
            setzte, die verdientermaßen in die ruhmreichen Hallen der New York
            Times Liste bemerkenswerter Literaturwerke einzog. Comics stagnierten
            in Kinderturnschuhen, selbst gestalterisch setzten die Watchmen neue
            Maßstäbe mit durchkomponierten Schablonen eigenwilliger Stilbrüche,
            die zusammengesetzt auf jeder Seite ein einzigartig begeisterndes
            Erlebnis für die Augen und für den Verstand mit wechselseitiger
            Dramaturgie kreierte. Ein Augenschmaus Kunstwerk des Zeichners
            Dave Gibbons und Comic Mount Everest. Ihn zu besteigen habe viele
            versucht. Was Stanley Kubrick für den Film darstellt, ist Alan Moore
            mit seinem weitreichenden Einfluß seiner Inhalte in ihrer revolutionären
            Gestaltung für die Comicwelt und darüber hinaus. Die 10 Gebote
            neuartiger Erzählstrukturen, umklammernder Dramatik inklusive
            Persönlichkeitsstörungen in den Figuren und Gehalt eines
            tiefsinnigen Romanschinkens.

            Der resignierte Night Owl nagt an dem Frust vergebens nachgejagten
            Idealen, der trauernde Abgesang des idealisierten Optimismus mit
            seinen wirkungslosen Transparentparolen. Der Wille und die Kraft
            scheitert an der Ohnmacht durch die Herkulesaufgabe, dem Verbrechen
            Einhalt zu gebieten. Rorschach bekämpft an der Oberfläche die
            kriminellen Auswüchse mit kompromissloser Härte und bedingsloser
            Gewalt, ohne je der Wurzel nahe zu kommen. Verbittert, brutal und
            schonungslos. Nicht zu biegen oder zu brechen. Die Methoden gilt es
            abzulehnen, nur wer dachte vielleicht nicht schon mal daran es ihm
            gleich zu tun, liegt er mit seinen Einschätzungen zu den Ursachen
            morastiger Sumpflöcher in der Gesellschaft wirklich so daneben? Silk
            Spectre blickt im Dauerrausch zurück auf das vergangene Leben, der
            Blickwinkel der Menschen verschiebt sich im Alter und findet zu
            punktierten Sehnsüchten einer Zeit, die nicht mehr ist. Die Bedeutung
            der ach so wichtigen Oberflächlichkeiten unseres Lebens lösen sich
            auf im wehmütigen Rückblick der Nachsicht, des Vergebens, des
            Erinnerns. Silhoutte ermordet durch den blindwütigen Hass gegenüber
            sexueller Andersartigkeit, ist das jemals ein nicht relevantes Problem?
            Ozymandias dessen Intelligenz in einen Wahn der Notwendigkeit
            abdriftet, es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Cleversten urplötzlich
            als Verrückte dastehen. Man muss kluge Gedankenansätze nur weiter
            spinnen, sie einer Konsequenz des Denkens ohne Rücksicht auf
            Befindlichkeiten unterordnen. Sind eine halbe Million verhungerte
            Kinder durch Sanktionen im Irak wirklich gerechtfertigt? Für was
            eigentlich? Hat es uns gekümmert oder jemanden überhaupt
            interessiert? Ein totes Kind sorgt für kollektive Bestürzung, bei einer
            halben Million versagen unsere Sensoren der Menschlichkeit.
            Wieviele Opfer braucht es, um die Welt tatsächlich zu einem besseren
            Ort zu machen, wenn wir davor schon die Augen verschließen, aber
            Ozymandias als vollkommen Wahnsinnigen erklären? Fragen die an den
            Grenzen des Verstandes schmutzige Abdrücke hinterlassen und höchst ungemütlich werden. Der Comedian kennt die Wahrheit unseres Wesens,
            wieviel Wissen über den Menschen mit seiner abartigen Schattenseite
            aus der Hölle lässt sich anhäufen, bevor nur noch die
            Sarkasmusverarbeitung einen Raum schafft, nicht in die Knie
            zu gehen und eine Nische zum leben im Kreislauf des Irrsinns öffnet?
            Die bittere Satire der Wirklichkeitsverdauung. Das Lachen des grimmigen Realosadisten der zu nichts mehr nein sagt, weil Regeln ohnehin schon
            lange keine Rolle mehr spielen. Das einzige Überwesen in dem Haufen
            wimmelnder Termiten bietet die Sicht aus der Vogelsperspektive an,
            unser Wirken und Handeln in einer Petrischale zu betrachten. Dr.
            Manhatten ist das Orakel unserer Zukunft, der zeitreisende
            Nichtmensch mit Elfenphilosophie des Weitblicks, den zum Glück noch
            Gefühle im Hier und Jetzt halten. Die junge Silk Spectre atmet das
            Leben, im Grunde ist sie der Spiegel wofür es sich überhaupt noch
            lohnt, mit hohen Einsätzen zu spielen. Sie ist das Gewissen unserer
            Natur, der Hoffnungsschimmer der uns alle antreibt die schönen Dinge
            im Blick zu behalten, eine Rückbesinnung auf unsere Basiswerte,
            der Liebe zum Beispiel, bevor wir in unserem Antrieb Dinge zu tun, dies
            völlig aus den Augen verlieren. Ein Anker in erotisierend irritierender
            Verpackung für das Stärkegleichgewicht im bevorstehenden Fight.
            Who watches the Watchmen? An dieser Stelle frage ich mich viel eher:
            who watches the politicans? Ganz genau. Niemand....

            Über die Watchmen lässt sich problemlos ein dickes Buch schreiben.
            Snyder danke ich es die Komplexität des weitreichenden Epos
            überhaupt in einem FIlm abgebildet zu haben nach 4 Regisseuren
            und 4 großen Filmstudios, die in der Vorproduktion allesamt aufgaben,
            dem Stoff gerecht zu werden. In der Prachtoptik und in der gefühlvollen
            als auch verstörenden Ausarbeitung der Mensch-Anti-Anti-Helden kann
            ich mich verlieren, das Gesehene ist nur untrennbar mit der
            Comicerfahrung verknüpft. Visualierte und emotionale Sinnesreize zur
            Stimulierung eines fest gespeicherten Erlebnisses. Die Übertragbarkeit
            so vieler Themen die in und um die zwiespältigen und tragischen Streiter in Watchmen beleuchtet werden, kann sich auf dem Bildschirm nicht
            entfalten, die Alan Moores Werk eben besonders auszeichnet. Die
            Materie hinter der Materie die im Kopf haften bleibt und außergewöhnliche Regisseure und Buchautoren in der Regel auszeichnet. Der Film würgt die
            Fantasie ab. Ein großer nihilistischer Spaß dessen kritikwürdige
            Musikvideoerzählung eine lässige (vielleicht auch fahrlässige)
            Popcornvariante mit unzähligen Details des ursprünglichen Autorenwerks
            ist. Pech ist dann nur, wenn Snyder versucht den ewigen Tanz zwischen
            sexuellem Begehren und Gewalt als Eycandy präsentiert, versucht mit unterzubringen und 9 von 10 Zuschauer nur das R-Rating abfeiern und
            rein gar nichts mitnehmen. Snyder sieht sich selbst als eine Art David
            Cronenberg, der mit übertriebener Gewaltdarstellung zum nachdenken
            über Gewaltkonsum anregen will.
            Wow, komisch nur dass ich keine Gruppe ausmachen kann, die nach dem
            Genuß von Dawn of the Dead, 300 oder Watchmen darüber reflektiert, wie,
            in welcher Menge und mit welchem Bezug zur realen Gewalt eben jene
            in Filmen konsumiert wird. Tut das jemand nach diesen Filmen? Na also,
            was für ein idiotischer Bullshit. Wenn beim Publikum nichts ankommt
            und die übertriebene Gewaltdarstellung in schmeichelnd faszinierender Videoclipoptik für begeisternde Unterhaltung sorgt ohne jegliche
            Schockwirkung, wird sie zum reinrassigen Selbstzweck.
            Entweder hat der Regisseur komplett versagt oder er ist einfach nur ein Dummschwätzer. Ich wünschte mir Zack Snyder würde einfach die Klappe
            halten, wenn ich sein Gelaber mit der Wirkung seiner Filme vergleiche.
            Für mich nur ein weiterer Beleg, dass die Watchmen völlig ungeeignet sind,
            je von einem Film wirklich erfasst zu werden, ohne sie zu verstümmeln und
            der Werbefilmer mit emotionalen Musikvideo Höhepunkten ohne
            durchgehend dramtaturgisches Level nicht der optimale Mann für diesen
            Stoff ist, er ist nur sehr ehrgeizig und unbeirrbar gewesen. Watchmen
            macht ohne Frage Spaß, aber die Reduzierung auf schnackelnde
            Vordergründigkeit mit überbordener Ästhetik ist dann kein Spaß mehr, der
            Alan Moore gerecht wird. Moore hat sich geweigert je mit Snyder über
            den Film zu sprechen, was mich nicht sonderlich wundert.

            Mit Zack Snyders Ambition das Unverfilmbare zu verfilmen, habe ich mich
            zum großen Teil versöhnt. Darin sehe mittlerweile ein äußerst anregendes
            und blankpoliertes Langnesewerbeschild für Eis am Stiel an einem heißen Sommertag. Das Magnum Eis dann in der Hand zu halten, das Papier
            abzustreifen und herzhaft den halb geschmolzenen Cremeschmaus auf
            der Zunge hin und her zuckeln zu lassen, ist noch einmal etwas völlig
            anderes. Wer sich für die zum Teil psychotischen Watchmen erwärmen
            kann, sollte sich danach besser den sechs Bänden von Alan Moore und
            Dave Gibbons widmen. Nur hier wird die Fulminanz dieses Werks wirklich
            greifbar, die Großartigkeit in der Erzählung wirklich spürbar, die im Kopf
            weiterentwickelt wird und nach neuen Passformen in seiner Zeitlosigkeit
            sucht. Es ist DAS einflußreiche Comicerlebnis seit Mitte der 80er. Am
            besten gleich die eindrucksvolle Anarchiekunst V wie Vendetta und
            die legendäre Swamp Thing Reihe hinterher, die alle Spidys und Clark
            Kents mit einer neunschwänzigen Katze der Tiefgründigkeit das
            übertriebene Gewese um Marvel und DC Verfilmungen zum Teenager
            Backstreet Boys Kreischkonzert degradiert und sie alle zurück in den
            Kinderhort peitscht. Wo sie wimmern und heulen wie bockig beleidigte
            kleine Schlingel. Kinder... ts ts ts.
            Der Comic? 112 von 100 möglichen Punkten. Der Film? 7 bis 9 in
            launischem Wechsel je nachdem, ob mir Zack Snyders alberne
            Äußerungen gerade einfallen. Lies Alan Moore!

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            • 10
              FrancisYorkMorgan 23.04.2017, 22:21 Geändert 24.04.2017, 10:31

              Pontiac 87

              Alan Moore's (Text) und Dave Gibbons' (Zeichnungen) meisterliche Graphic Novel "Watchmen" ist vielleicht die größte, außergewöhnlichste und stärkste Geschichte, die je über gezeichnete Bilder in struktuierten Kästchen erzählt wurde. Ich lieh mir das dicke und robuste Buch nach dem Kinobesuch vor etlichen Jahren und war begeistert, wie beeindruckt, kaufte es später nach. Die groteske, intelligente, extrem sarkastische, provokative, hoch philosophische Vorlage ist ein Meisterstück und die einmalige Verschmelzung aus längeren, grandiosen Textpassagen, wie reinen Comic-Strips, ist und bleibt ein unerreichtes Unikat. Ein, weit über 400 Seiten starkes Kunstwerk, ein Epos über allem. Nach den letzten Seiten war ich froh, dass Regisseur Zack Snyder und seine Autoren nur wenig variierten und kaum etwas glätteten. Ganz im Gegenteil, setzten die Macher in Sachen Gore, Sex und Drastik ordentlich oben drauf, ohne die zehrenden Sümpfe des Selbstzweckes zu durchwaten. Für einen R-Rated Film sind auch die visuellen Effekte außerhalb zerfetzter und abgefackelter Leichen überaus ansehnlich und gerade das Glasgebilde auf dem Mars, geschaffen von Dr. Manhattan (Billy Crudup), ist eine optische Meisterleistung, ganz ohne 3D oder PG-13 Kompromisse. "Watchmen" ist virtuos, bis ins kleinste Detail durchkomponiert, druckvoll inszeniert und kompromisslos - ein Wagnis, dass leider nicht ausreichend entlohnt wurde. Man mag von Snyder halten was man will, aber das war eine einzigartige Leistung und dafür hat er höchsten Respekt verdient, auch wenn das Finale recht straff von der Vorlage abweicht. Snyder hat ein unglaubliches Gespür, bereits vorhandene Stoffe zu adaptieren. Ein Talent, was ihm bei seinem selbst gedichteten "Sucker Punch" leider nicht half. Nahezu jeder Punkt und jede Facette der vielfältigen, wie launischen Vorlage ist in dieser Verfilmung stark umgesetzt. Die vielen wunderbaren Songs alter Tage glühen und flammen in genau den richtigen Szenen. Egal ob Bob Dylan, Leonard Cohen oder Nena - hier gehen Schmunzel, Hommage und schlierende Spiegel Hand in Hand. Der magische Score von Tyler Bates ist wuchtig, glasklar und fiebrig, nimmt gefangen und lässt mich, bis heute, nicht mehr los. Jahre, bevor der Film "Interstellar" die Orgel wieder in den Vordergrund rückte, perfektionierte Bates zittrige Collagen und majestätische Klänge, flutete über den Planeten Mars, dessen einzigen blauen Bewohner und unterlegte dieses gnadenlos aufgereizte Paralleluniversum mit einem Score, der jeden Preis dieser Sphären verdient gehabt hätte. Mich würde es nicht überraschen, wenn Hans Zimmer die Musik von "Watchmen" mag.

              Größtes Ärgernis ist jedoch die VÖ-Politik des Filmes, nach wie vor. Es ist extrem schade, dass der etwas bessere Directors Cut, des ohnehin sehr guten Filmes (ca. 187 Minuten Laufzeit) und der vollends perfekte Ultimate Cut (215 Minuten für die Ewigkeit), nie offiziell in Deutschland veröffentlicht wurden. Es ist dennoch erstaunlich, wie gut der gestraffte Kincut, der immer noch stolze 163 Minuten Laufzeit veranschlagt, funktioniert, selten gehetzt wirkt und trotzdem die wichtigsten, beinahe alle essenziellen Ecken abdeckt. Ich habe diesem Meisterwerk in seiner Kinofassung immer acht Punkte gegeben, las die herausragende Graphic Novel im Nachgang, schaute mir "Tales of the Black Freighter" (Gerad Butler gibt hier den Erzähler) an und lauschte dieser schaurig widerlichen Piratengeschichte, die in "Watchmen" einen wichtigen und makaberen Splitter einnimmt. Der Comic im Comic. Man möge mir diesen Kalauer verzeihen, aber DAS trifft es eben. Ich schaute mir den Nachklapp "Under the Hood" an und quälte mich vor Jahren auch durch den Motion Comic. Inhaltliche eine Bank, aber leider sehr sehr schlecht synchronisiert und auch visuell ehr madig. Hier sollte man unbedingt selbst lesen, denn die eigene Intonation ist es, die "Watchmen" in Druckform so göttlich strahlen lässt. Doch der Ultimate Cut blieb mir über die Jahre verwährt. Dieser Tage kam ich, über gefühlt fünfzig Ecken, in den Genuss dieser 215 Minuten und dieser kinetische Sog war eine krachend blutige Wucht, die ich gerne, genau SO im Kino erlebt hätte. Der hervorragende Film bekommt erst in dieser Version seinen vollen Glanz. Ein rissiger Glanz, voller schmutziger und blutiger Tupfer. Smiley. Soaked in blood. Es sind nicht nur die längeren, wie ausführlicheren Szenen, die nochmals angezogene Gewalt (mich überrascht es noch heute, dass dieser Film mit FSK 16 davon kam), nein, es ist vor allem "Tales of Black the Freighter", der nun häppchenweise eingeflochten wurde und, ganz wie in der Vorlage, essenziell ist. Die Story am Zeitungsstand (:-) Bernard & Bernard (-:) ist eine locker Note in diesem düsteren Film, die ich nun nicht mehr missen möchte. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich den UC unbedingt ansehen, denn nur der Ultimate Cut lässt "Watchmen" als vielleicht beste Comic-Verfilmung, als stärkste Verfilmung eines literarischen Stoffes im Raum stehen. Ein zerschnittenes Lächeln. Es ist bedauerlich, dass es an den Kinokassen nicht so stark funzte, wie es der Film verdient gehabt hätte. Es ist eine Schande, dass man den eindrucksvollen und wahrlich überragenden Ultimate Cut nicht ohne weiteres schauen kann, zumindest nicht hierzulande.

              Die Besetzung fährt zwar keine großen Stars auf, dafür aber durch und durch Idealbesetzungen mit Klasse und Können. Ein Meer an starken Leistungen. Kontext und Emotionen, auch hier gebührt größtes Lob an Snyder, der aus seinen Schauspielern alles heraus holt. Jeffrey Dean Morgan, Billy Crudup und wirklich jede Figur in diesem dunklen Moloch - besser hätte man nicht casten können. Ein urbanes, politisch sehr interessantes, morbides, groteskes, überaus intelligentes, wunderschönes, blutiges, philosophisches und extrem überzeichnetes Meisterwerk, in dem es vor allem um eines geht. All das Übel in uns Menschen. Ein Wesen, das sich selbst nicht sonderlich mag.

              ***

              Es gibt in "Watchmen" eine Sequenz, die es mir nicht gestattet, jemals von dieser Wertung abzuweichen. Träumerisch und allein. Schaut man die Kinofassung, stellt sich nach knapp einer Stunde Dr. Manhattan genauer vor, lässt uns an seiner Situation, seinem Zustand teil haben - eine der stärksten Filmszenen aller Zeiten. Jeder Charakter in "Wachtmen" hat seine Momente, ungewöhnlich tiefe Wellen, unklare, wie spannende Emotionen und Wendungen inne. Durch Snyder und sein Gespür, die Fäden die er über allem hat - ein Monument. Die Verzweigung, als Jon Osterman zu Dr. Manhattan wird, krabbelt alle Sinne, kitzelt über die Härchen an den Armen. Eine Sequenz, die vor und zurück springt, hin und her, auf und ab. Eine Sequenz, die Farben quellen und zur gleichen Zeit verblassen lässt, Tränen wandern lässt. Ungefilterte Poesie, die die Zeit still stehen lässt. Das Medium Film, der Comic, die Novel wird in diesem Moment verlassen, weit hinter sich gelassen, die Uhr tickt und tickt. Vorwärts, zurück und dann, dann steht sie still. Wenige Sekunden vor zwölf, Blitze säumen das Bild, rauschen durch die Härchen und Billy Crudup spricht Dr. Manhattan sanft und leise - die Uhren halten an und klacken nach hinten, rücken Texturen, gEbilde, GeBiLdE und gEBiLDE auseinander, verlassen alle Regeln und alle Strukturen der uns bekannten Medien. Snyder zieht alle Register, lässt Konventionen fallen und der Score zaubert. 11 Minuten für die Ewigkeit. Emotional, göttlich, poetisch und grausam. Einsam. Eine Uhr ohne Uhrmacher. Fall from grace.

              [...] That fall from grace
              Knocked me on my knees
              Don’t tell anyone
              That's what I wanted
              The god of change
              Knocked me on my knees
              Don’t tell anyone
              That's what I wanted [...] - Joe Casey

              Einer der besten Filme aller Zeiten. Ein hässlich verträumtes Epos, ein rupfendes Meisterwerk über allem, so oder so. Oder so.

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              • 10

                den kann man sich alle paar jahre gut geben...toller streifen

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                • 7

                  Dachte mir bei den Watchmen immer: die kenne ich nicht und kommen mir ziemlich eigenartig vor, muss ich jetzt echt nicht sehen. Bis er einmal im Fernsehen war und ich muss sage, ich war positiv überrascht.

                  • 6 .5
                    Gerry1974 09.03.2017, 23:22 Geändert 09.03.2017, 23:39

                    Ganz Okay, stellenweise extrem Brutal und Witzig zugleich, aber auch mit einer zähen Überlänge von 158 Minuten, ich finde 20 Min. weniger hätten es auch getan.

                    • ?

                      Sorry nach 50 Minuten hab ich noch immer nicht verstanden was das Problem ist !

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                      • 2

                        Fand ihn ziemlich langweilig

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                        • 8

                          Habe ich leider noch nicht im Directors Cut gesehen. Trotzdem gut!

                          • 9
                            WolfgangMueller 05.01.2017, 01:31 Geändert 29.01.2017, 09:27

                            Je öfter ich ihn mir anschaue, desto klarer wird mir, welch bewegendem Opus der Filmgeschichte und Literatur ich beiwohne und dass dieser Watchmen es selbst trotz dieser düsteren Bilderflut vollbringt, Hoffnung und etwas wie Bereitschaft zu schüren, aus dieser Welt etwas Besseres zu machen.

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                            • 7

                              Der hat Qualität und sogar Tiefgang. Aber leider ist er zu lang, hat Längen und ist oft langweilig (ja, ich merke es selbst). Ich finde den Film auch nicht übermäßig gut besetzt - Negan macht seine Sache super - der Rest ist Durchschnitt.

                              Andererseits: Einen Superhelden-Film mit soviel liebe zum Detail, explizite Gewalt und dem Mut mal ein paar Millionen Menschen sterben zu lassen findet man auch nicht oft....

                              • 9

                                Dieser Film ist wirklich ein Ausnahmephänomen und verdient die vielen positiven Stimmen hier.
                                Als ich den hier das erste Mal sah- so jung wie ich 2009 noch war, filmisch unerfahren, empfindlich gegenüber fragwürdigen Inhalten- fand ich ihn wirklich richtig schlecht.
                                Und dann war aber auch noch das Problem, dass ich mit Snyders Stil nicht zurecht kam... Damals (!)
                                Aber jetzt, nach all den Jahren, geb ich gerne zu, das ist ein Meisterwerk, vielleicht sogar DAS Meisterwerk Snyders.
                                Rorschach rockt.
                                Das wollte ich nur noch mal gesagt haben.

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                                • 7 .5

                                  Sicherlich richtig Bildgewaltiger Streifen, bei dem aber der Funker bei mir nicht vollends überspringt.
                                  So richtig rocken tun halt wirklich nur der starke Eingangsfight, die Szenen und Dialoge mit Rorschach und der Soundtrack.
                                  Trotzdem gut und im schicken Steelbook in meiner Sammlung .

                                  • 6 .5

                                    Ich bin bei diesem Film sehr zwiesgespalten , auf der einen Seite muss man gestehen das der Film Audiovisuell echt was zu bieten kann , die Idee dahinter auch relativ gut ist.

                                    Leider ist der Film mir einfach ein tick zu lang und man verliert als Zuschauer irgendwann die Konzentration.

                                    • 5

                                      Für mich persönlich zu langatmig. Die Story irgendwie sehr mau.
                                      Naja, ganz nett. Nicht mehr, nicht weniger.

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                                      • 10
                                        howartwollowitz 04.10.2016, 12:53 Geändert 04.10.2016, 12:59

                                        Das Thema des Films sind all die Facetten der Moral und wie man sie betrachten kann.
                                        Der Film geht die gesamte Zeit der Frage nach der Moral nach.

                                        Ohne mehr sagen zu wollen: Watchmen ist Zack Snyders Meisterwerk. Mit einem stimmigen Soundtrack wuchtet uns Snyder durch seine Bilderorgie und zeigt uns Dinge die es so im Kino noch nicht gab.

                                        Snyder mag ein Fetischist sein, vielleicht sogar ein Faschist auf eine gewisse Art und Weise, vielleicht wohl eher an Anti-Faschist der mit den Motiven von Faschismus spielt, was er auch ist, mit Sicherheit ein Visionär.

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                                        • 10

                                          Soooo guuuut!

                                          • 10

                                            Watchmen, für mich die klare Nr 1 aller Comicverfilmungen.
                                            Die Openingscene ist Kult und mit das beste was ich in der Form gesehen habe.
                                            https://vimeo.com/38649608

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                                              Vielleicht neben "The Dark Knight" die beste Comicverfilmung die je gedreht wurde !

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                                              • 6 .5

                                                Wirklich ein sehenswerter Heldencomic Film !
                                                Wie immer in der düsteren DC Inszenierung bannt es den Zuschauer ins Geschehen.
                                                Also für alle Superheldenfans aus dem Hause DC , Sehenswert !

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                                                • 9
                                                  Ecto1 03.08.2016, 01:45 Geändert 03.08.2016, 01:46

                                                  Wenn ich mal wieder eine Überdosis der aktuell knallbunten Comic-Verfilmungen habe, brauche ich eine Auszeit im Therapieraum der Watchmen. Schon meine erste Sichtung - ich hatte von den Comics keinen blassen Schimmer, und was mich erwarte würde noch weniger - hat mir das Gehirn sowas von durchgeschüttelt, dass ich danach bei jedem Rorschach-Test durchgefallen wäre.

                                                  Auch wenn der Film stellenweise etwas zäh sein kann, ich finde hier nicht viel was ich auf die Mängelliste nehmen könnte. Nur schon die (Super-)Helden hier haben genug Charakter um mir 1, 2 oder 3 Stunden ein Lächeln aus Gesicht zu zaubern. Hier gibt's keine Smarties, sondern hartes Brot!

                                                  Klar haben die Marvel und DC Superstars das Zepter im Kino in der Hand. Und deren Fanbase wird in regelmässigen Abständen zum Konsum von mal mehr/sehr, mal weniger guten Filmen angestiftet. Schliesslich gibt es da tonnenweise Material, Figuren und Geschichten, auf welche die Fans jahrelang abgerichtet wurden und nun danach lechzen diese in Fleisch und Blut sehen zu können.

                                                  Und ja auch ich habe meine Lieblinge, welche mal mit Krallen, mal mit Schwert und mal mit Spitzohren den Gegnern das Fürchten lehren. Aber, unter den inflationär gewordenen Comic-Adaptionen, hat Watchmen für mich auf immer einen Ehrenplatz. Einfach weil Zack Snyder hier seinen Look, mit den passenden Charakteren zu einer irrwitzigen Symbiose verschmelzen lassen konnte.

                                                  Geile Scheisse für eine kranke Welt!

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                                                  • 9

                                                    Das nenne ich mal eine bombastische inovative Comic-Verfilmung von Zack Snyder.
                                                    Grandiose Charaktere und Schauspieler die so völlig unterschiedlich und doch so viel gemeinsam haben.

                                                    Die Bildersprache ist nah am Augen Orgasmus, die Action ist fein nuanciert und wunderbar Comic Like.

                                                    Die Soundkulisse ist zum verlieben Cool.

                                                    Watchmen - Die Wächter geht gute 3 Stunden, doch selten waren sie so durchgehend Unterhaltsam wie hier.

                                                    Klasse FILM!

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