Wege in die Nacht

Wege in die Nacht (1999), DE
Laufzeit 98 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 25.11.1999

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Wege in die Nacht - Bild 29826
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von Andreas Kleinert, mit Dirk Borchardt und Hilmar Thate

Walter ist ein Mann Ende 50, dem die Wirklichkeit entgleitet. Zu DDR-Zeiten war er Direktor eines Industriekombinats, nun ist sein Lebenswerk eine gespenstische Ruine. Walter steht fassungslos vor der Welt, die ihn ausrangiert hat. Sein innerer Amoklauf beginnt. Zusammen mit zwei jungen Leuten, Gina und René, begibt sich Walter auf nächtliche Patrouillen durch die Berliner S- und U-Bahnen, um für Ordnung zu sorgen. Als selbsternannte Sheriffs warten die drei auf Gelegenheiten, pöbelnde Rowdies zusammenzuschlagen.


Cast & Crew


Kommentar — Film: Wege in die Nacht

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Joe Gillis

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Bewertung7.0Sehenswert

Walter war mal wer. Als sozialistischer Kombinatsdirektor hatte er etwas zu sagen, zu gestalten, zu bestimmen. Zehn Jahre nach der Wende ist Genosse Bergkamp allerdings so abgewickelt wie sein ehemaliges Werk, das in malerischen Trümmern liegt. Andreas Kleinert zeichnet in einer bedrückend-attraktiven Mischung aus Realismus und Überhöhung das Psychogramm eines aus der Bahn Geworfenen: das Klammern am großen Gestern, die Hoffnung auf ein neues Morgen, die Verwirrung in einer zutiefst schmachvoll empfundenen Gegenwart. Die Schwarzweiß-Kamera von Jürgen Jürges findet gestochen scharfe Bilder einer schmerzlichen Fremdheit im scheinbar vertrauten Hier und Jetzt. Durch seine kaputte Welt geht der einstmals real-existierende Hotshot (fabelhaft: Hilmar Thate) als innerlich vibrierender Wachtoter, dessen gesellschaftlich nicht mehr gefragte Dynamik sich in U-Bahnen und anderswo (auto-)destruktiv entlädt: Walter will (unterstützt von einem desorientieren Halb(!)geschwisterpaar) aufräumen, ausmisten, die verlorene Ordnung wiederherstellen. Die (vergebliche) Mission führt ihn an den Klassikern des osteuropäischen Kinos entlang – und auf eine nicht unsympathische Art erweist sich »Wege in die Nacht« als der allerletzte Defa-Film.

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