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Wenn der Nebel sich lichtet - Limbo - Kritik
US 1999 Laufzeit 126 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 02.09.1999
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Kommentare (2) — Film: Wenn der Nebel sich lichtet - Limbo
Sonse Mon, 26 Nov 2012 17:10:31 -0000
Kommentar löschenSchenke ich dem Film nun nach all den Jahren mein Herz oder doch nicht? Lange hat dieser Film mit dem hierzu passenden Namen "Limbo" sich in meiner Bewertung hochgearbeitet und ich war mir bis eben nicht sicher, aber ja, er soll es bekommen mein Prädikat "Lieblingsfilm".
"Limbo", den ich Ende der Neunziger grob zur gleichen Zeit im Kino sah als meinen absoluten Lieblingsfilm "L.A. Confidential" weist mehrere Ähnlichkeiten mit diesem auf. Beide konzentrieren sich auf drei Figuren, auf eine bestimmte Region in den USA zu einem klaren Zeitpunkt (typisch für Curtis Hanson sowie für John Sayles), sie beginnen mit einem Spiel aus Schein und Sein in den Opening Credits, in welchem sich ein ironischer Off-Erzähler über die vermeintlichen Qualitäten von Los Angeles respektive Alaska auslässt, die Charaktere treiben die Geschichte an, die Filme haben den von mir sehr geschätzten David Strathairn an Bord und beide habe ich furchtbar gern.
Allerdings erfreut sich der Film unter Sayles-Fans meinen Beobachtungen nach leider nur wenig Beliebtheit. Warum auch immer. "Limbo" war mein erster Sayles und wird vermutlich mein liebster bleiben. Er ist in allen Bereichen ein typischer Film dieses Writer-Directors und daher vermutlich Geschmacksache - präziser: "acquired taste" - und wird keinesfalls jedem gefallen und ich würde ihn auch nicht jedem uneingeschränkt weiterempfehlen.
Ich liebe Limbos bescheidenen Beginn und sein radikal unkonventionelles Ende, welches zweifellos sein Publikum provoziert und viele frustrieren dürfte. Ich liiiiebe es. Es ist eben nicht nur die perfekte, clevere Punchline für diesen Film, diese Geschichte, sondern doch so vieles mehr, ein integraler, konsistenter, vorab angedeuteter, ja zwingender Bestandteil der Erzählung. Frustriertes Erzählen. Darin hat der Film wiederum eine wesentliche Gemeinsamkeit mit einem weiteren Lieblingsfilm von mir: "The Fall". John Sayles verwischt in "Limbo" die klare Trennung zwischen Schreiben und Lesen, indem er den Leser zum Weiterschreiben animiert. Nachdem Cut to Black. Nach dem der Vorhang geschlossen ist. Denn unsere emotionale Verbundenheit zur Geschichte hält auch an, wenn Sayles gleichzeitig klar macht, dass es von ihm keine Fortsetzung geben wird, keine weitere Auflösung. Er hat alles erzählt was er erzählen wollte. Als Zuschauer jedoch haben wir emotional in die Geschichte und ihre Charaktere investiert und fühlen einen Anspruch darauf zu wissen wie es für sie weiter geht. Umgehen können wir mit diesem Zustand der aufgezwungenen Offenheit nur wie Noelle in "Limbo" selbst, in dem wir die leeren Seiten des Tagebuchs der Protagonisten füllen und die Welt weiterdenken. Wer passiv zuschauen möchte und mit der Erwartung einer gewöhnlichen Dramaturgie an diesen Film herangeht, der wird zwangsläufig enttäuscht werden.
Über eine Tabula Rasa, ein weißes Bild, folgen wir wilden Lachsen stromaufwärts zu Lachsen in Dosen, vom touristischen Werbebild Alaskas zur Realität in der Dosenfabrik und wechseln die Perspektive. Daraufhin lernen wir mehrere Einwohner der Gegend bei einem Fest kennen und der Fokus verschiebt sich zunehmend auf unsere drei späteren Protagonisten: die Sängerin Donna (verleiht einer sonst stereotypen Figur Tiefe: Mastrantonio), ihre Tochter Noelle (toll: Vanessa Martinez) und Joe Gastineau (von Selbstzweifeln, Vergangenheit und Verwandtschaft geplagt: Strathairn). Wie lernen sie sich kennen? Wie kommt es zu dem Ereignis, welches das isolierte Handeln der Drei (Optimistin, Pessimistin und der Realist) in der zweiten Hälfte des Films bestimmt. Und können wir Kris Kristoffersons 'Jack' vertrauen? Joe hat da seine Zweifel...
Typisch für Sayles ist, dass der Plot selbst nebensächlich ist, nur eine Gerüst um seine eigentliche Geschichte über diese Menschen zu erzählen, die er mit seinen Schauspielern zeichnet und entwickelt. Für mich persönlich hat "Limbo" auch ganz klar eine Auflösung, wenn er das Bündel Unsicherheiten heilt und die Dämonen, die unsere Helden plagen, vertreibt, indem er sie zusammenführt. Das ist letztlich das Wesentliche und wird in meinen Augen erreicht - und darum geht es Sayles meiner Meinung nach wirklich. Wie lange jedoch dieser Zustand letztlich anhält, anhalten kann, dass ist in der Schwebe, im Limbo.
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Mr. K R I T I K Mon, 26 Nov 2012 21:19:22 -0000
Antwort löschenEin ganz „eigenes“ Werk, wenn man es mal so ausdrücken darf… …und durch deine Rezension schon beinahe wieder verführend, ihn wiedermal anzusehen.
Andy Dufresne Mon, 26 Nov 2012 22:55:11 -0000
Antwort löschenVorgemerkt!
spanky Tue, 09 Aug 2011 07:54:54 -0000
Kommentar löschenWie mäandernde Rinnsale aus ländlicher Tristesse finden die Schicksale einiger gescheiterter Existenzen im Kosmos dieser Alaska-Abgeschiedenheit zu einem großen melancholischen Fluß zusammen und münden in ein mutiges, weil offenes Ende. Geniestreich!
bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 3 Antworten
Sonse Tue, 09 Aug 2011 15:05:11 -0000
Antwort löschenToll! Du kennst "Limbo"!? Der ist (ungewöhnliche Wahl, ich weiß...) mein absolut liebster Film von John Sayles. Hab nur noch nicht die Zeit gefunden ihm einen Kommentar zu widmen.
Alle 3 Antworten zeigen
spanky Tue, 09 Aug 2011 15:26:39 -0000
Antwort löschenNun, ich hab ihn gestern zufällig empfohlen bekommen und fand ihn ziemlich gut. Sonst kenn ich nicht so viel von dem. Aber das werd ich nachholen, wobei meine Videothek nicht so viel hat: http://www.filmgalerie-konstanz.de/cgi-bin/suchen.pl?personId=813
Was empfiehlst Du noch?
Sonse Wed, 10 Aug 2011 14:50:07 -0000
Antwort löschenBei der Auswahl kannst du es mal mit "Lone Star" versuchen, der hat mir auch recht gut gefallen. "Silver City" hat mich allerdings enttäuscht. Die "Spiderwick Chronicles" sind wiederum ein netter Kinderfilm, da hat er allerdings nur das Drehbuch geschrieben.
Ungesehen würde ich auch "Matewan" empfehlen, der steht bei vielen Sayles-Fans auf Platz 1. Zu "Piranhas" kann ich nichts sagen.
Diese beiden hier hat deine Videothek zwar nicht, aber "Passion Fish" ist wohl einer seiner bekanntesten und beliebtesten Filme (ich mochte ihn auch) und "Eight Men Out" ist sehr gut, auch wenn einem Baseball völlig egal ist.
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