Wiegenlieder

Wiegenlieder (2010), DE
Laufzeit 98 Minuten, FSK 0, Dokumentarfilm, Kinostart 25.02.2010

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5.5 Kritiker
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von Tamara Trampe und Johann Feindt,

Wiegenlieder sind unsere erste Verbindung zur Welt – eine universelle Erfahrung, die wir alle teilen und die doch zutiefst persönlich ist. “Können Sie sich an ein Lied erinnern, das Ihre Mutter Ihnen zum Schlafengehen gesungen hat?” fragen Tamara Trampe und Johann Feindt in ihrem Dokumentarfilm Menschen in den Straßen Berlins. Eine einfache Frage. Manche fangen an zu singen, andere lächeln, einer weint. Die Erinnerung an die Mutter, die Kindheit, öffnet eine Tür, hinter der sich Schicksale verbergen. Geschichten von Geborgenheit und Wärme, Einsamkeit und Ausgrenzung, Heimat und Fremde. Melodien, ein paar Sätze, ein Lied, manchmal eine ganze Lebensgeschichte.

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Kritiken (3) — Film: Wiegenlieder

José Garcia: Textezumfilm

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5.5Geht so

Die Verknüpfung von diesen längeren Passagen, ja ganzen Lebensgeschichten mit Figuren, die nur für einen kurzen Augenblick ins Bild gerückt werden, um knapp zu Wort zu kommen oder auch ein Wiegenlied zu singen, sollte offenbar eine Art Mosaik mit einer Leichtigkeit ergeben, die in den immer wiederkehrenden, tanzenden Seifenblasen über der Stadt symbolisiert wird. Nebenbei sollten auch Impressionen aus der Hauptstadt und dem multikulturellen und vielsprachigen Hintergrund der Einwohner Berlins liefern – nicht zufällig singt etwa die eingangs erwähnte Mutter ihr Wiegenlied auf französisch. Allerdings nehmen sich die Berlin-Bilder mit wenigen Ausnahmen, etwa aus einem Hochhaus, ebenso beliebig aus wie die Zusammensetzung der auf der Straße offensichtlich spontan Angesprochenen.

Was indes die formellen Unzulänglichkeiten von „Wiegenlieder“ aufwiegt, ist die optimistische Stimmung, die durch die Kinder oder etwa auch durch ein Bild mit drei Müttern mit je einem Kinderwagen vermittelt wird. Der Dokumentarfilm von Tamara Trampe und Johann Feindt lebt insbesondere von den Menschen selbst, die hier portraitiert werden, so beispielsweise von der Mutter mit dem kleinen Kind: Zwar sei ihr Leben davor auch nicht schlecht gewesen, aber jetzt habe es doch eine neue Qualität erfahren. Besonders anrührend ist in diesem Zusammenhang das Gespräch mit einer deutsch-türkischen Frau: Sie, die selbst ungeliebt geboren wurde, weil sie kein Junge war, sieht nun ihr ganzes Glück in der Sorge um ihre eigenen Kinder. Der glücklichste Augenblick in ihrem Leben sei gewesen, als nach einer schwierigen Schwangerschaft und einem Kaiserschnitt ihr Sohn lebend zur Welt kam.

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K. Zeckau : http://film-dienst.kim-info... K. Zeckau : http://film-dienst.kim-info...

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5.5Geht so

Interessant wird der Film meist dann, wenn in kurzen Schlaglichtern namenlos bleibende Berliner aus aller Herren Länder „ihre“ Wiegenlieder vortragen, die etwas über das jeweilige Herkunftsgebiet erzählen – etwa das erschütternde, offenbar aus Afrika stammende Lied „Mein Kind, mein liebes Kind, ich halte dich fest. Wenn du nicht stirbst, kaufe ich dir ein Kleid, wenn du nicht stirbst, kaufe ich dir Schuhe, wenn du nicht stirbst, kaufe ich dir Schmuck.“ Schade, dass sich der Film nicht stärker in diese Richtung auf Spurensuche begeben hat. So bleibt von „Wiegenlieder“, neben ethnographischen Mini-Einblicken in die Kultur der Schlafweise, wenig mehr als interessante Protagonisten sowie die ein oder andere stimmungsvolle Bild-Ton-Collage.

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Nino Klingler: critic.de

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Die Montage ist nicht ohne Charme, hier wird die Idee des Musikalischen durchaus effektvoll transportiert: visuelle Leitmotive, freie Wechsel zwischen den Episoden und gelegentliche fast abstrakte Abschnitte funktionieren ziemlich gut. Doch dann gibt es auch abrupte Gegenüberstellungen, oftmals wird eine Szene durch die folgende ironisch kommentiert, sodass man spürt, wie hier im Nachhinein genau der Sinnzusammenhang gestiftet werden sollte, der dem Projekt von Beginn an abging.

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