Wilde Maus - Kritik

Wilde Maus

DE/AT · 2017 · Laufzeit 103 Minuten · FSK 12 · Komödie, Kriminalfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 6

    [...] Was anfangs wie eine Satire auf die exzentrischen Spleens von Feuilleton-Mitarbeitern beginnt und anschließend eine finstere Abwärtsspirale andeutet, entwickelt sich unter Haders Regie viel mehr zu einer hämischen Betrachtung des wienerischen Gutbürgertums. Auch wenn die wiederholt eingefügten Nachrichtenausschnitte, die von Krieg und Terrorismus berichten, etwas zu platt erscheinen, um einen allzu offensichtlichen Kontrast zu den eigentlichen Geschehnissen herzustellen, ist Wilde Maus immer dann am effizientesten, wenn sich der Regisseur auf die dramatische Dynamik zwischen Georg und Johanna fokussiert, die von Hader selbst und seiner realen Lebensgefährtin Pia Hierzegger (Was hat uns bloß so ruiniert) hervorragend gespielt werden. Wie auch schon im Auftakt des Films kehrt Hader immer wieder zur auffälligen Kommunikationsunfähigkeit seiner Figuren zurück, um zu verdeutlichen, wie sie sich auf einen Abgrund zubewegen, nur weil sie nicht ausreichend miteinander sprechen. Neu ist diese Thematik im Kino keineswegs und Hader wirkt im Verlauf der Handlung sichtlich bemüht, dieser altbewährten Geschichte rund um belastende Lebenskrisen, unausgesprochene Beziehungsprobleme und unangenehme Verstrickungen erfrischende Facetten abzuringen. Sobald Georgs Ex-Chef beispielsweise wenig überraschend begreift, dass der von ihm entlassene Kritiker hinter den Sachbeschädigungen stecken muss, und in einer Szene plötzlich bei dessen Frau, die als Paartherapeutin arbeitet, im Behandlungszimmer sitzt, deutet der Regisseur ein interessantes, womöglich hinterlistiges Kräftemessen zwischen den beiden an, das jedoch weitestgehend ungenutzt bleibt. Als ebenso unausgearbeitet entpuppt sich auch der Nebenhandlungsstrang um die titelgebende Wilde Maus, eine Achterbahn in einem Vergnügungspark, die Georg zusammen mit einem ehemaligen Bekannten aus seiner Schulzeit pachtet und in Betrieb nehmen will. Während hierbei immerhin der großartige Georg Friedrich (Wild) auftreten darf, verläuft auch dieser Handlungsstrang irgendwann ins Leere, um Platz für ein vielversprechendes Finale zu machen, das wiederum von einer mutlosen Schlusssequenz beendet wird. [...]

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    • 8

      Herrlich skurriles Regiedebut über das Leben und den eigenen Platz in der Welt. Eine kleine Vorstellung gibt es im Podcast: http://enoughtalk.de/sneak-talk-015-wilde-maus-maerz-2017/

      5
      • 6

        Josef Haders erster Regiearbeit, für die er auch Drehbuch und Hauptrolle übernahm, fehlt der urkomische Irrsinn seiner Brenner-Filme. Man ahnt, was der Film hätte sein können, wenn er seinen Protagonisten weniger ernst genommen hätte. [Christina Tilmann]

        • 6

          Bei dieser Achterbahn-Fahrt stürzen leider Hoffnung auf den Schauspieler Hader und Begeisterung für den trefflichen Kabarettisten rapide ab. [...] Das alles wird leidlich witzig und recht lahm erzählt. Es bleibt ein schönes Plakatmotiv von Hader on Ice und die Vorfreude auf Hader unter anderer Regie. [Günter H. Jekubzik]

          • 6 .5

            Es ist der wunderbare Wiener Schmäh [von Wilde Maus], der vieles in der Geschichte rettet, der es nicht an Zutaten mangelt, aber an Schärfe. [Bettina Peulecke]

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            • 6 .5

              [...] Rasch stellt man fest, dass die Tragikomödie Wilde Maus zwar reich an bissigen Pointen und Dialogen ist, jedoch in der Personenzeichnung, vor allem aber an mutigen dramaturgischen Entscheidungen schwächelt. [Gabriele Summen]

              • 7

                "Als werde die österreichische Komödie unter die Dusche geschickt. In Josef Haders Regiedebüt sieht man zwar den Prater zu wenig, dafür aber einen Film, in dem es erstaunlicherweise ums Ganze geht." [Lukas Stern]

                • 8

                  Wilde Maus ist eine geniale Farce [...] mit vergebenden Untertönen selbstironischen Humors. Es mag nicht der forderndste Film der Berlinale sein, aber mit Abstand der lustigte. [Stephen Dalton]

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                  • 7

                    Leider übernimmt Goiginger auch Iñárritus Hang zu überzogener Melodramatik – aber eine mitreißende Fahrt bietet sein Werk allemal. [Andrey Arnold]

                    • 5

                      Josef Haders Regiedebüt Wilde Maus ist ein seriöse Komödie für Normalverbraucher, die außerhalb von Deutschland wohl kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. [Jay Weissberg]

                      • 8

                        [...] Besonders gelungen ist die Darstellung von Georgs Midlife-Crisis, in die sich der Mittfünfziger mit Freuden zu stürzen scheint. Dessen Kündigung („Ich bin eine Instanz! Es wird Leserbriefreaktionen geben!“) trägt ebenso zur plötzlich aufkeimenden Lebensunsicherheit des einst so scharfzüngigen und unverwüstlichen Kritikers bei, wie die aufkommenden Zweifel an dessen Potenz, die von Freundin Pia in den Raum gestellt werden. Dennoch denkt Georg gar nicht daran, seine Probleme zu beheben und widmet sich stattdessen ausgiebig dem eigenen Müßiggang. Auf dem Rummelplatz, der hier zur letzten Zufluchtsstätte für die Außenseiter und Verlierer der Gesellschaft wird, schmiedet er Rachepläne gegen seinen Chef, der ihn so unsanft aus seinem bequemen Lebensalltag befördert hat. Die Abrechnung des ehemaligen Feuilletonisten mit der Gesellschaft fällt dabei herrlich kleingeistig und direkt aus: Mit einem Autoschlüssel bewaffnet, übt er Vergeltung am Lack des vom Chef so innig geliebten Autos. Dass dies nur der Anfang eines sich immer weiter hochschaukelnden Konflikts sein wird, an dessen Ende nur die totale Eskalation stehen kann, ist von Anfang an klar. [...]

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                        • 7 .5

                          Josef Haders Regiedebüt Wilde Maus ist komisch und dramatisch, gespickt mit viel trockenem Humor, nie überzogen, gesellschaftskritisch, aktuell und eine gelungene Studie über ein bürgerliches Leben, welches jäh aus dem Ruder gerät. [Julia Stache]

                          • 7 .5

                            Famose Figuren, starke Situationskomik samt funkelnder Dialoge. In Wilde Maus stimmen nicht nur sämtliche Pointen, sondern einfach alles: Gut. Besser. Hader! [Dieter Oßwald]