Work Hard - Play Hard
Work Hard - Play Hard (2011), DE Laufzeit 94 Minuten, FSK 0, Dokumentarfilm, Kinostart 12.04.2012
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133 Bewertungen
20 Kommentare
Keine
von Carmen Losmann,
Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. Carmen Losmann hat mit Work Hard – Play Hard einen zu tiefst beunruhigenden Film über moderne Arbeitswelten gedreht. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden. Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter von Morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Selbstoptimierung steht auf dem Programm. Der Film heftet sich an die Fersen einer High-Tech-Arbeiterschaft, die hochmobil und leidenschaftlich ihre Arbeit zum Leben machen soll. Einen Chef brauchen die modernen Mitarbeiter nicht mehr, den hat man ihnen schon längst ins Gehirn programmiert. Selbst moderne Büroarchitektur hat nur ein Ziel, den Mitarbeiter und seine Leistung zu optimieren.
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Cast & Crew
- Genre
- Dokumentarfilm
- Zeit
- Gegenwart, Nahe Zukunft
- Ort
- Deutschland
- Handlung
- Alltag, Arbeit, Architektur, Crew, Förderung, Geschäftsführer, Gesellschaft, Gewinn, Hightech, Konzernzentrale, Krankheit, Kultur, Lebensstil, Lifestyle, Manager, Mensch, Rohstoffe, Unternehmen
- Stimmung
- Eigenwillig, Geistreich
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Kritiken (8) — Film: Work Hard - Play Hard
Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...
Kommentar löschenOberflächen, nichts als Oberflächen: Der Film zeigt eine Arbeitswelt, die vor allem aus sauberen Möbeln und Gesichtern besteht. Die Maloche des 21. Jahrhunderts ist spiegelglatt, ihre Insassen sind aalglatt.
Regisseurin Carmen Losmann hat sich für ihre filmische Studie dorthin begeben, wo die Verpackung für die heutige Mehrwertproduktion entsteht. Man wird den Gedanken nicht los: Die Menschen in diesem Film sind tot, sie wissen es bloß noch nicht. Fremdbestimmung ist jedenfalls nicht mehr nötig.
Mit der Coolness von Blattschneiderameisen sitzen sich Chefs, Spezialisten und Mitarbeiter gegenüber. „Und wo sind ihre Schwächen?“ Losmanns Film hat vor allem eine: Es ist ein Dokumentarfilm, hier ist alles echt.
Nicht zuletzt die Kameraarbeit ist dafür verantwortlich: Losmann hat den Meister des kalten Bildes, Dirk Lütter, fürs Fotografieren verpflichtet. Hier würde niemals ein Insekt freiwillig durchs Bild huschen; undenkbar, dass es die Ideen tun. Kreative Prozesse fördern? Man möchte den Beratern und Mitarbeitern eine Kiste Bier auf den Schoß stellen, auf dass sie ihren Wahnsinn eine Weile vergessen. Nur manchmal stehen die selbsterklärenden Figuren auch vor dem Rätsel ihrer selbst: „Lasst uns die Sache jetzt ein bisschen challengen in unsererem Bereichsmeeting“, sagt ein Firmenleiter, und korrigiert sich umgehend selbst. „Ach, ihr wollt ja keine Bereiche mehr. Na gut, wir nennen das jetzt trotzdem so.“
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Hendrike Bake: programmkino.de, Zitty Hendrike Bake: programmkino.de, Zitty
Kommentar löschenLosmann erklärt und kommentiert nicht. In klaren, unterkühlten Einstellungen lässt sie die Architekten zu Wort kommen und stellt deren Erläuterungen Bilder einer Arbeitsversammlung, einer Kaffeepause oder eines Teamgesprächs in der neuen Shopping-Mall-ähnlichen Zentrale gegenüber.
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CornelisHähnel: Schnitt CornelisHähnel: Schnitt
Kommentar löschenWork Hard – Play Hard ist ein beunruhigender Film über die Zukunft der Arbeit, die längst schon Gegenwart geworden ist. Gerade aufgrund seiner rein beobachtenden Grundhaltung ist er so schockierend, da daß System sich unverhohlen und ohne schlechtes Gewissen permanent selbst entlarvt.
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Thomas Engel: programmkino.de Thomas Engel: programmkino.de
Kommentar löschenEs tut zwar nicht gut, aber es ist gut, diesen halb fiktionalen, halb realen Dokumentarfilm zu sehen. Gestaltet ist Work Hard - Play Hard mit einer formalen Nüchternheit, die thematisch bedingt ist. Er hilft dazu, dass man halbwegs normal bleiben will und kann. Man verlässt das Kino mit Nostalgiegefühlen.
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Andreas Busche: taz,fluter, Der Freitag Andreas Busche: taz,fluter, Der Freitag
Kommentar löschenCarmen Losmann hat mit Work Hard - Play Hard einen modernen Horrorfilm geschaffen. Mit kühlen Bildern inszeniert sie die neue Arbeitswelt, die Wohlfühlräume der Selbstoptimierung: "non-territoriale Arbeitsplätze", wie es im Film heißt.
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Silvia Hallensleben: EPD-Film, Der Tagesspiegel Silvia Hallensleben: EPD-Film, Der Tagesspiegel
Kommentar löschenWork Hard - Play Hard ist ein [...] klug montierter, dicht argumentierender und in präzise kadrierte Bilder gesetzter Film, der sich darauf verlässt, dass die Zuschauer im Newspeak-Dschungel von »unterstützendem Führen«, »Change-Kultur« und »Megawachstumsqualität« ihren eigenen Weg finden.
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José Garcia: Textezumfilm
Kommentar löschenIm modernen „Human Ressource Management“ herrscht eine aus lauter englischen, für Außenstehende eigentümlich geschwollen Ausdrücken bestehende, eigene Sprache. Verbunden etwa mit einer „Neujahrsansprache“ eines Konzernchefs an seine Mitarbeiter wirkt solche Selbstbezüglichkeit gar sektenhaft. Dass die Mitarbeiter eine andere Familie als die Firma haben könnten, erscheint schier unmöglich.
„Work Hard – Play Hard“ setzt keine Off-Stimme und außerdem kaum Musik ein. Carmen Losmann lässt die Akteure sprechen und handeln, wobei deren Körpersprache ähnlich viel aussagt wie deren eigenartige Redewendungen. Indem sich die Regisseurin jeglicher Kommentare enthält, entwickeln die Bildeinstellungen eine eigene kritisch-ironische Sicht. „Work Hard – Play Hard“ entlarvt denn auch die Maßnahmen zum Wohlfüllen der Mitarbeiter nicht nur als bloße Strategie zur Produktivitätssteigerung und Gewinnmaximierung. Darüber hinaus entfacht Losmanns Film eine beunruhigende, an Kafka, Huxley und Orwell erinnernde Stimmung.
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Josef Lederle: http://film-dienst.kim-info... Josef Lederle: http://film-dienst.kim-info...
Kommentar löschenDie Inszenierung, die ohne jeden Kommentar und nahezu ohne Filmmusik auskommt, stützt sich auf eine schlüssige Dramaturgie, die glasklare Totalen von der (Innen-)Architektur mit aufschlussreichen Interviews (zumeist aus dem Umfeld der Berater) verbindet.
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Kommentare (11) — Film: Work Hard - Play Hard
dannydiaz Wed, 10 Apr 2013 04:06:21 -0000
Kommentar löschendieser Film führt unsere komplette Welt vor.
Die teilnehmenden Protagonisten im Bewerbungsgespräch sowie die Firmen, die Einblick gegeben haben, sind einerseits auch noch Eitel und Stolz und andererseits einfach nur "Schafe".
Der Film wird von einem Soziologen sicher anders beurteilt als von einem Headhunter.
Menschen sind keine Roboter. Weder handeln noch denken wir rein rational oder logisch. Das Irrationale und das Emotionale sind oft bei Entscheidungen im Vordergrund.
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filmschauer Thu, 21 Mar 2013 18:31:40 -0000
Kommentar löschenEs gibt viele Dokus, bei dem der jeweilige Sprecher analytisch alles erklärt - akkurat und klassisch erkenntnisvermittelnd. Und dann gibt es Dokus, die sich genau dieser üblichen Gangart entziehen und dabei lieber nur zeigen, was man als stiller Partner zu sehen bekommt. "Work Hard - Play Hard" gehört in diese Sparte, die tendenziell mehr vom Zuschauer erfordert, aber vielleicht deshalb umso spannender sein können. Verblüffend ist zudem, dass sich Carmen Losmanns bemerkenswerter 'Atmo-Film' mit dem Thema (Büro-)Arbeit der Zukunft auseinandersetzt, was vordergründig weniger geeignet erscheint. Diese objektiv gehaltene, impressionistische Einsicht in verschiedene Unternehmen mit ihren gut gemeinten Arbeitskonzepten ist aber der eigentliche Clou: So enthusiastisch die Menschen von ihren Personalwesen-Visionen in vielen hochgestochenen Denglisch-Phrasen in verschiedenen Interviews oder anderen Situationen plaudern, so unterschiedlich kann der jeweilige Eindruck bei jedem Einzelnen sein, sei es nun eher positiv, neutral oder negativ. Die unterkühlte Distanz der Filmemacher, bei der nur ganz subtile Bild- und Tonideen den Takt vorgeben, lässt die Entscheidung im Großen und Ganzen offen. Dieser unvoreingenommenen Herangehensweise ist wahrscheinlich dann auch zu verdanken, dass die Szenen mit den Beteiligten so ungemein realistisch und echt wirken, als wäre das Kamerateam unsichtbar gewesen. Dies wirkt in manchen Momenten mal höchst unspektakulär, dann wiederum beinahe unheimlich. Dass es über die scheinbar unendlich optimierbare Ressource Mensch sich nachzudenken lohnt, wird nicht erst durch diese empfehlenswerte Doku klar. Oh, du schöne, moderne Arbeitswelt...
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Sumsi79 Fri, 08 Mar 2013 20:01:10 -0000
Kommentar löschenAuch wenn die Doku ihre starken Momente hatte, wirkte alles auf mich ein wenig manipulativ und seltsam bemüht, die Arbeitswelt moderner Konzerne auf Teufel komm raus als kalt und menschenfeindlich darzustellen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch in Großunternehmen nichts so heiss gegessen wird, wie gekocht. Auch dort arbeiten ganz normale Menschen, die sich in Gängen und im Büro unterhalten, es gibt Chefs die erträglich sind und mit denen man einen guten Umgang hat, Weihnachtsfeiern finden auch statt und es gibt eine große Kantinenauswahl und einen Betriebsrat.
All dies blendet "Work Hard - Play Hard" gewollt aus. Warum Unternehmen, wie das im Film dargestellte "Unilever", nicht unbedingt zu den unbeliebtesten Arbeitgebern Deutschlands gehören oder warum sich dann überhaupt jemand dort bewirbt, wenn alles so schlimm ist, diesen Fragen wird dank fehlendem Off-Kommentar leider nicht nachgegangen.
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Markbln Sat, 06 Apr 2013 10:33:50 -0000
Antwort löschenIch finde den fehlenden Off-Kommentar gut, aber deinem Einwand stimme ich völlig zu.
DKennyK Wed, 13 Feb 2013 15:22:25 -0000
Kommentar löschenEin verdammt wichtiger, beklemmender und zugleich (anscheinend) objektiver Dokumentarfilm zu einem unglaublich wichtigen Thema.
Die grenzenlose Ausbeutung des Menschen und dessen Degradierung zum Humankapital sind von Anfang an essentielle Bestandteile des Kapitalismus. Doch hier zeigt WORK HARD - PLAY HARD mit eindrucksvollen Bildern, das sich jedes Superlativ nochmal steigern lässt.
Kalte und sterile, jedoch pseudo-lebhaft inszenierte Büros werden dem Zuschauer präsentiert und mit unkommentierten Interviews unterlegt, die mit jedem Wort eine ungeheure Menschenverachtung im Subtext verbreiten. Dazu dann noch der inflationäre Gebrauch von austauschbaren und nichtssagenden Anglizismen, um mithilfe eines modern wirkenden Duktus über die wahren Absichten der Verantwortlichen hinwegzutäuschen.
Ein Film, der empört. Zurecht.
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anami Wed, 30 Jan 2013 06:23:58 -0000
Kommentar löschenIch finde den Bezug zu George Orwells "1984", der hier aufgemacht wird, gar nicht so unrealistisch: In dem Bestreben der Firmen- und Unternehmensbetreiber, die perfekte Arbeitswelt für den Angestellten zu entwickeln, um aus diesem das Beste herausholen zu können ist inzwischen vergessen (oder verdrängt) worden, um was es dabei eigentlich geht - die perfekte Arbeitswelt für den Angestellten, um ihn vergessen zu machen, dass er eine Persönlichkeit hat oder einfach nur, dass es um Menschen geht. Die erschreckendste Szene für mich war, als ein grafisch dargestelltes Gehirn eines Menschen seitens Unternehmensberater erläutert wird. Gruselig!
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baser Fri, 31 Aug 2012 22:39:22 -0000
Kommentar löschenWas sich mit zeitlich und örtlich flexiblen Arbeitsplätzen in freundlichen, hellen Gebäuden ohne Stechuhren toll anhört hat seine Schattenseite in der totalen Vereinnahmung des Menschen, in der Einebnung der Unterscheidung zwischen Arbeit und Freizeit.
In "Work hard - play hard" werden Aufnahmen gezeigt, die so manchem Arbeitnehmer bekannt vorkommen dürften - ergonomisch optimierte Großraumbüros, Mitarbeiter-Coachings, Auswahlverfahren in Assesment Centern. Durch die Anordnung dieser Szenen wird aber der dahinter stehende Optimierungswahn blossgestellt, der Arbeitskräfte zu einem Humanmaterial degradiert, dessen Kapazität voll ausgepresst werden muss.
Der Film arbeitet mit sterilen Bildern, die perfekt mit der oberflächlichen und mit Fremdwörtern glänzenden Sprache der Unternehmensberater, Psychologen und Coaches harmonieren. Der Film enthält sich dabei zwar nicht jeglicher Wertung, geht bei dessen Vermittlung aber subtil und unaufdringlich vor.
Ein ebenso beunruhigender wie wichtiger Film.
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loveissuicide Thu, 28 Jun 2012 19:51:16 -0000
Kommentar löschenDer Film übertreibt ziemlich, im Großen und Ganzen. Die Bilder sind viel zu steril, so arbeitet man nicht. Wo Menschen sind, ist Leben, bei Work Hard, Play Hard hat man den Eindruck, man befinde sich in George Orwells 1984. Die meisten gehen nach getaner Arbeit nach Hause, lassen die Arbeit hinter sich. Wer in solchen Firmen nicht zurechtkommt, sollte sich dort auch nicht bewerben. Und dieses Outdoor-Teamtraining: ich war zwar selbst nie bei sowas dabei, aber ich bin mir sicher, würde die Kamera nicht dabei gewesen sein, dann hätten die Leute mehr Spaß gehabt bzw. gezeigt, anstatt solch leere Phrasen zu dreschen. Dieses sektenhaftige Gerede... ich kann und will mir nicht vorstellen, dass das genau so abläuft.
Problematisch ist die Effiziensteigerung Marke LEAN. Auch da, wo ich arbeite, gibt es dieses Projekt seit ca.2 Jahren. Viele Stellen werden nicht nachbesetzt, die Arbeit pro Mitarbeiter wird stetig mehr. Das ist der Teil des Filmes, wo reale Probleme gezeigt werden, hier halt aus Manager- und Abteilungsleitersicht, die aber die Vorgaben ebenso "von oben" bekommen. Dass es heutzutage oft zur Diagnose Burn Out kommt, ist nicht von der Hand zu weisen, die Probleme existieren.
Die Frage ist halt, inwiefern ein kleiner Unternehmer nicht auch dieses Profitdenken verinnerlicht hat. Immer nur auf die Konzerne zu zeigen, ist nicht weit genug gedacht.
Abschliessend will ich noch anmerken, dass ich der gängigen Meinung widerspreche, dass die Regisseure die Situation nicht bewertet. Sie mag es nicht persönlich kommentieren, aber die Auswahl der Bildsprache, der Interviews und der Kameraführung gibt sehr wohl einen Einblick in die Meinungswelt der Regisseurin. Dass viele Menschen, die nicht in derartigen Firmen arbeiten und diesen Alltag nicht kennen, den Kopf darüber schütteln, ist klar und auch definitiv von den Filmemachern so gewollt.
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marcus-wagenknecht Sun, 27 May 2012 07:00:02 -0000
Kommentar löschenIm allerbesten Sinne werden hier viele Perspektiven gezeigt. Architektonisch, menschlich bzw. kameratechnisch. Die vielbeschworene Auflösung von Hierarchien im Arbeitsleben - hier im Film sind sie schon mal aufgelöst.
Als die junge Mitarbeiterin von Schott-Solar im Gespäch lachte, musste ich im Kino auch lauthals lachen. Danke für diesen befreienden Moment.
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Andre Jonas Mon, 21 May 2012 06:52:27 -0000
Kommentar löschen»Work Hard – Play Hard« ist ein subtiler Film, der sich an praktisch keiner Stelle (von einer passagenweise beschleunigten Schnittfolge und dissonanten bzw. scharfen, wenn auch sich im Hintergrund haltende Klängen, die den Film begleiten, mal abgesehen) ein Urteil zu Schulden kommen lässt, sondern die Bilder und Worte, beide gleich wirksam und wichtig, für sich sprechen lässt:
Die Bilder: Das sind die in ihrer Größe seltsam leer wirkenden, bis zur Sterilität sauberen, schimmernden, fast glänzenden Büroräume, die zum Teil wie direkt aus einem IKEA-Katalog geschnitten wirken. Die darin Arbeitenden wirken vor diesem Hintergrund fast schon wie Fremdkörper, denn sie lassen die Grenzen dieser stilisierten, idealisierten, durchdesignten Scheinwelt erkennen. Dunstig-frische Wälder, Vögel, die frei und ungebunden über die See fliegen – es sind für sich genommen beruhigende, das Gefühl von Freiheit erzeugende Bilder, die über große Flachbildschirme ziehen oder an Wände der Arbeitsräume projiziert werden. Durch die allgegenwärtigen Glasfassaden sind Parks erkennbar, Bäume, Grasflächen, an anderer Stelle Wasser, durch dass sich gemächlich der Bug eines riesigen Schiffes schiebt. Alles wirkt lichtdurchflutet, offen, lädt förmlich dazu ein, zu flanieren, den Platz mit eigenem Leben zu erfüllen, ihn wirklich bewohnt zu machen. Doch dieser letzte Schritt bleibt verwehrt, denn es wird klar, was es mit all diesen Eindrücken auf sich hat: Sie sind geplant, berechnet, penibel auf die Psyche des Menschen abgestimmt, dazu gedacht, ihn (wie es dann auch gleich Beginn klar ausgesprochen wird) vergessen zu lassen, dass er überhaupt das tut, was er hier, bei aller Suggestion scheinbar positiver Gefühle, tun soll, tun muss: arbeiten.
Die Worte: Es kommt eine ebenso seltsam leer wirkende, sterile Sprache zur Geltung. Eine Sprache, die eine Art von Glattheit und Schönheit ausstrahlt, welche nicht selten an die Ausdrucksweise einer religiösen Gemeinschaft erinnert: Der zentrale Sinn der Aussagen scheint oft in eine ungreifbare, metaphyische Ebene verlagert und der Eindruck entsteht, dass keiner der Aussagenden letztendlich weiß, was er genau meint: Alles ist Schleier – aber es sind diese leuchtenden, in einem kühlen, angenehmen Winde wehende Schleier, die hier im Zentrum des Sprechens stehen. Wenn man spricht, predigt man in diesen salbungsvollen Schleierworten, macht sie zum Kern des Sprechens selbst. Man vergisst zunehmend, was eigentlich dahinter verborgen liegt – und was für eine Macht und damit Gefahr eine Sprache mit sich bringt, die gewissermaßen entfesselt, sich selbst überlassen ist, aber dennoch einen klaren Nutzen erbringenden soll: Beeinflussung des unbewussten Subjekts.
Und was hinter dieser Sprache verborgen liegen mag, sickert erst nach und nach in das Bewusstsein des Zuschauers – wenn man offen dafür ist. Da der Film sich wie gesagt mit Bewertungen zurückhält, muss man nicht erwarten, mit der Nase auf das ungreifbare Grauen gestoßen zu werden, das hinter allem zu liegen scheint und nur hier und da durch die Poren, die menschlichen Fremdkörper des perfekten, ausbalancierten Systems, bzw. ihre Worte, dringt. Sicherlich gibt es, besonders in der zweiten Hälfte des Films, einige kaum noch missverständliche Aussagen, wenn ein Angestellter in leitender Position sich etwa die Frage stellt, wie man es schaffen kann, den Mitarbeitern ihre eigene potentielle Wegrationalisierung schmackhaft zu machen, wenn eine Kompetenztrainerin als ›letzten Ausweg‹ beim Umgang mit Veränderungsunwilligen Mitarbeitern die »Induzierung von Leidensdruck« vorschlägt oder wenn in einem Assessment-Center (fast schon ein alter Hut) betont freundlich von »Entwicklungsfeldern« anstatt von Schwachpunkten der Teilnehmenden gesprochen wird.
Diese Stellen sind wie Vulkane, an denen das Innere des Dargestellten an die Oberfläche drängt und sie sorgten im Kino dementsprechend für gewisse ›Lacher‹. Letztendlich ist es aber die Gesamtatmosphäre des Films, die haften bleibt: Das Gefühl, dass sich hier ein perfides System entwickelt hat, das keinesfalls von irgendeiner zentralen, über allem stehenden (und eventuelle für etwas verantwortlich zu machenden) Stelle strukturiert, geplant und mit vordiktierten Werten versorgt wird. Viel mehr wird klar, dass wir es hier mit etwas Wucherndem, vielleicht sogar in gewissem Sinne Ansteckenden zu tun haben, das den Menschen im Inneren packt und auf seine Unbewusstheit aufbaut. Ein Thema des Films ist daran anknüpfend die Arbeitsdisziplin – eine Form der Einwirkung von Herrschaft, die nur noch scheinbar direkt von einem konkreten Vorgesetzten ausgeht, sondern die sich stattdessen (erfolgreich) in das Innere jedes Mitarbeiters transplantiert, der sich letztendlich garnicht bewusst ist, wie sehr er sich an die ihn umgebenden und durchziehenden Strukturen anpasst, Strukturen, die ja ganz bewusst (und dennoch nicht ›zentral gelenkt‹ sondern sich aus den wuchernden Strukturen selbst heraus ergebend) daraufhin getrimmt werden, ihn vergessen zu machen, dass er überhaupt arbeitet – und dass es vielleicht garnicht nicht so sein muss, dass es vielleicht Alternativen zu all diesem gibt und dass auch der Begriff ›Arbeit‹ heute noch ein Schleier ist, hinter dem sich... ja... hinter dem sich was eigentlich genau verbirgt?
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baser Fri, 31 Aug 2012 20:45:49 -0000
Antwort löschenTOP Kommentar!!
Bollundus Wed, 18 Apr 2012 10:26:37 -0000
Kommentar löschenWie wird wohl das geschilderte in zwanzig Jahren wirken? Die Worthülsen sind dann mehr als nur lehrgelutscht, sie wirken wahrscheinlich prekär.
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jetteleli Wed, 11 Apr 2012 18:37:06 -0000
Kommentar löschenIn wunderbaren Bildern zeigt dieser Film die Absurdität unserer heutigen Arbeitswelt. Statisch, Grafisch fängt die Kamera die sauberen, aufgeräumten, unpersönlichen aber modernen Arbeitsplätze ein. Die Akteure dieser Welt kommen zu Wort: Unternehmensberater, (Junior-, Senior- oder was auch immer-)Manager, Psychologen, Personalverantwortliche. Es hagelt Anglizismen, die nichts aussagen. DIe Human Ressource Manager denken sich immer neue Konzepte der Arbeitsplatzgestaltung und Teambildung aus, dass der Otto-Normal-Angestellte nicht mehr weiß wo oben und unten ist. Er soll optimiert werden, kontrolliert. Keine Ablenkung. Selbst in seiner Pausenzeit soll er für das Unternehmen handeln. Er muss sich diesem System unterwerfen, um seinen Job weiter ausführen zu können. Die neue Arbeitskultur ist eine Arbeitsdiktatur. Herrlich, wer schonmal ein Assessmentcenter bestritten hat, wird sich von diesem Film daran erinnert fühlen. Mit sozialen Konzepten am Arbeitsplatz wird mehr denn je die Entgrenzung der Arbeit zur Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit, dem Produkt seiner Arbeit und sich selbst.
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