Zeit des Zorns

The Hunter (2010), IR
Laufzeit 91 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 08.04.2010

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6.2 Kritiker
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von Rafi Pitts, mit Rafi Pitts und Mitra Hajjar

Ali lebt mit seiner Frau und seiner sechsjährigen Tochter in der Metropole Teheran. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis arbeitet er in einer Fabrik, doch wegen seiner Gefängnisstrafe erlauben ihm seine Vorgesetzten nur, während der Nachtschicht zu arbeiten. Zeit mit seiner Familie kann Ali deswegen kaum noch verbringen. Dennoch versucht er, ein normales Leben zu führen. Von Zeit zu Zeit zieht er sich in die Wälder zurück, wo Stille herrscht und Einsamkeit. Hier, im Niemandsland wilder Natur, geht Ali auf die Jagd. Im Dickicht der Bäume sucht er nach einem möglichen Ziel. Doch die trügerische Ruhe seiner geregelten Lebensbahnen wird herausgefordert, als die Stadt in Aufruhr gerät. Menschenmassen ziehen durch die Straßen und die Tumulte erfassen bald auch Ali und seine Familie. Eines Tages kehrt Ali in eine verwaiste Wohnung zurück – seine Frau und seine Tochter sind spurlos verschwunden. Nach stundenlangem Warten auf der Polizeistation erfährt er schließlich, dass seine Frau bei einer Demonstration erschossen wurde, doch von seiner Tochter fehlt jede Spur. Hilfe kann er von der Polizei nicht erwarten – im Gegenteil, sie verdächtigt ihn, mit den Demonstranten zu sympathisieren. Zwei Tage später wird auch sein Kind tot aufgefunden. Von maßlosem Zorn ergriffen, nimmt Ali sein Gewehr und bezieht Stellung auf einem Aussichtspunkt über den zirkulierenden Highways Teherans. Als ein Polizeiwagen in sein Blickfeld gerät, glaubt Ali sein Ziel gefunden zu haben. “Zeit des Zorns” ist die so melancholische wie drängende Anatomie einer Rache. Mit Bildern, die nach Himmel und Hölle greifen, gelingt Rafi Pitts ein zeitloses, hochsymbolisches und lyrisches Kunstwerk über Stillstand und Bewegung in einem getriebenen Land. Der schon mehrfach preisgekrönte Regisseur lässt aus Entrückung und Schweigen eine fesselnde Leuchtkraft entstehen, er schuf das aufrechte Porträt einer unbefriedeten und unbefriedigten Gesellschaft.

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Kritiken (4) — Film: Zeit des Zorns

Ciprian David: NEGATIV

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6.5Ganz gut

...Zeit des Zorn ist ein ursprünglich in seiner Anlehnung an archetypische Motive und Umsetzungsmechanismen sehr schlichter Film, ein Film, der durch den Rezeptionskontext an Vielseitigkeit gewonnen hat, dadurch aber auch zum Status eines politischen Werks reduziert wurde. Seine künstlerischen Stärken und Schwächen liegen aber in der Machart. Denn das kompromisslose Operieren Rafi Pitts mit bewährten, minimalistisch gehaltenen Mustern lässt diesen Reduktionseffekt auf der inhaltlichen Ebene wie eine Sloganisierung wirken und den Film zum Stereotyp geraten. Die Rezeption als schöpferische Instanz bestätigt leider durch die rigide Politisierung (wie sie nicht zuletzt an dem deutschen Titel zu bemerken ist) diese Schwäche....

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F. Arnold

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8.0Ausgezeichnet

Es ist vor allem dieser Tonwechsel, der irritiert. Aber vielleicht ist den gegenwärtigen Verhältnissen im Iran damit näher zu kommen als mit der nüchternen Beobachtung, die It’s Winter und die erste Hälfte von Zeit des Zorns kennzeichnete. Wobei letztere ein gutes Stück weit verrätselt ist, durch die immer wieder eingeschobenen Aufnahmen von Autofahrten und von Ali auf der Jagd (die den Wendepunkt in der Mitte des Films vorbereiten). (…) Pitts hat seinen Film, mit Ausnahme der Rolle der Ehefrau, erneut mit Laiendarstellern gedreht, auch das verstärkt den Charakter eines Lehrstücks, in dem die Actionmomente als Köder dienen.

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Sarah Sander: Schnitt Sarah Sander: Schnitt

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6.0Ganz gut

Zeit des Zorns ist ein Film, der nichts erklärt. Ein Film, der Fragen aufwirft, ein Bild, eine Situation skizziert, aber immer genau so weit weg ist und genau so nah dran, daß er nicht deutet, sondern es dem Zuschauer selbst überläßt, sich in den Unwegsamkeiten der Polysemie der Bilder zurecht zu finden.

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F. Kleiner: Film-Dienst.de F. Kleiner: Film-Dienst.de

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7.5Sehenswert

„Zeit des Zorns“ macht es einem nicht leicht, sich emotional auf die Handlung einzulassen: Die Dramatik der Ereignisse wird konsequent unterspielt; darauf, mitreißende Spannungsbögen und gefühlsgeladene Höhepunkte, die der Stoff durchaus bereit hält, wirkungsvoll auszuinszenieren, wird verzichtet. [...] So sperrig der Film, der neorealistische Bestandsaufnahme und Rache-Thriller gleichzeitig ist, dabei wirkt, so nachhaltig prägen sich seine großartigen, düster-poetischen Bilder und die Atmosphäre latenter Spannung und unterschwelliger Verzweiflung aber doch ins Gedächtnis ein.

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Kommentare (5) — Film: Zeit des Zorns

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COLDFiRE

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Bewertung6.0Ganz gut

Der Trailer klang sehr vielversprechend. In der Tat erwartete mich ein tiefgründiger Film, welcher mit einer interessanten Parabel zur Situation in Iran aufwartete.
Der Protagonist muss mitansehen wie Frau und Tochter in einem Schusswechsel zwischen Polizei und Unruhestifter ums Leben kommen. Daraufhin sucht er Rache.
In dem Handlungsstrang wäre viel Potenzial. Allerdings gelang es dem Regisseur, welcher gleichzeitig auch die Rolle des Protagonisten übernimmt, nicht sein hochgestecktes Ziel zu erreichen.
Zu emotionslos. Zu wenig Identifizierungsmöglichkeiten.
Seine Absichten bleiben größtenteils im Dunkeln, gewisse Handlungsmuster unverständlich. Auch die Storyline selbst ist lückenhaft und macht Sprünge, welche nicht immer nachvollziehbar sind.
Ansonsten fängt der Film die Stimmung gut ein. Die Schauplätze sind gut gewählt, passen zur depressiven Atmosphäre. Insgesamt genügt dies allerdings nicht, dem Film die vorhin genannten Ungereimtheiten zu verzeihen.

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ihre-herrlichkeit

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Bewertung7.0Sehenswert

Ohne viel Tam Tam und Gefühlsduselei bekommt man viel mehr Eindruck von der Hoffnungslosigkeit, die man der Situation des Protagonisten empfindet.

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Jonassi

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Bewertung3.0Schwach

Elendig langweilig. Oder ich steig nicht durch. Aber, selbst wenn man wüsste, was das alles sollte (vor allem der zweite Teil im Wald), habe ich das Gefühl, hätte man sich einfach nur gelangweilt. Öde.

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annaberlin

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Bewertung3.0Schwach

"Ein großartiges Stück Kino aus dem Iran", wie die DVD-Packung versprach, ist Zeit des Zorns auf keinen Fall. Ich hatte mich auf einen packenden Film aus dem eher verschütteten Filmland gefreut und bekam 90 Minuten Langeweile, deren einziger Höhepunkt ein paar Aufnahmen von Teheran waren, die mich komischerweise an das Deutschland aus den 60ern erinnerte. Ansonsten bleibt man als Zuschauer dem Protagonisten stets fremd, kann weder dessen Handlungen noch die Story im Allgemeinen nachvollziehen. Schade!

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Kubrick_obscura

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Bewertung3.0Schwach

Der Tiefpunkt der Berlinale 2010. Wirklich, beinah unendlich langweilig!
Der Regisseur spielt selbst die Hauptrolle, mit seinem düsteren Blick eignet er sich perfekt als Kinderschreck. Warum es keine emotionalen Höhepunkte gibt? Vielleicht, weil Herr Pitts nicht so der Mörder-Schauspieler ist!
Die Handlung zieht sich nutzlos, gibt aber einen kurzen Einblick in den heutigen Iran. Die politischen Untertöne kommen meistens als Zaunpfahl durchs Fenster und wollen sich nicht mit der Handlung verbinden lassen. Der doofe 3. Akt will ein Psychospiel sein, gibt sich aber als Valium zu Erkennen. Zum Aufwachen gibts dann noch eine krasse Wendung am Ende. Das wars dann auch schon.

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