Zeugin der Anklage - Kritik

Witness for the Prosecution

US · 1957 · Laufzeit 114 Minuten · FSK 12 · Drama, Thriller · Kinostart
  • 10
    movievictim 10.08.2016, 09:53 Geändert 10.08.2016, 10:04

    Dass ich zu diesem Meisterwerk noch nix gesagt habe, möge man mir nachsehen.
    Es ist einer der wenigen alten Filme in schwarz/weiss, die immer noch im Fernsehen gezeigt werden.
    Ich kann ohne Bedenken die Höchstwertung geben, da ich nix auszusetzen habe.
    Alle Darsteller sind auf der Höhe und auf Augenhöhe miteinander.
    Der große und großartige Charles Laughton mit seiner Frau, "Frankensteins Braut"
    Elsa Lanchester, sind wieder einmal ein tolles Gespann.
    Dieses Mal als Anwalt und dessen Krankenschwester.
    Marlene Dietrich als deutsche Ehefrau des Angeklagten Leonard Vole ist schwer zu durchschauen. Das konnte sie immer gut spielen. Einer meiner wenigen Lieblingsfilme mit der Berlinerin.
    Tyrone Power als Leonard Vole liefert einen gewohnt starken Auftritt ab.
    Una O´Connor hat mehrere saukomische Auftritte als schwerhörige Haushälterin der Ermordeten, die Leo auf dem Gewissen haben soll.

    Das Ende dieses Streifens ist ein Knaller und bleibt definitiv im Gedächtnis.

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    • 9
      Heckenritter 01.08.2016, 11:54 Geändert 01.08.2016, 12:58

      Billy Wilder macht alles richtig! Mit dem ersten Bild macht er
      deutlich wohin die Reise geht, schneller kann man nicht in einen
      Gerichtskrimi gesaugt werden. Genialerweise kriegt er es gebacken
      einen nicht mit überflüssigen Längen zu quälen, die für mich bei
      Zelluloid-Vertretern der 50er doch arg typisch sind. Die Handlung
      gewinnt stetig an Kraft durch die Salamitaktik, es wird fortlaufend
      spannender und mündet in einem denkwürdigen Finale. Es gibt hier
      so viele inszenatorische Highlights wie Marlene Dietrich, die von
      einer Horde G.I.s förmlich überrannt wird oder die Lügenprobe des übel
      sarkastischen Anwalts, der mit seinem blendenen Monokol sich eifrig
      bemüht Lügenbarone oder eine Lügenbaroness zu enttarnen. Billy Wilder bettet solche Schmankerl mit viel Ruhe ein, diese Szenen wirken äußerst stimmig und nicht aufgesetzt. Ständig beobachtet er genau seine Figuren und ihre Handlungsweisen (die Schlüsselreize für ihre Reaktionen). DIE ZEUGIN ist eine Galleonsfigur unter den alten Filmen, die doch nur allzu gerne mit reingepressten Blödeleien abturnend sein können. Längen und aufgestempelte Komik sind für mich das größe Ärgernis besonders bei amerikanischen Filmen der alten Schule. Bei Billy Wilder wirkt alles wie aus einem Guss, gerade die Kleinigkeiten bestechen durch sein herausragendes Können als Regisseur, er widmet ihnen seine ganze Aufmerksamkeit, ein Hochgenuß sondergleichen. Und das ganz ohne eine knuffige Melodie, wodurch Margaret Rutherford als Omidetektivin immer noch so viel Laune macht.

      Marlene als Teufelsweib ist fantastisch, Tyrone Power ist für mich das Sinnbild des Holzactings dieses Filmjahrzehnts. Es ist Charles Laughton der hier übergroß erscheint, seine schwarzhumorigen Wadenbeinbisse ebben nie ab und tragen den Film durch diesen exquisiten Rauhbein Charme. Die blubbig rauchige Synchronstimme von Eduard Wandrey ist so unverwechselbar wie die von Bud Spencer, die ständigen Verbalattacken auf die derbe Tour ließen mich prusten vor lachen. Was für eine Schauspielgranate dieser Mann! Und was für punktgenaue Pointen! Meine hochgeschätzten Miss Marple Filme müssen sich diesem perfekten Krimi unterordnen, kein Dialog ist überflüssig, die schwierige Gratwanderung zwischen herbem Spaß und Spannung ist perfekt, sie greifen wie die Zahnräder einer Rolex ineinander. Die vielen knuffigen oder eben sehr ernsten Nebendarsteller runden diesen Filmschmaus ab wie ein Löffelchen Petersilie. Kann es jetzt kaum erwarten alte Filmchen mit Charles Laughton in mein Programm zu schmuggeln, von dieser Bulldogge der Schauspielzunft habe ich gerade erst Blut geleckt. Zeugin der Anklage sollte man kennen, definitiv eines der nicht zu leugnenden Highlights der 50er mit fabelhaftem Spannungsbogen. Ein wunderbares Erlebnis! Charles Laughton und ich sind jetzt ziemlich beste Freunde...

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      • 9
        ScreamKing 05.06.2016, 08:02 Geändert 05.06.2016, 17:43

        -Matze´s Perlentauchen-

        Schatzkarte #10

        Ich werde diese Liste nicht chronologisch abarbeiten (können), weil ich einfach schauen muss in welcher Reihenfolge ich an die verschiedenen Titel komme.

        Der zehnte Kommentar zu meiner Liste ist eine Schatzkarte von "Deusfantasy" und somit ihm gewidmet.
        Auch an dieser Stelle nochmal vielen Dank für´s mitmachen. Hier also die insgesamt zehnte Schatzkarte auf der Suche nach Perlen der Filmwelt:

        Atemberaubende Actionszenen, eine Effektexplosion auf allerhöchstem Niveau, gestochen scharfes 4K-Bild in leuchtenden Farben und ein mitreißender Dolby Digital Sound. Das alles sind zweifelsohne Faktoren, die ein außergewöhnliches Kinoerlebnis maßgebend mitprägen (können).
        Was passiert aber wenn man im 21. Jahrhundert einen Film in seinen Player wirft, der fast 60 Jahre alt ist, und dem eben diese oben genannten Aspekte vollkommen fehlen? Man könnte denken, dass es mit den neu erlangten Seh- und Hörgewohnheiten verdammt schwierig ist, einen solchen Film auch nur ansatzweise mit zeitgemäßer Filmkost zu vergleichen, geschweige denn diesen annähernd als so "unterhaltsam" zu empfinden.
        Billy Wilder belehrt mich (uns) auch noch 14 Jahre nach seinem Tod eines Besseren.
        Mit "Zeugin Der Anklage" hat er ein Filmwerk geschaffen, welches weit über seine Entstehungszeit hinaus den Zuschauer fesseln kann, und wohl noch lange wird.
        Alles was hierzu nötig war (ist), ist ein spannendes und fesselndes Drehbuch, überragende und überzeugende Darsteller (Charles Laughton, Marlene Dietrich)
        und ein Regisseur, der es vermag diese beiden Komponenten so geschickt miteinander zu verknüpfen, wie er es tat.

        "Zeugin Der Anklage" ist (auch heute noch) komisch und witzig, spannend und mitreißend und einfach derart unterhaltsam, dass jegliche neumoderne
        Kinotechnik in den Hintergrund rückt.
        "Zeugin Der Anklage" ist pure Unterhaltung, die von der ersten bis zur letzten Minute fesselt.

        Die Mischung aus Komödie mit Dialogen und "Blicken" voller (Wort-)Witz, Kriminalfilm mit einer durchweg spannenden und überraschenden Handlung und
        genialem Gerichtsthriller mit einer revolutionären Auflösung, macht diesen Film für mich wahrlich zu einem Meisterwerk.

        9 Punkte für dieses zeitlose Ausnahmewerk, welches mich auf ganzer Linie überzeugt hat.

        http://www.moviepilot.de/liste/matze-s-perlentauchen-screamking

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        • 8

          Sir Wilfrid Robarts (Charles Laughton) ist ein Londoner Rechtsanwalt, der sich eigentlich auf Strafsachen spezialisiert hat, aber nach einem Herzanfall keine solchen Fälle mehr annehmen soll.
          Kaum ist er allerdings aus dem Krankenhaus entlassen, kommt Leonard Stephen Vole (Tyrone Power (Vater der Sängerin Romina Power)) zu ihm, da ihm vorgeworfen wird, die vermögende Witwe Emily French (Norma Varden) ermordet zu haben, was er mit Vehemenz abstreitet. Obschon Robarts den Fall an seinen Sozius weiterreichen möchte, kommt er nach kurzem Überlegen zu dem Schluss, ihn selbst in die Hand zu nehmen, nachdem es zunächst gut aussieht, da es nur Indizien gegen Vole gibt, aber dann herauskommt, dass French Vole in ihrem Testament 80000 britische Pfund vermacht hat, sodass sich die Gemengelage ändert. Vole wird daraufhin noch in der Kanzlei verhaftet. Zudem taucht Voles Frau Christine Helm (Marlene Dietrich) auf, um, zwar unterkühlt und egozentriert, Vole zu entlasten. Doch im Gericht tritt sie plötzlich als Zeugen der Anklage auf. Ein Verwirrspiel beginnt.

          Der Film von 1957 ist ein famos gedrehtes Werk. Die Dialoge sprühen vor Witz, die Darsteller machen allesamt ihren Job gut (Tyrone Power übertreibt es ab und zu aber ein wenig, dafür ist Laughton brillant), und neben den pointierten Gesprächen, die die Geschichte ein wenig auflockern, fesselt vor allem der undurchsichtige Plot im Gericht, dessen Auflösung ich so nicht habe kommen sehen. Das Ende glänzt dabei mit einem doppelbödigen Twist, der es wirklich "in sich hat".
          Billy Wilder war wirklich ein Meister seiner Zunft. Drei Filme habe ich bisher von ihm gesehen, und obwohl mich "Das Apartment" leider enttäuschte, komme ich nicht umhin, zu konstatieren, dass er seine Filme flott, kurzweilig und sprachlich auf hohem Niveau inszeniert. Chapeau.

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          • 10

            Ein Meisterwerk und Filmklassiker der Filmgeschichte, der auch noch in 100dert Jahren fasziniert und verblüfft. Die Raffiness und Wendungen sind Filmgeschichte. Eine Besetzung die besser hätte nicht passen können, Charles Laughton überragt sie aber alle noch ein ganzes Stück, mit seinem famosem Spiel.
            Diesen Film hätte man nicht besser verfilmen können, würde hier nicht eine Haarsträhne ändern, einfach ein Kunstwerk der Filmgeschichte!

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            • 10

              David Fincher und M. Night Shyamalan schauen in ernüchterte Augen, aus denen nach einem ihrer Filme schon wieder die Frage drängt: "Hmm, das soll die große Überraschung gewesen sein?" Wer hat diese Verwöhntheit des Publikums an Twists und Mindfuck eigentlich verschuldet? War es Alfred Hitchcock? Bryan Singer? Christopher Nolan? Sie alle waren es (und um Fincher und Shyamalan gerecht zu werden - sie ebenfalls). Doch ganz besondere Überraschungseier hielt auch der große Billy Wilder parat. Ein wahrer Leckerbissen aus dem Jahre 1957 endet mit den Worten: "In diesen Film werden Sie Ihre Freunde und Bekannten hineinschicken. Aber bitte - Verraten Sie ihnen nicht den Schluss! Bringen Sie sie nicht um die erregende Spannung der letzten Minuten. 'Zeugin der Anklage'."
              Wilder, der vor seiner Zeit in Amerika bereits in Krakau, Wien, Berlin und Paris gelebt und große Teile seiner Familie durch den Holocaust verloren hatte, war in seinem Humor unbeirrbar gewesen. "Zeugin der Anklage" ist einer seiner ernsteren Filme und dennoch gespickt mit scharfzüngigen Sprüchen. Der wohlbeleibte Rechtsanwalt Sir Wilfrid (Charles Laughton) wird kurz nach überstandenen Herzproblemen von seiner Krankenpflegerin Miss Plimbol (Laughtons Ehefrau Elsa Lanchester - Ein Heidenspaß, beide sich triezen zu sehen!) schnippisch zu Ruhe und Unaufgeregtheit verdonnert. Das gerät jedoch aussichtslos, als der vermeintliche Mörder Leonard Vole in seiner Kanzlei auftaucht und um einen Rechtsbeistand bittet. Vole wird vom früh verblichenen Tyrone Power gespielt, dem Vater der Sängerin Romina, die 1982 mit Al Bano zusammen den Karaoke-Evergreen "Felicità" schmetterte. Gut, mit dem Film hat das jetzt nichts zu tun, aber herrje, ich liebe dieses Lied! Und so wie es "das Glück" - "la Felicità" - ist, "ein Glas Wein" zu trinken, "sich an der Hand zu halten" und eine "Geburtstagskarte voller Herzchen" zu erhalten, so ist es auch ein Glück, eine treue Ehefrau zu haben. Eine Ehefrau, die einem mit der Bestätigung eines Alibis den Hals aus der Schlinge retten kann. Leonard Voles Hoffnungen ruhen da auf seiner Gattin Christine, die mit dem markant schönen Gesicht von Marlene Dietrich ins Bild tritt...
              "Zeugin der Anklage" ist wie eines dieser Kissen, an denen man einen Reißverschluss aufziehen kann, um es zu einem Teddybären umzukrempeln. Der Unterschied: Krempelt man dieses hier wieder zurück, steht plötzlich eine Ente da.

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              • 8 .5

                Was für ein Meisterwerk des Schwarzweiß-Kino´s.

                Überzeugende Schauspieler und eine Handlung die mich bis zum Schluß gefesselt hat. Marlene Dietrich sticht besonders hervor in ihrer (Doppel)Rolle als intrigante Angetraute des Angeklagten.

                Und nicht zu vergeßen Charles Laughton als Zigarren qualmender, Whiskey trinkender Anwalt, der gerade einen Herzinfarkt hinter sich hat spielt großartig und schafft durch seine eigensinnige Art einen humoristischen Gegenpol zu Dietrich´s kühler Rolle (Laughton erinnerte mich stark an Sir Winston Churchhill, mögliches Rollenvorbild? Ich weiß es nicht).

                Was soll man sich anderes erwarten von einem Großmeister des 50´er 60´er Jahre Kinos. Billy Wilder hat mit "Zeugin der Anklage" einen zeitlosen Klassiker mit einem überraschendem Ende geschaffen und beweist, dass er nicht nur für Komödien ein Talent hat. Sollte jemand ähnliche Filme zeitgenößischer Regisseure kenne, lasst es mich gerne wissen.

                Fazit: (Sehr) Sehenswert.

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                • 7 .5
                  smartbo 18.08.2015, 13:36 Geändert 19.08.2015, 09:37

                  Eine Glanzleistung von Billy Wilder.

                  Ein älterer Film, schwarz/weiß, optisch nicht der Brüller, dennoch fesselnd und mit einer eimalig genialen schauspielerischen Performance von Charles Laughton als Strafverteidiger Sir Wilfrid Robarts. Im Film gefallen mir vor allem die sehr gut gelungenen Wechsel zwischen seinem Privatleben und den Auftritten im Gerichtssaal sowie die witzigen Szenen, in denen er heimlich und gierig nach Alkohol oder Zigarren greift und daraufhin von seiner Aufpasserin, der nervtötenden Krankenpflegerin, erwischt und zurechtgewiesen wird. Köstlich.

                  Ein guter und unterhaltsamer Gerichtsthriller. Absolut sehenswert.

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                  • 8

                    Wilder wildert mit diesem Film in Hitchcocks Revier. Dramatisch setzt er die Dietrich in Szene, vergisst dabei aber nie, dass seine Stärken in der Komödie liegen.

                    Viele Hintergrundinfos haben wir hier gesammelt:

                    http://www.spaetfilm.de/episode/podcast/sf16-zeugin-der-anklage/

                    • 8

                      „In diesen Film werden Sie Ihre Freunde und Bekannte hineinschicken. Aber bitte, verraten Sie ihnen nicht den Schluss. Bringen Sie sie nicht um die erregende Spannung der letzten Minuten in ZEUGIN DER ANKLAGE.“ hört man eine Stimme sagen, sobald der Abspann anfängt. Na gut, mach ich nicht.

                      Da sitzt er. Sir Wilfried Roberts. Kürzlich erlitt er einen Herzanfall. Alkohol, Zigarren, Stress. Von all dem soll er sich fernhalten, es sei gefärhlich. Und jetzt sitzt er im Gerichtssaal, ist Verteidiger in einem Mord(s)prozess und verteidigt was das Zeug hält, Zigarren hat er da schon lange geraucht und Alkohol ist auch nicht in weiter Ferne. Aber was macht er, wenn er nicht verteidigt? Er hört zu, starrt in die Leere vor sich und spielt mit seinem Monokel, das an einem Band um seinen Hals hängt und sich schnell dreht. Es scheint ein Tick des Sir Roberts zu sein, denn man sieht ihn einige Male, wie er mit dem runden Glas beschäftigt ist. Anfangs wird gar von einem Monokel-Test gesprochen, den der Angeklagte übrigens zweifellos besteht. Was das für Ausmaße hat, würde ich gerne schreiben, aber der nette Herr im Abspann hat ja gesagt, dass ich das lassen soll. Und er hat sogar bitte gesagt, also sind mir hier die Finger gebunden.

                      Billy Wilder nimmt sich einmal mehr ein Element und setzt es nicht nur zum perfekten Moment sondern auch auf eine grandiose Art und Weise in Szene. Vor allem bei einem Gerichtsdrama wie diesem hier, wenn die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß, Schuldig und Unschuldig, Recht und Unrecht, Lüge und Wahrheit nicht nur verwischen, sondern geradezu durcheinander gewürfelt werden, ist das sich ständig drehende Monokel nicht nur ein Anhaltspunkt für den Zuschauer, sondern erzählt uns auch etwas über das Innenleben des Sir Roberts.

                      Aber das, was diese kleine runde Sehhilfe für mich am interessantesten macht, ist die Tatsache, dass sie sich dreht. Wilder zeigt dadurch, dass all das, Schuld, Recht, Moral, Liebe, Vertrauen, Sym- und Antipathie, ganz einfach Ansichtssache ist.

                      _Smooli

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                      • 8

                        Nicht nur die verborgenen Zigarren, der versteckte Schnaps, die verheimlichten Herzprobleme, der klapprige Anwalt, für den der letzte anstrengende Mordprozess über Leben und Tod richtet. Marlene Dietrich als geschlechtlich-herbe Akkordeonspielerin, Elsa Lanchester als wunderlich-schnippisches Nervenbündel – auch sie bringen den Männern den Wahnsinn, aber verlieben kann man sich in sie schnell, genauso wie sich Billy Wilder in diese Damen verguckt hat, wohlwissend, dass er sie nie verstehen wird. Als alleiniges erregendes Spannungselement involviert, geleiten Dietrich und Lanchester "Zeugin der Anklage" zum Meilenstein einer unvergänglichen Hollywood-Könnerschaft, in der erhabene Figuren so dringlich und so bestechend wandelbar ihre List ausspielen, dass ihr Publikum ohne Zweifel an der gespielten Wahrheit entlang auf das vertraut, was auch immer es zu hören glaubt. Obwohl alles unter der Hitze des Verhörs und der Schärfe der Indizien Lüge sein muss, abenteuerlichste Verhüllungen und raffinierteste Mätzchen, um der Absolutheit eines Todesurteils mit maximalen Drehungen zu entfliehen, festigt das Drehbuch eine Suggestivobjektivität, die jedem Heuchler, Schwindler und Betrüger trügerische Tatsachen einredet, die gar nicht existieren dürften. Jede Seite in Wilders körperdichtem Gerichtsdenkspiel ist essentiell für die (Oberflächen-)Wahrheit, und vor allem in den letzten erschöpfenden, kochenden Minuten wird erkennbar, dass Oberflächenwahrheiten auch Verwandlungen durchlaufen müssen, wenn sich die Gerechtigkeitswaage allmählich ausbalanciert.

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                        • 8 .5

                          Ich habe immer gedacht, Schokolade und Karamell wäre die beste Kombination der Welt.
                          Aber nein, tatsächlich ist es Agatha Christie und Billy Wilder!

                          Sogar die Agatha selbst war amused: „Alles, was ich an Verfilmungen meiner Werke gesehen habe, fand ich ausgesprochen scheußlich, bis auf ‚Zeugin der Anklage‘ von Billy Wilder.“ - Wie nett von ihr.

                          Die britische Schriftstellerin hat mal wieder eine intelligente und spannende Story vorgelegt und Billy Wilder hat es geschafft, diese raffiniert, mit brillantem Humor und unglaublich fesselnd umzusetzen. "Zeugin der Anklage" ist so vielfältig, dass er keine Farbvielfalt mehr braucht. Er macht gerade in schwarz-weiß richtig was her und überzeugt mit stimmigen Kulissen und Kostümen. Aber das ist man ja von Billy Wilder-Filmen schon gewohnt. Man wird vom Anfang bis zum grandiosen Finale bestens unterhalten, mit Witz, spritzigen Dialogen, mit Irrungen und Wirrungen, mit Indizien und Beweisen und vor allem durch die tollen Charaktere. Das beginnt beim Angeklagten Leonard Vole (Tyrone Power) mit seiner charismatischen Art sowie seiner Frau (Marlene Dietrich) als unterkühlte Zeugin der Anklage. Besonders angetan war ich von Sir Wilfrid Robarts als Anwalt. Was für ein herrlicher Typ mit seinen kleinen Schrullen, seinen Sprüchen, seinem Scharfsinn und seinem amüsanten Schlagabtausch mit seiner Krankenschwester Miss Plimsoll (Elsa Lanchester). Charles Laughton spielt diesen Anwalt so fantastisch, dass er für mich das Highlight des Films ist. Ein wunderbares Ensemble an Schauspielern in wunderbar verschrobenen Rollen (bis in die kleinen Nebenrollen) machen das Ganze letztendlich zu etwas Besonderem. Dabei legt die Geschichte das entscheidende Fundament. Wilders Stil und die liebevollen Details krönen das Werk zu einem der besten Gerichtskrimis, die ich bisher gesehen habe.
                          Einfach Karamell und Schokolade! *mjam*

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                          • 8

                            Einer der besten Gerichtsthriller aller Zeiten. Witzig, spannend und überraschend. Perfekte Kinounterhaltung mit einer tollen Marlene Dietrich und einem überragenden Charles Laughton.

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                            • 8

                              Geniales Kammerspiel. Super Besetzung, sehr viel britischer Wortwitz und Charme und natürlich die Dietrich. Der Schluss haut einen aus den Socken.

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                              • 10

                                Brillianter Film ... völlig überraschendes Ende (SEHR VIELE WENDUNGEN). Marlene Dietrich spielt grandios und auch die anderen Darsteller überzeugen. Wieder eine Erinnerung, dass ein Film komplett ohne irgendwelche Spezialeffekte oder Musik trotzdem spannend und unterhaltsam bis zur letzten Minute sein kann ... (für alle die sich für englisches Recht interessieren eine relativ realisische Darstellung des damaligen englischen Rechtssystems). SOLLTE MAN GESEHEN HABEN!!!

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                                • 9

                                  [...] Wilder gelingt das Kunststück, sein Publikum in vermeidlicher Sicherheit zu wiegen, mit Erwartungshaltungen zu spielen und ohne Vorbereitungen eine Überraschung nach der anderen aus dem Hut zu zaubern, ohne das das Gesamtwerk darunter leidet, überfrachtet erscheint. Daran sollten sich viele heutige Thriller ein Beispiel nehmen, die einen oft sehr ungeschickt mit gezwungen wirkenden Twists erschlagen. Bei „Zeugin der Anklage“ wird alles behutsam und raffiniert entwickelt, sich nicht zu früh enttarnt und letztlich ist jeder Punkt erschreckend logisch, ausgeklügelt und bis ins Detail – sei es von den Figuren wie den Filmschaffenden – perfekt durchdacht. So abgebrüht und geduldig zeigen sich wenige Werke, in Anbetracht seines Entstehungszeitraum umso bemerkenswerter. [...]

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                                  • 10

                                    Billy Wilders "Zeugin der Anklage" ist eine grandiose Mischung aus Krimi, Komödie und Justizdrama und zählt mit zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.
                                    Die Geschichte basiert auf ein gleichnamigen Theaterstücks von Agatha Christie und alleine das verspricht schon viel Spannung und Raffinesse.

                                    Im Mittepunkt des Filmes steht der Strafprozess um Leonard Stephen Vole, der angeblich ein reiche Witwe getötet haben soll um an ihr Erbe heranzukommen.
                                    Sein Strafverteidiger in diesem scheinbar aussichtslosen Fall ist dabei niemand anderes als der legendäre Sir Wilfrid Robarts, der dabei jedoch die Hilfe von Voles Frau braucht, doch zweifelt Sir Wilfrid nach und nach daran, ob sie ihrem Mann überhaupt wirklich helfen möchte.
                                    Die Handlung ist dabei auf wenige Personen und Schauplätze beschränkt so das der Film beinahe an ein Kammerspiel erinnert.

                                    Der Film glänzt dabei nicht nur durch viel Spannung, schwarzen Humor, messerscharfe Dialoge und tollen Wendungen, sondern auch durch klasse Figuren und eine großartige Cast.
                                    Insbesondere Charles Laughton ist einfach brillant in der Rolle des Sir Wilfrid Robarts und stellt die anderen hochkarätigen Darsteller wie Tyrone Power und Marlene Dietrich doch etwas in den Schatten.
                                    Vor allem Sir Wilfrid Robarts ständige Sticheleien mit seiner Krankenschwester (gespielt von Charles Laughtons Frau Elsa Lanchester) gehören mit zu den absoluten Highlights des Filmes.

                                    "Zeugin der Anklage" ist daher unterm Strich einer der Filme die man sich immer wieder ansehen kann ohne das sie langweilig werden.

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                                    • 8 .5

                                      Spannender Justizkrimiklassiker von Billy Wilder, der auch einige komödiantische Elemente besitzt. Insbesondere der Anwalt hat es mir angetan, aber alle Haupt- und Nebenrollen sind hervorragend geschauspielert.

                                      SPOILER
                                      Das Ende ist vielleicht etwas etwas over-the-top und verhindert eine höhere Wertung, tut dem Schauvergnügen aber gar nicht weh.

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                                      • 8

                                        ZEUGIN DER ANKLAGE ist mein erster Film von Billy Wilder gewesen und er hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen. Ich bin generell ein riesen Fan des Autorenkinos und Wilder war ja bekanntlich ein ganz Großer in diesem Gebiet. Das merkt man natürlich auch. Der Film überzeugt von der ersten Minute an mit humorvollen Dialogen und der ein oder anderen komischen Situation. Das hat meine Erwartungen zunächst völlig über den Haufen geworfen, habe ich mir doch ein ernstes Gerichtsdrama im Sinne von DIE 12 GESCHWORENEN vorgestellt. Doch diese zunächst leichte, humorvolle Art bringt Wilder perfekt in diesem Film unter.

                                        Wenn sich dann die Handlung in den Gerichtssaal verlegt, wechselt Wilder gleichzeitig die Stimmung. Es scheint jetzt ernst zu werden, der Humor muss sich erstmal hinten anstellen. In der Folge ergibt sich eines der besten Justizdramen der Filmgeschichte. Wilder zieht so konsequent die Spannungsschraube an und spielt in fast unvergleichlicher Weise mit den Gedanken des Zuschauers. Welchen Verlauf die Handlung letztendlich nimmt ist vollkommen überraschend und schlicht großartig durchdacht. Und auch wenn man lange Zeit im Grunde „nur“ eine Gerichtsverhandlung sieht, ist das so spannend und interessant inszeniert wie ich es selten gesehen habe.
                                        Dazu kommen die wirklich fantastischen Darsteller. Was Charles Laughton da abgeliefert hat, sprengt jeglichen Rahmen. Er erschafft einen Charakter, der einem trotz seiner schroffen Art ans Herz wächst und hat dabei eine unglaubliche Ausstrahlung, die einem regelrecht in diesen Film hineinzieht. Auch Marlene Dietrich ist durch und durch überzeugend und trägt einen großen Teil zu der Stärke des Streifens bei.

                                        Generell lassen sich kaum Schwachpunkte ausmachen. Die Exposition ist vielleicht etwas zu lang geraten, aber das macht der restliche Teil allemal wieder wett. Drehbuch, Regie, Schauspieler, alles auf einem überaus hohen Niveau, dazu toll durchdachte Wendungen und teilweise spannender als ein Hitchcock. Ich freue mich jetzt auf die nächsten Werke von Billy Wilder, die hoffentlich genauso gut sind, oder womöglich sogar noch besser.

                                        http://planetofpictures.blogspot.de/2013/11/witness-for-prosecution-us-1957-billy.html

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                                          Klassiker zu bewerten ist immer besonders schwierig, denn die Community schaut da sicherlich mit wachsameren Blicken drauf, als auf einen 08/15-Streifen, der in den Bewertungen einfach so durchgewunken wird.
                                          Als Genre ist Thriller oder Drama oder Kriminalfilm genannt, was mich hätte erwarten lassen, dass der Film eine düstere Erzählweise verfolgt. Er tut es nicht - nein, er ist eher aufgelockert, was insbesondere dem meisterhaften Rechtsanwalt Sir Roberts zuzuschreiben ist. Dieser wird liebevoll und äußerst motiviert von einer Krankenschwester umsorgt, die ein wachsames Auge auf seine Gesundheit hat. Er übernimmt gegen ärztlichen Rat und auch gegen sein erstes Urteil die Verteidigung in einem Mordfall, der recht unscheinbar erscheint. Der Kern des Films spielt sich in einem lexikalischen Schlagabtausch im Gerichtssaal statt und wir - die Zuschauer - drücken die Daumen, dass der wortgewandte Rechtsanwalt seinen Kunden aus der Schuld argumentiert. Interessant ist - aber unsere Sympathie für den Angeklagten und seinen Verteidiger lässt uns das vergessen - dass während der Verhandlung kaum noch über den Mordfall gesprochen wird. Die Argumentation versucht eher die Glaubwürdigkeit der Zeugen bzw. der "Zeugin der Anklage" zu untergraben. Die Verhandlung kommt mit einem Urteil zum Ende, die Beweisführung scheint klar. Zu unserer Freude lauert am Ende des Tages aber ein toller Twist, der in jedem Filmfreund die Glückshormone hochkochen lässt. Meine Empfehlung für dieses Gerichtsdrama, das leichter wirkt, als es in Wirklichkeit ist.

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                                          • 10

                                            Grandiose Schauspieler brillieren in einem vor Dialogwitz nur so sprühenden und genial ausgetüftelten Script. Ein Glanzstück der Filmgeschichte. Rei

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                                            • 10

                                              Was für ein Film! Die Geschichte wartet mit unerwarteten Wendungen auf, die Spannung intensiviert sich von Minute zu Minute, die schauspielerischen Leistungen sind beeindruckend. Tyrone Powers spielt meiner Meinung nach blendend, auf höchstem Niveau, wird aber trotzdem von Marlene Dietrich an die Wand gespielt, als wäre er ein Laie. Das Spiel der Dietrich ist beängstigend gut, aber auch alles andere stimmt. Ein absolut sehenswerter Film! Alles andere als die Standard-Scheixxe, die heute meist produziert wird!

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                                              • 9

                                                "Zeugin der Anklage" fängt so an, wie ziemlich jeder andere Justizthriller. Ein Anwalt bekommt einen Fall dargelegt, der ziemlich eindeutig ist und wo die Unschuldigkeit des Angeklagten schwer, eigentlich gar nicht zu beweisen ist. Doch schon sehr bald merkt man, dass man es hier mit keinem Durschnittsfilm zu tun hat.
                                                Da wäre einmal Marlene Dietrich, die Frau des Angeklagten. Was für eine Ausstrahlung, was für eine Präsenz, eine unglaubliche Aura umgibt diese Frau, obwohl der Zuschauer sie eigentlich gar nicht so sympathisch findet. Schließlich lügt und betrügt sie und sagt gegen ihren Mann aus.
                                                Dann wäre da Charles Laughton, der Anwalt. Was für ein Humor, Gerissenheit. Ein Anwalt wie er im Bilderbuche steht, nur besser. Wie er sich seiner Krankenschwester widersetzt, einfach göttlich.
                                                Und wir dürfen nicht vergessen, es ist ein Billy-Wilder-Film.
                                                So übernimmt Sir Wilfrid den Fall und es folgt die Gerichtshandlung, der Hauptteil dieses Filmes. Während des Filmes überleg ich mir natürlich, wer denn jetzt der wirkliche Täter sein könnte, weil der Mann ist es ja schonmal nicht. Oder doch? Es ist absolut genial, wie dieser Film mit meinen Konventionen spielt und mit ihnen bricht und wie er den gesellschaftlichen Fehler entlarvt, alles ohne weiteres Hinterfragen hinzunehmen, nur weil die Vertrauenspersonen es so sagen. Wir glauben jedem Twist, der dann irgendwie doch kein Twist ist, weil der nächste Twist den vorherigen Twist umtwistet. Ist der Anwalt von der Unschuld des Angeklagten überzeugt, sind wir es auch. Stellt sich seine eigene Frau gegen ihn, tun wir das auch. Beteuert der Angeklagte seine Unschuld, beteuern wir ihn Gedanken mit. 
                                                Doch was ist, wenn sich einer irrt?
                                                Was ist, wenn einer lügt?
                                                Was ist, wenn keiner lügt und sich niemand irrt?

                                                "Lügen! Alles Lügen!"

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                                                • 7

                                                  Auch wenn man dem Film sein Alter in vielerlei Hinsicht anmerkt, so ist die Geschichte auch heute noch durchaus spannend und unterhaltsam. Überragend ist der Schlussakt des Films, sozusagen die Mutter aller Twists.

                                                  • 10

                                                    ZEUGIN DER ANKLAGE gilt neben WER DIE NACHTIGALL STÖRT oder DIE 12 GESCHWORENEN als Klassiker des Gerichtskrimis. Und das vollkommen zurecht. Die Adaption einer Kurzgeschichte von Agatha Christie ist ein Meisterwerk an unverhofften Wendungen und doppeltem Boden. Das starke Drehbuch steckt voller Ironie und Witz, das von Billy Wilder genial umgesetzt wurde. Die Schauspieler sind allesamt hervorragend, besonders Charles Laughton als grantelnder Staranwalt und Marlene Dietrich als titelgebende ZEUGIN DER ANKLAGE, die hier ihre wohl stärkste Leistung ihrer Karriere zeigt. Der Twist am Ende des Films kommt komplett unvorhergesehen und zeigt die komplette Raffinesse dieses Klassikers.
                                                    Fazit: Twists as it's best.

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