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1968 - Die Geburt des modernen Zombies

George A. Romero lässt die Zombies los
© CMV Laservision / moviepilot
George A. Romero lässt die Zombies los

Die Zombies sind los. Egal, ob in Büchern, Fernsehserien, Videospielen oder Filmen, die wandelnden Toten haben uns in allen medialen Bereichen geradezu überrannt. Es gibt kein Entkommen vor den fleischhungrigen Untoten mehr. Wenn wir es genau nehmen, dann haben wir dieses Schicksal nur einer einzigen Person zu verdanken, die 1968 einen neuen Trend aufbrachte, in den sich die Popkultur festbeißen konnte: George A. Romero heißt der Schuldige, dank dessen Die Nacht der lebenden Toten wir Zombies nie mehr mit denselben Augen sehen werden.

Der Pre-1968-Zombie
Zombies gab es schon lange vor George A. Romero. Obwohl es in allen Kulturkreisen Geschichten von Menschen gibt, die von den Toten wieder auferstehen, ist die wohl bekannteste Inkarnation auf Voodoo zurückzuführen. In dieser kreolischen Religion ist ein Zombie gleichbedeutend mit einer Person, die von einem Houngan oder einer Mambo (Priester oder Priesterin im Vodoo) verflucht und so willenlos gemacht wurde. Am verbreitetsten ist die Vorstellung, dass der Verfluchte dabei “stirbt” und durch einen Zauber wieder auferweckt wird, der ihn an seinen Meister bindet. Bereits Das Cabinet des Dr. Caligari von 1920 baute auf dieser Grundidee auf, auch wenn das Wort Zombie, wie später auch in Romeros erstem Film, nie verwendet wird. Als der erste richtige Zombiefilm wird der 1932 entstandene White Zombie von Victor Halperin angesehen. Es folgte eine regelrechte Zombiewelle, die unter anderem Streifen wie Ich folgte einem Zombie von Jacques Tourneur und Nuit Des Vampires von Ed Wood beinhaltete. Bis zur ersten Ufo-Sichtung und den daraus enstehenden Filmen war es üblich, Zombies auf Flüche und Magie zurückzuführen. Durch die aufkeimende Popularität von Science Fiction, wurden Zombies kurzerhand auch zu von Außerirdischen besessenen, willenlosen Menschen. Selbst wandelnde Tote müssen mit der Zeit gehen und das taten sie auch: in schlurfenden Schritten Richtung George A. Romero.

Kleines Budget, große Wirkung
Eigentlich war Die Nacht der lebenden Toten nur ein kleines Projekt, dass George A. Romero und ein paar Freunde in ihrer Freizeit durchführen wollten. Sie planten schon seit längerem einen Horrorfilm zu drehen, nur über das Thema waren sie sich noch nicht ganz klar. Es kostete George A. Romero drei Ansätze, bis er wusste, was er wollte. Oder eher wusste, wo er seine Inspiration finden konnte: die Geschichte I Am Legend, um eine Art Vampirvirus, in dem alle Infizierten Jagd auf die noch nicht angesteckten Menschen machen, beeindruckte den jungen Filmemacher so sehr, dass er beschloss, sie für sich neu zu interpretieren. Da aber Richard Matheson schon Vampire verwendet hatte, musste George A. Romero eine andere Art Wesen finden. Was also, fragte er sich, wenn die Toten einfach nicht tot bleiben wollen?

Das Budget der kleinen Gruppe war gering. Es war sogar so knapp bemessen, dass sie sich entschlossen, ihren Film in schwarz-weiß zu drehen. Ein Großteil der Requisiten war geliehen, von den Autos, die zur Flucht verwendet werden wollen, über das Blut, bis hin zum Haus, in dem sich das Horrorszenario abspielt. Aufgrund der fehlenden Mittel schlich sich der ein oder andere Fehler in Die Nacht der lebenden Toten ein. Was einem Film heute kaum noch verziehen werden würde, machte diesem Streifen nichts aus. Nicht nur das, es ließ ihn letztlich sogar zum Kultklassiker werden, der sogar in die Filmsammung des Museum of Modern Art aufgenommen wurde. Aber wie konnte aus einem kleinen Independent-Horrorstreifen plötzlich ein weltveränderndes Kunstwerk werden?

Der Romero-Zombie
Abgesehen davon, dass bis dahin noch kein Zombiefilm so gewalttätig gewesen war, nutzte George A. Romero die Untoten nicht wie andere zuvor nur als einfache Monster, sondern kritisierte durch sie die Gesellschaft anhand eines Endzeitszenarios – etwas, das er auch später beibehielt. Eine Erklärung für die Reanimation der Toten gibt er im Film selbst nicht, aber es ist eindeutig, dass es sich erstmals nicht um Magie handelt. Stattdessen werden verschiedene Theorien genannt, die von Viren über göttliche Strafe bis hin zu Verstrahlung aus dem Weltall reichen. Diese wurden später von anderen Regisseuren aufgegriffen, aber auch durch Romero selbst, der nach seinem ersten Erfolg mit dem Genre noch lange nicht abgeschlossen hatte.

In Die Nacht der lebenden Toten gab er den Anstoß für ein neues Sub-Genre im Horror, das er selbst weiter ausbaute. Auf die Nacht folgte Zombie – Dawn of the Dead und schließlich der Tag der Toten a.k.a. Zombie 2 – Das letzte Kapitel. Diese drei Filme galten als abgeschlossene Trilogie bis George A. Romero mit Land of the Dead, Diary of the Dead und Survival of the Dead eine sechsteilige Reihe daraus machte. Innerhalb seiner Filme behandelte er nicht nur die verschiedenen menschlichen Schicksale und Abgründe innerhalb der Apokalypse, sondern entwickelte auch seine Zombies immer weiter. Diese Interpretationen dienten späteren Filmemachern so als Inspiration, wie einst Richard Matheson ihm. Auf der Basis, die er mit seiner Neuinterpretation des Zombies erschaffen hatte, enstanden medienübergreifend alle Zombie-Werke und Referenzen, die wir heute kennen. Von klassischen Horrorstreifen wie Ein Zombie hing am Glockenseil, Der Re-Animator oder Peter Jacksons Braindead, bis hin zu Videospielen á la Resident Evil und Left 4 Dead oder (ebenfalls bald verfilmten) Büchern wie Stolz und Vorurteil und Zombies und World War Z. Wenn wir heute von Zombies reden, dann denkt niemand mehr an Voodoo und Flüche, sondern nur noch an die schlurfenden (oder seit einiger Zeit rennenden) Unoten aus dem Film. Wenn wir es genau nehmen, dann wäre ohne Die Nacht der lebenden Toten und George A. Romero heute nicht nur das Horrorkino ein Anderes, sondern die gesamte Popkulturlandschaft wäre nicht wiederzuerkennen.

Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 1968 bewegte:

Drei Filmleute, die geboren sind:
12.10.1968 – Hugh Jackman
06.01.1968 – John Singleton
10.09.1968 – Guy Ritchie

Drei Filmleute, die gestorben sind:
12.12.1986 – Tallulah Bankhead
27.07.1968 – Lilian Harvey
24.06.1968 – Tony Hancock

Drei Preisträger, der Filmwelt:
Oscar für die beste Hauptdarstellerin geht an Katharine Hepburn für Der Löwe im Winter und Barbra Streisand für Funny Girl
Der Oscar für den besten Film geht an Oliver!, dessen Regisseur Carol Reed ebenfalls geehrt wird

Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt:
04.04.1968 – Dr. Martin Luther King wird erschossen
07.09.1968 – Led Zepplin wird als The New Yardbirds gegründet
02.01.1968 – Dr. Christian Barnard führt zum ersten Mal erfolgreich eine Herztransplantation durch

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freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen für GamePro.de und brauche dafür sehr viel Kaffee.

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