1979 - Sigourney Weaver steht ihren Mann in Alien
CUT!rin (Katrin Doerksen), Veröffentlicht am 06.08.2012, 08:50
1979 - Sigourney Weaver steht ihren Mann in Alien
© 20th Century Fox
Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Chuck Norris, Harrison Ford, Jason Statham, Clint Eastwood und die Bond-Darstellerriege – die Liste der männlichen Actionhelden ist so lang wie vielfältig. Eine Gemeinsamkeit haben sie aber doch, und zwar ausnahmslos: Coolness. Sie sind so unverschämt cool, dass es eine Freude ist. Angst kennen sie weder vor Mensch, noch Maschine und wenn es nötig ist, mal eben drei Punks umzumähen, um an Klamotten zu kommen, naja, dann ist das eben nötig.
Die Liste der weiblichen Actionstars ist im Vergleich dazu schon ziemlich dünn. Und wenn dann doch mal ein doppeltes X-Chromosom in prominenter Rolle über die Leinwand huscht und sich dabei nicht in Liebeskomödien oder Historiendramen wiederfindet, dann haben wir es nicht selten mit Charakteren zu tun, die sich von der abgebrühten Emotionslosigkeit ihrer männlichen Kollegen mehr als nur eine Scheibe abgeschnitten haben. Die straffe Geschlechterzuteilung in blassblau und schweinchenrosa, abgeklärt und gefühlsbetont stammt aus Theorien von vorvorgestern, so viel ist klar. Aber als 1979 erstmals eine weibliche Heldin mit einer Mischung aus Intelligenz und Emotionalität Platz in einem Drehbuch fand, war das eine große Innovation.
Ein Experiment geht auf
Auch Ripley sollte aber erst ein Mann werden. Paul Newman war für die zuerst noch männlich konzipierte Rolle vorgesehen, sprang aber ab. Niemand glaubte zu diesem Zeitpunkt an einen großen Erfolg für Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt und weil der Druck nicht groß war, gab es nun genügend Freiraum für Experimente. Das brachte die Drehbuchautoren auf einen Gedanken: in einer entfernten Zukunft könnte die Gleichstellung der Geschlechter vielleicht schon so selbstverständlich sein, dass niemand eine Frau als wichtiges Crew-Mitglied eines Raumschiffes in Frage stellen würde.
Schließlich lief das Casting für die umgeschriebene Rolle der nun auf Ellen Louise getauften Ripley. Sigourney Weaver war die letzte Vorsprecherin. Die Theaterschauspielerin war nicht nur überdurchschnittlich groß, sondern brachte auch eine überaus entschlossene und starke Ausstrahlung mit sich – perfekt für die Rolle einer Frau, die ganz allein im Weltraum ihr Ding durchziehen sollte.
Das Publikum hält den Atem an
Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt stach aber nicht nur durch seine weibliche Heldin aus der Masse von Science Fiction-Filmen hervor. Die Crew der Nostromo war nicht etwa geschniegelt und perfekt durchorganisiert wie die Sternenflotte im utopischen Star Trek – Universum. Stattdessen bestimmten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Besatzungsmitgliedern den extraterrestrischen Alltag und auch der Raumfrachter selbst sah bei weitem nicht so geleckt aus wie die polierten weißen Oberflächen im Herrschaftsgebiet von HAL 9000.
Das Werk von Ridley Scott war aber auch kein reiner Science-Fiction Film. Viel eher machte Alien gruseligen Horrorschockern Konkurrenz und es zirkulierten Gerüchte von prall gefüllten Kinosälen, deren Insassen während der Vorstellung des 117-Minüters im Kollektiv und perfekt synchron den Atem anhielten. Eigentlich schade, dass die Rohfassung des Films nie veröffentlicht wurde – sie hätte den Adrenalinspiegel über stattliche 192 Minuten hochgehalten. Stattdessen gab es zum zwanzigsten Jubiläum einen überarbeiteten Director’s Cut, den der Regisseur selbst eher als gut vermarktete Alternativversion bezeichnete. Ihm hatte die ursprüngliche Fassung am besten gefallen.
Sex sells auch im Weltall
Neben Ripley gab es da aber noch den eigentlichen Protagonisten des Films – natürlich das Alien. Das furchterregende Monster war im Film nie ganz vollständig zu sehen, und das aus einem sehr banalen Grund: das hochkomplexe Modell des Schweizer Surrealisten H.R. Giger war ständig kaputt. Das gab Ridley Scott später selbst zu. Der Schock-Effekt war trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – immens. Wissenschaftler waren schnell dabei, sexuelle Konnotationen in die berühmten facehugger– und chest bursting-Szenen hineinzuinterpretieren.
Für das Forschungsfeld der Gender Studies ist Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt also ganz sicher interessant. Das hat auch Sigourney Weaver schnell erkannt. Über ihre Rolle sagte sie später: „Sie hat die Monster dank ihrer Intelligenz besiegt, das ist für eine Frau im Filmgeschäft eine sehr dankbare und äußerst seltene Rolle.“ Die Kritikerin Doris Kuhn formulierte es noch treffender: „Gespielt von Sigourney Weaver trägt Ripley den Film mit sich davon, ein wenig ironisch, voll Misstrauen, entscheidungsfähig unter Druck. Dabei ist sie noch längst nicht die harte Anführerin der kommenden Fortsetzungen. Tatsächlich weint sie und rennt weg; aber sie denkt beim Weinen nach – so hat sie überlebt, bis heute, als einzig ernst zu nehmende Frau im All.“
Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 1979 bewegte:
Drei Filmleute, die geboren sind
27. Januar 1979 – Rosamund Pike, Bondgirl aus James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag
04. April 1979 – Heath Ledger, der Joker aus The Dark Knight
19. April 1979 – Kate Hudson, Blondine aus Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen?
Drei Filmleute, die gestorben sind
12. Februar 1979 – Jean Renoir, französischer Regisseur von Die große Illusion
11. Juni 1979 – John Wayne, Westernheld aus Filmen wie Der schwarze Falke
08. September 1979 – Jean Seberg, die Amerikanerin aus Außer Atem
Die großen Festival- und Award-Sieger waren unter anderem
Oscar – Kramer gegen Kramer von Robert Benton (Bester Film, Bester Regisseur,…)
Goldene Palme – Apocalypse Now von Francis Ford Coppola
National Board of Review – Manhattan von Woody Allen
Die drei kommerziell erfolgreichsten Filme
Kramer gegen Kramer von Robert Benton
The Amityville Horror von Stuart Rosenberg
Rocky II von Sylvester Stallone
Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt
07. Januar 1979 – die vietnamesische Armee beendet die Herrschaft der Roten Khmer
28. März 1979 – partielle Kernschmelze im Kernkraftwerk bei Harrisburg, Pennsylvania
04. Mai 1979 – Margaret Thatcher wird britische Premierministerin
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über 1979 - Sigourney Weaver steht ihren Mann in Alien
chucky100 Mon, 06 Aug 2012 17:58:51 -0000
Kommentar löschen"Ich kann Ihnen nichts vormachen, was Ihre Chancen angeht. Aber: Sie haben mein Mitgefühl."
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horro Mon, 06 Aug 2012 08:21:06 -0000
Kommentar löschenEin guter Jahrgang! ... wie wärs mal mit der Krönung der zehn besten Filmjahre aus den letzten ... sagen wir 75, natürlich mit der jeweiligen Topten der Werke und Begründung ... das wär doch mal eine Competition
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Ines Walk Mon, 06 Aug 2012 10:11:28 -0000
Antwort löschenWir denken mal drüber nach, wird aber ne Weile bei einer möglichen Umsetzung dauern.
Mr. Pink Mon, 06 Aug 2012 12:06:06 -0000
Antwort löschenAh, "Ein guter Jahrgang!", da spricht der Connaisseur. :)
dAShEIKO Mon, 06 Aug 2012 08:09:12 -0000
Kommentar löschenKeine Frage, mit Ripley wurde eine neue Heldin gezeugt. Aber die Idee, die bis in ihre heutigen Rollen reicht, hat sich keinen Meter weiterentwicckelt. Und entweder spielt Weaver gerne ihren Stereotypen, bis sie umfällt oder die Filmemacher geben ihr nicht die Chance, auch mal etwas anderst als die mürrisch gebrochene Wissenschaftlerin mit ernst hochgezogenen Augenbrauen (Red Lights, Avatar, Copykill) zu sein.
Ripley ist Spitzenklasse. Aber wir wollen nach 30 Jahren auch mal was anderes sehen.
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ChristiansFoyer Mon, 06 Aug 2012 08:56:38 -0000
Antwort löschenGirl in the Park
Snow Cake
A Map of the World
Galaxy Quest
The Ice Storm
...
Ein bißchen mehr, als die "mürrisch gebrochene Wissenschaftlerin mit ernst hochgezogenen Augenbrauen" gab's da schon ;)
dAShEIKO Tue, 07 Aug 2012 09:30:34 -0000
Antwort löschenseit huindert jahren gabs schon keinen Ghostbusters mehr...
...und wirds auch nicht geben ;) ^^
Rukus Tue, 07 Aug 2012 11:16:16 -0000
Antwort löschenIch meinte damit eher, dass sie in den letzten 30 Jahren auch deutlich andere Rollen gespielt hat.
Markbln Mon, 06 Aug 2012 07:26:07 -0000
Kommentar löschenOh gott, Montag früh und "gender studies". Schnell weg...
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Weiterführendes zum Artikel ?
Katrin Doerksen hat es zum Filmwissenschaftsstudium nach Mainz verschlagen. Dort sitzt sie nun also und wenn sie nicht studiert, schreibt sie trotzdem über die Geschichte des Films, und zwar in der Rubrik Markante Momente bei moviepilot. Über Themenwünsche, Anregungen oder Kritik freut sie sich immer. Wer wissen will, womit sie sich nebenbei noch beschäftigt, folge ihr bei facebook oder auf ihrem Filmblog L’Age d’Or.






Weiterhin tolle Rubrik.:-)
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