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2006 - Black Dahlia und Hollywoods Todesfälle

13.05.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Black Dahlia
© Warner Bros. Pictures
Black Dahlia
Black Dahlia von Brian de Palma fiel beim Publikum und den Kritikern mehrheitlich durch. Aber er erinnerte an ein mysteriöses, dunkles Kapitel in der sonst so glanzvollen Geschichte Hollywoods.

Wenn Brian De Palma demnächst Passion mit Rachel McAdams und Noomi Rapace in die Kinos bringt, ist das nicht der erste Film, in dem er drastische Gewalt unter Frauen zum Thema macht. 2006 drehte er einen Film, der zugegebenermaßen brutal floppte und auch keine besonders guten Kritiken erntete. Dafür erinnerte er aber an ein Kapitel in der Geschichte Hollywoods, das die nervenzerreibensten Thriller wie Gute-Nacht-Geschichten wirken ließ.

Ein mysteriöser Todesfall
Black Dahlia mit Scarlett Johansson, Hilary Swank, Josh Hartnett und Aaron Eckhart in den Hauptrollen, basierte zwar lose auf dem gleichnamigen Roman von James Ellroy, hatte aber somit einen brutalen Mordfall zur Grundlage, der im Hollywood des Jahres 1947 für großen medialen Aufruhr sorgte und noch heute als ungeklärt gilt. Die Schwarze Dahlie war der Spitzname für eine schöne junge Frau namens Elisabeth Short, die am Abend des 09. Januar 1947 eine Hotellobby in Los Angeles verließ und wenige Tage später ermordet und schrecklich verstümmelt aufgefunden wurde.

Die Tatortfotos hielt die Polizei zurück, aber trotzdem sprach sich in Windeseile herum, dass die nackte Frau an der Hüfte zerteilt und ihre Mundwinkel als Glasgow-Smile bis zu den Wangenknochen aufgeschnitten worden war. Weniger klar waren hingegen Täter und Motiv. Um Die Schwarze Dahlie rankten sich sogleich Gerüchte und Legenden, und so kam es, dass sie bis heute als junges Hollywood-Starlet gilt, obwohl sie tatsächlich nicht einmal als Statistin je in einem Film aufgetaucht war. Einzig eine nicht nachgewiesene Affäre mit dem Regisseur Orson Welles bildete eine Verbindung von Elisabeth Short zum Film. Auch berühmte Namen wie Norman Chandler (der damalige Herausgeber der Los Angeles Times) oder der US-amerikanische Folksänger Woody Guthrie wurden wiederholt mit dem Mordfall in Verbindung gebracht.

Die Ironie des Schicksals
Dabei war Die Schwarze Dahlie nicht einmal der einzige legendäre Todesfall in der Traumfabrik Hollywoods. Die junge Peg Entwistle war in mehreren Broadway-Produktionen aufgetreten und hatte in dem Slasher-Krimi 13 Femmes von George Archainbaud mitgespielt. Danach hielt der Traum vom glamourösen Leben in L.A. nicht mehr das, was er versprochen hatte als Peg aus New York in Richtung Westen aufgebrochen war. Der erhoffte Erfolg stellte sich nicht ein, und so begab sie sich am Abend des 16. September 1932 zum berühmten Schriftzug in den Hügeln über Los Angeles, der damals noch das Wort „HOLLYWOODLANDS“ verkündete.

Eine wegen Bauarbeiten dort befindliche Leiter half ihr beim Aufstieg, und schließlich sprang Peg Entwistle vom Buchstaben H aus in den Tod, stürzte den Hang herunter und wurde zwei Tage später tot aufgefunden. Tragischerweise kurz bevor ein Brief sie erreichen sollte, in dem der gescheiterten Schauspielerin eine Hauptrolle angeboten wurde. Ihre Filmfigur sollte am Ende des Streifens Suizid begehen. Das nennt sich dann wohl Ironie des Schicksals.

Wie im Film
In der Geschichte Hollywoods gab es noch eine ganze Reihe anderer mysteriöser Todesfälle: ob Natalie Wood (… denn sie wissen nicht, was sie tun), die unter ungeklärten Umständen von einer Yacht stürzte, Bob Crane (Ein Käfig voller Helden), den sein Freund John Henry Carpenter mit einem Kamerastativ erschlagen haben könnte, oder Verschwörungstheorien um den Mord von George Reeves, die ebenfalls 2006 in einem Film namens Die Hollywood-Verschwörung mit Ben Affleck in der Rolle des Superman-Darstellers aufgearbeitet wurde. Todesfälle inmitten des Glanzes von Hollywood üben auf das sensationsgierige Publikum in aller Welt eine besonders morbide Faszination aus.

Bliebe natürlich noch die Frage, wieso Black Dahlia bei diesen Voraussetzungen floppte? Der Plot erzähle zu viele Geschichten auf einmal, hieß es, das Drehbuch sei ideenlos, die Figuren stereotyp. Die Gewalt nehme sinnloserweise unnötige Ausmaße an und Brian De Palma schwelge im Kitsch ohne neue Akzente zu setzen. Naja, manchmal ist die Realität eben einfach filmreifer als ein Film.

Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 2006 bewegte:

Sechs Filmleute, die gestorben sind
07. März 2006 – Gordon Parks, Regisseur von Shaft
09. April 2006 – Vilgot Sjöman, Regisseur von Schlafwagenabteil
20. Oktober 2006 – Jane Wyatt, Sondra aus In den Fesseln von Shangri-La
10. November 2006 – Jack Palance, Prokosch aus Die Verachtung
20. November 2006 – Robert Altman, Regisseur von Nashville
12. Dezember 2006 – Peter Boyle, Taxifahrer Wizard aus Taxi Driver

Die großen Festival- und Award-Sieger waren unter anderem
Oscars – L.A. Crash von Paul Haggis (Bester Film)
Goldene Palme – The Wind That Shakes the Barley von Ken Loach
Golden Globes – Brokeback Mountain von Ang Lee (Bestes Drama, Regisseur)

Die drei kommerziell erfolgreichsten Filme
Ice Age 2 – Jetzt taut’s von Carlos Saldanha
Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 von Gore Verbinski
The Da Vinci Code – Sakrileg von Ron Howard

Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt
09. Juni 2006 – In Berlin findet das Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft statt, die im Nachhinein nur noch Sommermärchen betitelt wird
12. Juli 2006 – 08. September 2006 – der Libanonkrieg tötet mehr als 1500 Menschen
23. August 2006 – Natascha Kampusch flüchtet aus dem Haus von Wolfgang Priklopil

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