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Triefende Koksnasen in einer Scheinwelt

annaberlin (Anna Sita Zinn), Veröffentlicht am 31.07.2008, 07:07

Frankreichs Feldzug gegen die Werbung nach dem Roman von Frédéric Beigbeder.

39,90 39,90 © Alamode Film

Plakativ inszeniert der gebürtige Niederländer Jan Kounen den französischen Bestseller von Frédéric Beigbeder Yankee Zulu, der zusammen mit Michel Houellebecq vor ein paar Jahren den Soziologen Stoff für neue Essays zum moralischen Verfall der Konsumgesellschaft lieferte. Der den Franzosen aus der Fernsehserie OSS 117 bekannte Jean Dujardin spielt den kokainsüchtigen, oberflächlichen, den Nutten und dem Konsum verfallenen Star der Werbebranche, in der das Leben mehr Schein als Sein ist. Die Klammer des Films, der mit Anspielungen auf die reale Werbewelt gespickt ist (man denke an eine “Madone”-Joghurtwerbung), liefern die Ich-Erzählung des Hauptdarstellers und die wehmütigen Reminiszenzen an dessen Verflossene – die “gute” Konstante in dieser gemeinschaftsfeindlichen Welt.

Yankee Zulu startet in den deutschen Kinos heute, nachdem er unter seinem Originaltitel 99 Francs in Frankreich bereits ab September 2007 lief und über 1 Mio. Franzosen vor die Leinwand lockte. Der Roman kostet zwar heute weder 99 Francs, noch 39,90 DM, sondern 9,90 Euro im Taschenbuchformat, tut aber der Tatsache keinen Abbruch, dass in ihm alles käuflich ist. Dafür verantwortlich ist ein Werbetexter namens Octave Parango, der zu Anfang des Films gleich mal einen Sprung vom Dach seines Arbeitgebers wagt. In Rückblenden wird dann gezeigt, wie Octave zu diesem unsympathischen und nicht minder unglücklichen Egomanen verkommen konnte. Das Ganze wird das deutsche Publikum wohl an Free Rainer erinnern, in dem Moritz Bleibtreu als fanatische Koksnase durch Berlin rast. Auch die Handlungsentwicklung weist Parallelen auf, denn so wie Rainer bei Hans Weingartner bricht auch Octave mit seinem Ekel-Ego und macht sich zu einem Feldzug gegen die gesamte Werbeindustrie auf. Ob er diesen gewinnen kann, könnt ihr ab heute herausfinden. Der Blick ins Kinoprogramm lohnt!


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Kommentare

über Triefende Koksnasen in einer Scheinwelt


Ines Walk

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Ja, geht mir auch so: Kann mit den Dingen nichts mehr anfangen, obwohl Chuck Palahniuk und Bret Easton Ellis wieder gute, neue Bücher geschrieben haben. Aber die Filme interessieren mich so gar nicht. Gerade auch, weil sie von dem, was sie kritisieren wollen, selbst fasziniert sind.

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Jonni

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Kommt der Film nicht 10 Jahre zu spät? Palahaniuk, Bret Easton Ellis oder halt Beigbeder sind toll, aber sie gehören alle ins Jahr 1999.

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