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7 Fragen an BigDi

Kängufant (Andreas Gerold), Veröffentlicht am 13.12.2012, 08:50

Ihr dachtet, ihr wärt sicher. Ihr dachtet, es wär vorbei… Denkste! Die 7 Fragen sind wieder da. Um 2013 einzuläuten, haben wir uns BigDi zur Brust genommen und eine Liebeserklärung an genüssliche Qual und den Beweis, dass Twihards ironiefähig sind, aus ihm rausgequetscht.

Don't ever write a check with your mouth you can't cash with your ass Don't ever write a check with your mouth you can't cash with your ass © moviepilot

Mit ein bisschen Verspätung starten auch die 7 Fragen in ein neues Jahr voller cineastischer Qualen und Lichtmomente, gut gemeinter Absichten und hoffnungsloser Fehlschläge. Schlendert auch 2013 mit uns durch unser Kabinett ergötzlicher Anekdoten und schockierender Geständnisse, tiefsinniger Gedanken und vernichtender Bonmots. Die 7 Fragen leben, SIE LEBEN! Muhahahahaa! Aber damit das auch so bleibt, brauchen wir eure Hilfe: Wenn ihr Lust habt, selbst einmal Frage und Antwort zu stehen, dann schreibt einfach eine kurze Nachricht an Kängufant, und schon könnt ihr eure 7 Fragen auswählen und nach Herzenslust beantworten. Genug der Werbung. BigDi? Electrify the boys and girls!

Welcher Film, welche Serie hat dein Leben verändert? Was war danach nie wieder so wie vorher?

Wenn das auf einen Film zutrifft, dann auf Enter the Void. Ließ mich damals von einem guten Freund 100 km nach Köln fahren, um den im Kino sehen zu können. Nach zweieinhalb Stunden genussvollster Qual und der schlussendlichen Erlösung trat ich nach draußen und war unendlich glücklich, mit den Beinen auf dem Boden stehen zu können. Dann hatte ich das Gefühl, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Nur heftige Vollnarkose-Nachwirkungen bieten psychedelischere Bilder als dieses. Und dass die Bilder so alltäglich sind, macht nicht nur sie, sondern auch den Alltag faszinierender. Immer wieder ertappe ich mich, wie ich irgendetwas visuell Faszinierendes in meiner Umwelt anschaue und an diesen Film denke. Das Leben als Kunstform, quasi.

Welchem Schauspieler oder Regisseur würdest du jeden Fehltritt verzeihen? Und womit hat er oder sie diese Nachsicht verdient?

Da gäbe es so einige, beispielsweise Chan-wook Park, Quentin Tarantino, Zack Snyder, Gaspar Noé, Rainer Werner Fassbinder … aber ich stelle mal den guten Lars von Trier in den Raum. Dieser Mann verdient in meinen Augen jeglichen Respekt, den es auf dieser Welt für einen Filmemacher geben kann. Mal ganz abgesehen von seinem Antichrist, dem vielleicht bösesten Film aller Zeiten, ist sein Werk unglaublich abwechslungsreich und vielschichtig und dabei immer reflektionswürdig – auch was die eigene Empfindung betrifft. Kaum ein anderer Regisseur kann seinem Zuschauer (ergo mir) so gut den Spiegel vorhalten. Und diese beinahe überirdische Akzeptanz am Ende von Melancholia … aber ich schwärme wieder nur.

Was ist das schönste, bzw. was ist das schlimmste Erlebnis, das du jemals in einem Kino hattest?

Die krasseste Kinoerfahrung war sicherlich Enter the Void, wie bereits erwähnt. Aber an dieser Stelle rede ich liebee vom Twilight-Marathon zur Vorpremiere von Twilight 4: Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht – Teil 2. Meine Freundin schlug vor, aus Spaß an dem Event teilzunehmen und die einzigartige Gelegenheit lockte mich zu sehr :D Letzten Endes müssten 90 Prozent der Zuschauerinnen (mit wenigen männlichen Ausnahmen) mit der gleichen Spaßeinstellung da gewesen zu sein, denn es wurde immer herrlichst gelacht und gejubelt, als wäre es das größte Partyevent überhaupt (was es allerdings auch war). Zudem waren die Filme im Gesamtpack wirklich ganz schön und der letzte Teil konnte mich in einer großartigen Szene tatsächlich so stark mitreißen, dass ich zu atmen vergaß. Ein definitiv ungewöhnliches Kinoerlebnis, was ich nicht missen möchte.

Herr Verteidiger, Sie haben das Wort: Welcher Film, welche Serie hat, deiner Meinung nach, eine viel zu schlechte Bewertung auf moviepilot?

Natürlich Snyders genialer Sucker Punch! Ein unfassbar unterschätzter Film, bei dem viele scheinbar gar nicht begriffen haben, dass die Actionszenen zur Story gehören und sie nicht etwa um der Action willen unterbrechen. Der Film ist unglaublich voll von Codierung, Manipulation, Klischees und derer Hinterfragung bzw. Bekämpfung – und die zwei Begriffe von Freiheit, die am Schluss für die zwei Hauptfiguren gezeigt werden, berühren mich mit jeder Sichtung mehr. Wenn man sich auf das konzentriert, was der Film erzählt, anstatt nur auf das, was er zeigt, öffnen sich Abgründe, wie man es in einem bunten Blockbuster niemals erwartet hätte. Ein wahrer "Sucker Punch“ eben und für mich einer der besten, mutigsten, kräftigsten Filme aller Zeiten. Natürlich nur im Extended Cut (wenngleich auch dieser nicht ganz Snyders Vision entspricht).

Welches Filmzitat wolltest du schon immer mal anwenden, hattest aber noch nie die Gelegenheit dazu?

Wahrscheinlich Dr. Manhattans “We are all puppets. I am just a puppet who can see the strings.“ Deterministisch-wissender, ergo entspannter, kann ein Zitat kaum sein und irgendwo sehne ich mich nach einem solchen Gemütszustand. Wenngleich das auch gerne seine Dekaden warten darf – irgendwo braucht der Mensch auch seinen Alltagsstress und seine Sorgen. ;) Ansonsten ist der schönste (im buchstäblichen Sinne) Filmsatz auf einer Postkarte in Possession von Andrzej Zulawski zu finden: ”I’ve seen half of god’s face here. The other half is you.“ Sollte ich jemals eine Erfahrung machen, die zum ersten Satz passt, werde ich es sicherlich anwenden.

Wenn du einen Tag in einem Film leben könntest, welcher würde es sein und welche Figur wärst du?

Am einladendsten von allen Filmwelten fand ich bislang Das wandelnde Schloss von Hayao Miyazaki. Irgendwie hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, diese wunderbare und skurrile Welt jederzeit betreten zu können, weil sie trotz des Zeichentrickformats so unheimlich lebendig und greifbar schien und von unheimlich faszinierenden, obgleich nicht immer leicht zu durchschaubaren Figuren und Wesen bevökert war. Grundsätzlich finde ich Anime-Welten sehr einladend, aber diese war dabei ganz besonders – und ich würde auch gerne als Putzhilfe in dem Schloss auftreten, hätte ich die Möglichkeit, ihm einmal beiwohnen zu dürfen. ;)

Guilty Pleasure – welchen ‘schrecklichen’ Film findest du insgeheim toll? Beichte, Sünder! Und vielleicht kannst du uns überzeugen…

Wächter der Nacht und Wächter des Tages! Diese Film sind unfassbarer Fantasy-Neo-Trash und sich dessen stets bewusst – und gerade deswegen so unterhaltsam. Ich meine, der Oberbösewicht zockt mitten im Film auf seiner PlayStation die Schlussszene des Films – wie kann man das nicht genial finden?! Mit Scheren bewaffneten Frisörvampiren werden die Zähne ausgetreten, Weihnachtsdekokugeln zerfetzen ein ganzes Gebäude, und ein Labyrinth wird durchquert, indem man mit Pferden durch die Wände reitet. Dazu ein absolutes Arschloch von einem Protagonisten, übertriebene Effekte an jeder Ecke und zwei perfekte Enden: Ein extrem kaltschnäuziges im ersten, und ein wunderbar versöhnliches im zweiten Teil. I am so amused.


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