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7 Fragen an Grimalkin

We're not your classic heroes. We're the other guys.
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We're not your classic heroes. We're the other guys.

Die Reise, auf die uns Grimalkin heute mitnimmt, beginnt im Wald, führt uns vorbei an den Vulkanen Islands, durch Südkorea, und endet in der Kneipe an der Ecke. Wenn ihr auch schon einmal in Reykjavík vom Zauber eines Films übermannt wurdet, euch ein Bier mit einem Regisseur wichtiger wäre als seine Unterschrift auf einem Stück Papier (oder einem Körperteil), oder ein Film genau darstellt, wie euer Leben in einer perfekten Welt sein sollte – dann schreibt uns, wir wollen davon hören! Eine kleine Nachricht an den Kängufanten genügt schon und der Fragenkatalog für unsere 7 Fragen ist unterwegs!

Was ist deine erste Erinnerung an Film, Kino oder Fernsehen? Womit fing alles an?

Ich muss etwa im Kindergartenalter gewesen sein, als ich im Fernsehen eine wirklich tolle, aber auch unerwartet ernste Serie mit dem Namen Als die Tiere den Wald verließen sah. Es war ein spannendes Abenteuer über den ewigen Konflikt zwischen Mensch und Natur. Passend dazu hatte ich sogar ein Stickeralbum, in das ich die verschiedenen Tiere klebte. Leider habe ich nicht mehr alle Aspekte der Handlung klar vor Augen, aber es gibt einige wirklich traurige Momente, die ich nicht spoilern möchte. Für einen so jungen Menschen wie mich war es auf jeden Fall eine sehr emotionale Erfahrung. Etwas konkreter sind allerdings meine Erinnerungen an meine ersten Filme auf Videokassette: Das Dschungelbuch, Der König der Löwen und In einem Land vor unserer Zeit. Ich war schon ziemlich stolz auf den Besitz dieser fabelhaften Zeichentrickfilme, obwohl sich meine tatsächliche Passion für das Medium erst Jahre später entwickeln sollte. Nichtsdestotrotz war auch mein erster Kinobesuch etwas ganz besonderes. Dieser dunkle Saal mit all den Stühlen und diese gigantische Leinwand: Überhaupt kein Vergleich zum heimischen Röhrenfernseher. Pocahontas war der erste Kinofilm, den ich im zarten Alter von sechs Jahren mit meinen Eltern erleben durfte.

Welchem Schauspieler oder Regisseur würdest du jeden Fehltritt verzeihen? Und womit hat er oder sie diese Nachsicht verdient?

Wenn es einen Regisseur gibt, dem ich alles verzeihen würde, dann wäre das wohl Chan-wook Park, der für mich unter anderem mit Oldboy und Lady Vengeance nichts geringeres als cineastische Meisterwerke abgeliefert hat. Bisher war ich von keinem seiner Filme ernsthaft enttäuscht und werde es wohl auch so schnell nicht sein, weil sein unvergleichlicher Regiestil, der sich in der gesamten Ästhetik seines Schaffens ausdrückt, einfach jeden dramaturgischen Fehler problemlos ausbügelt. Zwar erkenne selbst ich, der begeisterte Fanboy, dass seine Filme gewiss nicht makellos sind, aber die visuelle Kraft seiner Bilder, deren Elemente so gekonnt und präzise aufeinander abgestimmt sind, erinnert mich stets aufs Neue daran, warum ich die Kunstform Film so abgöttisch liebe.

Was ist das schönste, bzw. was ist das schlimmste Erlebnis, das du jemals in einem Kino hattest?

Meinen schönsten Kinobesuch werde ich wohl nie vergessen, denn etwas derart Außergewöhnliches erlebe ich kaum ein zweites Mal. Es war ein bewölkter Oktoberabend im Jahr 2010. Ich studierte zu der Zeit für einige Monate auf Europas schönster Vulkaninsel, Island, und dachte mir, man könne ja mal einen Film im Kino anschauen. Da die meisten meiner Kommilitonen allerdings irgendetwas Besseres zu tun hatten oder sich nicht an den fast dreistündigen Film, den ich mir ausgesucht hatte, wagen wollten, stapften wir eben zu zweit los: Ein mindestens ebenso filmbegeisterter Franzose begleitete mich durch den kühlen Wind Reykjavíks in das neueste Werk eines seiner Landsmänner. Als wir am Kino ankamen, trauten wir unseren Augen kaum. In der Lobby fand eines dieser verrückten Gratiskonzerte statt, denen wir in dieser Woche noch mehrfach an den unwahrscheinlichsten Orten begegnen sollten (unter anderem im Friseursalon). Die isländische Band FM Belfast sorgte mit ihren Melodien für richtige Partystimmung in der Eingangshalle. Da die Kassen unbesetzt waren, weil auch sämtliche Mitarbeiter des Kinos sich die Musik nicht entgehen lassen wollten, warteten wir bis zum Ende des Konzerts. Danach leerte sich das Kino schlagartig nahezu vollständig, als gäbe es nicht einen Grund, länger an diesem Ort zu verweilen. Wir erwischten noch eine abwesend wirkende Kassiererin, die uns zwei Karten verkaufte, bevor sie irgendwo im Gebäude verschwand.

Was nun folgte, waren eigenartige fünf Minuten bis zum Filmstart, in denen das gesamte Kino wie ausgestorben war. Keine Menschensseele im Eingangsbereich, auf den Fluren und Treppen und in den Sälen. Jemand, der die Karte einreißt und uns zum entsprechenden Saal weist? Fehlanzeige. Vielleicht noch vorher irgendwelche Snacks kaufen? Vergiss es. Als befände sich das Kino jetzt in einer ganz eigenen, menschenleeren Zwischenwelt. Nicht einmal so unpassend, sollte ich schließlich in Kürze den besten cinematischen Trip erleben, der mir je auf einer Leinwand präsentiert wurde. Ein wenig verwundert betraten wir den finsteren Kinosaal, setzten uns und warteten gespannt auf den Film, dem keine Werbung, keine Trailer und kein nerviger Eisverkäufer vorausging – Filmerlebnis auf seine Essenz reduziert. Dann plötzlich diese bunten Farben, ein hämmernder Soundtrack und am Ende des Vorspanns war ich mir bereits sicher, gleich etwas Großartiges zu erleben, als vor mir in leuchtenden Lettern der Filmtitel auftauchte: Enter the Void

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