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7 Fragen an Kasparle

Kängufant (Andreas Gerold), Veröffentlicht am 16.09.2012, 08:50

Heute erklärt Kasparle, warum die Blues Brothers prägender waren als Disney, dass man den 8 Mile-Soundtrack und das Dschungelbuch hören kann, und welches Lieblingszitat endlich, dank einer Kiste Hansa im Westpark, an den Mann gebracht werden konnte. Hereinspaziert, die neuen 7 Fragen sind da!

Den nehm ich... haben Sie den auch in blond? Den nehm ich... haben Sie den auch in blond? © moviepilot

Das Wochenende ist fast rum, aber einen haben wir noch! Bei moviepilot vergeht kein Sonntag ohne die 7 Fragen. Dieses Mal haben wir Kasparle damit malträtiert. Leg los!

Was ist deine erste Erinnerung an Film, Kino oder Fernsehen? Womit fing alles an?

Es fing alles an mit Die Sendung mit der Maus und Löwenzahn. Das waren so meine ersten TV-Erfahrungen. Und irgendwann war ich dann mit meiner Mama im Kino, in irgendeinem, für mich zu gruseligen Disney-Film und hab Rotz und Wasser geheult… Vielleicht kommt daher meine Skepsis wenn es um Horrorfilme geht. Abgesehen von diesen allerersten Erinnerungen fällt mir noch Blues Brothers ein, den ich, da es Papas Lieblingsfilm war, gefühlte hundert mal gesehen habe. Mittlerweile kann ich ihn zwar auswending, guck ihn mir aber immer noch gerne an und würde die Musik als Soundtrack meiner Kindheit bezeichnen.

Gibt es ein Buch, eine Serie, die du abgöttisch liebst – und deren Verfilmung dich maßlos enttäuscht hat? Was hätte besser gemacht werden müssen?

Der erste Film, der mir hier in den Kopf schießt, ist ziemlich aktuell. Es handelt sich um Rum Diary, der auf dem gleichnamigen Buch von Hunter S. Thompson basiert. Ich war eigentlich guter Dinge, da Johnny Depp dem echten und verstorbenen Autor und Erfinder des Gonzo Journalismus sehr nahe stand und ihn in Fear and Loathing in Las Vegas auch verdammt gut verkörpert, aber Rum Diary ist ein riesiger Reinfall. Die depresseive, schwüle und eintönige Atmosphäre des Buches wird nicht im Geringsten auf den Film übertragen. Das ganze entfernt sich sehr weit vom Buch und viele gute Charaktere der Romanvorlage tauchen gar nicht erst auf. Schade. Als Serienverfilmung fällt mir grad Avatar – Der Herr der Elemente ein. Wärend ich die charmante Jugendserie echt gerne geguckt hab, wurde mir der Film schon nach 10-15 Minuten zu unerträglich und ich hab ihn ausgemacht. Ein unfassbar schlechter Cast. UNFASSBAR SCHLECHT! Mich beschleicht das Gefühl, dass, wie so oft, der bekannte Name der Serie als Eyecatcher missbraucht wurde, um dann irgendeinen Quatsch an den Mann zu bringen. Zu guter Letzt noch eine “Kleinigkeit” die mich immer wieder einholt. Und zwar immer dann, wenn ich Herr der Ringe gucke. Die Uncut-Version hat schonmal Einiges wieder gut gemacht und eingefügt, was mir damals im Kino fehlte, obwohl ich die Filme schon damals für eine gelungene Buchverfilmung hielt. Aber was mich eben immer wieder ärgert, ist, dass der überragende Tom Bombadil zu keinem Zeitpunkt im Film vorkommt. Ist halt mein Lieblingscharakter des Buches und hätte Peter Jackson den noch eingebracht, dann hätte ich nichts, aber auch gar nichts an LotR auszusetzen.

Remakes und Relaunches sind in der Regel ziemlich nervig – aber welcher Film oder welche Reihe hätte deiner Meinung nach einen Neustart verdient?

Eine ganze Reihe von Jules Verne-Romanen sollte meiner Meinung nach mal neu aufgesetzt werden. Es gibt ja zu fast jedem seiner bekannten Bücher mindestens eine Verfilmung, meist sogar mehrere aus verschiedenen Jahrzenten. Aber in Anbetracht der technischen Mittel, würde ich echt gerne eine Neuverfilmung von 20.000 Meilen unter dem Meer sehen. Hab auch grade gelesen das eine neue Version von Ridley Scott in den Startlöchern steht, aber ich würde als Regisseur am liebsten Terry Gilliam sehen. Für micht ein Meister, wenn es um das Erzählen von phantastischen Geschichten geht. Das Ganze würde dann wahrscheinlich nicht zu stark in modernes Popcorn-Kino abdriften und einen gewissen Charme behalten. Also Terry, wenn du das liest, dann mach mal!

Welchem Schauspieler oder Regisseur würdest du jeden Fehltritt verzeihen? Und womit hat er oder sie diese Nachsicht verdient?

Meinem lebendem Lieblingsregisseur natürlich. Darren Aronofsky hat sich in meinen Augen noch keinen Fehltritt geleistet und selbst wenn, würde ich ihm den verzeihen. Dafür, dass ich ihm mal einen schlechten Film übel nehmen würde, hat er einfach zu viele dieser überragenden, düsteren und unfassbar intensiven Dramen gemacht, für die ich ihn so liebe. Die Art und Weise, mit der er die Psyche seiner Protagonisten aufbröselt und für den Zuschauer fassbar macht, ist einzigartig und wenn, dann höchstens noch mit einem Alejandro González Iñárritu zu vergleichen. Der ist übrigens auch grandios. Bei der Zunft der Schauspieler wirds schon mehr. Anfangen kann man mal mit Javier Bardem, der in jeder seiner bekannten Rollen brilliert und auch bei der Wahl der Filme, in denen er mitspielt, ein gutes Händchen hat. Wenn der mal nen Scheissfilm macht, dann könnte ich das in Anbetracht seiner bisherigen Leistungen einfach mal übergehen. Ausserdem natürlich Robert De Niro, Al Pacino, Jack Nicholson und Quentin Tarantino (als Schauspieler und Regisseur). Am härtesten wurde meine Bereitschaft, schlechte Filme zu vergeben, übrigens von Samuel L. Jackson ausgereizt, den ich abfeier für Pulp Fiction oder seine Stimme in Afro Samurai: Resurrection, welchen er übrigens auch produziert hat, aber der sich eigentlich mehr Fehltritte als gute Filme leistet. Ich mag ihn trotzdem!

Wenn deinem Leben ein Soundtrack gegeben werden müsste, welchen würdest du wählen?
Und warum?

Verdammt fiese Frage! Ich guck gerne Filme und sammel auch nen bisschen DVDs, aber noch viel lieber höre, spiele und sammele ich Schallplatten. Also werd ich mich hier auf keinen Fall auf einen Soundtrack festlegen. Wie bereits erwähnt, waren die Blues Brothers der Soundtrack meiner Kindheit, dem dann so Genre und Interesse mäßig wohl der Soundtrack zu 8 Mile folgt. Sozusagen Soundtrack meiner Pubertät. Mittlerweile ist das aber alles nicht mehr so einfach. Für die guten Tage würd ich wohl den englischsprachigen Soundtrack von Das Dschungelbuch wählen, an schlechten Tagen die herzzerreißenden Soulballaden aus Cadillac Records, in dem Beyoncé Knowles die leider verstorbene Etta James covert. Auch der Soundtrack von Beats, Rhymes & Life: The Travels Of A Tribe Called Quest dreht sich bei mir des Öfteren auf dem Plattenteller. Super Doku, übrigens.

Welches Filmzitat wolltest du schon immer mal anwenden, hattest aber noch nie die Gelegenheit dazu?

Da gibts nen Haufen. Fangen wir mal mit einem an, das ich schon ewig benutzen wollte und diesen Sommer auch endlich geschafft hab. “Wir haben keine Termine, wir brauchen auch keine, wir sind die Könige vom Westpark.” aus DoppelPack. Diesen Sommer saß ich dann endlich mal mit dem Kollegen, mit dem ich den Film geguckt hab, auf ner Kiste Hansa in besagtem Westpark und wir hatten echt keine Termine. Schön den Spruch rausgehauen, Bier gezischt und die Sonne genossen. Königlich! Was ich auch schon immer mal sagen wollte, aber eigentlich lieber nie nen Grund dazu haben will, ist: “WAS HAT DER TYP MEINE OLLE ZU FICKEN?!?”. Kommt von niemand geringerem als Kalle Gabrowski und ist Ruhrpottkultzitat nummer eins! Aber wie gesagt, hoffentlich hab ich nie nen Grund dazu. Zu guter Letzt würde ich gerne mal zu irgendnem portugiesischen Tourist “Du bist doch kein Portugiese!” sagen. In bester Hunter S. Thompson -Betonung!

Bibbedi-bobbedi-buh: Du bist jetzt König von Hollywood! Was würdest du als erstes
ändern?

Gar nicht mal so viel. Hollywood macht ja für sein Zielpublikum zufriedenstellendes Kino. Ich würde nur eine Regel einführen: Ein gewisser Anteil des Gesamtbudgets muss ins Drehbuch investiert werden! Denn selbst einem auf Action ausgelegten Film tut eine etwas unvorhersehbare Story gut.


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Kommentare

über 7 Fragen an Kasparle


Bella9107

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Vor allem die letzte Antwort gefällt mir sehr gut.
Bei vielen Filmen scheint das Drehbuch leider an unterster Stelle zu stehen.

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Le Samourai

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Nice! Beats Rhymes & Life!
(Über Aronofsky sehe ich jetzt einfach mal hinweg) ;)

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Le Samourai

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Jep, hab den kommentiert! Gefunden? Also mit der Thematik an sich hat das natürlich nichts zu tun. Aber Black Swan ist ganz schrecklich oberflächliches, zusammengeklautes, aufgeblasenes Nichts. Tiefes psychologisches Profil? :D Mitnichten.
Schau die mal Possession, Repulsion und The Red Shoes an. Black Swan ist ein Hollywood-Mischmasch aus diesen dreien.


jacker

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Okay, jetzt habe ich ihn gelesen..
Nach deinen Statements hier habe ich vermutet du hast weit unter 5 bewertet, also alles gut :D

'tiefes' Psychoprofil ist vielleicht übertrieben, da gebe ich dir recht, aber (und das sage ich als Aronofsky Fan) seine anderen Filme gehen nicht wirklich tiefer, sondern leben auch zu gleichen Teilen von Atmosphäre. Sie behandeln eigentlich immer Protagonisten bei denen irgendwelche Weichen falsch gestellt sind und deren, daraus resultierendes Handeln. In "Swan" der verzweifelte Kampf um Anerkennung und Perfektion, in "Requiem" Sucht, in "Pi" Besessenheit, aber gehen die richtig tief? Die visuelle Komponente macht bei Aronofsky einfach zu viel aus, das war selbst in "Pi" schon so, daher weiß ich nicht ob man das mit frühen Polanskis etc. vergleichen kann. 'Style-over-Substance' ist bei ihm noch nicht gegeben, aber 'Style' ist wichtig und nicht wegzudenken!

Die drei Filme auf die du dich in deinem Plagiatsvorwurf beziehst kenne ich nicht, insofern kann ich das nicht beurteilen, ABER sowas ist auch immer mit Vorsicht zu genießen. Bei Filmen die man mag und denen man nichts vorwerfen will wird das 'geklaut von' nämlich plötzlich zu 'inspiriert durch' ;)
Aber wie gesagt, den Grad der Offensichtlichkeit kann ich nicht einschätzen!


jacker

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Aronofsky, Gilliam, Inaritu...
Ich bin gespannt gleich auf dein Profil zu gehen und den Geschmack zu vergleichen :)
Gemessen an den Antworten würde mich weniger als 80% wundern!

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Filmkenner77

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Sehr schön.

Zu "20.000 Meilen unter dem Meer". Kann es jemals eine bessere geben als die von 1954? Ich denke, der Charme dieser Verfilmung kann durch technischen Overkill nicht kompensiert werden. Nur wenn man den Geist des Romans wiederentdeckt, kann dies gelingen. Alle, ausnahmslos alle Verne-Verfilmungen der letzten 40 Jahre sind auf die eine oder andere Weise gescheitert.

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