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ACTA lebt in Spanien weiter

guggenheim (Nils Pape), Veröffentlicht am 14.07.2012, 08:50

Die Zeit vergeht, der Ärger bleibt. Auch diese Woche gab es reichlich Anlass, um aus der Haut zu fahren. Vor allen Dingen ein Thema lässt viele Menschen nicht zur Ruhe kommen.

Andere Länder, andere Abkommen Andere Länder, andere Abkommen © moviepilot

Es ist noch gar nicht so lange her, da war eine Raubkopie der qualitativ minderwertige Mitschnitt aus dem Radio. Keiner störte sich daran, wenn der Kassettenrekorder gegen den Lautsprecher gehalten wurde. Auch das Aufnehmen eines Films auf VHS war vollkommen in Ordnung, sofern nicht Dutzende Kopien gemacht und verkauft wurden. Da ein solcher Aufwand heutzutage aber gar nicht mehr notwendig ist und sich eine ganze Industrie am geistigen Eigentum anderer bereichert, müssen neue Richtlinien her. Dabei schießt manch einer jedoch gewaltig über das Ziel hinaus.

Im Aufreger der Woche wird das illegale Downloaden thematisiert, gegen das Spanien mit aller Härte vorgeht.

ACTA nicht das Ende
Aufatmen war vor nicht langer Zeit angesagt, denn das umstrittene Anti-Counterfeiting Trade Agreement, kurz ACTA, wurde zumindest vorläufig vom Tisch gefegt (will sich als CETA jedoch von hinten einschleichen). Um den Schutz von Urheberrechten zu gewährleisten, sollte die Vereinbarung am öffentlichen Diskurs vorbei beschlossen werden. Schon das demokratischen Grundsätzen widersprechende Verhalten wäre ein Anlass zum Aufschrei gewesen, noch schwerer wog allerdings der Inhalt des Abkommens. Die mehr als schwammige Formulierung hätte Rechtsverletzungen noch und nöcher nach sich gezogen. Von Datenüberwachung bis hin zur von Regeln entbundenen Internetpolizei wäre alles drin gewesen. Proteste brachten diesen Unfug letztlich zum Scheitern. Ende gut, alles gut. Oder etwa doch nicht? Dass weiterhin mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, zeigte sich erst vor kurzem wieder.

In Spanien wird gesperrt
In Spanien ist es der Unterhaltungsindustrie gelungen, unliebsame Internetseiten, so klein sie auch sein mögen, abzuschießen. Dienlich ist ihnen dabei ein erst am 1. März verabschiedetes Anti-Piraterie-Gesetz, das nach der ehemaligen Kulturministerin Ángeles Gonzáles-Sinde benannte “Ley Sinde”. Getroffen hat es Vagos.es, eine Seite, auf der sich die Nutzer über Gott und die Welt austauschen können. Natürlich wurden auch dann und wann Links gepostet, die zu Rapidshare oder Megaupload weiterleiteten. Für die “Kommission des geistigen Eigentums” (ein Name, den sich George Orwell nicht besser hätte ausdenken können) Grund genug, die Seite sperren zu lassen. Das “Ley Sinde” sieht nämlich vor, dass dieser Rat der ach so Weisen entscheiden darf, ob eine Website als Vermittler der Verbreitung illegaler Downloads gilt. Angeschwärzt werden die “Täter-Plattformen” natürlich von der Unterhaltungsindustrie. Gnädigerweise wurde Vagos.es noch die Möglichkeit eingeräumt, sämtliche Posts mit nicht zulässigen Links zu löschen. Bei über fünf Millionen Usern und unzähligen Beiträgen war dies jedoch unmöglich.

Ein Plan für China
Spanien ist nicht Deutschland, aber wenn in einem europäischen Land solche Gesetze durchkommen, dann ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch hier der Wahnsinn Einzug hält. Dass es auch anders geht, hat die Filmbranche der USA gezeigt. Nur war deren Sinneswandel purer Pragmatismus und nicht etwa Einsicht. Um in China, einem Mekka der Filmpiraterie, doch noch den ein oder anderen Dollar zu verdienen, haben die großen Hollywood-Studios mit den chinesischen Video-Portalen Lizenzabkommen unterzeichnet. Gegen eine bestimmte, von den Portalen entrichtete Gebühr können sich die Bewohner der Volksrepublik ganz legal Tausende Filme und Serien angucken – aktuelle, wohlgemerkt. Um sich die neuesten Blockbuster ansehen zu können, muss der User nur läppische 62 Cent berappen. Zusätzlich wird auch noch über Werbung Gewinn generiert.

Was in China aus der Not heraus vorangetrieben wird, steckt im demokratischen Westen noch in den Kinderschuhen. Anstatt attraktive Angebote zu entwickeln, die illegales Downloaden überflüssig machen würden, wird lieber die Gesetzes-Keule ausgepackt und draufgekloppt. Fraglos sollen diejenigen, die ihr Geld mit Filmen oder ähnlichem verdienen, nicht übers Öhr gehauen werden. Aber es kann und wird auf Dauer keine Lösung sein, Website-Betreiber zu drangsalieren oder Internetnutzer pauschal Verdächtigungen auszusetzen. Das Ziel muss sein, Regeln zu finden, die für alle Parteien akzeptabel sind.


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Kommentare

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gnipmac14

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Die Moralvorstellungen meines Nebenmannes sind nicht meine Angelegenheit. Auch sollte ich nicht darüber urteilen, ob jemand sich als Filmliebhaber bezeichnen darf, oder eben nicht.

Es kommen sehr viele gute Filme heraus, es kommen sehr viele schlechte Filme heraus, die eigenproduktion eines Filmwerkes ist so einfach möglich, wie noch nie. Wer das Kino liebt, kann es aufsuchen. Wer DVDs liebt, kann sie sich ins Regal stellen. Wer weder den Kinosaal mag, noch DVDs braucht, oder es sich nicht leisten kann, kann mit dem geringen Risiko, bestraft zu werden, sein geliebtes Filmmaterial aus dem Internet herunterladen.

Hier auf dieser Plattform können wir alle unsere Vorlieben, Interessen und Gedanken zur Welt der bewegten Bilder austauschen. Ich frage mich, was ACTA daran verbessern würde.

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Crow369

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Mein Vorschlag wäre, ähnlich wie GEMA und GEZ, eine allgemeine Download-Gebühr durch die jeweiligen Internetanbieter. Meinetwegen 20 - 30 € monatlich. Aber warum auch einfach wenn es schwierig geht.

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NewFilmkonsument

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Eine monatliche Gebühr wäre fatal. Zum einen müssten dann die "ehrlichen" Internetnutzer dafür bezahlen, dass andere Leute illegal downloaden. Außerdem kann man eine monatliche Gebühr auch ganz schnell als Legitimation fürs Saugen (miss-)verstehen und dann würden Schäden in Millionenhöhe entstehen.


lieber_tee

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@ New,
verstehe deine Einwand nicht. Wäre dann ja legal Filme bei einem Anbieter als eine Art Flatrate zu saugen, jeder bekommt etwas vom großen Geld-Kuchen ab. Gibt es ja schon bei einigen Anbietern, nur wenig aktuell, viel zu teuer und in schlechter Qualität. Und sonst, wenn die GEZ (nächstes Jahr, vielleicht) als Steuer umgemünzt wird, zahlen ja auch jeder, egal ob er TV schaut oder nicht.


joseph_tura

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"Natürlich wurden auch dann und wann Links gepostet (...)" So schreiben Verharmloser, die den durch Onlinepiraterie entstehenden Schaden klein reden und bagatellisieren. Dass man im weitesten Sinne selbst Teil der Verwertungskette sein könnte, scheint noch nicht angekommen zu sein. Diese Woche gab's übrigens ein Urteil des Bundesgerichtshofs, der - unjuristisch formuliert - Rapidshare ermahnte, beim Herunterladen illegaler Inhalte künftig etwas genauer hinzuschauen. Auch ein "Aufreger der Woche"?

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Rukus

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Hat die Filmindustrie dafür ne Spende abgegeben, um die Staatsschulden zu reduzieren?

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Tytus

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Interessante Theorie :D


NewFilmkonsument

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Die ganzen arbeitslosen Spanier wollen nur zu uns, weil sie hier illegal downloaden können.

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Commentator

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Sorry, aber das ist ja wohl sehr oberflächlich behandelt. Mag schon sein, dass die Kritik an der ein oder anderen Stelle richtig ist, aber insgesamt ist mir das ganze doch sehr oberflächlich abgehandelt.
1. Das Sprichwort mit Kanonen auf Spatzen zu schießen passt nicht, denn das Problem wiegt deutlich schwerer als dass man es mit Spatzen vergleichen kann.
2. Finde ich es nicht schlecht, wenn solche Websites einen Schuß vor den Bug bekommen, wie die in Spanien.
3. Ist es nicht schwer ein riesiges Forum nach Links oder bestimmten Inhalten zu durchsuchen. Wenn diejenigen das nicht können, dann ist es mehr ein Anfängerproblem, als ein Mengenproblem.
4. Die Lizenzabkommen in China kann man nicht auf Europa übertragen. Aus einem ganz einfachen Grund: In China liegt das Einkommen für die Personen deutlich niedriger. Wenn man das auf die Verhältnisse umrechnet, müsste man in Deutschland deutlich mehr zahlen, als die Angebote von Internetvideotheken sind.
Was mich ärgert, ist vor allem das mangelnde Moralverständnis gegenüber Downloads und illegalen Raubkopien, egal ob sie im Internet oder auf DVD gebrannt angeschaut werden. Traurig finde ich darüber hinaus noch, dass genug moviepiloten, die ja eigentlich Filme lieben sollten nicht bereit sind für Filme zu zahlen. Eine traurige Entwicklung auch aus der Sicht eines Filmfans.

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Commentator

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@Rukus: Ich bitte um Vorsicht, wenn du auf meine Argumente eingehst. Ich habe in diesem Zusammenhang nicht unbedingt für ACTA gesprochen. Ich war zwar schon mal anderer Meinung, aber ACTA ist wohl wirklich nicht sehr durchdacht. Nichtsdestotrotz finde ich nicht, dass man diese illegale Filmeschauerei (ich denke auf diesen Begriff können wir uns vorerst einigen) mit Spatzen vergleichen kann. Ob trotzdem "Kanonen" notwendig sind, ist eine andere Frage. Das Problem ist zu schwerwiegend, das illegale Filme schauen zu normal geworden, als dass ich es mit Spatzen vergleichen lasse.
Das Thema mit den Links ist einfach folgendes. Jeder Admin hat die Möglichkeit eine Suche einzubauen, die nach solchen ominösen Links sucht. Das geht ruckzuck und die Links sind gesperrt.
Ich finde es einfach schade, dass das Filmeschauen ohne etwas Bezahlen zu wollen so normal und selbstverständlich ist. Es wird offen und ohne jegliche Scham betrieben und diejenigen fühlen sich auch noch im Recht. Es ist ein Wandel von Nöten, da stimme ich zu, aber dieses Getue finde ich trotzdem zum Kotzen - ganz einfach.
Auch wenn wir vielleicht nicht ganz auf einer Wellenlänge sind, scheinst du dir wenigstens mehr Gedanken zu machen wie andere, dafür danke.
@stahlkocher: Patente und geistiges Eigentum erhält den Arbeitsmarkt in Deutschland. Ich würde mir etwas mehr Gedanken machen, bevor du fröhlich johlend deinen eigenen Ast unterm Bobbes wegsägst...
@Tobe Berg: Wenn moviepilot darauf angesprochen wird, wird es sicher nicht lange dauern, bis diese Links aus dem Forum gelöscht sind. Außerdem hat youtube Verträge mit Musikfirmen laufen. Für mich ein sehr gräulicher Bereich. Vielleicht ein ähnliches Problem, aber gewiss nicht das gleiche. Hier trägt es eher zur Werbung bei. Aber zurück zum Thema: Ich habe hier noch keinen Link gesehen, der zu einem Film führt, der illegal hochgeladen wurde.


Rukus

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Mit nem Redirect umgehst du jede automatische Suchfunktion. Soviel krieg selbst ich mit meinem Computerwissen zusammen. Clevere Cracks sind den Gegenmaßnahmen immer schon einen Schritt voraus gewesen.


SaschaSheva

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Auch wenn dieses Angebot in China aus Not entstanden ist, geht es doch in die richtige Richtung.
Anstatt den Fokus auf Abschreckung und Gerichtskosten zu legen, hätte die Filmindustrie (aber auch die Musikindustrie) sich neue Innovationen überlegen können, wie das Beispiel in China.
Anstatt die bösen Raupkopierer als Feind zu sehen, kann man sie auch als Kundengruppe mit Pontential behandeln:
Filme online in guter Qualität anbieten für einen geringen Preis und das alles auch noch legal. Ich bin mir sicher es würden genug kino.to-User dieses Angebot nutzen.

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lieber_tee

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Da stimme ich dir 100%tig zu!


marty-f

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Sobald es ums gute Geld geht, hört der Spaß auf, da werden dann irgendwelche Maßnahmen getroffen, in der dann der Großteil der Bevölkerung als Kriminelle denunziert werden, obwohl die nur in der Minderheit sind. Ähnliches hab ich auch gestern, in etwas harmloserer Art, wieder festgestellt, als ich 'nen Dvd--Abend gemacht hab. Immer diese Antiraubkopiererwerbung am Anfang, nicht nur das die nervt, da bezahlt man die DVD ganz selbstverständlich (nagut, in dem Fall war sie ein Geschenk) und muss sich dann trotzdem noch so eine Verleumdung bieten lassen.

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marty-f

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jetzt mal völlig ironiefrei: das gleiche hab ich mich auch schon gefragt


Tytus

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mir fällt ein Fehler auf, meinte "öffentliche Vorführung"


Tytus

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Ist doch gar nichts hier könnt ihr schon mal rein riechen was für ein Urheberrecht die am liebsten hätten, eins wo ihr eure Legal erworbenen Produkte nicht weiter verkaufen könnt. in denn beschrieben Fällen geht es zwar um Bücher Prinzip ist aber Gleich.

erinnert mich etwas an die Gerichtsurteile zu den Manipulierten Konsolen.

http://derstandard.at/1341526759646/US-Gericht-erwaegt-ewiges-Urheberrecht

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Hypocrisy

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Zum Glück ließe sich ähnliches bei uns rechtlich nicht konstruieren. Das amerikanische Rechtssystem des "Common Law" ist, wie Dein Beispiel gut zeigt, auch nur dann wirklich sinnvoll anwendbar, wenn einander unterstützende Präzedenzfälle existieren...


Tytus

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meine Befürchtung ist das dies ein Feuchter Traum der ganzen Content Mafia ist.