Bearbeiten

Argo - Chancen als Bester Film & Voting

steffi.goldhammer (Stephanie Goldhammer), Veröffentlicht am 16.02.2013, 08:50

Nach anfänglich hohen Chancen auf eine Oscarnominierung flaute der Trubel um Argo leicht ab. Doch dann kam die Vorsaison zum Oscar, die Ben Afflecks vierter Regiearbeit eine Flut von Preisen einbrachte. Jetzt wird der Film als heißer Favorit gehandelt.

Argo Argo © Academy of Motion Picture Arts and Sciences / Warner Bros. Pictures

Am Eröffnungswochenende Mitte Oktober spielte der Politthriller Argo 19,5 Millionen Dollar in den USA ein und wurde bereits nach seiner Premiere beim Toronto International Film Festival als definitiver Oscarkandidat mit guten Gewinnchancen gehandelt. Gute vier Monate später kann der Film ein Einspielergebnis von 120,4 Millionen US-Dollar verzeichnen (Stand 13. Februar) und die Aussichten für die vierte Regiearbeit von Ben Affleck auf eine der begehrten goldenen Statuen sind ebenfalls um ein Vielfaches gestiegen.

Argo spielt zur Zeit der islamischen Revolution im Iran 1979. Die amerikanische Botschaft wird nach der Entmachtung des von den USA eingesetzten Schahs gestürmt und die Angestellten werden in Geiselhaft genommen. Sechs Botschaftsangehörige können jedoch unbemerkt in die nahegelegene kanadische Botschaft fliehen und sitzen nun im Land fest. Zeigten sie sich auf der Straße, würden sie sofort festgenommen, wenn nicht Schlimmeres. Die CIA startet eine gewagte Befreiungsaktion, in der Top-Schleuser Tony Mendez (Ben Affleck) mithilfe der Hollywoodproduzenten Lester Siegel (Alan Arkin) und John Chambers (John Goodman) einen imaginären Science Fiction-Film aus dem Boden stampft, um als Kanadier in das Land ein- und mit den getarnten Botschaftsangehörigen wieder ausreisen zu können.

Mehr: Oscar 2013: Beste Hauptdarstellerin – Die Chancen & Voting

In der Vorsaison zum Oscar hat der Thriller bereits diverse Preise eingeheimst, die als gute Vorboten zum Sieg am 24. Februar gelten. Die Golden Globes brachten Argo die Trophäe für den Besten Film und die Beste Regie. Die Producers Guild of America (PGA) vergab ihren Preis ebenfalls für den Besten Film an Argo und die Screen Actors Guild (SAG) und Directors Guild (DGA) ehrten den Film jeweils für das Bestes Ensemble und Beste Regie. Selbst die Briten waren von Argo so überzeugt, dass er den BAFTA für Film und Regie erhielt. Bei den Academy Awards erhielt der Film Nominierungen in den drei Hauptkategorien Bester Film, Bester Nebendarsteller (Alan Arkin), Bestes Drehbuch, sowie für Beste Filmmusik, Bester Ton und Bester Tonschnitt. Als kleiner Eklat wurde der Umstand gewertet, dass Ben Affleck als Regisseur übergangen wurde. Und einen richtigen Grund dafür kann auch keiner entdecken.

Insider argumentieren, dass in der Geschichte der Oscars lediglich zwei Filme (Apollo 13 und Little Miss Sunshine) jeweils von den Gilden der Produzenten und Schauspieler als Bester Film geehrt wurden, aber bei den Academy Awards in dieser Kategorie leer ausgingen. Daher scheint die Wahrscheinlichkeit, dass Argo den goldenen Mann erhält umso höher. Ich könnte mir vorstellen, dass die Thematik um das Showbusiness in Hollywood und der augenzwinkernde Blick auf die Filmbranche dem Film sogar noch bessere Chancen einräumt.

Mehr: Oscar 2013: Bester Nebendarsteller – Die Chancen

Abgesehen davon ist Argo ein spannend erzählter Thriller alter Schule, der ohne große Actionmomente auskommt und die Spannungselemente aus der Handlung bezieht. Durch den Verzicht auf große Effekte konzentriert sich alles auf die Stimmigkeit der Handlung, den Spannungsaufbau und die erstklassigen Leistungen der Schauspieler. Das relativ große Ensemble wird vor allem durch das Dreigespann Ben Affleck, John Goodman und Alan Arkin dominiert. Allerdings gehen auch die anderen Figuren in der Erzählung nicht unter und hinterlassen einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer. Bei aller Ernsthaftigkeit für das Thema hat es Ben Affleck geschafft, den Film mit einem Sinn für Komik auszustatten und ihn somit über das Thriller-Dasein hinaus unterhaltend zu gestalten.

Das einzige, was mich an Argo wirklich stört, betrifft lediglich die letzten fünf Minuten des Films. Die unnötige (und unlogische) Verfolgungsjagd Auto gegen Flugzeug am Ende hätte nicht sein müssen, da die Spannung eh schon auf das Maximum geschraubt ist. Wer diesen Wink mit dem Zaunpfahl am Ende noch braucht, hat vorher nicht aufmerksam zugeschaut. Außerdem empfinde ich den leichten Anflug von Patriotismus im Finale als deplatziert. Das wenig subtile Einblenden der amerikanischen Flagge passt so gar nicht zur kritischen Einleitung des Films und dem sarkastischen Ton bezogen auf die politischen Winkelzüge in Washington. Allerdings nimmt dieser Schachzug und der Umstand, dass es sich um ein politisches Ereignis in der inzwischen älteren Vergangenheit handelt, vielleicht der politischen Kritik ein wenig Schärfe und erhöht damit die Gewinnchancen des Films.

Was meint ihr: Wird Argo den Oscar als Bester Film gewinnen?

Ihr wollt noch mehr zum Oscar wissen?
Schaut auf unsere Oscar-Page. Dort könnt ihr unter anderem den Oscar-Trailer-Quiz spielen oder am Oscar-Tippspiel teilnehmen.


Mitgliedern gefällt diese News


Deine Meinung zum Artikel Argo - Chancen als Bester Film & Voting

Kommentare

über Argo - Chancen als Bester Film & Voting


Morissa

Kommentar löschen

Die ganze Liste ist dieses Jahr nicht so prickelnd... Argo ist auch mein Favorit...

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

HulktopF

Kommentar löschen

hier felht ne vierte auswahlmöglichkeit: ist egal.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

Morissa

Antwort löschen

Wie bei den TEDs im Videotext... Da rufen wirklich Leute an für "mir egal"...


HulktopF

Antwort löschen

ne mal ernsthaft, alle nominierten filme sind dieses jahr nur "ok" und bieten keine faszinierende reise in eine filmwelt an.
mir fehlen die fesselnden storys.


ruegenwalder1986

Kommentar löschen

Der wird's wohl werden. Man mag davon halten was man will, aber wenn die Alternative Lincoln heißt, dann ist die Alternative nicht viel besser.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

goldenstardust

Kommentar löschen

Der Film hat den Oscar trotz der letzten Minuten künstlicher Action verdient, auf die man gut und gerne hätte verzichten können. Solider Spannungsaufbau, angemessene Kritik an der damaligen US-Außenpolitik (die sich bis heute nicht wesentlich geändert hat) und glaubwürdige Charaktere. Das Beste am Film, die Story, schrieb allerdings das Leben.
Der Wiedererkennungseffekt bei den riesigen Brillen, Polundern antiken Telefonen usw. war groß. Fühlte mich sehr an meine Kindheit erinnert.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Scolane

Kommentar löschen

"Argo" ist Afflecks dritte Regiearbeit und nicht seine vierte.

Der Oscar als bester Film ginge in Ordnung, auch wenn der Film nicht mein absoluter Favorit unter den Nominierten ist.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Grimalkin

Antwort löschen

Vermutlich vergisst du "I Killed My Lesbian Wife, Hung Her on a Meat Hook, and Now I Have a Three-Picture Deal at Disney".


NewFilmkonsument

Kommentar löschen

Schwer einzuschätzen, ob "Argo" gewinnt.
Theoretisch müsste er gewinnen, weil er bis jetzt alle wichtigen US-Filmpreise gewonnen hat und bei Kritikern und Zuschauern besser weggekommen ist als "Lincoln". Der härteste Konkurrent des Abends ist wohl Spielbergs Amerika-Epos. Ein Film über American Superman Lincoln hat bei der Academy natürlich auch gute Chancen und die ausgebliebene Nominierung Afflecks als Bester Regisseur macht skeptisch, da die Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie" überwiegend zusammen vergeben werden (Seltene Ausnahmen sind etwa "Der Pate").
Die meisten anderen Nominierten für den "Besten Film" räume ich keine großen Chancen ein. "Amour" wird sicherlich der "Beste fremdsprachige Film", aber ein glorreicher Doppel-Sieg ist wohl nicht zu erwarten.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

fl-ad

Kommentar löschen

Naja, 19,5 MILLIARDEN Dollar waren es dann vielleicht doch nicht, oder? ;)

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

steffi.goldhammer

Antwort löschen

Da habe ich im Eifer des Gefechts glatt ein paar Nullen mehr rangehängt :D Danke für den Hinweis, ist jetzt korrigiert.


kobbi88

Kommentar löschen

Der Oscar wäre verdient. Toller Film!

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Punsha

Kommentar löschen

Ich glaube, dass der Film so viele Kritikerpreise absahnt, ist einzig und allein eine Trotzreaktion, die der Academy Druck machen soll. Anders kann und will ich es mir einfach nicht vorstellen.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten

magX

Antwort löschen

@Ichundso: Ich bin mir noch immer zu 100%... naja, oder vielleicht doch 95% sicher. Als er bei der Viennale und anschließend in einem der schönsten Wienerkinos lief, habe ich ihn leider verpasst... mittlerweile wurde das Versäumnis nachgeholt und der Film wird mit jedem Mal besser. Dass der Film die Liebe zum Kino so deutlich macht, liegt wahrscheinlich daran, dass Affleck tatsächlich ein sehr leidenschaftlicher Filmemacher und sehr guter Erzähler ist. In den zahlreichen Interviews ist unschwer zu erkennen, wie viel Spass er beim Drehen hatte und wie sehr ihm die Geschichte am Herzen liegt.


Philipp Klement

Antwort löschen

verdient hätten es in meinen augen am ehsten django unchained und argo. bei silver linings wäre ich auch nicht bestürzt. solange er in dieser reihe bleibt (haha, als ob es django macht) habe ich nichts zu beklagen.


VisitorQ

Kommentar löschen

Möglich, nicht sicher aber möglich. o_O Film ist zumindest nicht schlechter als die Gewinner der letzten 4 Jahre.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Minjung

Kommentar löschen

Wahre Begebenheit hin oder her - Argo wird viel zu sehr gehyped, fand den film ziemlich durchschnittlich... meine Meinung dazu.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Le Samourai

Kommentar löschen

Patriotischer Wohlfühlkitsch. Schade, da hatte Affleck mal die Chance was Großes zu drehen und hat's einigermaßen vergeigt. Der Oscar wäre der komplette Witz.

bedenklich? 8 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 6 Antworten

magX

Antwort löschen

"...und eine ganze Bevölkerung als Teufel darstellt..." Interpretationssache. Für mich waren die Handlungen der Iraner teilweise nachvollziehbar, was unter anderem an der Eingangsszene lag. Es gibt ja auch sympathische und unsympathische Charaktere auf beiden Seiten, folglich gibt für mich keine klar definierte gute und böse Nation. Der Film baut die realen Ereignisse in solchem Umfang ein, dass die Zuschauer die Hintergründe nachvollziehen können. Wie bereits Ichundso geschrieben hat, anders (mit genauerer Darstellung der Hintergründe, stärkerem Fokus auf die iranische Perspektive) "würde es nun einmal nicht als Thriller funktionieren." Affleck hat im Rahmen eines Thrillers Kritik eingebracht, ohne Einbußen in Sachen Spannung und Unterhaltung zu riskieren. Letztendlich bleibt der Zugang zu einem Film rein subjektiv und ergibt sich aus der Grundeinstellung: Ich sehe Filme nicht als politisch, sondern als geschlossene fiktionale Werke - über mögliche Bezüge zur Wirklichkeit kann und sollte man zwar diskutieren, aber ich finde dass Argo, weiterführend auch Zero Dark Thirty und sogar Lincoln eine zusätzliche Ebene haben - man kann die Filme auch losgelöst von ihrem politisch/historischen Kontext betrachten...


Ichundso

Antwort löschen

Die ganze Bevölkerung würde ich nicht sagen, wie magX schon meinte, es gab auf beiden Seiten sympathische und unsympathische Charaktere. Die Leute, für die sich die Hauptfiguren interessierten, haben eben wirklich diese Dinge gemacht.
Ich sehe auch kein Problem damit, einen Genrefilm aus einem realen Ereignis zu zaubern, so lange man einigermaßen bei den Fakten bleibt.