Oscar 2013

Argo - Chancen als Bester Film & Voting

Argo
© Academy of Motion Picture Arts and Sciences / Warner Bros. Pictures
Argo

Am Eröffnungswochenende Mitte Oktober spielte der Politthriller Argo 19,5 Millionen Dollar in den USA ein und wurde bereits nach seiner Premiere beim Toronto International Film Festival als definitiver Oscarkandidat mit guten Gewinnchancen gehandelt. Gute vier Monate später kann der Film ein Einspielergebnis von 120,4 Millionen US-Dollar verzeichnen (Stand 13. Februar) und die Aussichten für die vierte Regiearbeit von Ben Affleck auf eine der begehrten goldenen Statuen sind ebenfalls um ein Vielfaches gestiegen.

Argo spielt zur Zeit der islamischen Revolution im Iran 1979. Die amerikanische Botschaft wird nach der Entmachtung des von den USA eingesetzten Schahs gestürmt und die Angestellten werden in Geiselhaft genommen. Sechs Botschaftsangehörige können jedoch unbemerkt in die nahegelegene kanadische Botschaft fliehen und sitzen nun im Land fest. Zeigten sie sich auf der Straße, würden sie sofort festgenommen, wenn nicht Schlimmeres. Die CIA startet eine gewagte Befreiungsaktion, in der Top-Schleuser Tony Mendez (Ben Affleck) mithilfe der Hollywoodproduzenten Lester Siegel (Alan Arkin) und John Chambers (John Goodman) einen imaginären Science Fiction-Film aus dem Boden stampft, um als Kanadier in das Land ein- und mit den getarnten Botschaftsangehörigen wieder ausreisen zu können.

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In der Vorsaison zum Oscar hat der Thriller bereits diverse Preise eingeheimst, die als gute Vorboten zum Sieg am 24. Februar gelten. Die Golden Globes brachten Argo die Trophäe für den Besten Film und die Beste Regie. Die Producers Guild of America (PGA) vergab ihren Preis ebenfalls für den Besten Film an Argo und die Screen Actors Guild (SAG) und Directors Guild (DGA) ehrten den Film jeweils für das Bestes Ensemble und Beste Regie. Selbst die Briten waren von Argo so überzeugt, dass er den BAFTA für Film und Regie erhielt. Bei den Academy Awards erhielt der Film Nominierungen in den drei Hauptkategorien Bester Film, Bester Nebendarsteller (Alan Arkin), Bestes Drehbuch, sowie für Beste Filmmusik, Bester Ton und Bester Tonschnitt. Als kleiner Eklat wurde der Umstand gewertet, dass Ben Affleck als Regisseur übergangen wurde. Und einen richtigen Grund dafür kann auch keiner entdecken.

Insider argumentieren, dass in der Geschichte der Oscars lediglich zwei Filme (Apollo 13 und Little Miss Sunshine) jeweils von den Gilden der Produzenten und Schauspieler als Bester Film geehrt wurden, aber bei den Academy Awards in dieser Kategorie leer ausgingen. Daher scheint die Wahrscheinlichkeit, dass Argo den goldenen Mann erhält umso höher. Ich könnte mir vorstellen, dass die Thematik um das Showbusiness in Hollywood und der augenzwinkernde Blick auf die Filmbranche dem Film sogar noch bessere Chancen einräumt.

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Abgesehen davon ist Argo ein spannend erzählter Thriller alter Schule, der ohne große Actionmomente auskommt und die Spannungselemente aus der Handlung bezieht. Durch den Verzicht auf große Effekte konzentriert sich alles auf die Stimmigkeit der Handlung, den Spannungsaufbau und die erstklassigen Leistungen der Schauspieler. Das relativ große Ensemble wird vor allem durch das Dreigespann Ben Affleck, John Goodman und Alan Arkin dominiert. Allerdings gehen auch die anderen Figuren in der Erzählung nicht unter und hinterlassen einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer. Bei aller Ernsthaftigkeit für das Thema hat es Ben Affleck geschafft, den Film mit einem Sinn für Komik auszustatten und ihn somit über das Thriller-Dasein hinaus unterhaltend zu gestalten.

Das einzige, was mich an Argo wirklich stört, betrifft lediglich die letzten fünf Minuten des Films. Die unnötige (und unlogische) Verfolgungsjagd Auto gegen Flugzeug am Ende hätte nicht sein müssen, da die Spannung eh schon auf das Maximum geschraubt ist. Wer diesen Wink mit dem Zaunpfahl am Ende noch braucht, hat vorher nicht aufmerksam zugeschaut. Außerdem empfinde ich den leichten Anflug von Patriotismus im Finale als deplatziert. Das wenig subtile Einblenden der amerikanischen Flagge passt so gar nicht zur kritischen Einleitung des Films und dem sarkastischen Ton bezogen auf die politischen Winkelzüge in Washington. Allerdings nimmt dieser Schachzug und der Umstand, dass es sich um ein politisches Ereignis in der inzwischen älteren Vergangenheit handelt, vielleicht der politischen Kritik ein wenig Schärfe und erhöht damit die Gewinnchancen des Films.

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