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Berlin, Berlin - Großstadtmärchen im Comic-Look

Miss Kubelik (Constanze Brinkschulte), Veröffentlicht am 26.06.2012, 08:50

Mein Herz für Serie geht heute an die ARD-Vorabendserie Berlin, Berlin. Die kreativen und sogar Emmy-prämierten Geschichten rund um Lolle und ihre WG-Freunde in der Hauptstadt zeigen wieder einmal, dass auch deutsche Serien originell sein können.

Mit Lolle erleben wir nicht nur Berlin-Feeling, sondern auch viel Herzensleid Mit Lolle erleben wir nicht nur Berlin-Feeling, sondern auch viel Herzensleid © ARD/moviepilot

Als im März 2002 die erste Folge von Berlin, Berlin in der ARD ausgestrahlt wurde, war mir sofort klar, dass es sich hier um keine klischeehafte Vorabend-Soap handelte. Wie gebannt verfolgte ich jeden Tag die Abenteuer des Landeis Carlotta ‘Lolle’ Holzmann (Felicitas Woll) aus der norddeutschen Gemeinde Malente, das sein Glück in der Hauptstadt suchte – und ich war fasziniert von dem Suchtfaktor, den die Serie von Beginn an auf mich ausübte. Die Mischung aus Zeichentrickanimationen, die Lolles Emotionen und Gedanken unmittelbar zum Ausdruck bringen, und den kuriosen Erlebnissen der sympathischen Charaktere, überzeugte allerdings nicht nur mich: 2004 bekam Berlin, Berlin nämlich nicht nur den Deutschen Fernsehpreis als Beste Sitcom, sondern als besondere Ehre gab es auch den International Emmy Award als Best Comedy.

Berlin, Berlin - Großstadtmärchen im Comic-Look (13 Bilder)

Eigentlich ist die Geschichte nicht besonders spektakulär: Nach dem Abitur zieht es Lolles Freund Tom nach Berlin, weil er dort erst mal für seinen Onkel arbeiten will. Prompt erhält Lolle allerdings einen erschütternden Brief, in dem er mit ihr Schluss macht und sie reist ihm Hals über Kopf hinterher. Keine gute Idee, denn Tom hat bereits eine Neue – allerdings hält das Lolle nicht davon ab, einen Plan zu schmieden, um die beiden wieder auseinander zu bringen. Dabei lernt sie die lesbische Rosalie (Sandra Borgmann) kennen, die ihr helfen will, weil Toms Liebschaft wiederum ihre Ex-Flamme ist. Nach einigem Hin und Her scheint alles zu laufen wie gewünscht – doch Lolle will Tom plötzlich nicht mehr zurück und auch Malente kann ihr erstmal gestohlen bleiben. Stattdessen findet sie in Rosalie eine gute Freundin und beide ziehen bei Lolles Cousin Sven (Jan Sosniok) ein und bilden mit ihm eine WG.

In Berlin versucht das Ex-Landei nun, nicht nur ihren beruflichen Traum zu verwirklichen und Comic-Zeichnerin zu werden, sondern auch ihr Liebesleben in den Griff zu bekommen. Und das wird nicht nur dadurch erschwert, dass Lolle sich allzu schnell verliebt – sondern sie sucht sich auch immer die falschen Männer aus. Da wäre zum Beispiel Mosche, der Frau und Kinder hat und der ihr deshalb das Herz bricht. Viel folgenschwerer ist allerdings die Liebe zu ihrem Cousin Sven, die den emotionalen Kern von Berlin, Berlin bildet. Kriegen sich die beiden am Ende oder entscheidet sich Sven gar für Ex-Frau Silvia und Sohn Daniel oder die neue Flamme Vero (Alexandra Neldel)? Bleibt Lolle vielleicht bei Alex (Matthias Schloo), der ihr ab Staffel 2 den Kopf verdreht? Bei allem Liebesleid stehen Lolle und Sven aber in jedem Fall immer dessen bester Freund und Arbeitskollege Hart (Matthias Klimsa), der China-Imbiss-Besitzer Tuhan und die glücklose Schauspielerin Rosalie bzw. später die Fotografin Sarah (Rhea Harder) zur Seite.

In Extremsituationen reagieren wir extrem
Dass die zwischen 2002 und 2005 über vier Staffel laufende Serie aus der Masse an Comedy-Formaten herausstach (und dass als deutsche Produktion) liegt sicher maßgeblich an David Safier. Der wurde nicht nur durch seine Bestseller Mieses Karma und Jesus liebt mich bekannt, sondern er schrieb auch schon Drehbücher für Nikola, Die Camper und n/a, bevor er als Hauptautor für die erfrischenden und temporeichen Texte aus Berlin, Berlin verantwortlich war. Lolles Gefühlschaos und der Irrsinn des Alltags werden dabei mit ihrem Voice-Over, genialer Situationskomik und pointierten Dialogen eingefangen. Gerade was ihre Gefühle angeht, fällt es Lolle allerdings nicht leicht, diese auch auf den Punkt zu bringen – zum Beispiel nach dem folgenreichen ersten Kuss mit Cousin Sven gegen Ende der ersten Staffel: Weißt du, in Extremsituationen da reagieren Menschen anders als sie normalerweise reagieren würden. Sie reagieren in Extremsituationen extrem, also ist alles, was in einer Extremsituation passiert, als nicht geschehen zu werten. Denn es ist extrem und wäre nicht geschehen, wenn es die Extremsituation nicht gegeben hätte. Alles klar?

Als Zuschauer scheint es besonders in der ersten Staffel so, als wäre jede Episode wie eine Wundertüte voller Überraschungen. Denn auch, wenn neben dem Liebeskummer noch ernstere Themen angeschnitten werden (Rosalies zerrüttetes Elternhaus, ein Mann, der nicht mehr lange zu leben hat und vorher unbedingt noch seine Jugendliebe Martha wiederfinden will, etc.): Immer wird ein ausgleichendes Gegenwicht geschaffen, dass uns ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Und die Comic-Schnipsel, die die Handlung jeweils kurz unterbrechen, bringen uns besonders die Hauptfigur Lolle – zusammen mit ihrer Voice-Over-Erzählung – so nah wie nur möglich. Ich hatte zu jeder Zeit den Eindruck, als wäre Lolle ein Teil von mir (und umgekehrt). Gerade in ihrer vor allem anfangs noch ziemlich rotzfrechen, widerspenstigen Art und ihrem gleichzeitig mädchenhaften Auftreten (ihre Pony-Frisur spricht da Bände) habe ich mich immer wiedergefunden.

Mit Lolle konnten wir also unser eigenes Kopfkino ausleben und wenn Mädchen wie sie die große Liebe finden, warum sollte das dann nicht auch für andere gelten? Und als sich Lolle dann ihre Kurzhaar-Frisur zulegte und sich immer mehr ihren Platz im Leben erkämpfte, waren auch wir uns sicher: Irgendwie geht es immer weiter, so leicht lassen wir uns nicht unterkriegen.

Hat euch Berlin, Berlin auch so begeistert wie mich?


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Kommentare

über Berlin, Berlin - Großstadtmärchen im Comic-Look


zigenpeter

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Ja, durfte damals keine einzige Folge verpassen. Schade, dass man sie nirgendwo finden kann...

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Oermschel

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Kann mich erinnern, wie erfrischend originell und anregend ich die Serie gefunden habe!
Ja gehört eindeutig zu den Guten!!!

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EllHomer

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Ich habs immer mit meiner Schwester angekuckt. Jeden Tag :) Irritiert hat mich nur, dass mir die Serie als Junge auch gefiel. Wahrscheinlich wegen den Comic- Einlagen.
Irgendwann hab ich Berlin Berlin allerdings aus den Augen verloren.

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Miss Kubelik

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Na da haben die Produzenten wohl alles richtig gemacht, wenn die Serie auch Jungs gefällt ;) Die Comic-Einlagen haben bestimmt geholfen und zwischendurch gab's neben dem Herzschmerz ja auch einige lustige Szenen. Und Freundschaft war ja auch allgemein ein Thema. Aber vielleicht war auch Hart dein großes Vorbild ;)


EllHomer

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Ja, wahrscheinlich haben mich die Charaktere unterbewusst fürs Leben geprägt^^


dAShEIKO

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Nicht so oft gesehen, aber allein die Charaktere, die Machart mit den Comiceinlagen...das sah schon sehr sehr professionell aus. Für eine deutsche Serie ein Kompliment.

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Marie Krolock

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Ich habe die Serie auch begeistert gesehen. Die Comic-Szenen waren mal was neues, hat mir sehr gut gefallen.

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stuforcedyou

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Hab die damals mit großem Interesse verfolgt, doch auch hier hat man mMn nicht aufgehört als es am schönsten war und am Ende war die Serie nur noch ein Schatten ihrer selbst.

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stuforcedyou

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In der Tat :) Aber das war schon die Serie, mit dem Thai-Imbiss oder? Und Lolle hatte auch mal was mit nem Theologie-Studenten, der wegen ihr sein Priesterseminar schmeißen wollte, oder? Verdammt, ich werde echt alt. :D


TexasTomBoe

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http://www.youtube.com/watch?v=CT9GMT0tvFc

du wirst...ALT!!!