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Blockbuster-Kino setzt zunehmend auf Ensembles

Lord C (Christoph Dederichs), Veröffentlicht am 14.12.2012, 08:50

Schauen wir uns die großen Blockbuster des vergangenen Kinojahres an, so wird deutlich, dass der Trend weg von einsamen Helden geht, und hin zu Protagonisten, die im Team unterwegs sind oder sich zumindest mal helfen lassen. Woran könnte das liegen?

Rudelbildung à la Marvel: Die Avengers Rudelbildung à la Marvel: Die Avengers © Marvel

Im zurückliegenden Kinojahr hat sich in vielen Filmen aus dem Blockbuster-Reich, aber nicht nur dort, ein Trend gezeigt: Statt einsamer Helden, die ohne nennenswerte Hilfe ihre Missionen erledigen, waren es in dieser Saison Ensembles, die dem Bösen die Stirn boten: Batman (Christian Bale) bekam in The Dark Knight Rises Catwoman (Anne Hathaway) an die Seite gestellt und erhielt tatkräftige Unterstützung vom Polizisten John Blake (Joseph Gordon-Levitt). James Bond (Daniel Craig) war in James Bond 007 – Skyfall mit einer Dame namens Eve (Naomie Harris) im Einsatz, zudem hatten M (Judi Dench), Q (Ben Whishaw), Gareth Mallory (Ralph Fiennes) und Kincaid (Albert Finney) gut zu tun. The Expendables 2 wartete mit einer Familienpackung an Actionlegenden auf, Der Hobbit: Eine unerwartete Reise hält mit gleich 13 Zwergen dagegen. Als Krönung versammelten sich Marvel’s The Avengers, nachdem ihre Mitglieder zuvor jede Menge Solo-Abenteuer bestritten. Aber nicht nur in Aberdutzend-Millionen-Dollar-Filmen, auch in kleineren Produktionen wie Dame König As Spion arbeiteten viele Charaktere zusammen (oder gegeneinander).

Blockbuster-Kino setzt zunehmend auf Ensembles (7 Bilder)

Nun ist das alles natürlich nichts ganz Neues: Schon die X-Men waren ein Superheldenteam und läuteten gewissermaßen den modernen Superheldenfilm ein. Bond hatte in James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag mit Jinx (Halle Berry) und in James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie mit Wai Lin (Michelle Yeoh) schlagkräftige Damen an seiner Seite, und M war in James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug auch mehr in Action als sonst. Vor dem Reboot von Christopher Nolan stellte Joel Schumacher Batman nicht nur Robin, sondern auch Batgirl zur Seite, und auch Frodo Beutlin (Elijah Wood) war im Herrn der Ringe nicht ganz allein unterwegs. Auffällig ist also vor allem, dass die Massenaufläufe in diesem Kinojahr so vermehrt auftreten. Da alle Filme mit recht geringem Abstand in die Kinos kamen, und auch einen beträchtlichen Produktionsvorlauf hatten, ist es dabei eher wenig wahrscheinlich, dass der eine von dem anderen abgeguckt hat.

Aber woran kann es dann liegen? Eine Erklärung wäre, dass das liebe Geld für die Protagonistenvermehrung verantwortlich ist: Zwar kosten mehr Hauptfiguren natürlich auch mehr, dafür lockt aber auch die Möglichkeit eines größeren Einspielergebnisses: The Dark Knight Rises nahm international umgerechnet ca. 76 Millionen US-Dollar mehr ein als sein Vorgänger The Dark Knight, Skyfall ist schon jetzt der erfolgreichste Bond aller Zeiten, und die Avengers sind allen anderen ohnehin meilenweit voraus, was die Kinokasse anbelangt. Auch der Hobbit wird vermutlich nicht wenige Zuschauer finden. Aber bis auf die Avengers ist eigentlich überall fraglich, ob für den Erfolg tatsächlich die Charakter- und Schauspieler-Vielfalt verantwortlich ist, denn Judi Dench als Action-M oder eine Bande Unbekannter als über ein Dutzend Gnome werden es wohl kaum sein, die die Massen ins Kino treiben. Nur bei Marvel wurde ja gezielt darauf hingearbeitet, die einzelnen Charaktere und Schauspieler zunächst mit Solo-Abenteuern den Zuschauern schmackhaft zu machen, bevor sie gemeinsam gegen Übeltäter kämpfen. Eine Ausnahme dürften zudem die Expendables sein, deren geballte Altmännerpower einen größeren Nostalgiebonus mit sich bringt als Einzelabenteuer der Rentner.


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Obolos

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"Elf oder zwölf Zwerge würden es vermutlich genauso gut tun wie derer 13"...

Äh, nein? Buchvorlage? :D

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Joeyjoejoe17

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Miesepeterkommentar der Woche: Die Anzahl der Protagonisten in Blockbustern steigt, die Qualität der Filme sinkt.

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Joeyjoejoe17

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geht so..


philipp.warnke

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avengers war einfach too much ...die action war schon hammer aber schlicht over the top


Stormbringer

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Ein Wort: Reizüberflutung.

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FordFairlane

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Bei einer comicverfilmung ist das klar wie Kloßbrühe, denn jeder Charakter sprengt die Box-Office, deswegen warum nicht in "The Avenegers" alle vereinen, denn da geht jeder rein, weil irgendeiner seiner helden da drinne ist.

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Egon Olsen

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Genauso wie bei Expendables... jedoch anstatt Held Schauspieler :)


FordFairlane

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xD DU VERDAMMT RECHT xD


RoosterCogburn

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Also "Skyfall" als Ensemblefilm zu klassifizieren ...? Na, ich weiß nicht.
Aber ich will mal beim Thema Ensemblefilm bleiben. Erstmal ist das absolut nichts neues. Im Gegenteil, ein alter Hut. Mal funktioniert er und mal nicht. Und wir hatten 2012 mehr Ensemblefilme als die im Artikel aufgezählten. Ich denke da spontan an "Was passiert, wenn's passiert ist" oder "Und wenn wir alle zusammenziehen?" und sogar "Der Hobbit" würde darunter fallen. Nicht jeder davon war hierzulande ein Erfolg. Bei weitem nicht.

Das jetzt zu reduzieren auf die Blockbuster halte ich für ein wenig an den Haaren herbei gezogen. Natürlich stellt man in den letzten Jahren immer vermehrt fest, das es derartige Produktionen gibt. Wie z.B. "X-Men", "Fantastic Four" oder andere Comic- oder Fantasyfilme. Aber solche Produktionen verleiten auch dazu es zu einem Ensemblefilm zu gestalten. Bei genauerem Betrachten ist es allerdings meist so, das die Darsteller dieser Blockbuster (wie bei Avengers) nicht vollständig der A-Liga angehören oder echte Schaupielerstars sind. Im angesprochenen Beispiel "Avengers" spielen vielleicht drei, vier unabhängige A-Schauspieler mit. In Nebenrollen tauchen noch Alt-Stars wie Harry Dean Stanton auf. Ansonsten werden bekannte Gesichter aus der Versenkung geholt oder Leute genommen, die man als die ewigen Nebendarsteller kennt (Mark Ruffalo). Worauf ich hinaus will ist, das Darsteller wie Chris Evans, Tom Hiddleston und Chris Hemsworth erst durch Marvel bekannt wurden. Vermutlich auch entsprechend vertraglich gebunden sind. Ist also kein gutes Beispiel für den Ensemblefilm (wie es schon im Artikel angedeutet ist). Weil "Avengers" ja von vornerein als Konzeptfilm so aufgebaut wurde.

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Leonerd

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Geschickt den aufgeblasenen Cast von Inception ausgelassen!
Durch solche große Teams umgeht man in vielen Fällen der schwierigen Aufgabe den Protagonisten vielschichtig darzustellen. Man ersetzt diese Aufgabe durch viele verschiedene Charaktere, die man dann auch nicht besonders charakterisiert darstellen muss, beziehungsweise kann. Für mich ist aber eher Blendwerk, wenn ich an meinen "Lieblingsfilm" Inception denke. Vorher schön für all die Schauspieler werben (mit der süßen Schwangeren!) und im Film stehen sie zur Dekoration da und fallen nicht negativ auf, bekommen auch noch auch ein paar Zeilen zum Sprechen.
In den besseren Fällen gibt es dann häufiger für jeden Zuschauer eine Person mit der er sich identifizieren kann. Der eine mag Ironman, der andere Hulk. Wer ist denn jetzt der coolste?

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Bob Loblaw

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Ich mag den Hulk, kann mich aber nicht mit ihm identifizieren. :D


Bob Loblaw

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Ah... jetzt weiss ich auch, warum der "weisse Hai" der erste Blockbuster war... die haben sich zu dritt auf die Jagd gemacht.
Oder der grosse Erfolg von "Krieg der Sterne"... ist ja ganz klar, da es ein Ensemblefilm ist.
Und der dritte Batman ist ein Enseblefilm... die anderen wohl nicht (Harvey Dent ??)
Und er hat 76 Millionen mehr an der Kasse eingenommen (immerhin 7% der Gesamteinnahmen !!)... Jetzt wissen wir warum.
:D :D

Jetzt mal ernsthaft:
Trotzdem ist es natürlich eine Positive Entwicklung, wenn Nebenfiguren, wie Judy Dench im neuen Bond, stärker herausgearbeitet werden.

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