Je mehr, desto besser

Blockbuster-Kino setzt zunehmend auf Ensembles

Rudelbildung à la Marvel: Die Avengers
© Marvel
Rudelbildung à la Marvel: Die Avengers

Im zurückliegenden Kinojahr hat sich in vielen Filmen aus dem Blockbuster-Reich, aber nicht nur dort, ein Trend gezeigt: Statt einsamer Helden, die ohne nennenswerte Hilfe ihre Missionen erledigen, waren es in dieser Saison Ensembles, die dem Bösen die Stirn boten: Batman (Christian Bale) bekam in The Dark Knight Rises Catwoman (Anne Hathaway) an die Seite gestellt und erhielt tatkräftige Unterstützung vom Polizisten John Blake (Joseph Gordon-Levitt). James Bond (Daniel Craig) war in James Bond 007 – Skyfall mit einer Dame namens Eve (Naomie Harris) im Einsatz, zudem hatten M (Judi Dench), Q (Ben Whishaw), Gareth Mallory (Ralph Fiennes) und Kincaid (Albert Finney) gut zu tun. The Expendables 2 wartete mit einer Familienpackung an Actionlegenden auf, Der Hobbit: Eine unerwartete Reise hält mit gleich 13 Zwergen dagegen. Als Krönung versammelten sich Marvel’s The Avengers, nachdem ihre Mitglieder zuvor jede Menge Solo-Abenteuer bestritten. Aber nicht nur in Aberdutzend-Millionen-Dollar-Filmen, auch in kleineren Produktionen wie Dame König As Spion arbeiteten viele Charaktere zusammen (oder gegeneinander).

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Nun ist das alles natürlich nichts ganz Neues: Schon die X-Men waren ein Superheldenteam und läuteten gewissermaßen den modernen Superheldenfilm ein. Bond hatte in James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag mit Jinx (Halle Berry) und in James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie mit Wai Lin (Michelle Yeoh) schlagkräftige Damen an seiner Seite, und M war in James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug auch mehr in Action als sonst. Vor dem Reboot von Christopher Nolan stellte Joel Schumacher Batman nicht nur Robin, sondern auch Batgirl zur Seite, und auch Frodo Beutlin (Elijah Wood) war im Herrn der Ringe nicht ganz allein unterwegs. Auffällig ist also vor allem, dass die Massenaufläufe in diesem Kinojahr so vermehrt auftreten. Da alle Filme mit recht geringem Abstand in die Kinos kamen, und auch einen beträchtlichen Produktionsvorlauf hatten, ist es dabei eher wenig wahrscheinlich, dass der eine von dem anderen abgeguckt hat.

Aber woran kann es dann liegen? Eine Erklärung wäre, dass das liebe Geld für die Protagonistenvermehrung verantwortlich ist: Zwar kosten mehr Hauptfiguren natürlich auch mehr, dafür lockt aber auch die Möglichkeit eines größeren Einspielergebnisses: The Dark Knight Rises nahm international umgerechnet ca. 76 Millionen US-Dollar mehr ein als sein Vorgänger The Dark Knight, Skyfall ist schon jetzt der erfolgreichste Bond aller Zeiten, und die Avengers sind allen anderen ohnehin meilenweit voraus, was die Kinokasse anbelangt. Auch der Hobbit wird vermutlich nicht wenige Zuschauer finden. Aber bis auf die Avengers ist eigentlich überall fraglich, ob für den Erfolg tatsächlich die Charakter- und Schauspieler-Vielfalt verantwortlich ist, denn Judi Dench als Action-M oder eine Bande Unbekannter als über ein Dutzend Gnome werden es wohl kaum sein, die die Massen ins Kino treiben. Nur bei Marvel wurde ja gezielt darauf hingearbeitet, die einzelnen Charaktere und Schauspieler zunächst mit Solo-Abenteuern den Zuschauern schmackhaft zu machen, bevor sie gemeinsam gegen Übeltäter kämpfen. Eine Ausnahme dürften zudem die Expendables sein, deren geballte Altmännerpower einen größeren Nostalgiebonus mit sich bringt als Einzelabenteuer der Rentner.

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