Blutdurst und Sex - was Twilight fehltBearbeiten

Veröffentlicht am 27.11.2009, 17:21

Zum Thema Twilight hören wir entweder das Quieken der begeisterten Fans, oder das unzufriedene Grummeln gestandener Vampir-Fans. Warum sich beide Lager nicht einigen können – oder sollten.

Blutdurst und Sex - was Twilight fehlt - Bild 2445075 © Columbia TriStar

Alle paar Jahre kommen Vampire groß raus, kurze Zeit später schert sich keiner mehr um den Hype – fragt Anne Rice. Aber die Vampire von Stephenie Meyer sind nicht nur ungewöhnliche Vertreter ihrer Art, sie sind die Perversen unter den Blutsaugern. Wir wollen zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger und Stock im Arsch Stephenie Meyer unterstellen, sie habe den jahrhundertealten Mythos Vampir durch den Kakao gezogen. Okay, vielleicht ein bißchen. Aber auf jeden Fall ohne Stock. Es gibt nämlich gute Gründe für unsere Faszination mit Vampiren – und die hat wenig mit goldenen Kontaktlinsen und züchtigem Anschmachten zu tun. Twilight-Fans und Spoiler-Scheue sollten vielleicht nicht weiterlesen…

Eins ist klar: Vampire und Sex gehören zusammen. Es ist kein Zufall, dass die sexuell unterdrückte viktorianische Gesellschaft für eine erste Vampir-Hysterie inmitten all der Gothic Novels sorgte. Als Stehkragen bis zu den Ohren reichten – und sogar Tischbeine verdeckt wurden, um Männer nicht durch die Assoziation “Bein” zu erregen, war an Sex in Wort und Bild nicht zu denken. Metaphern tauchten auf, und der Vampir war eine davon. Die Begründer des Genres Vampir-Roman stammen ungefähr aus dieser Zeit: John Polidori (Der Vampyr), Joseph Sheridan Le Fanu (Carmilla) und allen voran Bram Stoker und sein Dracula.

Vampire in Buch und Film
Vampirismus ist eine Form, Sex darzustellen. Schon der Biss selber ist von einem unstillbaren Hunger, einem fleischlichen Verlangen getrieben – eine reine Impulshandlung und durchaus lustvoll. Dementsprechend auch der Ausgang: Die hemmungslose Hingabe an die Triebe bedeutet Kontroll-, Lebens- und Seelenverlust. Er ist das perfekte Gegenstück zur sinnvollen Beziehung zweier Menschen in der Ehe. In modernen Geschichten wurde dies noch deutlicher. In Anne Rice ’s Vampir-Chroniken kennt Sexualität keine Grenzen mehr: Alle ihrer Vampire lieben ungeachtet des Geschlechts. Diese besondere Eigenschaft wurde in der Verfilmung Interview mit einem Vampir eher subtil angedeutet. In allen literarischen Vorlagen steht die Figur des Vampirs für die Befreiung von engen gesellschaftlichen Normen, sexueller Unterdrückung und die Loslösung von der Vernunft. Der Vampir darf triebhaft handeln, ohne sich um Konventionen oder Konsequenzen zu scheren. Dies ist für das Opfer gleichermaßen gefährlich und endlos faszinierend. Letzlich wird auch der bzw. die Gebissene in einem Moment purer Lust von allen vernunftgesteuerten Entscheidungen erlöst.

Eine sehr deutliche Darstellung von Sex und Vamprismus findet sich im Film Begierde zwischen Susan Sarandon und Catherine Deneuve.

Zu so etwas ähnlichem wie Sex kommt es bei Stephenie Meyer erst nach quälend langem Schmachten, das sich über vier Bücher hinzieht, um dann doch noch (natürlich) durch eine Hochzeit legitimiert zu werden. Wenn es dann endlich soweit ist und in der Hochzeitsnacht die Hüllen fallen, ist Bella für die Dauer der gefürchteten Vereinigung bewusstlos (Hallo? Vergewaltigung?) Selbst die Früchte ihrer “Lust” (und in gewissem Sinne auch die Strafe dafür) erlebt sie nicht, da sie bei der Geburt des Kindes nur knapp einem blutigen, qualvollen Tod entgeht. Stephenie Meyer hat selbst zugegeben, Vampir-Bücher anderer Autoren nie gelesen zu haben und schert sich dementsprechend wenig um Mythen, Konventionen und kulturelle Hintergründe.

Die Figur von Edward ist eine Umkehrung des traditionellen Vampirs, und damit meinen wir nicht, dass er nicht kopfüber schläft. Im Roman ist er es, der die Selbstkontrolle übt. Bella wirft sich bei mehr als einer Gelegenheit an den Hals, versucht ihn zum Biss zu verführen. Statt des mythischen Vampire scheint hier eher der gute alte christliche Kanon zum Tragen zu kommen, in dem die Frau unvernünftige Verführerin, der logische, kontrollierte Mann aber Hüter der Moral ist.

Hier die Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen (Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen) – Szene, in der es beinahe sexy wird:

Das ließe sich verschmerzen, schließlich sind Reboots ja scheinbar gerade in – wäre da nicht diese Aversion gegen Sex. Beide Seiten entziehen sich ständig der Gefahr, körperlich zu werden. Die gefährliche Erkenntnis, dass der Andere aus mehr als nur schmachtenden Blicken und Liebesschwüren besteht, bleibt bis zum Schluss verhüllt und wird verschämt beiseite gekehrt. Und wenn das Fleisch sich nicht mehr länger meiden lässt, dann aber wenigstens ganz schnell bewusstlos werden. Puh, Glück gehabt. Bella und auch die Leser hätten es ja womöglich genießen können. Aber die Möglichkeit gibt Stephenie Meyer uns gar nicht erst.

Was ist eure Meinung? Sollten Vampire animalische Blutsauger bleiben, oder steht ihr auf den romantischen Vampir-Light?


Say-what (Sylwia Plaza)

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Kommentare

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J0J0

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Romantik kann da ruhig reinspielen, aber bitte nicht "light"!

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*Jane*

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am besten von beidem etwas

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alanger

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keine frage: animalische blutsauger (die intelligenten vampire haben eh was romantisches) und keine öko-klemmie-vampiere. blut ist nun mal blut. ich weiß wovon ich rede, gute nacht.

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Tala

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"Wenn es dann endlich soweit ist und in der Hochzeitsnacht die Hüllen fallen, ist Bella für die Dauer der gefürchteten Vereinigung bewusstlos (Hallo? Vergewaltigung?)"

Also soweit ich Band 4 kenne - und ich kenne es gut - ist Bella alles andere als bewusstlos. Oder soll die Tatsache, dass Stephenie Meyer die Bettszene nicht beschreibt, jetzt dafür geradestehen? Zumindest versucht Bella am nächsten Morgen Edward davon zu überzeugen, dass es die schönste Nacht ihres Lebens war. Klingt für mich nicht unbedingt nach Kontrollverlust ihrerseits. Eher seinerseits, wenn er schon "währenddessen" in Kissen beißen muss....

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Tala

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P.S.: Bei allen drei angedeuteten Liebesszenen _vor_ Bellas Verwandlung (also auf Isle Esme) ist Bella nicht bewusstlos. Ebensowenig wie bei der angedeuteten "ersten Nacht" nach ihrer Verwandlung.

Es ist ein Jugendbuch. Laut Amazon empfohlen ab 14 - 15 Jahren. Da erwarten wir doch nicht wirklich explizit beschriebene Sexszenen, oder? Vor allem nicht, wenn das Buch aus den USA kommt

Also bitte den Artikel nochmals überdenken - er ist wirklich in vielen Punkten falsch.

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Kris

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Und lustfeindlich!


ladycullen<3

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@Amalthea: Aber wenn sie den Werwolf halt nicht liebt, sondern immernoch Edward? Körperliche Beziehungen zu jemand den man nicht liebt müssen ja nicht unbedingt sein. Und ich weiß nicht recht was ich von Sodomie halten soll. ganz ehrlich, so klasse find ich das auch nicht.


guantanamo_jay

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Dann soll man ein Jugendbuch ohne Vampire mit ganz viel Geschmachte und verruchten Blicken schreiben und nicht den Mythos und alles für was er steht mit Füßen treten, in dem man ihn so unangebracht und bieder verarbeitet.
Warum unsere Jugend schwülstig und fern ab jeglicher Realität mit längst überholten Werten großgezogen werden sollte, kann ich auch nicht recht nachvollziehen.

Vampire dürfen ruhig noch menschliche Züge zeigen, auch Reue, aber diese absolut unverständliche Selbstkontrolle, die wahrscheinlich sogar kein Mann an den Tag legen würde, wenn Kristen Stewart ihn so angraben würde ist von Seiten Edwards( der eigentlich lusterfüllte Vampir) einfach nur unlogisch.

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guantanamo_jay

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Naja, sag ich ja. Film --> Bücher


Momo_09

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Echt? Bei mir und vielen meiner Bekannten war das anders herum...
Ok, ich lasse mich gern eines besseren belehren.


Kris

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In meiner Welt gibt es Platz für animalische Blutsauger UND glitzernde Entsagungsvampire. Sollte demnächst jemand einen Film über Alien-Vampire vom Planeten Desmodontinae drehen, werde ich für die auch mein Fenster offen lassen.

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treebeard3rd

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Es kann beides funktionieren. Vampire können animalisch sein aber auch romantische Adern haben. Es sind nicht existente Wesen. Also können wir hier nicht von Realismus reden oder irgendwelche Regeln. Fantasy wäre nicht Fantasy wenn es eingeschränkt wäre durch irgendwelche Regeln. Ich mag Twilight nicht, aber ist halt mal eine andere Vorstellung von Vampiren. Es gibt genug Leute, denen das geschaffene Universum gefällt.

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alanger

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um die diskussion etwas zu versachlichen hier mal die definition: "Ein Vampir ist ein ...grafisches Analysewerkzeug für Datenreihen, zur Optimierung von parallelen Anwendungsprogrammen"
http://de.wikipedia.org/wiki/Vampir_%28Begriffskl%C3%A4rung%29

das glitzert doch in einem ganz anderen licht.

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Batzman

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es geht also um ein deutsches segelflugzeug? :-p


alanger

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äh ...so im gaaaanz weitem sinne auch, ja.


ladycullen<3

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Ich denke doch, dass für beide Platz ist in dieser Welt. Das schöne an Fantasie ist doch, dass der Begriff keine Grenzen setzt.
Ich hab mir jetzt alle Kommentare durchgelesen, aber ich sehe nicht so recht ein was an der Darstellung der Vampire in twilight falsch sein soll. Es gibt durchaus blutdurstige Vampire (alle bis auf die Cullens und die Denalis). Und wenn es so falsch sein soll, dass in einem Jugendfilm/-buch keine expliziten Sexszenen vorkommen, dann weiß ich auch nicht weiter.
Ich würde Say-what und allen anderen allerdings raten die Bücher zu lesen, bevor sie in ihren Artikeln völlig abwegige Sachen behaupten. Die Fakten zu kennen ist wichtig uzw. ohne etwas hineinzuinterpretieren, aber das wurde ja schon vorher in einer ellenlangen Diskussion geklärt. Trotzdem, diese Anschuldigungen und Unterstellungen gehen mir mittlerweile sowieso auf den Keks. Wie Kris oben bereits erwähnte: dumm, reaktionär, lustfeindlich, frauenfeindlich, männerfeindlich, rassistisch... es gibt einen ganzen Regenbogen solcher Anschuldigungen.

" Selbst die Früchte ihrer “Lust” (und in gewissem Sinne auch die Strafe dafür) erlebt sie nicht, da sie bei der Geburt des Kindes nur knapp einem blutigen, qualvollen Tod entgeht."? Naja, ein ewiges glückliches Leben mit einem Mann der sie über alles liebt und einem Kind, das einmal glücklich mit Jacob zusammenkommen wird ist wirklich ein schlimmes Los. Und sie ist bei der Geburt ihres Kindes bei Bewusstsein.

"Hol ihn RAUS!" schrie ich Edward zu. Warum hatte er das noch nicht getan? "Er kriegt keine Luft! Jetzt SOFORT!" "Das Morphium ..." Er wollte waten, wollte mir Schmerzmittel geben, während unser Baby starb?! "NEIN! JETZT ..."

Um zu schreien muss man definitif bei Bewusstsein sein, das wollte ich nur ansprechen, weil das vorher noch nicht geklärt wurde.

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