Bob Dylan und das Finale von Battlestar Galactica
Beeblebrox (Matthias Hopf), Veröffentlicht am 08.08.2012, 08:50
Joker und Dieb zusammen an einem Tisch
© Universal / moviepilot
Der größte Unterschied zwischen Serien und Spielfilmen besteht wohl in ihrer Länge. Wo im Kino meistens nach guten zwei Stunden Schluss ist, beginnt das beliebte TV-Format erst spannend zu werden. Dabei gibt es allerdings oft zwei Probleme: Serien fressen Zeit und können aufgrund eines stockenden Erzählrhythmus, unsympathischer Figuren oder sonstigen Mängeln zu einer sehr langen Durststrecke werden. Den heutigen Text der Aktion Lieblingsserie widme ich deswegen der dritten Staffel von Battlestar Galactica, die – wie ich als Fan der Serie gestehen muss – in meinen Augen die schlechteste ist. Nach 19 Episoden, die ohne Frage teilweise auch spannend und unterhaltsam waren, manifestierte sich mein Urteil trotzdem in eine negative Richtung. Aufgrund einiger Längen und zu willkürlich gesetzter Schwerpunkte, war ein deutlicher Qualitätsverlust im Vergleich zu den vorherigen Staffeln zu verzeichnen. Entgegengesetzt aller Erwartungen, überraschte mich die 20. und finale Folge äußerst positiv und hinterließ eine der besten Sequenzen der gesamten Serie. Doch vor dem Weiterlesen sei noch eine Spoilerwarnung an dieser Stelle ausgesprochen!
In der finalen Episode der dritten Staffel, die als Crossroads Part II betitelt ist, gipfeln logischerweise alle angefangenen Handlungsstränge, die seit der Pilotfolge geflochten worden sind und somit sollte genügend Stoff für einen packenden Schluss vorhanden sein. Und dies ist tatsächlich der Fall. Egal wie sehr die vorherigen Konflikte gedehnt und in die Länge gezogen wurden. Was die Drehbuchautoren an Themen in die letzte Folge gepackt haben, ist ein temporeiches Feuerwerk, das sich am Ende in allerhand Ereignissen überschlägt. Nachdem ich knapp drei Staffeln mit der Menschheit im ewigen Kampf gegen die Zylonen (Roboter, die unter anderem auch in menschlicher Gestalt auftreten) mitgelitten habe, offenbaren sich vier der letzten fünf unbekannten Zylonen. Für diese überfällige Enthüllung haben die Macher allerdings auf kein Standard-Serienprotokoll zurückgegriffen, sondern dank kreativer Herangehensweise einen der einprägsamsten Serienhöhepunkte geschaffen.
Schon in der vorherigen Episode wird eine Melodie eingeführt, die Colonel Saul Tigh (Michael Hogan) fast wahnsinnig macht. Nachdem zuerst nur wenige Musikfetzen zu hören sind, wird langsam aber sicher eine wiedererkennbare Melodie daraus. Diese setzt sich aus einer Adaption von All along the Watchtower, dem berühmten Song von Bob Dylan, zusammen und wurde von Komponist Bear McCreary perfekt in die musikalische Welt von Battlestar Galactica eingeflochten. Doch nicht nur Tighs Ohren vernehmen diese Töne, sondern auch Galen Chief Tyrol (Aaron Douglas), Samuel T. Longshot Anders (Michael Trucco) sowie Tory Foster (Rekha Sharma) werden von der Musik geplagt. Auf einmal ist die angespannte Atmosphäre von einer unangenehmen Stille geprägt und Tyrel lässt wie aus einem anderen Universum stammend folgenden Satz von sich verlauten: There must be some kind of way out of here. Daraufhin wechselt die Location und Tigh rezitiert eine weitere Phrase aus Bob Dylans Song: Said the joker to the thief. Schließlich gibt Sam die Worte There’s too much confusion von sich und Tory schließt mit I can’t get no relief den Metadialog ab. Kurz darauf finden sich die vier Charaktere in einem Raum wieder und müssen erkennen, dass sie in Wahrheit Zylonen sind und Bear McCrearys Komposition gipfelt in einem adäquaten Höhepunkt.
Was ist das faszinierende an dieser Sequenz? Vermutlich ist es das Zusammenspiel von Musik und Film in Kombination mit Handlung und Figuren, das diesen Moment so einmalig macht. Dazu kommen Bob Dylans poetische Textzeilen und eine interessante Adaption der Melodie seitens Bear McCreary. Ohne große Thesen aufzustellen zu wollen und Interpretationsmöglichkeiten zu erwähnen, möchte ich hier einfach nur diesen unglaublichen Sog zur Geltung kommen lassen, der letzten Endes nicht nur ein wunderbarer Cliffhanger ist, sondern auch die dritte Staffel zu einem großartigen Schluss geführt hat. Epischer war Battlestar Galactica selten. Zudem greift Bear McCreary das All along the Watchtower-Motiv auch weiterhin in der musikalischen Gestaltung der Serie auf und entwickelt das Thema sozusagen zum Leitmotiv, das vor allem im Stück Kara Remembers in der vierten Staffel wieder aufgegriffen wird. Am Ende der vierten Staffel schließt sogar die Jimi Hendrix – Version von All along the Watchtower die Serie ab.
Macht mit und gewinnt bei der Aktion Lieblingsserie:
News aus der Rubrik Aktion Lieblingsserie
Deine Meinung zum Artikel Bob Dylan und das Finale von Battlestar Galactica
Bitte logge dich ein oder registriere dich um einen Kommentar zu schreiben.
Deine Meinung zum Artikel Bob Dylan und das Finale von Battlestar Galactica
Kommentare
über Bob Dylan und das Finale von Battlestar Galactica
Rukus Wed, 08 Aug 2012 12:33:01 -0000
Kommentar löschenTatsächlich ein interessanter Moment in der Serie, aber das Finale war für mich eine absolute Enttäuschung. Genau, wie bei LOST.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 9 Antworten
Rukus Mon, 03 Sep 2012 13:25:14 -0000
Antwort löschenPeinlich ist garkein Ausdruck ... Es hätte so eine geile Mystery-Nummer werden können, mit alten Kulten und sonst was ...
Tytus Mon, 03 Sep 2012 13:36:40 -0000
Antwort löschenam beschissensten fand ich irgendwie die Begrünung.
Es ist bei der alten Erde fehlgeschlagen, bei denn Kolonien, jetzt haben wir es doch noch geschafft mit dem künstlichen Lebensformen (Zylonen) zusammenzuleben, aber ey lass uns einen neustart versuchen vielleicht rottet sich bei diesem Anlauf die Menschheit vollkommen aus XD
Für mich ergab das 0,0 Sinn
Rukus Mon, 03 Sep 2012 14:48:41 -0000
Antwort löschenIch hatte das jetzt auf LOST bezogen, aber ja, völlig daneben gegangener Brainfuck, was die einem da geboten haben.
Tytus Mon, 03 Sep 2012 15:22:29 -0000
Antwort löschenzum Glück irgendwan Lost nicht mehr gesehen, ging mir zu sehr auf die nerven mit diesem " wir machen einen auf mysterious" scheiß.
Rukus Mon, 03 Sep 2012 21:36:30 -0000
Antwort löschenUm mal das cineastische Unwort des Jahrzehntausends zu benutzen ... ein Remake täte der letzten Staffel gut. Bis zum Finale fand ich das nämlich ziemlich cool.
Tytus Tue, 04 Sep 2012 06:57:11 -0000
Antwort löschennee lass mal stecken :D die verschlimmbessern alles nur :D
Tytus Tue, 04 Sep 2012 13:03:44 -0000
Antwort löschendu kennst doch die Traumfabrik in letzer Zeit arbeitet die doch soweiso nach dem Motto " schlimmer gehts immer"!
FlintPaper Wed, 08 Aug 2012 09:08:33 -0000
Kommentar löschenWarum steht da "da Finale von..." wenn es doch nur um Staffel 3 geht. Das Staffelfinale hat mir nämlich auch ganz gut gefallen. Aber das tatsächliche Serien-Finale war doof ><.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Grimalkin Wed, 08 Aug 2012 08:51:55 -0000
Kommentar löschenSehr schöner Text. Dieses Staffelfinale war für mich einer der umwerfendsten Momente in Film und Fernsehen. <3
Schade allerdings, dass nun schon über BSG geschrieben wurde. Ich spielte mit dem Gedanken, auch was zur Serie zu schreiben.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten
the gaffer Wed, 08 Aug 2012 09:40:43 -0000
Antwort löschenDas sollte dich aber nicht abhalten, über BSG zu schreiben! :)
Grimalkin Wed, 08 Aug 2012 10:11:01 -0000
Antwort löschenJa, hast schon Recht. Trotzdem hat das jetzt einen Nachgeschmack! xD
the gaffer Wed, 08 Aug 2012 10:19:52 -0000
Antwort löschenJa, aber bis die User-Texte veröffentlicht werden, dauert es noch eine ganze Weile. Und seh es halt als Ansporn, einen besseren BSG-text zu schreiben. ;)
Weiterführendes zum Artikel ?
Bob Dylan
Beteiligt an 169 Filmen (als Akteur, Komponist, Drehbuch, Regisseur und Lieder) und 41 Serien
Fan werden!
Wir haben auch TV Serien auf moviepilot. Bewerte und kommentiere deine Lieblingsserie!






Bis Ende Staffel 2 war BSG fantastisch. Bis Ende Staffel 3 was BSG gut. Ab Staffel 4 wurde es zu einer Unverschämtheit und mit Psychogeschwurbel vollgepumpte Mysterserie mit dem dämlichsten Ende der TV-Serien Geschichte.
bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten