Bull - Pilot-Check zur Dramaserie mit Michael Weatherly

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Zu den großen Gewinnern der neu gestarteten CBS-Serien des vergangenen Jahres gehörte zweifelsohne Bull. Keine vier Wochen nach der Erstausstrahlung wurde eine komplette Staffel der Dramaserie bestellt. Die Quoten haben sich ebenfalls auf einem stabilen Wert eingependelt, selbst wenn die durchschnittliche Zuschaueranzahl nicht an Navy CIS heranragt, die vorher im Programm läuft und bis vor einem Jahr noch mit Michael Weatherly in einer der Hauptrollen aufwartete. Doch der hat nun die Fronten gewechselt, sich von der etablierten Marke gelöst und den Namen Dr. Jason Bull angenommen, seines Zeichens Gründer eines der erfolgreichsten Beratungsunternehmen für Gerichtsprozesse. Als Inspiration für die Figur dient das frühe Leben des Psychologen und Fernsehmoderators Dr. Phil McGraw, der zusammen mit Paul Attanasio die Idee zu Bull entwickelte. Aber wie entsteht daraus eine Serie? Wir haben uns die Pilot-Episode von Bull angeschaut.

Psychologen und Verbrechen - worum geht es in der Serie?

Im Mittelpunkt der Geschehnisse von Bull befindet sich der clevere Dr. Jason Bull (Michael Weatherly), der sich einen Job ausgedacht hat, der ganz den Datenströmen des 21. Jahrhunderts entspricht. Zusammen mit seinem Team fungiert er als Berater bei Gerichtsprozessen. Wenngleich er am Tag der Entscheidung keine berührenden Reden vor den Geschworenen schwingt, so ist er derjenige, der im Hintergrund sämtliche Fäden in Händen hält. Er betrachtet jeden Fall auf einem individuellen Level und inbesondere aus einer psychologischen Perspektive, die von einem System fortschrittlicher wie komplexer Datenerfassung zehrt. Kaum ist er im Bilde über die Jury, lässt er psychologische Profile der einzelnen Mitglieder erstellen, um im Anschluss eine Strategie zu entwickeln. Denn Dr. Jason Bull weiß: Sollte auch nur ein falsches Wort im Gerichtssaal fallen, kann selbst die beste Taktik zum Untergang führen.

Es ist folglich von größter Bedeutung, die Mit- und Gegenspieler auf dem Schachbrett der Gerechtigkeit in- und auswendig zu kennen. Seien es die Geschworenen, die Anwälte, die Zeugen, die Angeklagten oder die Richter: Dr. Jason Bull und sein Team, das sich neben seinem Schwager Benny Colón (Freddy Rodríguez) aus der Homeland-Security-Agentin Marissa Morgan (Geneva Carr), dem Ex-Cop Danny James (Jaime Lee Kirchner), der Hackerin Cable McCrory (Annabelle Attanasio) und dem Stylist Chunk Palmer (Chris Jackson) zusammensetzt, sammeln so viele Informationen, wie sie können. So kann im Anschluss etwa eine Mirror-Jury erstellt werden, um die Reaktionen im Gerichtssaal vorherzubestimmen, bevor sich die Verantwortlichen ihrer eigenen Handlungen bewusst sind. Es entsteht geradezu der Eindruck, Dr. Jason Bull könnte jegliches Verfahren aus bequemer Distanz lenken, als die Beteiligten nur auf seine Anweisungen warten.

Analysierte Gerechtigkeit - wie geht das?

Gegenüber einfachen Menschen, die nichts von der Genialität des Protagonisten abbekommen haben, entwickelt die Serie allerdings schnell eine herablassende Art. Obwohl mögliche Opfer und Täter ins Licht gerückt werden, ist am Ende von ihrer Person lediglich ein Schlüsselreiz von Belang, um das Verbrechen möglichst spektakulär aufzuklären. Die Pilot-Episode folgt in puncto Dramaturgie dem konventionellen Muster eines Procedurals, ohne sich ernsthaft mit den Figuren abseits des Stammensembles auseinanderzusetzen. Besonders unglücklich ist es daher, dass sich Phil McGraw und Paul Attansio für ihren ersten Fall ein Thema ausgesucht haben, bei dem es durchaus etwas zu erzählen gibt. Immerhin befindet sich ein Junge auf der Anklagebank, der aufgrund familiären Drucks lieber seine sexuelle Identität verschweigt, anstatt die rettende Wahrheit zu sagen. Nun steht er unter Verdacht, einen Mord begangen zu haben.

Zwar existiert in Bull ein aufklärendes Vieraugengespräch zwischen dem titelgebenden Psychologen und dem Opfer, das zum Täter verklärt wurde. Das Drehbuch entdeckt in dieser Unterhaltung allerdings keinen emotionalen Wert, sondern bloß eine Steilvorlage, um den brillanten Durchblick des Protagonisten einmal mehr zu offenbaren. Auf einmal fühlen sich all die stylischen Oberflächen in modernen Bürogebäuden nur noch kühl und steril an. Es ist beinahe ein bisschen irritierend, dass Bull als Serie auf der einen Seite vorgibt, so viel über Menschen und ihre Verhaltensweisen zu wissen, wo auf der anderen Seite jegliches Einfühlungsvermögen fehlt. Ab einem gewissen Zeitpunkt sind all die Menschen, die mitunter direkt von der Straße aufgegriffen werden, verblassende Silhouetten, die gigantische Bildschirme füllen und zur nichtssagenden Komplettierung eines Diagramms dienen.

Wie sieht der Moment aus, in dem ich mich in Bull verlieben werde?

Während die meisten Figuren abseits des Zentrums der Serie kaum greifbar sind, gibt es dennoch eine Persönlichkeit, die Bull so definiert wie keine zweite: Michael Weatherly. Es wird schon einen guten Grund gehabt haben, warum er seit letztem Jahr lediglich in einzelnen Episoden des NCIS-Franchise gastierte. In Bull hat er nämlich alleine das Sagen und beschert seinen Fans unzählige Augenblicke zum Schmachten. Wenn ihr schon immer einmal die volle Dosis Michael Weatherly erfahren wolltet, dann ist Bull die Serie, auf die ihr gewartet habt. Nicht zuletzt hat es durchaus seinen Reiz und kurzweiligen Charme, wenn Dr. Jason Bull eine seiner Analysen vorträgt, als hätte sich Benedict Cumberbatchs Sherlock Holmes in die Untiefen des US-amerikanischen Network-Fernsehens verirrt. Die Frage ist nur, wie sich das auf die Länge einer gesamten Staffel auswirkt. Ohne packende Fälle wird die demonstrative Zurschaustellung des Genies nicht ewig unterhalten.

Bull läuft ab heute jeden Dienstag um ab 20:13 Uhr in Doppelfolgen auf 13th Street.

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